Als das Hochwasser kam (1930)

März 9, 2016 um 16:04 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Es war am 22.  August des Jahres 1930 da entlud sich über Schaumboden ein gewaltiges Unwetter. Die Regenmassen und alles was sie mit sich rissen hatten nur eine Richtung, hinunter nach St. Veit. Der Weg des Unheils führte schließlich durch den Westteil der Stadt. Dort war man sich eigentlich recht sicher, denn so schlimm wie einst würde es nach erfolgter Wildbachverbauung im Erlgraben doch nicht mehr kommen. So dachte man. Doch vor lauter Sorglosigkeit wurde eine Wehr nahe dem Bruckenwirt nicht rechtzeitig gehoben. Von dieser Wehr wurde nämlich bei normalen Zeiten Trieb-Wasser für den Zeneggenhof abgeleitet. In Sekundenschnelle staute sich dort die Sache und die unbändige Flut ergoss sich links und rechts über das Bachbett sowohl zwischen zwei Häusern gegen das Bürgerspital hin wie auch in Richtung Altes Kino Jäger. Der stabile Gasthof mit angebautem Saal konnte den Schlammmassen noch einigermaßen standhalten. Die Robitsch-Keusche, nur wenige Schritte weiter kam nicht so gut davon. Die Situation wurde fotografisch festgehalten und so zeigt sich ein jammervolles Bild. Die baufällige Keusche an sich schon recht ärmlich mit Schindeldach und wackeligen Wänden, steckte im angeschwemmten Material. Entlang der Straße gab es damals nur wenige Häuser. Die Villa von Doktor Widmann –  heute Doktor Hancik –  ist im Hintergrund gerade schon zu sehen. Doch Neugierige gab es trotzdem genug. Das einfache Bauwerk war nicht länger zu halten. Es wurde abgetragen, Grund und Boden mit Kaufvertrag der Nachbarliegenschaft des Johann Jäger einverleibt.

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Eine seltene Ansicht der Stadt, vom Westen her aufgenommen und dankenswerterweise von Walter Kaiser zur Verfügung gestellt, zeigt die Situation ganz genau: Dr. Widmann, Robitsch-Keusche, Jäger mit Kino-Saal und auf der anderen Straßenseite das heute nicht mehr vorhandene Beamten-Wohnhaus von Drauland-Feltrinelli in Holzbauweise. Stadteinwärts bis zur Brücke ist noch reichlich nicht verbautes Gelände.  Das kam da her, dass der Pulverturm im Westen für lange Zeit jegliche Ausweitung der Stadt in diese Richtung verhinderte. Bürgermeister Spöck erreichte zwar noch, dass dieses gefährliche Bauwerk aufgelassen bzw. nach Zwischenbergen, also hinter den Muraunberg verlegt wurde, doch der verlorene Erste Weltkrieg sowie die darauf folgenden Jahre der Geldentwertung haben Baumaßnahmen im großen Stile noch lange nicht zugelassen. Die Stadtgemeinde hat sofort Kaufinteresse bekundet als bekannt wurde, dass die Benediktiner von St. Paul die ehemaligen Kloster-Gründe abstoßen, doch Baumeister Borghi trickste die Stadtväter aus und kaufte ihnen die Riesenfläche vor der Nase weg.  Seine Spekulation, mit  baldiger Parzellierung die Kredite leicht wieder los zu werden, diese Hoffnung erfüllte sich nicht. Letztlich musste er froh sein, dass ihn die Stadtgemeinde „erlöste“, indem sie ihm alles abkaufte. Wohl erst nach Sicherung der Währung, konnte die Gemeinde daran gehen, mit November Straße und Neubau Gasse eine Aufschließung zu schaffen, die dann vor allem Eisenbahnern mit sicherem Einkommen erlaubte,  Darlehen bei der Stadtsparkasse aufzunehmen und bescheidene Eigenheime zu errichten. Das war die Geburtsstunde der sogenannten „Neusiedlung“ die dann in den stürmischen Dreißigern so mancher Provokation von demonstrativ durchmarschierenden  Braunen ausgesetzt war. Doch darüber schweigt die Chronik wohl besser.

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Villacher Vorstadt

August 21, 2011 um 17:49 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Aus Kataster von 1829

„Vom Eise befreit sind Glan und Bäche……“ Wir schreiben das Jahr 1871 und wir unternehmen an Hand der abgebildeten, zeitgleichen Karte einen Osterspaziergang. Das Villacher Tor steht zwar nicht mehr, wohl aber die enge und überbaute Barbakane davor, mit dem „Sporer-Gewölbe“. Schlosser, Kupferschmied sowie ein Lederer sind hier eng beisammen Hausherren Domenig-Gasse. Das Woschitzhaus (Mitte Oktoberplatz – demoliert) mit einer Spenglerei versperrt uns Aussicht und geraden Weg. Wir müssen uns entscheiden, gehen wir rechts der Waage und der ehemaligen Eisentratte zu, oder wenden wir uns nach Süd-Westen. Wir wollen letzteres und müssen zwischen zwei Möglichkeiten wählen, entweder rechts oder links am Bürgerspital vorbei. Rechts hätten wir die obere und neuere, links die untere, die ältere Ausfahrt. Wir bleiben am älteren Weg und stoßen auf das Weberitsch Haus. Der junge Sebastian soll uns führen! Vielleicht begegnen wir mit ihm dem einen oder anderen seiner guten Freunde, den Hantierern? Vater Weberitsch, Vizebürgermeister, Spitalmeister, Kommandant der Trabantengarde usw. betreibt eine gut gehende Backstube. Es duftet dementsprechend aus dem Hause. Hinten im Klostergarten des Mathias Grawein hat sich Freiherr von Wucherer eingemietet, ein berühmter Büchsenmeister, der sich allerdings für feineres Zubehör des Zeugschmiedes Tindl bedient.

Gerade als wir an der Klosterkirche vorbeikommen und links unten den Zeneggenhof erblicken, schlagen im Turm die Osterglocken an. Ihr Klang vereint sich bald mit dem schönen Geläute das von der Stadtpfarrkirche herüber tönt. In diesem Augenblick melden sich die ersten Böller vom Kalvarienberg. Johann Mlinek, Trattentischler (Waag Str.2), Pionier des St.Veiter Hopfenanbaus und Feuerwerker sendet seine unüberhörbaren Grüße. Selbst Wachmann Fenz, der uns ein kurzes Stück das Geleit gibt, wird von festlicher Stimmung erfaßt. Er verabschiedet sich, um die gefahrvolle Schießerei zu inspizieren. Bald sind die letzten Häuser hinter uns. Vorbei am Schwarzfurter Kreuz erreichen wir schließlich den Wendepunkt beim Reidenwirt, dem alten Räubernest des Krapfenbäck Simale. Dort zweigt  die Straße nach Hörzendorf ab und dort werkt auch ein fleißiger Körbler. Die von ihm gepflanzten und genutzten Kopfweiden werden noch über hundert Jahre lang zu sehen sein. Am Rückweg erblicken wir hoch über uns auf grünen Hängen den Pueller-Hof und bald auch schon den zweiten Pulverturm. Genau zwischen demselben und dem Pueller stand der Pulverturm 1, bis er in die Luft flog. Beim Pulverturm 2 gibt es noch ein paar dazugehörige Nebengebäude, sonst aber kein einziges Haus. Es wäre viel zu gefährlich, dort zu wohnen. Dieser gefährliche Patron wird die Ausdehnung der Vorstadt noch lange hemmen.

Die Robitsch-Keusche (demoliert – heute Spar) sowie der Wirt Georg Weitzer ( Gasthaus und Kino Jäger) liegen dem Pulverturm am nächsten und ihre Bewohner sind die Mutigsten.

Ehe wir ab Brückenwirt eine einigermaßen geschlossene Verbauung vorfinden, enbietet uns und seinem jungen Freund Sebastian Meister Johann Tindl (heute Schlecker) im Vorübergehen seinen Gruß. Das Bürgerspital rechts, kommen wir zur Häuserzeile mit dem Gasthaus Zum Mondschein des Jakob Kobalter (Vill.Str.16),  gerade erst von Josef Preschern  abgekauft. Dieses Gasthaus hieß einmal „Zum Bothenwirt“, weil hier die aus Villach und Feldkirchen, aber auch aus Klagenfurt über Pörtschach am Berg gekommen Boten erwartet und gelabt worden sind. Auf engstem Raum folgen jetzt zwei weitere Wirtshäuser, das des Josef Huber (Vill.Str.8) und das Gasthaus „Zum grünen Baum“ von Karl und Therese Egger.

Von den insgesamt 58 Hausnummern der Villacher Vorstadt haben wir nicht einmal halb so viele gesehen. Die größere Zahl liegt in und um die Erlgasse. Doch das ist eine andere Geschichte.                                IV/2005

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