Wo gab es die Schwarzenfurt?

Juni 18, 2012 um 14:55 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Einst langte im Stadtgemeindeamt die Anfrage eines wissenschaftlichen Institutes der Universität Wien ein, wo genau die Schwarzenfurt zu finden sei. Hätten Sie es gewußt? Wenn nicht, so müssen Sie sich deshalb nichts daraus machen, denn erstens ist vom Schwarzenfurter Kreuz schon lange nicht mehr die Rede. Zweitens, als noch mein Schulweg dort vorbeiführte, hieß es längst schon anders, und zwar dem Namen des nahe dabei tätigen Zockelmachers nach, Mansfelder Kreuz und schließlich drittens, ist seit dem Straßen-Neubau ins Glantal 1959 überhaupt nichts mehr davon zu sehen. Es ist ein wahres Wunder, daß noch ein Foto davon erhalten geblieben ist und hier gezeigt werden kann.

Der Abbildung nach war es nahezu ein Ebenbild des gottlob noch vorhandenen Kölnhofer Kreuzes mit der Jahreszahl 1603. Hat dieses ein Okton als Basis, so war jenes quadratisch aufgesetzt. Die vier Ecksäulen sind fast ident und nur die Dachformen unterscheiden sich wieder deutlich. Von der Bauzeit her dürften beide gleich einzuschätzen gewesen sein.

Der seitdem einzig aufgefundene Bericht über das verschwundene, immerhin einmal ein altes Rechtsdenkmal bildende Schwarzfurter Kreuz, ist den Mitteilungen der Stadt St.Veit Nr.1/1978 Seite 12 zu entnehmen. Demnach rief damals der Verschönerungsverein unter Führung von Herrn AR Egger zu einer Spendenaktion für die Wiedererrichtung des Wahrzeichens auf. Dabei wird das Jahr 1603 auch für das Schwarzfurter Kreuz genannt.

Die Spolien sollen damals laut Auskunft von AR Egger noch im Bauhof gelagert gewesen sein. Wer kann über deren Verbleib heute noch Auskunft geben? Inzwischen hat sich  Denkmalschutz längst auch schon unter den Straßenbauern herumgesprochen und es wird nirgendswo mehr ein Wegkreuz ersatzlos entfernt, meistens dagegen auf Kosten der Straßenverwaltung übersetzt. Vielleicht stand damals durch entschädigungslose Einziehung des alten Standortes wirklich kein geeigneter Platz mehr dafür zur Verfügung. Vielleicht war das auch der Grund, daß später eine schöne Steinplastik näher der Stadt und an der verkehrten Straßenseite von Glawischnigs Künstlerhand zur Aufstellung gelangte. Ein weiterer Versuch in den 90-er Jahren von Herrn Heinz Ellersdorfer, den alten historischen Punkt wieder zu seinem Recht zu verhelfen, versandete leider ebenfalls.

Eine interessante Erwähnung des Schwarzfurter Kreuzes macht der leider allzufrüh von uns gegangene Prof. Richard Gössinger auf Seite 444 der Liebenfelser Gemeinde-Chronik: Die Lokalisierung „beim Reidenwirt“ ist zwar etwas ungenau, was er aber über die Karlsberger Maut und zur Karlsberger Landgerichtsbeschreibung von 1565 aussagt, erscheint im Zusammenhange mit dem ausschnittsweise hier wiedergegebenen Plan des Kartographen Sartor von 1570 äußerst wichtig. Ehe es nämlich die „Steinerne Brücke“ über die Glan unterm Reidenwirt gab, zweigte der Weg nach Klagen f u r t  beim Schwarzfurter-Kreuz von der Villacher-Straße ab und eben dieses Kreuz war auch stets ein Fixpunkt der oft gehaltenen Burgfriedsbereitung der St.Veiter. Burgfriedsbereitung steht für regelmäßiges Abschreiten und –Reiten der Grenzen, gemeinsam mit den Anrainern. Ohne Brücke bedurfte es anfänglich eben einer Furt. Nach Prof. Gössinger mittelhochdeutsch: vurt, englich: ford = fahren, hinüberführen.

So wird es leider wohl dabei bleiben, daß man eine alte Karte von 1750 einsehen muß um genau zu erkennen, wo Schwarzfurt und Schwarzfurter-Kreuz und die danach genannten Äcker und Wiesen einst lagen. Lassen Sie sich bitte nicht verwirren, die Landkarten waren damals nicht nach Norden, sondern nach Süden ausgerichtet!

Schwarzfurter-Kreuz, Foto Prof.Ellersdorfer

Ausschnitt Stadtplan Sartor 1750 (St.Georgener Archiv) Pfeil 1 Schwarzfurt, Pfeil 2 Schwarzfurter Kreuz,  Pfeil 6 Pulverturm I

An Hand des hier gezeigten, modernen Mappen-Blattes (Ausschnitt) läßt sich dreierlei festhalten: „1“ Standort altes Kreuz, „2“ Standort neues Kreuz, rote Linie = Grenze zwischen

KG St.Veit und KG Hörzendorf, identisch mit ältester Burgfriedsgrenze. Selbstredend war es bei Burgfriedsbereitungen jüngerer Zeit angenehmer, über eine inzwischen erstandene Brücke zu reiten, als durch sumpfiges Glanwasser zu waten. Vergessen wir auch nicht auf Prof. Richard Gössingers Landgerichtsbeschreibung von 1565! Abschließend sei festgestellt, daß der Autor textlich und bildlich schon Anfang 2002, wenn auch in einem anderen Medium, bislang Unwidersprochenes zum Gegenstand ausgesagt hat.

Walter Wohlfahrt in „St. Veit Kommunal“  I/2002 und Nachtrag

Ein Nachtrag

Übrigens, die Einweihung des nachgebauten, etwas versetzten Schwarzfurter-Kreuzes an der Straße nach Villach nahe Jacques Lemans, war ein schönes Fest. Es wurden auch Reden gehalten, dabei jedoch außer acht gelassen, daß es für den Bau des sogenannten Kanals an der Glan im Bereich des mehrfach genannten alten Wegkreuzes einen Beleg gibt, der die Bauzeit des erwähnten Kanals exakt angibt. Im Sitzungsprotokoll des Magistrates vom 30.6.1753 heißt es wörtlich „der hochgräflichen Herrschaft Carlsberg solle zugeschrieben werden, daß mit Errichtung des Fürschlag beiderseits der Gerichtsconfin (Grenze) dieser Fürschlag zu Nutzen allein des Mooses mit Schwemmung des Glanflusses in die Canalen erbaut und wird approviert (genehmigt) werden müssen“ Die Furt war somit nicht zur Überwindung des „jungen“, mittlerweile wieder aufgelassenen Kanals, sondern zur Querung der alten Glan an günstigster Stelle gedacht.

Das sogenannte Benefiziaten-Haus

Juni 9, 2012 um 18:52 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Das Wohnhaus Bräuhausgasse 25A der Familie Martin Bodner ist unmittelbar an die Stadtmauer angebaut. Insgesamt fünf Fensteröffnungen durchbrechen die Wehrmauer gegen den Stadtgraben hin. Der Zugang besteht von der Bräuhausgasse her und dieser wurde stets auch von den Nachbarn links und rechts mitbenützt. Das meist geschlossene Tor läßt den Einblick  aber nicht zu.

 Dieses Gebäude war seit 1768 das Benefiziatenhaus der Gleismüllner´schen Stiftung mit der Adresse Judengasse Nr.25 alt, 26neu. Als Vorbesitzerin gilt Johanna Höcher, eine Malerswitwe. Dieses Haus ist jedoch von dem in der Stiftungsurkunde von 1474 genannten „Kaplanshaus  zu St.Veit in der Stadt zwischen Hans Kaltenhauser und Peter Maler gelegen“ zu unterscheiden. Das älteste Domizil des Benefiziaten lag nämlich ebenfalls in der Judengasse/spätere Bräuergasse, in nächster Nähe zwar, aber doch an anderer, bislang unbekannter Stelle.

 Dieses erste Gebäude wurde nach Beschädigung durch den Stadtbrand von 1747 verlassen. Für den Benefiziaten gab es bis 1768 ein Zwischenquartier im sogenannten Zigulnig´schen Hause in der Kirchgasse neben der Mesnerei.

Als jedoch Jakob Moschee dem Johann Höfferer von Baltersperg 1768 im Benefizium nachfolgte, hielt es dieser in der Kirchgasse nicht lange aus. Er beklagte sich beim Patron, also beim Magistrat, sein Haus sei voller Mäuse, Ottern und Schlangen und obendrein noch feucht und ungesund. Moschee – von ihm stammt zur Erinnerung an seine Eltern die Grabinschrift, welche links vom Südportal in die Außenwand der Stadtpfarrkirche eingemauert ist und wie folgt lautet:

„Franz Moschee, Bürger und Glasermeister ligt allda bey seiner Gattin Maria welcher den 31. July 1768 gestorben, dem Gott samt allen Verstorbenen gnädig seye. Aus kindlicher Liebe gegen seine lieben Aeltern hat Jacob Moschee, gewester Dechand zu Lind in Traathal (Drautal) als Gleismüllner Beneficiatus Curat diesen Grabstein machen lassen“ – war somit der erste Benefiziat, der das Haus Judengasse 25alt, 26neu bewohnt hat. Der Magistrat zeigte sich bei dieser Gelegenheit von seiner besten Seite. Er gewährte zweihundert Gulden für die Adaptierung des desolaten Gebäudes und auch das nötige Bauholz aus eigenem Walde.

1769 richtete Moschee ein neuerliches Ansuchen um weitere Bauhilfe an die Stadtherren. Diese wollten zunächst wohl nichts mehr davon hören, doch nach Intervention des Bischofs von Lavant, griff man halt noch einmal tief ins Stadtsäckl.

Die vermutlich nächsten Benefiziaten sind Jakob Tonitz (1832 genannt) und Kajetan Klesel (1845). Zu ersterem wäre zu ergänzen, daß lt. Stiftregister um 1823 bis längstens 1826 „Herr Primus Tonitz, Weinhändler allhier, den jährlichen Fruchtgenuß von einer Wiese als kleine Remuneration für die Temporalien-Verwaltung der Gleismüllner´schen Benefiziat Gült“ inne hatte. Es sieht ganz so aus, als gäbe es ein Verwandschafts-Verhältnis zwischen dem Benefiziaten und dem Weinhändler. Von Klesel wird gesagt „er wohne im Hause Nr. 26, einem städtischen Gebäu, zusammen mit einer Magd“. Das Wohnhaus dürfte also damals aus Erdgeschoß und einem Obergeschoß bestanden haben. Das mit dem „städtischen Gebäu“ ist aber sicherlich ein Irrtum, nur daraus entstanden, daß die Stadt immer wieder für alle Gebäudekosten aufkommen sollte und zeitweilig auch tatsächlich dafür aufgekommen ist. Über die Verfügungsrechte der kirchlichen Behörden ist jedoch nur einmal in alter Zeit und nur vorübergehend ein Zweifel aufgekommen, als während der Reformation die lutherisch gesinnte Stadtverwaltung das damals umfangreiche Besitztum der Gleismüllnerischen Stiftung an sich zu ziehen trachtete. Der jeweilige Benefiziat hatte laut  Stifterwillen  zwar  die  Möglichkeit, Grundstücke und Besitztümer zu verkaufen oder zu vertauschen, benötigte dazu aber die ausdrückliche Zustimmung des Erzpriesters von Friesach bzw. des Salzburger Erzbischofs, später die des Bischofs von Gurk.

Auf Klesel folgte möglicherweise schon Franz Franziszi als Benefiziat und Katechet. Er, der berühmte Kärntner Volkstumsforscher, bewohnte unserer Haus für die Dauer seines Wirkens in St.Veit und zwar von 1857 bis 1870 und hinterließ eigenhändig geschriebene Notizen zur Geschichte der Gleismüllner´schen Stiftung. Er bemühte sich darin auch um die Lokalisierung des ursprünglichen Benefiziatenhauses in der Judengasse, ohne aber anscheinend zu befriedigenden Resultaten zu gelangen, denn in seiner Veröffentlichung von 1864 – „Archiv für vaterländische Geschichte, Seite 77ff“ – läßt er alle Überlegungen zum ältesten Benefiziatenhaus bezeichnenderweise gänzlich weg. Oswin Moro widmete diesem vortrefflichen Mann und vorbildlichen Seelenhirten einen würdigen Nachruf in der Carinthia 1951, Seite 6ff.

 Ob und wer nach 1870 dieses Haus als Benefiziat noch bewohnt hat, ist vorerst nicht auszumachen. Bald dürfte man jetzt aber dazu übergegangen sein, die vorhandenen Wohnräume im Haus in der Bräuhausgasse einfach zu vermieten. Die einst ansehnlichen Stiftungserträge – bis 1848 nahezu ungeschmälert vorhanden – sind insbesondere durch die Grundentlastung der bäuerlichen Untertanen stark geschrumpft. Man erhielt nur ein Drittel des Wertes an Ablöse und legte diese Mittel in Wertpapieren an, verlor aber dafür die bisherigen Erträgnisse aus Huben in Straganz, in Niedergöriach am Magdalensberg, am Ranach bei Brückl, in Thalsdorf, St.Sebastian und Glandorf zu hundert Prozent. Im Eigentum verblieben lediglich die nichtbäuerlich, also etwa an Kaufleute und Gewerbetreibende verpachteten Äcker und Wiesen im Weichbild der Stadt, sowie das Benefiziatenhaus in der Bräuhausgasse. Die Erträge daraus belaufen sich knapp nach der Jahrhundertwende lt Kassa-Journal 1902-1929 für Pachtgründe auf 110 Kronen, für Mieteinkünfte beim Benefiziatenhaus auf 240 Kronen und für Zinsen aus einem Wertpapier-Nominale von insgesamt 7.500 Kronen auf etwa 300 Kronen, zusammen also auf rund 650 Kronen jährlich. Das reichte gerade einmal für Steuern, für durchschnittlich 100 Stiftungsmessen à 1 Krone 20 Kreuzer und für das Verwaltungshonorar von 432 Kronen pro Jahr. Solche Zahlen ließen natürlich den Posten eines Benefiziaten schon zu Franziszis Zeiten völlig unattraktiv erscheinen und es würde garnicht wundernehmen, wenn sich danach niemand mehr für diese Stelle gefunden hätte. Mit dem unglücklichen Ende des 1. Weltkrieges sind obendrein auch noch alle Wertpapiere der Inflation zum Opfer gefallen.

Zur Hausgeschichte bietet das Kassen-Journal noch einige Details. So hört man im Jahre 1902, daß der Lehrer Adam mit seiner Familie einziger Mieter ist und jährlich 240 Kronen zahlt. Die Wiese beim Pulverturm hat Gustav Mlinek um 63 Kronen, Franz Titz einen Acker um 35 Kronen und Andreas Pogatschnig ein drittes Grundstück um 16 Kronen in Pacht. Mit der Zeit wechseln nicht nur die Pächter sondern auch im Hause tut sich einiges. Auf den Lehrer Adam folgt 1906 Franz Lappitsch, Bahnbediensteter als Mieter. Aus diesem Anlaß liefert Tischlermeister Johann Essich einen neuen Küchenboden um 18 Kronen. Eigenes Wasser gibt es beim Hause nicht, daher werden 4 Kronen an den Wirt Josef Migglitsch für die Gestattung des Brunnwasserbezuges geleistet. 1907 macht Zimmermeister Carl Ebner für 23 Kronen eine neue Senkgrubenabdeckung im Rainer Garten. Das heißt, daß der Hauskanal durch die Stadtmauer durchführte. Im Jahre 1920 – wie man weiß, am Höhepunkt der Wohnungsnot in St.Veit – kommt es anscheinend zur Aufstockung des Hauses, denn es werden nicht nur „140 Kronen für Verputzen der Wohnung im 2. Stock“ ausgegeben, es gibt von nun an plötzlich  3 Mieter, namens Vetter, Kraßnig und Herenig. Die Miete beträgt für jeden 10.000 Inflations-Kronen bzw. nach Währungsumstellung 1 Schilling monatlich. Im Jahre 1929 wird mit 290 Schilling mehr ausgegeben, als mit 231 Schilling ein-genommen. In den Ausgaben ist ein Betrag von 116 Schilling für 29 Stiftungsmessen enthalten. Für den Mieter Kraßnig kommt im Jänner 1939 Herr Kanolzer ins Haus und bleibt bis mindestens 1957. Seine Neben-mieter wechseln häufig. Es sind dies u.a. Maria Gaggl, Ernst Schöppl und Herr Bizai. Am 2.8.1941 wird die Wasserleitung montiert (Luftschutz!) und im November darauf eine Wasseruhr eingebaut. 1942 mußte eine Luftschutzspritze ins Haus und weil über den Winter die neue Wasser-leitung einfror, war diese im April 1942 aufzutauen. Oh ja, der strenge Winter 1941/42 hat noch viel Schlimmeres auf dem Gewissen……

 Walter Wohlfahrt in „St. Veit Kommunal“ Juni 2006 – korr. 2012

Das ist unser Bier….

Juni 9, 2012 um 18:29 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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In diesem schönen Sommer soll es passenderweise einmal um den edlen Gerstensaft gehen. Vom „Bieradies“ bis zum „Bierolymp“ oder umgekehrt ist es in St.Veit nur ein Katzensprung. Diese Adressen sind noch jung, die Geschichte des Bieres in unserer Stadt aber um so älter.

War St.Veit immer schon voll von durstigen Seelen? Es hat ganz den Anschein! Die größte Gruppe unter den mit Bürgerrecht ausgestatteten Herzogstädtern waren nicht die Kaufleute, auch nicht Handwerker, es waren die Wirte, die Steinbier- und Kesselbierbräuer. Sie gelangten teilweise zu beträchtlichem Vermögen und genossen dementsprechend großes Ansehen. Weil Berufsangaben im Bürgerbuch der Stadt (Landesarchiv Handschriften 2-2a) erst relativ spät üblich werden, können wir das Geschehen erst ab Beginn des 18. Jhdts. einigermaßen sicher verfolgen. Die Wirte wollen wir nur insofern heranziehen, als sie sich mit eigener Biererzeugung beschäftigten. Man darf auch getrost davon ausgehen, daß nicht jeder Wirt und auch nicht jeder Bierbrauer sich um Bürgerrecht beworben hat und daß es folglich nicht die einzigen ihres Berufsstandes sein können, die tieferstehend genannt werden:

Die in Klammern gesetzte Jahrzahl steht immer für die feierliche Bürgeraufnahme, verbunden mit der Ablegung des Bürgereides und mit der Entrichtung einer variablen Bürgertaxe.

Kesselbierprojer (Originalschreibweise) Gottlieb Kuchler (1704) zahlt 12 Gulden.

Der gelernte Bierbrauer Johann Zopf (1720) aus Radstadt zahlt 10 Gulden.

Kesselbierbrauer Hans Georg Hauser (1724) im Salzburger Land geboren, 10 Gulden.

Kesselbierbrauer Hans Suehsbauer (1725) ebenfalls vom Salzburger Land, 20 Gulden.

Suehsbauer ist der erste Biersieder, den wir im Alten Bräuhaus in der Bräuhausgasse, damals noch Judengasse genannt, festmachen können. Von den Vorgängern wissen wir es nicht genau. Von einem Vertreter dieser Familie gesponsert und signiert findet sich eine Schützenscheibe im Stadtmuseum, den sagenhaften Schutzherrn aller Bierbräuer Gambrinus, König von Brabant darstellend.

Kesselbierbrauer Andre Suehsbauer (1837), hier geboren, er zahlt 12 Gulden Taxe (1761)

Bräumeister Anton Kernmayer, 1789 hier geboren und auch er ist bereits im Bräuhaus aktiv. Zwischen diesen beiden Familien war eine Zeit lang der Stadtmagistrat selbst Inhaber der Bräuhütte. Man stellte es sich damals so vor, daß die umliegenden Wirte, welche bislang und stets unter höchster Feuergefahr für die Stadt, ihr Steinbier selbst machten, von nun an in einem gewissen Turnus, die städtische Bräuhütte an der Stadtmauer benützen würden. Die dort gewährleistete, bessere Aufsicht sollte Stadtbrände vermeiden helfen. Das ging aber nicht lange gut. Der Eigensinn und das zunehmende Ausweichen der Bierbrauer in die Vorstädte, ja sogar über die Stadtgrenzen hinaus, ließ die städtische Initiative bald versanden. Schließlich war der Stadtmagistrat froh, in Kernmayer einen Käufer gefunden zu haben, der sich damals sogar noch das sogenannte „Lazarett“ am Eingang des Vitus-Parkes miterhandeln konnte. Beim Lazarett hatte es sich um das Krankenrevier der in der Stadt in Garnison liegenden kaiserlichen Soldaten gehandelt.

Steinbierbrauer Dominikus Trinker, (1800), 1762 hier geboren

Steinbierbrauer. Anton Haß, (1808), am Pauffler’schen Haus in der Klagenfurter Vorstadt, 1767 in Goggerwenig geboren.

Steinbierbrauer Gregor Obenar (1841), (Spitalgasse 13) von Bleiburg und dort 1808 geboren.    

Wir haben nun über einen Zeitraum von 150 Jahren nur einmal die Brauhäuser betrachtet und dabei gesehen, daß neben den Steinbiererzeugern längst schon Kesselbierbrauer vorkommen. Was ist der Unterschied zwischen diesen beiden? Wer schon einmal über die Nockalm-Straße gefahren ist und dort im Karlbad gesehen hat, wie man die Bachsteine im Feuer erhitzt um damit das Wasser in den Badtrögen zu erwärmen, der hat schon die richtige Vorstellung vom Steinbiermachen. Um sich die Anschaffung eines teuren, damals nahezu unerschwinglichen, eisernen Gefäßes, also eines Kessels zu ersparen, den man allerdings zum bequemen Unterheizen und Sieden der Bierwürze hätte verwenden können, machte man den Sud im Holzschaff mittels erhitzter Steine. Aber nicht nur das, auch das Ausgangsmaterial war beim Steinbier meist minderwertiger, sprich Hafer statt Gerste und so eben auch die Qualität des Bieres eine sehr verschiedene. Dies führte schließlich auch dazu, daß Steinbier eines Tages immer weniger angeboten wurde.

Wenden wir uns nun jenen Wirtshäusern zu, die alle noch ihr eigenes Bier und zwar ausschließlich Steinbier hatten, und ebenfalls zu Bürgerehren aufgestiegen sind.

Mäz Zacharias (1758) mit dem Kemetter`ischen Steinbier-Wirtshaus, er kam aus Weitensfeld. Josef Schmidt (1758)  „so das Pauffler´sche Steinbier-Wirtshaus, Klagenfurter Vorstadt erkauft“ Josef Wernhamer (1759) kam durch Heirat der Martl Tochter zu Haus und Steinbierbräu. Lorenz Surtmann, (1763) Wirt am Gatter´ischen Haus und Steinbierbräuer aus Gurk gebürtig.  Simon Hochhalter(1770), hier geborener Wirt und Bierbrauer, Sohn eines Steinbierbrauers.  Anton Mayländer, (1770) Wirt und Brauer in der Friesacher Vorstadt, von Sand zugezogen.  Jakob Seidl (1771), Wirt und Steinbierbrauer am Kemetter-Haus, in Gurk geboren. Jakob Tolhamer (1791), Wirt und Steinbierbräuer, aus Kötschach gebürtig. Josef Steiner (1824), Haus mit realer Steinbierbrau-Gerechtsame Villacher Vorstadt 156 aus Obermühlbach zugezogen und dort 1791 geboren. Josef Lebmacher (1834), Braumeister, 1810 hier (d.h. in der Stadt) geboren.

Im Jahre 1826 geht Johann Winkler, aus der Klagenfurter Vorstadt mit einer Beschwerde bis vor das Hohe Gubernium in Graz. Der diesbezügliche Vorgang liegt im Besitzveränderungs-Protokoll 1825-1835, im Landesarchiv Klagenfurt unter Signatur 189b verwahrt:

„Gemäß beiliegender magistratlicher Aufsandung vom 3. Hornung 1809, welche am 11.1.1811 grundbücherlich einverleibt worden, ist das Haus Nr6alt/222neu samt realer Steinbier-Gerechtsame auf mich gediehen. Weil ich aber nun ein gelernter Kesselbierbrauer war und ohnehin nur eine einzige Kesselbierbrauerei hier in St.Veit ausgeübt worden, so habe ich beim hohen Gubernium in Graz angesucht, daß meine erkaufte Steinbiergerechtsame in eine reale Kesselbiergerechtsame umgewandelt werden wolle. Meinem Ansuchen wurde in Folge des beiliegenden Dekretes vom 11. Juli 1812 stattgegeben, worüber aber der hiesige bürgerliche Braumeister Georg Kernmayer  r e c u r i e r t e , am 16. Feber 1813 jedoch (damit) abgewiesen wurde. Demnach bitte ich den löblichen Magistrat, wohlselber geruhe, die Einverleibung dieser Urkunde im magistratlichen Besitzumschreibungsprotokoll zu bewilligen.“

Daraus, daß Georg Kernmayer als einziger Kesselbierbräuer bezeichnet wird und daß auch kein anderer Brauer Einspruch erhoben hat, müßte man schließen, daß alle vorgenannten Kesselbierbräuer einzig und allein im Alten Bräuhaus in der Judengasse gearbeitet haben.

Die ältesten Gasthäuser sofern mit Steinbierbräu-Gerechtsame ausgestattet, waren danach Gasthaus Gautsch in der Villacher Straße, das heutige Haubenlokal Pukelsheim, Erlgasse 11 und der Gasthof Nagele in der Spitalgasse 13.

Walter Wohlfahrt in „St. Veit Kommunal“ April 2002 – nachredig. 2012

Die „Salniter-Plantagge“ bei St. Veit

Juni 9, 2012 um 17:29 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Geht es diesmal um ein Spanisches Dorf? Wer bei diesem Titel „nur Bahnhof“ versteht, mache sich nichts daraus, denn Salniter nannte man vor zweihundert Jahren den Kali-Salpeter und  mit Plantage wurde eine Art Fabriksanlage bezeichnet.

Nachdem wir in den vorangegangenen Ausgaben schon von Pulvermühlen, Pulvertürmen, Schieß- und Sprengpulver, ja selbst von einem Salpeter-Magazin in der Villacher Vorstadt so manches gehört haben, ist es naheliegend, auch über jene Anlage zu berichten, die sich einst in Glandorf befand, dort wo die Klagenfurterstraße und die nach St.Andrä abzweigende Nebenstraße einen Zwickel bilden, und eben den Namen Salniter-Plantagge trug. Alles was davon noch vorhanden ist und gezeigt werden kann, ist der Katasterplan von 1828 sowie der Plan einer vergleichbaren und zeitgleichen Anlage in Himmelberg.

Am Katasterplan trägt die Plantage die Gebäudeflächennummer 329. Sie liegt genau gegenüber der Bleyweis-Fabrik, heute Verwaltungsgebäude der Firma Funder. Damit wäre auch die geographische Lage eindeutig geklärt. Zum sachlichen Geschehen befragt man am besten das Universal Lexikon, Band XXXIII, Seite 1129 ff von Zedler, 1739. Demnach gewinnt man Salpeter aus verfaulten Teilen von Lebewesen oder Pflanzen, Kot und Urin, nur der Luft und nicht der Sonne und nicht dem Regen ausgesetzt. Träger des Salpeters sind lehm- und kalkhaltige Erden. Durch Auslaugen gelangt man zu Kalilauge und diese wird anschließend geläutert.

Die gleiche Quelle, jedoch Band XXII, Seite 134 ff zum Stichwort Mühlen (Pulvermühlen) setzt mit dem geläuterten Salpeter fort, welcher zusammen mit Schwefel und Holzkohle gestampft und zu Schießpulver gemacht wird. Baum, Hammer und Trog müssen dabei unbedingt aus Holz sein, um Überhitzung und Explosion zu vermeiden. Von Hebarmen, Stempel und Wasserrad ist im Zusammenhang mit Pulvermühlen gleichfalls die Rede.

 Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage, Band 17, Seite 484, Leipzig-Wien 1907, Schlagwort „Salpetersaures Kali“ ist schon ausführlicher: „Salpeterplantagen betrieb man, indem man Dünger tierischer Abfälle etc. mit lockerer, humusreicher Erde, Mergel, Bauschutt, Holzasche etc. schichtete und etwa 2 bis 3 Jahre mit Stalljauche feucht hielt. Diese Masse enthält reichlich Kalisalpeter neben salpetersaurem Kalk etc.. Die durch systematisches Auslaugen erhaltene Lösung wird mit Pottasche versetzt (gebrochen) um Kalk und Magnesia als Kohlensäuresalze zu fällen und so salpetersaures Kali zu bilden. Die geklärte Lauge wird verdampft, wobei sich ein großer Teil der fremden Salze ausscheidet und dann zur Kristallisation gebracht werden kann. Gegenwärtig (1907) wird bei weitem der meiste Salpeter aus Chilesalpeter (Natursalpeter) hergestellt.“

Die Festschrift für Dr.Alfred Ogris, Klagenfurt 2001, enthält auf Seite 369 einen sehr interessanten Aufsatz von Dr. Friederike Zeisberger (Salzburg) mit dem einschlägigen Thema „Zur industriellen Salpetergewinnung um 1800 in Salzburg und Kärnten“ Die dort u.a. geschilderte Salpeter-Plantage von Himmelberg (siehe Plan!) erlaubt zahlreiche Analogieschlüsse zu unserer heimischen Anlage in Glandorf. So liest man dort beispielsweise von einer Salpetersiedhütte, von des Saliterers Wohnung, von einer Ziegelplantasch, von einem Behältnis des ganz verfertigten Salpeters (vergleichbar unserem alten Salpeter-Magazin in der Villacher Vorstadt) und nochmals von bereits geschilderten Produktionsabläufen.

Ein kurzes vollständiges Zitat daraus lautet: „Natronsalpeter kommt in großen Lagern in der Natur vor, da er durch Verwesung stickstoffhaltiger organischer Substanzen bei geringem Niederschlag entsteht. Der Name leitet sich von Sal petri, d.i. Felsensalz, ab. Bei uns wurde der wertvolle Stoff (in früherer Zeit) hauptsächlich in Ställen (aber auch nahe von Jauchegruben städtischer Häuser) durch Saliterer genannte Arbeiter von den Wänden abgeschabt. Der in Kärnten wiederholt vorkommende Familienname „Saliterer“ oder „Saliternig“ ist von diesem Beruf hergeleitet.“ Die Saliterer genossen große Freiheiten und Befugnisse. Anderseits war ihnen aber nicht erlaubt, außer Landes zu ziehen.

Der in napoleonischer Zeit stark gestiegene Bedarf an Schießpulver einerseits und die unerträglich gewordenen Eingriffe seitens der Salnitergräber anderseits führten dazu, daß man immer intensiver nach industrieller Herstellung von Salpeter trachtete. In unserem Falle scheint  J. Erwarth, seines Zeichens Rosthorn’scher Oberhutmann und von 1828 bis 1832 auch Eigentümer des Hauses Villacher Vorstadt Nr. 156 der Pionier gewesen zu sein, obzwar die Kärntnerische Zeitschrift von Simon Martin Mayer, 5.Band, Klagenfurt 1826, Seite 169 Freiherrn Johann Mathias von Koller als Inhaber von Bleiweiß- , Saliterfabrik und Papiermühle anführt. Erwarth war es jedenfalls, der 1828 die Salniter-Plantage samt Wohn- und Stallgebäuden, Garten, Kessel und Salnitererzeugungsgerätschaften um 400 Gulden an Gräfin Katharina von Egger (eine geborene Freiin von Koller) verkauft, sich aber die Salnitererzeugungsbefugnis ausdrücklich vorenthalten hat. (Landesarchiv, Handschriften, Signatur 204C, Folio 22). Von Katharina Egger ging die Anlage (Haus Nr. 239) infolge Schenkungsvertrag vom März 1837 (ebenda, Folio 143) an ihren Sohn Gustav Graf Egger, obzwar wiederum ein anderer Vermerk von 1834 aussagt: „Haus Nr. 239 Egger demoliert“!

Das Grundbuch der Kammerstadt St.Veit 1743ff, erwähnt unter Folio 175 einen Übergabsvertrag von 1837 an Graf Egger betreffend eine SALMIAK-FABRIK im Erlgraben, Weitensfelder Vorstadt Nr.181, die sicher in einen Zusammenhang mit der Salpetergeschichte zu stellen wäre. Weil zu jener Zeit nur bewohnte Häuser eine Nummer zugeteilt bekamen, kann es sehr wohl sein, daß die Salniter-Plantage weiter bestanden hat und nur das Arbeiterwohnhaus zum Abbruch gelangt ist.

1845 erscheint die letzte Notiz. Die Salniter-Plantage hat jetzt die Hausnummern 258 bis 260, ist immer noch im Besitze von Graf Egger, aber an einen gewissen Johann Riegler verpachtet. Beschäftigt sind 19 männliche und 9 weibliche Bedienstete. (Landesarchiv Katalog 18, Signatur 119/1529). Der Standort für eine derartige Anlage an angegebener Stelle darf als sehr geeignet bezeichnet werden. Stroh und Jauche gab es am nahen Kollerhof, Brenn- und Kohlholz im angrenzenden Muraunberg und wenn nicht alles täuscht, befand sich gleich nebenan ein Kalkbruch. Vielleicht hat sogar der nadelreiche Waldboden eine Rolle gespielt?

Auch in St.Veit gab es einen k.k. Pulver- und Salniter-Inspektor. Als Josef Koller 1799 den Bürgereid ablegte, trug sein Vater schon einige Jahre obigen Titel. Soviel zur alten Industrie-Geschichte von Glandorf. Heute wird dort, dank unserer initiativen Kommunalpolitik, moderne Industrie-Geschichte geschrieben.

Walter Wohlfahrt in „St. Veit Kommunal“  Juni 2002

Unsere Feuerwerker

Juni 9, 2012 um 16:45 | Veröffentlicht in St.Veit | 2 Kommentare
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 Uralt und schon bei den Chinesen seit undenklichen Zeiten in Übung, ist die Pyrotechnik, das Abbrennen von Leuchtkörpern und Raketen, ja selbst in und um St.Veit kann diese Kunst auf eine lange Tradition einerseits und auf weltweite Erfolge anderseits zurückblicken.

 Begeisterung, Liebhaberei und ein unbändiger Glaube an die Entwicklungsfähigkeit eines solchen Gewerbes standen nachweislich am Anfang kleiner und immer größerer Erfolge. Lesen wir zunächst bei unserem begabtesten Stadt-Chronisten Dr.Sebastian Weberitsch, Seite 114 ff nach und hören wir dort erstmals von einem, um 1880 eifrig Visitkarten verteilenden „Geprüften Pyrotechniker“ namens Franz Süßbauer. Es ist ein umwerfend heiterer, gleichzeitig berührender Lebensbericht, der u.a. zeigt, daß schon zu jener Zeit in St.Veit am Geburtstag des Kaisers beachtliche Feuerwerke gezunden wurden.

 Später dann, war die Feier der Osternacht mit Feuerwerk  d a s   Ereignis von St.Veit. Stundenlange Märsche vom Sörgerberg, aus dem Glantal, der östlichen und nördlichen Nachbarschaft waren gang und gäbe, um die schöne Auferstehungsfeier miterleben zu können. War der Auftraggeber für das Geschehen zu des alten Kaisers Geburtstag die Stadtgemeinde, so griff danach die Stadtpfarrkirche in den Säckel. Mit den jährlichen Wiesenmarkt- und Neujahrsfeuerwerken setzt die Stadtgemeinde eine schöne alte Tradition fort. Das Heimatbuch des Bezirkes St.Veit, 1956 erschienen, Seite 198, macht erstmals auf die Geschichte der Firma Liebenwein aufmerksam. Es handelt sich dabei um eine Familie mit ältestem Stammbaum, welche aus dem Rheinland über Böhmen nach Kärnten, und hier zu großen Ansehen gelangte. Ein Mathias, 1777 noch in Untermoldau geboren, war der erste Liebenwein, welcher in Kärnten Fuß faßte. Als Gewerke und Besitzer in Poitschach bei Feldkirchen 1847 gestorben, pflanzte er einen starken Stamm, wovon Sohn Karl in Poitschach nachfolgte. Auch Vinzenz, 1809 noch in Poitschach geboren betrieb einen Kupferhammer in Glan/Sittich. Seine Schwestern Anna und Josefa hatten begüterte Ehemänner, nämlich Ferdinand von Knappitsch, Krumfelden bzw. Leopold Obersteiner, Brauereibesitzer in Hirt.

Johann Liebenwein, Sohn des Vinzenz, betätigte sich als Kaufmann in St.Veit, Unterer Platz Nr.21. Als er vor der Zeit verstarb, heiratete seine Witwe Aloisia den Kaufmann Alois Ginhart, einen Steirer. Mit Johann und Aloisias Sohn Josef, geboren am 27. Feb. 1874 – er war also nur vier Jahre jünger als Dr.Sebastian Weberitsch! – einem an sich gelernten Kaufmann, fand jedoch das pyrotechnische Geschehen in St.Veit eine logische Fortsetzung. Wir folgen jetzt einfacherweise der modernen Selbstdarstellung der Firma COPYFA, Hans Liebenwein, Meiselding, die eine kurze Chronolgie bietet: 1891, Josef Liebenwein veranstaltet in der Steiermark das erste öffentliche Feuerwerk. 1895 wird aus eigenem Antrieb mit der Erzeugung von Feuerwerks-körpern begonnen. Seine ersten Kenntnisse holt er sich „beim k.u.k. Hoffeuerwerker Süßenbach“….. Handelt es sich bei Weberitsch`s Süßbauer oder hier um eine Verschreibung des Namens? Liegt vielleicht gar Personenidentität vor? Zeitgenossen waren sie jedenfalls alle drei! In der Chronologie fortfahrend, ersieht man, daß Josef Liebenwein 1914 den Ersten Weltkrieg als Militärfeuerwerker mitmachte und 1917 sogar die Konzession zur Erzeugung pyrotechnischer Artikel verliehen bekam. Gewiß war 1917 und die folgenden Jahre wirtschaftlich nicht die beste Zeit. 1938 und 1939 belebt sich die Sache schlagartig. Zwei Söhne rücken nach und der Betrieb wächst derart, daß zeitweilig mehr als 200 Beschäftigte verzeichnet werden. Kriegsbedingt werden Unmengen von Leucht- und Signalmunition gebraucht.

Eine schwere Zessur bedeutet folglich das Jahr 1945. Nicht nur Betriebsstillegung, sondern zeitweilige Beschlagnahmung werden erzwungen. 1955 beendet Josef Liebenwein, zweiundachtzigjährig seine außerordentlich lange, aktive Zeit. 1957 gründet Sohn Hans die Firma Comet Pyrotechnische Fabrik. 1972 ist das Jahr der Firmenumwandlung mit einem deutschen Partner, doch der beabsichtigte Ausbau in der Schießstattallee wird wegen der ständig näher rückenden Wohnbauten unmöglich (1974), was 1975 die Liquidierung des Betriebes nach sich zieht.

1982 bringt einen Neustart unter Initiative von Sohn Hans Mathias Liebenwein. Das in St.Veit gegründete Einzelunternehmen befaßt sich zunächst nur mit der Durchführung von Großfeuerwerken. Der mutige Entschluß ist von Erfolg gekrönt. Der Sitz wird nach Meisellding verlegt. Unternehmenszweck ist der Import von Klein- Mittel- und Großfeuerwerkskörpern, der Handell mit diesen Produkten und die Abhaltung von entsprechenden Großfeuerwerken im In- und Ausland. Heute steht in einschichtiger Lage vor Meiselding auf einem Areal von 30.000 m2 die modernste pyrotechnische Fabrik, mit weltweiten Kontakten.

Seit den Feuersbrünsten, verursacht durch den „Geprüften“ um anno Schnee und den gelegentlichen „Bumsern“ in der Schießstatt-Allee ist es in St.Veit wohl sicherer geworden, die beachtlichen kommunalen Steuern fließen aber auch wo anders hin….

Walter Wohlfahrt in „St. Veit Kommunal“ Jänner 2003

Baron Battaglia ein St. Veiter Patrizier

Juni 5, 2012 um 18:33 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Die teilweise noch vorhandenen Besitzveränderungsprotokolle unserer alten Stadtverwaltung, sie liegen im Kärntner Landesarchiv unter den Signaturen 189 und 190 , sind eine unerschöpfliche Quelle der Hausgeschichte. Diese Bücher verzeichnen jeden anfallenden Besitzwechsel und so kann man oft von Dingen erfahren, die uns heute kaum noch bewußt sind. Zwei Verträge aus den Jahren 1831 bzw. 1834 sollen hier genauer unter die Lupe genommen werden. Dabei handelt es sich jedesmal um den sogenannten „Baron Bataglia´schen Mayerhof vor dem Mühlbacher Tor“. Dieser war gegen Ende des 16.Jahrhunderts, das in Emilie Zennecks Buch „Glaubensstreiter“ Seite 106 erwähnte „Alte einstöckige Christalnigg Haus vor dem Weitensfelder Türlin mit großem Baumgarten“, rechts neben dem heutigen Haus Grabenstraße 22 – siehe aufgelassene Baufläche 205/1!

 Den ungewöhnlichen Namen Bataglia´scher Mayerhof hatte das Anwesen von den Freiherren Bataglia, welche von etwa 1740 bis 1829 das Stadthaus am Oberen Platz Nr. 3 (Cafe Zentral) bewohnten. Ihre Besitzvorgänger waren hier über zwei Jahrhunderte die bekannten Tallmann, Besitznachfolger hingegen die Dickmann von Secherau, berühmte Eisenherren allesamt.

 Als sich die Bataglia in St.Veit nicht mehr finden lassen, sind bereits Primus Tonitz, Weinhändler in St.Veit,  Oberer Platz 27 und seine Gattin Anna, geborene Gritzner im Besitze des Mayerhofes. Das Ehepaar schließt mit dem bürgerlichen Handelsmann und Gastwirt Leopold Maurer den Vertrag vom 15.7.1831 „um Abtrennung eines vonwegen(?) des Städtischen Feuer-Bassins befindlichen Wurz- und Ziergartens, welcher ganz mit Mauer umfangen ist, auch ein gemauertes Lusthaus und Glashaus enthält, gegen Süden an den Fahrweg zur Friesacher Vorstadt, gegen Westen an jenen nach Obermühlbach, gegen Norden an den Kraschnig Garten und gegen Osten an den Baumgarten des besagten Mayerhofes grenzt.“ Das war das Grundstück Parzelle 181 mit der damals noch winzigen Baufläche 205/2, die erst später auf die heutige Größe anwuchs, wie sich das Haus Grabenstraße 22 heute darbietet. Von besonderem Interesse sind hier zwei Vertragspunkte und zwar

„4) wird diesem Gartenkauf die wenige Lusthauseinrichtung an Tisch, Sessel, Bilder, Spritzkandel, Stechschaufel, unleserlich, Rechen, Baumsägel, Kegelspiel und lignum sanctum Kugel nebst einem Buschen neue Schindel und mehrere neue Spargel-Glocken unentgeltlich überlassen –

5) wird dem Herrn Käufer der Mitgenuß des außerhalb dieses Gartens, im Baumgarten des Herrn Verkäufers bestehenden, vom Stadtbrunnrohr hergeleiteten und altberechtigten laufenden Brunnens dergestalt eingeräumt, daß a) dieser Brunnen nunmehr in das den Wurz- und Baumgarten scheidende Eck übersetzt und von dem sogenannten Tattermann eine Teilung des Wassers mittels einer Wippe in den Garten des Herrn Käufers hineingeleitet werde, wohingegen b) der Herr Käufer und seine Besitznachfolger 2 Fünftel der zum Stadtkammeramt zu leistenden Brunnsteuer und im gleichen Verhältnis die zum Stadtrohr hin zu bestreitenden Leitungskosten künftig mitzutragen hat.“ Dieser Aufteilungsschlüssel entspricht auch ziemlich genau den Parzellengrößen Nr.181 und 182. Der Gartenanteil, Parzelle 181 wurde dem Hause Nr. 41 des Leopold Maurer, heute Spitalgasse 4 grundbücherlich zugeschrieben.

Im zweiten Kaufakt vom 15.7.1834 wird auch der Rest des sogenannten Bataglia´schen Anwesens“ samt Baum- und Wurzgarten, (Parzelle 182 mit Mayerhof Baufläche 205/1) nebst der dort befindlichen Obstpresse, Obstbäumen, Winterfenstern und Chalosien…..“ von der inzwischen Witwe gewordenen Anna Tonitz um 2.400 Gulden an Katharina Kronegger, hiesige bürgerliche Lederermeisterin, Oberer Platz 14 weitergegeben.

 Bevor wir uns einigen der herausgehobenen Stichworte zuwenden, sollte man eigentlich noch den Urzustand des Bataglia´schen Maierhofes kurz ins Augen fassen. Er reichte von der Mühlbacherstraße bis hin zur heutigen Sponheimer Straße und zeigt sehr schön die Lebensgewohnheiten der einst wirklich vermögenden Leute der Stadt. Sie hatten innerhalb der Mauern ihre Stadtpalais und möglichst nahe an Mauer und Stadtgraben eine kleine Meierei, vor allem aber ein Lustgärtel mit Möglichkeiten für allerlei gesellschaftliche Zerstreuung. Man zog Gemüse, betrieb den Obstbau und trank den eigenen Most!

 Städtischer Feuer-Bassin: Jetzt ist wohl klar, was das im Kataster von 1828 zu sehende, vom Obermühlbacherbach gespeiste längliche Gebilde, Parzelle (1076) bedeutet! Die immer wiederkehrenden und gefürchteten Stadtbrände, erforderten einen entsprechenden Wasservorrat für Löschzwecke. Außerdem konnten dort Wäscherinnen tätig werden. Später hört man dafür die Bezeichnung „Sandkasten“, was nur eines aussagt: Da mit dem zurinnenden Gewässer einmal mehr einmal weniger Geschiebe und Schotter daher kam, was weder im Wassergraben noch im Feuerbach erwünscht war, brauchte man ein Becken mit Überlauf, dass sich das unerwünschte Material dort sammeln und von Zeit zu Zeit entleert werden konnte.

 Das Lusthaus wird ein besseres, gemauertes und mit Schindel gedecktes Gartenhäuschen inmitten von Obstbäumen gewesen sein, während das Glashaus, zur Haltung von exotischen Gewächsen, und die Kegelbahn für lustige Gesellschaften bestimmt war. Kegelscheiber kennen vielleicht noch die sogenannte, die schwere Sanktuskugel! Aber wissen sie auch, warum sie so heißt? Nun ja, sie war eben aus einem besonderem Wurzelholz, dem lignum sanctum gedrechselt.

 Ein Wort noch zur Spargel-Glocke! Bei Dr.Martin Wutte kann man 1927 zwar lesen, daß Karl Prinzhofer den Spargelanbau um 1800 herum nach St.Veit gebracht hätte und so steht es auch im Stadtbuch von 1997. Eine Spargel-Glocke im Garten des Baron Bataglia, auch wenn sie als neu bezeichnet wird, läßt aber vielleicht doch darauf schließen, daß auch anderen gut situierten Zeitgenossen die Spargelzucht in St.Veit längst nicht ganz fremd war. Ob St.Veiter Spargel wirklich und in welchem Umfange nach Wien geliefert wurde, bedarf noch einer Prüfung. Ähnliches gilt für die genaue Lage der Anbauflächen und ihre Besitzer. Die Gendarmerie-Chronik verzeichnet den Spargelanbau in St.Veit allerdings ebenfalls als bedeutend. Daß Kaiser Franz Josef anläßlich seines Kurzbesuches in Glandorf Spargel aufgetischt worden sein soll, gehört aber eindeutig in das Reich der Fabel. Diesbezügliche Andeutungen, wie zuletzt in Kleine Zeitung vom 6.Mai tragen nur zur Legendenbildung bei. Ein kurzes Nachlesen bei Dr.Sebastian Weberitsch hätte genügt, um zu erfahren, wie der hohe Besuch am Glandorfer Bahnhof tatsächlich verlaufen ist, auf jeden Fall ohne Mahlzeiten!

 Das erwähnte Stadtbrunnrohr erinnert daran, daß die öffentlichen Brunnen von einer oder mehreren nordwestlich der Stadt gelegenen Quellen gespeist worden sind. Wer es sich leisten konnte und dem Stadtkammeramte die Brunnsteuer entrichtete, durfte ausnahmsweise seinen privaten Tattermann am Stadtbrunnrohr anschließen. Der Begriff Kammeramt wiederum weistdarauf, daß unsere Stadt zum kaiserlichen Kammergut gehörte, gleich dem berühmten Salzkammergut etc.

Zwei alte Verträge und doch – so bleibt zu hoffen – wieder einige städtische „Neuigkeiten“ für eine geneigte Leserschaft.

Walter Wohlfahrt in „St. Veit Kommunal“  April 2000, erweitert 2012

Ein Räubernest inmitten von St.Veit

Juni 5, 2012 um 17:54 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Allgegenwärtig ist zur Zeit die Erinnerung ans Krapfenbäck-Simale, egal ob durch Film, Fernsehen oder Printmedien, unerschöpflich die Legenden, die sich um diese geschichtliche Gestalt ranken. Nur, seit Vorliegen der genauen Forschungsergebnisse eines Hans-Peter Weigand, Graz und nach Erscheinen des Buches „Das Krapfenbäck-Simmerl“ im Eigenverlag, sollte man der historischen Wahrheit vielleicht doch ein bißchen mehr Beachtung schenken. Der Buchautor weist uns zwar vollkommen richtig in die Bräuhausgasse, aber mit der genauen Lokalisierung von Simmerls Elternhaus da hatte es bis heute so seine Schwierigkeiten. Wen darf das wundern, angesichts des bekannten Hausnummern-Wirrwarrs in unserer Stadt!

Wenn wir uns nun zwei Häuser der Bräuhausgasse in ihrer Besitzerfolge und hinsichtlich einiger spezieller Besonderheit ganz genau ansehen, so finden wir des Rätsels Lösung.

 1. Bräuhausgasse 19, Bauparzelle 19/2, Grundbuchseinlage 32 KG St.Veit (alt Magistrat

                        Tom.I Folio 114, Urbar 19/16)

                        1743!   Johanna Höcher, Malerin

                                                                                                                                                       1775!   Frau Seidnerin                                                                                             

                                   Sebastian Krammer                                       a)

                                   Jakob Krammer                                             b)

                        1809    Ignaz Maggitz

                        1810    Mathias Greyer, Büchsenmacher                  

                        1847    Anton Jäger

                        1860    Magdalena Jäger

                        1871    Alois Jäger

                        heute Dr. K u s s   bzw. „M2“

Sebastian ist Simmerls Vater. Dieser zog von der Krapfenbäck-Keusche nahe Pörtschach am Berg nach St.Veit. Von daher auch der Beiname des Simmerl.  Laut Prozeßakten wurde Sohn Simmerl schon im Jugendalter vom Vater und dessen Spießgesellen zu kleineren Spitzbübereien angehalten. Wie nachfolgend belegt, starb der Vater 1810, seine anscheinend zwei Ehefrauen 1800 und 1803. Von einer der beiden stammte das mütterliche Erbe des Simon respektive Simmerl. Dieser wurde damals „dient als Knecht“ bezeichnet.

 a) Sterbebuch St.Veit : 

            K r a m m e r   Katharina 16.9.1800 Folio 7

                                   Elisabeth   22.3.1803 Folio 29

                                   Sebastian   7.8.1810 Folio 77: Gadler, 76 Jahre, Stadt 19

b) bei Jakob Krammer wird im Juni 1807 ein Schuldschein zu Gunsten des mj. Simon Kramer für das mütterliche Erbe intabuliert.

Waisenbuch der landesf.Kammerstadt St.Veit 1791-1850 Sign. 230 Bez.Ger.St.Veit LA

            Folio 103 – Simon Kramer – ohne Geb.Datum – dient als Knecht –

                        Gerhab Sebastian Kramer, Vater – Erbschaft nach Mutter Maria

                        lt. Teillibell v. 15.4.1807  73 Gulden Vermögen, inliegend bei

                        Bruder Jakob Kramer, Sichergestellt am Hause Judengasse 19

                        Dazu lautet der Endfertigungsvermerk „gestorben und abgetan“

 

2.) Bräuhausgasse 21, Bauparzelle 20, Grundbuchseinlage 24 KG St.Veit, (alt Magistrat

            Tom I Folio 122/126, Urbar 19 1/2 Folio 16 „Keller unter Haus Nr.20“

                                   Franz Strugger                       Quelle 2)

                                   Maria Obernig

                                   Anton Furtner                        Quelle 3)

                        1840    Viktoria Furtner

                        1849    Michael Furtner

                        1886    Amalia Furtner

                        1901    Josef GABRIEL

                        1915    Johann Trixner

                        heute  Peter Paulitsch

 

Quelle 2) Land.Arch., Grundbuch Kammerstadt St.Veit 1743ff, Sign.157, Folio 17

Quelle 3) ebenda, Folio 134 – Vertrag auf Gütergemeinschaft zw. Anton Furtner und Viktoria F. geb. Stadler insbes. hins. Haus 20 in der Judengasse am 7.8.1808

 Taufeintrag 1852/53: Stadt 21 Michael Furtner, bürgerl.Feilhauermeister

                                               V Anton Furtner, ebenfalls -„-

 Eintrag im modernen Grundbuch EZ 24 Hs.21 Bräuh.Gasse, Bfl 20 Wohnhaus lt. A2-Blatt:

                        „KV v.1.3.1809 zw. Ignatz Maggitz u. Anton Furtner hier her zustehende Keller-Servitut unter Haus 20 (heute richtig 19!) des Alois Jäger ersichtlich gemacht“

Ignatz Maggitz war wie oben ersichtlich der Besitznachfolger des Jakob Krammer, Bruder des Simale und Anton Furtner einer der Vorbesitzer des heutigen Paulitsch-Hauses.

In der Tat  findet sich im Paulitsch-Haus ein Keller, der zur Hälfte unter das Nachbarhaus reicht, womit unbeschadet der wechselnden Hausnummern der einwandfrei Beweis erbracht wird, daß das Vaterhaus des Räuberhauptmannes zumindest mit dem hinteren Gebäudeteil von Bräuhausgasse 19 ident ist. Vielleicht heißt M2 bald schon „Zum Krapfenbäck-Simmerl“?

So schließt sich also der Kreis hin zum Legendenwesen. Ist vielleicht wirklich etwas an der alten Redensart, man können seelenruhig den Wolschartwald passieren, wenn  die St.Veiter Sonntags alle brav in der Kirche sitzen.

 Walter Wohlfahrt in „St. Veit Kommunal“  Mai 2001

 

 

 

 

 

Wintersport (2.Teil)

Juni 5, 2012 um 17:31 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Wie in der letzten Folge versprochen, soll heute der Pioniere des alpinen Schilaufes unserer Stadt gedacht werden. Über die Anfänge des Schilaufes in Österreich und in Kärnten gibt die Dissertation Michael Rauchensteiners, Graz 1949 Seite 139ff gut Aufschluß. Weil diese Doktorarbeit jedoch nicht im Druck erschienen und daher viel zu wenig bekannt geworden ist, sei zweifach kurz daraus zitiert. Fürs erste, daß schon J.W.Valvasor (1641-1693) eine Art primitiven Schisport im benachbarten Krain beschreibt, fürs andere die ersten Gründungen von Wintersportvereinen in Villach, Velden 1906 und Klagenfurt 1908. Von diesen frühen Kärntner Zentren, insbesondere aber vom Militärschilauf 1914-1918 sind entscheidende Impulse für das diesbezügliche Geschehen in und um St.Veit ausgegangen.

Federführend waren einmal mehr Aktive des Turnvereines St.Veit, was die handgeschriebene Vereinschronik eindeutig belegt. Daraus geht hervor, daß vom Verband der Schiläufer Kärntens und vom Turnverein St.Veit als gemeinsamen Veranstaltern am Sonntag, 29.1.1928 der 1.Abfahrtslauf Schneebauer-St.Veit ausgerichtet worden ist. Die Streckenlänge setzte sich zusammen aus 4 km Abfahrt und 12 km Langlauf, d.h. also16 km mit ein und demselben Schi! Die erste Siegerzeit betrug 1 Stunde 6 Minuten 10 Sekunden. Es stellten sich 28 Starter der Konkurrenz. Ergebnislisten und Zeitungsmeldungen sind in der Chronik gesammelt.

 Ein Jahr später wurde die Strecke um 2 km verkürzt. Die Siegerzeit ist mit 45 Minuten 48 Sekunden angegeben. Am Start fanden sich bereits 112 Läufer ein, darunter viele Klagenfurter und Feldkirchner. In den Jahren 1930, 1933 und 1935 fielen diese Rennen vermutlich wegen Schneemangels gänzlich aus. 1931 wird notiert, daß der „Schneeschuhlauf vom Schneebauer“ als Mannschaftsbewerb – 14 Mannschaften a 4 Läufer – zur Durchführung kommen wird, daß nicht der Einzelsieg, sondern der Mannschaftserfolg angestrebt werde und daß verständnislose Grundbesitzer Haferfleiden in die Rennstrecke gestreut und Stacheldrahtzäune gezogen hätten…… Spricht daraus vielleicht schon eine gewisse politische Punzierung des Veranstalters sowie entsprechende Gegnerschaft?

 Auch 1932 ist es ein Mannschaftsrennen, wobei erstmals über die sogenannte Kaplitz ein Torlauf zu durchfahren ist. Pro Torfehler gibt es Zeitzuschläge. Wer sich beim Torlauf nichts ausrechnet, bleibt zu Hause. Es werden daher nur 10 Mannschaften gezählt. 1934 kommt es wieder zu einem Lauf mit Einzelwertung. 60 Starter werden festgestellt. Auch von einem Plakat „Lernt Schifahren“ mit Kursangeboten ist erstmals in St.Veit die Rede. Die drei letztdurchgeführten Rennen fanden jeweils im Monat Feber statt.

1936 und 1937 beidemale im März,  kommt es zu sogenannten Vereins-Schimeisterschaften im Abfahrtslauf, wohl wegen dortiger, verbesserter Schneesicherheit, auf der Saualm, genauer gesagt am Breitofen. Am 6.1.1938 hört man noch von einem bezirksoffenen Mannschafts-Abfahrts-Langlauf Schneebauer-St.Veit mit 27 Dreiermannschaften ehe dann der unselige Krieg der sportlichen Jugend eine längere Unterbrechung und Schlimmeres aufzwingt! Von den ältesten Schipionieren unserer Stadt seien stellvertretend für viele andere genannt: Leo Kreiner, Friedl Peyker, Friedl Rainer und Walter Springer, aber auch eine Dame, nämlich Heidi Wank-Edelsbrunner, die späterAkademische Meisterin im Schilauf wurde.

 Die Tradtion des Schneebauer-Laufes wird, wie schon im ersten Teil kurz angedeutet, im Jahre 1946 sofort wieder aufgenommen. Der bald Tradition gewordene Leo Kreiner- Gedächtnislauf – wird ab ca. 1952 mindestens zehnmal von Herbert Werzer allein namens der Amateure St.Veit ausgerichtet. Diese heute noch hoch renn-aktive und erfolgreiche Sportlerpersönlichkeit zählt gewissermaßen zum Schilauf-Urgestein der Stadt und hat dankenswerterweise einen interessanten Überblick zur Entwicklung von Schi, Bindung, Schuh und Fahrstil zur Verfügung gestellt.

Nicht jedesmal stand die Schneebauer Strecke zur Verfügung und bei Notwendigkeit wurden die Rennen sowie später die Stadtmeisterschaften u.a. am Steinbichl, beim Klinzer in Hornburg, in Eggen am Kraigerberg oder beim Nußberger Lift, aber auch auf der Turrach und Flattnitz oder am Muraunberg neben der großen Schischanze ausgetragen. Teilnehmerzahlen

von bis zu 200 Rennläufern waren keine Seltenheit, woraus man die Breitenwirkung ersehen kann, die diese Sportart in St.Veit erfuhr.. Kein Wunder also, daß so manche lokale Sportgröße auch auf höherer Ebene gute Figur machte und Erfolge einheimste. Wieder nur beispielhaft und ohne Wertung die bekanntesten Namen wie etwa der spätere Schilehrer Hans Mrak, Elsbeth Richter-Zavagyl, Bärbl Edelsbrunner, Hermi Schienegger, Gabi Langmaier bzw. Walter Kraschl, die Brüder Leopold und Erich Polanz, Horst Verdino, Gert und Rudolf Egger, Sigi Wulz, Georg Koller, Hermann Kaltschütz oder Siegfried Jaritz, der vom Schülerklasse-Sieger zum 10fachen Senioren Weltmeister im Alpinschi aufstieg usf. Unzählige Stadtmeister wurden gekürt, aber auch regionale, nationale und internationale Erfolge waren zu verzeichnen. Mehrmalige ASKÖ-Meister, 7 Österr.Meistertitel im Riesentorlauf der Versehrten- bzw. Altersklasse von Herbert Werzer allein sowie 2 Bronze-Medailen (Slalom und Kombination) von der auch als Leichtathletin groß herausgekommenen Bärbel Edelsbrunner 1972 in Lake Placid, auch mit unzähligen Kärntner Meistertiteln müssen wieder stellvertretend für manch andere Ehrenträger in Erinnerung gerufen werden. St.Veit darf sich also mit Fug und Recht eine Stadt des Schisportes nennen. Von den aktuellen Erfolgen der St.Veiter Snow-Border garnicht zu reden.

Abschließend ein kleiner Exkurs zum Thema Material, Ausrüstung und Fahrweise von seinerzeit und von Herbert Werzer persönlich gestaltet:                                                                                                                                         1928    Meine ersten Schi von Tischler Titz in der Obermühlbacher Straße. Sie bestanden aus dicken, zwei Schuh langen, vorne seitlich und nach oben zugespitzten Hölzern. Seitlich angenagelt je eine Lederschlaufe zum Einschlüpfen mit hohen genagelten Schuhen. Dazu einfache Haselstöcke.

1930    Langschi aus Eschenholz, Bakken genagelt und Riemen durchgeschlauft. Haselstöcke mit Riesen-Schneeteller daran. Tellerkreis aus Bambusrohr.

1931/32  Vaters Militär-Schi (Vorderteil abgeschnitten) hatte bereits eine sog. Bilgeri-Bindung. Sie gab dem Schuh erstmals einen gewissen Sitz mit Hubfreiheit der Ferse.

1933    Gebrauchter Schi mit Schnallenbindung. Der Schuh – er war noch lange kein spezieller Schischuh – stak in verriemten Bakken wie gehabt, doch unter dem Vorschuh befand sich ein Stemmloch und durch dieses rann ein Spannriemen mit Strammer zur Ferse. Um die Schihaftung noch zu verbessern konnte von alten Autoschläuchen ein Gummiband zuhilfe genommen werden. Schistöcke bestanden hauptsächlich immer noch aus Haselholz, aber es gab auch schon solche aus Bambus mit Metallspitze.

1936    Holzschi mit Bakken und Bildsteinstrammer. Senior Franz Moser sah die Sportbegeistung mir aus den Augen leuchten und versuchte das Unmögliche. Er versah die an den Kanten stark abgerundeten, weil abgefahrenen Schikanten erstmals mit Stahlkanten. Schi mit Stahlkanten waren bereits im Handel.

1936/37  Die Kandaharbindung mußte endlich her. Sie brachte den Seilzug mit Strammer vor der Schuspitze mit Seitenhalterung und Teil-Fixierung der Ferse. Sie Seitenhalterung hatte eine zweite Position, die geeignet war, die Fersenfixierung zu verstärken. Diese Bindung eignete sich bestens für den hocheleganten Telemark Bogen, auch noch für den davor übligen Christiania, kärntnerisch Kristl, davon abgeleitet das Abkristln sprich stehen bleiben. Nur bedingt konnte man mit der Kandaharbindung Torlauf fahren, es sei denn über den altbewährten Stemmbogen.

1946    Ca.um dieses Jahr herum kam die sogeannte Langriemenbindung unter den Rennläufern auf. Sie bestand nur aus Bakken und langen, kreuzweise den Schuh fixierenden Riemen. Der Vorteil dieser Bindung war die absolute Festigkeit zwischen Läufer und Schi. Der große Nachteil aber ein stark erhöhtes Beinbruchrisiko bei Stürzen.

1947    Befand ich mich beim Olympia Auslese Kurs in Schruns-Tschagguns und erinnere mich, dort den ersten Sicherheitsbakken gesehen zu haben. Dazu aber immer noch die Kandaharbindung mit Tiefzughaken. Viele Rennläufer benutzten weiter die Langriemenbindung.

1950/52 Ca.  Eine der ersten Sicherheitsbindungen, inzwischen auch schon in Verbindung mit einem speziellen Schischuh, war die sogenannte Marker-Bindung. Sie bestand aus Sicherheitsbakken und knappen Fersenzug mit Kipphebel. Mit dem Verlassen des Tiefschnees hin zu immer besser präparierten bzw. ausgefahrenen Pisten, mit Aufhören des Selbertretens oder Ausbrettelns und dem Beginn der mechanischen Aufstiegshilfen, änderte sich auch die Funktion der Schistöcke. Sie wurden immer leichter und eleganter (Alustöcke). Die Schneeteller waren kaum noch  mehr als Attrappen und die Entwicklung des Schimaterials vom Kunststoffbelag bis   hin zum Vollkunststoff-Schi ging immer schneller vor sich.

 Nun, wo tummelte sich die schibegeisterte Jugend von Beginn an? Erster Schauplatz: Spitalwiese, der noch unverbaute Hang vom Krankenhaus der Barmherzigen Brüder hinab

zum Sörgerweg. Für Mutige mußte schon der Kalvarienberg herhalten, gefolgt von der Poganzer-Leiten, der Radinger Mulden, der Dornhofer-Leiten und den dazwischen liegenden kleineren Abhängen. Ein Wort noch zum Lift in Nußberg. Die ursprüngliche Absicht, eine Aufstiegshilfe bis auf die Höhe des Gauerstalls zu schaffen und damit auch eine Rodelmöglichkeit über Lorenziberg zu verbinden, konnte infolge unglücklicher Umstände nicht verwirklicht werden. Dem stattdessen entstandene Torso – nur ein Drittel der ursprünglich gedachten Länge – war von vorherein keine all zu große Zukunft verheißen.

 Eine eigene Geschichte wäre die der Betrachtung aller schifahrerischen Beinkleider von den Knickerbockers der 20er mit Wadelstutzen über die feschen Keilhosen unserer Narviksoldaten führt der Weg bis hin zu den kompletten Schnee- und Rennanzügen unserer Tage. Doch dazu sollte sich besser einmal ein/e ModeexperteIn  zu Wort melden!

 Walter Wohlfahrt in „St. Veit Kommunal“  Jänner 2001

 

Bildtexte:

1. Start vom Schneebauer 1929

2. Säuleck 1947 –  H.Werzer am Weg zum 3.Platz (Schihschuhe von Svetnik, Klagenfurt)

3.Zeitungsmeldung Stadtmeisterschaft 1965

4.Erfolgreichste St.Veiter Schiläuferin: Bärbel Edelsbrunner

 

Wintersport in und um St. Veit/Glan

Juni 5, 2012 um 17:01 | Veröffentlicht in St.Veit | 1 Kommentar
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Sie haben richtig gelesen. St.Veit war in der Tat ein frühes Zentrum des Wintersportes. Wir müssen nur zeitlich ein Stück zurückgehen und wir erkennen die erste Phase in der Zwischenkriegszeit mit Ausklängen bis zu Kriegsbeginn und die zweite Phase sofort nach 1945. Eine tragende Säule zu Beginn bildete dabei neben einzelnen Idealisten, der Turnverein St.Veit. So gab es am Sonntag, den 29.1.1928 den Ersten Schi-Abfahrtslauf vom Schneebauer am Sörgerberg bis hinab nach St.Veit! Erste Versuche im Sprunglauf fallen in die 30-er Jahre und von dieser Disziplin soll hier ausschließlich die Rede sein.

Der Lokal-Pionier im Bau von Sprungschanzen war Hannes Schipfer (1908-1985), Kunstschlosser, später Busfahrer von Beruf. Seine ersten jugendlichen Sprungversuche machte er im Kreise gleichgesinnter Vorstadtfreunde am sogenannten Schwarzkogel. Diese Örtlichkeit liegt zwischen dem Weg zum Pualler-Hof und der Stelle wo sehr viel später Dir. Josef Jäger seine Villa gebaut hat. All zu oft dürfte die Schneelage wohl nicht geeignet gewesen sein, aber es gab mitunter auch lange und kalte Winter.

 Noch im Winter 1945/46 wagte man sozusagen den Sprung über die Glan und errichtete am Nordhang des Muraunberges, also schattseitig, nahe Unterbergen die erste 40-Meter-Schanze. Wiederum war Hannes Schipfer Konstrukteur und Springer in einer Person. Hier formierte sich – wir wollen sie zur Unterscheidung so nennen – die Erste Springergarde. Trotz zahlreich geführter Interviews ist die Abgrenzung zur späteren und jüngeren, der Zweiten Springergarde nicht ganz leicht. Da Bild- und andere Dokumente jener Zeit leider sehr, sehr rar sind, wären Ergänzungen, Richtigstellungen und Fotos im Stadtmuseum sehr willkommen. Erstens, waren die Aktiven zwar sportliche Alleskönner, aber durch die Bank mittellose Burschen und zweitens besaß kaum jemand Fotoapparat und Filme. Viele hatten in jenen Tagen ganz andere Sorgen. Auch waren die Springer typische Einzelkämpfer. Vereinsorganisation und Funktionäre gab es anfänglich ebenfalls nicht. Es wäre ein Wunder, würde noch irgendwo und irgendwann ein Gruppen- oder Siegerfoto auftauchen! So muß man sich eben an die Erinnerungen noch lebender Teilnehmer und an die wenigen Berichte der Tageszeitungen (VZ=Volkszeitung, NZ=Neue Zeit, KLZ=Kleine Zeitung) halten, auch wenn man einst selbst als faszinierter Zuschauer unterem Schanzentisch oder im Auslauf gestanden hat.

Der WSV St.Veit lud alle Schiläufer zur Gründungsversammlung im Gasthof Trippolt, Oktoberplatz 3 am Freitag 25.1. um 19 Uhr 30 – Es wird ein Dreier-Vorstand bestehend aus Karl Tirof, Sepp Jost und Otto Schober gewählt. Hannes Schipfer ist Sektionsleiter und Josef Kampl Präsident.                       (VZ 25.1.1946)

 Ankündigung eines Kärntner Meisterschaftsspringens in Möltschach bei Villach für Sonntag 3. Feber. Es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß auch St.Veiter Springer dort an den Start gegangen sind. Eine Ergebnisliste fehlt leider.(VZ 31.1.1946)

 WSV St.Veit kündigt an, Samstag 9.2. mit Start um 14 Uhr Abfahrtslauf vom Schneebauer und Sonntag 10.2. ebenfalls Beginn um 14 Uhr Schauspringen auf der VITUS-SCHANZE am Muraunberg – Anmeldungen bei Josef Kampl. (VZ 5.2.1946)

 WSV Faakersee lädt zu Grenzland-Sprunglauf am 20.2. (VZ 9.2.1946)

 Ergebnislisten 1) Abfahrtslauf vom Schneebauer  –  Jugend  1. Platz Siegi Wulz WSV

Frauen  1. Platz Lisbeth Richter WSV –  Allgem.Klasse 1. Platz Herbert Werzer Atus

2) Sprunglauf – 1. Werner Koch  2. Max Freidl WSV  3. Siegfried Zwattendorfer WSV mit Schanzenrekord 31,5m (VZ 13.2.1946)

Ankündigung Länder-Schispringen in Eisenerz (mit St.Veiter Teilnehmer) (VZ 14.2.1946)        

Ankündigung Springen des WSV auf der Flattnitz für 16./17.3. (VZ 20.2.1946)

 Ergebnisse vom Springen auf der Flattnitz-Schanze (VZ 26.2.1946):  1. Hans Nogler, 3. Otto Doujak, Velden, Helmut Bildstein und Otto Doujak, beide Velden springen in Seefeld/Tirol in die österreichische Spitze!

Ankündigung Bezirksmeisterschaft auf der Flattnitz für 23./24.3. Zitat: „Abfahrt der Rennläufer mit Auto ab Hauptplatz. Für Unterkunft ist gesorgt. Lebensmittelkarten, Eßbesteck sowie eine Decke pro Mann sind mitzubringen.“ (VZ 15.3.1946)

Ankündigungen des Landes Schiverbandes (VZ 23.10.47) und zwar: 26.12.47 Stephani-Springen in Faak-Rattnitz        

1.1.1948 und 29.2. 1948 in Möltschach                                                                                                                                                                                                            8.2.1948 Internationales Springen auf der Sattnitzschanze 

Schneemangel in St.Veit dürfte eine Terminansetzung nicht zugelassen haben  St.Veiter Athleten treten aber auswärts an.

 Auch in Faak drohte eine Absage. (VZ 28.12.47) Die Konkurrenz fand trotz ungünstiger Witterung statt und brachte laut …..

NZ 28.12.47   folgende Ergebnisse: Allgem. Klasse II 1. Springer ESV St.Veit  37 und 35,5 Meter, Note 197,5 – 2. Pirker Faak  34 und 34,5 Meter, Note 186,9 – 3. Trixl VSV           

 Allgemeine Klasse I – 1. Martitsch     Note 220,0 – 2. Mayer VSV Note 212,5 – 3. Doujak      

Überschrift „Springer Elite in Villach am Start“ Ankündigung des Ersten verbandsoffenen Springens des Jahres Möltschach 1.2. 14 Uhr (VZ 22.1.1948)

 Schweiz verweigert Bubi Bradl Einreise und Teilnahme an der Olympiade von St.Moritz. Norwegen und Holland bringen vor, Bradl sei Obersturmführer der SA gewesen. Bradl entgegnet, er wäre ohne sein Zutun und allein angesichts seiner sportlichen Erfolge der SA eingegliedert worden. (VZ 23.1.1948)

 Norwegen und Schweden ziehen ihre Proteste zurück. (VZ 27.1.1948)    Otto Doujak aus Velden ist Olympiateilnehmer in St.Moritz.                             Ein Norweger wird Olympiasieger – Bradl war nicht am Start! (VZ 8.2.1948)

 Zum vereinsoffenen Länderspringen in Möltschach sagen sich neben den Kärntner Größen:  Kostner, Elsigan, Gustl Mayr, Bildstein, Doujak und Hardwiger auch die besten Tiroler und Salzburger an. (VZ 26.2.1948)

Turn- und Sportunion St.Veit lädt für 7.3. zum Spezialsprunglauf auf VITUS-Schanze – Nennungen an Herrn Kampl. (VZ 2.3.1948)

 Bubi Bradl siegt mit 93 und 97 Meter auf der italienischen Riesenschanze in Ponte di Legno – beste Kärntner in dieser internationalen Konkurrenz sind Karl Maritsch als siebenter und Otto Doujak als achter .(Olympia-Revanche!) (VZ 3.3.1948)

 Stephani-Springen in Faak – Allgemeine Klasse II: 1. Hubert Pirker Faak   36,0 und 34,5 Meter  2. Walter Springer, St.Veit  33,5 und 32,5 Meter

Allgemeine Klasse I: 1. Karl Martitsch, Faak   37.0 und 36,5 Meter 2. Siegi Kostner, Askö Villach  3. Otto Doujak, Velden  4. Helmut Bildstein, Atus Velden (VZ Dez.1948)

 „Mit Holzschiern vom Muraunberg geflogen“ von Philipp Novak (KLZ 4.2.2000)

 Zu den bereits genannten Kempen der ersten, der älteren Springer-Garde wie Walter Springer, Siegfried Zwattendorfer, Max Freidl, Hannes Schipfer und Ing. Gerhard Zemrosser zählen mit Einschränkung noch Hans Mrak, Franz Moser und Hermann Macher. Der aktivste, erfolgreichste und am öftesten auswärts angetretene St.Veiter dürfte wohl Walter Springer sein. Hans Mrack, Teilnehmer des legendären Glockner-Rennens, hatte seinen Schwerpunkt eher im Alpinen Schilauf und Hermann Macher startete unter einem Klagenfurter Verein. Sportliche Multitalente waren sie aber allesamt.

 Wenn wir nun noch zur zweiten, der jüngeren Springer-Garde kommen wollen, dann ist das in jedem Falle mit dem Bau der neuen, etwas größeren VITUS-Schanze am Muraunberg in Verbindung zu bringen. Für die Planung dieser Anlage war Ing. Norbert Piuk verantwortlich. Die Bauzeit wird wohl mit 1949/50 anzusetzen sein. Da der Schanzenname ganz offensichtlich mitwanderte, bürgerte es sich ein, von der alten Schanze nahe vlg. Steiner in Unterbergen gelegen, einmal als Siegfried-Zwattendorfer-Schanze, ein andermal wieder als Hannes-Schipfer-Schanze zu sprechen. Daß sie aber ursprünglich VITUS-Schanze hieß, beweisen die zitierten frühen Zeitungsmeldungen.

 Zur jungen Garde zählt möglicherweise auch noch Ing. Gerhard Zemrosser, sicher aber Walter Moser, Herbert Mulle, Reine Hafner, Othmar Petz, Andy Wohlfahrt und Siegi Wulz, der noch eine interessante Erinnerung preisgab: Der Muraunberghang, dort wo die zweite, die der Stadt wesentlich näher gelegene neue Sprungschanze entstand, wurde von den Besatzern 1945/46 zwecks Heizmittelbeschaffung großflächig kahlgeschlägert. Dabei hat man den St.Veitern fürs Holzmachen folgendes Angebot gemacht: zehn Festmeter für die Engländer, zwei Festmeter für den eigenen Ofen!

 Wie und warum endete Mitte der fünfziger Jahre die stolze Zeit des Schisportes in St.Veit? Man sagt, die neue Schanze hätte die Springer nicht mehr so gefreut wie ihre Vorgängerin. Doch abgesehen von kleinlichen politischen Querelen, die es leider auch gegeben hat, war es wohl in erster Linie die immer bessere Erreichbarkeit der neu aufstrebenden, entfernteren Schizentren mit modernen Aufstiegshilfen. Die Zeit der Idealisten, die alles ihrem Sport zu opfern bereit waren, ging zu Ende. Dabei hätten die Burschen damals Startgelder und Siegesprämien bei Gott nötiger gehabt als ihre heutigen Zunftkollegen.

Walter Wohlfahrt in „St. Veit Kommunal“ November 2000

Gendarmen auf Wanderschaft

Juni 5, 2012 um 16:20 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Seit Einführung der Gendarmerie in unserer Stadt, also seit 1850 sind die St. Veiter Gendarmen schon mindestens zehnmal umgezogen. Im Schnitt musste alle 15 Jahre der Standort wechseln. Die letzte Adresse, Platz am Graben 1 sollte für die Gesetzeshüter und die für die öffentliche Sicherheit Zuständigen vielleicht wohl eine längere Bleibestätte sein.

Die Einführung der Gendarmerie im alten Österreich des Jahres 1850 hatte den Zweck, allen künftigen politischen und sonstigen Unruhen nach den Ereignissen von 1848/49 vorzubeugen. Der Chronist irrt, wenn er meint, es sei die Antwort auf die zuvor von den Wolscharträubern ausgegangene Verunsicherung der Landbevölkerung. Die Obrigkeit konnte wohl vorübergehend auf die neu geschaffenen Bezirksverwaltungsbehörden, keinesfalls jedoch auf die Gendarmen verzichten. Viel zu frisch waren noch die Erinnerungen an die vorangegangenen Aufstände innerhalb und außerhalb des Reiches. Die Zuständigkeit der Gendarmerie erstreckte sich ursprünglich auf den gesamten Gerichtsbezirk St. Veit. Erst viel später kam es zur Schaffung weiterer Kommanden und zwar 1.2.1891 Kraig, 1.1.1902 Launsdorf und 1.8.1911 Feistritz-Pulst (Radelsdorf). Von 1850 bis 1860 soll der Gendarmerieposten die Adresse Klagenfurter Vorstadt 26 (heute Klagenfurter Straße 49. Die Nachschau im Landesarchiv, Landtafel Tom XXII Folio 408 ergab, dass es sich dabei um die einstige Wasserleitkeusche, ganz alte Hausnummer 238 handelte und dass darauf tatsächlich ein Bestandsrecht, d.h. ein Mietrecht zu Gunsten des k.k. Aerars gemäß Vertrag vom 30.6.1854 verbüchert war. Die diesbezügliche Löschung stammt aus dem Jahr 1861. Weil die folgenden Mietverträge selten grundbücherlich sichergestellt erscheinen, wird man über deren Umfang und Lage der Räume meist nicht unterrichtet. 1860 rückte man der Stadt etwas näher um dann 6 Jahre im Rainerhaus, Klagenfurter Vorstadt 37, später Klagenfurter Straße 21 untergebracht zu sein. Ab 1866 ist man für einige Jahre am Oberen Platz. Haus Nr. 9 (Vermieter von 1860 bis 1879 war Johann Götz)  und Haus Nr. 13 (Vermieter bis 1905 war die Familie Feistl) tragen heute noch die gleichen Hausnummern. Jetzt entdeckt man in der Gendarmerie-Chronik erstmals amtlich, dass im nahen Glandorf zunächst Jäger, dann Dragoner und schließlich Husaren stationiert waren und dass es dort einen Exerzierplatz gegeben hat. Mit der Kriegserklärung an Rußland, 5.8.1914 zog das Militär von St. Veit fort um nie mehr wiederzukehren.

Zuvor schon kam es zu neuerlicher Übersiedlung des Postens in die Villacher Vorstadt Nr. 64 in das Haus von Frau Albine Lippitz (heute Sonnwendgasse 2), wo man von 1905 bis 1917 blieb. In diese bewegte Zeit fällt eine ganze Reihe bemerkenswerter Ereignisse: 1906 nahmen angeblich zwei Parteien, nämlich der Hausbesitzerverein, ein Zusammenschluss der Konservativen und als Gegenstück der Kommunalverein (klingt fast schon nach Kommunisten) ihre politische Tätigkeit in St. Veit auf. 1910 bis 1912 drückte der Bahnbau Launsdorf-Goggerwenig-St.Veit mit seinen rund 1.200 Beschäftigten aus aller Herren Länder, dem Stadtleben seinen Stempel auf. Der Gendarmeriepost war deshalb vorübergehend um zwei Mann zu verstärken. Lebhaft bedauert unser Chronist, dass der erhoffte Segen des Bahnbaues und die folgenden Anstrengungen der Stadt, sowie die großen Bemühungen des örtlichen Verschönerungsvereines um eine Belebung des Fremdenverkehrs durch den Kriegsausbruch mit einem Schlag zunichte gemacht wurden. Gallizien wurde von den Russen überlaufen, was zu einer Flüchtlingswelle unerhörten Ausmaßes führte und so trafen auch in St.Veit schon am 21.9.1914 per Güterzug 432 heimatlos gewordene Menschen ein, darunter ein Geistlicher namens Leo Biresky. Er dürfte mit der Behandlung seiner Schutzbefohlenen nicht zufrieden und vielleicht gar in Äußerungen hinsichtlich einer politischen Verantwortung etwas unvorsichtig gewesen sein. Kurzum, wegen Störung der öffentlichen Ruhe wurde er am 21.10. verhaftet. Über sein weiteres Schicksal herrscht amtliches Stillschweigen. Am 11.11.1914 erfolgte jedenfalls der Weitertransport aller Flüchtlinge in das „Konzentrationslager Wolfsberg“. Noch manch andere Arbeit wartete in diesen bedrängten Tagen auf unsere Gendarmen. Schon am 20.3.1915 kamen die ersten 200 russischen Kriegsgefangenen hier an und wurden in Hohenstein bei Pulst interniert. Mit dem Kriegseintritt Italiens gegen Österreich ergeht an die Gendarmen der Befehl, alle sogenannten „Reichsitaliener“ – und deren gibt es nicht wenige – der Bezirkshauptmannschaft vorzuführen. Diese wurden in der Folge vom Kleinkind bis zum Opapa um sie der nahe gerückten Feindgrenze fernzuhalten in Internierungslager bei Leibnitz und gar bis Burgenland abgeschoben, weil man in ihnen ein Sicherheitsrisiko zu erblicken glaubte.

Noch 1917, ein Jahr vor Kriegsende müssen die Gendarmen wieder packen und umziehen. Es geht ins Haus Villacher Vorstadt 63, seit 1929 Landstraße 8, heute Ossiacher Straße 11 bezeichnet, kurz ins Kuttnig Haus. Einem verbücherten Mietvertrag 1934 ist zu entnehmen, dass die zwei einfenstrigen Zimmer im 2. Stock, eine Holzlage, sowie die Mitbenützung von Abort und Wasserleitung den Mietgegenstand bildeten. Von hier aus tragen die Gendarmeriebeamten zusammen mit der Städtischen Sicherheits Wache Sorge dafür, dass die aufs äußerste beunruhigte Stadtbevölkerung vor den zwölf Tage lang rückflutenden Militärs so gut wie möglich beschützt sei. In Kärntens schwerster Zeit, genau vom 1.10.1919 bis 30.5.1920 beherbergt Hotel Stern in St. Veit sogar das Landes-Gendarmeriekommando, welches von hier nach Tanzenberg und erst am 25.10.1920 wieder nach Klagenfurt verlegt wird. Unter 1921 ist sowohl die Bildung des Heimatschutzbundes in St. Veit, Hörzendorf, St. Donat und Obermühlbach wie auch jene des Republikanischen Schutzbundes St. Veit vermerkt. Hier Grund- und Hausbesitzer, Bauernsöhne, Handwerksmeister, Angestellte, Beamte dort Fabriksarbeiter und vorallem Eisenbahner. Sehen die einen ihr Land, ihr Hab und Gut von außen wie von innen bedroht, so sorgen sich die anderen mehr ums Überleben der jungen Republik und um Fortbestand ihrer neuen politischen, arbeiterfreundlichen Errungenschaften. Waren die bisherigen Anforderungen an die Gendarmen nicht schon groß genug, die stärksten Herausforderungen stehen ihnen mit der Zuspitzung der innenpolitischen Verhältnisse aber noch ins Haus! Bürgerkriegsartige Zustände, Machtwechsel und Parteienverbote bis hin zu hochverräterischen Gewalttaten, all dies trug sicher nicht dazu bei, den Gendarmen einen nur halbwegs erträglichen Dienst-Alltag zu gestatten. Die hochdramatischen Geschehnisse von 1934 liegen noch keine drei Jahre zurück, da zog die Gendarmerie schon wieder um. Das Eckhaus Klagenfurter Straße 45 gehörte seit 1923 dem Verein „Arbeiterheim St. Veit“ und beherbergte Arbeiterkammer, Partei- und Gewerkschafts-Diensstellen. Dem schon angesprochenen Parteienverboten folgt für die Sozialisten alsbald der Vermögensverlust und so stand ab 1936 der „Österreichische Bundesschatz“, wenn auch als unrechtmässiger, jedenfalls als neuer Eigentümer fest. Hier wurde 1937 die Gendarmerie einquartiert und verblieb bis zum 28.2.1945, als ein Bomben-Volltreffer die neuerliche Umsiedlung erzwang. Bis 1947 dienten provisorisch freigemachte Räume im Bezirksgericht als Postenkommando. Das war natürlich eine Notlösung. Deshalb mietete man sich von 1947 bis 1960 im Hause Meisterl, Klagenfurter Straße 24 ein, von wo man dann gemeinsam mit dem Bezirks-Gendarmerie-Kommando ins Erdgeschoß des Buwog-Neubaues in der Friesacher Straße 17 umzog. Haus und Unterkunft waren damals noch von der Friesacherstraße her zugänglich, welch letztere bis zum Jahre 1983 diente.

Der Standort, Platz am Graben 1 wird voraussichtlich weit über das Jubiläumsjahr 2000 hinaus gelten und es bleibt zu hoffen und zu wünschen, dass den Gendarmen von nun an ein seßhafteres und friedvolleres Dasein bescheiden sein möge.

Walter Wohlfahrt in St.Veit Kommunal 1998  (umredigiert 2012)

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