Zur Wirtschaftsgeschichte von St.Veit/Gl

Juni 12, 2017 um 18:05 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Pogatschnig, des Ledermachers Besitztümer

 Andreas Pogatschnig (Pogacnik  1830-1907) war Wirtssohn und Lederer,  stammte aus Dobrova in Krain und kam in jungen Jahren nach St. Veit.  Aktenkundig wurde er hier, als er 1860 mit Johanna,  Witwe nach Eduard Kronegger, dieser einst ebenfalls Lederermeister Hauptplatz 4, seine erste Ehe einging. Dabei nannte er sich ganz stolz „angehender Besitzer des Hauses Weitensfelder Vorstadt 4“, richtig laut Kaufvertrag  Haus Nr. 13,  später unter Adresse Haus Friesacher Vorstadt 10 geführt. Es handelte sich dabei um seine erste Betriebsstätte mit Gerbgruben  an der Grabenstraße, ungefähr zwischen heutigem Finanzamt in Sponheimer Straße und der Spital Gasse gelegen.  Das mit Werkstätte, Kalkmagazin,   2 Lohemagazinen hatte laufendes Wasser und ein Ausmaß von rund 1 Hektar.  

 Schon sechs Jahre später erwarb Pogatschnig von Franz Kraschnig  die Liegenschaft EZ 24 KG St.Veit,  laut  späterer Schätzung  von 1907 bestehend aus „Gebäude ganz gemauert, ein Stock hoch, unterhalb ist eine gewölbte Schmiede, jetzt Kammer, dann eine gewölbte Rauchküche mit offenem Herd darin  eingemauerter Rübenkessel, ein Erdäpfel-Keller, 3 gleiche Lokale für Holz, dann ein großer Gemüsekeller mit drei Fenster. Über eine gemauerte Stiege kam man von der Gassenseite in den ersten Stock, rechts ist ein Getreidemagazin, gewölbte Zimmer und Küche und Speis etc.etc.“

Dazu gehören die umliegenden landwirtschaftlichen Flächen im Ausmaß von mehr als 3 ha.,

1871 kommt es gleich daneben zum Bau eines Stadels, „ganz gemauert und mit Ziegel gedeckt, von der Straße aus gelangt man über eine gewölbte Stadel-Brücke in denselben, unter der Stadel-Brücke eine Schweine-Stallung mit 4 Abteilungen, der große Stall ist gewölbt mit Durchfahrt, steinernen Säulen, fließendem Wasser und bietet Raum für 30 Stück Rindvieh, Tenne mit Futterwurf, Eingang  (in die Tenne) nur von der Straßenseite, Futterbarren und Gebatter“

 

Pogatschnig Stadel von Bäumen verdeckt,  in jüngerer Zeit zu Wohnhaus Gerichtsstraße 1 umgebaut    

u. rechts dahinter das Gurker Stöckl, Gerichtsstraße 3, umgebaut 2015-16  

1887 wurde der Besitz um den angrenzenden „Lichtensteiner Acker“ mit rund 2 Hektar erweitert.

Im Erlgraben, später Vituspark, wurde Bachwasser am nördlichen Hang entlang geleitet. So entstand auf Höhe des ehemaligen Lazarettes ein brauchbares Gefälle. Dort stehen heute noch zwei Gebäude, man nannte diese einmal die Obere- und die Untere Tappermühle. Eine davon wurde von Pogatschnig zu einer Lohstämpfe umgebaut. Aus Baumrinden wurde Gerberlohe gemacht, dies nicht nur für den Eigenverbrauch, auch zum Verkauf. Daneben nennt 1905 der Amtskalender auch die protokollierte Firma Stephan Kleinszig, Inhaberin Maria Kleinszig als Erzeugering von Lohe. Diesmal wohl in Verbindung mit einem Sägewerk.

Das Wohnhaus der Familie befand sich am Hauptplatz Nr. 4 – heute Holzmann. Dieses reicht heute noch vom Platz bis in die Bräuhausgasse. Die gassenseitige Front ist länger als die Platzseite. Es  steht dort heute ein eigenes Wohngebäude. Über den kleinen Hof führte einst eine Holztreppe hinauf in den Arkadengang, welcher das Vorderhaus mit dem Hinterhaus heute noch verbindet. Platzseitig zu ebener Erde befand sich ein Lederwaren-Geschäft, dahinter Magazine und Arbeitsräume.  Stall und Tenne lagen an der Gasse. Im Obergeschoss von vorne nach hinten zu befanden sich Wohn- und Schlafräume der Familie, nach hinten zu Dienstbotenzimmer.

 Im Jahre 1905 gab es in der Stadt laut Kärntner Amts- und Adress-Kalender noch 22 Schuhmacher. Daneben  einen Sattler und Riemer. Taschner wurden nicht mehr genannt. Ebenso, wenn auch weniger zahlreich waren die Schuster in den Nachbarorten. Alles was in diesen Sparten an Rohmaterial gebraucht wurde, konnte von Pogatschnig, aber auch bereits von Johann Trixner, Leder- und Schuhmacher-Zubehör-Händler bezogen werden. Die aufkommenden Lederfabriken, wie Neuner in Klagenfurt wurden aber mehr und mehr zu empfindlichen Konkurrenten. Die Tage eines lokalen Ledermachers waren also  gezählt.

Die Zeit der Schuhfabriken, der Konfektionsware und der örtlichen Schuhhändler rückt immer näher. Das bringt große Veränderungen bei Beschaffung erhöhter Mengen von Lohe ebenso wie von Roh-Häuten. Das wird dazu führen, dass einerseits entlang der Eisenbahnlinien, nahe entsprechender Wälder die sogenannten Rinden-Hütten aus dem Boden wachsen, mit deren Hilfe die Fabriken das Aufkommen des Gerbmittels in eigenen Hände nahmen, anderseits eine neue Sparte von Zwischenhändlern entsteht. Letztere sammelten das regionale Aufkommen bei den Fleischern, lagerten nur kurz und lieferten den Fabriken zu. Im Hofe der Firma Trixner hat es einen entsprechenden Umschlagplatz geben.

 

Über Ziegelbrenner um unserere Stadt

Ganz abgesehen davon, dass schon die alten Römer den gebrannten Lehmziegel kannten, die vielen Backstein Häuser in Europa, ja sogar Kirchenbauten in diesem Material schon lange Zeit bestehen, nannte auch St. Veit als Stadt  einst einen „Ziegelstadel“ ihr Eigen. Um das Jahr 1747 herum war er temporär aktiv. Darüber wurde schon berichtet. Zahllos waren wohl auch  einmal  die Ziegelöfen über ganz Kärnten verteilt. dazu gehört auch jener des Viktor Wigisser in Mailsberg, westlich der Stadt mit seiner berühmten VW Bezeichnung. Heute geht es um die ehemalige Ziegelei Keutschachhof. Es liegt diese zwar schon knapp im Gemeindegebiet von St. Georgen am Längsee, die letzten Betreiber waren allerdings St. Veiter.

Basis für die dort feststellbare Betriebsamkeit im Ziegelmachen, war ein für damalige Zeiten relativ ergiebiges Lehm-Vorkommen. Dieses erstreckte sich von der Brückler-Straße in nördlicher Richtung fast bis zum Burgberg von Taggenbrunn. Der Geländeeinschnitt  wird dort seit 1912 von einer großen Eisenbahnbrücke überspannt. Burgberg und Brunnen, wie passt das zusammen? Was der heutige Besitzer im Burghof von allem angesammelten Unrat  säubern ließ,  war wohl kein Brunnen im herkömmlichen Sinn, sondern  eine Zisterne. Eine solche sollte das Niederschlagswasser sammeln. Damit es sich auf steinigem Untergrund nicht zu bald verliert, hat man den klüftigen Boden möglicherweise mit Lehm ausgekleidet. Bedenkt man, dass in Kärnten „tachenes“ schriftsprachlich „tönernes“ Geschirr  aus Lehm hergestellt, oder auch Kachelöfen damit verschmiert wurden, ergibt sich eine neue, wenn  nicht gar plausiblere Erklärung des Burgnamens, als bei E. Kranzmayer. Auch eine Quelle frischen Wassers gibt es, also einen Lehm- oder Tachenbrunnen.   Von demselben eilt ein kleines Bächlein an der Ziegelei vorbei,  der Glan zu. Der Namen der Ziegelei stammt vom darüber gelegenen Landtafel-Gut namens  Keutschachhof. Dieser Hof bildet zusammen mit dem Areal der ehemaligen Ziegelei heute  noch eine Besitzeinheit. 

Die Chronik von St. Georgen/LS, 2007,  Seite 341 weiß von zwei benachbarten Ziegeleien, die schon 1830 bestanden. Eine im sogenannten Pulawald, die andere im  „Ziegelgraben“, letztere ab 1884 Keutschacher Ziegelofen genannt. 1897 lässt Karl Premig aus Goggerwenig (auf fremden Grund!?) die Ringofenziegelei Keutschachhof errichten.  Der Pulawald hingegen liegt südlich davon und hatte einmal einen eigenen Glan-Übergang, die sogenannte Häferl-Brücke, verschrieben in Käferlbrücke. Eigentlich wiederum ein Hinweis auf die tachenen Häferl! Auf Franz Freiherr von Rayer, von 1859 bis 1885 Eigentümer von Taggenbrunn und Keutschachhof  folgte 1890 Stefan Kleinszig (Jahrzahl mit S.K. am großen Stadel) im Besitze der Burg. Eine Faktura von 7.9.1920, ausgestellt von „Ringofenziegelei und Landtafel Gut Keutschachhof der Marie Jergitsch, Klagenfurt“ belegt eine neue Gewerbsinhaberin. Frau Jergitsch hat wohl mit Jergitsch Ferdinand (1836-1900) zu tun? Unter ihm  hat Klagenfurt bekanntlich die erste Freiwillige Feuerwehr im alten Kaiserreich erhalten. 

1934 beginnt hier die große Zeit des August Voraberger, einem Getreidehändler und Gastwirt von St. Veit. Noch sind die Zeiten wenig rosig, aber 1938 erfolgt plötzlich der geschäftliche Durchbruch. Ein Foto in oben genannter Gemeindechronik zeigt auf eindrucksvolle Weise, dass es über zwanzig Beschäftigte gab, darunter sieben Frauen. Aber bald gab es Krieg, Einrückungen und Produktionsdrosselung. Dass es nach Kriegsende, angesichts der vielen Bauschäden bald wieder aufwärts ging, belegen die folgenden Fotos.

 

Gottlieb Koch im Abbau-Gebiet:
        Modernes Gerät im Abbau

Vorgetrocknete, noch ungebrannte  Ziegel werden zum Ringofen gebracht:

src=“https://altstveit.files.wordpress.com/2017/06/hans-valent-u-kollegen1.jpg?w=202″ alt=““ width=“202″ height=“300″ />Schweres Gerät:

Besuch bei Familie Strasser, dahinter der Ringofen:

August Voraberger, geboren 1891, war schon früh vaterlos, er wird auf eigenen Wunsch  am 7. Feber 1912 vorzeitig gerichtlich für großjährig erklärt. Wie Schwester Rosina, bekommt auch er den väterlichen Pflichtteil von 1.145 Kronen zugesprochen. Eigentümerin wird zunächst Mutter Maria mit der Verpflichtung, ihren Sohn nachfolgen zu lassen. Letzteres geschieht im Jahre 1924. Als junger Getreidehändler und Gastwirt ist die Höhe seines Real-Vermögens noch durchaus überschaubar. Neben Gasthaus und Stallungen gibt es noch ein zweites Wohnhaus an der Reichsstraße, eine hochmoderne Kegelbahn im ehemaligen Stadtgraben und Gemüsegärten. Der Getreidehandel dürfte sich nach Ende der Inflationszeit gut angelassen haben. Sprichwörtlich gehört Voraberger bald zu den einzigen drei St. Veitern, die Geld haben. Ja er wird auch rasch zum Geldgeber bzw. zum Geldverleiher. Sehr vorsichtig werden Darlehen nur gegen grundbücherliche Sicherstellung gewährt. 1934 ist innenpolitisch ein spannendes Jahr, nicht so für August, er kauft sich ein Landtafelgut am Stadtrand und die dort befindliche Ziegelei, nebst Landwirtschaft gleich mit. Die Nachfrage nach Mauerziegel wird sich wohl noch in Grenzen gehalten haben, doch es kommt ja bald 1938! Absatz und Beschäftigtenzahlen werden dann rapide steigen. Noch ist es nicht so weit, Gasthaus und Landwirtschaft ergänzen sich gut. Es gibt weder Mangel an flüssigen Mitteln noch Probleme bei Vermarktung von Korn und Vieh wie überall sonst! 1938 wird im Zuge des neuen Erbhofgesetzes amtlich abgefragt. Vorabergers Besitz ist inzwischen durch Zukäufe auf 210 Hektar angewachsen.
Kriegs- und Nachkriegszeit wird schadlos überstanden. Der bald einsetzende Neuaufbau kommt der Ziegelproduktion sehr entgegen. Doch gemach! Auch andere Ziegeleien, vielfach mit günstigeren Lehmlagern und besserer Verkehrslage treten auf den Plan. Investieren ja, aber nicht zu viel? Wird es sich rechnen oder ist das Rohmaterialvorkommen bald zu klein?
Diese Fragen werden zu bald die Nachkommen beschäftigen und von diesen hoffentlich richtig eingeschätzt werden. August Voraberger wird nicht alt. Er stirbt 1955 mit 64 Jahren. Was er hinterlässt ist äußerst zwiespältig. Ein großes Vermögen ist wohl da, doch die Erbfolge durch familiäre Defizite sehr schwierig. Der Geschäftssinn war viel stärker als der Familiensinn. So musste es kommen, dass binnen weniger Jahre alles komplett zerfiel.

Auch das gehört zu St. Veiter Wirtschaftsgeschichte

Man stell sich vor, unsere Stadt hatte noch keinen einzigen Großmarkt! Viele kleine Läden sorgten dafür, dass jeder Käufer finden konnte, was er suchte. Sogar Markenartikel konnte man kaufen. Weil die Firmen noch keinen großen Aufwand für Werbung trieben, waren gerade einmal die Rechenzettel mit mehr oder weniger ansprechenden Bildern gratis zu haben und sie taten ihre Wirkung, wie man hier sehen kann.
Einen Zeithorizont 1933-37 habe ich in einem durchschnittlichen Haushalt gesammelt und mein Freund Rudi Wadl hat das Gesammelte dankenswerterweise digitalisiert. Viel Vergnügen in unser beider Namen:

Von alten Ledermachern

März 12, 2015 um 09:46 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Gott segne das ehrsame Handwerk!
Das war der Gruß unter den Mitgliedern der großen Kolping-Familie, „Gott segne es“ die Antwort darauf. Adolf Kolping (1813-1865) war katholischer Priester und Sozial-Pionier. Von ihm stammt die Idee, allen Handwerkslehrlingen und –gesellen, welche ihre vertraute Umgebung verlassen mussten, um in der nächst größeren Stadt Ausbildung und Arbeit zu finden, ein neues und umsorgtes Zuhause zu geben. Schon während der kurzen Lebenszeit des Gründers, schossen Kolping-Heime in vielen großen und mittleren Städten aus dem Boden. Unter Stadtpfarrer Felix Fiebinger kam es sogar bei uns in St. Veit zum Bau eines Vereinshauses und zu kurzzeitigem Bestand einer Einrichtung alla Kolping für die Jünglinge der verschiedensten Gewerbebetriebe.
Von der einstigen Vielfalt und Buntheit des Gewerbelebens innerhalb unserer Stadt ist nur noch wenig übrig. Oder können Sie mir auf die Schnelle einen Lederer, einen Schuster in der Stadt nennen? Gerade von diesen zwei Sparten soll aber heute die Rede sein. Man kannte sie wohl Jahrhunderte lang. Seit mehr als 500 Jahren gibt es die gar nicht so soltenen Familiennamen „Lederer“ oder „Schuster“. Nicht so oft bei uns, wohl aber in Deutschland die Herren und Damen mit Namen „Schuhmacher“ . In Österreich zeigte es sich erst relativ spät, dass ein Schuhmacher mehr galt als ein Schuster, schon gar als ein Flickschuster und ganz leicht konnte man einen Herrn Schuhmacher-Meister mit der falschen Anrede kränken.
Wie zahlreich sie einst waren und wie wenig empfindlich, vielmehr wie stolz auf ihren Stand, die Schuster von St. Veit, beweist der Bestand ihrer Bruderschaft zusammen mit den Ledermachern seit 1419. In Friesach begegnete man ihnen noch früher. War wohl auch die Stadt etwas älter als St. Veit. Kurzum, die Bruderschaften regelten nicht nur das Lehrlings- und Gesellenwesen bis hin zur Meisterwürde. Sie hatten selbstverwaltete Besitztümer wie Häuser, Äcker und Wiesen zum Verpachten, regelmäßige Zusammenkünfte, Andachten, Begräbnis und Gedenkmessen, Aufmärsche mit Fahne usw. Als es unter Kaiser Josef II zur Auflösung nicht nur der Klöster und Stifte, sondern auch der leicht religiös angehauchten Bruderschaften kam, wurde der aktuelle Jahresertrag mit mehr als einhundert Gulden bewertet. Was anderen Ortes in den neu geschaffenen Religionsfonds zu fließen hatte, wurde im Falle der Schuster und Lederer Bruderschaft anders geregelt. Ihre Mittel waren in die städtische Armenkasse abzuführen. Das konnte man in so ferne akzeptieren, als die Armenkasse das Bürgerspital zu tragen hatte.
Zu der Zeit waren die Ledermacher zwar noch immer nicht an der Zahl, sehr wohl aber an Wohlhabenheit den Schustern haushoch überlegen. Hatten die Schuster immer die gleichen Klienten zu bedienen, wobei sich nicht jedermann Schuhe leisten konnte und insbesondere die Mägde und Knechte eher billige HolzZockel bevorzugten, so konnten sich die Lederer ihre Abnehmer förmlich aussuchen. Dazu gehörten nämlich neben den Schustern noch die Gürtler, die Taschner, Sattler und Riemer. Die Ledermacher waren eigentlich Gerber, obzwar man sie abgesehen von den Weißgerbern (Irchern) im Steuerprotokoll von 1750 noch nicht so genannt findet. Folglich ist hier und heute auch nicht etwa von einem reichen Schuster oder Schuhmacher, sehr wohl aber von einem zu großem Vermögen gekommenen Ledermacher zu berichten. Wir sprechen von Andreas Pogacnik aus Dobrova in Krain. 1830 als Wirtssohn dort geboren, erlernte er den Umgang mit Rindenlohe und Gerbgrube. In St. Veit verlor gerade Johanna Kronegger, geborene Kalischnig, ebenfalls aus Krain (Neumarktl) stammend, ihren Ehemann Eduard, gewesener Lederermeister und was lag da näher, sich bald wieder einen neuen Mann für Betrieb und Bett zu suchen. Da kam Andreas gerade recht! 1860 entschloss sich Andreas, jetzt mit geschönten Namen Pogatschnig um die reiche Witwe Johanna zu werben, dabei legte der Bräutigam großen Wert darauf, in der Matrikel als „Lederer und angehender Besitzer des Hauses Weitensfelder Vorstadt 4“ (heute Gerichtsstraße 1 bezeichnet zu werden. Das lässt sich auch so verstehen, dass er in der Lage war, das Vorstadthaus aus eigenen Mitteln zu kaufen. Was dieses Gebäude zur Zeit des Kaufes darstellte, sicher kein reines Wohnhaus, wird sich noch zeigen. Zur Bürgeraufnahme kommt es schon 1862 und es spielte dabei nicht die geringste Rolle, dass er landfremd war. Das Stadthaus am Hauptplatz (später Konditorei Holzmann) lief noch eine Zeit auf Namen Johanna Kronegger/Pogatschnig. Erst 1873 folgte ihr Witwer Andreas im Besitze nach. Als auch Andreas am 1.4.1907 das Zeitliche segnete und sein Verlass geregelt wurde, erfährt man, dass er neben seiner zweiten Ehefrau Ottilie, geborene Pirker, drei erwachsene Nachkommen aus erster und vier Unmündige aus zweiter Ehe hinterlassen hat. Es sind dies der Reihe nach Heinrich, Lederfabrikant in Villach, 30 Jahre alt, Johanna, St. Veit, 29 Jahre, Ottilie, St. Veit 27 Jahre bzw. Franz 24, Andreas 21, Leopoldine 19 und Anna 14. Die Hinterlassenschaft, kurz beschrieben, besteht aus dem Hause Nr. 4 am Platz, dem „Marhof“ in der Weitensfelder Vorstadt, aus der Stämpf, irgendwo am Obermühlbach und Fahrnissen. Der Gesamtwert des Nachlasses betrug rund 120.000 Kronen.
Als es um die Mitte der zwanziger Jahre die Stadtverwaltung für richtig hielt, allen Straßen, Gassen und Wege Namen zu geben, wurde die kurze, hausnummern-lose Verbindung vom Hauptplatz zur Bräuhausgasse, Pogatschnig-Gasse getauft. Es wäre schön, hätte man bei Vergabe von Straßennamen auch ein wenig besser Protokoll geführt. Heute vermag nicht einmal die Kulturabteilung zu sagen, wer die Straßennamen vorgeschlagen und warum diese so beschlossen wurden, welcher Pogatschnig damit gemeint ist. Man kann nur vermuten, dass aus Dankbarkeit für die zeitgleiche Überlassung des Baugrundes zum neuen Bezirksgericht aus den sogenannten „Pogatschnig Gründen“ – über bürgerlichen Antrag der Beschluss gefasst wurde, eine Pogatschnig Gasse zu schaffen. Es gibt noch mehrere Beispiele von sogenannten Gassen und Wegen ohne Bedeutung die für ehemalige Bürger von St. Veit mit klingenden Namen reichen mussten z.B. Prof. Karl Ginhart, Dr. Sebastian Weberitsch oder Leo Knaus. Es fällt schwer, dabei an Zufälle zu glauben, eher ist es wohl ein Zeitbild und eine Reminiszenz, dass sich Stadtverwaltung mit eindeutiger Mehrheit und Bürgertum nicht immer ganz hold gewesen sind.
Wie gezeigt, hat der Sohn des Ledermachers daheim schon keine Zukunft mehr gesehen und ist deshalb nach Villach gezogen um dort mit einer Fabrik, einer Lederfabrik zu beginnen. Dazu muss man bedenken, was sich inzwischen in der großen weiten Welt so alles verändert hat. Die Ansprüche der Leder-Abnehmer in Bezug auf Qualität, bei gleichzeitigem Preisverfall wurden immer größer. Kein Wunder das der Weg von der örtlichen Produktion rasch weg zur Region und bald zu Internationalität hinführte. Benötigte die Lohgerberei noch Monate bis zum Fertigprodukt, so erlaubten neue Verfahren auf chemischer Basis die sogenannte Schnell-Gerberei. Da blieb für den Lederer alter Schule einfach kein Platz mehr. Sie wären auch nicht in der Lage gewesen, die nun verlangten Quantitäten zu liefern. Der Weg zur industriellen Ledererzeugung war unvermeidlich geworden.
Das ehrsame Handwerk ist noch nicht ganz ausgestorben. Es wird aber von Industrie und Automatisierung, von Massenproduktion und Wegwerfgesellschaft immer stärker bedroht. Die tüchtigen „Hantierer„ – um mit Sebstian Weberitsch zu sprechen – die mit geschickten Händen noch etwas zu schaffen wussten, die gibt es vereinzelt noch. Da sind sogar ganz neue Sparten mit vielen fähigen und tüchtigen „Jüngern“ entstanden. Dafür müssen eben andere auf der Strecke bleiben. Auf der Welt ist nichts so sicher wie die ständige Veränderung.

Die nachstehenden Fotos wurden freundlicherweise von Herrn Gr.Insp. Ewald Tamegger nachgereicht. Sie zeigen die einstige Pogatschnig Realität einmal von vorne, ein andermal vom Bezirksgericht aus.

Pogatschnig 2

Pogatschnig 1

Pogaschnig Stadel#

Die Bruderschaft der Schuster und Lederer

Dezember 19, 2013 um 18:13 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Zuletzt war die Rede von einem Haus in der Klagenfurter Straße, das anfänglich gebäudemäßig bescheiden, jedoch mit sehr wertvoller Anbaufläche versehen war. Es stammte aus dem alten Grundbuch der oben genannten Bruderschaft und so wurde versprochen, gerade darüber noch Genaueres auszusagen.

Das Stadtarchiv beherbergt reichlich altes Aktenmaterial auch zu diesem Thema. Daraus wollen wir vor allem schöpfen. Davor aber noch etwas Grundsätzliches: Über grundherrliche Rechte verfügten eigentlich nur adelige, sprich weltliche oder kirchliche, geistliche Würdenträger.  Im einen Fall die Schlossherren mit ihren Burgen und Schlössern, im anderen Falle Bistürmer, Klöster und Pfarren. Die meisten sogenannten Bruderschaften, auf jeden Fall die der Schuster und Lederer, hatten eine Art Zwitterstellung. Weltliche und geistliche Grundherrschaften wurden in der Regel von fix bediensteten Amtsleuten, Bruderschaften hingegen von demokratisch gewählten Funktionären verwaltet. Die einen wie die anderen führten peinlichst genaue Aufzeichnungen über jeweiligen Besitzstand und Einkünfte (Zinse und Abgaben) in sogenannten Urbaren. Über die Verwendung der Geldmittel entschied der Burgherr, Bischof, Abt oder Pfarrer, nach eigenem Gutdünken. Nicht so geschah es in einer Bruderschaft. Diese bestimmte in freien und regelmäßig fälligen Wahlen ihre Amtsträger. Dieser hatte dann über seine Verwaltung Rechenschaft abzulegen. Bruderschaften sind also eine Vorstufe von Demokratie, und das schon vor vielen hundert Jahren! In der ältesten Stadt Kärntens, in Friesach, sollen sich die Schuster und Lederer schon bald nach 1200 zusammen geschlossen haben, in St. Veit gab es – laut Martin Wutte – immerhin im Jahr 1419 die erste Urkunde. Die Stadtpfarren von Friesach und St. Veit unterstanden dem Erzbischof von Salzburg. Damit wären wir bei der erwähnten Zwitterstellung: Geistliche Bruderschaften, solche gab es auch in St. Veit gar nicht wenige konnten nur mit dem Segen der Kirche ins Leben treten und nach und nach grundherrliche Rechte erwerben, Vermögen ansammeln und dieses selbst verwalten. Ja sie gaben sich sogar eigene Satzungen und Geschäftsordnungen! Die enge Verbindung zur Mutter Kirche äußerte sich immer wieder darin, dass regelmäßig geopfert, gestiftet und vor allem Messen korporativ besucht wurde(n). Fest- und Patronatstage wurden streng eingehalten. Priesterstellen und Altäre einzurichten, kam nicht selten vor.

Nicht jede solche Vereinigung war gleich erfolgreich und langlebig. Lorenz Mack weiß in seinen Aufzeichnungen von 1967 noch von Fleischhauer- (seit 1438) und von Schneider-Bruderschaften (seit 1493) in St. Veit zu berichten. Daneben gab es zeitweise reine Gebetsverbrüderungen und vor allem die Fronleichnamsbruderschaft, auch Corporis Christi genannt (seit 1389). Hier handelt es sich um die Wiege unserer Bürgerlichen Trabanten Garde. Das habe ich in der Carinthia 2010 (Seite 267ff) dargelegt und ist bis heute unwidersprochen geblieben.

Das Pech für die geistlichen Bruderschaften war es, dass Kaiser Josef II nicht nur Klöster und Stifte aufhob, auch die meisten B. erfuhren dieses Schicksal. Sie wurden allesamt enteignet und mussten in den Religionsfond einzahlen – in St.Veit als Besonderheit auch in die städtische Armenkasse. Was bis dahin reine Zweckgemeinschaften waren – Geld hin – Ansehen her, versank schön langsam in Bedeutungslosigkeit, als schließlich durch die Bauernbefreiung auch die ländlichen Untertanen mit ihren Zinsen und Abgaben weg brachen. Der Besitz der alten Fronleichnamsbruderschaft war nicht unbedeutend. Auch die Bruderschaft der Schuster und Lederer hatte zuletzt noch 17 Keuschen mit Gärten in der Stadt und 40 Gründe mittleren Ausmaßes. Der Jahresertrag bezifferte sich auf mehr als einhundert  Gulden. Das kann man noch in einem Protokoll, de dato 5. Nov. 1845 im Stadtmuseum nachlesen.

Ledermacher waren schließlich reiche Leute. Leder von guter Qualität wurde ihnen von Taschnern, Sattlern und Schuhmachern aus den Händen gerissen. Schuhmacher dagegen waren ärmer, dafür aber zahlreich und ihrerseits gut beschäftigt. Die Voraussetzungen für eine gedeihliche Entwicklung der Bruderschaften waren um vieles besser als bei so manchen wohllebenden Burg- und Schlossherren, wo es schließlich, zum Unterschied von den Bruderschaften, auch immer wieder Erbfälle gegeben hat!

Aus StadtBlattl von Fritz Knapp Ausgabe Dez. 13 mit Korrekturen

walter.wohlfahrt@gmail.com    (blog: altstveit wordpress.com)

 

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