Tirof-Haus, Bräuhausgasse 5

Juli 19, 2013 um 12:19 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Die Baugeschichte dieses alten Stadthauses liegt weitgehend im Dunkeln. Sie ist obendrein ziemlich undurchsichtig verquickt mit dem Gebäude Nr. 3 dieses direkt an der Stadtmauer. Anfänglich waren es sicher getrennte Besitztümer, Haus 3 mit einem Schneider, Haus 5 mit einer Tischler-Gerechtsame, das heißt, mit Gewerberecht, fix mit dem Haus verbunden. Später kamen die Häuser in eine einzige Hand. Hausnummern wurden aufgelassen und wieder eingeführt. Alles ist also ziemlich verworren, was sich zwischen der einstigen Kirche der 14 Nothelfer (aufgelassen 1789) und dem „Millesi-Garten“ (heute Rosengarten) baulich getan hat.
Bleiben wir bei Haus Nr. 5 und stellen wir fest, dass es einen unregelmäßigen Grundriss hat. Es scheint, als wäre das ursprünglich normal viereckige Gebäude an der Nord-Ecke einmal zu sanieren gewesen und als der noch immer zu sehende Halbkegel nicht reichte, hat man einfach einen stützenden Zubau gemacht. Vielleicht wurde eines Tages die Unterkellerung aus guten Gründen erweitert und hat sich damit das vorerwähnte Problem ergeben. Der einzig vorhandene Bauakt stammt aus 1932 und betrifft den von Baumeister Wank für Markus Tirof ausgeführten Dachgeschoss-Ausbau. Damals entstand auch als Giebel-Zier und Hauszeichen der Heilige Florian, Schutzpatron der Rauchfangkehrer.
Hausgeschichten sind aber meist auch Familiengeschichte, besonders dann, wenn mehrere Generationen auf einander folgen. Wir gehen jetzt zurück ins Jahr 1788. Da wurde einem Südtiroler, namens Josef Fischer das St. Veiter Bürgerrecht verliehen. Er übte hier tatsächlich noch das Tischler- oder Schreinergewerbe aus, hatte eine geborene Pacher zu Frau und war jedenfalls ein Zeitgenosse des Barock-Bildhauers Johann Pacher! Zufall?

Hauszeichen Kaminfeger Tirof in Bräuhausgasse 5

Hauszeichen Kaminfeger Tirof in Bräuhausgasse 5

Tirof-Müller

Bräuhausgasse 5

Bräuhausgasse 5

 

 

Von Pachers Witwe kaufte 1827 der Klagenfurter Josef Felfernig. Auch ihm wird Bürgerrecht verliehen und zwar 1813, da wird er als 46 jähriger Drechsler und Weinhändler beschrieben. Noch zwei Generationen, ein Karl und ein Friedrich folgen im Besitz nach und werden gleichfalls der Bürgerwürde teilhaftig. Die beiden waren von 1859 bis 1872 auch Eigentümer des abgekommenen Hauses Bräuhausgasse Nr. 7 (Baufläche 15). Als Friedrich, Wirt und Weinhändler um 1888 das Zeitliche segnete, wurde seine Witwe Maria, geborene Remschnig wohl Nachfolgerin, jedoch mit der Auflage zur Weitergabe an die noch unmündigen Kinder Carl und Robert Felfernig. Die Ansprüche der Kinder wurden fein säuberlich im Grundbuch festgeschrieben und doch ist es anders gekommen!
Hier sei ein kurzer kulturgeschichtlicher Einschub gestattet. Die junge Maria Remschnig kam als „Wirtschafterin“ ins Haus. Das war damals in St. Veit ein probates und kein seltenes Mittel, eine sogenannte – kirchlich natürlich streng verpönte – Probeehe führen zu können. In den meisten Fällen wurde die Probe auch bestanden, wie die Ankunft der zwei Kinder beweist. Maria, wohl -bestallte Witwe, erwarb 1888 nicht all zu schwer das Cafe Zentral Hauptplatz 3, baute um und modernisierte. Es dauerte nicht lange und sie verehelichte sich Ende 1890 noch einmal, diesmal mit dem Zugsführer der Staatsbahn Franz Xaver Ettl, aus Waidhofen an der Ybbs gebürtig. Einer der Trauzeugen unterschreibt mit Ferdinand Felfernig, Cafetier! Vermutlich ein Schwager, der das frei gewordene Lokal als Pächter eine Weile fortführte. Schon am 14. 1. 1891 kommt Sohn Franz Ettl zur Welt. 1899 stirbt der Vater und 1906 die Mutter. Der junge Ettl ist also mit 15 Jahren Vollwaise, wird aber infolge Testamentes der Mutter zum Besitzer in der Bräuhausgasse! Die Kinder aus erster Ehe werden zwar geldlich sichergestellt, verlieren ihre Ansprüche aber großenteils durch die nachfolgende Inflation. Vormund des Jugendlichen wird der Kaufmann Ewald Blankenhagen, der ihn auch gleich zu sich in die Lehre nimmt. Des Lehrherrn Rat ist gut und hilft dabei, die vorhandenen Ansprüche mit Inflations-Kronen ehest mühelos abzustoßen. Das Grundbuch ist wieder sauber!
Ende 1926 kann Franz Ettl, er nennt sich inzwischen Kaufmann, weil er bis zum Konkurs das große Blankenhagen, Kaufhaus zum Buren geführt hatte, an Markus Tirof, Kaminfeger-Meister um 32.500 Schilling gut verkaufen. Dabei entfallen 2.500 auf Bade- und Schlafzimmereinrichtung. „Verkäufer hat selbst bewirtschaftet (?)und verpflichtet sich zur geräumten Übergabe mit 1.3.1927“. Der Kaufpreisrest von 22.500 Schilling mit Goldparität abgesichert, ist in freibleibenden Teilbeträgen abzuzahlen und mit den üblichen Sparbuch Zinsen zu bedienen.
Der neue Besitzer wird zu einer Bekanntheit der Stadt und des ganzen Kehrbezirkes. Sogar zum Hauptmann der Trabantengarde wird er gewählt. Er zog schon 1901 von Hüttenberg kommend in die Stadt , hatte jedoch vorerst an anderer Stelle seine Bleibe. Zwischen 1906 und 1924 wurden ihm dort mindestens fünf Kinder geboren. Sein Leben endete tragisch am Katschberg (13.5.1950). Noch über Generationen blieb die Familie, eine Zeit lang auch mit Rauchfangkehrer Gewerbe an dieser Adresse sesshaft, ehe heiratsbedingt der Name wechselte. Michael Müller, der heutige Hausherr, weiß von interessanten Beobachtungen zu berichten. Bei Ausbesserungen ist neben einer alten Entlüftungsöffnung in der Außenwand, auch im Inneren unter der Wandfärbelung „Gastzimmer“ sowie der Spruch „Komm, tritt ein – Bring Glück herein“ in schönster Kunstschrift zu Tage getreten. Es ist nach all dem jetzt zeitlich ziemlich klar, wann diese Einzelheiten in Gebrauch gewesen sind.
Auch der vorhandene Keller ist vielsagend genug. Da haben wohl einige Fässer des Wirtes und Weinhändlers Felfernig Platz gefunden!
walter.wohlfahrt@gmail.com

Villacher Vorstadt

August 21, 2011 um 17:49 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Aus Kataster von 1829

„Vom Eise befreit sind Glan und Bäche……“ Wir schreiben das Jahr 1871 und wir unternehmen an Hand der abgebildeten, zeitgleichen Karte einen Osterspaziergang. Das Villacher Tor steht zwar nicht mehr, wohl aber die enge und überbaute Barbakane davor, mit dem „Sporer-Gewölbe“. Schlosser, Kupferschmied sowie ein Lederer sind hier eng beisammen Hausherren Domenig-Gasse. Das Woschitzhaus (Mitte Oktoberplatz – demoliert) mit einer Spenglerei versperrt uns Aussicht und geraden Weg. Wir müssen uns entscheiden, gehen wir rechts der Waage und der ehemaligen Eisentratte zu, oder wenden wir uns nach Süd-Westen. Wir wollen letzteres und müssen zwischen zwei Möglichkeiten wählen, entweder rechts oder links am Bürgerspital vorbei. Rechts hätten wir die obere und neuere, links die untere, die ältere Ausfahrt. Wir bleiben am älteren Weg und stoßen auf das Weberitsch Haus. Der junge Sebastian soll uns führen! Vielleicht begegnen wir mit ihm dem einen oder anderen seiner guten Freunde, den Hantierern? Vater Weberitsch, Vizebürgermeister, Spitalmeister, Kommandant der Trabantengarde usw. betreibt eine gut gehende Backstube. Es duftet dementsprechend aus dem Hause. Hinten im Klostergarten des Mathias Grawein hat sich Freiherr von Wucherer eingemietet, ein berühmter Büchsenmeister, der sich allerdings für feineres Zubehör des Zeugschmiedes Tindl bedient.

Gerade als wir an der Klosterkirche vorbeikommen und links unten den Zeneggenhof erblicken, schlagen im Turm die Osterglocken an. Ihr Klang vereint sich bald mit dem schönen Geläute das von der Stadtpfarrkirche herüber tönt. In diesem Augenblick melden sich die ersten Böller vom Kalvarienberg. Johann Mlinek, Trattentischler (Waag Str.2), Pionier des St.Veiter Hopfenanbaus und Feuerwerker sendet seine unüberhörbaren Grüße. Selbst Wachmann Fenz, der uns ein kurzes Stück das Geleit gibt, wird von festlicher Stimmung erfaßt. Er verabschiedet sich, um die gefahrvolle Schießerei zu inspizieren. Bald sind die letzten Häuser hinter uns. Vorbei am Schwarzfurter Kreuz erreichen wir schließlich den Wendepunkt beim Reidenwirt, dem alten Räubernest des Krapfenbäck Simale. Dort zweigt  die Straße nach Hörzendorf ab und dort werkt auch ein fleißiger Körbler. Die von ihm gepflanzten und genutzten Kopfweiden werden noch über hundert Jahre lang zu sehen sein. Am Rückweg erblicken wir hoch über uns auf grünen Hängen den Pueller-Hof und bald auch schon den zweiten Pulverturm. Genau zwischen demselben und dem Pueller stand der Pulverturm 1, bis er in die Luft flog. Beim Pulverturm 2 gibt es noch ein paar dazugehörige Nebengebäude, sonst aber kein einziges Haus. Es wäre viel zu gefährlich, dort zu wohnen. Dieser gefährliche Patron wird die Ausdehnung der Vorstadt noch lange hemmen.

Die Robitsch-Keusche (demoliert – heute Spar) sowie der Wirt Georg Weitzer ( Gasthaus und Kino Jäger) liegen dem Pulverturm am nächsten und ihre Bewohner sind die Mutigsten.

Ehe wir ab Brückenwirt eine einigermaßen geschlossene Verbauung vorfinden, enbietet uns und seinem jungen Freund Sebastian Meister Johann Tindl (heute Schlecker) im Vorübergehen seinen Gruß. Das Bürgerspital rechts, kommen wir zur Häuserzeile mit dem Gasthaus Zum Mondschein des Jakob Kobalter (Vill.Str.16),  gerade erst von Josef Preschern  abgekauft. Dieses Gasthaus hieß einmal „Zum Bothenwirt“, weil hier die aus Villach und Feldkirchen, aber auch aus Klagenfurt über Pörtschach am Berg gekommen Boten erwartet und gelabt worden sind. Auf engstem Raum folgen jetzt zwei weitere Wirtshäuser, das des Josef Huber (Vill.Str.8) und das Gasthaus „Zum grünen Baum“ von Karl und Therese Egger.

Von den insgesamt 58 Hausnummern der Villacher Vorstadt haben wir nicht einmal halb so viele gesehen. Die größere Zahl liegt in und um die Erlgasse. Doch das ist eine andere Geschichte.                                IV/2005

Das Gasthaus „Zum Roß-Wirt“

August 8, 2011 um 18:34 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Blick Klagenfurter Straße stadtauswärts, Rösslwirt Eckhaus rechts.

Blick Klagenfurter Straße stadtauswärts, Rösslwirt Eckhaus rechts.

Das stattliche Eckhaus, Klagenfurterstraße 24 hat nicht nur eine repräsentative Schauseite zur Straße hin, sondern auch eine bedeutende Ausdehnung in die Tiefe, welche teilweise bis zur Prinzhoferstraße, dem ehemaligen Gütersteig reicht. So weit sich die endlose Besitzerreihe verfolgen lässt, waren es in der Hauptsache Wirte, die sich an dieser Adresse mehr oder weniger lang, mehr oder weniger erfolgreich betätigt haben. Vereinzelt mieteten sich hier im Laufe der Zeit auch andere Gewerbsleute vor allem unzählige, ungenannte „Inwohner“ ein.

Josef Wernhammer „Gastgeb im Hause Nr. 5“ war nicht der erste Wirt in diesem Haus, wohl aber der erste dieser Familie. Er wurde schon 1759 zum Bürger aufgenommen. Im Bürgerbuch ist angeführt, er sei Wirt und im Gericht(Sprengel) von Osterwitz geboren.  Auf ihn folgte sein Sohn, Egydius mit Vornamen, auch dieser seit 1801als Bürger verzeichnet und schon „hier geboren“. Vielleicht kam es danach zum Verkauf. Der Familienname hat jedenfalls gewechselt. Johann Winkler, gefolgt von seiner Witwe Josepha und dem gemeinsamen Sohn Michael. Johann, Bürger seit 1812 galt damals noch als „Kesselbierbräuer-Geselle,  St. Georgen (Längsee) gebürtig. Letzterer hat den Besitz im Jahr 1820 angetreten. Zehn Jahre später ist es schon dessen Witwe, auch eine Josefa, wiederverehelichte Tobeitz. Diese hatte mit dem Winkler eine Tochter, Josefa III. 1847 kam mit ihr im Erbwege noch einmal der Name Winkler aufs Haus. Durch Kaufvertrag des Jahres  1850 gelangte Josef Lebmacher in den Besitz des Hauses. Er wurde 1834 bei seiner Bürgeraufnahme noch als „hier geborener Braumeister“ bezeichnet. Von dieser Großfamilie ist bekannt, dass sie einige Gastwirte, aber auch Fleischhauermeister in ihren Reihen hatte. Leider starb Josef vor der Zeit, so wurde schon 1856 die minderjährige Tochter Maria und sechs Jahre danach, wegen Marias frühen Ableben, ihre Mutter gleichen Namens als Eigentümerin intabuliert. Dieses doppelte Unglück führte dazu, dass sofort wieder neue Hausherren folgten. Es waren dies Johann Kronawitter, Valentin Kampl und wieder Johann Kronawitter, weil Kampl nicht wie vereinbart gezahlt hat. Johann kam nicht zu Bürgerehren, wohl aber schon 1833 der „aus Griesbach/Bayern gebürtige“ Martin Kronawitter, vermutlich sein Vater, der auch mit der Papierfabrik an der Glan zu tun gehabt hatte. Mit dem Tode des Johann am 6. Mai 1875 war dessen Tochter entschlossen, sofort an Anna Bayer zu verkaufen. Anna B. war immerhin bis 1893 am Besitz und dürfte wohl auch das Wirtsgeschäft betrieben haben. So manche Wirtin galt ja als gute Köchin und „die Küche sperrt bekanntlich den Keller auf“. Das ist ein alter Spruch. Mit Mathias Apoloner kam deutlich neuer Schwung in die „Bude“ denn man hörte alsbald vom Bau eines schönen Saales, etwas das es bis dahin in St. Veit nicht gegeben hatte. Von den späteren und noch prächtigeren Sternsälen war noch keine Rede. So kann es nicht Wunder nehmen, dass in Apoloners „Wirtshaus zum Ross“,  auch „Rößlwirt“ genannt, nicht allein die bessere Gesellschaft verkehrte, nein auch die prominentesten Vereine, wie Trabantengarde und Goldhaubenfrauen hielten dort ihre regelmäßigen Zusammenkünfte. Apoloner wirkte von 1893 bis zum Ausbruch des Ersten  Weltkrieges 1914. Anfänglich so erfolgreich, stand doch am Ende der Konkurs. Die Gründe dafür könnten vielfältige sein, schlecht finanzierte Investitionen, Abwerbung der Kundschaft durch den Sternwirt, der nahe Kriegsausbruch etc. Genaueres weiß man nicht. Dass letztendlich die Gösser Brau AG, vormals Max Kober 1915 den gerichtlichen Zuschlag erhielt, sagt wohl auch etwas aus, nämlich, dass möglicherweise schon längere Zeit hindurch die Brauerei-Rechnungen nicht beglichen worden waren. 1919 trat Josef Meisterl auf den Plan und kaufte, bevor die Inflation zu galoppieren begann! 1921 heiratete er und schloss mit Maria Osenig, seiner Braut, einen Heiratspakt, wonach ihr gleich die Hälfte der Liegenschaft überschrieben wurde. Vielleicht hatte sie auch etwas Geld mitgebracht. Nach Ableben des Josef Meisterl wurde der Witwe 1936 auch die zweite Hälfte gerichtlich überschrieben. Bis dahin boten Gasthaus mit Fremdenbetten und Fleischhauerei, den schlechten Jahren der Zwischenkriegszeit zum Trotze, der Familie ein gesichertes Fortkommen. Die Gösser Brauerei hatte sich vermutlich schon beim Verkauf 1921 gewisse Rechte vorbehalten und konnte in den vorhandenen Kellergewölben noch lange ein Bierdepot, anfänglich mit eigener Flaschenabfüllung, unterhalten. Sie hatte nämlich von Andreas Jäger in Radweg dessen Braukonzession an sich gebracht.                                                                              XI/2009

Im Erdgeschoß hat es zunächst weiterhin ein Gasthaus gegeben, nur der 1. Stock zur Straße hin, bot bald reichlich „Abwechslung“. In den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts, mit wenig Bedarf an Fremdenbetten, waren freie Wohnungen desto mehr gesucht. Die Fleischhauer Meisterl, ab 1907 und seit Generationen auch auf dem Unteren Platz ansässig, machten in der Klagenfurter Straße 1931 einem neuen Meister Platz. Da dieser für sich und seine Familie eine Wohnung benötigte, kam es dort nicht nur zur Umwidmung ehemaliger Gästezimmer, sondern etwas später auch zu einem zwiespältigen Ereignis. Es war um die Mitte September des Jahres 1941, als zwei angesehene Bürgerfrauen zeitgleich in die Wehen kamen. Die einzige Hebamme, zwischen zwei Terminen hin und her gerissen, war im Begriffe, jene Adresse, an die sie zuerst gerufen worden war, ohne „Erledigung“ vorzeitig zu verlassen, um ja den anderen, vielleicht etwas prominenteren Fall nicht zu versäumen. Erst die Drohung mit einer  Anzeige, ließ die Geburtshelferin bis zum guten Ende an Ort und Stelle verharren. Auch im zweiten Wochenbett ging alles gut und glücklich über die Bühne, nur musste man dort wohl oder übel einen Arzt bemühen. Da es sich in beiden Fällen um sehr bekannte, sich bester Gesundheit erfreuende St. Veiter Persönlichkeiten handelt, muss man Namen nicht nennen.

Die bewegten Zeiten im Ersten Stock hielten an. Bald gab es im Hause eine allgemein gefürchtete Einrichtung, das NS Wehrmeldeamt. Wer dort zu tun kriegte, musste fürchten, dass er seine Zivilkleider bald mit dem Soldatenrock zu vertauschen haben würde, ausgenommen die Freiwilligen, meist Jugendliche, die vorher entsprechend propagandistisch bearbeitet worden waren. Übrigens, nur ganz wenige Eltern wagten es, mit Hinweis auf Minderjährigkeit gegen solche Verpflichtungen erfolgreich Einspruch zu erheben um sich und ihren Söhnen solcherart schlimme Schicksale zu ersparen.

Lange genug hat der Krieg gedauert, im Mai 1945 war es aus und ein Wehrmeldeamt nicht länger vonnöten. In die Büroräume zogen Engländer als Besatzungsmacht ein, denn auch diese suchten Büroräume. Jetzt mussten sich andere überlegen, was sie bei etwaigen Einvernahmen an dieser Adresse aussagen sollten. Nach zwei Jahren schienen die Besatzer die Räume nicht mehr gebraucht, oder andere gefunden zu haben, denn 1947 zogen, die bis dahin im Bezirksgericht nur notdürftig untergebrachten, weiter unten in dieser Straße ausgebombten Gendarmen ein und blieben bis 1960.

Wie schon darauf hingewiesen, hat Haus Nr. 24 eine große Tiefe mit reichlich Hofraum und Nebengebäuden. Dort, wo später das Ring-Kino, als zweites Lichtspieltheater von St. Veit Jung und Alt erfreut hat, befand sich zur Zeit des Rössel-Wirtes ein gepflegter Gesellschaftsraum. Dieser war sogar mit Parkettboden aus bosnischer Eiche ausgestattet. Als während des Krieges das Heizmaterial knapp wurde, hat man den darunter liegenden Betonboden für zweckmäßiger erachtet, den einst kostspieligen Boden kurzerhand abgetragen und in den Ofen gesteckt. Gleich zu Anfang der NS-Zeit kam dort die Flieger-Hitler-Jugend unter. Es wurden Segelflugzeuge gebaut und repariert, welche am Hang von Thalsdorf oder anderenorts für Probeflüge zum Einsatz kamen. Der Flieger-Nachwuchs sollte mit allen Mitteln  gefördert werden, was die Heranwachsenden natürlich hell begeisterte, ohne zu ahnen, dass sich bald am Himmel besser kein deutsches Fluggerät mehr zeigte!

Die heute noch bestehende Einfahrt von der Landstraße her, diente den pferdebespannten Bier-Lieferwagen, später auch den motorisierten Fahrzeugen als Aus- und Einfahrt. Die Landstraße war auch damals schon in Richtung Klagenfurter Straße eine Einbahn, nicht so für Gösser Leute! Um nicht rund um die Stadt fahren zu müssen, durften sie allein die wenigen Meter gegen die Einbahn fahren!  Thomas Schienegger soll einer der letzten Bierführer gewesen sein. Seine Wohnung hatte er in der Bräuhausgasse 25. Im Hause Klagenfurter Straße 29 lebte Josef Regenfelder mit Familie, ebenfalls ein Bierführer und da nur Gösser ausgeführt wurde, wird Regenfelder wohl auch hier beschäftigt gewesen sein. Eduard Schorn, seines Zeichens Kellermeister der Gösser Bierniederlage wohnte mit Familie an Ort und Stelle, ebenso die Familie Hermann Wonisch, Angestellter. Büros gab es auch in einem Jäger Haus nahe Kuttnig. Private Wohnungsmieter waren – alles laut amtlichen Kärntner Adressbuch  von 1949 – Charlotte Zlattinger und Anna Grote, ehemals Damenschneiderin..

Heute hat das Meisterl Anwesen einen neuen Besitzer und ein einheitliches Erscheinungsbild. (siehe Foto!) Neues Leben ist allenthalben eingezogen – neue Mieter, neue Betriebe. Die Geschichte eines alten Vorstadt Hauses setzt sich fort. Andere Schicksale wollen sich erfüllen. Glück auf!              XII/2009

Völkermarkter Vorstadt

Februar 20, 2011 um 13:58 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Völkermarkter Vorstadt

Kataster 1828 - Völkermarkter Vorstadt incl. Änderungen bis ca. 1875

Von den fünf Vorstädten – wir sind laut Plan noch immer im Jahre 1871 – ist die Völkermarkter Vorstadt wohl die kleinste. Die wenigen Häuser, dreizehn an der Zahl, liegen weit verstreut. Drei Hausnummern hat allein Graf Gustav Egger auf Schloß Weyer. Weit ab von der Stadt – und dies nicht ohne Grund – hat auch der Abdecker Johann Bergmoser seine Behausung. Es verdient Beachtung, daß die nämliche Familie dort auch heute noch die Stellung hält. Aus Schinder und Wasenmeister sind inzwischen erfolgreiche Gastwirte geworden. Galten Abdecker einmal als Unberührbare, ja gar als Inhaber eines ehrlosen Gewerbes, nur weil sie es mit Aas, streunendem und kranken Getier zu tun hatten, so gelangten doch nicht wenige davon zu Besitz, Wohlhabenheit und Ansehen. Sie hatten außer dem Lohn für die Schinderknechte ja kaum viel Aufwand. Was zu entsorgen war, mußte ihnen gratis und franko überlassen werden. Mit Geschick und Umsicht ließ sich aber doch manches daraus gewinnbringend verwerten. Es ist noch nicht lange her, da durften Schinderleute, Gerichtsdiener und Kerkermeister nur unter ihresgleichen eine Ehe eingehen.

Ein Stück weiter betreibt der berühmte Bürger Andreas Elsässer die Raßnig Mühle an der Wimitz. Raßnig kommt von slowenisch Rasa, Land beim (raschfließenden?) Bach oder Fluß, frei nach E. Kranzmayers Ortsnamenbuch. Gut, auch Tschirnig liegt nicht fern und heißt zu deutsch Schwarzendorf so wie das heute nicht mehr gebräuchliche Glewitsch-Moos in Richtung Glandorf, welches mit Tiefental übersetzt wird. Das sind noch lange nicht alle der slowenischen Riednamen im Weichbild unserer Stadt!

Durch die Völkermarkter Vorstadt geht es auch zur Stadtsäge hinaus. Es gibt sie heute nicht mehr. Sie lag unfern der Stelle wo Wimitz und Glan sich vereinigen. Bis vor nicht allzu langer Zeit – genau genommen bis zum Tausch des Stadtforstes am Gauerstall und dem Wald am Muraunberg mit Knaus bzw Steiner in Unterbergen gegen Bauland am Weyerfeld und  Baugrund um das neue Fußball-Stadion bei Hörzendorf – nannte die Stadt großen Waldbesitz ihr Eigen. Nach jedem, sich mit Regelmäßigkeit ereignenden Stadtbrand, war eine Brandreserve aus eigenem Wald Goldes wert und so die Brettersäge gewiß sehr praktisch..

Wer den Plan genauer ansieht, wird rasch merken, daß es den Hauptbahnhof, folglich auch die Bahntrasse im Bereich der Völkermarkter Ausfahrt noch nicht gibt. Deshalb verläuft die Straße auch noch links des Hauses Parzelle 253 und ohne Durchlaß nach Osten, vorbei an der „Kreuzkeusche“ des Matthias Brugger, heute Gärtnerei Sattler. Die Kreuzkeusche war alt und schäbig und wurde demoliert, doch der Grund an der Straße war wertvoll. Es ist eine eigene, eine traurige Geschichte mit diesem Grundstück und jenem Busunfall der Trabantengarde am Katschberg. Weil die Deckungssummen der Versicherung nicht ausreichten, mußte sich der Busunternehmer, ein späterer Brugger, von diesem Anwesen nolens volens trennen.

Wenn es auch nur wenige Häuser und Gärten gibt, um so mehr kennzeichnen noch ausgedehnte Äcker, Wiesen und Weiden das Bild dieser Vorstadt. Das Weyerfeld links und das  „Untermoos“ rechts der Straße stellen begehrte Terraingründe der Bürgerlichen Privatgült oder Pachtflächen der Stadtpfarre dar, sind doch die St.Veiter jener Tage größtenteils Acker-Bürger und als solche Selbstversorger mit Pferd und Kuh, Feder- und Borstenvieh. Gut erkennbar ist auch noch der aufgelassene Friedhof wo heute die Evangelischen Kirche steht.                                              VI/2005

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