Das Schützenwesen der Stadt St. Veit

Juli 1, 2012 um 14:12 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Viele Formen der Ausübung und mindestens vier Lokalitäten der praktischen Betätigung von St.Veiter Schützen sind bekannt. Sie sollen hier beschrieben werden, nachdem zuletzt einiges über Erzeugung des Schießpulvers und seine Verwahrung am Stadtrand ausgesagt wurde.

Zu den wichtigsten Bürgertugenden im alten St.Veit zählten ganz gewiß, Wehrhaftigkeit und Bereitschaft, die Stadt im Notfalle auf ihren Mauern zu verteidigen. Spätestens ab Erbauung des Zeughauses im Jahre 1523 (Herzogsburg) darf man als gesichert annehmen, daß die Bürger mit Feuerwaffen, Pulver und Blei umzugehen verstanden. Das Bürgerbuch der Stadt, von 1564 bis 1884 geführt, nennt alle Bürgeraufnahmen und hat auch einige Zusatz-informationen zu bieten. Das Buch befindet sich heute unter Signatur 2 im Kärntner Landesarchiv. Abgesehen von diesem eindeutigen Zweck der bürgerlichen Schießkunst, hat man darin recht bald eine Voraussetzung für die Jagd einerseits und anderseits für das Gesellschaftsleben ganz allgemein gesehen. Vor allem Patrizier und wohlhabende Gewerkenfamilien waren zu friedlicheren Zeiten darauf bedacht, das notwendige „Training“ mit Fest und Zerstreuung zu verbinden. Ausdruck dessen, sind die noch zahlreich vorhandenen und eine Einmaligkeit sonder gleichen bildenden, bemalten Schützenscheiben unseres Stadtmuseums. Daß die Bürgeraufnahmen üblicherweise regelrecht zelebriert, mit Bestschießen verbunden und dafür variable Taxen verlangt und gezahlt wurden, beweisen gewisse Vermerke zwischen 1732 und 1753 die da lauten „für den Schuß gezahlt…..“ – oder 1784 „Franz Steiner, Johann Stimpfl usw. – Bürger mit Gewehr“. Übrigens, im gleichen Jahr werden andere zu „Bürger mit Mantel“ erhoben. Zahlen die Gewehr-Träger maximal 10 Gulden Tax, so entrichten die eindeutig nobleren Mantel-Träger je 3 Dukaten! Es sind dies Anton Rauscher von Mosinz mit Weinschank, Herr Josef Peter Vetter, k.k. Postmeister von Unterdrauburg zugezogen ebenfalls mit Weinschank und Herr Johann Hollemschnig, Apotheker bzw hier geborener Apothekersohn. Ist diese Erwähnung eines Mantels vielleicht ein Hinweis auf Zugehörigkeit zu den Trabanten? Weder vor- noch nachher kommen solche Zusätze im Bürgerbuch vor.

 1. Die Bürgerliche Schießstätte 

Im Steuerbuch von 1595, Landesarch. Handschriften-Sign. 225a, Seite 32 heißt es wörtlich „Schützenmeister ist ab 1567 zinspflichtig für den Garten bei der Schießstatt: 5 Pfennige pro Jahr. Rückstände bestehen für die Jahre 1567 bis 1605!!“ Dieser Vermerk sagt zweierlei aus.

Mit Schützenmeister und Schützen gab es eine geordnete, wenn auch wenig zahlfreudige Organisation und der Grund und Boden um die Schießstätte herum gehörte der Gemeinde.

Eine nächste Erwähnung findet sich im Stiftsregister der Pfarre St.Veit von 1722ff – Sign 215 (aber verkehrt herum, Seite 1) „Ausgaben der Pfarre etc. 1745 bis 1747“ – „der jeweilige Schützenmeister soll dienen vom Schieß-Wiesl jährlich 37 ½ Kreuzer“. Was ist darunter wieder zu verstehen? Zunächst keinerlei Gegensatz in den Besitzverhältnissen die Schießstätte selbst betreffend gegenüber 1595. Nur die Schußrichtung ging eben gegen den Berghang des Lichtenberges – so hieß damals der sonnige Hang an der heutigen Zenswegerstraße –  und die kleine Wiese dort war eben Kirchengrund. Die Organisation des Schützenwesens war auch nach 150 Jahren noch immer intakt. Eine letzte Reminiszenz an das altbürgerliche Geschehen enthält der Nachruf für Karl Prinzhofer (1772-1861) in der Klagenfurter Zeitung vom 16.11.1861 den mir liebenswürdigerweise Frau Paula Zechner zugänglich machte. Ich zitiere teilweise:

 „Noch sei uns vergönnt, ein Wort über das einst so in Ehren gehaltene Vergnügen des Scheibenschießens zu sprechen, in welchem Prinzhofer es zu einer seltenen Vollkommenheit brachte. Ein Zimmer, einst angefüllt mit gewonnenen Besten war sprechender Zeuge seiner Triumpfe. Es ging aber bei diesen Festen einst hoch her; gute Schützen reisten von einem Schießen zum andern, Geld gab es in Menge, der Schuß kostete oft bis 20 Gulden, Gewinnaussichten und Aufwand waren ansehnlich; Geselligkeit, Eintracht und Heiterkeit bildeten die Elemente, welche das Interesse an diesem ritterlichen Vergnügen ungeschwächt erhielten. In Kärnten dürfte kaum mehr ein Schütze leben, welcher – wie Prinzhofer im Beginne seiner rühmlichen Tätigkeit als Schütze – noch das alte sogenannte Radschloß an dem Gewehr hatte, mit welchem er trotz dieser Schwerfälligkeit beim Schießen so viel Unübertroffenes leistete.“

 Auch Michael Rauchensteiners Dissertation von 1949 bringt ab Seite 48 viel Wissenswertes zur Organisation des Kärntner Schützenwesens. Man kann nur immer aufs neue diese gut fundierte Arbeit zitieren und hoffen, daß sie vielleicht doch noch einmal gedruckt und so allgemein zugänglich gemacht wird. Obzwar viele Jahre seither vergangen sind, gibt es nichts Gleichwertiges weit und breit!

Jetzt wird es Zeit, die alte Schießstätte auch zu lokalisieren und das fällt nicht schwer. Abgesehen von alten Ansichten, gezeichnet oder fotografiert, welche die Lage eindeutig beweisen, gibt uns auch das öffentliche Grundbuch ganz genau Auskunft.

Mit Kaufvertrag vom 9. Feber 1904, Tagebuchzahl 390/1904 verkaufte die Stadt St.Veit die Parzelle 226 „bürgerliche Schießstätte außer dem Friesacher Tor“ welche Brandsätte war, samt allem An- und Zubehör im unverbürgten Ausmaß von 38 m2 um 20 Kronen an Thomas Jirouschek. Rein äußerlich war es zuvor nicht mehr als ein luftiger Pavillon gewesen. Die Kleinstfläche wird deshalb aus der Kärntner Landtafel EZ 919 (Stadt St.Veit) ab- und der EZ 323 zugeschrieben. Es entstand ein kleines Wohnhaus. Auf Thomas folgte im Jahre 1918 Adolf Jirouschek und auf diesen 1949 Franziska Kowanda im Besitze. Bis 1949 bildete die Bauflächer 226 (ehemalige Schießstätte) eine Besitzeinheit mit dem Hause Schillerplatz 1. Danach bekam besagtes Areal, es handelt sich um das heutige Haus Stiegengasse 3, die neue Grundbuchseinlagezahl 1113.

 Am 21. April 1912 schließt k.k.Notar Dr.Johann Spöck, Bürgermeister seit 1904, das alte Bürgerbuch ganz formell mit folgender Feststellung: „Nunmehr gibt es nur (noch) Staatsbürger. Wer zehn Jahre ununterbrochen unter gewissen Bedingungen in der Gemeinde lebt, muß in den Heimatsverband aufgenommen und im Notfalle versorgt werden. Sic transit gloria mundi!

Ohne Bürgeraufnahmen, ohne Bürger-Eid und ohne Bürger-Brief – die Wehrhaftigkeit spielte ohnedies schon längst keine Rolle mehr – bedurfte es auch nicht länger einer „bürgerlichen Schießstätte“. Auflassung und Verkauf nach Brand waren daher die logische Folge. Doch ganz ohne Schießen, halb Ernst – oft zu ernst – halb Sport geht es nicht. So tritt beispielsweise 1914 eine „Bürgerwehr“ und 1918 nochmals eine solche unter dem Kommando von Hauptmann Premitzer gegen Plünderei in Aktion. Auch ein kurzes Gedenken an die 71 Schützen der St.Veiter Heimwehrkompanie und an deren Kommandanten 1918/19 oder etwa an das Lebensopfer des jungen St.Veiter Studenten Alois Bartl in Sabotnitza, stellvertretend für viele Ungenannte sei hier gestattet.

 2. Die Schießstatt-Allee

Die kennt wohl jeder, denn es gibt sie ja immer noch. Wie sie aber zu ihrem Namen kam, weiß man das auch? In den Aufzeichnungen unserer Gemeinde findet sich eine Quittung über 50 Kronen, welchen Betrag „die Stadtgemeinde im Grunde des §3 des Mietvertrages vom10. Mai 1902 als Mietzins für den Militär-Schießplatz in St.Veit und fürs Jahr 1905 von dem k.k. Militärkommando Graz erhalten hat.“ Das war also der Anfang unten an der Glan, wo die Schießstatt-Allee endet. Am linken Ufer des Flusses befand sich der Schießstand. Geschossen wurde über den Fluß hinweg zum Muraunberg hin. Spätestens mit dem Ende der k.k. Armee muß wohl auch hier jeder Vertrag hinfällig gewesen sein.

Erst wieder in den 20-er Jahren regte sich an besagter Stelle neues Leben. Genaueres darüber ist nicht bekannt, wohl aber, daß das Amt der Kärntner Landesregierung Z. 7224/Präs.I mit Vermerk vom 1.Sept.1932 dem Oberschützenmeister Dr. Robert Baumgartner, Notar in St.Veit zur beabsichtigten Umbildung des SchützenVereines St.Veit/G die Nichtuntersagung erteilt hat. Es muß also einen Vorläufer gegeben haben, den man gründlich umpolte, denn die neue Satzung – verwahrt im Stadtmuseum – enthält unter V. Punkt 5 bereits die Arier-Bestimmung! Auch dafür ist das Ende eigentlich leicht abzusehen. Die Demolierung der Schießstätte erfolgte nach 1950. Der Parkplatz eines großen Wohnhauses und teilweise dieses selbst markieren den ehemaligen Standort.

 3. Die modernen Schieß-Anlagen

befinden sich heute bekanntlich oberhalb der Stadt beim Radinger bzw. etwas weiter ab in Blintendorf. Handelt es sich in ersterem Falle um den offiziellen, 1968 aus Anlaß des 100jährigen Bestandes des Kärntner Landesschützenverbandes neu erbauten Landes-Haupt-Schießstand, Eigentum des besagten Verbandes, so geht es in Blintendorf um eine private, hoch moderne Schießanlage der Familie Marschnig. So lebt die Jahrhunderte alte Tradition fort, und endlich sind wir so weit, daß es genügt, im Schießen nur noch den Sport und eventuell das jagdliche Hobby zu erblicken. Was für eine schöne Zeit für uns und unsere Heimatstadt!

 Walter Wohlfahrt in „St Veit Kommunal“

 

 

 

Bildtexte:

 

  1. Haus Stiegengasse 3 – Aufnahme 2001 W.Wohlfahrt
  2. Von links nach rechts: Schloß Kölnhof mit Allee, Haus Stiegengasse 3,    

Grabenstraße, Grabengärten und Burg – Aufnahme 1914 Prof.Ginhart

  1. Schießstätte an der Glan – Aufnahme um 1930 H.Hammerschlag, Klagenfurt-

St.Veit

 

 

 

 

 

 

 

Über Gasthaus-Namen von St.Veit

April 28, 2012 um 13:31 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Der ehemalige Steirerhof der Fam. Rohrer in der Klagenfurter Straße
 
Das älteste Gewerbe der Welt ist bekannt. Davon soll nicht die Rede sein, wohl aber vom Gastgewerbe, welches hier bei uns älter ist als die Stadt selbst. Wie kann man das behaupten? Ganz einfach! Ehe St. Veit zur Stadt wurde, war es kurze Zeit ein Markt, davor aber lange nur Dorf, kein unbedeutendes zwar, am Kreuzungspunkt von Fernwegen gelegen und natürlich ein Dorf mit Gasthaus.

Seit der Anlage eines Bürgerbuches im 16. Jhdt. sind Bürger namentlich bekannt, doch erst zu Ende des 18. Jhdt. bequemte man sich, den Namen  Berufsbezeichnungen beizufügen. Es ist ein Zufall, dass man vorher von Kaffeesiedern und erst in der Folge vom Gastgeb, vom Gastwirt, Bier- oder Weinwirt, am öftesten einfach nur von Wirten lesen kann. Vergleicht man die Angaben alter Adressbücher (Amts- und Adresskalender 1907-1915-1935), ergibt sich bezüglich Lokal-Gesamtzahlen nachfolgende Entwicklung bei den Kaffeehäusern 4-6-4,  für Wirte jetzt zusammengenommen 36-37-28. Die Tendenz, die auch für andere Gewerbearten nach aller Regel zutrifft, heißt leichte  Zunahmen vor dem Ersten Weltkrieg, Rückgänge hingegen in der Zwischenkriegszeit. Noch aufschlussreicher für die verschiedenen Zeitläufe sind die Gasthausnamen, diese waren mitunter lange in Gebrauch aber nicht selten auch dem Wechsel unterworfen. Familiennamen lebten fort so lange der gute  Klang nachwirkte,  auch wenn dort längst neue Eigentümer oder Pächter tätig waren. Mancher Hausnamen sollte für sich alleine sprechen, wie Sonne, Mondschein oder Stern. Bei solchen Bezeichnungen könnte man vermuten, die Gäste gingen dort erst heim beim Licht der Sterne, beim Mondschein oder gar erst wenn die Sonne wieder am Himmel stand …. Andere  Wirtshausnamen sollten über ihre genaue Lage Auskunft geben, also für jeden leicht zu finden sein, so etwa der Postwirt, der Bruckenwirt, die Bahnhofsrestauration, Grabenwirt, Badwirt Vitusquelle, Alte Brauerei, Zentral etc. Eine besondere Spezies waren aber die politischen Lokalbezeichnungen, die ganz bewusst auf ein selektiertes Publikum abzielten. Beispiele dafür, obzwar  heute nicht mehr bestehend wären: das Cafe Hindenburg, die Wartburg, Gasthaus Zum Schwarzen Adler, der Kronwirt oder Alt-Heidelberg. Viele Adressen hat man aufgelassen, dafür wieder eine Menge neuer Lokale in alten oder neuen Häusern eröffnet. Was bleibt ist der Wandel! Daher sollen zum Abschluss einige historische Plätze, nach Besitzer- und Hausnamen durchmischt, genannt werden:

Wenn wir in der Klagenfurter Vorstadt beginnen und von Außen nach Innen wandern, muss man zuerst das ehemalige  Bahnhofshotel Verdino in Glandorf nennen, dann käme  „Zur Lokomotive“, „Kalter Keller“ – Gasthaus Dörrer – Liebeteggers „Wartburg“ woraus Frau Rohrer den „Steirerhof“ machte – Löschnig Richards „Alte Brauerei“,  Gh. Gratzer-Pucher, Gh. „Zur Sonne“,  Gh „Zum Roß“ (Meisterl).

Die Friesacher Vorstadt hatte einst Wirtskonzessionen am Ranftlhof, beim Mailänderhof und natürlich beim Sternwirt.

Mit Gasthäusern reich gesegnet war einmal die Weitensfelder Vorstadt inklusive Spitalgasse. Von oben nach unten aufgezählt waren da das Vitusbad der Fam. Mörthenhuber, Gasthaus Schauer, Gh Nagele und der Fasslwirt des Alois Mayer. Man könnte hier vielleicht auch den Poganzer, den Radinger und die Tiroler Weinstube des Friedrich Bugelsheim dazu zählen, wo man einmal gerne den Sonntagspaziergang enden ließ. All diese gastlichen Stätten sind nicht mehr.

Die Wirte der Villacher Vorstadt werden hier noch Platz finden müssen, während jene der Innenstadt vielleicht ein andermal zum Zuge kommen. Diesmal von Innen nach Außen: Gh „Zur Traube“,  „Zan Grean Bam“ – „Zum Hirschenwirt“, wurde später zu Cafe Hindenburg und ist heute die Pizzeria Milano – es folgt der ehemalige Gasthof  Gautsch (zeitlich davor Huber, Mulley) Gasthaus Ressmann („Zum Mondschein“ davor „Botenwirt“),  der Wirt bei der Brücke, also der Bruckenwirt  und schließendlich Restaurant mit Kino Johann Jäger.  

 Walter Wohlfahrt        Aus St.Veiter Stadtblatt´l August 2011

Straßenbau 1926 beim alten Mauthaus nahe Schönmühle

April 18, 2012 um 15:14 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Vier Monate war man im Jahre 1926 mit Straßenwalzung beschäftigt. Ein Bild von dieser Baumaßnahme im Bereich der Klimbacher Kurve spricht für sich selbst. Selten genug wird ein Foto geschossen und die Entstehungszeit so eindeutig dokumentiert. Doch Hand aufs Herz, wüßten Sie zu sagen wo genau diese Szene spielt? Man kann nämlich keinen der hier Abgebildeten noch um Auskunft fragen, denn es sind seither mehr als achtzig Jahre ins Land gangen! Oder erkennt wirklich noch wer jemanden?

Um keinen zu lange auf die Folter zu spannen – die Gesellschaft befindet sich auf der Friesacher-Straße genau an der Stelle, wo heute die Dr. Arthur Lemisch Straße einmündet. Vor sich hat man die komplette Streitmacht der damaligen St.Veiter Straßenverwaltung mit allen verfügbaren technischen Gerätschaften. Will man zunächst die maschinelle Bestückung von rechts nach links betrachten, erkennt man bald, daß man sich bei der Aufstellung schon etwas gedacht hat. Es zeigt sich ganz rechts samt dem Lenker am Steuerrad ein Vehikel zur Festigung des Unterbaues. Gleich daneben, ein Arbeiter der sich an einen hölzernen Schotterwagen, von zwei Mann zu ziehen, anlehnt. Dahinter ein komisches Pultdach. Ein Straßenarbeiter steht darauf, deutlich erhöht. Neben ihm ist ein etwa fünfjähriges Bübelein mit keckem Hütel deutlich erkennbar. Lebt er gar noch? Er wäre dann wohl an die 86 Jahre alt! Das Gerüst verrät, es befindet sich darunter ein fahrbarer Behelf zum Aufheizen der Teerfässer. Es folgt nun ein Pferd, besser gesagt ein Leihpferd mit dem dazugehörigen Roßknecht. Endlich kommt die Straßenwalze ins Bild. Diese hat ein Dach zum Schutze gegen die Hitze von oben. Die Hitze von unten her, also vom Asphalt ist sehr groß gewesen. Die Walze hatte die Straßenoberfläche zu glätten. Damit wäre auch der Arbeitsablauf von Bereitung des Unterbaues, über Schotterschüttung und Teerung bis hin zur Walzung gut nachvollziehbar. Vor der Walze erkennt man außerdem eine Wasserpumpe für zwei Personen. Sie wurde benötigt, um etwa störendes Wasser weg zu bekommen.

Worauf die einzigen zwei Personen, die nicht aufrecht stehen, sitzen, ist nicht auszumachen. Es könnten gekippte Schubkarren sein. Die massige Gestalt im Zentrum, gerade nicht das Bild füllend, sieht nicht darnach aus, als wäre sie gewohnt, Krampen und Schaufel zu schwingen, wie die zehn Aufrechten. Er war also wohl der Vorarbeiter, Partieführer oder vielleicht gar  der Herr Straßenmeister. Der zweite in Sitzposition ist recht elegant gekleidet und demnach ein Straßenbau-Ingenieur. Vielleicht ist er mit dem am Bildrand zu sehenden Auto Anno 1904 gekommen. Noch einer sticht ganz besonders heraus. Es ist der Mann im  schwarzen Rock mit weißer Schürze, rechts von der Mitte. Es würde nicht wundern, wenn er ein Wirt wäre, der schon irgendwo im Hintergrund das kühle Bier für die Gleichenfeier bereit hält?

Jetzt noch zum Haus dahinter! Es steht heute nicht mehr. Die Wellblechhütte rechts, diente wahrscheinlich als Werkzeug- und Gerätelager, denn das Haus selbst stand damals schon als Wegmacherhaus in Verwendung und war als solches in Staatsbesitz. Das Gebäude stand mit Sicherheit bis mindestens 1950 auf der von den genannten Straßen gebildeten spitzen Rasenfläche. Es wurde 1817 als „Neues Mauthaus“ errichtet. Die Bauausführung sollte dem Niedrigstbieter übertragen werden. Das war Amon Radinger. Er versprach, alles plangemäß herzustellen, und das um sage und schreibe 360 Gulden. Vielleicht war Radinger nicht der beste Rechner und auch nicht der tüchtigste Baumanager? Es kann sein, daß er sogar dazuzahlen mußte, denn aus einem Brief vom 15.3.1825 des Josef Tautschnig, Besitzer von Keutschachhof an Amon Radinger – also 8 Jahre später – geht hervor, daß die für das Mauthaus bezogenen Mauer- und Dachziegel noch nicht restlos bezahlt sind! Damit ist so nebenbei ein weiterer Vorbesitzer der ehemaligen Ziegelei Voraberger am Keutschachhof nachgewiesen. Nach Abschaffung aller Wegemauten blieb das Gebäude in öffentlicher Hand. Die Weiternutzung als Wegmacherhaus lag daher nahe. (Landesarchiv, Katalog 18, Stadt St.Veit, Faszikel 43).             

Walter Wohlfahrt in „Zentrum Kärnten“  VI/2007

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