Engelbert Valent (1899-1986) – Arbeiter, Soldat, Zeichner und Maler

Mai 6, 2018 um 17:48 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Einer Großfamilie mit Friauler Wurzeln  entstammend, kam Engelbert als viertes von zwölf Kindern am 4. Mai 1899 in Gurk zur Welt. Sein tragisches Ende fand er am 16. Januar 1986 nach einem Verkehrsunfall in der Klagenfurter Ebentalerstraße. Der Geburtsort ergab sich eher zufällig, weil Vater Franz, Baumeister seines Zeichens, Restarbeiten für die junge Gurktalbahn übernommen hatte. Engelberts frühe Kindheit war davon geprägt, daß ein kleiner Baumeister jener Zeit nicht selten samt Familie der Arbeit nachwandern mußte. Immer neue Menschen, neue Landschaften wirkten auf das Gemüt des Heranwachsenden ein. Etwas zu viel davon dürfte ihm 1915 zuteil geworden sein, als man den Sechzehnjährigen samt Eltern, Onkeln, Tanten und Geschwister kurzerhand internierte. Frauen und Kinder verbrachte man in die Oststeiermark, die Männer gar bis ins Burgenland. „Reichsitaliener“ im nahen Grenzgebiet bildeten bei Kriegseintritt Italiens angeblich ein Risiko, das man nicht eingehen wollte. Da spielte es keine Rolle, daß Engelberts Großvater, längst auf eigenem Besitz in Schwambach bei St.Martin/Sittich ansässig, einst dem „Imperatore Francesco Giuseppe“ zwölf Jahre treu gedient gehabt hatte! Gendarmen waren ortsweise unterschiedlich streng in der Auslegung von Dienstbefehlen, manchmal aber unerbittlich, wie jene vom für Oberhaidach zuständigen Posten Glanegg.

Bei Kriegsschluß und nach Rückkehr in das Glantal – diesmal nicht mehr zum Haidensee, sondern nach Lebmach, weil man dort für die Errichtung eines neuen E-Werkes tüchtige Maurer gut brauchen konnte – war die künftige Berufslaufbahn Engelberts vorgezeichnet und ihr Start eigentlich auch längst schon überfällig. Die billigsten, wenn schon nicht immer die willigsten Arbeiter des Baumeisters waren die eigenen Söhne. So wurde einer nach dem anderen zum Maurer ausgebildet. Engelbert aber entdeckte daneben noch eine eigene Welt, die Welt der Farben. Es wird berichtet, dass er eines Tages, es könnte im Jahre 1919 gewesen sein, seine Mutter in ihrer eigener Wirkungsstätte, in der Küche also, in allergrößten Schrecken versetzte. Das kam so: Mutter war gerade einmal kurze Zeit vor dem Haus oder im Garten, da malte der Jüngling ganz rasch und sehr gelungen ein Zwergerl  an die Wand, so als würde es leibhaftig hinter dem gemauerten Herd hockend, zur Tür hin schauen. Nach dieser ersten Probe seines Könnens, sollen die Malversuche nie mehr ganz aufgehört haben. Stall- und Stadelwände, innen und außen, gaben die ersten Malflächen ab. Natürlich waren damals die Möglichkeiten für Arbeiter, sich ein solches Hobby zuzulegen oder sich gar dafür ausbilden zu lassen, sehr gering. Die ersten „Schöpfungen“ wurden daher auch leicht wieder verworfen. Bestenfalls überlebten solche kürzere oder längere Zeit im engsten Familienkreis. Daneben war der Jüngling auch der Musik sehr zugetan. So hat er beispielsweise längere Zeit mit Inbrunst die Klarinette geblasen, obwohl sein Lieblings-Instrument eigentlich die Oboe gewesen wäre.

Hohenstein

Schon vor dem zweiten Weltkrieg entstanden einige in Öl gespachtelte oder gemalte Landschaften. Dazu zählen etwa ein Birkenwald, Schloß Hohenstein und weitere in Öl oder Aquarell gehaltene gegenständliche Motive. Experimentierfreude und Lerneifer waren jedenfalls groß. Wenn auch seit 1922 mehr oder weniger stolzer Vater, bald danach mit Albine Ameisbichler, verwitwete Matschnig, geboren Tigring 13.5.1900 in Lebensgemeinschaft verbunden, wurde noch lange ein Dasein ohne Trauschein bevorzugt und erst 1943 die Ehe geschlossen. Im väterlichen Betrieb einst nur gegen Kost und Unterkunft, bei unregelmäßigem Lohn beschäftigt zu sein, befriedigte nicht lange. So kam er bald nach Klagenfurt und zu fremden Maurermeistern. Die endgültige, auch meldeamtlich vollzogene Übersiedlung von Lebmach nach Klagenfurt datiert mit 16.12.1930. Bei aller Not der Zeit ist man wenigstens unabhängig und niemandem gegenüber Rechenschaft schuldig, sofern man einem aufwendigen Steckenpferd frönen möchte. Bilder jeder Art faszinieren und regen zum Kopieren oder zu Phantasie-Bildnissen an. Das eine oder andere findet auch schon Abnehmer, aber kaum Käufer. Gemalte Täler und Burgen, Stileben mit Obstkörben, Gefäße oder Blumen eignen sich gut als Mitbringsel oder als Hochzeitsgeschenk in der großen Verwandtschaft. Vereinzelt wird die Anfertigung von Kopien gelungener Motive in Öl gewünscht. Des Malers Vorliebe gilt ländlichen Menschen und Bauwerken, den Landschaften des Glantales,  doch ebenso Motiven rund um Klagenfurt. Bei Verwandtenbesuchen war die Staffelei immer dabei, ob in Schwambach, Lebmach, Brückl oder Eberstein.

Truppe-Kopie

1938 übersiedelte das Paar von der ersten Klagenfurter Wohnung in Haidach in bessere Lage in der Peter Rosegger Straße und 1940 in die Brünner Straße. Bei Ausbruch des Krieges war Engelbert Valent  40 Jahre alt. Dieser Umstand sowie seine Körpergröße von nur 1 Meter 61 ersparten ihm vorerst einen Ruf zu den Fahnen. Im Juni 1942 war es dann fast so weit. Er wurde „Deutscher Frontarbeiter“ das heißt, man verpflichtete ihn als Maurer-Vorarbeiter zur Organisation Todt. „Einsatz Norwegen“ wurde in das Dienstbuch gestempelt und es könnte auch dazu gekommen sein, denn es existiert ein Gipfel-Motiv mit Gebirgsjägern. Am 30.4.1943 wurde er zur Wehrmacht überstellt, wobei ihm bis zum glorreichen Ende noch zwei volle Jahre zugemessen waren. Ob er unter diesen Umständen viel zum Bildermalen gekommen ist, muss man eher bezweifeln, doch ganz auszuschließen ist es auch nicht. Von anderen Heldentaten ist noch weniger bekannt, es sei denn, die folgende Episode. Sie stammt vom „Krieger“ persönlich und zeugt von Unerschrockenheit und Mutterwitz: 1945 in den Wirren des Rückzuges über Slowenien, als man durch von Partisanen beherrschte Wälder und Landstriche nur noch des Nachts einigermaßen unbehelligt vorankommen konnte, trottete er als Muli-Führer zusammen mit anderen durch die Dunkelheit. Da überkam ihn ein plötzliches menschliches Rühren und er musste kurz mit dem Muli zurück bleiben. Nach Erledigung der Sache war der Trupp aber weder zu sehen und noch zu hören. Rufen war streng verboten. Der dringende Versuch, schnell wieder Anschluss zu finden, scheiterte an einer Weggabelung mitten im Wald. Da standen die Chancen fürs Überleben auf einmal nur noch 50 zu 50! Was tun? Kehrt gemacht, kurz den gekommenen Weg zurück. Im Brotbeutel fand sich noch ein kleiner Vorrat. Dieser wurde mit dem Muli geteilt. Dann sprach der Mensch zum Tier „Geh, jetzt mußt Du entscheiden“. Glücklich erreichte man die Kameraden wieder und nach Tagen sogar Kärntner Boden.

Zurück in einem stark zerstörten Klagenfurt hieß es zunächst neue Wohnung und Arbeit zu suchen. Gelernte Maurer waren für den notdürftigsten Wiederaufbau gefragt, womit ein Arbeitsplatz relativ bald gesichert erschien. Ein Unterkommen von 1945 bis 1967 wurde in der Völkermarkter Straße Nr.2, danach bis zum Ableben in der Fischl Straße Nr.31 gefunden. Ungeachtet der immer noch tristen, allgemeinen Lage, startete bereits 1949 im Rahmen der Volkshochschule der Arbeiterkammer eine von Prof. Karl Truppe geleitete Malschule. Leider sind in der Arbeiterkammer keinerlei Kursunterlagen mehr vorhanden. So ist es auch nicht nachweisbar ab wann und für wie lange Valent Schüler Truppes war. Tatsache ist, daß er von diesem frühen und einmaligen Angebot seiner Standesvertretung ab der erstmöglichen Gelegenheit Gebrauch gemacht hat. Die Aktkurse am Mittwoch Abend erfreuten sich rasch wachsender Beliebtheit. Ähnliches galt für das Porträtieren an Samstag Nachmittagen und Sonntag Vormittagen. Die Ansetzung der Kurszeiten läßt erkennen, dass man zunächst wirklich nur auf Arbeiter und Angestellte abzielte. Dies hat sich allmählich gewandelt und immer öfter fanden auch Privat- ja sogar Geschäftsleute, neben den Arbeitern also auch malbegeisterte Intellektuelle Gefallen an den Malkursen. Nach dem Ableben von Prof. Truppe im Februar 1959 folgte Prof. Karl Bauer als Leiter der Malschule, wobei ein weiterer Kursbesuch spätestens von da an eher auszuschließen wäre.

Thea Steiner-Kaltmann, seit 1955 gleichfalls Truppe Schülerin, spricht in ihrer Erzählung „Zigeuner des Lebens“ von der unzerstörbaren Liebe zur inneren Schönheit der Dinge. Dass der Maler Engelbert Valent dieser Liebe bis ins hohe Alter treu blieb, beweist die Fülle seiner Arbeiten. Bisher konnten fünfzig Bilder, alle in Privatbesitz, aufgenommen und digital katalogisiert werden. Das Gesamtwerk darf der Anzahl nach aber leicht doppelt so hoch angesetzt werden. Natürlich war er sich in angeborener Bescheidenheit sehr wohl dessen bewusst, welche Welten zwischen malenden Autodidakten einerseits und akademisch gebildeten Künstlern anderseits liegen. Er hat die wahre Kunst immer hochgeschätzt und verehrt, sich aber auch nach Kräften und mit seinem zweifellos vorhandenen Talent bemüht, sich dieser hohen Schule zu nähern. Dies gilt, auch wenn er nachweislich nie ausgestellt und es auch nie zu einem öffentlichen Ankauf gebracht hat.  Die Ausstellungsflut und Ausstellungswut unserer Tage hat es damals noch nicht gegeben. Die per Gesetz dekretierte Ankaufspflicht für öffentliche Körperschaften ist gleichfalls erst in jüngerer Zeit wirksam geworden. Ein Platz innerhalb der großen Zahl begeisterter und begabter Arbeiter-Künstler gebührt Engelbert Valent allemal.

Ein kleiner, namenkundlicher Exkurs ist vielleicht nicht ganz uninteressant und geeignet den mehrfach Genannten als einen wahren Repräsentanten von Alpe-Adria hinzustellen. Valent ist der slowenische Name für unseren Vornamen Valentin. Vor etwa 500 Jahren kam es bekanntlich sukzessive zur Bildung von Zweit- bzw. Familiennamen auf unterschiedliche Weise. In den Städten –  nicht selten auf Berufe der Väter abgestellt –  etwas früher als am flachen Land, wo auch der Vatername eine Rolle spielen konnte. Wenn nun aber der in jedem Falle slowenische Vatername Valent in den Landstrichen zwischen Socia-Isonzo und Tagliamento aus noch zu erklärenden Gründen unverändert zum Gen-Namen werden konnte, dann müsste es in Slowenien nach aller Regel den Familiennamen Valentic geben, Sohn des Valent. Siehe da, das Telefonbuch allein von Laibach enthält unzählige Valentic. Ein möglicherweise im Namen verschriebener Alpinschiläufer der jüngsten WM in Oberstorf hieß laut Insert z.B. Valencic. Welche Ableitung von Valent im  Slowenischen letztlich die richtige ist, mögen andere entscheiden. Im Umkehrschluss gilt dann aber, dass die obgenannten Landesteile vor einem halben Jahrtausend sprachlich weder rein slowenisch (nicht Valentic, sondern Valent!) auch noch nicht rein italienisch (nicht Valentino, sondern Valent!) gewesen sein können, sondern sowohl als auch und vielleicht noch einiges mehr, eben friulanisch. Dabei wäre gewiss auch noch ins Auge zu fassen, welcher Nation damals die Schreiber der Grundherrschaften oder die Matrikeln führenden Pfarrer angehörten. Gerade Pfarrer neigten einst gern dazu, alte Namen einzufärben. So entstanden im Friaul auch Valente, Valentini usw. Eine große Verbreitung des Familiennamens Valent innerhalb Italiens in moderner Zeit hat mit dem Eisenbahnbau zu tun. So ist etwa der Friedhof von Monterosso al Mare an der Ligurischen Küste voll von „slowenischen“ Valent aus Friaul!

Soweit mein Aufsatz, erschienen in „Kärntner Landsmannschaft“  Nr. 9/1998.

Ein gewichtiger Nachtrag – Mai 2018:

Über den Klagenfurter Flohmarkt gelangte ein zwar wenig qualitätsvolles, hinsichtlich der Biographie von Engelbert Valent aber wichtiges Werk in meine Hände. Es handelt sich dabei um ein von Buffa in  Gold gerahmtes Ölgemälde, mittleren Formates, ein unbekanntes repräsentatives Stadthaus (Klagenfurt?) zeigend, mit E. Valent signiert, rückseitig mit Handschrift vermerkt „Egon Chabert Klagenfurt 1931“ . Egon Chabert, alias Friedrich von Ostland, war in Wien kein unbekannter Maler. Er versuchte offensichtlich mit gängigen Motiven längs der Donau während schwieriger Zeit etwas Geld zu verdienen. Ein ähnlicher Beweggrund mag ihn wohl auch nach Kärnten geführt haben, wo der Fremdenverkehr nach der Währungsreform auch wieder zaghaft einsetzte. Um die Zeit zu nutzen, mag er auch Mal-Kurse in Klagenfurt angeboten haben. Dass es jetzt eine Öl-Arbeit gibt, die verschiedene Pinselstriche (solche des Lehrers und solche des Schülers) verrät und obendrein sogar deren Namen zeigt, lässt wohl den Schluss zu, dass Engelbert Valent nicht nur ein Schüler von Karl Truppe gewesen ist, sondern 20 Jahre davor bei Egon Chabert malen und kopieren gelernt hat. Das bestätigt einmal mehr seinen künstlerischen Lerneifer und auch das Bemühen, sich möglichst alle Techniken anzueignen: Spachteln, Aquarellieren, Ölmalerei, Akt  und  Portrait  malen, Landschaften  usw.

Übungsarbeit Klagenfurt 1931 unter Egon Chabert

Um einen Eindruck über das große und vielseitige Schaffen des Künstlers zu vermitteln, seien hie noch einige der ungezählten Arbeiten gezeigt :

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die amateurhaften Fotos beeinträchtigen leider die Bildwiedergabe beträchtlich. Auch die Aufnahmedaten stimmen natürlich nicht und sind zu vernachlässigen.

Gendarmen auf Wanderschaft

Juni 5, 2012 um 16:20 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Seit Einführung der Gendarmerie in unserer Stadt, also seit 1850 sind die St. Veiter Gendarmen schon mindestens zehnmal umgezogen. Im Schnitt musste alle 15 Jahre der Standort wechseln. Die letzte Adresse, Platz am Graben 1 sollte für die Gesetzeshüter und die für die öffentliche Sicherheit Zuständigen vielleicht wohl eine längere Bleibestätte sein.

Die Einführung der Gendarmerie im alten Österreich des Jahres 1850 hatte den Zweck, allen künftigen politischen und sonstigen Unruhen nach den Ereignissen von 1848/49 vorzubeugen. Der Chronist irrt, wenn er meint, es sei die Antwort auf die zuvor von den Wolscharträubern ausgegangene Verunsicherung der Landbevölkerung. Die Obrigkeit konnte wohl vorübergehend auf die neu geschaffenen Bezirksverwaltungsbehörden, keinesfalls jedoch auf die Gendarmen verzichten. Viel zu frisch waren noch die Erinnerungen an die vorangegangenen Aufstände innerhalb und außerhalb des Reiches. Die Zuständigkeit der Gendarmerie erstreckte sich ursprünglich auf den gesamten Gerichtsbezirk St. Veit. Erst viel später kam es zur Schaffung weiterer Kommanden und zwar 1.2.1891 Kraig, 1.1.1902 Launsdorf und 1.8.1911 Feistritz-Pulst (Radelsdorf). Von 1850 bis 1860 soll der Gendarmerieposten die Adresse Klagenfurter Vorstadt 26 (heute Klagenfurter Straße 49. Die Nachschau im Landesarchiv, Landtafel Tom XXII Folio 408 ergab, dass es sich dabei um die einstige Wasserleitkeusche, ganz alte Hausnummer 238 handelte und dass darauf tatsächlich ein Bestandsrecht, d.h. ein Mietrecht zu Gunsten des k.k. Aerars gemäß Vertrag vom 30.6.1854 verbüchert war. Die diesbezügliche Löschung stammt aus dem Jahr 1861. Weil die folgenden Mietverträge selten grundbücherlich sichergestellt erscheinen, wird man über deren Umfang und Lage der Räume meist nicht unterrichtet. 1860 rückte man der Stadt etwas näher um dann 6 Jahre im Rainerhaus, Klagenfurter Vorstadt 37, später Klagenfurter Straße 21 untergebracht zu sein. Ab 1866 ist man für einige Jahre am Oberen Platz. Haus Nr. 9 (Vermieter von 1860 bis 1879 war Johann Götz)  und Haus Nr. 13 (Vermieter bis 1905 war die Familie Feistl) tragen heute noch die gleichen Hausnummern. Jetzt entdeckt man in der Gendarmerie-Chronik erstmals amtlich, dass im nahen Glandorf zunächst Jäger, dann Dragoner und schließlich Husaren stationiert waren und dass es dort einen Exerzierplatz gegeben hat. Mit der Kriegserklärung an Rußland, 5.8.1914 zog das Militär von St. Veit fort um nie mehr wiederzukehren.

Zuvor schon kam es zu neuerlicher Übersiedlung des Postens in die Villacher Vorstadt Nr. 64 in das Haus von Frau Albine Lippitz (heute Sonnwendgasse 2), wo man von 1905 bis 1917 blieb. In diese bewegte Zeit fällt eine ganze Reihe bemerkenswerter Ereignisse: 1906 nahmen angeblich zwei Parteien, nämlich der Hausbesitzerverein, ein Zusammenschluss der Konservativen und als Gegenstück der Kommunalverein (klingt fast schon nach Kommunisten) ihre politische Tätigkeit in St. Veit auf. 1910 bis 1912 drückte der Bahnbau Launsdorf-Goggerwenig-St.Veit mit seinen rund 1.200 Beschäftigten aus aller Herren Länder, dem Stadtleben seinen Stempel auf. Der Gendarmeriepost war deshalb vorübergehend um zwei Mann zu verstärken. Lebhaft bedauert unser Chronist, dass der erhoffte Segen des Bahnbaues und die folgenden Anstrengungen der Stadt, sowie die großen Bemühungen des örtlichen Verschönerungsvereines um eine Belebung des Fremdenverkehrs durch den Kriegsausbruch mit einem Schlag zunichte gemacht wurden. Gallizien wurde von den Russen überlaufen, was zu einer Flüchtlingswelle unerhörten Ausmaßes führte und so trafen auch in St.Veit schon am 21.9.1914 per Güterzug 432 heimatlos gewordene Menschen ein, darunter ein Geistlicher namens Leo Biresky. Er dürfte mit der Behandlung seiner Schutzbefohlenen nicht zufrieden und vielleicht gar in Äußerungen hinsichtlich einer politischen Verantwortung etwas unvorsichtig gewesen sein. Kurzum, wegen Störung der öffentlichen Ruhe wurde er am 21.10. verhaftet. Über sein weiteres Schicksal herrscht amtliches Stillschweigen. Am 11.11.1914 erfolgte jedenfalls der Weitertransport aller Flüchtlinge in das „Konzentrationslager Wolfsberg“. Noch manch andere Arbeit wartete in diesen bedrängten Tagen auf unsere Gendarmen. Schon am 20.3.1915 kamen die ersten 200 russischen Kriegsgefangenen hier an und wurden in Hohenstein bei Pulst interniert. Mit dem Kriegseintritt Italiens gegen Österreich ergeht an die Gendarmen der Befehl, alle sogenannten „Reichsitaliener“ – und deren gibt es nicht wenige – der Bezirkshauptmannschaft vorzuführen. Diese wurden in der Folge vom Kleinkind bis zum Opapa um sie der nahe gerückten Feindgrenze fernzuhalten in Internierungslager bei Leibnitz und gar bis Burgenland abgeschoben, weil man in ihnen ein Sicherheitsrisiko zu erblicken glaubte.

Noch 1917, ein Jahr vor Kriegsende müssen die Gendarmen wieder packen und umziehen. Es geht ins Haus Villacher Vorstadt 63, seit 1929 Landstraße 8, heute Ossiacher Straße 11 bezeichnet, kurz ins Kuttnig Haus. Einem verbücherten Mietvertrag 1934 ist zu entnehmen, dass die zwei einfenstrigen Zimmer im 2. Stock, eine Holzlage, sowie die Mitbenützung von Abort und Wasserleitung den Mietgegenstand bildeten. Von hier aus tragen die Gendarmeriebeamten zusammen mit der Städtischen Sicherheits Wache Sorge dafür, dass die aufs äußerste beunruhigte Stadtbevölkerung vor den zwölf Tage lang rückflutenden Militärs so gut wie möglich beschützt sei. In Kärntens schwerster Zeit, genau vom 1.10.1919 bis 30.5.1920 beherbergt Hotel Stern in St. Veit sogar das Landes-Gendarmeriekommando, welches von hier nach Tanzenberg und erst am 25.10.1920 wieder nach Klagenfurt verlegt wird. Unter 1921 ist sowohl die Bildung des Heimatschutzbundes in St. Veit, Hörzendorf, St. Donat und Obermühlbach wie auch jene des Republikanischen Schutzbundes St. Veit vermerkt. Hier Grund- und Hausbesitzer, Bauernsöhne, Handwerksmeister, Angestellte, Beamte dort Fabriksarbeiter und vorallem Eisenbahner. Sehen die einen ihr Land, ihr Hab und Gut von außen wie von innen bedroht, so sorgen sich die anderen mehr ums Überleben der jungen Republik und um Fortbestand ihrer neuen politischen, arbeiterfreundlichen Errungenschaften. Waren die bisherigen Anforderungen an die Gendarmen nicht schon groß genug, die stärksten Herausforderungen stehen ihnen mit der Zuspitzung der innenpolitischen Verhältnisse aber noch ins Haus! Bürgerkriegsartige Zustände, Machtwechsel und Parteienverbote bis hin zu hochverräterischen Gewalttaten, all dies trug sicher nicht dazu bei, den Gendarmen einen nur halbwegs erträglichen Dienst-Alltag zu gestatten. Die hochdramatischen Geschehnisse von 1934 liegen noch keine drei Jahre zurück, da zog die Gendarmerie schon wieder um. Das Eckhaus Klagenfurter Straße 45 gehörte seit 1923 dem Verein „Arbeiterheim St. Veit“ und beherbergte Arbeiterkammer, Partei- und Gewerkschafts-Diensstellen. Dem schon angesprochenen Parteienverboten folgt für die Sozialisten alsbald der Vermögensverlust und so stand ab 1936 der „Österreichische Bundesschatz“, wenn auch als unrechtmässiger, jedenfalls als neuer Eigentümer fest. Hier wurde 1937 die Gendarmerie einquartiert und verblieb bis zum 28.2.1945, als ein Bomben-Volltreffer die neuerliche Umsiedlung erzwang. Bis 1947 dienten provisorisch freigemachte Räume im Bezirksgericht als Postenkommando. Das war natürlich eine Notlösung. Deshalb mietete man sich von 1947 bis 1960 im Hause Meisterl, Klagenfurter Straße 24 ein, von wo man dann gemeinsam mit dem Bezirks-Gendarmerie-Kommando ins Erdgeschoß des Buwog-Neubaues in der Friesacher Straße 17 umzog. Haus und Unterkunft waren damals noch von der Friesacherstraße her zugänglich, welch letztere bis zum Jahre 1983 diente.

Der Standort, Platz am Graben 1 wird voraussichtlich weit über das Jubiläumsjahr 2000 hinaus gelten und es bleibt zu hoffen und zu wünschen, dass den Gendarmen von nun an ein seßhafteres und friedvolleres Dasein bescheiden sein möge.

Walter Wohlfahrt in St.Veit Kommunal 1998  (umredigiert 2012)

Der Hutmacher in der Erlgasse

Mai 28, 2012 um 16:55 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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In einer garnicht so fernen Zeit waren die Hausbesitzer der Stadt St.Veit, egal ob in der Innenstadt oder in einer der Vorstädte noch fast ausnahmslos Ackerbürger. Da die Grenzen des Burgfrieds weit über Altstadt und die vier Vorstädte hinausreichten, waren noch genügend Flächen zu Ackerbau, zum Mähen oder Beweiden vorhanden. Einer der letzten Viehhalter der Innenstadt, dessen Kühe auf  ihrem Weg zu den Weidegründen noch täglich für frischen Dung am Hauptplatz sorgten, soll ungefähr in der Ecke der Bräuhausgasse gewirtschaftet haben und Rainer geheißen haben.

Die Bürgerliche Privatgült St.Veit, ein Zusammenschluß aller Hausbesitzer mit eigenen Statuten war zuständig für die Organisation und Verwaltung dieses Gemeinschaftsbesitzes. Damit auch niemand benachteiligt oder bevorzugt sei, wurden die Gründe alle Jahre durch das Los neu zugeteilt. Wer einen Tauschpartner fand, weil es für beide Teile günstiger erschien, konnte innerhalb einer gesetzten Frist noch Änderungen vornehmen. Die Anfänge dieser Privatgült, oder etwaige frühere Bezeichnungen dafür, sind noch kaum erforscht. Tatsache ist jedenfalls, daß sie in einer kritischen Phase der Stadtgeschichte, in der Zeit also, da die Eisenhandelsprivilegien von Kaiser Josef II abgeschafft worden sind, bereits in Funktion war. Diese kaiserliche Maßnahme war nicht nur schmerzlich für alle hier ansässigen Eisenhändler mit ihren prunkvollen Häusern am Platz, sie traf auch die Stadtverwaltung schwer, die mit Steuern und Abgaben nicht mehr im gewohnten Umfange rechnen konnte. Waren es echte Notverkäufe oder nur reine Vorsichtsmaßnahme der städtischen Amtsinhaber, die als Bürger der Stadt auch selbst ein Interesse haben mußten, daß nichts in falsche Hände gerät – jedenfalls wurden alle Realitäten die bis dahin das Bürgermeisteramt verwaltet hat, innerhalb kurzer Zeit abgestoßen. Dabei fällt auf, daß sich durchwegs potente und honorige Bürger der Stadt als Käufer fanden, die postwendend alle ihre neu erworbenen Besitztitel an die Bürgerliche Privatgült zedierten, so daß letztere schließlich neben den schon vorhandenen Gemeinschaftsflächen, auch noch Stadthäuser, Landwirtschaften und Industrieanlagen besaß.

Warum man einem direkten Kaufakt auswich und stattdessen den Umweg über die Zession beschritt? Einige Erklärungen dafür gäbe es vielleicht. Etwa die Gefahr einer Anfechtung wegen Insidergeschäft, oder die nicht zu erwartende Zustimmung seitens des übergeordneten Kreisamtes? Die ganz genauen Beweggründe sind nicht überliefert.

 Um nun endlich zum Hause in der Erlgasse zu kommen, welches den Aufhänger dieses Berichtes bildet, sei vorangestellt, daß die Privatgült noch später mit dem Ankauf feiler Stadt- und Vorstadthäuser sowie mit deren gewinnversprechender Weiterveräußerung Geschäft zu machen trachtete. Auf solche Art gelangte auch das Hutmacherhaus 1856 für wenige Wochen in die Hand der Bürgerlichen Privatgült. Diese war nämlich bemüht, die Erträgnisse aus dem angehäuften Liegenschaftsbesitz wieder fruchtbringend anzulegen und betätigte sich obendrein eifrig als Darlehensgeber, so auch an den Vorbesitzer des Hutererhauses Villacher Vorstadt 39, Ignaz Jakob Lerch mit Namen. Der arme Lerch hatte schon vor 25 Jahren das kleine Anwesen von der Rosalia Prettnerischen Vormundschaft gekauft und war nach so langer Zeit nicht nur den Großteil des Kaufschillings, sondern zusätzlich 400 Gulden für ein neues Darlehen der Privatgült schuldig. Rechtsnachfolger der Prettner war der Convent der Elisabethinnen in Klagenfurt und als diesem die Wartezeit zu lang geworden war, kam es zur Zwangsversteigerung. Die Elisabethinnen haben bekanntlich nicht nur hier von Prettner, ehemals Advokat und Bürgermeister von St.Veit, geerbt, sondern auch dessen Gut Rosenbichel bei Pulst. Dieser unerfreulichen Gerichtsmaßnahme, sowie der Genauigkeit eines Beamten verdanken wir nebenbei gute Auskünfte über die personelle Zusammensetzung der Bürgerlichen Privatgült St.Veit im Jahre 1856. Beim Weiterverkauf des Hutmacherhauses verlangte der Führer des neuen Grundbuches nämlich allen Ernstes vom Gültverwalter, dem hochangesehenen Andreas Elsäßer eine Vollmacht, sodaß wir nicht nur den Verwalter, sondern alle Ausschußmitglieder und vermutlich die meisten Mitglieder per Namen kennen. Die diesbezüglichen Akten sind im Museum der Stadt St.Veit geordnet und katalogisiert.

Das Haus bekam inzwischen die topografische Bezeichnung St.Veit „156 neu/158 alt“. Man nimmt an, daß mit Einführung des Katasters um 1828 die bisherige Hausnumerierung nach Stadt und Vorstädten aufgelassen wurde und eine Gesamtdurchzählung aller Häuser (Hauslisten!) platzgriff, das wäre „158/alt“, schließlich mit Gründung des neuen Bezirksgerichtes um 1850 die Nummer „156/neu“. Die Bezeichnung „Erlgasse 15“ gibt es erst seit Einführung von Straßennamen in St.Veit.

 Der Käufer Franz Muschlin vererbte das Anwesen, es bestand übrigens aus dem Wohnhaus zwischen Bach und Erlgasse samt Hutmachergerechtsame sowie einem Garten auf der anderen Straßenseite mit Holzhütte, 1870 an Luzia Muschlin, deren ae Sohn Ignaz Slamanig 1882 als Käufer auftrat. Von Maria Slamanig (seit 1912) ging die Liegenschaft 1926 auf Johann Slamanig über, der noch im gleichen Jahr das Haus an Max und Ursula Schöffmann aus Gösseling verkaufte um sich auf dem verbliebenen Grundstück gegenüber ein stattliches neues Wohnhaus, Erlgasse 10, zu schaffen. Hier her gehören auch die nach Auflösung der Privatgült um die Jahrhundertwende angefallene Acker- und Wiesenparzellen im Westen der Stadt.

Die Behausung des einstigen Hutmachers, jetzt Erlgasse15 und im Besitz der Familie Zoff,  zählt zwar nur zu den mittleren Vorstadthäusern, über einen Zeitraum von eineinhalb Jahrhunderten betrachtet, konnte sie uns aber dennoch so manches über die Stadt erzählen.

Walter Wohlfahrt in „St.Veit Kommunal“ Ende 1998

 

 

 

 

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