St. Veiter Burgfried Marksteine (Merksteine)

Juni 21, 2013 um 16:27 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Über dieses Thema wurde schon mehrfach von mir berichtet, auch in diesem blog. Zuletzt mit Signatur I/2007 ging es darum, dass die Gerichtsgrenzen der Stadt im Laufe der Jahrhunderte auch einmal wandern konnten. Meistens zum Vorteil der Stadt. Es gab aber auch Widerspruch, Proteste und Prozesskosten-Zahlungen.
Weil unter Signatur IV/2010 von der Auffindung zweier Burgfriedsteine – einer in Treffelsdorf, der andere dislocirt am Hause des Geometers Kastenhofer in St.Veit – die Rede war, steht nun an, alle bekannten Marksteine hinsichtlich ihrer Beschaffenheit unter Nennung ihres heutigen Standplatzes und so weit möglich im Lichtbild vorzuführen.

A) Steine im Stadtmuseum
ad 1) Hoher, dreikantiger Marmor – erste Seite mit quer gestellter Jahrzahl 1572, zweite Seite B S V für Burgfried St. Veit, dritte Seite LG für Landgericht Hohen Osterwitz. Die vierhundert Jahre alten Schriftzeichen sind nur noch bei besten Lichtverhältnissen lesbar. Der überlieferte genaue alte Standort (1673: „bis zu dem hohen Marchstein“) lag beim Kollerhofer Kreuz an der Straße nach Klagenfurt.

Museum ad 1)

Museum ad 1)

ad 2) Marmor gerundet – einseitig beschriftet: Burgfried S Veit 1674

Museum ad 2)

Museum ad 2)

ad 3) Marmor gerundet – einseitig L H mit eingelegtem O steht für Landgericht Hochosterwitz – Jahrzahl 1674

Museum 1674 ad 4) Grober Grauer Granit – erste Seite Statt S Veit Burgfried 1750 – Gegenseite alle Worte unter einander, d.h. in 5 Zeilen zu lesen: LAND GERICHT HOHEN OSTER WIZ

Museum 1750

B) In Heinz Kleinszig, Hundert Jahre Taggenbrunn im Familienbesitz, Dareb Druck 1983, Seite 17
ad 5) Hoher grauer Granit, oben gerundet nur einseitig lesbar:
1552 (?) darunter „INRI“ !! und Bearbeitungsspuren – Hohen Osterwitz Landgericht. Rückseite „Burkhfrid der Feste Taggenprun“

Villa Kleinszig ad 5) Ostseite

Villa Kleinszig ad 5) Ostseite

Villa Kleinszig  ad 5) Westseite

Villa Kleinszig ad 5) Westseite

C) Am Muraunberg in loco – zweihundert Schritte von der Schwarzen Mutter Gottes auf südöstlich leicht ansteigendem Hohlweg
ad 6) Grober schwarzer Schiefer an Vorderseite B S V (=Burgfried StVeit) mit Jahrzahl 1753, auf Rückseite L C (=Landgericht Carlsberg) 1753

Muraunberg ad 6) Westseite

Muraunberg ad 6) Westseite

Muraunberg ad 6) Ostseite

Muraunberg ad 6) Ostseite

D) Beim Neubau des Feuerwehr Rüsthauses beschädigt, doch wenigstens erkannt und auf der Straßenseite gegenüber neu versetzt.
ad 7) Marmor Torso in Treffelsdorf nur noch teilweise lesbar: Sant Veit 1638

Stein Treffelsdorf

Treffelsdorf ad 7)

E) Vor dem Hause ehem. Vermessungsbüro Kastenhofer an der Stiegengasse ad 8) Marmor gerundet BURGK FRIT SAND VEIT 1638 Rückseite nicht einsehbar! Ursprünglicher Auffindort nicht überliefert.

Kastenhofer Haus Stiegengasse   ad 8

Kastenhofer Haus
Stiegengasse ad 8

F) In Tschirnig sind zwei Relikte vorfündig, ein modern nachempfundenes, gleich beim Kreuz vor vlg Hane (Fam. Slamanig) ein historisches, bestehend aus gewaltigem rohen Block, Spitze allein mit T und eingelegtem B (für Burgfried Taggenbrunn) bezeichnet. Dieser Block stammt von der Weggabelung kommend von St. Veit über die Schnellstraße links Scheifling, rechts Taggenbrunn wo ebenfalls ein Holzkreuz steht. Er wurde dort von Herrn Slamanig geborgen und liegt jetzt hinter seinem Nebengebäude in Tschirnig

Tschirnig / modern ad 9)

Tschirnig / modern ad 9)

"Tschirnig" ad 10)

„Tschirnig“ ad 10)

Damit wären immerhin von den zuletzt (1673) genannten z e h n Marken beachtliche a c h t noch auf uns gekommen. Mit denen im Münzkatalog Probst L 3/1 Nr 14 insgesamt angeführten „Aufwurf-Münzen“ hingegen, nämlich der Jahre 1629, 1649, 1673, 1690, 1699, 1706, 1709 und 1720 ist kein einziger Markstein deckungsgleich. Wie kommt das? Aus dem 16. Jahrhundert wird zunächst einmal wahrlich nichts geblieben sein. Im 17. Jahrhundert waren zumindest zwei Prägungen zeitlich nur knapp vor dem Rundgang gelegen. Für 1753 war die Vorrats-Prägung deutlich früher geschehen. Ob die Pfennige des frühen 18. Jahrhunderts noch zu den Aufwurf-Münzen zählen, sei dahingestellt.

Walter Wohlfahrt, Juli 2013

Aus alten Ratsprotokollen

April 7, 2012 um 15:01 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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(1. Teil)

 Die alten St.Veiter Ratsprotokolle im Kärntner Landesarchiv, (Handschriften Signatur A4) machen es möglich, daraus einer geneigten Leserschaft etliche Kieselsteinchen, besser gesagt Mosaiksteinchen zur Stadtgeschichte darzubieten. Wir versetzen uns in die Zeit von 1644 bis 1648, da in Europa gerade der schreckliche Krieg, den man den dreißigjährigen nennen wird, zu Ende geht. Erstaunlich, was damals schon den hohen Magistrat der k.k. Kammerstadt im Rathaus so alles beschäftigt hat. Dazu nur einige, nicht ganz wahllos herausgegriffene Beispiele zu denen man sich vergegenwärtigen sollte, daß Bürgermeister, Stadtrichter und Mitglieder des Inneren und Äußeren Rates zusammen-kamen um Berichte zu erstatten, Anträge entgegenzunehmen  und Beschlüsse zu fassen.

*  David Prinner, Ratsmitglied, begehrt für den Hauptmann Service (für seine Tätigkeit als Trabantenhauptmann?) bis 4. Januar 20 Silbergulden und 44 Kreuzer –  bewilligt!

* Gabriel Schönberger, Organist „ruft“ an und bittet, ihm das Gottsleichnamsbruderschaft- Häusl zu überlassen und dem Lexen und Simon Sohn aufzukündigen –  Soll sich gedulden!

* Der Stadtpfarrer bittet um Einantwortung (=Übergabe) des Gleismüllerschen Benefiziates, (mit Haus- und Grundbesitz) nachdem er von Salzburg bereits confirmiert (offiziell ernannt) worden sei.           Beschluß: Herrn Görizer (Stadtpfarrer?) auf nächsten Mittwoch herauf (in den Magistrat) bitten!

* Ruepp Felsensteiner, Stadtrichter war zugleich Spitalmeister (Verwalter des Bürgerspitals) von 1636-1644, ihm folgt Georg Purkstaller.

*  Joachim Khäzler bittet, weil ihm das Hübl von Tschirnig von einer löblichen Gottsleichnamsbruderschaft verlassen (überlassen) worden, dies auch auf Namen der Frau und Leibserben zu extendieren (auszuweiten) – Bescheid, weil eine löbliche Bruderschaft ehest soll zusammenkommen, möge sich Khäzler noch gedulden!

*  Versammlung der löbl. Gottsleichnahmbruderschaft am 16.3.1644, beiwesend Herr Stadtpfarrer, Zechprobst Carl Holer und folgende Brüder: Oberaufschlagseinnehmer Johann Gräßl, Andre Tallmann Bürgermeister, Ruepp Felsensteiner Stadtrichter, Mayer, Purgstaller, Prinner, Benedict Tallmann, Mirnig, Grasser, Bernardin, Waldner, Nuhsbaumer, Hohensasser, Khübler, Teutschmann, Knoller, Knieberger und Faßhuber – fast alle Ratsmitglieder und elf weitere Namen. – Beschluß: Wahl von zwei neuen Zechpröbsten, Besserung in Beachtung der alten Ordnung, wöchentliche Prozession (in der Kirche), Armenspeisung, Zusammenkünfte usw. 

*  Die (neuen) Zechpröbste Mayer und Felsensteiner wollen 90 Gulden an Zinsen der Bruderschaft und bei 300 Gulden von der Rosenkranzbruderschaft. Zur Erklärung sei gesagt, daß die Einkünfte dieser beiden geistlichen Bruderschaften von der Stadt wohl widerrechtlich entfremdet und bislang verwaltet worden sind und die neuen Zechpröbste nichts anderes taten, als bisher von der Stadt kassierte Erträgnisse nun in ihre Hand zu nehmen. Man hat wohl selbst den Stadtvätern von St.Veit inzwischen klar gemacht, daß die Sache der Lutheraner zumindest in den österreichischen Landen verloren ist.

*  Valtan Finster und Lienhart Wasserleiter, ein Schulknecht, werden zu Bürgern an- und aufgenommen, haben den Eid geleistet, Gabe und 3 Gulden für die Musketten erlegt.

*  Der Gerichtsdiener bittet um ein neues Kleid zum angehenden Jahrmarkt, wie es alter Brauch – Es wird ihm ein halbes Kleid bewilligt, sprich: der halbe Aufwand ersetzt.

*  Benedict Tallmanns Raitung (=Bürgermeisteramtsrechnung) für die Jahre 1643 bis 1645 enthält Posten wie: 2.100 Gulden wegen Ablösung des Hammers in Siebenaich (an der Wimitz), 150 Gulden für Erbauung (Reparaturen?) des Plähofens (Hochofen in Urtl), mehrmals Beträge für Flossen (Roheisen), mit denen gehandelt wurde.

*  Immer öfter ist von Pestfällen in der näheren und ferneren Umgebung zu hören. Ein Student, aus Graz zurückgekehrt, stirbt nach wenigen Tagen. Einreisebestimmungen aus gefährdeten Gegenden, wie beispielsweise Gurk und Straßburg, werden verschärft. Johann Pfaler, Apotegger (Apotheker) bittet, er wollt gern in jetzig gefährlichen Zeiten etliche Pservativa (Schutzmittel) präparieren, um ein Darlehen zur Erkaufung von Materialien um 12 Silberkronen. – Beschluß: Es ist ihm zuvor (d.h. schon einmal) ein schönes Darlehen beschehen, wenn dieses bezahlt sei, könnte die Stadt wieder helfen.

*  Blasi Hacker, Zirkelschmied ist offenbar auch für die Eisenwaage oder deren Wartung  zuständig, denn er begehrt und erhält dafür als Besoldung 1 1/2 Zentner Eisen.

*  Georg Kindermacher, Schweinhüter, bittet um die Kost aus dem Spital und um ein Kleidl (=Gewand) – Dies soll dem Herrn Spitalmeister überlassen sein! 

*  Die Herren Franziskaner bitten um Fastenspeis – 6 Kronen bewilligt wie im Vorjahr! 

*  Zacharias Gebhart, Gerichtsdiener, bittet um Holzgeld. – 3 Guld. wie zuvor bewilligt!

*  Für „Weißbott“ Ein Calender (fürs) Neue Jahr als wie ferten (Vorjahr) 1 Krone bewilligt.

*  Antrag, daß man an den drei eingegatterten Kapellen das Gemäuer und Gatterwerk abbrechen und um der Zierlichkeit wegen, die Altäre und Stühle übersetzen soll.                                                                                          Bewilligt, Herr Tallmann als Kirchenprobst soll das ehest ins Werk richten!

Herr Stiftsschaffer im Saal (Maria-Saal) bittet, weilen zu dem Altlärl im Saal so Herr Münzmeister (er)richt(et) ein Eisen abgängig, ihm mit etlich Centnern zu Hilf zu kommen. Beschluß: Zwei Centner bewilligt.  Nächstes mal mehr davon.                                    XII/2005 

Weihnachtsbaum 2005 und Rathaus am Hauptplatz                           

(2.Teil)

Blättern wir in den Ratsprotokollen weiter (KLArchiv, HS Signatur A4 St.Veit) so begegnen uns nicht nur zahlreiche Einzelschicksale sondern auch so manches Ereignis, welches die Stadt in Atem hielt.

Der Anrescher zu Meiselding

Im November 1646 besagt ein Eintrag „Dem alten Anrescher Ambros seien hiervor (d.h. bis jetzt) 5 Silberkronen verwilligt, er bittet, ihn besser zu bedenken. – Beschluß: Soll hinfür seinen Fleiß nicht sparen und fleißig Aufsicht haben, so will ihm ein Ehrsamer Magistrat von diesen drei Jahren reichen lassen neun Silberkronen“. oder „Veit Ponegger, Anrescher zu Meiselding ruft an und bittet, ihm ein Kleidl zu vergünstigen. – Beschluß: kommt für (d.h. es wird bekannt) daß er in der Raitung (Abrechnung) dem Herrn Pfarrer eine Rösch zu 58 Krippen verraith (verrechnet) hat, der doch erst des Mittwochs, als man von der Raitung graist (abgereist), laut des alten Anreschers Ansag (Aussage) 28 Krippen gestürzt, (er) ist aufs Rathaus bis auf weiteren Bescheid verboten. Daraus erhellt, daß die Stadt für ihre Eisenwerke u.a. auch in Meiselding einen Kohlbarren, also einen Holzkohlenlagerplatz unterhielt. Beim Wechsel des dort Verantwortlichen, also vom alten auf den neuen Anrescher, gab es anscheinend schwerwiegende Differenzen, so daß man den unter Verdacht geratenen neuen Mann vor einer entsprechenden Untersuchung sogar den Zutritt zum Rathaus verboten hat.

Das Bräuhaus 

1647 wird geklagt, dass das Bräuhaus – es muss also von der Stadt betrieben worden sein – bald ganz zusammenfallen würde 1647  –  und daß baldigst Abhilfe zu schaffen sei.

Bäcker und Müller

Ein andermal wird über die Bäcker und ihr schlechtes Brot Klage geführt. Sie wehren sich und fragen, wie sie gutes Brot machen sollen, wenn die Müllherrn und Müllner (interessante Unterscheidung zwischen Besitzer und Bediensteten!) unsauberes Mehl liefern, die Mehlkästen nicht konsequent vorher von Kleie und Verunreinigungen säubern, was wiederum die Müller allein auf schlechtes Trad (Getreide) zurückführen und übrigens, wenn die Bäcker schon so genau Bescheid wissen, dann sollen sie doch gleich selber das Mehl mahlen……Als sich diese dazu bereit finden, werden ihnen nächtliche Betriebszeiten angeboten, wohl wissend, daß Bäcker früh des morgens aufstehen und deshalb auch gerne bald zu Bett gehen!

Fleischhauer

Die Fleischhauer begehren, das Rindfleisch nicht länger um11 Pfennig sondern um einen Groschen (1 Groschen = 12 Pfennig) verkaufen zu dürfen – das wird abgelehnt!

Schmiedmeister

Michel Würth und Hans Crainer, beide Schmiedmeister, beklagen, daß immer mehr Schmidten in der Umgebung der Stadt („im Gäu“) von angrenzenden Gutsherrschaften zum Schaden der zünftigen Schmieden zugelassen werden. Da ist selbst der Magistrat ratlos.

Drei Altäre

Am 7.6.1647 befaßt sich der Rat mit dem „Tischler in der Burg“ der vorbringt, er habe einen Altar gemacht (wohl auftrags der Stadt) nichts eingenommen als allein (nur) empfangen darum 60 Gulden, das könne er nicht nehmen, bittet ihm zu reichen, was er vom vorigen gehabt. – Beschluß: Es seien ihm noch 5 Kronen hinzugeruckt (draufgegeben).

Mit 18.3.1848 hingegen erscheint Sebastian Khuen (laut Buchindex  „Tischler in der Burg“ genannt, und so wohl mit dem erstgenannten ident) und bittet, ihm noch 10 Gulden zu seinem Verdienst hinzuzutragen. Hab zu den 60 Gulden nur 15 von Herrn Bürgermeister empfangen, sei gar zu wenig (um) auch seine Gesellen mit einem Trinkgeld väterlich zu bedenken. – Beschluß: Soll sich gedulden, bis das andere Werk fertig ist.

Am 29.1.1848 referiert der Bürgermeister: Weil der Tischler am Altar stark arbeiten tuet (will sagen, große Fortschritte macht) also habe der Pfarrer einen Bildhauer hingeschickt, will vom Schuach (Schuh, Maß) 2 Gulden haben, begehrt geschwind Geld darauf – „Das hat Anstand“.

Über die Armen: Georg Pierproier (Name kommt vom Bierbrauen, siehe Ortsnamen von Projern!) sonst Kleidermacher genannt, ruft an um Gottes Willen ihn in das Spital (d.h. Bürgerspital) zu nehmen. I/2006                                                                                                                                                 

 

                         

Bildtext: Justizia, die Göttin der Gerechtigkeit, am Rathaus

Die Stadt-Burgfried-Bereitung von 1673

August 8, 2011 um 15:22 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Vor dem Haus Kastenhofer

Burgriedstein, nicht in Loco

So titelt Schulrat Raimund Dürnwirth einen Aufsatz in der Carinthia I des Jahres 1901 und schildert darin sehr anschaulich, was sich am Montag, den 10. April 1673 rund um die landesfürstliche Stadt St.Veit zugetragen hat. Wer kennt noch R. Dürnwirth? Wer hat schon die alte Carinthia zum Hernehmen und wer kann sagen, was unter der Burgfried-Bereitung gemeint ist? Also der Reihe nach: Dürnwirth lebte von 1835 bis 1907 als Realschulprofessor und Heimatkundler in Klagenfurt (Anton Kreuzer, Kärntner Biographien 2004, S. 45). In einer Sammlung alter Handschriften des Geschichtsvereines fand er auf leer gebliebenen Zwischenblättern Aufzeichnungen aus dem 17. Jhdt.  eines ungenannten Chronisten aus St. Veit und hat diese den Lesern von 1901 zugänglich gemacht.

Standort Treffelsdorf, gering dislociert

Burgfriedstein

Was heißt „Stadt-Burgfried-Bereitung“? Spätestens mit der Verleihung von Bann- und Acht (1457), war die Stadt und ihr näheres Umfeld zum selbständigen Burgfried geworden, also der Gerichtsbarkeit der umliegenden Grundherrschaften entzogen. Desto wichtiger war es, den genauen  Grenzverlauf zu kennen bzw. im guten Einvernehmen mit den Nachbarn von Zeit zu Zeit abzuschreiten bzw. zu Pferde zu „bereiten“. Es ist bekannt, dass man die von Mauern gesicherte Siedlung auch Burg, die Bewohner folglich Bürger nannte, die aber außerhalb der Mauern noch Wiesen, Äcker und Weiden benötigten, um auch wirklich unabhängig sein zu können.

Am oben genannten Tage versammelte sich nach Weckruf durch Drommelschlag die bewaffneten Stadtbürger, 40 Mann zu Pferde und 140 Mann Fußvolk unter ihren Offizieren und Korporälen – zwölf an der Zahl (!) –  am Platze um bald durch das Villacher Tor hinaus zum Schwarzfurter Kreuz zu ziehen. Viel Volk und Jugend begleitete das städtische Aufgebot. Der Chronist schreibt vom genannten Kreuz „wo der Weg nach Herzendorf bzw. nach Projern abzweigt“. Tatsächlich ist im ältesten Kataster noch eine Straßeneinmündung von Süden her erkennbar, die schwarze, die moorige Furt also nicht weit. Der Pfleger von Frauenstein wurde mit Handschlag begrüßt, er sollte nun ein gutes Stück Begleiter sein. Zuvor wurde noch ein Markstein gesetzt, geschossen und – zum Gaudium der Jugend – eine Handvoll Münzen aufgeworfen. Dieser Brauch wurde im Verlaufe des Tages noch an mehreren Stellen wiederholt. Der Weg führte über Treffelsdorf – Pöllinger – Petschenegg (unter heutigen Radinger) zum „Doplspiller“ (heißt eigentlich Falsch-Spieler, Schwindler!) heute Doppelspichler und „unter Zensweg“ bis Hungerbrunn (heute Hunnenbrunn). An dieser Stelle lagerte man, um die Teilnehmer mit 300 Labl Brot und 6 Zuber Bier zu laben. Wie passend ist doch der alte Name Hungerbrunn! Ausgeruht und gestärkt wurde die Grenzbeschau fortgesetzt. Inzwischen wurde der Frauensteiner vom Osterwitzer und Taggenbrunner Pfleger, begleitet von Jägern und Bauern, abgelöst. Von Tratschweg ging es über Tschirnig (zu deutsch „Schwarzen“) über die „Hefferl“-Brucken (später Käferl-Brücke) zum mächtigen Kreuz und weiter nach St. Andrä, wo es allerhand Unstimmigkeit mit den Osterwitzern gegeben hat. Bald danach waren die Karlsberger Nachbarn gestellt und Zeugen des Grenzverlaufes über den Muraunberg nach Unterbergen und bis zum morgendlichen Ausgangspunkt am Schwarzfurter Kreuz.

Abschließend noch ein Wort zu den Marksteinen, den sogenannten „Burck-Frit“ Steinen. Sie sind zum größten Teil verloren oder „versunken“. Sie stimmen der Jahreszahl nach auch nicht immer mit den in St. Veit geprägten Aufwurf-Münzen überein. Ein Besuch des St. Veiter Museums am Hauptplatz ist auch in diesem Zusammenhang sehr zu empfehlen. Das Lapidarium im Hof zeigt einen sehr schönen, dreieckigen Stein mit der Jahreszahl 1572. Dieser kam an einer Stelle zur Verwendung, wo zwei Nachbarn zugleich an die Stadtgrenze stießen. Ein weiterer Stein, datiert 1674 trägt auf einer Seite „BSV“ d.h. Burgfried St. Veit, auf der anderen LH mit O eingeschlossen, für Landgericht Hochosterwitz. Die Abweichung um ein Jahr kommt davon, dass erst nach Streitbeilegung neu vermarkt werden konnte. Im Museum ist noch ein dritter Stein (St. Veit – Hochosterwitz) datiert mit 1750. Zwei Burgfried-Steine hat der Verfasser dieser Zeilen aufgespürt. Beide tragen sie die Jahreszahl 1638. Damit ist nebenbei nachgewiesen, dass sich Dürnwirth irrt (Fußnote 3) und nicht der alte Chronist. Ein Stein mit „Sanct Ve.. 1638“ steht in situ in Treffelsdorf direkt am Maria-Pulster-Weg gegenüber dem FF-Rüsthaus, links der Hofeinfahrt. Der Stein muss schon öfter angefahren worden sein. Er hat einen höchst gefährdeten Standort. Es wäre sehr zu überlegen, ob nicht das Museum in St. Veit ein sicherer Bleibeort wäre, oder ob man ihn am jetzigen Platz mit entsprechender Sicherung lassen sollte. Der zweite hier abgebildete Stein „Burch Frit Sant Veit 1638“ erscheint gut gesichert vor dem Vermessungsbüro Kastenhofer-Schweizer. Die Jahrzahl ist eindeutig, steckt aber zu tief im Asphalt und ist deshalb schlecht lesbar.                                                            IV/2010

Völkermarkter Vorstadt

Februar 20, 2011 um 13:58 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Völkermarkter Vorstadt

Kataster 1828 - Völkermarkter Vorstadt incl. Änderungen bis ca. 1875

Von den fünf Vorstädten – wir sind laut Plan noch immer im Jahre 1871 – ist die Völkermarkter Vorstadt wohl die kleinste. Die wenigen Häuser, dreizehn an der Zahl, liegen weit verstreut. Drei Hausnummern hat allein Graf Gustav Egger auf Schloß Weyer. Weit ab von der Stadt – und dies nicht ohne Grund – hat auch der Abdecker Johann Bergmoser seine Behausung. Es verdient Beachtung, daß die nämliche Familie dort auch heute noch die Stellung hält. Aus Schinder und Wasenmeister sind inzwischen erfolgreiche Gastwirte geworden. Galten Abdecker einmal als Unberührbare, ja gar als Inhaber eines ehrlosen Gewerbes, nur weil sie es mit Aas, streunendem und kranken Getier zu tun hatten, so gelangten doch nicht wenige davon zu Besitz, Wohlhabenheit und Ansehen. Sie hatten außer dem Lohn für die Schinderknechte ja kaum viel Aufwand. Was zu entsorgen war, mußte ihnen gratis und franko überlassen werden. Mit Geschick und Umsicht ließ sich aber doch manches daraus gewinnbringend verwerten. Es ist noch nicht lange her, da durften Schinderleute, Gerichtsdiener und Kerkermeister nur unter ihresgleichen eine Ehe eingehen.

Ein Stück weiter betreibt der berühmte Bürger Andreas Elsässer die Raßnig Mühle an der Wimitz. Raßnig kommt von slowenisch Rasa, Land beim (raschfließenden?) Bach oder Fluß, frei nach E. Kranzmayers Ortsnamenbuch. Gut, auch Tschirnig liegt nicht fern und heißt zu deutsch Schwarzendorf so wie das heute nicht mehr gebräuchliche Glewitsch-Moos in Richtung Glandorf, welches mit Tiefental übersetzt wird. Das sind noch lange nicht alle der slowenischen Riednamen im Weichbild unserer Stadt!

Durch die Völkermarkter Vorstadt geht es auch zur Stadtsäge hinaus. Es gibt sie heute nicht mehr. Sie lag unfern der Stelle wo Wimitz und Glan sich vereinigen. Bis vor nicht allzu langer Zeit – genau genommen bis zum Tausch des Stadtforstes am Gauerstall und dem Wald am Muraunberg mit Knaus bzw Steiner in Unterbergen gegen Bauland am Weyerfeld und  Baugrund um das neue Fußball-Stadion bei Hörzendorf – nannte die Stadt großen Waldbesitz ihr Eigen. Nach jedem, sich mit Regelmäßigkeit ereignenden Stadtbrand, war eine Brandreserve aus eigenem Wald Goldes wert und so die Brettersäge gewiß sehr praktisch..

Wer den Plan genauer ansieht, wird rasch merken, daß es den Hauptbahnhof, folglich auch die Bahntrasse im Bereich der Völkermarkter Ausfahrt noch nicht gibt. Deshalb verläuft die Straße auch noch links des Hauses Parzelle 253 und ohne Durchlaß nach Osten, vorbei an der „Kreuzkeusche“ des Matthias Brugger, heute Gärtnerei Sattler. Die Kreuzkeusche war alt und schäbig und wurde demoliert, doch der Grund an der Straße war wertvoll. Es ist eine eigene, eine traurige Geschichte mit diesem Grundstück und jenem Busunfall der Trabantengarde am Katschberg. Weil die Deckungssummen der Versicherung nicht ausreichten, mußte sich der Busunternehmer, ein späterer Brugger, von diesem Anwesen nolens volens trennen.

Wenn es auch nur wenige Häuser und Gärten gibt, um so mehr kennzeichnen noch ausgedehnte Äcker, Wiesen und Weiden das Bild dieser Vorstadt. Das Weyerfeld links und das  „Untermoos“ rechts der Straße stellen begehrte Terraingründe der Bürgerlichen Privatgült oder Pachtflächen der Stadtpfarre dar, sind doch die St.Veiter jener Tage größtenteils Acker-Bürger und als solche Selbstversorger mit Pferd und Kuh, Feder- und Borstenvieh. Gut erkennbar ist auch noch der aufgelassene Friedhof wo heute die Evangelischen Kirche steht.                                              VI/2005

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