Das Elektrizitätswerk St.Veit

Mai 28, 2012 um 11:38 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

So um das Jahr 1910 beschäftigte sich der höchst verdienstvolle Bürgermeister der Stadt St.Veit, Dr. Johann Spöck, seines Zeichens tüchtiger Notar und großer Gesellschaftsmensch ganz ernsthaft mit der Frage, in St.Veit das elektrische Licht einzuführen. Ob dabei die viel beklagte, äußerst störungsanfällige alte Straßenbeleuchtung wirklich der einzige Grund dafür war, möchte man fast bezweifeln. Denn immerhin, in Paris spielte man bereits seit 1895, in Wien seit 1896 und bei Prechtl in Klagenfurt auch schon seit 1908  in entsprechenden Etablissements Stummfilme, warum nicht auch in St.Veit?

 Es ist wohl klar, daß man dem hohen Gemeinderat nicht einfach mit so direkten Wünschen kommen konnte. Auch als Vertreter einer liberalen und antiklerikalen Richtung hatte der Bürgermeister gewiß auf  kirchentreue Kreise Rücksicht zu nehmen, denen ein moderner Lichtspieltempel nicht gerade ein Anliegen sein konnte. Wir werden aber später noch sehen, daß der Errichtung des E-Werkes die Gründung des ersten St.Veiter Kinos auf dem Fuße folgte. Ganz fremd war das neue Vergnügen den Leuten nicht mehr, denn ein wanderndes Kino gab es schon. In der Sitzung des Gemeinderates vom 9.5.1911 protokollierte man unter Tagesordnungspunkt neun: „Die 6 Projekte für eine elektrische Zentrale werden dem kk. Prof. Wolfgang Wendelin in Graz zur Prüfung und Begutachtung vorgelegt“. Danach gingen drei Monate ins Land, ehe der Gemeinderat in der Sitzung vom 8.8.1911 zu den zwei folgenden Beschlüssen fand.

„1. Errichtung eines Elektrizitätswerkes mit Dieselmotorenbetrieb durch die Gesellschaft für Elektrische Industrie in Weiz und

 2. Ansuchen beim Kärntner Landesausschuß (heutige Regierung) um Bewilligung zur Aufnahme eines Darlehens in Höhe von 200.000 Kronen“

 Ein Nachtragsbeschluß im Gemeinderat vom 10.10.1911, die Fundamente für 200 HP-Motore (Horse Power = Pferdestärke oder PS) und das Maschinenhaus entsprechend groß zu bauen wird „mit allen gegen zwei Stimmen“ gefaßt.

 Die Arbeiten dürften sehr zügig vonstatten gegangen sein, denn noch im gleichen Jahr, genau in der Sitzung vom 5.12.1911 hält man unter Protokollpunkt 4 wörtlich fest: „In der Elektrischen Angelegenheit werden die verschiedenen Anfragen und Aufklärungen durch Herrn Ing.Wutte erörtert. Es wird die Kilowattstunde für Licht auf 60 Heller und für Kraft auf 30 Heller kommen. Der Bürgermeister teilt ferners mit, daß nach den Gutachten des Sachverständigen  es unbedingt notwendig ist, daß sämtliche Hausinstallationen von  e i n e r  Firma durchgeführt werden müssen, weil sonst das Werk gefährdet wäre. Herr Ing. Wutte bringt über diese Angelegenheit noch weitere Aufklärungen und begründet die einheitliche Installation eines Elektrizitätswerkes, worauf beschlossen wird, am Samstag den 9.d.M. beim „Stern“ eine Versammlung abzuhalten, wo jeder Partei Aufklärung über Installationsarbeiten gegeben werden. Von der Firma Pichler in Weiz wird Herr OberIng. Morwitzer zur Versammlung erscheinen. – Es wird einstimmig beschlossen daß bis 1. Juli die Baufirma und von dieser Zeit ab die Gemeinde selbst die Installationsarbeiten durchführen wird. In den Elektrizitäts-Ausschuß werden gewählt die Herren: (nachträglicher Einschub: „um die Konzession ist anzusuchen“) Dr.Joh.Spöck, Mich.Feichter und Johann Trixner, in den Überwachungsausschuß die Herren Anton Reichel und Rudolf Mattersdorfer.“

Auch der anschließende Punkt des nämlichen Protokolles ist interessant; er lautet:

„Die Zuschrift der k.k. Staatsbahndirektion wegen Anbringung eines Stadtwappens am neuen Personenbahnhof (Hauptbahnhof) wird mit Befriedigung zur Kenntnis genommen und wäre hierbei auch in Erwägung zu ziehen, daß am neuen Personenbahnhof, sowie an der Elektrischen Zentrale und am Wasserschloß (je) eine Erinnerungstafel angebracht wird.“

 Zumindest im E-Werk wurde tatsächlich eine Tafel angebracht mit der Inschrift:

  • Erbaut 1912
  • unter dem
  • Bürgermeister Dr.Joh.Spöck
  • von der
  • Gesellschaft für Elektrische Industrie
  • Zweigniederlassung Weiz
  • vorm. Franz Pichler & Co

Es dürfte wohl nicht mehr all zu viele St.Veiter geben, die auf Anhieb sagen könnten, wo das erste E-Werk der Stadt entstanden ist oder die das Gebäude, welches heute nur mehr ein Umspannwerk beherbert,  im Vorübergehen als einstige Elektro-Zentrale erkennen würden. Es ist der ungewöhnlich hohe Bau vor dem Westbahnhofgelände.

 Die weitere Geschichte des Werkes ist rasch erzählt. So groß die Freude der Stadtbewohner über die neue Helligkeit auch war, einen wunden Punkt hatte die neue Anlage, das war ihre Abhängigkeit vom ausländischen Dieselöl. Dieses kam damals mit Kesselwagen der Bahn aus dem damals gerade noch österreichischen Galizien. Doch bald gab es Krieg, der mit dem Verlust Galiziens endete. Die anschließende Devisennot erlaubte für längere Zeit keine regelmäßigen Importe mehr. Das erzwang schließlich eine Neuorientierung. Flußlaufwerke an der Gurk bei Passering und bei Bruckendorf waren von 1925 an die Zukunft und logische Konsequenz. Parallel dazu waren die Dieselaggregate zwar noch längere Zeit aushilfsweise im Einsatz, doch Erweiterungsmaßnahmen in der Zentrale St.Veit kamen nicht mehr in Betracht.

 Aus der Kärntner Wasserkraftwerke AG, Klagenfurt – gegründet 1923 – wurde im Jahre 1939 die Kärntner Elektrizitäts AG (Kelag) und diese 1948 durch Verstaatlichung zur Landesgesellschaft. Mit Verstaatlichungsbescheid des Landeshauptmannes vom 10.2.1948 und Wirksamkeit vom 1.3.1948 endete die Selbständigkeit der hiesigen Kraftwerke. Die St.Veiter Zentrale, Haus Nr. 120 (heute Lastenstraße 8), die Wasserkraftwerke von Passering und Unterbruckendorf mit allen Freileitungen sowie 17 Hektar Grund wurden in die neue Landesgesellschaft eingebracht und die Stadtgemeinde St.Veit erhielt dafür ein entsprechendes Aktienpaket.

Die in unseren Tagen aus dem Verkauf dieser Aktien gewonnene Liquidität zeigt, daß die 200.000 Kronen des Jahre 1911 nebst den späteren Investitionen an der Gurk keine schlechte Rendite abgeworfen haben. Nach der guten Saat, einst von tüchtigen Kommunalpolitikern gelegt, profittieren jetzt deren späte Amtsnachfolger. Daß der eine ein Bürgerlicher war und der andere ein Sozialdemokrat ist, ist geschichtliche Irnonie.  

 Abschließend noch einmal kurz zur Geschichte des Kinos in St.Veit, weil der innige Zusammenhang nicht zu übersehen ist. Mit Inbetriebnahme des E-Werkes waren alle Voraussetzungen für einen KINEMATOGRAPHEN, so nannte man die ersten Filmvorführapparate, in St.Veit gegeben. Schon am 7.11.1911 befaßt sich der Gemeinderat mit entsprechenden Anträgen. Das Sitzungsprotokoll, Punkt 26 sagt:

 

                        „Die beiden Gesuche des Johann Jäger und des

                        Karl Karner um Aufstellung eine Kinomatographen

                        werden der kk.Bezirkshauptmannschaft mit dem

                        Bemerken zugesandt, daß die Personen vertrauenswürdig

                        erscheinen und die Lokale geeignet sind.“

 

Ganz offensichtlich handelt es sich um zwei getrennte Bewerbungen und zwei verschiedene Lokale. Wie es mit Karl Karner weiterging, muß vorerst offen bleiben. Johann Jäger hingegen erscheint schon im Jahr darauf als Eigentümer eines prächtigen Kinobaues neben seinem Gasthof in der Villacher Straße. Eine Innenaufnahme beweist, daß anfänglich bei Tischenin Viererreihen gespielt wurde. Wenn man richtig rechnet, gab es 24 Tische a 5 Sitze, in Summe also 120 Plätze. Neben dem Eintritt wurde also auch noch bei der Konsumation verdient. Der Zulauf war enorm und steigerte sich noch mit den späteren Tonfilmen.

Neben dem kinosüchtigen städtischen Publikum, pilgerten lichte Scharen aus allen Tälern und Winkeln der Umgebung, wenn sonn- und feiertags, später alltäglich die spannendsten Filme liefen.

 Als aus vorerwähnten Gründen 1918 die Diesellieferungen ausblieben und in St.Veit die Lichter ausgingen, wußte man sich in der Villacher Straße mit einer eigenen Lichtmaschine rasch zu helfen. Von der Mechanischen Werkstätte Julius Gaggl in Lebmach wurde ein Petroleummotor mit Maschinist, es war mein Vater,  entsandt, denn –  the show must go on! – und sie ging weiter, falls nicht zwischendurch einmal der Transmissionsriemen von der Scheibe fiel…..

 1925 war die Familie Jäger bereits so erfolgreich, daß sie das Patrizierhaus Hauptplatz 31 kaufen und aus dem Hoftrakt postwendend einen modernen Kinosaal machen konnte. Trotz allgemeiner Geldknappheit waren die Kinovorstellungen regelmäßig ausverkauft. Die Begeisterung für das neue Medium war so groß, daß man eher auf alles andere, nur nicht auf einen Kinobesuch verzichtete.

Walter Wohlfahrt in “ St.Veit Kommunal“  April 1998

 

 

 

 

Über Gasthaus-Namen von St.Veit

April 28, 2012 um 13:31 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,


Der ehemalige Steirerhof der Fam. Rohrer in der Klagenfurter Straße
 
Das älteste Gewerbe der Welt ist bekannt. Davon soll nicht die Rede sein, wohl aber vom Gastgewerbe, welches hier bei uns älter ist als die Stadt selbst. Wie kann man das behaupten? Ganz einfach! Ehe St. Veit zur Stadt wurde, war es kurze Zeit ein Markt, davor aber lange nur Dorf, kein unbedeutendes zwar, am Kreuzungspunkt von Fernwegen gelegen und natürlich ein Dorf mit Gasthaus.

Seit der Anlage eines Bürgerbuches im 16. Jhdt. sind Bürger namentlich bekannt, doch erst zu Ende des 18. Jhdt. bequemte man sich, den Namen  Berufsbezeichnungen beizufügen. Es ist ein Zufall, dass man vorher von Kaffeesiedern und erst in der Folge vom Gastgeb, vom Gastwirt, Bier- oder Weinwirt, am öftesten einfach nur von Wirten lesen kann. Vergleicht man die Angaben alter Adressbücher (Amts- und Adresskalender 1907-1915-1935), ergibt sich bezüglich Lokal-Gesamtzahlen nachfolgende Entwicklung bei den Kaffeehäusern 4-6-4,  für Wirte jetzt zusammengenommen 36-37-28. Die Tendenz, die auch für andere Gewerbearten nach aller Regel zutrifft, heißt leichte  Zunahmen vor dem Ersten Weltkrieg, Rückgänge hingegen in der Zwischenkriegszeit. Noch aufschlussreicher für die verschiedenen Zeitläufe sind die Gasthausnamen, diese waren mitunter lange in Gebrauch aber nicht selten auch dem Wechsel unterworfen. Familiennamen lebten fort so lange der gute  Klang nachwirkte,  auch wenn dort längst neue Eigentümer oder Pächter tätig waren. Mancher Hausnamen sollte für sich alleine sprechen, wie Sonne, Mondschein oder Stern. Bei solchen Bezeichnungen könnte man vermuten, die Gäste gingen dort erst heim beim Licht der Sterne, beim Mondschein oder gar erst wenn die Sonne wieder am Himmel stand …. Andere  Wirtshausnamen sollten über ihre genaue Lage Auskunft geben, also für jeden leicht zu finden sein, so etwa der Postwirt, der Bruckenwirt, die Bahnhofsrestauration, Grabenwirt, Badwirt Vitusquelle, Alte Brauerei, Zentral etc. Eine besondere Spezies waren aber die politischen Lokalbezeichnungen, die ganz bewusst auf ein selektiertes Publikum abzielten. Beispiele dafür, obzwar  heute nicht mehr bestehend wären: das Cafe Hindenburg, die Wartburg, Gasthaus Zum Schwarzen Adler, der Kronwirt oder Alt-Heidelberg. Viele Adressen hat man aufgelassen, dafür wieder eine Menge neuer Lokale in alten oder neuen Häusern eröffnet. Was bleibt ist der Wandel! Daher sollen zum Abschluss einige historische Plätze, nach Besitzer- und Hausnamen durchmischt, genannt werden:

Wenn wir in der Klagenfurter Vorstadt beginnen und von Außen nach Innen wandern, muss man zuerst das ehemalige  Bahnhofshotel Verdino in Glandorf nennen, dann käme  „Zur Lokomotive“, „Kalter Keller“ – Gasthaus Dörrer – Liebeteggers „Wartburg“ woraus Frau Rohrer den „Steirerhof“ machte – Löschnig Richards „Alte Brauerei“,  Gh. Gratzer-Pucher, Gh. „Zur Sonne“,  Gh „Zum Roß“ (Meisterl).

Die Friesacher Vorstadt hatte einst Wirtskonzessionen am Ranftlhof, beim Mailänderhof und natürlich beim Sternwirt.

Mit Gasthäusern reich gesegnet war einmal die Weitensfelder Vorstadt inklusive Spitalgasse. Von oben nach unten aufgezählt waren da das Vitusbad der Fam. Mörthenhuber, Gasthaus Schauer, Gh Nagele und der Fasslwirt des Alois Mayer. Man könnte hier vielleicht auch den Poganzer, den Radinger und die Tiroler Weinstube des Friedrich Bugelsheim dazu zählen, wo man einmal gerne den Sonntagspaziergang enden ließ. All diese gastlichen Stätten sind nicht mehr.

Die Wirte der Villacher Vorstadt werden hier noch Platz finden müssen, während jene der Innenstadt vielleicht ein andermal zum Zuge kommen. Diesmal von Innen nach Außen: Gh „Zur Traube“,  „Zan Grean Bam“ – „Zum Hirschenwirt“, wurde später zu Cafe Hindenburg und ist heute die Pizzeria Milano – es folgt der ehemalige Gasthof  Gautsch (zeitlich davor Huber, Mulley) Gasthaus Ressmann („Zum Mondschein“ davor „Botenwirt“),  der Wirt bei der Brücke, also der Bruckenwirt  und schließendlich Restaurant mit Kino Johann Jäger.  

 Walter Wohlfahrt        Aus St.Veiter Stadtblatt´l August 2011

Erstelle kostenlos eine Website oder ein Blog auf WordPress.com.
Entries und Kommentare feeds.