Die Bruderschaft der Schuster und Lederer

Dezember 19, 2013 um 18:13 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Zuletzt war die Rede von einem Haus in der Klagenfurter Straße, das anfänglich gebäudemäßig bescheiden, jedoch mit sehr wertvoller Anbaufläche versehen war. Es stammte aus dem alten Grundbuch der oben genannten Bruderschaft und so wurde versprochen, gerade darüber noch Genaueres auszusagen.

Das Stadtarchiv beherbergt reichlich altes Aktenmaterial auch zu diesem Thema. Daraus wollen wir vor allem schöpfen. Davor aber noch etwas Grundsätzliches: Über grundherrliche Rechte verfügten eigentlich nur adelige, sprich weltliche oder kirchliche, geistliche Würdenträger.  Im einen Fall die Schlossherren mit ihren Burgen und Schlössern, im anderen Falle Bistürmer, Klöster und Pfarren. Die meisten sogenannten Bruderschaften, auf jeden Fall die der Schuster und Lederer, hatten eine Art Zwitterstellung. Weltliche und geistliche Grundherrschaften wurden in der Regel von fix bediensteten Amtsleuten, Bruderschaften hingegen von demokratisch gewählten Funktionären verwaltet. Die einen wie die anderen führten peinlichst genaue Aufzeichnungen über jeweiligen Besitzstand und Einkünfte (Zinse und Abgaben) in sogenannten Urbaren. Über die Verwendung der Geldmittel entschied der Burgherr, Bischof, Abt oder Pfarrer, nach eigenem Gutdünken. Nicht so geschah es in einer Bruderschaft. Diese bestimmte in freien und regelmäßig fälligen Wahlen ihre Amtsträger. Dieser hatte dann über seine Verwaltung Rechenschaft abzulegen. Bruderschaften sind also eine Vorstufe von Demokratie, und das schon vor vielen hundert Jahren! In der ältesten Stadt Kärntens, in Friesach, sollen sich die Schuster und Lederer schon bald nach 1200 zusammen geschlossen haben, in St. Veit gab es – laut Martin Wutte – immerhin im Jahr 1419 die erste Urkunde. Die Stadtpfarren von Friesach und St. Veit unterstanden dem Erzbischof von Salzburg. Damit wären wir bei der erwähnten Zwitterstellung: Geistliche Bruderschaften, solche gab es auch in St. Veit gar nicht wenige konnten nur mit dem Segen der Kirche ins Leben treten und nach und nach grundherrliche Rechte erwerben, Vermögen ansammeln und dieses selbst verwalten. Ja sie gaben sich sogar eigene Satzungen und Geschäftsordnungen! Die enge Verbindung zur Mutter Kirche äußerte sich immer wieder darin, dass regelmäßig geopfert, gestiftet und vor allem Messen korporativ besucht wurde(n). Fest- und Patronatstage wurden streng eingehalten. Priesterstellen und Altäre einzurichten, kam nicht selten vor.

Nicht jede solche Vereinigung war gleich erfolgreich und langlebig. Lorenz Mack weiß in seinen Aufzeichnungen von 1967 noch von Fleischhauer- (seit 1438) und von Schneider-Bruderschaften (seit 1493) in St. Veit zu berichten. Daneben gab es zeitweise reine Gebetsverbrüderungen und vor allem die Fronleichnamsbruderschaft, auch Corporis Christi genannt (seit 1389). Hier handelt es sich um die Wiege unserer Bürgerlichen Trabanten Garde. Das habe ich in der Carinthia 2010 (Seite 267ff) dargelegt und ist bis heute unwidersprochen geblieben.

Das Pech für die geistlichen Bruderschaften war es, dass Kaiser Josef II nicht nur Klöster und Stifte aufhob, auch die meisten B. erfuhren dieses Schicksal. Sie wurden allesamt enteignet und mussten in den Religionsfond einzahlen – in St.Veit als Besonderheit auch in die städtische Armenkasse. Was bis dahin reine Zweckgemeinschaften waren – Geld hin – Ansehen her, versank schön langsam in Bedeutungslosigkeit, als schließlich durch die Bauernbefreiung auch die ländlichen Untertanen mit ihren Zinsen und Abgaben weg brachen. Der Besitz der alten Fronleichnamsbruderschaft war nicht unbedeutend. Auch die Bruderschaft der Schuster und Lederer hatte zuletzt noch 17 Keuschen mit Gärten in der Stadt und 40 Gründe mittleren Ausmaßes. Der Jahresertrag bezifferte sich auf mehr als einhundert  Gulden. Das kann man noch in einem Protokoll, de dato 5. Nov. 1845 im Stadtmuseum nachlesen.

Ledermacher waren schließlich reiche Leute. Leder von guter Qualität wurde ihnen von Taschnern, Sattlern und Schuhmachern aus den Händen gerissen. Schuhmacher dagegen waren ärmer, dafür aber zahlreich und ihrerseits gut beschäftigt. Die Voraussetzungen für eine gedeihliche Entwicklung der Bruderschaften waren um vieles besser als bei so manchen wohllebenden Burg- und Schlossherren, wo es schließlich, zum Unterschied von den Bruderschaften, auch immer wieder Erbfälle gegeben hat!

Aus StadtBlattl von Fritz Knapp Ausgabe Dez. 13 mit Korrekturen

walter.wohlfahrt@gmail.com    (blog: altstveit wordpress.com)

 

Das Schützenwesen der Stadt St. Veit

Juli 1, 2012 um 14:12 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Viele Formen der Ausübung und mindestens vier Lokalitäten der praktischen Betätigung von St.Veiter Schützen sind bekannt. Sie sollen hier beschrieben werden, nachdem zuletzt einiges über Erzeugung des Schießpulvers und seine Verwahrung am Stadtrand ausgesagt wurde.

Zu den wichtigsten Bürgertugenden im alten St.Veit zählten ganz gewiß, Wehrhaftigkeit und Bereitschaft, die Stadt im Notfalle auf ihren Mauern zu verteidigen. Spätestens ab Erbauung des Zeughauses im Jahre 1523 (Herzogsburg) darf man als gesichert annehmen, daß die Bürger mit Feuerwaffen, Pulver und Blei umzugehen verstanden. Das Bürgerbuch der Stadt, von 1564 bis 1884 geführt, nennt alle Bürgeraufnahmen und hat auch einige Zusatz-informationen zu bieten. Das Buch befindet sich heute unter Signatur 2 im Kärntner Landesarchiv. Abgesehen von diesem eindeutigen Zweck der bürgerlichen Schießkunst, hat man darin recht bald eine Voraussetzung für die Jagd einerseits und anderseits für das Gesellschaftsleben ganz allgemein gesehen. Vor allem Patrizier und wohlhabende Gewerkenfamilien waren zu friedlicheren Zeiten darauf bedacht, das notwendige „Training“ mit Fest und Zerstreuung zu verbinden. Ausdruck dessen, sind die noch zahlreich vorhandenen und eine Einmaligkeit sonder gleichen bildenden, bemalten Schützenscheiben unseres Stadtmuseums. Daß die Bürgeraufnahmen üblicherweise regelrecht zelebriert, mit Bestschießen verbunden und dafür variable Taxen verlangt und gezahlt wurden, beweisen gewisse Vermerke zwischen 1732 und 1753 die da lauten „für den Schuß gezahlt…..“ – oder 1784 „Franz Steiner, Johann Stimpfl usw. – Bürger mit Gewehr“. Übrigens, im gleichen Jahr werden andere zu „Bürger mit Mantel“ erhoben. Zahlen die Gewehr-Träger maximal 10 Gulden Tax, so entrichten die eindeutig nobleren Mantel-Träger je 3 Dukaten! Es sind dies Anton Rauscher von Mosinz mit Weinschank, Herr Josef Peter Vetter, k.k. Postmeister von Unterdrauburg zugezogen ebenfalls mit Weinschank und Herr Johann Hollemschnig, Apotheker bzw hier geborener Apothekersohn. Ist diese Erwähnung eines Mantels vielleicht ein Hinweis auf Zugehörigkeit zu den Trabanten? Weder vor- noch nachher kommen solche Zusätze im Bürgerbuch vor.

 1. Die Bürgerliche Schießstätte 

Im Steuerbuch von 1595, Landesarch. Handschriften-Sign. 225a, Seite 32 heißt es wörtlich „Schützenmeister ist ab 1567 zinspflichtig für den Garten bei der Schießstatt: 5 Pfennige pro Jahr. Rückstände bestehen für die Jahre 1567 bis 1605!!“ Dieser Vermerk sagt zweierlei aus.

Mit Schützenmeister und Schützen gab es eine geordnete, wenn auch wenig zahlfreudige Organisation und der Grund und Boden um die Schießstätte herum gehörte der Gemeinde.

Eine nächste Erwähnung findet sich im Stiftsregister der Pfarre St.Veit von 1722ff – Sign 215 (aber verkehrt herum, Seite 1) „Ausgaben der Pfarre etc. 1745 bis 1747“ – „der jeweilige Schützenmeister soll dienen vom Schieß-Wiesl jährlich 37 ½ Kreuzer“. Was ist darunter wieder zu verstehen? Zunächst keinerlei Gegensatz in den Besitzverhältnissen die Schießstätte selbst betreffend gegenüber 1595. Nur die Schußrichtung ging eben gegen den Berghang des Lichtenberges – so hieß damals der sonnige Hang an der heutigen Zenswegerstraße –  und die kleine Wiese dort war eben Kirchengrund. Die Organisation des Schützenwesens war auch nach 150 Jahren noch immer intakt. Eine letzte Reminiszenz an das altbürgerliche Geschehen enthält der Nachruf für Karl Prinzhofer (1772-1861) in der Klagenfurter Zeitung vom 16.11.1861 den mir liebenswürdigerweise Frau Paula Zechner zugänglich machte. Ich zitiere teilweise:

 „Noch sei uns vergönnt, ein Wort über das einst so in Ehren gehaltene Vergnügen des Scheibenschießens zu sprechen, in welchem Prinzhofer es zu einer seltenen Vollkommenheit brachte. Ein Zimmer, einst angefüllt mit gewonnenen Besten war sprechender Zeuge seiner Triumpfe. Es ging aber bei diesen Festen einst hoch her; gute Schützen reisten von einem Schießen zum andern, Geld gab es in Menge, der Schuß kostete oft bis 20 Gulden, Gewinnaussichten und Aufwand waren ansehnlich; Geselligkeit, Eintracht und Heiterkeit bildeten die Elemente, welche das Interesse an diesem ritterlichen Vergnügen ungeschwächt erhielten. In Kärnten dürfte kaum mehr ein Schütze leben, welcher – wie Prinzhofer im Beginne seiner rühmlichen Tätigkeit als Schütze – noch das alte sogenannte Radschloß an dem Gewehr hatte, mit welchem er trotz dieser Schwerfälligkeit beim Schießen so viel Unübertroffenes leistete.“

 Auch Michael Rauchensteiners Dissertation von 1949 bringt ab Seite 48 viel Wissenswertes zur Organisation des Kärntner Schützenwesens. Man kann nur immer aufs neue diese gut fundierte Arbeit zitieren und hoffen, daß sie vielleicht doch noch einmal gedruckt und so allgemein zugänglich gemacht wird. Obzwar viele Jahre seither vergangen sind, gibt es nichts Gleichwertiges weit und breit!

Jetzt wird es Zeit, die alte Schießstätte auch zu lokalisieren und das fällt nicht schwer. Abgesehen von alten Ansichten, gezeichnet oder fotografiert, welche die Lage eindeutig beweisen, gibt uns auch das öffentliche Grundbuch ganz genau Auskunft.

Mit Kaufvertrag vom 9. Feber 1904, Tagebuchzahl 390/1904 verkaufte die Stadt St.Veit die Parzelle 226 „bürgerliche Schießstätte außer dem Friesacher Tor“ welche Brandsätte war, samt allem An- und Zubehör im unverbürgten Ausmaß von 38 m2 um 20 Kronen an Thomas Jirouschek. Rein äußerlich war es zuvor nicht mehr als ein luftiger Pavillon gewesen. Die Kleinstfläche wird deshalb aus der Kärntner Landtafel EZ 919 (Stadt St.Veit) ab- und der EZ 323 zugeschrieben. Es entstand ein kleines Wohnhaus. Auf Thomas folgte im Jahre 1918 Adolf Jirouschek und auf diesen 1949 Franziska Kowanda im Besitze. Bis 1949 bildete die Bauflächer 226 (ehemalige Schießstätte) eine Besitzeinheit mit dem Hause Schillerplatz 1. Danach bekam besagtes Areal, es handelt sich um das heutige Haus Stiegengasse 3, die neue Grundbuchseinlagezahl 1113.

 Am 21. April 1912 schließt k.k.Notar Dr.Johann Spöck, Bürgermeister seit 1904, das alte Bürgerbuch ganz formell mit folgender Feststellung: „Nunmehr gibt es nur (noch) Staatsbürger. Wer zehn Jahre ununterbrochen unter gewissen Bedingungen in der Gemeinde lebt, muß in den Heimatsverband aufgenommen und im Notfalle versorgt werden. Sic transit gloria mundi!

Ohne Bürgeraufnahmen, ohne Bürger-Eid und ohne Bürger-Brief – die Wehrhaftigkeit spielte ohnedies schon längst keine Rolle mehr – bedurfte es auch nicht länger einer „bürgerlichen Schießstätte“. Auflassung und Verkauf nach Brand waren daher die logische Folge. Doch ganz ohne Schießen, halb Ernst – oft zu ernst – halb Sport geht es nicht. So tritt beispielsweise 1914 eine „Bürgerwehr“ und 1918 nochmals eine solche unter dem Kommando von Hauptmann Premitzer gegen Plünderei in Aktion. Auch ein kurzes Gedenken an die 71 Schützen der St.Veiter Heimwehrkompanie und an deren Kommandanten 1918/19 oder etwa an das Lebensopfer des jungen St.Veiter Studenten Alois Bartl in Sabotnitza, stellvertretend für viele Ungenannte sei hier gestattet.

 2. Die Schießstatt-Allee

Die kennt wohl jeder, denn es gibt sie ja immer noch. Wie sie aber zu ihrem Namen kam, weiß man das auch? In den Aufzeichnungen unserer Gemeinde findet sich eine Quittung über 50 Kronen, welchen Betrag „die Stadtgemeinde im Grunde des §3 des Mietvertrages vom10. Mai 1902 als Mietzins für den Militär-Schießplatz in St.Veit und fürs Jahr 1905 von dem k.k. Militärkommando Graz erhalten hat.“ Das war also der Anfang unten an der Glan, wo die Schießstatt-Allee endet. Am linken Ufer des Flusses befand sich der Schießstand. Geschossen wurde über den Fluß hinweg zum Muraunberg hin. Spätestens mit dem Ende der k.k. Armee muß wohl auch hier jeder Vertrag hinfällig gewesen sein.

Erst wieder in den 20-er Jahren regte sich an besagter Stelle neues Leben. Genaueres darüber ist nicht bekannt, wohl aber, daß das Amt der Kärntner Landesregierung Z. 7224/Präs.I mit Vermerk vom 1.Sept.1932 dem Oberschützenmeister Dr. Robert Baumgartner, Notar in St.Veit zur beabsichtigten Umbildung des SchützenVereines St.Veit/G die Nichtuntersagung erteilt hat. Es muß also einen Vorläufer gegeben haben, den man gründlich umpolte, denn die neue Satzung – verwahrt im Stadtmuseum – enthält unter V. Punkt 5 bereits die Arier-Bestimmung! Auch dafür ist das Ende eigentlich leicht abzusehen. Die Demolierung der Schießstätte erfolgte nach 1950. Der Parkplatz eines großen Wohnhauses und teilweise dieses selbst markieren den ehemaligen Standort.

 3. Die modernen Schieß-Anlagen

befinden sich heute bekanntlich oberhalb der Stadt beim Radinger bzw. etwas weiter ab in Blintendorf. Handelt es sich in ersterem Falle um den offiziellen, 1968 aus Anlaß des 100jährigen Bestandes des Kärntner Landesschützenverbandes neu erbauten Landes-Haupt-Schießstand, Eigentum des besagten Verbandes, so geht es in Blintendorf um eine private, hoch moderne Schießanlage der Familie Marschnig. So lebt die Jahrhunderte alte Tradition fort, und endlich sind wir so weit, daß es genügt, im Schießen nur noch den Sport und eventuell das jagdliche Hobby zu erblicken. Was für eine schöne Zeit für uns und unsere Heimatstadt!

 Walter Wohlfahrt in „St Veit Kommunal“

 

 

 

Bildtexte:

 

  1. Haus Stiegengasse 3 – Aufnahme 2001 W.Wohlfahrt
  2. Von links nach rechts: Schloß Kölnhof mit Allee, Haus Stiegengasse 3,    

Grabenstraße, Grabengärten und Burg – Aufnahme 1914 Prof.Ginhart

  1. Schießstätte an der Glan – Aufnahme um 1930 H.Hammerschlag, Klagenfurt-

St.Veit

 

 

 

 

 

 

 

Unsere Stadtmauer (2)

August 8, 2011 um 15:58 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Herzog Bernhard (1202-1256) hielt sich sehr oft in seiner Residenz zu St.Veit auf und stellte dort mehr als die Hälfte seiner Urkunden aus. St. Veit selbst wurde unter ihm befestigt. 1224 und 1252 wird es als Ort mit einer größeren Gemeinschaft von Bürgern zum ersten male „Stadt“ (civitas), später aber bis 1263 noch wiederholt „Markt“ (forum) und 1268 „fester Platz“ (opidum) genannt. Im Jahre 1228 ist bereits von der Stadtmauer die Rede. – So weit ein wörtlicher Auszug aus Martin Wuttes Aufsatz in Norbert Rainers „Die Stadt St.Veit“ Seite 55.

Wie groß der Stadtumfang damals gewesen sein mag, ist unklar. Karl Ginhart, der große St.Veiter und Kunsthistoriker vertrat die Meinung, der heutige Untere Platz lag außerhalb der Stadtmauer und wurde erst anlässlich einer späteren Stadterweiterung einbezogen. Obwohl es dazu gelehrte Gegenmeinungen gibt, hat diese Ansicht doch einiges für sich! Noch vor jeder Ansiedlung in diesem Bereich musste man doch den natürlichen Verlauf des Baches, der aus dem Erlgraben zur Glan strebte, im Auge haben. Die Gewalt des Wassers ist bis heute Furcht einflößend, auch wenn wir inzwischen die besten Talsperren, Uferschutzbauten und die gewaltige Bachumleitung über die Villacher Vorstadt kennen. Ursprünglich muss sich der zeitweilig recht ungemütliche Nachbar doch wohl nordöstlich der Stadt befunden haben. Hätte sich sonst die alte, inzwischen abgekommene Johannes Kirche als St. Johann im Erlach nennen können? Erlach nennt der Kärntner einen Erlenbestand in Wassernähe. Allen bekannt sind Erlgraben und die Erlgasse.

Damit zum eigentlichen Thema „Stadtmauer“ . Es gibt Experten, die das Mauerwerk fachkundig zu untersuchen in der Lage sind. Diesen sei mitgeteilt, dass es jetzt die einmalige Gelegenheiten gibt, Teile der Stadtmauer auch von innen zu betrachten und zu beurteilen. All zu viel hat man der Mauer durch Anbauten, Durchbrüche und Abriss schon angetan. Jetzt empfiehlt sich jedermann ein Vergleich. Einmal wurde westlich der Bezirkshauptmannschaft sehr schön restauriert. Ein Besuch im Museum St.Veit wäre mit einer Liftfahrt zu verbinden und schon ergibt sich der beste Blick auf diesen Teil der Stadtmauer. Die zweite Möglichkeit bietet sich in der Botengasse. Die Kaffee-Konditorei Taupe hat das ehemalige Sörschen Anwesen erworben. Dieses reichte weit in die Tiefe, hatte einst dort Fremdenzimmer und auch einige ganz berühmte Gäste wie Thomas Bernhard und Ernst Jandl, welche sich beide im Gästebuch verewigten. Herr Taupe macht alles neu, hat aber vor allem diesen unbedeutenden Trakt an der Stadtmauer abgetragen. Vielleicht ist sogar ein schöner Sitzgarten an der alten Mauer geplant? Es wäre ein reizvolles und stilles, im Sinne von verkehrsloses Plätzchen!

Ein Experte könnte nun das Innenleben der zwei Mauerabschnitte studieren und feststellen, ob sich tatsächlich ein verschiedenes Baualter nachweisen lässt. So könnte ein Gelehrtenstreit friedlich beigelegt werden. Auf, auf alle, die sich dazu befähigt fühlen. St. Veit ist immer einen Besuch wert. Die hier gezeigten zwei Bilder mögen der Orientierung und Anschaulichkeit dienen.   V/2010

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