Das Prinzhofer-Haus von 1808

Dezember 25, 2012 um 17:37 | Veröffentlicht in St.Veit | 1 Kommentar
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Karl Prinzhofer, Direktor der Obersteiner`schen Gewerkschaft in Wimitz/Pfannhof (Hirt) und Vater des bekannten Portrait-Malers August Prinzhofer, kaufte 1807 von Bartlmä Weinheber ein stattliches Grundstück in der Klagenfurter Vorstadt. Er begann sogleich mit dem Bau eines vornehmen Wohnsitzes, bestehend aus einem spätklassizistischen Stöckl, Stallungen und Remise. Bald danach kam es auch zur Anlage gepflegter Park- und Gartenanlagen. In einem Nachruf für Karl P. der Klagenfurter Zeitung vom 16.11.1861, Seite 1058 werden sogar Hopfengärten und Spargelpflanzungen erwähnt. Dort ist auch zu erfahren, dass Prinzhofer weitum in  Kärnten als exzellenter Meisterschütze galt. Seine Bürgeraufnahme erfolgte im Jahr 1814. Das Haus wurde zwar 1945 durch Bombenabwürfe schwerstens in Mitleidenschaft gezogen, von seinen damaligen Besitzern jedoch vorbildlich wiederhergestellt.

Trotzdem, das ursprüngliche Ensemble eines herrschaftlichen Hauses mit eigenem Pferdestall und Wagen-Remise, mit Parks und Gärten ist heute nur noch in Ansätzen erkennbar. So etwa in den wunderbaren Gewölben des ehemaligen Stallgebäudes (heute Cafe Rumpelstilzchen). Die einst in sich geschlossene Realität wurde durch Abverkäufe, Teilungen und Neubauten im Laufe der Zeiten stark beeinträchtigt. Manche Bauten sind in ihrer ursprünglichen Bedeutung kaum noch erkennbar. So wohnen heute auf diesem Areal die Familien Rudolfo und Koller, aber auch neue Betriebsstätten gibt es hier von Dr. Huber und von Familie Kahr.

Sohn August (St.Veit 1816 – Steinerhof 1861) verkaufte an Moriz Seyerl, ebenfalls ein Werksbeamter – und Bürgermeister der Stadt St. Veit von 1864-1869. Kurz scheint ein Gustav Rupprecht auf, ehe mit diesem 1873 Karl Knaus einen Kaufvertrag schließt. Diese Kaufabrede zeigt zweierlei. Weder Rupprecht, noch Knaus hatten das nötige bare Geld. Den Kaufgegenstand bildeten das Haus Nr. 221 alt, Nr. 8 neu, die Anteile an der Bürgergült, ein Hopfengarten und eine gesonderte Wiesenparzelle von über zwei Joch. Der vereinbarte Kaufpreis von 10.000 Gulden wird in der Weise geregelt, dass Knaus die intabulierten Schulden von 7.000 Gulden in sein Zahlungsversprechen übernimmt und dazu drei Jahresraten von je 1.000 Gulden ab 1.2.1874 (!) zu leisten verspricht.

Das Wohnhaus hatte Rupprecht bis Georgi, Stall und Remise 14 Tage später zu räumen. Karl Knaus kaufte also mit null Eigenmittel. Das konnte nicht gut gehen und erklärt wohl auch warum Mutter Magdalena nach Siechtum und Tod ihres Gatten, das Hauptgeschäft keinem der älteren Söhne, sondern ausgerechnet ihrem Jüngsten, Fritz Knaus übergeben wollte. Dieser erst bot ihr Gewähr genug, einen soliden Nachfolger zu haben. Dieser war es schließlich auch, der den in Konkurs verfallenen Bruder auslöste, indem er 1882 kraft exekutiver Ersteigerung das Prinzhofer Haus an sich brachte und es für eine sehr lange Zeit zum Mittelpunkt seiner berühmten Familie machte. In diese Zeit fällt auch die Abtrennung von Stall und Remise durch Verkauf derselben an Andreas Komatz. Bevor dort ein Kaufmannsladen entstehen konnte, wollte der Verkäufer sicher gehen, dass neben ihm kein übel riechendes Gewerbe betrieben werde und nahm den Passus in den Vertrag auf, der dies absolut ausschloss. Komatz war nämlich Hadern- und Knochensammler auf der anderen Straßenseite.

Am 8. August 1908 wurde im Prinzhofer Haus – zunächst nur für acht Tage geplant, später aber mit open end –  die Prinzhofer-Ausstellung eröffnet. Der Katalog dazu nennt 378 Objekte, davon rund 215 aus Sammlung des Hausherrn, rund 30 aus der Sammlung Joanneum in Graz, der Rest von privaten Leihgebern. Nicht alle Leihgeber haben die Rückgabe gefordert, als man sich entschloss, auf Grund des großen Erfolges eine Dauer-Ausstellung daraus zu machen und damit den Verschönerungsverein St. Veit zu unterstützen.

1937 folgten auf Fritz Knaus dessen Tochter Dorothea und Schwiegersohn August Schweditsch je zur Hälfte, ab 1937 (nach Scheidung?) Dorothea im Alleinbesitz. 1961 kam es zu weiterer Abtrennung für einen Neubau des Emil Prohaska während das Stammhaus in die Hand des DI Zingerle, Vorgänger von Ing. Rudolfo gelangte. Ein Luftbild von Jakob Wohlfahrt (liebenswürdigerweise von Frau Paula Zechner zur Verfügung gestellt) zeigt die heutige, einigermaßen beengte Situation, ziemlich genau.

Abb. nur in Friedrich Knapp Stadt Blatt´l      Walter Wohlfahrt   Sept. 2012

 

 

 

Klagenfurter Vorstadt

Februar 20, 2011 um 13:55 | Veröffentlicht in St.Veit | Kommentare deaktiviert für Klagenfurter Vorstadt
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Aus Katasterplan von 1828Ausschnitt Kataster 1828 - Klagenfurter Vorstadt incl. Änderungen bis ca. 1875

Nun schließt sich der Kreis unserer Spaziergänge durch die alten Vorstädte und die letzte Runde beginnt zwischen den Häusern Herzog Bernhard Platz 10 und 11, wo sich bis 1851 stolz das Klagenfurter Tor erhob. Man nannte die Gegend auch „das St. Johanner Ort“ in Anspielung auf die ehemalige Kirche St. Johann im Erlach, oder auch einfach die „Untere Vorstadt“. Schon 1828, bei Vergabe der Parzellennummern, zeigte sich entlang der heutigen Klagenfurter Straße eine fast geschlossene Verbauung, zumindest bis hinunter, wo laut Karte die damals neu geschaffene Verbindungsstraße zum Güterbahnhof abzweigt.

Wir folgen der Klagenfurterstraße rechtsseitig, müssen aber zuvor noch berücksichtigen, daß es auch abseits davon Häuser gab, die unter Klagenfurter Vorstadt liefen. So etwa hinten am ehemaligen „Gütersteig“ – heute Prinzhoferstraße – der Meiereihof des Egydius Kaiser. Heute ist dort der Parkplatz des Spar-Kaufhauses. Der von Dr. Weberitsch (Seite 84f) hochgerühmte Wagnermeister und Fahrrad-Erfinder Erhart Kremser hatte im Hause 36 gegen den Gütersteig hin seine Wirkungsstätte. Alle übrigen Häuser stimmen mit der heutigen Situation voll überein. Es sind dies die geraden Hausnummern von 20 bis 38. Der Vorgängerbau des Prinzhofer-Hauses gehörte einem gewissen Gustav Ruprecht, ein alter St.Veiter Name.  Die Häuser Dörer, Marschnig und Schorn waren in einer Hand und zwar in der von Thomas Leschanz. Das Haus knapp unterhalb des Bahnkörpers (Wabnegger) ist ebenfalls alt. Eine weitere Keusche, der Bürgergilt gehörig, ist nicht mehr auffindig. Mit dem Besitz des bekannten St.Veiter Industriellen, Franz Puntschart, erreichen wir nicht nur die alte Stadtgrenze, sondern auch unseren Wendepunkt. Puntschart besaß beiderseits der Straße vier Hausnummern, nämlich Mühle, Bleiweißfabrik, Wohnhaus und Schwerspatmühle am Bächlein, welches vom Muraunberg herunter kommt. Er war ein herzensguter Mensch, borgte jedem, der ihn darum bat und endete als armer Mann. Etwas abseits wiederum, wohl irgendwo an der Glan, gab es die Brettersäge der Antonia Kronawitter, die Schleifmühle des Anton Bischof und vor allem die alte, schon stillgelegte Papiermühle mit bereits teilweise abgetragenen Anlagen. Das in seiner Gründung auf die Familie Gleismüller zurückzuführende Werk an der Glan befand sich damals vorübergehend im Besitz der Hüttenberger Eisenwerks AG (1869 bis 1881).

Sehr interessant wird es laut Plan von 1871 auf Höhe der späteren Lastenstraße. Zuvor nichts als freie Felder und das isoliert stehende Haus des Simon Polzer, später Mardaunig. Nichts zu sehen noch vom Steinmetz Della Schiava (heute Bulfon)! Ungefähr an Stelle des ausgebombten Arbeiterheimes (heute ein Wohnblock) lag der uralte „Turtltaub Meierhof“. Als tragischerweise das Besitzerehepaar in jungen Jahren verstarb und mehrere unmündige Kinder zurückließ, die man auf entfernte Verwandte aufteilte, war der Hof mit ausgedehnten Feldern und Wiesen nicht länger zu halten. Die Bürgerschaft ersteigerte den Besitz und machte daraus den „Gülten Meierhof“. Die Fortsetzung der Häuser mit ungeraden Nummern, diesmal verkehrt herum von 33 bis 21 und der Stadt zu, zeigt gegenüber heute ebenfalls nicht viel Veränderungen, nur der Gasthof  Voraberger, Vorstadt Nr. 38,  besteht leider nicht mehr. Die Bedeutung der Klagenfurter Vorstadt war einmal groß. Bierbrauer, Gasthäuser und Handwerker schätzten die günstige Lage, schon lange bevor es die Eisenbahn mit Schnellzugsbahnhof in Glandorf gab und danach erst recht. Die Straße nach Klagenfurt einerseits und die diversen Betriebsamkeiten an der Glan anderseits, sorgten schon früh für wirtschaftliche Belebung. Die Bahnanbindung und der nahe Güterbahnhof brachten dann auch noch so manchen Glantaler von Süden her in die Stadt. Die Motorisierung war für so lange ein Segen, bis man die Umfahrungsstraße baute. Den heutigen Verkehr auf der alten Straße zu haben, wäre inzwischen allerdings weder vorstellbar noch wirklich wünschenswert.  VII/2005

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