Das 16er Haus am Unteren Platz

Juli 31, 2018 um 13:29 | Veröffentlicht in St.Veit | 1 Kommentar
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Die Serie der Häuser am Unteren Platz geht weiter und führt uns zu einer interessanten Adresse. Hier wohnten einst bekannte Familien, Menschen die Stadtgeschichte geschrieben haben, wie die Pippenbacher, die Debelack, die  Apolin usw. Meist waren es Fleischhauer, die ihren Laden an ganz anderer Stelle der Stadt betrieben, nämlich in der sogenannten Fleischbank-Gasse (genau gesagt dort, wo heute die Häuser Herzog Bernhard Platz 15 bis 17 stehen).

Heute gilt unsere Aufmerksamkeit der Familie Di Forti-Wuga, besonders  Frau  Auguste Wuga (1894-1968), Ehefrau von  Alois Wuga.  Auguste, eine geborene Di Forti (aus dem Italienischen übersetzt „Von den Starken“ hatte ihren Namen wohl ganz zu recht. Sie war in der Tat eine starke Frau! Schon ihre Mutter, sie hieß Karolina Di Forti, galt seit 5. Juni 1916 als Inhaberin eines für die damalige Zeit nicht alltäglichen  Handelsgewerbes. Sie war berechtigt, mit Obst und Gemüse  „im Umherziehen für das Gebiet des politischen Bezirkes mit dem Standorte St. Veit, Unterer Platz 52“ zu handeln.  Das war allerdings auf der gegenüber liegenden Platzseite.  Gewohnt hat die Familie bereits im 16er Haus, in Miete. So um 1924 herum kam es zur Geschäftsübernahme durch Tochter Auguste, welche 1932 zu ¾  das Wohnhaus Nummer 16 käuflich an sich brachte. Ihr Gatte erwarb das verbleibende Viertel. Die Stärke dieser Frau manifestierte  sich in Fleiß, harter Arbeit und Ausdauer. Ob Sommerhitze oder klirrende Kälte, zusätzlich zum Laden bot ein kleiner Verkaufsstand oben am Hauptplatz  alles was zur jeweiligen Zeit gebraucht wurde: frisches Obst und Gemüse, Heiße Maroni. Am 4.9.1936 richtete sie ein Ansuchen an die Stadtgemeinde, ein Satz nur. „Unterfertigte Ersucht um den Platz für Kastanien Rösterei sowie alle Jahre –  Im Vorhinein dankend. Achtungsvoll Gusti Wuga mit Rundstempel Viktualienhandel“ . Der Bürgermeister bewilligte, „wenn die bisher bezahlten S 10,– als  Standgebühr monatlich im Vorhinein gezahlt werden und die Hütte ein entsprechendes Aussehen erhält“.

Als Frau Wuga mit 74 Jahren starb hat man ihr am offenen Grabe einen würdigen Nachruf gehalten,  dabei ausdrücklich für ihren Opfermut und für Verzicht auf Bequemlichkeiten  gedankt. Die Tageszeitungen berichteten darüber und brachten eine Trauerparte mit Ortsangaben u.a. von Triest  und Cerovo (nw. von Görz), ein Hinweis darauf, dass es dort sicher noch Namensverwandte gegeben hat. Die in oder um Görz geborene Augusta  ist vermutlich mit anderen Geschwistern im Kindesalter nach St. Veit gekommen.  Die Klassen-Kataloge der Mädchenvolksschule St. Veit nennen sie.

Walter Wuga (1921-2011) folgte der Mutter 1950 als Gewerbeinhaber und 1962 hinsichtlich des Hausbesitzes mit dem Viertel des Vaters nach. Große und kostspielige Umbauten erfolgten durch ihn 1961/62 im geschäftlichen Bereich. Nach Entwürfen von Architekten Pichorner/Lindenbauer entstand eine neue Fassade. Zum bisherigen Südfrüchtegeschäft gesellte sich ein Textilfachgeschäft. Der „Mittelkärntner Anzeiger“ brachte darüber einen ganzseitigen Bildbericht.

Spätere Baumaßnahmen der Jahre 1990  (Arch.  Steffel – Treitl, Wien) und 2002 (Arch. Trauntschnig – Lang, Maria-Saal) erfolgten dann schon von Seiten der BAWAG, die hier vom 24.4.1990 bis zum 10.11.2011 eine Filiale hatte.

Diese Aufnahme vom Unteren Platz zeigt links die Druckerei Schlick, danach die Vorgänger Situation des späteren Hauses  Wuga. Bevölkert ist der Platz teilweise von Besuchern aus der Umgebung mit alten Trachten um 1920

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Zum Haus am Unteren Platz 16

Dezember 25, 2012 um 17:53 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Die Geschichte eines Stadthauses ist immer wieder eng verknüpft mit Familien und Familienschicksalen. Gräbt man zeitlich oft nur ein wenig in die Tiefe, offenbaren sich wundersame Dinge, menschliche, nicht selten gar zu menschliche. Man kann dabei aber auch zu unerwarteten, zu neuen Erkenntnissen in Bezug auf die allgemeine Stadtgeschichte gelangen. Dazu mehr im Verlauf dieser Abhandlung.

Einleitend zur örtlichen Bestimmung nur so viel, dass es sich bei obiger Adresse um jenes Haus handelt, in welchem noch bis vor kurzem die BAWAG PSK Filiale untergebracht war. Die beiden Nachbarn sind Reformhaus Leikam links und ganz neu Hartlauer rechts. Die Besitzaufzeichnungen reichen bis in das Jahr 1780. Da hat nämlich ein gewisser Johann Pippenbacher, aus Straßburg in Kärnten gebürtig, Fleichhauermeister und seit 1774 St. Veiter Bürger, sein Haus in der Klagenfurter Vorstadt dem Berufskollegen Haterer abgegeben um sich am Unteren Platz anzukaufen. Die Fleischerei selbst befand sich nicht im gekauften Haus, sondern in der „Schulhausgasse“ bei den sogenannten „Fleischbänken“ an der Nordgrenze des Friedhofes, der damals noch um die Stadtpfarrkirche herum bestand. Ein zum Haus gehöriger Acker lag in der Friesacher Vorstadt im Ried „Siechenhaus“ zwischen Mailänder, Wahrheit und dem Fahrweg nach Weyer.

Nach Pippenbachs Ableben ging aller Besitz mangels männlicher Erben auf die Witwe Anna über. Es dauerte nicht lange, da kam es zum neuerlichen Besitzwechsel, von Anna auf Tochter Katharina, verehelichte Debellak. Gemeinsam mit ihrem Gatten Thomas richtet sie bereits 1830 eine Eingabe an den Magistrat, ihre eigene Mutter betreffend. Was sich im Landesarchiv unter Stadt St. Veit Faszikel 50 an wörtlicher Aussage findet ist einerseits recht bezeichnend für beim Erben immer wieder vorkommende Eifersüchteleien, andererseits aber ein echter Neufund, der geeignet ist, der „Chronik des St. Veiter Bürger-Goldhauben Frauen-Vereines“ (erschienen 2002 auf Anregung von Frau Christa Ebner) eine frühe, bislang nicht bekannte Haubenträgerin hinzu zu fügen. Der verkürzte Originaltext lautet, „der hohe Magistrat möge das täglich gefährlicher werdende Betragen unserer Mutter, welches auf einen ziemlichen Grad von Tollheit schließen lässt, untersagen. Anna Pippenbach habe allerlei Wertgegenstände zum Schwiegersohn Traunsteiner verschleppt, u. a. und jetzt kommt es,  1 Goldspitz(en)haube, 1 Schwarzsamtenen Kittel mit Goldspitz(en) und 1 grünen zizenen Kittel.  Der weitere Verlauf der Familienfehde ist zwar nicht bekannt, dass es sich aber bei der Fleischhauermeistersgattin Anna Pippenbach, Lebenszeit ca. 1755-1830, um eine St. Veiter Goldhauben-Frau gehandelt hat, darf hier ohne jeden Zweifel nachgetragen werden.

Thomas Debelack erscheint 1831 beim Taufeintrag seines Kindes als bürgerlicher Fleischer aus Krain gebürtig in der Matrikel auf, obwohl er de facto erst 1844 Bürgerrecht erhielt. Seit 1833 ist er auch als Besitzer angeschrieben.

Walter Wohlfahrt in Friedrich Knapp Stadt Blatt´l   März 2012

 

 

                              

                               

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