Friedhof-Besuch 2016

Dezember 20, 2016 um 18:03 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Mein sorgenvoller Bericht zum vorjährigen Friedhof-Besuch wird Lesern vielleicht noch in Erinnerung sein. Was zu befürchten war, ist inzwischen leider eingetreten. Der schöne, alte Stein –  von mir abgebildet – ist nicht mehr, die Grabstelle des „1. Bezirksarztes“ ist aufgelassen. Weil es sich dabei um eine einst recht angesehene Familie handelte, versippt mit den ersten Adressen St. Veits, sei hier eine kleine Reminiszenz versucht, die immerhin etwas von den Höhen und Tiefen der letzten zweihundert Jahre erkennen lassen sollte.

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 „Chirurg“ Franz Krall etwa 1800-1850 Von ihm und dass er aus Pettau/Ptuj, aus der ehemaligen Südsteiermark zugezogen ist, dann als „Chirurg“ (Wundarzt) 1832 in die Bader Familie mit Namen Träher, in der alten Mühlbacher Straße, einheiratete, war schon die Rede. Witwe Träher übergab das Haus alsbald dem Gatten ihrer Tochter Eleonore.

Dr. Franz Krall 1831-1885. Franz hieß auch er Sohn, dieser erblickte allerdings schon ein Jahr vor der Eheschließung das Licht der Welt! Mit 22 Jahren hatte er das Studium in Graz abgeschlossen. Der tüchtige junge Mann, Mediziner und Geburtshelfer nahm sich Maria Susanne Wahrheit, Tochter des bürgerlichen Fleischhauers Johann Wahrheit (1816-1888) zur Frau. Finanziell gesichert eröffnete Krall in St. Veit seine Praxis, wo übrigens auch der Mediziner Josef Lemisch  (1826-1886), Vater von Dr. Arthur Lemisch,  zeitgleich tätig war.  Als Vater Krall 1885 all zu früh starb und Sohn Franz das Vaterhaus übernahm, war er im 34. Lebensjahr. Mit der um 23 Jahre jüngeren Ehefrau Maria Susanne hatte er neun Kinder, wovon nur Sohn

Robert 1874-1948 und Tochter Pauline 1884-1968, verehelichte Jost, über das Kindesalter hinaus kamen. Robert und Paula scheinen in der Besitznachfolge dann nicht mehr auf, auch nicht deren Mutter! Schon 1886 wird das Haus, heute Spitalgasse 8, an Anton Sornig verkauft. Hat  Maria Susanne, mit 32 Jahren Witwe geworden, noch einmal geheiratet? Die zwei unmündigen Kinder machten reiches Erbe, zunächst von Vaters und später bestimmt auch von  Mutters Seite. Ob sie mit einem Stiefvater oder bei einer Großmutter aufwuchsen, ist nicht bekannt? Was auffällt, ist die Tatsache, dass Ehefrau Maria Susanne, am Grabstein des Dr. Franz Krall nicht vorgekommen ist. Die „Wahrheiten“ zählten damals zu den Reichsten in der Stadt. Sie waren seit Generationen nicht allein als Fleischhauer, auch und insbesondere als Geldverleiher und Grundstücksspekulanten äußerst erfolgreich. Wahrheit-Töchter (-Witwen?) waren dementsprechend höchst begehrt. Von Roberts Nachkommen, zwei Söhne und eine Tochter, lernte ich

Ekkehard 1916-2001 persönlich kennen als er sich schon sehr schwer tat, sein Wochen-End-Haus in Eggen am Kraigerberg wie gewohnt selbst zu pflegen. 2001 musste er dann im Krankenhaus Weiern/Feldkirchen Aufenthalt nehmen, da gab er mir am 13. April ein letztes Interview.

Es interessierte mich vor allem, wie geschehen konnte, dass ein Jüngling, noch während der Lehrzeit beim Büchsenmacher Schwarz zum radikalen und überaktiven Nationalsozialisten wurde. Immerhin war mir bekannt, dass er in frühen Jahren an vielen einschlägigen und staatsfeindlichen Aktionen der Nazis, bis hin zum Hochverrat beteiligt war. Die Fragen kreisten darum erst einmal um Vater Robert und seinen möglichen Einfluss. Über eine fixe Beschäftigung des Vaters vermochte Ekkehard nur wenig zu sagen, so viel aber mit Gewissheit: Die Hinterlassenschaft des Großvaters betrug im Jahre 1885 sage und schreibe 180.000 Goldkronen. Man hätte sich dafür fünf Bauernhuben kaufen können. Wegen Minderjährigkeit der Erben (damals war man erst mit 24 eigenberechtigt!) wurde „mündelsicher“ in Wertpapieren angelegt, von Dr. Spöck und von einem zweiten Rechtsanwalt, nicht ohne separate Kosten gerichtlich verwaltet. Vater Robert und Tante Pauline, die spätere Handarbeits-Lehrerin, lebten ganz gut von den Erträgnissen der Papiere,  dies aber nicht sehr lange. Sie stritten viel und gerne miteinander und konnten sich nie auf eine sinnvolle Änderung in der Geldanlage einigen. Als es zum Weltkrieg kam und Vater Robert einrücken musste, war es dafür bereits zu spät. Nach Heimkehr nahm Robert Krall am Kärntner Abwehrkampf teil. Die familiäre Einstellung zu Deutsch- und Slawentum dürfte von Pettau her bestimmt gewesen sein. Eine Beschäftigung als Angestellter bei den Chemischen Werken in Treibach endete für Robert 1928 im Zuge der Weltwirtschaftskrise. Robert dürfte also auch über eine entsprechende Schulausbildung verfügt haben. Er hätte angeblich auch bei der Eisenbahn Aussichten gehabt. Mutter war sehr dafür, Vater zögerte zu lange „wegen der Wahrheit Verwandtschaft“.

Das wirft jetzt ein bezeichnendes Licht auf den Spalt, in der St. Veiter Gesellschaft jener Zeit. Auf der einen Seite die stolzen, arbeitsamen, meist hart arbeitenden aber wenig verdienenden Bürger, auf der anderen Seite die selbstbewussten, scheinbar über zu viel Freizeit verfügenden, regelmäßige Einkünfte beziehenden, früh pensionierten Eisenbahner. In St. Veit waren höhere Eisenbahn Beamte gerade noch akzeptiert. Ansonsten blieb man lieber unter sich. Jede Gruppe hatte ihre eigene politische Ausrichtung ihre eigenen Vergnügungen, Lokale und Vereine, bis hin zum Eisenbahner Leichenbestattungsverein. Zur Beliebtheit dieser meist Neuzugezogenen in bürgerlichen Kreisen, so weit es nicht der geschäftliche Nutzen gebot, lese man nach bei Sebastian Weberitsch! Dass vor und nach der Jahrhundertwende Gasthäuser und Kegelbahnen immer zahlreicher wurden, hat eindeutig mit dem Spielbedürfnis (Kegeln, Kartenspiel, Eisschießen) der Eisenbahner zu tun.

Noch einmal zurück zu unserem „getreuen“ Ekkehard. Um ihm oder seinem älteren Bruder Fritz 1913-1933, Lehrplätze zu sichern – das Lehrgeld  allein bei Schwarz belief sich auf 600 Schilling – wurde der letzte Familienschmuck in Klagenfurt versetzt. Auch der Schwester Paulines Lehrer-Ausbildung war nur so zu finanzieren. 1934 hatte Ekkehard ausgelernt und war als Geselle, wie so oft in solchen Fällen, dem Meister einfach zu teuer. Er konnte nicht weiterbeschäftigt werden. Deshalb bemühte er sich nach eigenen Worten, eine Stelle als Büchsenmacher in Deutschland zu finden! Ein Reisepass dorthin war aber nicht zu bekommen. Ob er deshalb bald danach, oder wie er meinte erst 1937 über die Grüne Grenze nach Deutschland ging oder ob ihn doch schon die Ereignisse von 1934 zum Untertauchen gezwungen haben? Ein alter Freund des Ekkehard erzählte mir, ihn 1938 als SS-Mann lungenkrank in einem Wiener Krankenhaus persönlich besucht zu haben. Das muss stimmen. In Ekkehards eigener Erinnerung sei er aber erst 1937 mit der Bahn nach Salzburg gefahren, wo ihn zusammen mit einigen zwanzig anderen der illegale Grenzübergang nach Bayern durch Mittelsmänner ermöglicht wurde. Es ging für ihn bei tief winterlichen Bedingungen über die Saalach, bei welcher Gelegenheit er sich eine Lungen TBC geholt haben könnte. Auf der anderen Seite wurde man schon erwartet, behelfsmäßig versorgt, auf Strohlager gebettet und dann ehestens auf Lkw nach München gebracht. Bald schon sei es zur Vereidigung und Aufnahme in die SS-Division „Der Führer“ gekommen. Die Zeitspanne für Erkrankung, Einkleidung, Ausbildung, Vereidigung usw. und alles zwischen 1937 und Frühjahr 1938 scheint viel zu kurz. Ekkehard müsste also wohl schon früher über die Grenze gegangen sein. Nach dem Anschluss 1942 wieder in der Heimat kam es zur Verehelichung mit Leopoldine Smoditsch und zur Familiengründung. Das Talent zum Untertauchen ist ihm scheinbar geblieben. Auch 1945 blieb er nämlich für die Besatzer unauffindbar. Genau so, wie 1934 für die österreichische Justiz. Während andere SS-Leute mit Kriegsende in Internierungslager wanderten, entzog er sich erfolgreich jeder Verfolgung. So weilte er Monate und Jahre mit falscher Identität unbehelligt in einem der hintersten Gräben um Hüttenberg. Seine geheimen Besuche bei der jungen Ehefrau blieben natürlich nicht ohne Folgen. Diese zwangen seine Frau zu einer Notlüge. Als die Ordnungshüter von damals die junge Wöchnerin bedrängten, den Aufenthaltsort des Mannes nun endlich bekannt zu geben,  wo doch ihre Niederkunft alles offenbare, war ihre Antwort „Es gibt ja auch andere Männer“!

Wenn jetzt klar zu Tage tritt, dass nichts anderes als Kriegszeiten, Wertverluste, mangelnde Einkünfte und Lebenschancen, in diesem Falle wohl auch eine gewisse  Familientradition zur Anfälligkeit für Hass-Parolen und schließlich zu Radikalismen geführt haben, dann fragt man sich doch, hat denn die Welt seither nichts dazu gelernt?

Rund ums Weberitsch Haus

Januar 19, 2013 um 15:13 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Ein Blick auf das alte Mappen-Blatt zeigt, dass sich um das Haus Weberitsch am heutigen Oktober-Platz im Laufe der Jahrzehnte so manches verändert hat. Unser besonderes Interesse gilt der östlich anschließenden Gartenparzelle 591. Ein schmaler Fahrweg dazwischen galt nur für den Eigenbedarf. Er endete bald und hatte noch keinen Anschluss zur Jahrmarkt-Wiese. Dazu benützte man in Marktzeiten mehr schlecht als recht einen schmalen Durchgang zwischen Haus und Klostermauer. Bis zur sogenannten „Pelzhütte“ reichte die Zufahrt wohl. Von dieser Hütte war die Rede wenn es darum ging, die Materialien für die Buden und Krämerstände während des Jahres sicher zu verstauen. Man muss annehmen, dass es anfänglich eine einfache, eine gepölzte Bretterhütte war und erst später – wie der Plan zeigt – ein Massivbau daraus wurde. Man hat also Pölzung mit Pelzen verwechselt, wenn man später irrig mutmaßte, es seien dort Pelze gelagert worden!

Schauen wir nun wieder auf unsere Gartenparzelle und stellen wir fest, keine Marktstraße, keine Personalhäuser der Eisenbahner, auch kein Haus Dr. Kimeswenger,  kein Haus Kropf-Mikula hat es schon gegeben. 1912 kam es daraus zur größten Abtrennung indem man 431 m2 in die neue Wegparzelle 1125 einbezog. Es war die Zeit von Bürgermeister Dr. Spöck. Er verschaffte den Eisenbahnern den Baugrund für die ersten Personalhäuser. Dass er es mit dem Stadtpfarrer gut verstand, der ja schließlich dem Verkauf zuzustimmen hatte, wurde ihm von sogenannten Parteifreunden zum Vorwurf gemacht. Nach dem Geschmack der Antiklerikalen war er der Kirche gegenüber viel zu verbindlich eingestellt. Und nun ging es erst noch darum, den neuen großen Wohnhäusern eine adäquate Straßeneinbindung zu bauen. Obwohl Sebastian Weberitsch sein Leben lang nur Zukäufe tätigte, war er diesmal bereit, den nötigen Grund gegen Entschädigung abzutreten. Nach dem Tode Sebastians im Jahre 1915 folgte ihm Sohn Max zwar im Besitz aber nicht als Bäcker. Max zog es viel mehr zu allerlei exotischen Viechern. Hatte Sebastian nur immer zugekauft, ging es jetzt in die Gegenrichtung. Was irgendwie entbehrlich war an entfernter liegenden Äckern und Wiesen wurde nach und nach abgestoßen und zu Geld gemacht. Scheinbar hat die Tierschau,  sommers in Wien und winters in St. Veit, weit weniger getragen als gekostet.

Jetzt wird auch die Gartenfläche 591 wieder deutlich reduziert. Das 1902 erstmals erscheinende – im Plan daher noch gar nicht zu sehende – Garten-Stöckl mit Baufläche Nr.402 wird zusammen mit 78 m2 Grund gemäß Kaufvertrag vom 12.3.1926 an Christine Greiner abgegeben. Als Bauherr käme dafür also auch noch Sebastian W. in Frage. Das Stöckl hat nach Abtrennung eine eigene Grundbuchseinlage Nr. 681 und wird 1941 an Mathilde Ressmann übergeben bzw. 1944 von einer Lea Ressmann geerbt. Weitere Eigentümer gibt es nicht mehr, weil das Stöckl spätestens 1962 nicht mehr existiert und die Baufläche in diesem Jahr amtlich gelöscht wurde. Die Straßenverbreiterung hat an dieser Stelle ihren Tribut verlangt. Um diese Zeit erfolgten noch weitere Grund-Abgaben durch Enteignung in das öffentliche Gut und durch Verkäufe. Heute gehört dort nichts mehr zum Hause Weberitsch.

Im Stöckl wohnte übrigens von 1945 bis 1958 die viel geprüfte Hoteliers-Familie Andreas und Maria Keil, geborene Woschank. Doch das ist eine andere Geschichte.

Walter Wohlfahrt in St. Veiter Stadtblattl Dez. 2012

 

Die andere Geschichte

Dezember 24, 2012 um 19:05 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Zuletzt wurde, um den gebotenen Platz nicht zu überschreiten, eine „andere Geschichte“ versprochen. Hier ist sie.

Sie führt zurück in den jüngst behandelten Weberitsch Garten und zu dessen Gartenhäusel. Es diente ursprünglich zur Unterbringung der Arbeitsgeräte, vielleicht auch zeitweilig der Lagerung von Erntegut, vor allem aber der Muse und Beschaulichkeit eines Gärtners. Es war in der ursprünglichen Konzeption ebenso wenig ein Wohnobjekt wie ein augengleiches Garten- oder Lusthäusel weiter nördlich, ungefähr wo heute Mac Donald steht. Beide Objekte fielen dem Straßenausbau zum Opfer. Jenes im Weberitsch Garten kam vor dem Abriss noch zu Hausnummer-Ehren, weil es nach Verkauf zu einer Kleinwohnung umfunktioniert worden ist.

Gerade in dieses Häusel, Oktober Platz 3, spielt 1945 ein überaus tragisches Schicksal herein. Wer weiß noch vom unseligen Abkommen zweier herrschsüchtiger und kriegslüsterner Herrschaften. Gerechterweise sei gesagt, sie waren nicht die Einzigen und nicht die Allerersten in Europa, die Krieg als legales Mittel der Politik betrachteten. Doch immerhin, so rücksichtslos gegen eigene Leute und noch schlimmer gegen sogenannte „Artfremde“ hat sich selten jemand aufgeführt. Man teilte die Europa unter sich auf nach dem Motto: „Du nimmst den Balkan, Griechenland, die Cyrenaika usw. und ich den Rest“. In diesem Bemühen der  Kriegsvorbereitung wurden nicht nur die  Südtiroler endgültig verschachert und die Gottscheer ins Unglück geführt, auch unsere Kanaltaler sind zum Spielball geworden. Und gerade von einem Kanaltaler soll hier die Rede sein.

Andreas Keil, geboren am 2.2.1878 in Wolfsbach, heute Valbruna bei Tarvis und gestorben am 3.2.1961 in St. Veit war wohlbestallter Hotelbesitzer. Sein Hotel Seisera war bekannt für eine vorzügliche Küche, hatte 33 Zimmer und warb noch in der Zwischenkriegszeit um österreichische wie italienische Gäste unter Hinweis auf seine wunderbare Bergwelt, Touren- und Ausflugsmöglichkeiten. Mit dem Hitler-Mussolini-Abkommen von 1939 nahm das Unglück seinen Lauf. Besitzer durften sich ablösen lassen und „im Reich“ ansiedeln. Wer Bauer war, blieb es – wer Hotelier war, blieb es auch. Nur unter „Reich“ verstand man bald  auch neu besetztes Gebiet, doch dieses war 1945 plötzlich nicht mehr zu halten.

Keil, hat sich nach Umsiedlung mit Frau und Tochter in Köttalach (heute Kotlje) nahe Prävali niedergelassen und das dortige Hotel Römerquelle gekauft. Die näheren Umstände des Erwerbes sind noch unbekannt. Es ist aber anzunehmen, dass Keil mit der Ablöse von Valbruna durchaus in der Lage war, einen Kauf geordnet zu finanzieren. Ob ein etwaiger Vorbesitzer freiwillig oder unfreiwillig verkauft hat? Leicht möglich, dass dieser Vorbesitzer selbst keinen all zu sicheren Erwerbstitel hatte, weil das Hotel mit Heilquelle und Bädern aus der altösterreichischen Zeit stammt und auch 1918 einen Besitzwechsel brachte. Man müsste dazu erst einmal die örtlichen Grundbücher befragen.

Fazit ist, Familie Keil wurde beim Zusammenbruch verhaftet und in das weit entfernte Todeslage Sternthal verbracht. Nebenbei bemerkt, doch wieder ein Glück, denn das berüchtigte Liescha wäre näher gelegen! Dort gab es nämlich kein Entrinnen mehr. Es muss ein Wunder gegeben haben, dass die Keils noch 1945 von Sternthal nach St.Veit/Glan gelangen konnten. Tochter Katharina hat damals als junge Frau zwar ganz Schreckliches mitgemacht und ist seither ein Pflegefall des Landes Kärnten.

Übrigens, ein Besuch  in Kotlje 2012 hat gezeigt, der Hotelbau ist zwar geschlossen, steht aber noch. Der gepflegte Park und die Quelle sind öffentlich zugänglich. Ein Wirt  wusste zu berichten, reiche Russen würden sich für das Anwesen interessieren und sie möchten einen Wellness-Betrieb daraus machen.

Die Vergabe des Friedens-Nobel-Preises an die Europäische Union wurde nicht wenig kritisiert. Jungen Leuten und allen unseren „Jungpolitikern“ möchte man frei nach Bruno Kreisky zurufen „Lernen Sie Geschichte!“ Wer dieses Friedenswerk nicht erkennt und es geringschätzt, dem ist nicht zu helfen. Die allgemeine Mießmacherei gegen die europäische Einigung ist unverständlich. Gut, es gibt Anlass zu Kritik. Vieles muss erst noch gelingen. Dass es da und dort menschelt ist auch klar, wo nicht? Rom und sein Weltreich – so sagt man – ist nicht an einem Tage gebaut worden. Es ist auch wieder zerfallen, weil es auf Kriege, Eroberungen und auf Unterwerfung aufgebaut war. Haben wir doch ein wenig mehr Gelassenheit, etwas stärkere Zuversicht. Wie hoffnungsvoll liest sich die Kleine Zeitung vom 11.12.12 Seite 23 „Kooperation italienischer und Kärntner Randregionen“. Das gibt Ausblick.

In diesem Sinne seien wir doch froh! Und Fröhliche Weihnachten. Viele glückliche Neue Jahre, ja Neue Jahrzehnte wünscht Ihnen als überzeugter Europäer     Walter  Wohlfahrt in Stadt Blattl Dez. 2012

 

Rund ums Weberitsch Haus

Dezember 24, 2012 um 18:57 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Ein Blick auf das alte Mappen-Blatt zeigt, dass sich um das Haus Weberitsch am heutigen Oktober-Platz im Laufe der Jahrzehnte so manches verändert hat. Unser besonderes Interesse gilt der östlich anschließenden Gartenparzelle 591. Ein schmaler Fahrweg dazwischen galt nur für den Eigenbedarf. Er endete bald und hatte noch keinen Anschluss zur Jahrmarkt-Wiese. Dazu benützte man in Marktzeiten mehr schlecht als recht einen schmalen Durchgang zwischen Haus und Klostermauer. Bis zur sogenannten „Pelzhütte“ reichte die Zufahrt wohl. Von dieser Hütte war die Rede wenn es darum ging, die Materialien für die Buden und Krämerstände während des Jahres sicher zu verstauen. Man muss annehmen, dass es anfänglich eine einfache, eine gepölzte Bretterhütte war und erst später – wie der Plan zeigt – ein Massivbau daraus wurde. Man hat also Pölzung mit Pelzen verwechselt, wenn man später irrig mutmaßte, es seien dort Pelze gelagert worden!

Schauen wir nun wieder auf unsere Gartenparzelle und stellen wir fest, keine Marktstraße, keine Personalhäuser der Eisenbahner, auch kein Haus Dr. Kimeswenger,  kein Haus Kropf-Mikula hat es schon gegeben. 1912 kam es daraus zur größten Abtrennung indem man 431 m2 in die neue Wegparzelle 1125 einbezog. Es war die Zeit von Bürgermeister Dr. Spöck. Er verschaffte den Eisenbahnern den Baugrund für die ersten Personalhäuser. Dass er es mit dem Stadtpfarrer gut verstand, der ja schließlich dem Verkauf zuzustimmen hatte, wurde ihm von sogenannten Parteifreunden zum Vorwurf gemacht. Nach dem Geschmack der Antiklerikalen war er der Kirche gegenüber viel zu verbindlich eingestellt. Und nun ging es erst noch darum, den neuen großen Wohnhäusern eine adäquate Straßeneinbindung zu bauen. Obwohl Sebastian Weberitsch sein Leben lang nur Zukäufe tätigte, war er diesmal bereit, den nötigen Grund gegen Entschädigung abzutreten. Nach dem Tode Sebastians im Jahre 1915 folgte ihm Sohn Max zwar im Besitz aber nicht als Bäcker. Max zog es viel mehr zu allerlei exotischen Viechern. Hatte Sebastian nur immer zugekauft, ging es jetzt in die Gegenrichtung. Was irgendwie entbehrlich war an entfernter liegenden Äckern und Wiesen wurde nach und nach abgestoßen und zu Geld gemacht. Scheinbar hat die Tierschau,  sommers in Wien und winters in St. Veit, weit weniger getragen als gekostet.

Jetzt wird auch die Gartenfläche 591 wieder deutlich reduziert. Das 1902 erstmals erscheinende – im Plan daher noch gar nicht zu sehende – Garten-Stöckl mit Baufläche Nr.402 wird zusammen mit 78 m2 Grund gemäß Kaufvertrag vom 12.3.1926 an Christine Greiner abgegeben. Als Bauherr käme dafür also auch noch Sebastian W. in Frage. Das Stöckl hat nach Abtrennung eine eigene Grundbuchseinlage Nr. 681 und wird 1941 an Mathilde Ressmann übergeben bzw. 1944 von einer Lea Ressmann geerbt. Weitere Eigentümer gibt es nicht mehr, weil das Stöckl spätestens 1962 nicht mehr existiert und die Baufläche in diesem Jahr amtlich gelöscht wurde. Die Straßenverbreiterung hat an dieser Stelle ihren Tribut verlangt. Um diese Zeit erfolgten noch weitere Grund-Abgaben durch Enteignung in das öffentliche Gut und durch Verkäufe. Heute gehört dort nichts mehr zum Hause Weberitsch.

Im Stöckl wohnte übrigens von 1945 bis 1958 die viel geprüfte Hoteliers-Familie Andreas und Maria Keil, geborene Woschank. Doch das ist eine andere Geschichte.

Walter Wohlfahrt   Dez. 2012

 

25 Jahre Restaurant Vitus-Quelle

Mai 28, 2012 um 10:34 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Die Eröffnung eines modernen Restaurationsbetriebes durch Frau Trudelinde Kircher am 5. April 1974 bedeutete einerseits einen weiteren Bruch in der vorausgegangenen Nutzungsart des altehrwürdigen Hauses im Erlgraben, man steht jedoch als beliebte St. Veiter Gastwirtschaft in einer guten, jahrzehntelangen Tradition. Man sollte sich daran erinnern, dass hier durch zwei Jahrhunderte so manche gesellige Runde sich ihres Lebens, der eine oder andere der Stärkung oder Wiedergewinnung seiner Gesundheit erfreuen durfte.

Viel wurde über die Vitus-Quelle und das gleichnamige „Mineralbad“ schon  geschrieben, aber längst noch nicht alles gesagt! Da wäre einmal der gelehrte Chemiker Josef Mitterdorfer mit seinem Aufsatz „Die Mineralquelle im Mühlbachgraben bei St.Veit“ in Carinthia 10.7.1824 zu nennen. Er liefert darin nicht nur die chemische Analyse des Vitus-Wassers, empfiehlt nicht allein Trinkkuren bei Verdauungsbeschwerden, Blasenleiden, Katarrhen und Blutarmut, sondern vergleicht dessen Eignung für Vollbäder sogar mit den Heilquellen von Liebenwerda in Böhmen und Ruhla bei Eisenach. Man würde zu weit gehen, wollte man darin lediglich ein Gefälligkeitsgutachten erblicken. Die Erwähnung des Badehauses und die handfeste Empfehlung, endlich Quellwasser anstelle des gewöhnlichen Bachwassers ins Haus und in die Badewannen zu leiten, spricht aber vielleicht doch für eine teilweise Anlaßarbeit. Es heißt nämlich wörtlich „für das schon seit mehreren Jahren mit vielen Bequemlichkeiten eingerichtete, öffentliche Badehaus ….. wird bis jetzt nur das Wasser des vorbeiströmenden Mühlbaches verwendet, welches auf Verlangen gewärmt und durch künstliche Zusätze als Stahl-, Schwefel- oder Kräuterbad benützt und ziemlich stark besucht wird.“

In einer Reihe „Kärntner Bäder“ im Südmarkkalender 1932 Seite 145 befaßt sich Norbert Rainer gleichfalls mit dem Thema. Neben Mitterdorfer zitiert er ein Gutachten des landschaftlichen Apothekers Johann Hollemschnig aus Klagenfurt, wonach das Wasser der Vitus-Quelle obendrein bei Blähhals gute Ergebnisse bringe. Auch soll nach Hollemschnig 1877 bei der Wahl des Standortes des Barmherzigen Spitals die Nähe zur Vitusquelle mit eine Rolle gespielt haben. Rainer erwähnt Verdienste der St. Veiter Schützengesellschaft um die Quelle und um die Schaffung eines bequemen Zuganges dorthin sowie die Leistungen des St. Veiter Verschönerungsvereines für den Vituspark ganz allgemein. Im Zuge einer kleinen Besitzgeschichte wird sich noch zeigen, dass der Anregung Mitterdorfers auf Zuleitung des Quellwassers zum Bad bald nachgekommen wurde.

Eine weitere, nicht unwichtige Geschichtsquelle ist eine Art Gästebuch oder Chronik des Hauses. Wenn auch der Zustand des Buches nicht der beste ist und eine Neubindung nicht schaden könnte, sind daraus doch etliche Einblicke, sogar Daten zu gewinnen. Abgesehen vom Ersteintrag 30.10.1832 beginnen regelmäßige Gästnotizen doch erst im Jahr 1841 um später von Einzelnotizen 1863, 1870, 1878 gefolgt zu werden, ehe sich ab 1880 wieder öfter und bis 1887 durchgehend Anwesenheitsbeweise, lustige und ernste, finden. Etwa: „Habe gebadet – glaubte geheilt – leide noch immer – an Heimweh nach St. Veit“ oder „Bade hier seit zwölf Jahren – nie krank, Anderluh 1.5.1882“ Unter den Badegästen bilden St. Veiter und Klagenfurter naturgemäß die Mehrheit, es finden sich aber auch Prager, Wiener und Budapester! In der Chronik finden sich das Wappen der Freiherrn von Koller, eines der Grafen Egger und eine gezeichnete Ansicht des Bades mit Gärtnerei von Frd. Jeluschnig 1840.

An Hand weiterer in die Tiefe führender Unterlagen des Stadtmuseums sowie ergänzender Nachschau im Kärntner Landesarchiv ist es möglich, eine geschlossene Besitzerreihe, um Details ergänzt, darzubieten:  Erbauer und erster Eigentümer des öffentlichen Badhauses von 1820 war Johann Mathäus Frh. von Koller, ein Sohn des 1805 verstorbenen Eisenhandelsherrn gleichen Namens. Dass die erste Absicht, die man mit diesem Bau verfolgte, nicht dem Kurbaden, auch nicht dem persönlichen Gebrauch galt, sondern der armen Stadtbevölkerung zu regelmässiger Körperpflege dienen sollte, geht wohl daraus hervor, dass anfänglich eben nur Bachwasser zur Anwendung kam. Nach frühem Ableben des Gründers erbte 1828 dessen Schwester Katharina, verehelichte Gräfin Egger neben dem Palais am Oberen Platz (heute Bezirkshauptmannschaft), den anderen Stadthäusern, Rasnig-Mühle und Bleiweißfabrik etc. etc. eben auch die „Badeanstalt in der Mühlbacher Vorstadt“. Gräfin Egger griff Mitterdorfers Anregung gleich auf und leitete Quellwasser direkt in die Wannenbäder. Eine neue Qualität des Haus war die Folge. War vielleicht bisher mit einer Badedienerin das Auslang gefunden worden, so ergab sich bald die Notwendigkeit der Unterbringung und Verköstigung von Gästen. Frühestens ab 1830 darf also mit erstem Gastbetrieb an dieser Stelle gerechnet werden, wenn auch ein solcher noch nicht ausdrücklich Erwähnung findet.

Auf Katharina Gräfin Egger folgte 1837 ihr Sohn Graf Gustav. In seine Zeit fallen schon viele Eintragungen im erwähnten Gästebuch. Ob allerdings und wie sehr sich die gräftlichen Herrschaften mit dem Kurbad identifizierten, ist schwer zu sagen. Haben sie das Personal selbst geführt, oder das ganze Haus einfach einem Pächter überlassen? Auch diese Frage muss offen bleiben.

1859 tritt jedenfalls ein neuer Eigentümer auf den Plan, Franz Puntschart. Dieser hat dem Grafen Egger nicht nur das Badhaus, nein noch einiges mehr, vorallem aber die Bleiweißfabrik abgekauft. Puntschart und Bleiweißfabrik bilden übrigens ein eigenes Kapitel im Lebensroman von Dr. Sebastian Weberitsch, Seite 99 ff. Dort ist nachzulesen, wie leicht der herzensgute und freigibige Mann von Zeitgenossen ausgenützt werden konnte. Es müsste nicht wundernehmen, wenn sich auch beim Badhaus die übereifrigen Handwerker gegenseitig ein Geschäft zugeschanzt hätten, so wie sie es bei der Fabrik getan haben. Schon drei Jahre später verkaufte P. an August Rauscher. Auch mit der Fabrik hatte P. wenig Glück. Er starb als ein weitum geachteter, aber armer Mann und war doch einst steinreich gewesen!

August Rauscher war für 15 Jahre Eigentümer und gab das Anwesen 1877 an Jakob Meßner, Fabriksbesitzer in Rottenmann ab, der jedoch noch im gleichen Jahr an Sebastian Weberitsch, Handelsmann in St.Veit „das Badhaus im Erlgraben, Haus Nr. 178alt/20neu um 2.677 Gulden“ weiterverkaufte. Die Erwähnung doppelter Hausnummern zeigt an, dass wir uns gerade in jener Zeit befinden, als man die einfache Durchzählung aller Häuser aufgelassen und mit separater Zählung pro Vorstadt begonnen hat. Vom Gesamtpreis entfielen 177 Gulden auf Fahrnisse, was bedeutet, dass die Einrichtung von Bad und Gasthaus nicht all zu kostbar gewesen sein kann. Im § 7 war vorgesehen, dass die Rücklegung des „Personalen Wirtsgewerbes“ zu Gunsten des Käufers erfolgen musste. Da sich Weberitsch nachweislich zu keiner Zeit als Wirt, sondern ausschließlich als Bäcker und Handelsmann betätigt hat, war vermutlich ein vorhandener Bad- und Gasthauspächter mit zu übernehmen. Weberitsch war es vielleicht nur um Geldanlage und um den sicheren Absatz seiner Backwaren zu tun. Er dürfte jedoch auch einige Verbesserungen, insbesondere am Gebäude haben vornehmen lassen, denn beim Weiterverkauf an Karl Honerlein am 26.1.1885, also nach nur viereinhalb Jahren betrug der Kaufpreis 5.700 Gulden und der des Inventars nur noch 100 Gulden. Davon waren 2.000 in bar zu begleichen, der offene Rest zur späteren Ordnung pfandrechtlich sichergestellt. Zwei Vertragsklauseln sind von besonderem Interesse.  Punkt 5, Wasserleitung und Wasserleitungsrecht aus der Vitusquelle gehen als Zubehör der Realität auf den Käufer über. Punkt 6, der Verkäufer verzichtet zu Gunsten des Käufers auf die Wirtskonzession oder er überläßt ihm diese pachtweise. Die auffällig Wertsteigerung mag vielleicht auf die rechtliche Regelung des Wasserbezuges zurück gehen. Für Hörnerlein, einen Privaten aus Klagenfurt, ist  es ein rein spekulatives Geschäft, denn er findet schon im Jahr darauf in Fräulein Maria Strauß eine Käuferin, die ihm 6.000 Gulden zahlt. Ein leichter Gewinn von 200 Gulden. Auf der Liegenschaft haftet noch immer der offene Kaufpreis per 3.800 zu Gunsten des Weberitsch. Die neue Käuferin übernimmt die Hypothek in ihr persönliches Zahlungsversprechen und ist mutig genug, ein neues Darlehen von 2.500 Gulden bei Frau Franziska Lemisch, geborene Rainer, Mutter des Dr. Arthur Lemisch, aufzunehmen. Oder sollte man nicht lieber die Großzügigkeit der Geldgeberin loben? Es kam nämlich, wie es kommen musste, wenn sich jemand ohne Bares und vielleicht auch ohne ausreichende Geschäftskenntnisse auf geschäftliche Abenteuer einläßt. Übrigens, auch in diesem Falle wiederholten sich die Bestimmungen in puncto Quellwasser und Konzession. Fräulein Strauß dürfte ein paar flotte Jährchen als Wirtin hinter sich gebracht haben, die Zahlungstermine der Silberegger Brauerei blieben von ihr jedenfalls unbeachtet. Kurzum, im August 1890 schritt man zur Zwangsversteigerung des Badhauses. Weberitsch war zur Rettung seiner Forderung gezwungen, mitzusteigern und bekam auch tatsächlich den Zuschlag für 4.400 Gulden. Das reichte gerade für die offenen 3.800 plus Zinsen. Frau Franziska Lemisch ging leer aus. Ein Glück nur, dass sie den reichen Familien Buzzi, Milesi, Rauscher angehörte….

Weberitsch war nun nolens volens wieder im Besitze des Badhauses und hat dabei immerhin 2.00o Gulden verdient! Beim Weiterverkauf an Johann Mörtenhuber und dessen Braut Maria Fink im Mai des Jahres 1892 wird Weberitsch 6.150 Gulden erlösen. Weberitsch hat in knapp zwei Jahren zwischen August 1890 und Mai 1892 noch wesentliche Verbesserungen vorgenommen. So wurde die untauglich gewordene Quellzuleitung neu „und direkter als vorher“ verlegt. Dass das Haus nicht unterkellert war, wirkte sich auf den Gastbetrieb wenig vorteilhaft aus. Also wurde ein Brücke über den Mühlbach geschlagen und am jenseitigen Hang ein Kellerstollen gegraben, dessen Mundloch eine betonierte Terrasse bekam. Darauf konnten von da an Konzertmusiker oder Tanzkapellen gemütlich Platz nehmen und von der Höhe her das pt. Publikum im von Kastanien beschatteten Gastgarten unterhalten. Chronist Dr. Weberitsch weiß von allerlei Abendunterhaltungen mit Tanz, von Kegelbahnen (Eisbahn im Winter) zu berichten.

Der Besitz des Badhauses durch Koller-Egger währte 40 Jahre und blieb für lange Jahre unerreicht. Die Familie Mörtenhuber wirkte hier jedoch von 1892 bis 1950, unglaubliche 58 Jahre lang und wurde, man kann dies mit Fug und Recht sagen, zum Inbegriff von St. Veiter Gastlichkeit, für Kuraufenthalte, Sommer- und Wintersport, für Vereinsaktivitäten und Gesellschaftsabende aller Art. Am 17. Mai 1892 ist von den Brautleuten Mörtenhuber-Fink gemeinsam und je zur Hälfte gekauft und noch am 31. desselben Monats geheiratet worden. Dass Johann Mörtenhuber nicht nur eine wohl ausgestattete, sondern obendrein eine geschäftstüchtige  Braut heimführte, beweist die sofort einsetzende Aufbauarbeit. Das Haus wird um ein Stockwerk angehoben und bald danach wirbt das BAD VITUSQUELLE MIT GUT EINGERICHTETEN FREMDENZIMMERN WANNEN- DUSCH- UND SCHWIMMBÄDERN (GROSSES SCHWIMMBASSIN). Als 1912 die Stadt mit dem neuen Hauptbahnhof endlich direkten Schnellzuganschluss erhält, hofft man nicht zu Unrecht, dass nun bald auch St.Veit vom Fremdenverkehr profitieren würde. Der örtliche Verschönerungsverein erhöht merklich seine Aktivität. Er kommt mit der Schaffung des neuen Vitus-Parks direkt auf Mörtenhubers Betrieb zu. Der wöchentliche Pensionspreis wird mit 42 Kronen, das Einzelbad mit 70 Heller offeriert. Erstmals wird eine Badeordnung erlassen, gedruckt und ausgehängt, der zufolge die Bäder von 6 Uhr früh an geöffnet sind und jedermann ersucht wird, die gewünschten Wärmegrade anzugeben. Auch darf ärztlicher Anordnung zufolge nicht länger als eine halbe Stunde im Bad verweilt werden. Barzahlung hat an die Badedienerin zu erfolgen. Zu dieser Zeit verfügt Mörtenhuber über 15 Zimmer, gleich wie Gasthof Sommeregger am Unteren Platz. Nur Gasthof „Zum Roß“ von Matthias Apolloner in der Klagenfurter Vorstadt hat 25 Zimmer, alle anderen, selbst Hotel Stern nur höchstens 8 oder weniger. Der Kriegsbeginn Herbst 1914 zerstört alle Hoffnungen, er ist sogar ein schwerer Schlag für jeden Gewerbetreibenden, der zuvor hoch investiert hat. Anlagen bleiben ungenutzt, werden schlecht bis unbrauchbar. Es gibt keine entsprechenden Umsätze. Noch lange nach Kriegsende waren die Zeiten miserabel, Inflation und wirtschaftlicher Stillstand gehörten zum Alltag. Erst 1925 nach Einführung der Schilling-Währung kommt es zu zaghaften Neubeginn, der aber durch politisches Rängespiel nach dem Motto jeder gegen jeden, nie richtig in Schwung kommt.

Johann Mörtenhubers Lebens- und Schaffenskraft neigt sich ihrem Ende zu. Am 21.12.1930 stirbt er mit 65 Jahren. Noch ist der Gasthof für Stadt und Umgebung ein gastronomischer Fixstern. Mörtenhuber hinterlässt neben der Witwe eine Tochter namens Maria und den geistesschwachen Sohn Johann. Die Hälfte des Vaters erbst Tochter Maria. In Anbetracht der Behinderung eines allfälligen Miterben mußte das Anwesen gerichtlich geschätzt werden. Dies erlaubt Einblick in Anordnung und Verwendung der Räume, auf Art der Einrichtung des weitläufigen Gebäudes.

Die Mittelachse des Hauses bestand aus einem vorderen, einem mittleren und einem hinteren Vorhaus (2 Ölbilder, 2 Tische, 4 Sessel). Links davon lagen die Badezimmer 1 bis 3 (mit je 1 gußeisernen Badewanne, Waschtisch, 2 Sessel, Eisenofen, Wandspiegel, Kleiderrechen). Weiters befanden sich auf dieser Seite Klosette, Stiegenhaus, 2 Rumpelkammern, Waschküche, Heizraum. Rechts des Haupteinganges befanden sich ein Gastzimmer (4 Tische, 19 Sessel, 1 Lutz-Ofen, Wandspiegel, Diwan, 6 Kleiderrechen, Pendeluhr, Orchestrion, Wandschmuck) Extrazimmer (6 Tische, 24 Sessel, Servietten-Presse, Bücherkasten, Aufsatzkasten, 4 Kleiderrechen, Spieltisch, Wandschmuck, 30 Bierkrüge, 10 Weingläser, 20 Viertel- und Seitelgläser, 1 Schaumwein-Kübel !, 50 Teller, 36 Alpaka-Bestecke, ein Sagspänofen. Allein darin ist schon zu ersehen, dass das Haus eine grundsolide, einge gediegene Ausstattung aufzuweisen hatte, was sich im Obergeschoß mit allen Fremdenzimmern fortsetzt.

Zum Schwimmbad mit seinen 14 hölzernen Kabinen wird vermerkt, dass dieses erst 1930 wieder instangesetzt worden sei, nachdem es in der Nachkriegszeit verfallen ist und durch acht Jahre nicht im Betrieb gestanden hat. Wäre man früher das einzige Bad der Stadt gewesen, so sei inzwischen ein weiteres hinzu gekommen (Anm.d.Verf.: Poganzer). Weiters sei (1930!) durch den Autoomnibus-Verkehr der Längsee der Stadt näher gerückt. Mit der alten Frequenz des Bades sei deshalb nicht mehr zu rechnen. Eintritt ins Freibad für Erwachsene 40 Groschen, für Kinder 30 Groschen. Elektrisches Licht und Wasser der Stadt sei aber eingeleitet. Wasser für das Freibad komme von der im Besitz der Stadt befindlichen Vitus-Quelle. Das Wasserbezugsrecht beim Marienhof sei durch Verkauf erloschen. Hochwasser des Mühlbaches, zuletzt jenes von 1930, würden stets Gefahr bringen. Mangels Unterkellerung seien die Holzböden durchwegs schlecht. Der Wert der Liegenschaftshälfte wird folglich  vom gerichtlichen Schätzmann, Stadtbaumeister Hans Wank  mit 33.000 Schilling bestimmt.

Als schließlich auch Maria Mörtenhuber ihre Haushälfte der Tochter gleichen Namens übergibt, schreibt man schon das Jahr 1943. Wieder befindet man sich inmitten einer harten Zeit voll Nachteilen und Erschwernissen einer Kriegswirtschaft. Der Getränkekeller auf der anderen Bachseite ist mittlerweile zum Luftschutzkeller für die verschreckten St. Veiter umfunktioniert und ausgebaut worden. Schon wieder geht das Geschäft schlecht und selbst die unmittelbare Friedenszeit ist noch lange nicht geeignet, eine Erholung einzuleiten. Alle Fremdenzimmer sind längst schon amtlich besetzt und zu Mieterschutzwohnungen erklärt worden. Sie sollten es noch lange bleiben.

1950 kommt es zum Verkauf an Josef Müller, schon nach 19 Monaten gefolgt von Ludmilla Laurer, geb. Fian. 1955 folgen die Brüder Philipp und Ernst Nagele. Da wird erwähnt, Nagele hätte 60.000 Schilling in das Bad investiert. Trotzdem hat die Gemeinde dem Nagele die Erneuerung der Wasserzuleitung von der Vitus-Quelle versagt. 1967 hatte er angeblich eine Verzichtserklärung abzugeben um einem Prozeß mit der Stadtgemeinde aus dem Wege zu gehen. Wannenbäder und Freibad wurden daraufhin wegen Unrentabilität aufgelassen. Erst nach und nach sind die Mieterschutzwohnungen frei verfügbar geworden. Aus dem Badhaus hat Philipp Nagele schließlich ein Cafe mit Nachtbar gemacht und mit einer Diskothek geendet.

Seit 1973 zeichnet Trudelinde Kircher als Besitzerin. Sie verschönerte das Haus innen und außen. Das Wappen ihrer Ahnen, Ritter von Holle ziert die Hauptfront. Auch Wappenschilder der Freiherren von Koller und der Grafen Egger sind zu bestaunen. Der Restaurantbetrieb wurde von ihr erfolgreich  wieder aufgenommen, letztendlich aber wurde verpachtet und ein Griechen-Lokal daraus gemacht.

Walter Wohlfahrt in St.Veit Kommunal Herbst 1999, verbessert 2012

Villacher Vorstadt

August 21, 2011 um 17:49 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Aus Kataster von 1829

„Vom Eise befreit sind Glan und Bäche……“ Wir schreiben das Jahr 1871 und wir unternehmen an Hand der abgebildeten, zeitgleichen Karte einen Osterspaziergang. Das Villacher Tor steht zwar nicht mehr, wohl aber die enge und überbaute Barbakane davor, mit dem „Sporer-Gewölbe“. Schlosser, Kupferschmied sowie ein Lederer sind hier eng beisammen Hausherren Domenig-Gasse. Das Woschitzhaus (Mitte Oktoberplatz – demoliert) mit einer Spenglerei versperrt uns Aussicht und geraden Weg. Wir müssen uns entscheiden, gehen wir rechts der Waage und der ehemaligen Eisentratte zu, oder wenden wir uns nach Süd-Westen. Wir wollen letzteres und müssen zwischen zwei Möglichkeiten wählen, entweder rechts oder links am Bürgerspital vorbei. Rechts hätten wir die obere und neuere, links die untere, die ältere Ausfahrt. Wir bleiben am älteren Weg und stoßen auf das Weberitsch Haus. Der junge Sebastian soll uns führen! Vielleicht begegnen wir mit ihm dem einen oder anderen seiner guten Freunde, den Hantierern? Vater Weberitsch, Vizebürgermeister, Spitalmeister, Kommandant der Trabantengarde usw. betreibt eine gut gehende Backstube. Es duftet dementsprechend aus dem Hause. Hinten im Klostergarten des Mathias Grawein hat sich Freiherr von Wucherer eingemietet, ein berühmter Büchsenmeister, der sich allerdings für feineres Zubehör des Zeugschmiedes Tindl bedient.

Gerade als wir an der Klosterkirche vorbeikommen und links unten den Zeneggenhof erblicken, schlagen im Turm die Osterglocken an. Ihr Klang vereint sich bald mit dem schönen Geläute das von der Stadtpfarrkirche herüber tönt. In diesem Augenblick melden sich die ersten Böller vom Kalvarienberg. Johann Mlinek, Trattentischler (Waag Str.2), Pionier des St.Veiter Hopfenanbaus und Feuerwerker sendet seine unüberhörbaren Grüße. Selbst Wachmann Fenz, der uns ein kurzes Stück das Geleit gibt, wird von festlicher Stimmung erfaßt. Er verabschiedet sich, um die gefahrvolle Schießerei zu inspizieren. Bald sind die letzten Häuser hinter uns. Vorbei am Schwarzfurter Kreuz erreichen wir schließlich den Wendepunkt beim Reidenwirt, dem alten Räubernest des Krapfenbäck Simale. Dort zweigt  die Straße nach Hörzendorf ab und dort werkt auch ein fleißiger Körbler. Die von ihm gepflanzten und genutzten Kopfweiden werden noch über hundert Jahre lang zu sehen sein. Am Rückweg erblicken wir hoch über uns auf grünen Hängen den Pueller-Hof und bald auch schon den zweiten Pulverturm. Genau zwischen demselben und dem Pueller stand der Pulverturm 1, bis er in die Luft flog. Beim Pulverturm 2 gibt es noch ein paar dazugehörige Nebengebäude, sonst aber kein einziges Haus. Es wäre viel zu gefährlich, dort zu wohnen. Dieser gefährliche Patron wird die Ausdehnung der Vorstadt noch lange hemmen.

Die Robitsch-Keusche (demoliert – heute Spar) sowie der Wirt Georg Weitzer ( Gasthaus und Kino Jäger) liegen dem Pulverturm am nächsten und ihre Bewohner sind die Mutigsten.

Ehe wir ab Brückenwirt eine einigermaßen geschlossene Verbauung vorfinden, enbietet uns und seinem jungen Freund Sebastian Meister Johann Tindl (heute Schlecker) im Vorübergehen seinen Gruß. Das Bürgerspital rechts, kommen wir zur Häuserzeile mit dem Gasthaus Zum Mondschein des Jakob Kobalter (Vill.Str.16),  gerade erst von Josef Preschern  abgekauft. Dieses Gasthaus hieß einmal „Zum Bothenwirt“, weil hier die aus Villach und Feldkirchen, aber auch aus Klagenfurt über Pörtschach am Berg gekommen Boten erwartet und gelabt worden sind. Auf engstem Raum folgen jetzt zwei weitere Wirtshäuser, das des Josef Huber (Vill.Str.8) und das Gasthaus „Zum grünen Baum“ von Karl und Therese Egger.

Von den insgesamt 58 Hausnummern der Villacher Vorstadt haben wir nicht einmal halb so viele gesehen. Die größere Zahl liegt in und um die Erlgasse. Doch das ist eine andere Geschichte.                                IV/2005

Wiesenmarkt Anno 1823

Juli 31, 2011 um 16:03 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Durch diese gefährliche Enge zwischen Weberitsch-Haus und Klostergarten-Mauer führte einmal der Weg zum Wiesenmarkt 

„Das Schmettern der Trompeten bei offenen Fenstern und das wilde Gejauchze der mutwillig betrunkenen Burschen bis in den Morgen hinein störe die zum Frühgottesdienst gehenden, frommen Christen, ja selbst der Klang der Glocken werde davon  übertönt…..“

 Genau mit diesen Worten beschwert sich im Oktober 1823 Herr Stadtpfarrer Mathias Ferdinand Wudiel beim Magistrat der kaiserlichen Kammerstadt St.Veit über die seiner Meinung nach ungehörige  Tanzmusik. Wie sich die Zeiten ändern! Heute gibt es umgekehrt da und dort einen örtlich und geistlich fernen Schläfer, der sich über das allmorgendliche Schwingen und Klingen der nämlichen Glocken beklagt.

Der Stein des Anstoßes lag im Hause Nummer 8 am Oberen Platz, heute Kropfreiter Haus, besser gesagt beim damaligen Besitzer Michael Türk. Dabei hatte der gute Mann vorgesorgt und zeitgemäß um eine Lizenz für die Nächte vom 2. auf den 4. Oktober angesucht. Es war ja schließlich Wiesenmarktzeit! Michael Türk, damals 59 Jahre alt, wurde gerade ein Jahr davor zum Bürger aufgenommen und bei dieser Gelegenheit als hier geboren und als ein  Schmerstecher von Beruf bezeichnet worden. 39 Jahre früher scheint ein Anton Türkh, Maurermeister, in Hörzendorf geboren, im Bürgerbuch auf. Es wird sich dabei mit Sicherheit um Michaels Vater gehandelt haben. Michaels gleichnamiger Sohn erhielt 1851 Bürgerrecht.

Das hochinteressante Gebäude in dessen rückwärtigem Teil zur Bräuhausgasse hin vor langer Zeit Geheimprotestanten einen Gebets- und Versammlungsraum hatten, blieb genau 18 Jahre in den Händen der Familie Türk. 1816 von Josef Käfer, der es freiwillig ausbot, ersteigert, wurde es im Jahre 1834 an die Eheleute Kogelnig vertauscht, die das Anwesen nur kurz halten konnten. Auch die zwei Nachbarn links und rechts am Platze sind bekannte Leute: Johann Michael Wratitsch, 53 Jahre alt, geboren in Pettau, verheiratet, „Besitzer der Thomas Valesischen Handlung“, Bürger seit 1803 sowie Konrad Detrosin, 44 Jahre alt, geboren in Klagenfurt, ein bürgerlicher Kürschner. An der Bräuhausgasse gelegen, wirkte der gleichfalls bürgerliche Pfeifenschneider, Alois Archer mit Namen, 28 Jahre alt, verheiratet und in Klagenfurt geboren. Wie es sich schon in dieser Ecke der Stadt zeigt, war der Zuzug fremder Leute von außen allzeit recht beachtlich.

 Apropos Zuzug von außen. Zu Zeiten des Wiesenmarktes und eigentlich bis zur Vollmotorisierung wimmelte es in der Stadt vor Menschen. Nicht nur tags über, auch das Bleiben über Nacht war vielfach unumgänglich. Der uniformierte Stadtwächter hatte seine liebe Not und fast rund um die Uhr zu tun. Gendarmerie gab es ja noch nicht. Keinesfalls ein  jeder Besucher war automatisch willkommen. Es gab auch viele Herumtreiber und Leute, die das Tageslicht besser zu scheuen pflegten. In den Gasthäusern fand sich kein freies Plätzchen mehr. Die Wirte wetteiferten unter einander, leer zu machen, was sich nur irgendwie zum Tanzsaal eignete. Die Musiker der Stadt reichten nie aus. Von überall zogen Fiedler und Bläser heran, um die Besucher zu unterhalten und dabei ein bißchen Geld zu machen. Auf der Wiese gab es noch nichts dergleichen, nicht Musik noch Tanz. Weder Sebastian Weberitsch, noch Fritz Knaus erwähnen in ihren Erinnerungen Tanzböden oder ähnliches auf der Wiese. Bei Fritz Knaus heißt es sogar ausdrücklich, „Tanzböden waren auf der Wiese keine, dafür gab es in der Villacher Vorstadt beim „Hirschen“, am Oberen Platz beim Feistritzer, im Kaffee Konrad und später beim „Landsturm Peter“ lustige Tanzmusik“. Wenn der Abend kam, machten alle Verkaufsbuden dicht. Danach ging erst in der Stadt und in deren Wirtschaften so richtig „die Post ab“. Kein Wunder, wenn die Lizenzen heiß begehrt waren und zeitlich überzogen wurden, wo es nur irgendwie ging, wie es der Eingangsbericht über Michael Türk zur Genüge beweist.

 Die ortsübliche Hausbezeichnung „Zum Türkenwirt“ hielt sich im Volksmund noch lange, obwohl noch mindestens fünf Familien im Besitze folgten, ehe schließlich Ignaz Kropfreiter ums Jahr 1919 eine Lebzelterei einrichtete.

 Die ältest bekannte Hausbesitzerin hieß übrigens Katharina Millesi. Sie kommt schon im Steuerbuch des Jahres 1753 vor. Weil sie mit 8 Gulden für „eigenen Zins“, 30 Gulden „für Inleutzins“ und 5 Gulden für „leerstehend“ als Steuerbasis bewertet wurde. Das heißt, sie hat ihr Haus nur zu einem Fünftel selbst bewohnt, den größeren Rest hingegen vermietet oder leerstehend gehabt. Katharina Millesi, geborene von Aineth, war Witwe nach ihrem 1752 in Villach verstorbenen Gatten Simon Millesi.                                                                                        

Walter Wohlfahrt in „Zentrum Kärnten“   IX/2007

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