Der St. Veiter Ziegelstadel

März 31, 2012 um 19:38 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Die historische Ziegelproduktion ist zum Gegenstand eines recht jungen Forschungsgebietes geworden, wobei man in Wien schon etwas weiter ist als bei uns in Kärnten. Immerhin, an die 160 Kärntner Ziegeleien scheinen im „Vorläufigen Verzeichnis der Kärntner Ziegeleien – Stand 18.9.2006“ von Gerfried H. Leute und Mitarbeitern bereits auf und ein Ziegelmuseum in  Schloss Ehrental gibt es auch schon! Franz Pehr nennt in seiner Geschichte der Produktionsverhältnisse Kärntens, 1909 auf Seite 100 es gäbe zur Zeit 99 Ziegeleien mit insgesamt 1061 Arbeitern.

Das im Weichbild der Stadt St. Veit bestandene Werk August Vorabergers scheint im genannten Verzeichnis auf, nicht jedoch der schon im Zehentregister Schloss Weyer 1612 mehrfach genannte, zu näherer Bezeichnung der Lage von Wiesen und Äckern herangezogene ZIEGELSTADEL. Weil im Jahre 1612 der Ziegelstadl   n a c h   Grundstücken „bey Schwarzfurt“ und  v o r  Grundstücken „Pueller“ und  „Puellermühl“  gelistet wird, war seine Nähe zum heutigen Reidenwirt eigentlich immer schon klar. In der Tat ist die ganze Gegend vom Wigisser in Mailsberg (Lehmgrube und Ziegelei bekannt!) nordostwärts bis zur Millenium-Siedlung mit reichen Lehmvorkommen gesegnet. Dies erschwerte auch die Fundamentierungen der Neubauten im Jahre 2000 ganz außerordentlich. 

Zur Begriffsbestimmung des Wortes Stadel darf vielleicht gesagt werden, dass es sich dabei im alten Verständnis zum Unterschied von Stall um ein hölzernes und kein massives Bauwerk zur Unterbringung von Fechsung und Gerätschaften handelte. Ein Stadel konnte dem Stall aufgesetzt werden, aber auch für sich alleine stehen. Er konnte bäuerlichen und gewerblichen Zwecken dienen. Erst in der Folge wurden auch die Aufbauten massiv ausgeführt. Jedenfalls darf man sich von einem alten Ziegelstadel keine besonderen Überreste in der Landschaft erwarten. Auch ist mit Gewissheit anzunehmen, dass die Ziegelproduktion in diesen Fällen nicht eine permanente war, sondern eine, die man von Fall zu Fall, je nach Bedarf betrieben hat. Dies erklärt auch, dass sich nur wenige Nachrichten darüber finden. Die schönste liegt im Stadtarchiv Sign. S 044/F20/19. Es handelt sich dabei um ein Extrakt, d.h. um eine spätere Abschrift eines Originals von 1751 mit folgendem Wortlaut:

„Extract deren 6jährige Ziegel Stadls Erträgnisse. Massen selber allererst nach von Gott dem Allmächtigen verfügten Straf der Anno 1747 entstandenen Feuersbrunst errichtet worden, so kann /  da bis an dato nicht mehr denn per 54 Gulden Ziegel verkauft worden / kein ander Erträgnis angesetzt werden als diese 54 Gulden, von dem das Sechstel 9 Gulden (ausmacht). Und um alles obige nach der Gott gefälligen Wahrheit und gewissenhaft beansagt (einbekannt) werde, beglaubigen Endunterschriebene mit eigener Hand und Versiegelung. So geschehen Stadt St. Veit den 26. April 1751 Kammerstadt Bürgermeister, Stadtrichter und Rath“

Ob nun die Stadt selbst oder ein Dritter den Ziegelbrand betrieben hat, geht daraus nicht eindeutig hervor. Die Stadt als Unternehmer wäre aber in Anbetracht der eigenen Gruben- , Werks- und Hüttenanteile am Kärntner Erzberg nichts Ungewöhnliches. Dass mit dem Ziegelmachen überhaupt erst nach dem vorletzten Stadtbrand begonnen wurde ist angesichts des obigen Zehentregisters wohl unrichtig, verdeutlicht aber eine sehr lange Produktionspause, sodass man sich an ältere Aktivitäten nicht mehr zu erinnern vermochte. Hartnäckiger hielten sich hingegen Einträge wie im Josephinischen Flurbuch von 1788 „Ziegelacker des Anton Mailänder, St.Veit Haus Nr.9, dient der Stadtpfarre“ oder das Alte Grundbuch der Kammerstadt St. Veit „Acker bei der Ziegelstatt nordwestlich vom Reidenwirt 1829 von Mathias Wutte, Plankert in Treffelsdorf gekauft“

Der Mappenausschnitt (siehe Abbildung!) der Gegend rund um den Reidenwirt zeigt das von Treffelsdorf herabkommende Bächlein. Es bildet nicht nur die Gemeindegrenze gegen Frauenstein, es hat auch einst die Pueller Mühle angetrieben. Irgendwo links oder rechts des Gerinnes muss also der Ziegelbrand vonstatten gegangen sein, wobei die komische Form der Parzelle 437 durchaus Ausdruck einer Lehmgrube sein könnte.                            VI/2008

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Die Stadt-Burgfried-Bereitung von 1673

August 8, 2011 um 15:22 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Vor dem Haus Kastenhofer

Burgriedstein, nicht in Loco

So titelt Schulrat Raimund Dürnwirth einen Aufsatz in der Carinthia I des Jahres 1901 und schildert darin sehr anschaulich, was sich am Montag, den 10. April 1673 rund um die landesfürstliche Stadt St.Veit zugetragen hat. Wer kennt noch R. Dürnwirth? Wer hat schon die alte Carinthia zum Hernehmen und wer kann sagen, was unter der Burgfried-Bereitung gemeint ist? Also der Reihe nach: Dürnwirth lebte von 1835 bis 1907 als Realschulprofessor und Heimatkundler in Klagenfurt (Anton Kreuzer, Kärntner Biographien 2004, S. 45). In einer Sammlung alter Handschriften des Geschichtsvereines fand er auf leer gebliebenen Zwischenblättern Aufzeichnungen aus dem 17. Jhdt.  eines ungenannten Chronisten aus St. Veit und hat diese den Lesern von 1901 zugänglich gemacht.

Standort Treffelsdorf, gering dislociert

Burgfriedstein

Was heißt „Stadt-Burgfried-Bereitung“? Spätestens mit der Verleihung von Bann- und Acht (1457), war die Stadt und ihr näheres Umfeld zum selbständigen Burgfried geworden, also der Gerichtsbarkeit der umliegenden Grundherrschaften entzogen. Desto wichtiger war es, den genauen  Grenzverlauf zu kennen bzw. im guten Einvernehmen mit den Nachbarn von Zeit zu Zeit abzuschreiten bzw. zu Pferde zu „bereiten“. Es ist bekannt, dass man die von Mauern gesicherte Siedlung auch Burg, die Bewohner folglich Bürger nannte, die aber außerhalb der Mauern noch Wiesen, Äcker und Weiden benötigten, um auch wirklich unabhängig sein zu können.

Am oben genannten Tage versammelte sich nach Weckruf durch Drommelschlag die bewaffneten Stadtbürger, 40 Mann zu Pferde und 140 Mann Fußvolk unter ihren Offizieren und Korporälen – zwölf an der Zahl (!) –  am Platze um bald durch das Villacher Tor hinaus zum Schwarzfurter Kreuz zu ziehen. Viel Volk und Jugend begleitete das städtische Aufgebot. Der Chronist schreibt vom genannten Kreuz „wo der Weg nach Herzendorf bzw. nach Projern abzweigt“. Tatsächlich ist im ältesten Kataster noch eine Straßeneinmündung von Süden her erkennbar, die schwarze, die moorige Furt also nicht weit. Der Pfleger von Frauenstein wurde mit Handschlag begrüßt, er sollte nun ein gutes Stück Begleiter sein. Zuvor wurde noch ein Markstein gesetzt, geschossen und – zum Gaudium der Jugend – eine Handvoll Münzen aufgeworfen. Dieser Brauch wurde im Verlaufe des Tages noch an mehreren Stellen wiederholt. Der Weg führte über Treffelsdorf – Pöllinger – Petschenegg (unter heutigen Radinger) zum „Doplspiller“ (heißt eigentlich Falsch-Spieler, Schwindler!) heute Doppelspichler und „unter Zensweg“ bis Hungerbrunn (heute Hunnenbrunn). An dieser Stelle lagerte man, um die Teilnehmer mit 300 Labl Brot und 6 Zuber Bier zu laben. Wie passend ist doch der alte Name Hungerbrunn! Ausgeruht und gestärkt wurde die Grenzbeschau fortgesetzt. Inzwischen wurde der Frauensteiner vom Osterwitzer und Taggenbrunner Pfleger, begleitet von Jägern und Bauern, abgelöst. Von Tratschweg ging es über Tschirnig (zu deutsch „Schwarzen“) über die „Hefferl“-Brucken (später Käferl-Brücke) zum mächtigen Kreuz und weiter nach St. Andrä, wo es allerhand Unstimmigkeit mit den Osterwitzern gegeben hat. Bald danach waren die Karlsberger Nachbarn gestellt und Zeugen des Grenzverlaufes über den Muraunberg nach Unterbergen und bis zum morgendlichen Ausgangspunkt am Schwarzfurter Kreuz.

Abschließend noch ein Wort zu den Marksteinen, den sogenannten „Burck-Frit“ Steinen. Sie sind zum größten Teil verloren oder „versunken“. Sie stimmen der Jahreszahl nach auch nicht immer mit den in St. Veit geprägten Aufwurf-Münzen überein. Ein Besuch des St. Veiter Museums am Hauptplatz ist auch in diesem Zusammenhang sehr zu empfehlen. Das Lapidarium im Hof zeigt einen sehr schönen, dreieckigen Stein mit der Jahreszahl 1572. Dieser kam an einer Stelle zur Verwendung, wo zwei Nachbarn zugleich an die Stadtgrenze stießen. Ein weiterer Stein, datiert 1674 trägt auf einer Seite „BSV“ d.h. Burgfried St. Veit, auf der anderen LH mit O eingeschlossen, für Landgericht Hochosterwitz. Die Abweichung um ein Jahr kommt davon, dass erst nach Streitbeilegung neu vermarkt werden konnte. Im Museum ist noch ein dritter Stein (St. Veit – Hochosterwitz) datiert mit 1750. Zwei Burgfried-Steine hat der Verfasser dieser Zeilen aufgespürt. Beide tragen sie die Jahreszahl 1638. Damit ist nebenbei nachgewiesen, dass sich Dürnwirth irrt (Fußnote 3) und nicht der alte Chronist. Ein Stein mit „Sanct Ve.. 1638“ steht in situ in Treffelsdorf direkt am Maria-Pulster-Weg gegenüber dem FF-Rüsthaus, links der Hofeinfahrt. Der Stein muss schon öfter angefahren worden sein. Er hat einen höchst gefährdeten Standort. Es wäre sehr zu überlegen, ob nicht das Museum in St. Veit ein sicherer Bleibeort wäre, oder ob man ihn am jetzigen Platz mit entsprechender Sicherung lassen sollte. Der zweite hier abgebildete Stein „Burch Frit Sant Veit 1638“ erscheint gut gesichert vor dem Vermessungsbüro Kastenhofer-Schweizer. Die Jahrzahl ist eindeutig, steckt aber zu tief im Asphalt und ist deshalb schlecht lesbar.                                                            IV/2010

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