Wo gab es die Schwarzenfurt?

Juni 18, 2012 um 14:55 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Einst langte im Stadtgemeindeamt die Anfrage eines wissenschaftlichen Institutes der Universität Wien ein, wo genau die Schwarzenfurt zu finden sei. Hätten Sie es gewußt? Wenn nicht, so müssen Sie sich deshalb nichts daraus machen, denn erstens ist vom Schwarzenfurter Kreuz schon lange nicht mehr die Rede. Zweitens, als noch mein Schulweg dort vorbeiführte, hieß es längst schon anders, und zwar dem Namen des nahe dabei tätigen Zockelmachers nach, Mansfelder Kreuz und schließlich drittens, ist seit dem Straßen-Neubau ins Glantal 1959 überhaupt nichts mehr davon zu sehen. Es ist ein wahres Wunder, daß noch ein Foto davon erhalten geblieben ist und hier gezeigt werden kann.

Der Abbildung nach war es nahezu ein Ebenbild des gottlob noch vorhandenen Kölnhofer Kreuzes mit der Jahreszahl 1603. Hat dieses ein Okton als Basis, so war jenes quadratisch aufgesetzt. Die vier Ecksäulen sind fast ident und nur die Dachformen unterscheiden sich wieder deutlich. Von der Bauzeit her dürften beide gleich einzuschätzen gewesen sein.

Der seitdem einzig aufgefundene Bericht über das verschwundene, immerhin einmal ein altes Rechtsdenkmal bildende Schwarzfurter Kreuz, ist den Mitteilungen der Stadt St.Veit Nr.1/1978 Seite 12 zu entnehmen. Demnach rief damals der Verschönerungsverein unter Führung von Herrn AR Egger zu einer Spendenaktion für die Wiedererrichtung des Wahrzeichens auf. Dabei wird das Jahr 1603 auch für das Schwarzfurter Kreuz genannt.

Die Spolien sollen damals laut Auskunft von AR Egger noch im Bauhof gelagert gewesen sein. Wer kann über deren Verbleib heute noch Auskunft geben? Inzwischen hat sich  Denkmalschutz längst auch schon unter den Straßenbauern herumgesprochen und es wird nirgendswo mehr ein Wegkreuz ersatzlos entfernt, meistens dagegen auf Kosten der Straßenverwaltung übersetzt. Vielleicht stand damals durch entschädigungslose Einziehung des alten Standortes wirklich kein geeigneter Platz mehr dafür zur Verfügung. Vielleicht war das auch der Grund, daß später eine schöne Steinplastik näher der Stadt und an der verkehrten Straßenseite von Glawischnigs Künstlerhand zur Aufstellung gelangte. Ein weiterer Versuch in den 90-er Jahren von Herrn Heinz Ellersdorfer, den alten historischen Punkt wieder zu seinem Recht zu verhelfen, versandete leider ebenfalls.

Eine interessante Erwähnung des Schwarzfurter Kreuzes macht der leider allzufrüh von uns gegangene Prof. Richard Gössinger auf Seite 444 der Liebenfelser Gemeinde-Chronik: Die Lokalisierung „beim Reidenwirt“ ist zwar etwas ungenau, was er aber über die Karlsberger Maut und zur Karlsberger Landgerichtsbeschreibung von 1565 aussagt, erscheint im Zusammenhange mit dem ausschnittsweise hier wiedergegebenen Plan des Kartographen Sartor von 1570 äußerst wichtig. Ehe es nämlich die „Steinerne Brücke“ über die Glan unterm Reidenwirt gab, zweigte der Weg nach Klagen f u r t  beim Schwarzfurter-Kreuz von der Villacher-Straße ab und eben dieses Kreuz war auch stets ein Fixpunkt der oft gehaltenen Burgfriedsbereitung der St.Veiter. Burgfriedsbereitung steht für regelmäßiges Abschreiten und –Reiten der Grenzen, gemeinsam mit den Anrainern. Ohne Brücke bedurfte es anfänglich eben einer Furt. Nach Prof. Gössinger mittelhochdeutsch: vurt, englich: ford = fahren, hinüberführen.

So wird es leider wohl dabei bleiben, daß man eine alte Karte von 1750 einsehen muß um genau zu erkennen, wo Schwarzfurt und Schwarzfurter-Kreuz und die danach genannten Äcker und Wiesen einst lagen. Lassen Sie sich bitte nicht verwirren, die Landkarten waren damals nicht nach Norden, sondern nach Süden ausgerichtet!

Schwarzfurter-Kreuz, Foto Prof.Ellersdorfer

Ausschnitt Stadtplan Sartor 1750 (St.Georgener Archiv) Pfeil 1 Schwarzfurt, Pfeil 2 Schwarzfurter Kreuz,  Pfeil 6 Pulverturm I

An Hand des hier gezeigten, modernen Mappen-Blattes (Ausschnitt) läßt sich dreierlei festhalten: „1“ Standort altes Kreuz, „2“ Standort neues Kreuz, rote Linie = Grenze zwischen

KG St.Veit und KG Hörzendorf, identisch mit ältester Burgfriedsgrenze. Selbstredend war es bei Burgfriedsbereitungen jüngerer Zeit angenehmer, über eine inzwischen erstandene Brücke zu reiten, als durch sumpfiges Glanwasser zu waten. Vergessen wir auch nicht auf Prof. Richard Gössingers Landgerichtsbeschreibung von 1565! Abschließend sei festgestellt, daß der Autor textlich und bildlich schon Anfang 2002, wenn auch in einem anderen Medium, bislang Unwidersprochenes zum Gegenstand ausgesagt hat.

Walter Wohlfahrt in „St. Veit Kommunal“  I/2002 und Nachtrag

Ein Nachtrag

Übrigens, die Einweihung des nachgebauten, etwas versetzten Schwarzfurter-Kreuzes an der Straße nach Villach nahe Jacques Lemans, war ein schönes Fest. Es wurden auch Reden gehalten, dabei jedoch außer acht gelassen, daß es für den Bau des sogenannten Kanals an der Glan im Bereich des mehrfach genannten alten Wegkreuzes einen Beleg gibt, der die Bauzeit des erwähnten Kanals exakt angibt. Im Sitzungsprotokoll des Magistrates vom 30.6.1753 heißt es wörtlich „der hochgräflichen Herrschaft Carlsberg solle zugeschrieben werden, daß mit Errichtung des Fürschlag beiderseits der Gerichtsconfin (Grenze) dieser Fürschlag zu Nutzen allein des Mooses mit Schwemmung des Glanflusses in die Canalen erbaut und wird approviert (genehmigt) werden müssen“ Die Furt war somit nicht zur Überwindung des „jungen“, mittlerweile wieder aufgelassenen Kanals, sondern zur Querung der alten Glan an günstigster Stelle gedacht.

Der St. Veiter Ziegelstadel

März 31, 2012 um 19:38 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Die historische Ziegelproduktion ist zum Gegenstand eines recht jungen Forschungsgebietes geworden, wobei man in Wien schon etwas weiter ist als bei uns in Kärnten. Immerhin, an die 160 Kärntner Ziegeleien scheinen im „Vorläufigen Verzeichnis der Kärntner Ziegeleien – Stand 18.9.2006“ von Gerfried H. Leute und Mitarbeitern bereits auf und ein Ziegelmuseum in  Schloss Ehrental gibt es auch schon! Franz Pehr nennt in seiner Geschichte der Produktionsverhältnisse Kärntens, 1909 auf Seite 100 es gäbe zur Zeit 99 Ziegeleien mit insgesamt 1061 Arbeitern.

Das im Weichbild der Stadt St. Veit bestandene Werk August Vorabergers scheint im genannten Verzeichnis auf, nicht jedoch der schon im Zehentregister Schloss Weyer 1612 mehrfach genannte, zu näherer Bezeichnung der Lage von Wiesen und Äckern herangezogene ZIEGELSTADEL. Weil im Jahre 1612 der Ziegelstadl   n a c h   Grundstücken „bey Schwarzfurt“ und  v o r  Grundstücken „Pueller“ und  „Puellermühl“  gelistet wird, war seine Nähe zum heutigen Reidenwirt eigentlich immer schon klar. In der Tat ist die ganze Gegend vom Wigisser in Mailsberg (Lehmgrube und Ziegelei bekannt!) nordostwärts bis zur Millenium-Siedlung mit reichen Lehmvorkommen gesegnet. Dies erschwerte auch die Fundamentierungen der Neubauten im Jahre 2000 ganz außerordentlich. 

Zur Begriffsbestimmung des Wortes Stadel darf vielleicht gesagt werden, dass es sich dabei im alten Verständnis zum Unterschied von Stall um ein hölzernes und kein massives Bauwerk zur Unterbringung von Fechsung und Gerätschaften handelte. Ein Stadel konnte dem Stall aufgesetzt werden, aber auch für sich alleine stehen. Er konnte bäuerlichen und gewerblichen Zwecken dienen. Erst in der Folge wurden auch die Aufbauten massiv ausgeführt. Jedenfalls darf man sich von einem alten Ziegelstadel keine besonderen Überreste in der Landschaft erwarten. Auch ist mit Gewissheit anzunehmen, dass die Ziegelproduktion in diesen Fällen nicht eine permanente war, sondern eine, die man von Fall zu Fall, je nach Bedarf betrieben hat. Dies erklärt auch, dass sich nur wenige Nachrichten darüber finden. Die schönste liegt im Stadtarchiv Sign. S 044/F20/19. Es handelt sich dabei um ein Extrakt, d.h. um eine spätere Abschrift eines Originals von 1751 mit folgendem Wortlaut:

„Extract deren 6jährige Ziegel Stadls Erträgnisse. Massen selber allererst nach von Gott dem Allmächtigen verfügten Straf der Anno 1747 entstandenen Feuersbrunst errichtet worden, so kann /  da bis an dato nicht mehr denn per 54 Gulden Ziegel verkauft worden / kein ander Erträgnis angesetzt werden als diese 54 Gulden, von dem das Sechstel 9 Gulden (ausmacht). Und um alles obige nach der Gott gefälligen Wahrheit und gewissenhaft beansagt (einbekannt) werde, beglaubigen Endunterschriebene mit eigener Hand und Versiegelung. So geschehen Stadt St. Veit den 26. April 1751 Kammerstadt Bürgermeister, Stadtrichter und Rath“

Ob nun die Stadt selbst oder ein Dritter den Ziegelbrand betrieben hat, geht daraus nicht eindeutig hervor. Die Stadt als Unternehmer wäre aber in Anbetracht der eigenen Gruben- , Werks- und Hüttenanteile am Kärntner Erzberg nichts Ungewöhnliches. Dass mit dem Ziegelmachen überhaupt erst nach dem vorletzten Stadtbrand begonnen wurde ist angesichts des obigen Zehentregisters wohl unrichtig, verdeutlicht aber eine sehr lange Produktionspause, sodass man sich an ältere Aktivitäten nicht mehr zu erinnern vermochte. Hartnäckiger hielten sich hingegen Einträge wie im Josephinischen Flurbuch von 1788 „Ziegelacker des Anton Mailänder, St.Veit Haus Nr.9, dient der Stadtpfarre“ oder das Alte Grundbuch der Kammerstadt St. Veit „Acker bei der Ziegelstatt nordwestlich vom Reidenwirt 1829 von Mathias Wutte, Plankert in Treffelsdorf gekauft“

Der Mappenausschnitt (siehe Abbildung!) der Gegend rund um den Reidenwirt zeigt das von Treffelsdorf herabkommende Bächlein. Es bildet nicht nur die Gemeindegrenze gegen Frauenstein, es hat auch einst die Pueller Mühle angetrieben. Irgendwo links oder rechts des Gerinnes muss also der Ziegelbrand vonstatten gegangen sein, wobei die komische Form der Parzelle 437 durchaus Ausdruck einer Lehmgrube sein könnte.                            VI/2008

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