Vom edlen Waidwerk in und um St. Veit/Glan

Dezember 19, 2014 um 16:10 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Es gab Zeiten, da war die Jagd ein Vorrecht von Herrscherhaus und Adel. Eine Ausnahme bildeten allerdings die autonomen Städte. Patrizier und gehobene Bürger durften sehr wohl Schießwaffen tragen und ein städtischer Burgfried hatte durchaus jagdbare Gebiete, wie Flussauen, Felder und Wälder beinhalten. So auch in St. Veit. Der Burgfried der Stadt, also das erweiterte Stadtgebiet verlief mit seiner Grenze beispielsweise in Tschirnig beginnend über die untere Glan in Richtung Kollerhof, knapp davor steil den Muraunberg hinan zur Schwarzen Muttergottes, von dort weiter am Grad bis zum sogenannten Sattele. Dabei gehört die Nordwestflanke des Berges zur Stadt, die andere schon zur Herrschaft Karlsberg. Vom Sattele verläuft die Grenze steil ab, quert die obere Glan und erreicht beim sogenannten Schwarzfurter Kreuz (später auch Mansfelder Kreuz genannt) die nach Feldkirchen führende Landstraße, folgt dieser bis zum Reidenwirt, wo ein kleines Bächlein von Treffelsdorf kommend der Glan zu eilt. Diesen Graben aufwärts erreicht man den genannten Ort um dann im rechten Winkel gegen den Pöllingerhof abzubiegen. In fast gerader Linie geht es über den Obermühlbach zum Doppelsbichler, weiter durch Zensweg, unter der heutigen Funder Villa vorbei (eine wunderschöne Parkanlage durchschreitend) und gelangt so in den Graben, welcher nach Hunnenbrunn weist. In Tratschweg geht es über die Wimitz durch ein Waldstück hinauf auf die Wiesen und Äcker des ehemaligen Rainhofes. Dieser musste dem Bahnbau von 1911/12 Platz machen. Damit wären wir fast an unserem Ausgangspunkt angekommen. Als angrenzende alte Grundherrschaften nach Karlsberg sind der Reihe nach noch zu nennen: Nussberg, Kraig, Hochosterwitz mit Enklave Taggenbrunn. Es ist für jedermann leicht erkennbar, dass innerhalb dieser Grenze viel Federvieh, Fuchs und Hasen unterwegs waren und sich die städtischen Weidmänner folglich schon früh voll der Jagdlust hingeben konnten.
Dass sich die St. Veiter schon recht gut und früh darauf vorzubereiten wussten, davon künden die vielen Schützenscheiben im Museum der Stadt. Als es dann ab Mitte des 19. Jhts. endlich auch dem biederen Landmann gegönnt war, an Eigen- oder Gemeindejagden zu denken, waren die St. Veiter ihrer Zeit weit voraus, dementsprechend gern gesehene Jagdgäste bei Freunden der Umgebung. Eine Treibjagd konnte gar nie genug Schützen haben, eher zu wenig Treiber, welche die Aufgabe hatten Hasen und Füchse aus ihren Verstecken zu verscheuchen, Fasane, Rebhühner und Wildenten in die Luft zu bringen. Amazone gab es damals so gut wie keine. Die Jagd funktionierte noch ganz ohne Gleichberechtigung, unvorstellbar!
Dir. Karl Anetter (Jg 1920) hat mir freundlicherweise einige historische Fotoaufnahmen aus der aktiven Zeit seines Vaters – also aus der Zwischenkriegszeit – zukommen lassen, wo nachweislich St. Veiter Schützen bei Treibjagden in Tigring, Zweikirchen und um Hardegg herum teilgenommen haben. Auch ein Foto vom Festwagen der Jägerschaft anlässlich Wiesenmarkt Eröffnung Mitte der dreißiger Jahre ist darunter.Eines zeigen die Bilder ganz deutlich, die Streckenlegung war nie mehr so reichlich wie damals. Hasen, Fasanen und der gleichen scheinen sich schon von selbst in die ewigen Jagdgründe zurück gezogen zu haben. Schuld daran sind die Monokulturen und selbst die moderne Verbauung hat vor moorigen und nassen Böden nicht mehr die geringste Scheu.

Bitte vor den Vorhang

Dezember 19, 2014 um 15:34 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Wenn man auch manchmal gegenteiliger Meinung sein könnte, es gibt sie noch, die Aufmerksamen, Fähigen und Hilfsbereiten, Menschen die offenen Auges durch unsere schöne Stadt gehen, sehr wohl merken, wenn da und dort etwas Wertvolles zu verkommen droht und die dann auch für Abhilfe sorgen. Ein gutes Beispiel, stellvertretend für viele andere Unbekannte und Ungenannte sei hier geboten. Es folgt hier der Bericht über eine Kettenreaktion rund um das Kölnhofer Kreuz, ein besonderes Juwel unserer Stadt.
Ein unbekannter Simeon, er muss eine stattliche Körpergröße gehabt haben, bemerkte eines Tages, dass dem schönen Bildstock an der Friesacher Straße das aufrecht stehende Kruzifix fehlt. Erst bei näherer Nachschau zeigte es sich, das Kreuz war wohl vorhanden, lag jedoch unsichtbar am Nischenboden. Der Unbekannte war in der Lage, den gestürzten Heiland provisorisch an eine eiserne Schleuder anzulehnen, so dass man wieder einigermaßen freie Sicht auf ihn hatte, aber mehr zu tun war ihm scheinbar nicht möglich. Das blieb so, man weiß nicht wie lange, aber jedenfalls nicht länger als ein echter Freund und Kenner der Stadt, übrigens ein täglicher Radfahrer, das unvollendete Werk wahrnahm. Sein Name sei ungenannt, er selbst nennt sich der „Kaiser von der Post“. Er berichtete davon am Stammtisch – wozu sind Stammtische sonst da? – und so ergaben sich bald verschiedene Vermittlungsgespräche. Als Rechtsanwalt Dr. U. Suppan, Obmann des St. Veiter Verschönerungsvereines davon und von gewissen Möglichkeiten erfuhr, wurde zielstrebig weiter getan. Der Chef der Stadtgärtnerei, R. Meierhofer barg das corpus delicti und brachte es nach Schloss Weyer. Dort wohnt ein emeritierter Doktor vet. mit großer Neigung und Freude zum Malen und Anstreichen. Einige Tage waren nötig, Holz und Eisenguss zu untersuchen, weil schon mehrfache und nicht immer sachkundige Anstriche vorhanden waren und erst Schicht für Schicht behutsam entfernt werden musste, bis sich die erste, die ursprüngliche Farbgebung zeigte. Nun erst konnte ein Rostschutz aufgebracht und danach die eigentliche Farbe in Goldbronze aufgetragen werden. Den Weg zurück sowie die fachgerechte neue Verankerung besorgte dankenswerterweise wiederum Herr Meierhofer. Es sind also nicht wenige, Bekannte und Unbekannte vor den Vorhang zu rufen. Wer demnächst an die besagte Stelle kommt, möge sich vom gelungenen Werk selbst überzeugen.
Ein Juwel mit Datierung 1603 steht wieder makellos da. Für Leser mit Orientierungs-Schwierigkeiten ist ein Bild vielleicht hilfreich. Es zeigt zwischen hohen Pappeln in der Weggabelung das Kölnhofer Kreuz und rechts davon die sogenannte Tauschitz-Villa. Einst ein respektables Bauwerk, das auch der Spitzhacke zum Opfer gefallen ist. Eine Redewendung, die heute im Zeitalter der Schubraupen und Baukräne schon gar nicht mehr verständlich ist. Jetzt steht an dieser Stelle eine stattliche Wohnanlage. Man müsste sie „La Siziliana“ nennen, weil viele brave Männer aus Catania/Sizilien monatelang und bis zur Fertigstellung daran gearbeitet haben. Ein kurzes Wort noch zum Kölnhof selbst, der um 1600 wohl ein stattlicher Hof mit schönen Acker- und Wiesen-Flächen rundum, aber natürlich längst noch kein Schloss war. Sein Name kommt daher, dass man, so wie übrigens auch in Völkermarkt, in Stadt-Nähe gerne eine Bezugsquelle für Holzkohle hatte, welche zur Raumheizung und zu gewerblichen Zwecken dringend gebraucht wurde. Das Jahr 1603, es ist im schmalen Gesims kaum noch zu finden, steht für eine äußerst bewegte Zeit. St. Veit wurde von der Gegenreformation arg durchgeschüttelt. Es gab nur ein „entweder oder“. Wenn sich also der Herr von Kölnhof – sein Name müsste erst noch gesucht werden – entschlossen hat, so ein kunstvolles und nicht gerade billiges Kreuz an die Stelle der Straßeneinmündung zu stellen, muss das recht gute Gründe gehabt haben. Damit ein stilles Einhalten und Memento der Vorüberkommenden zum Seelenheil der Stifterfamilie zu erheischen, das allein kann es wohl nicht gewesen sein.

Die hier gezeigten Fotos zeigen das alte Wegkreuz einmal von Norden mit der Tauschitz-Villa um etwa 1930 und einmal aktuell von der Gegenrichtung, sowie den Corpus in Gold-Bronze.

Kölnhoferkreuz.jpg
Korpus Jpg
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