St. Veiter Wiesenmarkt 1900-1950

August 29, 2012 um 18:35 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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 Ein Glück und ein Segen für jede Gemeinde, für jede Stadt, wenn ihr erster Bürger neben Eifer für Gegenwart und Zukunft auch noch tätiges Verständnis der Geschichte gegenüber an den Tag legt. So hat Bürgermeister Gerhard Mock veranlaßt, daß der reiche historische Schatz des Gemeinde-Archives digital verfügbar gemacht worden ist. Frau Mag. Bettina Steiner-Köferle  hat sich in bewundernswerter Akribie dieser monatelangen, wertvollen Aufgabe unterzogen. So ist es erstmals möglich, themenspezifisch relevante Sachverhalte aus einem großen Datenbestand mit wenig Mühe auszufiltern und diese, wie beispielsweise hier den Wiesenmarkt betreffend, darzubieten.

 Vieles ist über den historischen St.Veiter Micheli-Markt bisher schon von berufenen und weniger berufenen Leuten geschrieben, manches davon auch gedruckt worden, Stichhaltiges und Legendäres. Als Standardwerk gilt wohl die von Bürgermeister Hubert Zankl zum 600 Jahr Jubiläum in Auftrag gegebene, von Dr. Karl Dinklage verfaßte und 1962 gedruckte „Geschichte des St. Veiter Wiesenmarktes“.  Auch einmal einen nicht so fernen Zeitraum, an den sich der eine oder andere vielleicht noch selbst oder vom Hörensagen erinnern wird, auf Grundlage handfester Daten im Zeitraffer vorüber ziehen zu lassen, ist nicht ohne Reiz, zumal die hier benutzten Quellen dem obgenannten Buchautor sicher nicht zur Verfügung standen.

 Was dabei als erstes ins Auge springt, ist der Umstand, daß die jährliche Zählung der Märkte, wie diese immer wieder in den Zeitungsberichten vorkommt, streng genommen unkorrekt ist. Inzwischen ist diese Übung im offiziellen Ankündigungsplakat ganz zu Recht einer Nennung der Zeitspanne gewichen. Allein in der kurzen Betrachtungszeit von fünfzig Jahren wurde mit der Abhaltung des Ereignisses mehrmals ausgesetzt. Sei es 1910, wo sich die Maul- und Klauenseuche derart ausbreitete, daß ein Marktverbot ausgesprochen werden mußte – und man vielleicht deshalb auch noch bis ins 12er Jahr etwa von Ausschankbewilligungen nichts vernimmt – sei es die Ruhrepidemie des Jahres 1917, die es geboten erscheinen ließ, keinen Wiesenmarkt anzusetzen; oder man werfe den Blick auf einige Kriegsjahre sowohl 1914-1918 als auch 1939-1945. Zunächst sollte 1944 noch J. Hopfgartner die Marktaufsicht übernehmen, doch kam dann am 12.9. das endgültige Verbot. Der Reichsstatthalter für Kärnten begründete diese Verfügung mit dem Schutz der Bevölkerung vor der bestehenden Luftgefahr. Die älteren Leser werden sich erinnern, wie damals die englischen Jagdflugzeuge, ob Spitfire oder Lightnings, bereits unangefochten den Kärntner Himmel beherrschten. Auch gab es in jener Zeit schon lange keinen rechten Anlaß mehr für jegliche Volksbelustigung. Die einen waren an der Front, die anderen sorgten sich um sie. Bestenfalls kam es noch zu Absatzveranstaltung für Pferde und Rinder. Im Herbst des Jahres 1945 war der Krieg gottlob vorüber und der Wiesenmarkt konnte ohne weitere Unterbrechung langsam wieder in Schwung kommen!

Die Ausschankbewilligungen spielten immer eine besondere Rolle. Sie versprachen gutes Geschäft und waren dementsprechend begehrt. 1905 ersuchten die Schankwirte gar darum, vorzeitig, also  v o r  der offiziellen Eröffnung, mit dem Ausschank beginnen zu dürfen. Dagegen werden aber wohl die ortsfest gebliebenen Wirte Einspruch erhoben haben.

1913 wurde ein gewisser Johann Plöb genannt. Er gehörte der Gemeindewache an – damals eine Art gemeindeeigene Polizei – und er hatte als ernannter Marktrichter auf Einhaltung der Marktordnung zu schauen. Ebenso oblag ihm das Einnehmen der Standgelder.

1920 mußte der Wiesenmarkt mit Rücksicht auf die Kärntner Volksabstimmung verschoben werden und als man 1922 daran dachte, die im Kriege abgenommen Kirchenglocken nachzuschaffen, kam es zu einem recht krausen Gedanken. Der Festausschuß des Glockenkomitees unter Obmann Tichatschek trat allen Ernstes an die Stadtgemeinde heran, den ganzen Wiesenmarkt dem Komitee zu verpachten. So wären, nach Meinung der Bittsteller, die Standgelder einem guten Zweck zugeführt. Aus „prinzipiellen Gründen“ ist man diesem Ansinnen nicht nahegetreten.

1924 hört man von einem Gemeinderatsbeschluß, wonach anläßlich des Wiesenmarktes die Bäcker der Stadt an zwei Sonntagen schon um zwei Uhr früh beginnen dürfen, ein deutlicher Hinweis darauf, daß man ansonsten den großen Bedarf nicht hätte decken können.

1926 kam es erstmals expressis verbis zur Vergabe von „Lizenzen für die Ausübung des Gast- und Schankgewerbes“ auf Marktdauer und zwar genau vom 19. September bis zum

18. Oktober, eine recht lange Zeitspanne. Verbunden damit war eine Neufestsetzung der Standgelder und der Belustigungssteuer.

1928 wurde über Ansuchen des Landesverbandes der Kriegsbeschädigten, Witwen und Waisen, demselben das Aufstellen einer Rasenkegelbahn zur Zeit des Wiesenfestes gestattet. Diese Einrichtung hat sich nicht nur bis vor wenigen Jahren erhalten, nein, sie wurde sogar wesentlich erweitert und ausgebaut. Der Bestandsinhaber  hieß von 1938 an „NS-Kriegsopferversorgung“ und ab 1945 „Kärntner Kriegsopferverband“. Keine Frage, daß auch zuvor schon dem Kugel- und Kegelspiel gefrönt worden ist. Was aber bislang meist das Anhängsel einer Schankbude war, wurde damit zum Monopol der Kriegsopferfürsorge. Allerdings, eine Eintragung im Grundbuch des Pfarrhofes St.Veit (Landesarchiv, Stadt St.Veit, Signatur 213, Folio 35) erwähnt 1818 die „Jahrmarkt-Kegelbahn“ und deutet darauf hin, daß schon damals zumindest die Kegelbahnen eine temporäre Einnahme des Pfarrhofes geboten haben.

Der Zustrom von Radfahrern ist 1928 schon so stark, daß Max Weberitsch in der Villacher Vorstadt 7 um das Gewerbe zur Einstellung von Fahrrädern der Marktbesucher auf seinem Grund und Boden ansucht.

Einer Initiative des damaligen Kustos des Stadtmuseums und Obmannes des Verschönerungsvereines, Volksschuldirektor Rudolf Niederl und der Unterstützung durch die Kärntner Landsmannschaft, ist es zu verdanken, daß der längst abgekommen gewesene Brauch von Aufstellung und festlicher Übertragung der Marktfreyung, verbunden mit der sogenannten Marktberufung, das ist die Verlesung der Rechte und Pflichten der Marktteilnehmer, 1932 wiederbelebt wurde. Mit kriegsbedingten Unterbrechungen ist dies seither und bis auf unsere Tage ein fester Bestandteil der Marktkultur. Es spricht viel dafür, daß Dir. Niederl von seinem Berufskollegen Josef Pucher inspiriert worden ist. Pucher war es, der Mitte der zwanziger Jahre über den „Wiesenmarkt in früherer Zeit“ im Periodikum „Für das Kind, Leseheft für Kärntens Schuljugend“ schrieb, selbst aber sein Wissen von keinem geringeren als aus Franz Franziskis „Kulturstudien… in Kärnten“ bezogen hat. Übrigens, die Marktfreyung wurde 1932 vom Bildhauer Pichler in Klagenfurt neu geschaffen und am 17.9. geliefert. 70 Jahre neue Marktfreyung wären demnach zu feiern gewesen…..

Die Zahl der Radfahrer stieg weiter, so daß 1932 auch ein gewisser Anton Sallinger das Einstellen von Fahrzeugen auf dem Kinderfreunde Spielplatz an der Marktstraße bewilligt haben möchte. Das Geschäft auf diesem Platz hat noch in den fünfziger Jahren gut floriert. Eine unabsehbare Menge von Rädern, Rollern und Motorrädern prägte das Bild.

 1934 war ein politisch all zu sehr bewegtes Jahr, um an eine größere Veranstaltung denken zu können, obwohl die Fertigstellung der großen Markthalle in dieses Jahr fiel.

Als Hinweis auf einen Festzug von 1935 ist ein Schreiben erhalten geblieben, welches sich an Baron Auer von Welsbach, Obmann des Kärntner Jagdschutzvereines, mit der Bitte richtete, eine entsprechende Abordnung möge am Festzug teilnehmen. All zu gerne hätte in diesem Jahr die Kärntner Brauerei AG Villach die große Markthalle gemietet, doch war leider die ortsansässige Gösser-Bierniederlage etwas schneller.

1936 wollte der „Musikverein Bundeskapelle“ unter Obmann Josef Mauko eine teilweise Rückerstattung der Marktabgaben. Die Begründung lautete, es handle sich um einen jungen, in Aufbau befindlichen Verein mit knappen Geldmitteln. Weil sich dahinter offensichtlich die umgetaufte Eisenbahner-Musikkapelle verbarg, die politischen Verhältnisse sich aber bereits in Richtung Austro-Faschismus verändert hatten, wurde das Ansuchen abgelehnt.

Musik in jeder Form, ob Leierkasten, Orchestrion, ob zu Unterhaltung oder Tanz, Musik spielte am Wiesenmarkt eine große Rolle! Im Festzug von 1932 begegnen wir noch der Musikkapelle der Eisenbahner und der Arbeiter-Musik-Kapelle. Beide mußten später aus rein politischen Gründen vorübergehend in Bundeskapelle bzw. in Stadtkapelle umgetauft werden.

Eine lustige Episode gehört gerade in die Zeit 1936 oder 1937: Herr Pukelsheim engagierte eine Zigeunerkapelle aus ungarisch Burgenland. Die Instrumente wurden gegen gutes Trinkgeld vom Bahnhof abgeholt und zunächst in die Erlgasse geschafft. Es war ausgemacht, daß vorher noch einige Tage im dortigen Gastgarten und erst danach in der Weinbude am Wiesenmarkt aufgegeigt werde. So geschah es dann wohl auch und die Sinti oder Roma mit ihrem Prim-Geiger namens Ference machten großen Eindruck auf das zahlreiche Publikum. Dies galt ganz besonders für eine angesehene Dame der St.Veiter Gesellschaft. Kurzum, der Wiesenmarkt war zu Ende und für Ference das nächste Engagement in Nizza angesetzt. Besagte Dame ward danach volle vierzehn Tage nicht mehr gesehen, ehe sie sich eines schönen Tages wieder bei ihrem großmütigen Ehemann einfand!

Um zwischendurch auch das Archiv des Stadtmuseums bzw. eine erhalten gebliebene Niederschrift von Rudolf Niederl aus 1947 heranzuziehen, sei kurz daraus zitiert:

 „In den Jahren 1936 und 1937 flaute jedoch das Interesse an der weiteren Ausgestaltung der festlichen Marktberufung merklich ab, so daß 1937 nur noch zwei Stadträte und der Stadtschreiber in der Person des Amtsleiters bei der Übertragung der Freyung auf die Marktwiese, also sang- und klanglos und ohne Festakt, assistierten.

„Einerseits war es die wirtschaftliche Notlage, die ungeheure Zunahme der Arbeitslosigkeit, welche eine Stagnation auf allen Gebieten erkennen ließ, anderseits schlugen die Wellen der einsetzenden politischen Bewegung immer höher und bewirkten ein Abseitsstehen jener Kreise, die sich einst in den Dienst der Wiederbelebung einer feierlichen Markteröffnung gestellt hatten.

Dir.Niederl kommt abschließend zu seinem Vermächtnis:

„Nach mehrjähriger Unterbrechung konnte das Getriebe des Wiesenmarktes erst allmählich wieder in Schwung gebracht werden. Abgesehen von seiner ehemaligen Bedeutung hat der Wiesenmarkt viel von seiner Anziehungskraft verloren (1947! Anm.d.Verf.), als Klagenfurt durch die Veranstaltung eines Herbstfestes, das inzwischen auf August verlegt und mit einer Gewerbe- und Industrieausstellung (spätere Klagenfurter Messe ) verbunden wurde und damit dem traditionellen Wiesenmarkt den Rang abgelaufen hat.

„Ich widme diese Niederschrift mit den gesammelten Zeitungsabschnitten (darunter merkwürdigerweise auch solche von 1950 und daher später beigegeben –  Anm. d. Verf.) sowie mit dem Bildmaterial, das ausschließlich von Amateuren stammt, dem Museum der Stadt St.Veit, das diese Erinnerungen als Zeichen der Bereitschaft, für die Belange der Stadt in uneigennütziger Art zu wirken, bewahren möge.

 Dir. Niederls Sorgen von 1947 haben sich zum Glück nicht bewahrheitet. 1950 titeln die Tageszeitungen bereits in großen Lettern und vorausschauend „600 Jahre St.Veiter Wiesenmarkt“ – „St.Veiter Wiesenmarkt im alten Glanz“ – „Tausende beim St.Veiter Wiesenmarkt“ – „Massenauftrieb beim Viehmarkt“ – „St.Veit im Festeszauber“ usw.

Viele, oft sehr gegensätzliche Kräfte vermochte der Wiesenmarkt im Festausschuß von 1932 zu vereinen. Die Namen der acht Protagonisten muß man kennen: Bürgermeister Leopold Polanz, Norbert Rainer, Fritz Knaus, Rudolf Niederl, Dr. Hubert Huber, Leo Knaus, Fridolin Rainer und Josef Glatzl. Es kam in jenem Jahr nicht nur zum bis dahin größten Festzug, sondern obendrein zur österreichweiten Ausstrahlung einer Wiesenmarkt-Rundfunkreportage, mit wissenschaftlichen Beiträgen von Dr. Martin Wutte in der Programm-Zeitschrift von Radio Wien (RAVAG, gegründet 1.10.1924).

Gar viel hat der altehrwürdige Markt in den beschriebenen fünfzig Jahren zu leiden gehabt, etwa unter der Furie des Krieges oder ganz einfach durch die zeitweilige Unverträglichkeit der Menschen. Man bedenke, die letzten 18 Jahre der Monarchie, turbulente 20 Jahre Zwischenkriegszeit, 7 Jahre Diktatur und 5 Jahre englische Besatzung, das alles hat unser guter alter Wiesenmarkt in dem betrachteten Zeitraum durchlebt! Ganz abgesehen vom markantem Wandel, welchen die Ablöse des Pferdes durch den Traktor oder der Weg vom Fahrrad zur Vollmotorisierung mit sich brachten.

Walter Wohlfahrt    in Kärntner Landsmannschaft, Oktober  2004

 

Einstige Arreste im Alten Rathaus

April 7, 2012 um 15:20 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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SSogenanntes Altes (gemeint ist wohl erstes) Rathaus von Judengasse, späterer Bräuhausgasse her gesehen. Foto Walter Wohlfahrt, 2006

Als Kärnten, nach Napoleonischer Zeit vorübergehend von Laibach aus regiert wurde, mußten die Bezirksämter Villach und Klagenfurt mit den ihnen unterstellten Bezirksobrigkeiten, sprich Grundherrschaften und Magistraten von dort ihre Weisungen entgegennehmen und dorthin regelmäßig berichten, einerlei ob in Pfarr- , Schul- , Markt- , Militär-, Justizsachen etc. Weil dies zugleich auch die Zeit Metternichs und seines Polizeiapparates war, wurde nicht nur dem Schubwesen, sondern auch dem Zustande der diversen Arreste größte Aufmerksam zu teil. (Kärntner Landesarchiv, Gubernium Laibach, Schachtel 234, 1835-1836). Eine Durchsicht der Bestände bringt manch Interessantes zu Tage, wie etwa die

Entweichung der Criminal-Inquisiten Franz Ebernig und Anton Schigsch aus dem Arreste des St.Veiter Magistrates. Wie sich später herausstellte, sollten sie des Diebstahls wegen abgeurteilt werden. Im Amtsvortrag des Gubernialratsoffizials Saurau heißt es: „Aus den vorliegenden Erhebungen geht hervor, daß gedachte zwei Inquisiten (Häftlinge) mittels Durchbrechung des mit keinem Korb versehenen  Ofens und Öffnung der zwei Anhängeschlösser an dem vor der Heizstelle zu diesem Ofen angebrachten eisernen Schutzgitter nach Durchbrechung eines nur schlecht verwachten Hoftores in das sogenannte Alte Rathaus gelangten und daselbst in einer Kammer zu ebener Erde ein altes Fenstergitter weggebogen haben, von wo sie schließlich auf die Gasse (Judengasse!) und ins Freie kamen.“ Der Weg in die Freiheit war also durchaus nicht einfach zu bewerkstelligen. Eine Schwachstelle war der Ofen „ohne Korb“. Wie ist das zu verstehen? Es gab einen in die Zelle reichenden, und von außen zu beschickenden Ofen. Weil dieser zellenseitig keine Vergitterung, also keinen Korb hatte, war es möglich, die Ofenwand zu durchbrechen und beim Heizloch durchzukriechen. Da aber ganz offensichtlich noch mehr nicht in Ordnung war, hatte sich der Magistrat schriftlich zu rechtfertigen, und machte dies wie folgt: „Ebernig war nicht im Criminal-Arrest, sondern im (weniger strengen?) Polizei-Arrest, daher die nächtliche Anschließung (mit Ketten) an die Wand nicht mit gehöriger Aufmerksamkeit gehandhabt. Man räumt ein, daß der Arrest in jener Nacht nicht visitiert worden ist, weil dem Wärter Priwatschnig an diesem Tage bekanntermaßen äußerst unwohl war. Außerdem hatte Ebernig bei den üblichen Spaziergängen Gelegenheit, öfter in die Küche des Wärters zu kommen und im Zuge von Verwandtenbesuchen, die Lebensmittel brachten, sich Schlüssel für die zwei Anhängeschlösser zu besorgen.“

Zum Schluß wurde der Wärter mit drei Tagen, sein Gehilfe Luckensteiner mit 12 Stunden Arrest bestraft und dem Magistrat ein Pönale von 50 Gulden aufgebrummt, über dessen Zahlung, Reduzierung oder gänzlichen Nachlaß noch lange zwischen St.Veit, Klagenfurt und Laibach korrespondiert wurde, ohne daß man weiß, wie es ausgegangen ist. Von den zwei Ausbrechern, war der Schigsch bald wieder eingefangen, der Ebernig aber über alle Berge…….

Weil im gleichen Bestand auch ein umfangreicher und ausführlicher Bericht über die Beschaffenheit der Arreste nahezu aller Bezirksobrigkeiten des Klagenfurter Kreises, datiert mit Laibach, 3.4.1835 (Akt 20.865) einliegt, kann nicht nur Allgemeines, sondern auch für St.Veit ganz Spezielles ausgesagt werden. Es erstaunt wenig, daß auf die Sicherheit größter Wert gelegt wurde, aber doch, daß auch auf die Gesundheit der Inhaftierten geachtet werden mußte. So wurde abgefragt, ob der Boden aus Holz oder Stein sei und daher nicht selten ein Holzboden nachreklamiert, des weiteren, ob die Häftlinge im Falle von Krankheit und Not bei ihrem Rufen wohl gehört werden, im Winter eine Beheizung funktioniert oder, ob Belüftung und Trockenheit der Zellen gewährleistet erscheinen. Damit wieder zurück zur konkreten Situation im St.Veiter Rathaus.

„Der Magistrat von St.Veit besitzt laut vorgelegten Berichten vom 13.4.1833 bzw. 30.10.1834 und anruhendem Plan (leider nicht mehr vorhanden!) nur einen Bezirks-Arrest und zwar zu ebener Erde in dem dortigen Stadthause (=Rathaus) welcher gemauert, gewölbt, mit zwei Fenster versehen und mit einem Kachelofen beheizbar ist. Zu dem Arreste gelangt man nur durch die Wohnung des Gerichtsdieners, daher können die Verhafteten von da aus die allenfalls nötige Hilfe erhalten. Der Bezirks-Arrest ist übrigens, wie es sowohl aus der Beschreibung als aus dem Plane hervorgeht, vorschriftsmäßig erbaut und es wäre nur die Arresttüre mit einem Luftschuber zu versehen.

Ferner besitzt der Magistrat im 1. Stock des Rathauses noch zwei Criminal-Arreste zu denen man über eine im Hof angebrachte hölzerne (!) Stiege gelangt. Diese zwei Arreste sind durch eine Vorlaube abgeteilt in welcher die Einheizen (Öfen) dergestalt angebracht sind, daß jeder Arrest mit einem abgesonderten Ofen beheizt werden kann. Die Arreste sind übrigens sehr klein und höchstens für ein oder zwei Verhaftete tauglich, zweckentsprechend erbaut, sie kommunizieren nicht unter sich, auch können die Verhafteten allenfalls benötigte Hilfe durch Rufen vom Gerichtsdienergehilfen erhalten.“

Das Hintere Rathaus, das noch lange Zeit nur von der Judengasse her zugänglich gewesen ist, hat also nicht nur die Familien des Gerichtsdieners und seines Gehilfen, sondern zeitweise noch mehr oder weniger unfreiwillige Mitbewohner beherbergt.                      II/2006

 

 

 

Der Heilige Johann von Nepomuk

Juni 8, 2011 um 18:02 | Veröffentlicht in St.Veit | 1 Kommentar
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 Statue des Hl. Johannes von Nepomuk am Schillerplatz (Foto W.Wohlfahrt)

                              detto auf Glanbrücke in Glandorf (Foto W.Wohlfahrt)

               detto in der Klosterkirche (Foto Walter Wohlfahrt)

Drei Tage war der Vater krank. Jetzt trinkt er wieder – Gott sei Dank! Dieser Gassenhauer paßt irgendwie zu einem stadtbekannten Heiligen, dem lieben Nepomuk am Schillerplatz.

Nur war er nicht krank, eher pflegebedürftig, und immerhin für drei Tage verschollen! Große Aufregung auf Seiten der zugehörigen Hausfrau, Anzeige wegen gewaltsamer Entführung, Gendarmerie-Einsatz (einer der letzten dieser altehrwürdigen Institution, ehe sie zur „Polizei“ mutierte) mit Nachsuche, folgender Aufklärung, Entschuldigungen und vertraglicher Absprache unter allen Beteiligten.

Nach Monaten ist der Lieblingsheilige der Habsburger wieder an Ort und Stelle, schöner denn je, eine wahre Augenweide! Daher noch einmal, Gott, dem Restaurator, Frau Dr. Edelsbrunner  und der Stadtregierung sei Lob und Dank. Zugleich mit Nepomuk am Schillerplatz erstrahlt auch der Namensvetter an der alten Glanbrücke in Glandorf in neuer Pracht und Herrlichkeit. Da nun aber diese beiden Nepomuk Statuen aus der 1. Hälfte des 18. Jh. hier nicht die einzigen sind – so kommt z.B. noch eine in der Klosterkirche und eine vierte in der kleinen Filiale St.Andrä am Kollerhof dazu – mag es angebracht sein, einige Anmerkungen zum Thema zu machen und die Frage zu stellen, warum gerade in und um St.Veit der Heilige Johannes von Nepomuk so auffällig oft vorkommt? Hängt das nicht damit zusammen, daß während der Reformationszeit die Lutheraner in der Stadt und auch innerhalb des städtischen Rates stark vertreten waren? Oder kommt es daher, daß die harte Hand von Bischof Martin Brenner aus Seckau mit seinen 300 Bewaffneten im Jahre 1600 in St.Veit  wohl äußerlich Erfolg zeigte, die Herzen der Menschen aber wenig zu bestimmen vermochte. Erinnern wir uns, daß die neue Lehre die sogenannte Ohrenbeichte strikt ablehnte und es die katholische Amtskirche trotz sanften Druckes und Einführung des Beichtzettels  sehr schwer hatte, die alte Ordnung, wozu auch die Osterbeichte gehörte, wieder herzustellen. Da entsann man sich des Martyriums jenes Generalvikars von Prag, namens Johannes, der in Pomuk bei Pilsen geboren, im Jahre 1393, also 300 Jahre früher, von der Karlsbrücke in die Moldau gestoßen worden ist, nur weil er sich mit König Wenzel überworfen und das Beichtgeheimnis der Königin nicht preisgegeben hatte. Es kam also 1719 zur Graböffnung und siehe da, die Zunge des Generalvikars war gänzlich unverwest! Bald darauf wurde der Heiligsprechungsprozeß eingeleitet und dieser vornehmlich von Jesuiten getragen, welche 1723 auch in St.Veit eine große Stadt-Mission hielten. Ein diesbezügliches Gemälde kann man in der Stadtpfarrkirche beim Aufgang zur Orgel bewundern. Schon 1729 kam es zur Heiligsprechung und seither gibt es den Brückenheiligen. Nepomuk steht auf der Bruck, lautet der volkstümliche Merkspruch. Der junge Heilige wurde bei allgemeiner Wassernot gerne angerufen und gilt als Patron der Beichtväter, weil er für Ehrlichkeit und Verschwiegenheit steht.

Genau datiert ist lediglich die Statue der Klosterkirche: „1754 von P. Zacharias Stroitmann gestiftet“. Die Plastik am Schillerplatz wird J.G. Hittinger zugeschrieben und vom gelehrten Karl Ginhart nur allgemein in die 1. Hälfte des 18. Jh. gestellt. Auf Grund der auffälligen Ähnlichkeiten in Größe, Erscheinung und Ausdruck wird das eben Gesagte wohl auch auf den Heiligen Nepomuk in Glandorf zutreffen. (Siehe Fotos!)

Sind die ersten drei Heiligenstatuen immer auf ihrem angestammten Platz geblieben, so darf man von jener am Schillerplatz durchaus sagen, daß es sich dabei um einen Wanderheiligen handelt. Dies nicht nur wegen seiner jüngsten Reise zur Restaurierung ins Gailtal. Das würde ja für den „Glandorfer“ auch gelten. Nein, über die Wanderschaft des Hl. Nepomuk innerhalb der Stadt und die näheren Umstände gäbe es noch viel mehr zu erzählen, doch das ist eine längere Geschichte………                                        

Walter Wohlfahrt in „Zentrum Kärnten“   VIII/2005

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