Was sagt uns die „Pogatschnig“-Gasse von St. Veit?

Juni 12, 2017 um 17:46 | Veröffentlicht in St.Veit | 1 Kommentar
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Zwecks Klärung des Namens müssen wir mehr als hundert Jahre zurück blicken. Da begegnen wir Andreas Pogatschnig, einem 1830 geborenen Wirtssohn und Ledermacher, als er sich gerade anschickte, mit Johanna, geborene Kalisnik, verwitwete Kronegger  1860 seine erste Ehe einzugehen. Beide stammten aus dem alten Herzogtum Krain, er aus Dobrova, sie – ebenfalls Wirtstochter – aus Neumarktl. Die Familiennamen werden von Prof. Pohl wie folgt übersetzt: In Pogatschnig/Pogacnik verbirgt sich der „Kuchenbäcker“. In Südkärnten wäre nur ein Buchstabe zu tauschen, dann hätten wir den Pohacia, also den Kärntner Raindling.  In Kalischnigg/Kalisnik hingegen ist der Pfützner oder Lackner zu sehen, also derjenige der es ziemlich feucht hat.

Johanna war mit 47 Jahren nicht mehr die Jüngste, hatte für die Nachfolge in der Ledererwerkstatt aber anscheinend keinen geeigneten männlichen Nachwuchs. Das Haus am Hauptplatz Nr. 4 hielt sie noch 13 Jahre in Händen, ehe sie es 1873 ihrem Mann und Gatten  v e r k a u f t e  !  Verkauft vielleicht deshalb, um keine anderen Erbansprüche zuzulassen?

Andreas hatte zu der Zeit schon reichlich eigenen Besitz und seinen eigenen Produktions- und Handelsbetrieb. Sein erster Ankauf (1860) in St. Veit betraf ein heute nicht mehr existentes Wohnhaus mit (nach dem Stande von 1907 noch vorhandener) Werkstätte, Kalk- und Lohemagazin an der Grabenstraße (nahe dem heutigen Finanzamt) inklusive 1 ha Grund dabei  „mit laufendem Wasser“. Es ist anzunehmen, dass auch schon die Lohstämpfe im Vitusgraben (Obere Tappermühle) in Andreas´ Besitz war.

1862 wurde A. Pogatschnig in die Bürgerschaft aufgenommen. Das zeigt, dass selbst ein „Kraner“ – sonst all zu oft und leicht auch schimpfwörtlich gebraucht – durchaus zu Wohlhabenheit und Ansehen gelangen konnte. Was man auch als Wohltat des großen, gemeinsamen Wirtschaftsraumes unter der Krone Habsburgs bezeichnen könnte. Das Kronland Krain wurde unter Napoleon kurzzeitig und 1918 durch den SHS-Staat endgültig Vergangenheit. Wird die EU es eines Tages wieder so weit bringen ?

1866 kommt es zum Erwerb des Hauses Nr 13 in der Weitensfelder Vorstadt (heute Dr. Ewald Priessnitz). Zu diesem Haus gehörten Äcker, Wiesen und Gärten im Ausmaß von über 3 ha. Der Stadel (heute Wohnhaus u.a. von Familie Tamegger) wurde von Pogatschnig erst  1871 erbaut. Dieser Komplex wird 1887 durch Kauf noch um den sogenannten Lichtensteiner Acker um rund 2 ha erweitert.

So hat das Pogatschnig Haus am Oberen Platz 4 bald nach der Bepflanzung mit Achorn(?) Bäumen ausgesehen (erfolgt im Oktober 1912 durch Herrn Bretterbauer und Gemeindearbeiter im Auftrage des Herrn Kajetan Apolin, Obmann des Forstausschusses – 1926 wurden die Bäume wieder ausgegraben!)  Im Besitz  folgte auf Andreas Sohn Heinrich, schon 1910 Käufer Ferdinand Zedischnig, 1932 mit Zuschlag  die Handels- und Gewerbebank, schließlich 1934 Familie Holzmann.

Als 1873 das Stadthaus auf Namen Andreas P. umschrieben wurde, kaufte er gleich auch noch den alten Posthausgarten mit 522 m2 und verfügt  so über beträchtlichen Haus- und Grundbesitz in und um die Stadt.  Zwischen 1877 und 1893 werden ihm acht Kinder geboren, zumal er am 8.7.1877 als Witwer mit Ottilie Pirker die zweite Ehe ein ging. Das Pflegschafts-Gericht hat angesichts minderjähriger Erben unverzügliche die Aufnahme und Schätzung des Gesamtvermögens angeordnet. Baumeister Michael Wank und Johann Wahrheit gingen sehr penibel zu Werke, sie prüften und bewerteten allein das tote und lebende Inventar, ob in Verkaufs- Wohn- oder Stallräumen, mit 14.600 Kronen, darunter  allein Bargeld in Höhe von 1.150 Kronen. Dieses Schätzungsprotokoll ist eine Fundgrube für die Stadtgeschichte und erlaubt  hochinteressante Einblicke in Bau- , Wirtschafts-  Wohn- und Besitzverhältnisse jener Zeit.

Mit dem Tod des Andreas endete die Ledererzeugung in St. Veit. Sohn Heinrich zog es nach Villach, wo er bessere Chancen für eine Lederfabrik erhoffte. Nach dankenswerter Auskunft des Stadtmuseums Villach, Frau Mag. Pertl,  kommen dort 1910 und 1920 Lederfabrikanten mit Namen Pogatschnig vor. 1926 erfolgte die Bildung einer protokollierten Firma, die aber schon zwei Jahre danach gelöscht wurde.

Die Stadtregierung von St. Veit bedankte sich bei der Familie mit Widmung einer kleinen Gasse dafür, dass sie für eine großflächige Aufschließung der Pogatschnig-Gründe mit Abtretung von genügend Flächen für Straßen, aber vor allem für das neue Bezirksgericht zu haben war. Besitznachfolger Heinrich P. behielt nichts zurück, er verkaufte in kürzester Zeit alle Liegenschaften  in St. Veit.

Von alten Ledermachern

März 12, 2015 um 09:46 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Gott segne das ehrsame Handwerk!
Das war der Gruß unter den Mitgliedern der großen Kolping-Familie, „Gott segne es“ die Antwort darauf. Adolf Kolping (1813-1865) war katholischer Priester und Sozial-Pionier. Von ihm stammt die Idee, allen Handwerkslehrlingen und –gesellen, welche ihre vertraute Umgebung verlassen mussten, um in der nächst größeren Stadt Ausbildung und Arbeit zu finden, ein neues und umsorgtes Zuhause zu geben. Schon während der kurzen Lebenszeit des Gründers, schossen Kolping-Heime in vielen großen und mittleren Städten aus dem Boden. Unter Stadtpfarrer Felix Fiebinger kam es sogar bei uns in St. Veit zum Bau eines Vereinshauses und zu kurzzeitigem Bestand einer Einrichtung alla Kolping für die Jünglinge der verschiedensten Gewerbebetriebe.
Von der einstigen Vielfalt und Buntheit des Gewerbelebens innerhalb unserer Stadt ist nur noch wenig übrig. Oder können Sie mir auf die Schnelle einen Lederer, einen Schuster in der Stadt nennen? Gerade von diesen zwei Sparten soll aber heute die Rede sein. Man kannte sie wohl Jahrhunderte lang. Seit mehr als 500 Jahren gibt es die gar nicht so soltenen Familiennamen „Lederer“ oder „Schuster“. Nicht so oft bei uns, wohl aber in Deutschland die Herren und Damen mit Namen „Schuhmacher“ . In Österreich zeigte es sich erst relativ spät, dass ein Schuhmacher mehr galt als ein Schuster, schon gar als ein Flickschuster und ganz leicht konnte man einen Herrn Schuhmacher-Meister mit der falschen Anrede kränken.
Wie zahlreich sie einst waren und wie wenig empfindlich, vielmehr wie stolz auf ihren Stand, die Schuster von St. Veit, beweist der Bestand ihrer Bruderschaft zusammen mit den Ledermachern seit 1419. In Friesach begegnete man ihnen noch früher. War wohl auch die Stadt etwas älter als St. Veit. Kurzum, die Bruderschaften regelten nicht nur das Lehrlings- und Gesellenwesen bis hin zur Meisterwürde. Sie hatten selbstverwaltete Besitztümer wie Häuser, Äcker und Wiesen zum Verpachten, regelmäßige Zusammenkünfte, Andachten, Begräbnis und Gedenkmessen, Aufmärsche mit Fahne usw. Als es unter Kaiser Josef II zur Auflösung nicht nur der Klöster und Stifte, sondern auch der leicht religiös angehauchten Bruderschaften kam, wurde der aktuelle Jahresertrag mit mehr als einhundert Gulden bewertet. Was anderen Ortes in den neu geschaffenen Religionsfonds zu fließen hatte, wurde im Falle der Schuster und Lederer Bruderschaft anders geregelt. Ihre Mittel waren in die städtische Armenkasse abzuführen. Das konnte man in so ferne akzeptieren, als die Armenkasse das Bürgerspital zu tragen hatte.
Zu der Zeit waren die Ledermacher zwar noch immer nicht an der Zahl, sehr wohl aber an Wohlhabenheit den Schustern haushoch überlegen. Hatten die Schuster immer die gleichen Klienten zu bedienen, wobei sich nicht jedermann Schuhe leisten konnte und insbesondere die Mägde und Knechte eher billige HolzZockel bevorzugten, so konnten sich die Lederer ihre Abnehmer förmlich aussuchen. Dazu gehörten nämlich neben den Schustern noch die Gürtler, die Taschner, Sattler und Riemer. Die Ledermacher waren eigentlich Gerber, obzwar man sie abgesehen von den Weißgerbern (Irchern) im Steuerprotokoll von 1750 noch nicht so genannt findet. Folglich ist hier und heute auch nicht etwa von einem reichen Schuster oder Schuhmacher, sehr wohl aber von einem zu großem Vermögen gekommenen Ledermacher zu berichten. Wir sprechen von Andreas Pogacnik aus Dobrova in Krain. 1830 als Wirtssohn dort geboren, erlernte er den Umgang mit Rindenlohe und Gerbgrube. In St. Veit verlor gerade Johanna Kronegger, geborene Kalischnig, ebenfalls aus Krain (Neumarktl) stammend, ihren Ehemann Eduard, gewesener Lederermeister und was lag da näher, sich bald wieder einen neuen Mann für Betrieb und Bett zu suchen. Da kam Andreas gerade recht! 1860 entschloss sich Andreas, jetzt mit geschönten Namen Pogatschnig um die reiche Witwe Johanna zu werben, dabei legte der Bräutigam großen Wert darauf, in der Matrikel als „Lederer und angehender Besitzer des Hauses Weitensfelder Vorstadt 4“ (heute Gerichtsstraße 1 bezeichnet zu werden. Das lässt sich auch so verstehen, dass er in der Lage war, das Vorstadthaus aus eigenen Mitteln zu kaufen. Was dieses Gebäude zur Zeit des Kaufes darstellte, sicher kein reines Wohnhaus, wird sich noch zeigen. Zur Bürgeraufnahme kommt es schon 1862 und es spielte dabei nicht die geringste Rolle, dass er landfremd war. Das Stadthaus am Hauptplatz (später Konditorei Holzmann) lief noch eine Zeit auf Namen Johanna Kronegger/Pogatschnig. Erst 1873 folgte ihr Witwer Andreas im Besitze nach. Als auch Andreas am 1.4.1907 das Zeitliche segnete und sein Verlass geregelt wurde, erfährt man, dass er neben seiner zweiten Ehefrau Ottilie, geborene Pirker, drei erwachsene Nachkommen aus erster und vier Unmündige aus zweiter Ehe hinterlassen hat. Es sind dies der Reihe nach Heinrich, Lederfabrikant in Villach, 30 Jahre alt, Johanna, St. Veit, 29 Jahre, Ottilie, St. Veit 27 Jahre bzw. Franz 24, Andreas 21, Leopoldine 19 und Anna 14. Die Hinterlassenschaft, kurz beschrieben, besteht aus dem Hause Nr. 4 am Platz, dem „Marhof“ in der Weitensfelder Vorstadt, aus der Stämpf, irgendwo am Obermühlbach und Fahrnissen. Der Gesamtwert des Nachlasses betrug rund 120.000 Kronen.
Als es um die Mitte der zwanziger Jahre die Stadtverwaltung für richtig hielt, allen Straßen, Gassen und Wege Namen zu geben, wurde die kurze, hausnummern-lose Verbindung vom Hauptplatz zur Bräuhausgasse, Pogatschnig-Gasse getauft. Es wäre schön, hätte man bei Vergabe von Straßennamen auch ein wenig besser Protokoll geführt. Heute vermag nicht einmal die Kulturabteilung zu sagen, wer die Straßennamen vorgeschlagen und warum diese so beschlossen wurden, welcher Pogatschnig damit gemeint ist. Man kann nur vermuten, dass aus Dankbarkeit für die zeitgleiche Überlassung des Baugrundes zum neuen Bezirksgericht aus den sogenannten „Pogatschnig Gründen“ – über bürgerlichen Antrag der Beschluss gefasst wurde, eine Pogatschnig Gasse zu schaffen. Es gibt noch mehrere Beispiele von sogenannten Gassen und Wegen ohne Bedeutung die für ehemalige Bürger von St. Veit mit klingenden Namen reichen mussten z.B. Prof. Karl Ginhart, Dr. Sebastian Weberitsch oder Leo Knaus. Es fällt schwer, dabei an Zufälle zu glauben, eher ist es wohl ein Zeitbild und eine Reminiszenz, dass sich Stadtverwaltung mit eindeutiger Mehrheit und Bürgertum nicht immer ganz hold gewesen sind.
Wie gezeigt, hat der Sohn des Ledermachers daheim schon keine Zukunft mehr gesehen und ist deshalb nach Villach gezogen um dort mit einer Fabrik, einer Lederfabrik zu beginnen. Dazu muss man bedenken, was sich inzwischen in der großen weiten Welt so alles verändert hat. Die Ansprüche der Leder-Abnehmer in Bezug auf Qualität, bei gleichzeitigem Preisverfall wurden immer größer. Kein Wunder das der Weg von der örtlichen Produktion rasch weg zur Region und bald zu Internationalität hinführte. Benötigte die Lohgerberei noch Monate bis zum Fertigprodukt, so erlaubten neue Verfahren auf chemischer Basis die sogenannte Schnell-Gerberei. Da blieb für den Lederer alter Schule einfach kein Platz mehr. Sie wären auch nicht in der Lage gewesen, die nun verlangten Quantitäten zu liefern. Der Weg zur industriellen Ledererzeugung war unvermeidlich geworden.
Das ehrsame Handwerk ist noch nicht ganz ausgestorben. Es wird aber von Industrie und Automatisierung, von Massenproduktion und Wegwerfgesellschaft immer stärker bedroht. Die tüchtigen „Hantierer„ – um mit Sebstian Weberitsch zu sprechen – die mit geschickten Händen noch etwas zu schaffen wussten, die gibt es vereinzelt noch. Da sind sogar ganz neue Sparten mit vielen fähigen und tüchtigen „Jüngern“ entstanden. Dafür müssen eben andere auf der Strecke bleiben. Auf der Welt ist nichts so sicher wie die ständige Veränderung.

Die nachstehenden Fotos wurden freundlicherweise von Herrn Gr.Insp. Ewald Tamegger nachgereicht. Sie zeigen die einstige Pogatschnig Realität einmal von vorne, ein andermal vom Bezirksgericht aus.

Pogatschnig 2

Pogatschnig 1

Pogaschnig Stadel#

Klagenfurter Straße 40 (alt: Vorstadt 11)

November 30, 2013 um 18:21 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Heute wirkt das Besitztum, eingeklemmt zwischen Steyrer-Hof und Neubau Haus Nr. 42 mit seiner Straßenfront von ca. 12 Meter und der geringen Tiefe eher bescheiden. Das war nicht immer so. Die Ausdehnung reichte einmal gute hundert Meter in die Tiefe, was gewisse Vorteile bot. Garten, kleiner Stall mit  Scheune  waren so nämlich auch von hinten her erreichbar und zwar von einem ehemaligen Grenz- oder Feldweg aus, dem späteren „Gütersteig“, heute Prinzhofer Straße. Der Gütersteig erinnert an den alten „Güterbahnhof“ wo das Verladen und Entladen seit Errichtung der Bahn zum Alltag gehörten und Pferdefuhrwerke wie Handkarren den kürzesten Weg zwischen Bahn und Stadt zu schätzen wussten..

Der Ausbau des Gütersteiges hatte seinen Einfluss auf die weitere Entwicklung der angrenzenden Flächen. 1913 wurde die Baufläche, bestehend aus Vorder- und Hinterhaus geteilt .Der meiste Grund samt Hinterhaus wurde verkauft. Ein typischer Fall von Spekulationsgewinn durch Filetierung. Wie überhaupt zu bemerken ist, dass die auffällig vielen Besitzwechsel und das kurzfristige Innehaben nur daher kamen, dass man bald wieder mit Gewinn  weiterzuverkaufen Hoffnungen hegte. Das gilt für Vorstadthäuser allgemein, besonders jedoch für Anwesen wie diesem, das einmal der Schuster- und Lederer Bruderschaft zugerechnet wurde. Darauf wird vielleicht noch in einem eigenen Aufsatz zurück zu kommen sein.

Vorerst interessieren uns die Namen der Besitzer, wie sie im modernen Grundbuch unter der Einlage Zahl 272 aufscheinen. (Das alte Grundbuch (Urbar von1754) der Schuster und Lederer Bruderschaft steht heute noch nicht zur Verfügung!). Die genannten Besitzer sind keinesfalls immer mit den jeweiligen Hausbewohnern ident. Die Anlage, aus kleinsten Anfängen heraus stets gewachsen, eignete sich nämlich recht gut für  Handwerker zur Miete oder Pacht. Es muss das nicht  immer ein Schuhmacher gewesen sein. Auch andere schätzten eine gewisse Selbstversorgung. Die Meister von damals pflegten ihre Lehrbuben und Gesellen je nach Bedarf auch für Feld- und Stallarbeiten heranzuziehen und dafür war hier ja alles vorhanden, ein kleiner gewölbter Vorratskeller später mit inbegriffen.

Die chronologische Reihe der Besitzer

Rosina Khakhl, gestorben 1884, Gattin des Thomas K., Pächter  auf Gut Hunnenbrunn.

Aloisia Preschern, Erbin nach Rosina K. – wie übrigens auch am Hauptplatz 8, heute Kropfreiter. Beide wohnten ganz gewiss nicht hier.

An Johann Pogatschnig wurde noch 1885 weitergegeben. Dessen Vater Josef P. war Handelsmann in St. Veit. Auch hier muss eine Verwandtschaft vorgelegen haben, weil Thomas K. Taufpate des Johann war.

Es folgte Rosalia Ferstner noch im gleichen Jahr und nach deren Ableben im Jahre 1897 eine Maria Ferstner als Erbin.

Ein Johann Fabian kaufte 1899 und verkaufte 1913 an Anna Sadjak.

Nach vier Jahren kaufte von ihr Thomas Klimbacher um schon 1919 an Josef Proprentner weiter zu verkaufen. Dieser blieb wenigstens einmal zwanzig Jahre Eigentümer und verkaufte 1939 an Josef und Valentine Ratheiser.

Alois Knichtel folgte 1940 und 1942 dessen Erbin Magdalena. Magdalena übergibt 1948 an Franz und Edeltrude Sigitz.

Endlich kommt mit Paul Weiß ein Bäcker ins Bild. Er kaufte sich 1952 hier an, baute 1957/58 das von Fliegerbomben zerstörte, einfache Gebäude modern auf und übersiedelte vom Hauptplatz 9 aus einem uralten Bäckerhaus, wo er gepachtet gehabt hatte, ins eigene Haus hier her. Da schuf er im Erdgeschoß einen Verkaufsladen, eine Dampfbäckerei und bezog Wohnung im neu aufgesetzten Stockwerk mit Mansarde. Er war einer der wenigen, die Werte schufen und nicht nur spekulierten bzw. verkleinerten.

 Was erzählen uns die alten Pläne?

Die im Aufsatz von Dr. Karl Ginhart (Carinthia I 1961 Seite 831) wiedergegebene Karte von 1747 zeigt den deutlich vorspringenden Steyrerhof und gleich anschließend eine winzige Hausmarke für die Keusche Vorstadt 11 daran anschließend aber eine verhältnismäßig große Grundfläche. Der Feldweg rückwärts endete damals noch an jener Stelle, wo er den Bruderschaft-Grund erreichte.

Der Kataster von 1828 zeigt schon einen weiter führenden Grenzweg, was bedeutet, dass sich die Grundfläche erstmals verkleinert hat. Das Haus selbst steht noch immer am Ende der geschlossenen Straßen-Häuserreihe. Danach gibt es noch keine Verbauung.

Ein späterer Plan – noch ohne Eisenbahn und ohne Krankenhaus – Indikatoren für die Zeit vor 1870 – lässt erkennen, dass doch auch von vorne noch Platz für eine Einfahrt vorhanden war, das Haus also noch gar nicht, so wie heute, die ganze Straßenfront ausfüllte. In den darauf folgenden  zehn Jahren muss es geschehen sein, dass das eingeschossige Haus nach Osten erweitert und darunter der noch vorhandene Keller geschaffen wurde.

1883 datiert ein Plan, diesmal mit Eisenbahn und mit Krankenhaus, der deutlich macht, dass bereits ein Hinterhaus (Stall/Scheune?) mit baulicher Verbindung zum Vorderhaus bestand. Damit ist förmlich die halbe Grundfläche verbaut. Die Schraffierung verrät, dass man es mit einer jungen Änderung zu tun hat. Dabei ist „jung“ relativ zu nehmen, denn das Vermessungsamt hinkt heute noch den tatsächlichen Ereignissen zeitlich nach. Eines Tages ist dieses Hofgebäude entbehrlich geworden und es kam zu dem oben erwähnten Verkauf von 1913. Heute steht an dieser Stelle das Haus Prinzhofer Straße 9, vorher Gütersteig 9 (EZ 586).

Walter Wohlfahrt in Stadt-Blattl Nov. 2013

Eine interessante Ecke unserer Stadt

Mai 28, 2012 um 17:39 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Das Wohnhaus Bräuhausgasse 25A der Familie Martin Bodner ist unmittelbar an die Stadtmauer angebaut. Insgesamt fünf Fensteröffnungen durchbrechen die Wehrmauer gegen den Stadtgraben hin. Der Zugang besteht von der Bräuhausgasse her und dieser wurde stets auch von den Nachbarn links und rechts mitbenützt. Das meist geschlossene Tor läßt den Blick von Foto 1 aber selten zu.

 Dieses Gebäude war seit 1768 das Benefiziatenhaus der Gleismüllner´schen Stiftung mit der Adresse Judengasse Nr.25 alt, 26neu. Als Vorbesitzerin gilt Johanna Höcher, eine Malerswitwe. Dieses Haus ist jedoch von dem in der Stiftungsurkunde von 1474 genannten „Kaplanshaus  zu St.Veit in der Stadt zwischen Hans Kaltenhauser  und Peter Maler gelegen“ zu unterscheiden. Das älteste Domizil des Benefiziaten lag nämlich ebenfalls in der Judengasse/spätere Bräuergasse, in nächster Nähe zwar, aber doch an anderer, bislang unbekannter Stelle.

 Dieses erste Gebäude wurde nach Beschädigung durch den Stadtbrand von 1747 verlassen. Für den Benefiziaten gab es bis 1768 ein Zwischenquartier im sogenannten Zigulnig´schen Hause in der Kirchgasse neben der Mesnerei. Als jedoch Jakob Moschee dem Johann Höfferer von Baltersperg 1768 im Benefizium nachfolgte, hielt es dieser in der Kirchgasse nicht lange aus. Er beklagte sich beim Patron, also beim Magistrat, sein Haus sei voller Mäuse, Ottern und Schlangen und obendrein noch feucht und ungesund. Moschee – von ihm stammt zur Erinnerung an seine Eltern die Grabinschrift, welche links vom Südportal in die Außenwand der Stadtpfarrkirche eingemauert ist und wie folgt lautet:

„Franz Moschee, Bürger und Glasermeister ligt allda bey seiner Gattin Maria welcher den 31. July 1768 gestorben, dem Gott samt allen Verstorbenen gnädig seye. Aus kindlicher Liebe gegen seine lieben Aeltern hat Jacob Moschee, gewester Dechand zu Lind in Traathal (Drautal) als Gleismüllner Beneficiatus Curat diesen Grabstein machen lassen“ – war somit der erste Benefiziat, der das Haus Judengasse 25alt, 26neu bewohnt hat. Der Magistrat zeigte sich bei dieser Gelegenheit von seiner besten Seite. Er gewährte zweihundert Gulden für die Adaptierung des desolaten Gebäudes und auch das nötige Bauholz aus eigenem Wald. 1769 richtete Moschee ein neuerliches Ansuchen um weitere Bauhilfe an die Stadtherren. Diese wollten zunächst wohl nichts mehr davon hören, doch nach Intervention des Bischofs von Lavant, griff man halt noch einmal ins Stadtsäckl.

Die vermutlich nächsten Benefiziaten sind Jakob Tonitz (1832 genannt) und Kajetan Klesel (1845). Zu ersterem wäre zu ergänzen, daß lt. Stiftregister um 1823 bis längstens 1826 „Herr Primus Tonitz, Weinhändler allhier, den jährlichen Fruchtgenuß von einer Wiese als kleine Remuneration für die Temporalienverwaltung der Gleismüllner´schen Benefiziat Gült“ inne hatte. Es sieht ganz so aus, als gäbe es ein Verwandschaftsverhältnis zwischen dem Benefiziaten und dem Weinhändler. Von Klesel wird gesagt „er wohne im Hause Nr. 26, einem städtischen Gebäu, zusammen mit einer Magd“. Das Wohnhaus dürfte also damals aus Erdgeschoß und einem Obergeschoß bestanden haben. Das mit dem „städtischen Gebäu“ ist aber sicherlich ein Irrtum, nur daraus entstanden, daß die Stadt immer wieder für alle Gebäudekosten aufkommen sollte und zeitweilig auch tatsächlich dafür aufgekommen ist. Über die Verfügungsrechte der kirchlichen Behörden ist jedoch nur einmal in alter Zeit und nur vorübergehend ein Zweifel aufgekommen, als während der Reformation die lutherisch gesinnte Stadtverwaltung das damals umfangreiche Besitztum der Gleismüllnerischen Stiftung an sich zu ziehen trachtete. Der jeweilige Benefiziat hatte laut  Stifterwillen  zwar  die  Möglichkeit, Grundstücke und Besitztümer zu verkaufen oder zu vertauschen, benötigte dazu aber die ausdrückliche Zustimmung des Erzpriesters von Friesach bzw. des Salzburger Erzbischofs, später die des Bischofs von Gurk.

Auf Klesel folgte möglicherweise schon Franz Franziszi als Benefiziat und Katechet. Er, der berühmte Kärntner Volkstumsforscher, bewohnte unserer Haus für die Dauer seines Wirkens in St.Veit und zwar von 1857 bis 1870 und hinterließ eigenhändig geschriebene Notizen zur Geschichte der Gleismüllner´schen Stiftung. Er bemühte sich darin auch um die Lokalisierung des ursprünglichen Benefiziatenhauses in der Judengasse, ohne aber anscheinend zu befriedigenden Resultaten zu gelangen, denn in seiner Veröffentlichung von 1864 – „Archiv für vaterländische Geschichte, Seite 77ff“ – läßt er alle Überlegungen zum ältesten Benefiziatenhaus bezeichnenderweise gänzlich weg. Oswin Moro widmete diesem vortrefflichen Mann und vorbildlichen Seelenhirten einen würdigen Nachruf in der Carinthia 1951, Seite 6ff.

 Ob und wer nach 1870 dieses Haus als Benefiziat noch bewohnt hat, ist vorerst nicht auszumachen. Bald dürfte man jetzt aber dazu übergegangen sein, die vorhandenen Wohnräume im Haus in der Bräuhausgasse einfach zu vermieten. Die einst ansehnlichen Stiftungserträge – bis 1848 nahezu ungeschmälert vorhanden – sind insbesondere durch die Grundentlastung der bäuerlichen Untertanen stark geschrumpft. Man erhielt nur ein Drittel des Wertes an Ablöse und legte diese Mittel in Wertpapieren an, verlor aber dafür die bisherigen Erträgnisse aus Huben in Straganz, in Niedergöriach am Magdalensberg, am Ranach bei Brückl, in Thalsdorf, St.Sebastian und Glandorf zu hundert Prozent. Im Eigentum verblieben lediglich die nichtbäuerlich, also etwa an Kaufleute und Gewerbetreibende verpachteten Äcker und Wiesen im Weichbild der Stadt, sowie das Benefiziatenhaus in der Bräuhausgasse. Die Erträge daraus belaufen sich knapp nach der Jahrhundertwende lt Kassa-Journal 1902-1929 für Pachtgründe auf 110 Kronen, für Mieteinkünfte beim Benefiziatenhaus auf 240 Kronen und für Zinsen aus einem Wertpapier-Nominale von insgesamt 7.500 Kronen auf etwa 300 Kronen, zusammen also auf rund 650 Kronen jährlich. Das reichte gerade einmal für die Steuern, für durchschnittlich 100 Stiftungsmessen à 1 Krone 20 Kreuzer und für das Verwaltungshonorar von 432 Kronen pro Jahr. Solche Zahlen ließen natürlich den Posten eines Benefiziaten schon zu Franziszis Zeiten völlig unattraktiv erscheinen und es würde garnicht wundernehmen, wenn sich danach niemand mehr für diese Stelle gefunden hätte. Mit dem unglücklichen Ende des 1. Weltkrieges sind obendrein auch noch alle Wertpapiere der Inflation zum Opfer gefallen.

Zur Hausgeschichte bietet das Kassen-Journal noch einige Details. So hört man im Jahre 1902, daß der Lehrer Adam mit seiner Familie einziger Mieter ist und jährlich 240 Kronen zahlt. Die Wiese beim Pulverturm hat Gustav Mlinek um 63 Kronen, Franz Titz einen Acker um 35 Kronen und Andreas Pogatschnig ein drittes Grundstück um 16 Kronen in Pacht. Mit der Zeit wechseln nicht nur die Pächter sondern auch im Hause tut sich einiges. Auf den Lehrer Adam folgt 1906 Franz Lappitsch, Bahnbediensteter als Mieter. Aus diesem Anlaß liefert Tischlermeister Johann Essich einen neuen Küchenboden um 18 Kronen. Eigenes Wasser gibt es beim Hause nicht, daher werden 4 Kronen an den Wirt Josef Migglitsch für die Gestattung des Brunnwasserbezuges geleistet. 1907 macht Zimmermeister Carl Ebner für 23 Kronen eine neue Senkgrubenabdeckung im Rainer Garten. Das heißt, daß der Hauskanal durch die Stadtmauer durchführte. Im Jahre 1920 – wie man weiß, am Höhepunkt der Wohnungsnot in St.Veit – kommt es anscheinend zur Aufstockung des Hauses, denn es werden nicht nur „140 Kronen für Verputzen der Wohnung im 2. Stock“ ausgegeben, es gibt von nun an plötzlich  3 Mieter, namens Vetter, Kraßnig und Herenig. Die Miete beträgt für jeden 10.000 Inflations-Kronen bzw. nach Währungsumstellung 1 Schilling monatlich. Im Jahre 1929 wird mit 290 Schilling mehr ausgegeben, als mit 231 Schilling ein-genommen. In den Ausgaben ist ein Betrag von 116 Schilling für 29 Stiftungsmessen enthalten. Für den Mieter Kraßnig kommt im Jänner 1939 Herr Kanolzer ins Haus und bleibt bis mindestens 1957. Seine Nebenmieter wechseln häufig. Es sind dies u.a. Maria Gaggl, Ernst Schöppl und Herr Bizai. Am 2.8.1941 wird die Wasserleitung montiert (Luftschutz!) und im November darauf eine Wasseruhr eingebaut. 1942 mußte eine Luftschutzspritze ins Haus und weil über den Winter die neue Wasserleitung einfror, war diese im April 1942 aufzutauen. Oh ja, der strenge Winter 1941/42 hat noch viel schlimmeres auf dem Gewissen……

 Walter Wohlfahrt in „St. Veit Kommunal“  August 2000

 

 

 

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