Das Testament von 1892

Oktober 21, 2020 um 15:18 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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verrät uns einiges über die Verfasserin und noch mehr über die Person wenn man auch das Totenbuch der Pfarre St. Peter ob Taggenbrunn zu Rate zieht: Es handelt sich um Theresia Tautschnig, Besitzerin auf Gut Keuschachhof bei Taggenbrunn.

Sie war gewiss eine sehr gläubige Frau, denn die ersten die sie beschenken wird sind die Kirche St. Peter und alle zu ihrem Begräbnis kommenden Armen. Sie sollen je 100 Gulden bekommen. Ihre Beerdigung darf 150 Gulden kosten. Warum sie drei Reyer Töchter, darunter eine verehelichte Luise von Schreibern und Anna verheiratete Schorn mit je 1.000 Gulden zwei männliche Reyer mit je 100 Gulden bedenkt, ist nicht klar. Sind es verwandtschaftliche oder freundschaftliche Beziehungen? Denn die Reyer waren gewiss auch einmal Besitzer auf Keutschachhof. Darüber hinaus war es durchaus üblich, auch ehemals Bediensteter und Bekannter zu erinnern, darunter Margarethe Lemisch vom Wirtin Goggerwenig, einer Maria Premig, ebenda und Frau Albina von Schreibern zu gedenken.

Auch erfährt man noch, dass das aufgeteilte Gesamtkapital von 4.000 Gulden aus einem Übergabsvertrag stammt de dato 1871 geschlossen zwischen ihr, einer „geborenen Pirker“ und Albina Maria Tautschnigg (Landschaftliche Urkundensammlung Fasc. 111 Nr 171 präs. 2. Mai 1871 Nr. 2470). Was der Gegenstand der Übergabe war, vlg Pirker (heute Riedl) oder Keutschachhof ist nicht klar. Darüber hinaus ist es noch fraglich, was zeitlich unter „Keutschachhof“ eigentlich zu verstehen war, weil die Bezeichnung mehrmals gewandert ist, von der alten Verweser-Behausung (heute Verkauf-Laden) vor dem Zehent-Kasten unter der Ruine, dann zum schlossartigen Gebäude mit Wirtschaftsgebäude unter der Straße nach Goggerwenig (heute Neuper) und schließlich zur ehemaligen Ziegelei an der Straße St. Veit – Launsdorf.

So ist z.B. auch die Tätigkeit eines Franz Reyer als Ziegelbrenner in unserer Gegend noch kaum erforscht. Die Gemeindechronik von St. Georgen, obwohl ansonsten sehr gründlich in jeder Hinsicht, schweigt sich darüber vollkommen aus! Hat Reyer in der späteren Ziegelei Voraberger oder im nahe Pulla Wald abgebaut und Ziegel gebrannt? Diesbezügliche Forschungen im Zusammenhang mit der Rollbahn über die Glan (Käferlbrücke) zum Bahnhof Glandorf stehen noch aus. Die Reyer, ob Ritter oder Freiherren waren durchwegs tüchtige Männer und haben sogar das Kärntner Landesarchiv reich bedacht, wo man auch ansetzen müsste.

Anna Reyer geborene Heberl (?) hat ihrem Gatten Johann Reyer in St. Peter ob Taggenbrunn einen Stein gesetzt, dessen Inschrift wie folgt lautet:

Hier ruht Johann Reyer geboren zu Taggenbrunn (21. Juni 1959) gestorben am (15. Aug. 1818) – in Klammern gesetzt wegen schwerer Lesbarkeit. Es folgt der Text

Sieh glühend heiße Tränen fallen Auf diesen kalten Leichenstein

Von der geweint, die stets vor allem Nur dich geliebt und schaut allein

Sie gläubig auf zur Sternenbahn Woher die Tröstungsworte wehn

Dorthin ging ich Dir nur voran Dort ist der Gatten Wiedersehn

Anna Reyer geb, Heber?

Dieser Inschrift-Stein war mit angeblich weiteren Reyer Grabmalen an der Ostseite der Kirche St. Peter angebracht und glücklicherweise von Heinz Kleinszig fotografisch gerettet, sonst wäre er wie alle übrigen Reyer Tafeln im Zuge der Neuweiselung der Außenfassade abgenommen und vernichtet worden!

Die Stadt St.Veit und ihre Fußballer

Mai 28, 2012 um 19:27 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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 Teil I (1920-1938)

 In Tagen, da sich der Fußballsport unserer Stadt gerade wieder anschickt, an alte, glorreiche Zeiten anzuschließen und in denen sich St.Veiter Kicker auf nationaler wie internaler Ebene stark hervortun (Nationalkeeper, Deutscher Pokalsieger mit Vfb Suttgart) oder sich ein zweiter  in der Österreichischen Olympia-Auswahlmannschaft U 21 bewährt hat, ist es vielleicht garnicht uninteressant, einmal die Frage nach den historischen Anfängen des örtlichen Fußballsportes zu stellen. Wie und wann hat denn dies alles begonnen?

 So gut der Wiederbeginn nach 1945 in den diversen, längst schon wieder vergriffenen Festschriften auch behandelt ist, über die Zeit davor ist darin leider nur ganz wenig zu erfahren. Es liegt in der Natur der Sache, daß sich selbst bei den besten Erzählern und verläßlichsten Gewährsleuten mit den Jahren kleinere und größere Gedächtnislücken einstellen. Ein kritischer Vergleich solcher Berichte mit den verfügbaren historischen Quellen erscheint daher angezeigt.

Als Vertreter des Stadtmuseums tut mat gut daran, mit den eigenen Beständen zu beginnen, wie z.B. mit den Auftragsbüchern der einstigen Druckerei Schlick in St.Veit. Ein Gutteil des Druckerei-Umsatzes dieses altehrwürdigen Betriebes bestand nach dem ersten großen Krieg darin, Plakate für die verschiedensten Anlässe zu drucken und in der Stadt zu affichieren. So wurden auch dem „Turnverein“ 25 Stück Ankündigungs-Plakate für ein Fußballspiel am 22.5.1920, bzw. 30 Stück für ein weiteres Heimspiel am 6.6.1920 zum Preise von je 95 Kronen geliefert. Für das Ankleben von jeweils 20 Stück davon wurden separat 12 Kronen berechnet.

 Wenn man jetzt nicht wüßte, daß es zu jener Zeit auch schon einen „Arbeiter Turnverein St.Veit“ gegeben hat, zwar noch nicht vereinsbehördlich angemeldet, aber immerhin in der Realität, dann könnte man leicht in die Irre gehen und meinen, beim Auftraggeber hätte es sich um den St.Veiter „Turnverein von 1883“ gehandelt. Das wäre weit gefehlt, denn bei den Turnern war und blieb das Fußballspielen verpönt. Der „Arbeiter Turnverein“ hingegen konnte sich damit gesellschaftlich, sportlich und politisch ganz bewußt vom renommierten Turnverein abheben. Fußball wurde sogar mit Absicht da und dort als Proletensport verächtlich gemacht.

 Zu einer gewissen Alleinstellung, wie man heute im modernen Marketing sagen würde, eignete sich also der Fußballsport damals ganz vorzüglich. Wenn wir uns nur kurz entsinnen, so kam dieses Spiel auf zwei Wegen in die alte Monarchie. Einmal nach Wien über englische Firmenniederlassungen bzw. deren Angestellte in Form des Wiener Cricket- und Fußballclubs und bald darauf auch noch durch englische Gärnter des Barons Rothschild. Diese letzteren waren die Gründer des „First Vienna Football Club“ von 1892. Blieb der erstgenannte Club eher ein vornehmer in sich geschlossener Kreis, so öffneten sich die Gärtner-Fußballer sehr bald auch österreichischen Sympathisanten und Mitspielern. Dadurch lebte Sport und Verein in Wien noch fort, als es dort eines schönen Tages Rothschild und dessen englische Gärtner garnicht mehr gab.

 Der zweite Weg über den der Fußball ins alte Österreich kam,  führte von der deutschen Universität Prag über steirische Studenten nahezu zeitgleich nach Graz. Weil aber der Prager Fußball aus Deutschland dorthin kam, hatten dessen Jünger von Haus aus eine gewisse deutschnationale Vorliebe, was dann die Rivalität zwischen den Wiener und Grazer Vereinen noch zusätzlich fördern sollte. Seit 1901 gab es bei uns erste Länderspiele (Österr.-Schweiz 4:0) und 1911 starteten erstmals österreichische Meisterschaftsbewerbe. Nach Klagenfurt brachte den Fußball ein namentlich unbekannter Turnlehrer des Gymnasiums, der 1909 den Ersten Kärntner Fußballverein gründete, aus dem später der KAC hervorging. Weitere Vereinsgründungen in Kärnten folgten 1919. Zum KAC gesellten sich die Amateure Klagenfurt, Klagenfurter (Arbeiter?)Turnverein, Villacher Sportverein, Kaufmännischer Sportclub Klagenfurt und „Vorwärts“Klagenfurt.  Der Kärntner Fußballverband besteht seit 1920 und die erste Kärntner Fußballmeisterschaft startete 1922.

 Kein Wunder also, daß sich auch in St.Veit früh Fußball-Liebhaber, sei es aktiv oder als Anhänger fanden. Einen brauchbaren Überblick für diese Zeit bietet die Festschrift des SV St.Veit von 1965 (15 Jahr Jubiläum) auf Seite 16. Der Spielplatz lag allerdings nicht, wie dort behauptet in  A l t g l a n d o r f  sondern auf dem ehemaligen Reitplatz in  G l a n d o r f. Dieser Reitplatz gehörte zur ehemaligen Kavalleriekaserne und soll an den Weg zum Kollerhof gegrenzt haben. Bei der oben geschilderten frühen Begegnung mit dem Kaufmännischen Sportverein Klagenfurt ist es offensichtlich um das Spiel vom 22. Mai 1920 gegangen, denn beim Spiel vom 6.6.1920 hieß der Gegner anders. Das Kärntner Tagblatt – Organ der Kärntner Christlich Sozialen Partei – berichtet nämlich am 9.6.1920, daß die Jungmannschaft des KAC durch den Spieler Richter verstärkt am 6.6. gegen den St.Veiter Turnverein ein Wettspiel austrug und mit 6:0 (1:0) gewonnen hat. Gleichzeitig wird das Rückspiel in Klagenfurt für Sonntag, 13.6.1920 um 15 Uhr angekündigt.

 Am 20.6.1920 bringt die genannte Tageszeitung die Ankündigung eines Fußball-Progaganda-Spieles der Senioren-Mannschaft des KAC in St.Veit für den gleichen Tag:

                 „Auf den Gründen der alten Reitschule (Kollerhof) bei Glandorf

                  kommt es zu einem Wettspiel mit dem St.Veiter Turnverein. Leider

                läßt das Interesse des St.Veiter Publikums am Fußballsport noch

                sehr zu wünschen übrig. Bei den bisherigen Veranstaltungen des

                Turnvereines waren jedesmal kaum 100 Menschen anwesend.

                Deshalb ist es dem Turnverein auch nicht möglich, sich Mannschaften

                von auswärts kommen zu lassen“

Das Tagblatt vom 22.6. bringt das Resultat von 3:7 (2:3) und hebt unter den St.Veitern den Mittelstürmer Vaschauner sowie den Tormann Erich Arztmann besonders hervor.

Ein weiterer Spielbericht zum vorgenannten 3:7 erscheint im gleichen Blatt vom 25.6.1920..

 Nun, so gering dürfte das Interesse am Fußball in St.Veit vielleicht doch nicht gewesen sein. Bedenkt man, daß unserem Heimatland in diesem Jahr noch eine schicksalsschwere Entscheidung, nämlich die  Abstimmung vom 10. Oktober bevorstand und der Sportbetrieb doch unbeschadet aller Widerwärtigkeiten fortlebte, so kann es an Begeisterung und Opferbereitschaft seitens der Spieler und Funktionäre nicht gemangelt haben. Auch sind offenbar diese Zeitumstände die Ursache für die verspätete offizielle Gründung des Sportvereines in St.Veit (genauer gesagt des Arbeiter Turn- und Sporvereines = ATUS) mit Bescheid des Amtes der Kärntner Landesregierung vom 16.8.1923. Bis dahin segelte man zwar streng juristisch vereinslos, nach außen hin aber praktisch als FC St.Veit, und auch als Sportverein St.Veit.

Leider waren die politischen Lagerkämpfe im damaligen Österreich wenig dazu angetan, einen geregeleten Spielbetrieb zu fördern, ganz im Gegenteil! Wie in der schon oben zitierten Festschrift des SV von 1965, Seite 17 richtig dargetan, kommt es 1934 zum Verbot des St.Veiter Arbeitersportvereines. Die Gründung des Eisenbahnersportvereins 1931 liegt jedoch v o r diesem Verbot, nicht wie behauptet, danach. Im Akt der Präsidiale der Landesregierung Nr. 3956 erliegt ein interessantes Gesuch vom 24.4.1934 an die BH um Bewilligung zur Gründung eines Sportvereines in St.Veit, unterfertigt von den Proponenten August Voraberger, Getreidehändler; Josef Holzmann, Konditor, Milch- und Zuckerwaren, Anton Medwed, Friedrich Bugelsheim, Gastwirt.

 Die Sicherheitsdirektion für Kärnten argwöhnt, es könnten sich hier Anhänger der verbotenen sozialdemokratischen Partei wiederbetätigen und verlangt von der ständestaatlichen Gemeindevertretung eine Stellungnahme nicht nur hinsichtlich der Zuverlässigkeit der antragstellenden Personen sondern auch in Bezug darauf, ob sich nicht vielleicht ehemalige Vereinsmitglieder des verbotenen Turnvereins darunter befinden. Nachdem Gendarmen zwecks Erhebung ausgeschickt worden waren, dürfte sich der eine oder andere Unterzeichner wohl überlegt haben, ob er die Sache noch weiter unterstützen soll. Die Antwort der Gemeinde an die BH lautet dahingehend, daß allein Anton Medwed als guter Fußballer bekannt sei, die übrigen Personen aber wohl nur aus Geschäftsrücksichten und keinesfalls aus sportlichen Motiven zur Unterstützung bereit waren. Im übrigen seien von den rund 30 Anhängern des geplanten Vereines ca die Hälfte ehemalige Arbeiter-Turnvereinler und der Rest verteile sich auf sonstige Arbeiter und Angestellte.

 Da in der Sache selbst monatelang nichts voranging, langte bei der Behörde der mit 5.12.1934 datierte neue Vorschlag auf Gründung eines  V a t e r l ä n d i s c h e n (!) Sportvereines St.Veit ein. Eine dabei verwendete Stampiglie zeigt einen Fußballer mit Rundschrift „Sportverein St.Veit“. Um nur ja weiter Vereinsfußball betreiben zu können, war man offensichtlich zu jeder Konzession bereit. Aber schon elf Tage danach, am 16.12.1934 wird der BH mitgeteilt, die unterfertigten Spieler hätten einstimmig beschlossen, bei der Sektionsleitung des Vaterländischen Sportvereins der Bediensteten der Österr. Bundesbahnen um Aufnahme zu ersuchen. Das vorhandene Vermögen, bestehend aus zwei Lederbällen und zwei Garnituren Dressen bringe man kostenlos in den genannten Verein ein. Die hier Unterfertigten sind weitgehend ident mit den auf einem Foto von 1934 oder 1935 abgebildeten Fußballern. Die Unterschriften stammen von Bussetti, Trampitsch, Tripold, Grüner, Medwed, Freidl, Jaritz, Norbert Piuk, Weißenberger, Hoy, Blatnik, (1mal unleserlich). Die vollen Namen enthält die zitierte Festschrift von 1965.

 Am 4.1.1935 wird das seinerzeitige Ansuchen vom 24.4.1934 formell zurückgezogen. Die damalige Staatsmacht hat die Eisenbahner, ob ihrer wichtigen Funktion im Lande, in sportlichen Belangen ganz offensichtlich großzügiger behandelt und das Unterschlupfen der Fußballer in diesem Verein toleriert, obwohl es keinen Zweifel darüber geben konnte, daß sich hier Gleich und Gleich zusammen gesellte. Der Fußballbetrieb in St.Veit war dadurch für einige Jährchen jedenfalls gesichert und das war den Sportbegeisterten zu jener Zeit die Hauptsache.

Fotos von 1934 und 1935 zeigen die Mannschaft fast unverändert und jedesmal in den gleichen Dressen. Am Bild von 1935 erkennt man auch die Eisenbahner-Funktionäre, die laut Festschrift von 1965 Kaiser und Stephan geheißen haben sollen. Was aber sonst über den „Vaterländischen Sportverein“ in der Festschrift, Seite 19 geschrieben steht, erscheint durch die oben getroffenen Klarstellungen überholt. Nach AR.Ing.Erich Eggers Beitrag im Heimatbuch des Bezirkes St.Veit 1956, Seite 48ff ist der Eisenbahner Sportverein von 1931 erst 1938 aufgelöst worden. Aus einem unveröffentlichten Aufsatz des Herrn Stadtamtsdirektors (Jg 1915) geht ferner hervor, daß parallel zu den fußballerischen Initiativen der St.Veiter, auchdie vielen Glandorfer Jugendlichen vornehmlich aus den Eisenbahner Wohnhäusern, wenn auch wild und vereinslos, so doch nicht weniger begeistert diesem Sport frönten. Ihr Spielplatz lag am Gelände der einstigen Ziegelei (heute Finkenweg).  Von Interesse ist auch dessen Mitteilung, daß Soldaten der Volkswehr (1920 !) in ihrer Freizeit in Glandorf Spiele austrugen. Die Volkswehr war bekanntlich der erste Wehrkörper der 1. Republik und hatte keinen all zu langen Bestand. Das Volkswehrbat.8 St.Veit war in der ehemaligen Kavalleriekaserne Glandorf (heute ca. Funder Verwaltungsgebäude) untergebracht.

 Aus persönlichen Aufzeichnungen Erich Eggers geht weiters hervor, daß er 1928 in der Schülermannschaft, ab 1932 in der Jugend- und Kampfmannschaft des Sportvereins St.Veit gespielt hätte, was beweisen würde, daß damals schon gezielte Jugendarbeit geleistet worden ist. Mit der Übersiedlung seiner Eltern nach Glandorf (1.4.1933) spätestens gelangte er zum Eisenbahner-Sportverein, wo er angeblich bis 1934 die Sektionsleitung inne hatte.

 Ing.Norbert Piuk (Jg 1915) erzählt: Trainer und Betreuer war zu meiner Zeit Bertl Blattnik (Angestellter des Konsum St.Veit und einstiges Mitglied des ebenfalls 1934 verbotenen Central-Verbandes Kaufmännischer Angestellter in Klagenfurt). Es gab nur einfaches Lauf- und Balltraining. Die Dressen gehörten dem Verein. Für Fußballschuhe mußte man selbst sorgen, soferne nicht ein Anhänger – in meinem Falle der Konditor Holzmann – als Sponsor auftrat. Es gab einen Schaukasten in der Stadt, wo man z.B. lesen konnte „Nächstes Spiel am Sonntag um 9 Uhr in Annabichl, oder in Feldkirchen usw.“ Obwohl die Last der Anreise jedem selbst überlassen blieb, war man schon glücklich, sich nur aufgestellt zu finden. Egal ob mit einem motorisierten Fan oder zu zweit auf einem Fahrrad, man war jederzeit und verläßlich zur Stelle. Die ersten Auswärtssiege, etwa das 4:0 gegen Annabichl oder das 9:0 in Feldkirchen endeten mit regelrechter Flucht vor dem jeweiligen Heimpublikum. In Annabichl flogen gar Steine durch die Luft. Fanatischer Siegeswille und rein sportlicher Ehrgeiz waren noch schwer auseinanderzuhalten. Als man schon auf dem Rennbahngelände spielte, befanden sich die Umkleideräumlichkeiten entweder am Dachboden der Tiroler Weinstube Bugelsheim oder im nahen Pferdestall des Herrn Schubernig auf der Rennbahn. Anhänger und Gönner, die es sich leisten konnten, zahlten zur Siegesfeier daheim wohl auch einmal ein Viertel Wein (20Groschen) oder ums gleiche Geld ein Spezialbrot. Für die Platzvorbereitung erhielt ich 50 Groschen und wenn der wohlgesinnte Sägewerksbesitzer (Höfferer Säge) auf die 50 Groschen für die Sägespähne verzichtete, hatte ich einen ganzen Schilling in der Tasche. Gespielt wurde auch gegen Seebach bei Villach, gegen Friesach und St.Peter-Klagenfurt. Im Jahre 1936 gab es in St.Veit ein Fußballturnier. Soweit die Schilderung von Herrn Ing. Norbert Piuk.

Teil II (1945-ca.1970)

Bezeichnend für die Fußballbegeisterung der Zeit nach 1945 ist folgende kleine Episode, die mir eine bekannte Sportgröße, Allrounder und Multifunktionär, Träger der Großen Verdienstmedaille der Republik, Freund Herbert Werzer (Jg 1922) erzählt hat. Der Friede war erst wenige Tage alt, da traf sich die St.Veiter Jugend schon auf der Sommegger Wiese (heute Kelag-Schulhaus) um hinter dem runden Leder her zu jagen. Von Schloß Kölnhof herunter, dort als ehemaliger Wehrmachtsangehöriger gerade ordnungsgemäß von englischer Besatzungsmacht entlassen, näherte sich als jung gebackener Heimkehrer Josef Jäger, der spätere Sparkassenleiter. Der Einladung, gleich mitzukicken, kam er freudig nach. Erst nach Stunden entsann er sich, dass daheim vielleicht Angehörige auf ihn warten könnten…..

Es sieht ganz so aus als hätten die englischen Besatzer von 1945 eine zweite Mission in SachenFußball hier zu erfüllen gehabt. Wohl gab es unter den unzähligen deutschen Soldaten, die im Lager bei der Schießstatt-Allee noch Monate auf Heimfahrt zu warten hatten, ebenfalls sehr gute Fußballer. Diese formierten sich alsbald zur sportlich gefürchteten Lagermannschaft „Rote Teufel“. Ohne den sprichwörtlichen brittischen Sportgeist und deren Vorliebe für den Fußball, wären die Roten Teufel wohl kaum zu Vergleichskämpfen mit englischen Militär-Teams in ganz Kärnten und zu unbestrittenen Ruhm gelangt. Denn in jedem kleinen englischen Camp gab es allsogleich eigene Teams die ihre Kräfte messen wollten. Als für Zivilisten noch das strenge Fraternitierungsverbot galt, Kontakte zwischen Militär und Zivilbevölkerung den englischen boys also noch strikte untersagt war, begegneten sich englische und deutsche Soldaten auf dem grünen Rasen. Auch bunt zusammengewürfelte österreichische Mannschaften wurden akzeptiert und eingeladen. Dabei zeigten sich die über Getränke und Lebensmittel scheinbar unbeschränkt verfügenden Gastgeber anfänglich äußerst spendabel. Als aber die „Sieger“ auch immer öfter Niederlagen hinzunehmen hatten, war es mit den Siegesfeiern leider bald vorbei. Gewinnen lassen, nur um etwas zu essen zu kriegen, das wäre eine Verletzung des fair play gewesen.

Auf englischer Seite gabe es einen berühmten Spieler, namens Steel. Dieser wurde als Verstärkung allseits sehr willkommen und wurde mehrmals von Spital an der Drau, wo er seinen Standort hatte, herbei geholt wo immer nötig.

Wir sind zwar noch in der Besatzungszeit, doch es musste auch das Bodenständige wieder einmal hoch gebracht, ein wenig politisch vorgesorgt werden. So hat Bürgermeist Martin Rom, der spätere Nationalratsabgeordnete alle Jünger des runden Leders in die Küchenbaracke beim Heizhaus am Güterbahnhof geladen, um irgend eine Art organisiertes Vereinsleben zu gründen. Alfred Riedl, ein früher Spieler und Trainer, erinnert sich, dass sich Rom mit den einfachen Worten an die Versammelten wandte „Arbeiter san ma alle, also wer ma den neuen Verein Arbeiter-Turn-und Sportverein nennen. Mit Einstimmigkeit hat man kurzerhand den ATUS ST.VEIT als legitimen Nachfolger des Vorkriegs-Fußballs aus der Taufe gehoben. Auch der Kärntner Fußballverband entstand schon 1945. Es gab 8 Vereine in der 1. Klasse, 12 in der 2. Klasse – darunter auch Atus St.Veit – und schließlich 8 Vereine in der dritten Klasse.

1949 verfügt der Atus bereits über ine starke Mannschaft mit der man den Aufstieg in die 1. Klasse glatt schaffte. Ein besonderer Leistungsträger im Atus-Dress war der englische Besatzungssoldat Andrew Murphy aus Liverpool. Er füllte sich hier so wohl, dass er seine Braut und spätere Ehefrau aus St. Veit mit sich nahm, als es auch für ihn heimwärts ging.

Für den Atus, mit seinen verschiedenen Sektionen, kam allerdings bald die Zeit, wo die Fußballer auf die international erfolgreichen Handballer ein wenig eifersüchtig wurden. Es wurde gemunkelt, die Handballer fahren in der Welt herum, während die Vereinsleitung für die Fußballer kein Geld hätte. Tatsächlich formierte sich rund um die Handball-Legende Rudi Flick eine Handball-Herrenmannschaft von hohen Graden, die nicht nur national mithalten konte, sondern sogar deutsche Gastvereine nach St. Veit holte und Gegenbesuche mit beachtlichen sportlichen Resultaten absovierte. Auch eine Damen-Handballmannschaft wurde aufgebaut, die sich einige Jahre gehalten hat.

Tatsächlich führten die geschilderten Eifersüchteleien zur Gründung des offiziell, aber nicht wirklich unpolitischen Vereines SV St. Veit am 3. März 1950 im Gasthaus Grabenwirt. Der Atus erfuhr dadurch einen empfindlichen Aderlaß und gewisse „Rückhol-Aktionen“ fruchteten nur zum Teil. Während sich die Erfolge der Atus Spieler eher in Grenzen hielten, eilte der SV von Sieg zu Sieg. Schon im ersten Jahr ist man Meister der 2. Klasse und steigt auf. Selbst in der neuen Spielklasse wird 1952 der 2. Tabellenplatz erreicht. Über Landesliga gelangt man in die neu geschaffene Tauernliga, wo sich Kärntner und Salzburger zu messen hatten. Man stelle sich vor, diese Erfolge wurden noch ganz ohne Verträge, Prämien und Handgelder erzielt. Alles was Spieler damals erwarten durften, war vielleicht da und dort ein besseres berufliches Unterkommen! Ab der Tauernliga  m u s s t e n   nach den Bestimmungen des Österr.Fußballverbandes die Spieler erstmals Verträge unterschreiben, die dem Kontrollausschuß des Kärntner Verbandes zur Genehmigung vorzulegen waren. Die neuen Prämien betrugen S 30 für einen Sieg, S 20 für das Remis und S 10 pro Niederlage. Ab dem dritten Spiel – Sieg über die Austria Klagenfurt – steigerten sich die Prämien auf 100/50/20.

Die Übersiedlung des SV 1956 von großen Spielfeld der Rennbahn in die Prinzhoferstraße brachte zwar endlich die ersehnte Freiheit in der Ansetzung von Spielterminen, weil nicht länger auf den Zweitverein Rücksicht zu nehmen war, doch die Mannschaft konnte die gewohnte Überlegenheit auf dem kleineren Platz nie mehr richtig ausspielen, was schließlich auch einer der Gründe für den Abstieg aus der Tauernliga war. Langjähriger, verdienstvoller Vereinsobmann war übrigens Herr Karl Tirof.

Beide Klubs erlebten wechselhafte Zeiten, ehe 1970 Prof. Hermann Kövari bei den Amateuren bzw. 1971 Prof. Walter Ludescher beim Sportverein die Geschicke in ihre Hände nahmen. 1973 wurde der SV Kärntner Meister und stieg in die Regionalliga Mitte auf. Jetzt wurde mit Hilfe des Hauptsponsors Herrn KR DI Karl Funder eine Interessengemeinschaft zwischen beiden Vereinen geschlossen. Die Vereinsnamen lauteten SV/SCA Funder St. Veit bzw. SCA/SV Funder St. Veit.

SV/SCA Funder spielte in der Regionalliga und erreichte den 4. Tabellenrang. Durch Auflösung der Regionalligen 1974 hatte man in die Landesliga zurückzukehren, wo man jedoch 1975 sofort wieder Meister geworden ist. Nach sehr harten Qualifikationsspielen gegen Vorwärts Steyr und WSV Liezen wurde der Aufstieg in Österreichs zweithöchste Spielklasse, in die sogenannte 2. Division geschafft.

Der SCA/SV Funder spielte zur  gleichen Zeit in der Kärntner Liga, wo er als Meister aufstieg. Das Spieljahr 1976/1977 sah beide St. Veiter Vereine in der 2. Division!

Walter Wohlfahrt in „St. Veit Kommunal“  März u. April 1999 auszugsweise.

 

Straßenbau 1926 beim alten Mauthaus nahe Schönmühle

April 18, 2012 um 15:14 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Vier Monate war man im Jahre 1926 mit Straßenwalzung beschäftigt. Ein Bild von dieser Baumaßnahme im Bereich der Klimbacher Kurve spricht für sich selbst. Selten genug wird ein Foto geschossen und die Entstehungszeit so eindeutig dokumentiert. Doch Hand aufs Herz, wüßten Sie zu sagen wo genau diese Szene spielt? Man kann nämlich keinen der hier Abgebildeten noch um Auskunft fragen, denn es sind seither mehr als achtzig Jahre ins Land gangen! Oder erkennt wirklich noch wer jemanden?

Um keinen zu lange auf die Folter zu spannen – die Gesellschaft befindet sich auf der Friesacher-Straße genau an der Stelle, wo heute die Dr. Arthur Lemisch Straße einmündet. Vor sich hat man die komplette Streitmacht der damaligen St.Veiter Straßenverwaltung mit allen verfügbaren technischen Gerätschaften. Will man zunächst die maschinelle Bestückung von rechts nach links betrachten, erkennt man bald, daß man sich bei der Aufstellung schon etwas gedacht hat. Es zeigt sich ganz rechts samt dem Lenker am Steuerrad ein Vehikel zur Festigung des Unterbaues. Gleich daneben, ein Arbeiter der sich an einen hölzernen Schotterwagen, von zwei Mann zu ziehen, anlehnt. Dahinter ein komisches Pultdach. Ein Straßenarbeiter steht darauf, deutlich erhöht. Neben ihm ist ein etwa fünfjähriges Bübelein mit keckem Hütel deutlich erkennbar. Lebt er gar noch? Er wäre dann wohl an die 86 Jahre alt! Das Gerüst verrät, es befindet sich darunter ein fahrbarer Behelf zum Aufheizen der Teerfässer. Es folgt nun ein Pferd, besser gesagt ein Leihpferd mit dem dazugehörigen Roßknecht. Endlich kommt die Straßenwalze ins Bild. Diese hat ein Dach zum Schutze gegen die Hitze von oben. Die Hitze von unten her, also vom Asphalt ist sehr groß gewesen. Die Walze hatte die Straßenoberfläche zu glätten. Damit wäre auch der Arbeitsablauf von Bereitung des Unterbaues, über Schotterschüttung und Teerung bis hin zur Walzung gut nachvollziehbar. Vor der Walze erkennt man außerdem eine Wasserpumpe für zwei Personen. Sie wurde benötigt, um etwa störendes Wasser weg zu bekommen.

Worauf die einzigen zwei Personen, die nicht aufrecht stehen, sitzen, ist nicht auszumachen. Es könnten gekippte Schubkarren sein. Die massige Gestalt im Zentrum, gerade nicht das Bild füllend, sieht nicht darnach aus, als wäre sie gewohnt, Krampen und Schaufel zu schwingen, wie die zehn Aufrechten. Er war also wohl der Vorarbeiter, Partieführer oder vielleicht gar  der Herr Straßenmeister. Der zweite in Sitzposition ist recht elegant gekleidet und demnach ein Straßenbau-Ingenieur. Vielleicht ist er mit dem am Bildrand zu sehenden Auto Anno 1904 gekommen. Noch einer sticht ganz besonders heraus. Es ist der Mann im  schwarzen Rock mit weißer Schürze, rechts von der Mitte. Es würde nicht wundern, wenn er ein Wirt wäre, der schon irgendwo im Hintergrund das kühle Bier für die Gleichenfeier bereit hält?

Jetzt noch zum Haus dahinter! Es steht heute nicht mehr. Die Wellblechhütte rechts, diente wahrscheinlich als Werkzeug- und Gerätelager, denn das Haus selbst stand damals schon als Wegmacherhaus in Verwendung und war als solches in Staatsbesitz. Das Gebäude stand mit Sicherheit bis mindestens 1950 auf der von den genannten Straßen gebildeten spitzen Rasenfläche. Es wurde 1817 als „Neues Mauthaus“ errichtet. Die Bauausführung sollte dem Niedrigstbieter übertragen werden. Das war Amon Radinger. Er versprach, alles plangemäß herzustellen, und das um sage und schreibe 360 Gulden. Vielleicht war Radinger nicht der beste Rechner und auch nicht der tüchtigste Baumanager? Es kann sein, daß er sogar dazuzahlen mußte, denn aus einem Brief vom 15.3.1825 des Josef Tautschnig, Besitzer von Keutschachhof an Amon Radinger – also 8 Jahre später – geht hervor, daß die für das Mauthaus bezogenen Mauer- und Dachziegel noch nicht restlos bezahlt sind! Damit ist so nebenbei ein weiterer Vorbesitzer der ehemaligen Ziegelei Voraberger am Keutschachhof nachgewiesen. Nach Abschaffung aller Wegemauten blieb das Gebäude in öffentlicher Hand. Die Weiternutzung als Wegmacherhaus lag daher nahe. (Landesarchiv, Katalog 18, Stadt St.Veit, Faszikel 43).             

Walter Wohlfahrt in „Zentrum Kärnten“  VI/2007

Klagenfurter Vorstadt

Februar 20, 2011 um 13:55 | Veröffentlicht in St.Veit | Kommentare deaktiviert für Klagenfurter Vorstadt
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Aus Katasterplan von 1828Ausschnitt Kataster 1828 - Klagenfurter Vorstadt incl. Änderungen bis ca. 1875

Nun schließt sich der Kreis unserer Spaziergänge durch die alten Vorstädte und die letzte Runde beginnt zwischen den Häusern Herzog Bernhard Platz 10 und 11, wo sich bis 1851 stolz das Klagenfurter Tor erhob. Man nannte die Gegend auch „das St. Johanner Ort“ in Anspielung auf die ehemalige Kirche St. Johann im Erlach, oder auch einfach die „Untere Vorstadt“. Schon 1828, bei Vergabe der Parzellennummern, zeigte sich entlang der heutigen Klagenfurter Straße eine fast geschlossene Verbauung, zumindest bis hinunter, wo laut Karte die damals neu geschaffene Verbindungsstraße zum Güterbahnhof abzweigt.

Wir folgen der Klagenfurterstraße rechtsseitig, müssen aber zuvor noch berücksichtigen, daß es auch abseits davon Häuser gab, die unter Klagenfurter Vorstadt liefen. So etwa hinten am ehemaligen „Gütersteig“ – heute Prinzhoferstraße – der Meiereihof des Egydius Kaiser. Heute ist dort der Parkplatz des Spar-Kaufhauses. Der von Dr. Weberitsch (Seite 84f) hochgerühmte Wagnermeister und Fahrrad-Erfinder Erhart Kremser hatte im Hause 36 gegen den Gütersteig hin seine Wirkungsstätte. Alle übrigen Häuser stimmen mit der heutigen Situation voll überein. Es sind dies die geraden Hausnummern von 20 bis 38. Der Vorgängerbau des Prinzhofer-Hauses gehörte einem gewissen Gustav Ruprecht, ein alter St.Veiter Name.  Die Häuser Dörer, Marschnig und Schorn waren in einer Hand und zwar in der von Thomas Leschanz. Das Haus knapp unterhalb des Bahnkörpers (Wabnegger) ist ebenfalls alt. Eine weitere Keusche, der Bürgergilt gehörig, ist nicht mehr auffindig. Mit dem Besitz des bekannten St.Veiter Industriellen, Franz Puntschart, erreichen wir nicht nur die alte Stadtgrenze, sondern auch unseren Wendepunkt. Puntschart besaß beiderseits der Straße vier Hausnummern, nämlich Mühle, Bleiweißfabrik, Wohnhaus und Schwerspatmühle am Bächlein, welches vom Muraunberg herunter kommt. Er war ein herzensguter Mensch, borgte jedem, der ihn darum bat und endete als armer Mann. Etwas abseits wiederum, wohl irgendwo an der Glan, gab es die Brettersäge der Antonia Kronawitter, die Schleifmühle des Anton Bischof und vor allem die alte, schon stillgelegte Papiermühle mit bereits teilweise abgetragenen Anlagen. Das in seiner Gründung auf die Familie Gleismüller zurückzuführende Werk an der Glan befand sich damals vorübergehend im Besitz der Hüttenberger Eisenwerks AG (1869 bis 1881).

Sehr interessant wird es laut Plan von 1871 auf Höhe der späteren Lastenstraße. Zuvor nichts als freie Felder und das isoliert stehende Haus des Simon Polzer, später Mardaunig. Nichts zu sehen noch vom Steinmetz Della Schiava (heute Bulfon)! Ungefähr an Stelle des ausgebombten Arbeiterheimes (heute ein Wohnblock) lag der uralte „Turtltaub Meierhof“. Als tragischerweise das Besitzerehepaar in jungen Jahren verstarb und mehrere unmündige Kinder zurückließ, die man auf entfernte Verwandte aufteilte, war der Hof mit ausgedehnten Feldern und Wiesen nicht länger zu halten. Die Bürgerschaft ersteigerte den Besitz und machte daraus den „Gülten Meierhof“. Die Fortsetzung der Häuser mit ungeraden Nummern, diesmal verkehrt herum von 33 bis 21 und der Stadt zu, zeigt gegenüber heute ebenfalls nicht viel Veränderungen, nur der Gasthof  Voraberger, Vorstadt Nr. 38,  besteht leider nicht mehr. Die Bedeutung der Klagenfurter Vorstadt war einmal groß. Bierbrauer, Gasthäuser und Handwerker schätzten die günstige Lage, schon lange bevor es die Eisenbahn mit Schnellzugsbahnhof in Glandorf gab und danach erst recht. Die Straße nach Klagenfurt einerseits und die diversen Betriebsamkeiten an der Glan anderseits, sorgten schon früh für wirtschaftliche Belebung. Die Bahnanbindung und der nahe Güterbahnhof brachten dann auch noch so manchen Glantaler von Süden her in die Stadt. Die Motorisierung war für so lange ein Segen, bis man die Umfahrungsstraße baute. Den heutigen Verkehr auf der alten Straße zu haben, wäre inzwischen allerdings weder vorstellbar noch wirklich wünschenswert.  VII/2005

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