St.Veit/Glan Unterer Platz 10 (Es wird getrickst)

April 20, 2019 um 18:04 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , ,

 

Diese Adresse war vor genau elf Jahren schon einmal Thema und zwar im damaligen Periodikum „Zentrum Kärnten“. Dieses Blatt von F. Knapp mutierte inzwischen auf „Stadt-Blattl“ bzw. auf „Monatsblatt“ jeweils mit größeren Verbreitungsgebieten. Mit dem neuen Titel „Das Kärnten“ und der damit verbundenen deutlichen Änderung der Blattlinie heißt es für mich, von diesem Medium Abschied nehmen. Man hat mich zwar eingeladen, in Zukunft gesamt Kärnten betreffende Beiträge zu liefern. Das will ich mir mit 86 nicht mehr antun. Es ist aber geplant, den Unteren Platz komplett zu machen und dann erst abzuschließen.

Vielleicht erinnert sich noch wer? Ich habe damals berichtet, Herr Mustafa Kemal Yilmaz sei dort eingezogen und hätte sich gerade bemüht, seiner Familie ein neues Heim zu schaffen. Es ist auch so geschehen. Einen langen Bestand gab es nicht dafür. Heute ist von dieser Anstrengung nichts mehr zu sehen!

Stattdessen erhebt sich dort ein riesiger, mehrgeschossiger Geschäfts-Wohnbau, die bescheidenen Häuser der Burggasse weit und selbst noch die Front des Unteren Platzes unpassend überragend. Hier haben sich Sorge um Arbeitsplätze einerseits und ungezähmte Gewinnsucht anderseits zu unheiliger Allianz getroffen. Endlos wurde mit Tricks gearbeitet und dem sensiblen Bereich Stadtmauer und  „Herzogburg“ in keinster Weise Rechnung getragen. Es ist zu fragen, ob da nicht auch die neue Bundesregierung ihre Finger im Spiel hat? Ich konstatiere eine Schonung der Bauwirtschaft zu Lasten der Kultur und ehrwürdigen Stadtgeschichte!!! Auffällig ist schon, dass Bauherren per  Ausschreibung bestimmen können, wer und wie lange hier archäologische Untersuchungen durchführt!!! Ein steirisches Büro rückte an. Unsere Kärntner Fachleute wurden anscheinend vom Erdboden verschluckt. Die erste Bresche in die Stadtmauer zu schlagen war nötig um mit Schubraupen den Bauplatz zu erreichen. Das Abbruch-Material hat kein Fachmann untersucht. Nur aus Zufall konnte darunter eine weiter verwendete Marmor Säulenbasis entdeckt und gemeldet werden.

Was sonst noch alles im Inneren des Steinhaufens schlummert, interessiert niemanden. Diesbezügliche Hinweise von Laien bleiben unbeachtet. Am 12. Juli 2018 berichtete die Kleine Zeitung auf Seite 29 unter dem Titel „Jetzt kommt die Stadtmauer dran“. Ein geradezu prophetischer Titel am Tage des Abschieds des Archäologen mit Überreichung eines Tongefäßes (12.Jhdt.)  an Bauherrn Müller! In einer Sedimentschichte sind noch kleinere Suchgruben zu bemerken, da wird der Hinweis auf möglichen weiteren Inhalt von Herrn Müller so beantwortet: „Da gehen wir nicht tiefer, das bleibt dann alles ohnedies drin.“ (Trick Nr. 2!) Schon mit der folgenden  Ausspülung an der Mauer-Basis ist  der Aushub einer zwei Meter  tiefen Grube zwecks Aufnahme des Spülmaterials verbunden. Dieses Aushubmaterial aus Fundschichten wurde binnen Stunden, völlig unkontrolliert, unbekannt wohin verführt. Diesbezügliche Belegfotos zu machen, war trotz Platzverweis seitens des Poliers Zecic und unbeschadet vorhandener Absperrungen möglich.

Die weitere Abtragung der Stadtmauer auf Fensterhöhe des Neubaus ist vorhersehbar und wird in kürze geschehen müssen. Wenn hier wieder niemand nachsieht, können weitere allfällige  Artefakte unentdeckt im Bauschutt landen. Dabei  ist richtigerweise vom St. Veiter Stadtbrand 1497 gesprochen und geschrieben worden, welcher nach Prof. Dr. Karl Ginhart erst zur Stadterweiterung unter Einbezug des heutigen Unteren Platzes geführt hat.  Angesichts so vieler offener Fragen, die Lage von herzoglichen Hof und ebensolcher Küche betreffend, hätte man sich mehr Auf- und Umsicht wünschen dürfen.

Doch gibt es hier auch Erfreuliches zu berichten, wo sich das Denkmalamt sehr wohl durchsetzen konnte: Die Hausecke Alter Platz – Burggasse mit interessanten Keller und Erdgeschoss Gewölben auf zentralen Säulen, bleibt bestehen. Dies nicht zuletzt dank eines darüber liegenden, sogenannten „Pfosten-Zimmers“ , eine ausgesprochene Rarität im alten Kärntner städtischen Wohnbau.

Das war Niveau nach Ende Untersuchung von Dr. Tiefengraber

 

Die Grube zum Schlemmen wird ausgehoben. Eine nicht (vollständig?) untersuchte schwarze Brandschicht wird zerstört.
Grube gefüllt mit Schlemm-Material. Nicht untersuchte Mauerreste am linken Grabenrand

Schillerplatz it Stern und Volksschule

Am Unteren Platz Nr. 10

März 31, 2012 um 19:49 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
Schlagwörter: , , , ,

 

Diese Realität, bestehend aus einem zum Platz hin ausgerichteten Trakt (Sport Moser) und einem dahinter liegenden Zubau längs der Stadtmauer, welcher in letzter Zeit ein bisschen herabgekommen ist, hat  jüngst den Besitzer gewechselt. Wenn man die Platzfront genau betrachtet, zeigt es sich, dass der älteste Teil (17. Jhdt.) um zwei Fensterachsen gegenüber dem heutigen Gesamtkomplex kürzer war. Das hat seinen Grund darin, dass die Stadtmauer ursprünglich innen einen umlaufenden Wehrgang aufwies, worüber sich die Verteidiger rasch dorthin bewegen konnten, wo es brenzlig war. Kara Mustafa mit seinen Sengern und Brennern bildete bekanntlich lange genug eine große Gefahr. Mit dem Abriss dieser alten Holzkonstruktion – eigentlich schade drum, weil so manche deutsche Stadt ihren Wehrgang behalten hat und man sich daran noch heute erfreuen kann  – nun, dieser Freiraum wurde bald für Zubauten im vorderen und hinteren Bereich genutzt. Schöne Kellergewölbe mit Mittelsäule und kleinen Nischen befinden sich an der Gebäudeecke zur Burggasse, was sich im Erdgeschoß genau darüber fortsetzt.  Jeder Besuch bei Sport Moser erlaubt, einen Blick darauf zu machen. Der Hauptdachboden ist riesengroß und weist gegen den Platz hin eine langgezogene Öffnung auf, warum wohl?

Es handelt sich bei diesem Haus um die ehemalige Heimstatt eines Fleischhauers. Der brauchte einen luftigen Platz für seine Viehhäute. Zwei Brüder namens Johann und Franz Wahrheit kamen laut Familien-Chronik im Jahre 1618 nach St.Veit, der eine ein Fleischhauer, der andere ein Bäcker. Während die Linie des Franz zu Beginn des 19. Jhdt. ausstarb, floriert die Johann-Linie bis heute. Das Haus am Unteren Platz gehörte über Generationen der letztgenannten Linie. Mindestens neun Wahrheite erhielten in  St. Veiter Bürgerrecht,  davon war Andreas (1633) erster und Franz (1844) letzter. Ein früherer Franz, Bürgeraufnahme 1823, wird dabei Besitzer von Haus Nr. 73 (heute Herzog Bernhard Platz 4) genannt. Von einer besonderen Beobachtung darf noch berichtet werden. Als man parallel zur Stadtmauer den Zubau aufführte konnte oder wollte man, die Gewölbe nicht auf die Stadtmauer abstützen. Mann zog eine eigene Wand hoch, mit dem Ergebnis, dass zur Stadtmauer hin ein Hohlraum entstand, der sich Richtung Burg hinzieht. War das vielleicht Anlass für das Ammen-Märchen, wonach es in diesem Bereich eine unterirdische Verbindung nach außen gegeben habe? Egal ob dieser Gang unter oder durch den Stadtgraben geführt haben mag,  es war keines von beiden denkmöglich.

Übrigens, heuer ist ein Gedenkjahr! Vor 60 Jahren lautete die Adresse hier für sieben Jahre  „13. März Platz, Haus Nr.10“!  Wie doch die Zeit vergeht! Heute erlaube ich mir, den neuen Hausherrn willkommen zu heißen. Es ist dies Herr Mustafa Kemal Yilmaz. Der sympathische Mann kommt mit Frau und zwei Kindern über England, wo er einige Zeit gelebt hat, zu uns. Er ist wie sein Bruder Mehmed (Hauptplatz) Cypern Türke und wird nach dessen guten Beispiel seinerseits  ein bis dato wenig gepflegtes Anwesen in der Stadt modernisieren und verschönern. Glückliche Stadt, die Du keinen Wehrgang mehr nötig hast, denn friedliche, freundliche und  fleißige Türken sind bereits innerhalb Deiner Mauern und tun nur Gutes!                                                                                                                                 V/2008

Erstelle kostenlos eine Website oder ein Blog auf WordPress.com.
Entries und Kommentare feeds.