Der Heilige Johann von Nepomuk

Juni 8, 2011 um 18:02 | Veröffentlicht in St.Veit | 1 Kommentar
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 Statue des Hl. Johannes von Nepomuk am Schillerplatz (Foto W.Wohlfahrt)

                              detto auf Glanbrücke in Glandorf (Foto W.Wohlfahrt)

               detto in der Klosterkirche (Foto Walter Wohlfahrt)

Drei Tage war der Vater krank. Jetzt trinkt er wieder – Gott sei Dank! Dieser Gassenhauer paßt irgendwie zu einem stadtbekannten Heiligen, dem lieben Nepomuk am Schillerplatz.

Nur war er nicht krank, eher pflegebedürftig, und immerhin für drei Tage verschollen! Große Aufregung auf Seiten der zugehörigen Hausfrau, Anzeige wegen gewaltsamer Entführung, Gendarmerie-Einsatz (einer der letzten dieser altehrwürdigen Institution, ehe sie zur „Polizei“ mutierte) mit Nachsuche, folgender Aufklärung, Entschuldigungen und vertraglicher Absprache unter allen Beteiligten.

Nach Monaten ist der Lieblingsheilige der Habsburger wieder an Ort und Stelle, schöner denn je, eine wahre Augenweide! Daher noch einmal, Gott, dem Restaurator, Frau Dr. Edelsbrunner  und der Stadtregierung sei Lob und Dank. Zugleich mit Nepomuk am Schillerplatz erstrahlt auch der Namensvetter an der alten Glanbrücke in Glandorf in neuer Pracht und Herrlichkeit. Da nun aber diese beiden Nepomuk Statuen aus der 1. Hälfte des 18. Jh. hier nicht die einzigen sind – so kommt z.B. noch eine in der Klosterkirche und eine vierte in der kleinen Filiale St.Andrä am Kollerhof dazu – mag es angebracht sein, einige Anmerkungen zum Thema zu machen und die Frage zu stellen, warum gerade in und um St.Veit der Heilige Johannes von Nepomuk so auffällig oft vorkommt? Hängt das nicht damit zusammen, daß während der Reformationszeit die Lutheraner in der Stadt und auch innerhalb des städtischen Rates stark vertreten waren? Oder kommt es daher, daß die harte Hand von Bischof Martin Brenner aus Seckau mit seinen 300 Bewaffneten im Jahre 1600 in St.Veit  wohl äußerlich Erfolg zeigte, die Herzen der Menschen aber wenig zu bestimmen vermochte. Erinnern wir uns, daß die neue Lehre die sogenannte Ohrenbeichte strikt ablehnte und es die katholische Amtskirche trotz sanften Druckes und Einführung des Beichtzettels  sehr schwer hatte, die alte Ordnung, wozu auch die Osterbeichte gehörte, wieder herzustellen. Da entsann man sich des Martyriums jenes Generalvikars von Prag, namens Johannes, der in Pomuk bei Pilsen geboren, im Jahre 1393, also 300 Jahre früher, von der Karlsbrücke in die Moldau gestoßen worden ist, nur weil er sich mit König Wenzel überworfen und das Beichtgeheimnis der Königin nicht preisgegeben hatte. Es kam also 1719 zur Graböffnung und siehe da, die Zunge des Generalvikars war gänzlich unverwest! Bald darauf wurde der Heiligsprechungsprozeß eingeleitet und dieser vornehmlich von Jesuiten getragen, welche 1723 auch in St.Veit eine große Stadt-Mission hielten. Ein diesbezügliches Gemälde kann man in der Stadtpfarrkirche beim Aufgang zur Orgel bewundern. Schon 1729 kam es zur Heiligsprechung und seither gibt es den Brückenheiligen. Nepomuk steht auf der Bruck, lautet der volkstümliche Merkspruch. Der junge Heilige wurde bei allgemeiner Wassernot gerne angerufen und gilt als Patron der Beichtväter, weil er für Ehrlichkeit und Verschwiegenheit steht.

Genau datiert ist lediglich die Statue der Klosterkirche: „1754 von P. Zacharias Stroitmann gestiftet“. Die Plastik am Schillerplatz wird J.G. Hittinger zugeschrieben und vom gelehrten Karl Ginhart nur allgemein in die 1. Hälfte des 18. Jh. gestellt. Auf Grund der auffälligen Ähnlichkeiten in Größe, Erscheinung und Ausdruck wird das eben Gesagte wohl auch auf den Heiligen Nepomuk in Glandorf zutreffen. (Siehe Fotos!)

Sind die ersten drei Heiligenstatuen immer auf ihrem angestammten Platz geblieben, so darf man von jener am Schillerplatz durchaus sagen, daß es sich dabei um einen Wanderheiligen handelt. Dies nicht nur wegen seiner jüngsten Reise zur Restaurierung ins Gailtal. Das würde ja für den „Glandorfer“ auch gelten. Nein, über die Wanderschaft des Hl. Nepomuk innerhalb der Stadt und die näheren Umstände gäbe es noch viel mehr zu erzählen, doch das ist eine längere Geschichte………                                        

Walter Wohlfahrt in „Zentrum Kärnten“   VIII/2005

Friesacher Vorstadt

Februar 11, 2011 um 17:05 | Veröffentlicht in St.Veit | Kommentare deaktiviert für Friesacher Vorstadt
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Ausschnitt Kataster 1828 - Friesacher Vorstadt

 Ausschnitt Kataster 1828 – Friesacher Vorstadt incl. Veränderungen bis ca 1875

Als man um 1878 das neue, das moderne Grundbuch schuf, begnügte man sich nicht damit, den Katasterplan (Abbildung) unter Berücksichtigung aller Veränderungen seit 1828 neu zu zeichnen, man numerierte auch die bewohnten Häuser neu durch. Marienhof, Kölnhof und Ranftlhof mit eingeschlossen, zählte man in der Friesacher Vorstadt nur 16 Hausnummern. Ein einziger Blick auf die Bauparzellennummern (Wohn-  u n d  Nebengebäude) lehrt uns, daß in den zwischenliegenden 50 Jahren 14 alte Bauparzellen demoliert oder überbaut worden, jedenfalls verschwunden sind. 

Ähnlich der einstigen Lage vor dem Villachertor, befand sich auch hier eine sogenannte Barbakane, d.h. ein sehr enger, mitunter sogar überbauter, vor allem aber kurviger Zugang, der es den Belagerungsmaschinen und vor allem den gewaltigen Brellböcken erschweren sollte, das geschlossene Friesacher Tor mit voller Wucht zu treffen. Ein Fleischhauer, ein Maurer, ein Sattler und einige Kleinhäusler wohnten dort eng beisammen, ehe die Spitzhacke tätig wurde.

Vom heutigen Schillerplatz – wo noch deutlich der alte Standort des Nepomuk erkennbar ist – gehen wir im Geiste den linken, noch gar nicht vorhandenen Gehsteig stadtauswärts und sehen uns die gegenüberliegende Straßenseite etwas genauer an. An Stelle der schönen Volksschule (1892) ist noch alles grün, also Wiesen und Äcker. Die ersten Häuser sehen wir, wo heute eine Fahrschule besteht, und es waren dies Pfarrhofkeusche und der Pfarrhofstadel. Die landwirtschaftlichen Flächen gehörten zur Pfarrkirche und sie hießen dort „bei den Siechen“, ein Hinweis darauf, daß man einst die ganz armen Siechen und Kranken bewußt außerhalb der Stadt an einem abgesonderten Ort untergebracht hat, um die Ansteckungsgefahr gering zu halten. Bürgerliche und deren Anverwandte fanden allerdings anderenorts, im Bürgerspital, Aufnahme.

Heute wie damals macht der prächtige Mailänderhof Eindruck. Gleiches gilt für seinen Fenstergucker, der uns von hoch oben unterm Dach anblickt. Hier war das Wirtshaus zum Schwarzen Adler und Mailänder hießen seine Begründer, ein Bauerngeschlecht mit vermutlich lombardischen Wurzeln. In diesem Gasthaus hat man im 18. Jhdt zwei ungarische Juden festgenommen, weil sie sich in verdächtiger Weise mit in Garnison liegenden Husaren unterhalten haben……. Wo man anschließend über zwei Generationen und bis in jüngste Zeit gute Limonaden erzeugt und vertrieben hat, war ursprünglich der Kleinviehstall des Mailänder. Noch eine kleine Keusche und dann gibt es nur noch freies Feld, Thonfeld genannt, vermutlich weil es dort ein kleines, günstig und nahegelegenes Lehmvorkommen gegeben hat. Man mußte ja damals seine Herde und Öfen noch weitestgehend eigenhändig ausbessern. Wir gehen unverdrossen weiter, am Friesacher Kreuz vorbei, sehen aber weder Bahn noch Tankstelle, bestenfalls genießen wir einen freien Blick über das Weyerfeld bis zum gleichnamigen Schloß. Beim Mauthaus, dort wo jetzt die Lemisch Straße einmündet, sehen wir gegenüber die Schönmühle, ein viel begehrter und ertragreicher Standort zum Mehl mahlen und Bretter schneiden an der Wimitz.

Hier übersetzen wir die Reichsstraße und gehen den anderen „Gehsteig“ zurück, wieder der Stadt zu. Nach der Kölnhofallee beginnen schon des Mailänder Felder und direkt an der Straße sehen wir  wiederum im Geiste sein Wirtschaftsgebäude, heute Wohnhaus. Kelag, altes Gendarmeriequartier und Beamtenwohnhaus davor, bitte alles wegdenken. Über Sport- und Tennisplätze gehen noch die Kühe oder der Pflug. Turnerheim und Parkhaus wird es noch lange nicht geben, wohl aber den Sternwirt, einstens „Hiklisches Wirtshaus“ heute Hotel Fuchspalast genannt. Vielleicht sollten wir eben da eine Pause einlegen, denn unser Weg ist am Ende.     II/2005  

  Dies ist ein Kartenausschnitt von Sartor um 1748. Er zeigt den Osten der Stadt von Nord nach Süd gesehen. Teile der Altstadt erscheinen deshalb rechts im Bild.                                                                                                         

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