Frohe Botschaften vom Oberen Platz

August 9, 2011 um 18:01 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Dafür sorgt diesmal ein einziges Haus mit der Hausnummer 6. Ehe die guten Nachrichten der Reihe nach aufgezählt werden, noch ein paar Anmerkungen zum alten Bestand. Über Generationen saßen hier die Haller, Lebzelter und Wirtsleute. Die Sippe der Haller hatte verschiedene Gewerbetreibende aufzuweisen. Da auch am Unteren Platz ein anderer Haller Geschäft und Behausung hatte, hieß das Haus Nr. 6 „der Obere Haller“ bzw. später Gasthof zur Post. Das heißt, dass genau hier die Postkutschen ankamen oder abfuhren. Wie gemütlich mag es in der Postkutschenzeit hier zugegangen sein? Wie kurzweilig, in der „Post“ zu sitzen um auf Ankunft oder Abfahrt bei einem Gläschen Wein zu warten? Laut steuerlichem Einbekennen von 1753 diente genau ein Viertel des Gebäudes dem eigenen Gebrauch, ein weiteres Viertel der Vermietung und die Hälfte war angeblich unbesetzt. Ließt man das richtig, dann war der Hausherr mit seinen Gewerben allein in den ebenerdig gelegenen Gewölben untergebracht während darüber einmal Arztpraxen, ein andermal Behörden oder Privatmieter unterkamen. Der Arzt Dr. Franz von Widmayersfeld, verheiratet mit Isabella, einer geborenen Rainer-Harbach starb 1796 in diesem Hause. Anderseits findet sich die Grabplatte eines Haller eingemauert in einem Wochenendhaus nahe Schloss Taggenbrunn.

Auch an das einstige Gesundheitsamt –  im Nachbarhaus – erinnern sich noch Zeitgenossen mit Graus! Und warum? Weil man ihnen hier zu Kriegszeiten Lebertran verabreichte. Als im Jahre 1898 der letzte Haller an den Kaufmann Raimund Rainer verkauft hat, war der seit dem Stadtbrand von 1829  beschädigte zweite Stock nur als Dachboden nutzbar. Erst Rainer hat das Obergeschoß wieder bewohnbar gemacht.

 Jetzt aber zu den drei Freuden, die mit dem kurz zurück liegenden Erwerb des Hauses durch Glan Real eng verbunden ist.  Erstens bekam die Hausfassade einen schönen neuen Anstrich. Der etwas deplacierte Schmuck mit Ornamenten und Kärntner Wappen stammt aus den letzten Zwanzigern. Da nisteten sich dort für kurze Zeit Bankspekulanten ein. Sie gaben sich den stolzen Namen „Kärntner Bank“ und hatten es in der kurzen Zeit Ihres zweifelhaften Wirkens nur darauf abgesehen, einigen leichtgläubigen St.Veitern die guten neuen Schillinge aus der Tasche zu ziehen…..  Wie sich doch die Bilder gleichen, könnte man nach den jüngsten Bankturbulenzen ausrufen!

 Zweite Freude. Auch im Inneren wurde viel verschönert und wer geschäftlich mit dem Realitätenbüro zu tun hat, kann sich leicht davon überzeugen. Bemerkenswert bleibt nach wie vor – nur jetzt bedeutend leichter zu besehen – die achteckige zentrale Säule, auf die sich alle Gewölbe abstützen, mit logischer Fortsetzung im ersten Stock, wo leider schon vorher einige Bögen durch Flachdecken ersetzt worden sind. Die neue, beidseitige Zugänglichkeit zur Mittelsäule lässt auch wieder klar erkennen, dass es sich dabei um ein römisches Relikt aus blau gebänderten Kraiger Marmor handelt. Von Innen zugänglich gibt es dazu auch eine perfekte Legende, von Dozent Dr. Gernot Piccottini. Es soll einmal eine Zeit gegeben haben, wo man die Schuldkinder dort hin führte!

 Weil aber heut zu Tage alles leichter sein muss, hat lobenswerterweise gerade ein neuer Italiener dort sein Restaurant aufgemacht. Es ist im Moment noch ein bisschen überlaufen. Doch das wird sich wieder legen und dann kann man ganz gemütlich bei Macchiato oder Cappuccino einen genussvollen Blick (siehe Foto!) auf dieses Altertum werfen, womit schlussendlich auch die dritte Freude des Oberen Platzes ausgeplaudert wäre.      I/2011

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