Das Testament von 1892

Oktober 21, 2020 um 15:18 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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verrät uns einiges über die Verfasserin und noch mehr über die Person wenn man auch das Totenbuch der Pfarre St. Peter ob Taggenbrunn zu Rate zieht: Es handelt sich um Theresia Tautschnig, Besitzerin auf Gut Keuschachhof bei Taggenbrunn.

Sie war gewiss eine sehr gläubige Frau, denn die ersten die sie beschenken wird sind die Kirche St. Peter und alle zu ihrem Begräbnis kommenden Armen. Sie sollen je 100 Gulden bekommen. Ihre Beerdigung darf 150 Gulden kosten. Warum sie drei Reyer Töchter, darunter eine verehelichte Luise von Schreibern und Anna verheiratete Schorn mit je 1.000 Gulden zwei männliche Reyer mit je 100 Gulden bedenkt, ist nicht klar. Sind es verwandtschaftliche oder freundschaftliche Beziehungen? Denn die Reyer waren gewiss auch einmal Besitzer auf Keutschachhof. Darüber hinaus war es durchaus üblich, auch ehemals Bediensteter und Bekannter zu erinnern, darunter Margarethe Lemisch vom Wirtin Goggerwenig, einer Maria Premig, ebenda und Frau Albina von Schreibern zu gedenken.

Auch erfährt man noch, dass das aufgeteilte Gesamtkapital von 4.000 Gulden aus einem Übergabsvertrag stammt de dato 1871 geschlossen zwischen ihr, einer „geborenen Pirker“ und Albina Maria Tautschnigg (Landschaftliche Urkundensammlung Fasc. 111 Nr 171 präs. 2. Mai 1871 Nr. 2470). Was der Gegenstand der Übergabe war, vlg Pirker (heute Riedl) oder Keutschachhof ist nicht klar. Darüber hinaus ist es noch fraglich, was zeitlich unter „Keutschachhof“ eigentlich zu verstehen war, weil die Bezeichnung mehrmals gewandert ist, von der alten Verweser-Behausung (heute Verkauf-Laden) vor dem Zehent-Kasten unter der Ruine, dann zum schlossartigen Gebäude mit Wirtschaftsgebäude unter der Straße nach Goggerwenig (heute Neuper) und schließlich zur ehemaligen Ziegelei an der Straße St. Veit – Launsdorf.

So ist z.B. auch die Tätigkeit eines Franz Reyer als Ziegelbrenner in unserer Gegend noch kaum erforscht. Die Gemeindechronik von St. Georgen, obwohl ansonsten sehr gründlich in jeder Hinsicht, schweigt sich darüber vollkommen aus! Hat Reyer in der späteren Ziegelei Voraberger oder im nahe Pulla Wald abgebaut und Ziegel gebrannt? Diesbezügliche Forschungen im Zusammenhang mit der Rollbahn über die Glan (Käferlbrücke) zum Bahnhof Glandorf stehen noch aus. Die Reyer, ob Ritter oder Freiherren waren durchwegs tüchtige Männer und haben sogar das Kärntner Landesarchiv reich bedacht, wo man auch ansetzen müsste.

Anna Reyer geborene Heberl (?) hat ihrem Gatten Johann Reyer in St. Peter ob Taggenbrunn einen Stein gesetzt, dessen Inschrift wie folgt lautet:

Hier ruht Johann Reyer geboren zu Taggenbrunn (21. Juni 1959) gestorben am (15. Aug. 1818) – in Klammern gesetzt wegen schwerer Lesbarkeit. Es folgt der Text

Sieh glühend heiße Tränen fallen Auf diesen kalten Leichenstein

Von der geweint, die stets vor allem Nur dich geliebt und schaut allein

Sie gläubig auf zur Sternenbahn Woher die Tröstungsworte wehn

Dorthin ging ich Dir nur voran Dort ist der Gatten Wiedersehn

Anna Reyer geb, Heber?

Dieser Inschrift-Stein war mit angeblich weiteren Reyer Grabmalen an der Ostseite der Kirche St. Peter angebracht und glücklicherweise von Heinz Kleinszig fotografisch gerettet, sonst wäre er wie alle übrigen Reyer Tafeln im Zuge der Neuweiselung der Außenfassade abgenommen und vernichtet worden!

Große Vorgänger auf Taggenbrunn

November 10, 2015 um 18:05 | Veröffentlicht in St.Veit | 2 Kommentare
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Taggenbrunn Ansicht

Erster und Bauherr war wohl ein Salzburger Erzbischof, nebenbei auch Territorialherr um Friesach und Althofen herum, Krappfeld und Berggebiet von Hüttenberg mit eingeschlossen.

Weil aber die weltlichen Grundherren, Herzöge mit eingeschlossen immer wieder kleinere Plätze für sich herauszupicken geneigt waren, sahen die Salzburger Gründe für mehr Wachsamkeit! Nicht so, wie es einmal in der Kronenzeitung zu lesen war, zum Schutze viel mehr zu Trutze der Herzogstadt St. Veit gegenüber kam es zu dieser Befestigung. Zuvor wollte man die Friesacher in ihrer Verbindung zum Kärntner Erzberg stören und baute Rabenstein an kritischer Stelle, um 1100 beim kleinen Übergang von der Metnitz nach Althofen. Reaktionen darauf von Salzburger Seite waren ein oftmaliges Bekriegen des Herzogs und Rabensteins und 1140 der Bau von Taggenbrunn. Damit konnte der wehrhafte Kirchenmann alle herzoglichen Bewegungen genau kontrollieren. Bei der berüchtigten Rebellion gegen den Görzer Herzogsohn spielte Taggenbrunn eine eindeutige Rolle.

Die vielen Burgvogte und Pfandherren wollen wir übergehen. Man weiß aber, dass die Maria Saaler Amtsleute Taggenbrunn inne hatten, als 1816 die Territorialherrschaft der Salzburger endgültig erlosch. Von nun an war Taggenbrunn für jedermann käuflich. 1858 kam Taggenbrunn durch Kauf „in die Familie Reyer“. Weil zu der Zeit der große Maria Franz Thaddäus Ritter von Reyer (1780-1846) von dem  Franz Kreuzer schreibt (Zitat Anfang) „Großkaufmann, bedeutender Bankier und Industrieller wurde in Malborghet im damals  kärntnerischen Kanaltal geboren. Seine Vorfahren stammten aus St. Peter bei Taggenbrunn. Von den Eltern für den geistlichen Stand bestimmt, studierte Reyer in Klagenfurt Philosophie und Theologie. Anstatt sich aber zum Priester weihen zu lassen, ging der junge Mann nach Triest und wurde Erzieher in der Familie des reichen Kaufmannes Strohlendorf, zu dessen geschätzten Mitarbeiter er alsbald aufstieg. Während der napoleonischen Kontinentalsperre importierte Reyer ungeheure Mengen an verschiedenen Gütern amerikanischer und englischer Herkunft über russische, polnische und türkische Häfen nach Österreich. Schließlich wurde er zum Mitbegründer der Dampschiffahrtsgesellschaft, der zweiten Sektion des Österreichischen Lloyd, deren erst Präsident und Generaldirektor“ (Zitat Ende)

Weil also Thaddäus schon tot war, kann nur sein Sohn Franz – mit des Vaters Geld – Käufer gewesen sein. Beim Grundbuchseintrag nennt er sich Franz Freiherr von Reyer k.k. Minister,  Präsident a.D. Dass er auch als Begründer des Keutschachhofer Ziegelbrandes anzusehen ist, beweisen – beim jüngsten Umbau – aufgefundene, gebrannte Mauerziegel mit der Signatur FR (Freiherr von Reyer).

Für spätere Käufer reicht der Platz heute wieder nicht, ein andermal!

 

walter.wohlfahrt@gmail.com    (blog: https://altstveit.wordpress.com

 

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