Wintersport in und um St. Veit/Glan

Juni 5, 2012 um 17:01 | Veröffentlicht in St.Veit | 1 Kommentar
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Sie haben richtig gelesen. St.Veit war in der Tat ein frühes Zentrum des Wintersportes. Wir müssen nur zeitlich ein Stück zurückgehen und wir erkennen die erste Phase in der Zwischenkriegszeit mit Ausklängen bis zu Kriegsbeginn und die zweite Phase sofort nach 1945. Eine tragende Säule zu Beginn bildete dabei neben einzelnen Idealisten, der Turnverein St.Veit. So gab es am Sonntag, den 29.1.1928 den Ersten Schi-Abfahrtslauf vom Schneebauer am Sörgerberg bis hinab nach St.Veit! Erste Versuche im Sprunglauf fallen in die 30-er Jahre und von dieser Disziplin soll hier ausschließlich die Rede sein.

Der Lokal-Pionier im Bau von Sprungschanzen war Hannes Schipfer (1908-1985), Kunstschlosser, später Busfahrer von Beruf. Seine ersten jugendlichen Sprungversuche machte er im Kreise gleichgesinnter Vorstadtfreunde am sogenannten Schwarzkogel. Diese Örtlichkeit liegt zwischen dem Weg zum Pualler-Hof und der Stelle wo sehr viel später Dir. Josef Jäger seine Villa gebaut hat. All zu oft dürfte die Schneelage wohl nicht geeignet gewesen sein, aber es gab mitunter auch lange und kalte Winter.

 Noch im Winter 1945/46 wagte man sozusagen den Sprung über die Glan und errichtete am Nordhang des Muraunberges, also schattseitig, nahe Unterbergen die erste 40-Meter-Schanze. Wiederum war Hannes Schipfer Konstrukteur und Springer in einer Person. Hier formierte sich – wir wollen sie zur Unterscheidung so nennen – die Erste Springergarde. Trotz zahlreich geführter Interviews ist die Abgrenzung zur späteren und jüngeren, der Zweiten Springergarde nicht ganz leicht. Da Bild- und andere Dokumente jener Zeit leider sehr, sehr rar sind, wären Ergänzungen, Richtigstellungen und Fotos im Stadtmuseum sehr willkommen. Erstens, waren die Aktiven zwar sportliche Alleskönner, aber durch die Bank mittellose Burschen und zweitens besaß kaum jemand Fotoapparat und Filme. Viele hatten in jenen Tagen ganz andere Sorgen. Auch waren die Springer typische Einzelkämpfer. Vereinsorganisation und Funktionäre gab es anfänglich ebenfalls nicht. Es wäre ein Wunder, würde noch irgendwo und irgendwann ein Gruppen- oder Siegerfoto auftauchen! So muß man sich eben an die Erinnerungen noch lebender Teilnehmer und an die wenigen Berichte der Tageszeitungen (VZ=Volkszeitung, NZ=Neue Zeit, KLZ=Kleine Zeitung) halten, auch wenn man einst selbst als faszinierter Zuschauer unterem Schanzentisch oder im Auslauf gestanden hat.

Der WSV St.Veit lud alle Schiläufer zur Gründungsversammlung im Gasthof Trippolt, Oktoberplatz 3 am Freitag 25.1. um 19 Uhr 30 – Es wird ein Dreier-Vorstand bestehend aus Karl Tirof, Sepp Jost und Otto Schober gewählt. Hannes Schipfer ist Sektionsleiter und Josef Kampl Präsident.                       (VZ 25.1.1946)

 Ankündigung eines Kärntner Meisterschaftsspringens in Möltschach bei Villach für Sonntag 3. Feber. Es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß auch St.Veiter Springer dort an den Start gegangen sind. Eine Ergebnisliste fehlt leider.(VZ 31.1.1946)

 WSV St.Veit kündigt an, Samstag 9.2. mit Start um 14 Uhr Abfahrtslauf vom Schneebauer und Sonntag 10.2. ebenfalls Beginn um 14 Uhr Schauspringen auf der VITUS-SCHANZE am Muraunberg – Anmeldungen bei Josef Kampl. (VZ 5.2.1946)

 WSV Faakersee lädt zu Grenzland-Sprunglauf am 20.2. (VZ 9.2.1946)

 Ergebnislisten 1) Abfahrtslauf vom Schneebauer  –  Jugend  1. Platz Siegi Wulz WSV

Frauen  1. Platz Lisbeth Richter WSV –  Allgem.Klasse 1. Platz Herbert Werzer Atus

2) Sprunglauf – 1. Werner Koch  2. Max Freidl WSV  3. Siegfried Zwattendorfer WSV mit Schanzenrekord 31,5m (VZ 13.2.1946)

Ankündigung Länder-Schispringen in Eisenerz (mit St.Veiter Teilnehmer) (VZ 14.2.1946)        

Ankündigung Springen des WSV auf der Flattnitz für 16./17.3. (VZ 20.2.1946)

 Ergebnisse vom Springen auf der Flattnitz-Schanze (VZ 26.2.1946):  1. Hans Nogler, 3. Otto Doujak, Velden, Helmut Bildstein und Otto Doujak, beide Velden springen in Seefeld/Tirol in die österreichische Spitze!

Ankündigung Bezirksmeisterschaft auf der Flattnitz für 23./24.3. Zitat: „Abfahrt der Rennläufer mit Auto ab Hauptplatz. Für Unterkunft ist gesorgt. Lebensmittelkarten, Eßbesteck sowie eine Decke pro Mann sind mitzubringen.“ (VZ 15.3.1946)

Ankündigungen des Landes Schiverbandes (VZ 23.10.47) und zwar: 26.12.47 Stephani-Springen in Faak-Rattnitz        

1.1.1948 und 29.2. 1948 in Möltschach                                                                                                                                                                                                            8.2.1948 Internationales Springen auf der Sattnitzschanze 

Schneemangel in St.Veit dürfte eine Terminansetzung nicht zugelassen haben  St.Veiter Athleten treten aber auswärts an.

 Auch in Faak drohte eine Absage. (VZ 28.12.47) Die Konkurrenz fand trotz ungünstiger Witterung statt und brachte laut …..

NZ 28.12.47   folgende Ergebnisse: Allgem. Klasse II 1. Springer ESV St.Veit  37 und 35,5 Meter, Note 197,5 – 2. Pirker Faak  34 und 34,5 Meter, Note 186,9 – 3. Trixl VSV           

 Allgemeine Klasse I – 1. Martitsch     Note 220,0 – 2. Mayer VSV Note 212,5 – 3. Doujak      

Überschrift „Springer Elite in Villach am Start“ Ankündigung des Ersten verbandsoffenen Springens des Jahres Möltschach 1.2. 14 Uhr (VZ 22.1.1948)

 Schweiz verweigert Bubi Bradl Einreise und Teilnahme an der Olympiade von St.Moritz. Norwegen und Holland bringen vor, Bradl sei Obersturmführer der SA gewesen. Bradl entgegnet, er wäre ohne sein Zutun und allein angesichts seiner sportlichen Erfolge der SA eingegliedert worden. (VZ 23.1.1948)

 Norwegen und Schweden ziehen ihre Proteste zurück. (VZ 27.1.1948)    Otto Doujak aus Velden ist Olympiateilnehmer in St.Moritz.                             Ein Norweger wird Olympiasieger – Bradl war nicht am Start! (VZ 8.2.1948)

 Zum vereinsoffenen Länderspringen in Möltschach sagen sich neben den Kärntner Größen:  Kostner, Elsigan, Gustl Mayr, Bildstein, Doujak und Hardwiger auch die besten Tiroler und Salzburger an. (VZ 26.2.1948)

Turn- und Sportunion St.Veit lädt für 7.3. zum Spezialsprunglauf auf VITUS-Schanze – Nennungen an Herrn Kampl. (VZ 2.3.1948)

 Bubi Bradl siegt mit 93 und 97 Meter auf der italienischen Riesenschanze in Ponte di Legno – beste Kärntner in dieser internationalen Konkurrenz sind Karl Maritsch als siebenter und Otto Doujak als achter .(Olympia-Revanche!) (VZ 3.3.1948)

 Stephani-Springen in Faak – Allgemeine Klasse II: 1. Hubert Pirker Faak   36,0 und 34,5 Meter  2. Walter Springer, St.Veit  33,5 und 32,5 Meter

Allgemeine Klasse I: 1. Karl Martitsch, Faak   37.0 und 36,5 Meter 2. Siegi Kostner, Askö Villach  3. Otto Doujak, Velden  4. Helmut Bildstein, Atus Velden (VZ Dez.1948)

 „Mit Holzschiern vom Muraunberg geflogen“ von Philipp Novak (KLZ 4.2.2000)

 Zu den bereits genannten Kempen der ersten, der älteren Springer-Garde wie Walter Springer, Siegfried Zwattendorfer, Max Freidl, Hannes Schipfer und Ing. Gerhard Zemrosser zählen mit Einschränkung noch Hans Mrak, Franz Moser und Hermann Macher. Der aktivste, erfolgreichste und am öftesten auswärts angetretene St.Veiter dürfte wohl Walter Springer sein. Hans Mrack, Teilnehmer des legendären Glockner-Rennens, hatte seinen Schwerpunkt eher im Alpinen Schilauf und Hermann Macher startete unter einem Klagenfurter Verein. Sportliche Multitalente waren sie aber allesamt.

 Wenn wir nun noch zur zweiten, der jüngeren Springer-Garde kommen wollen, dann ist das in jedem Falle mit dem Bau der neuen, etwas größeren VITUS-Schanze am Muraunberg in Verbindung zu bringen. Für die Planung dieser Anlage war Ing. Norbert Piuk verantwortlich. Die Bauzeit wird wohl mit 1949/50 anzusetzen sein. Da der Schanzenname ganz offensichtlich mitwanderte, bürgerte es sich ein, von der alten Schanze nahe vlg. Steiner in Unterbergen gelegen, einmal als Siegfried-Zwattendorfer-Schanze, ein andermal wieder als Hannes-Schipfer-Schanze zu sprechen. Daß sie aber ursprünglich VITUS-Schanze hieß, beweisen die zitierten frühen Zeitungsmeldungen.

 Zur jungen Garde zählt möglicherweise auch noch Ing. Gerhard Zemrosser, sicher aber Walter Moser, Herbert Mulle, Reine Hafner, Othmar Petz, Andy Wohlfahrt und Siegi Wulz, der noch eine interessante Erinnerung preisgab: Der Muraunberghang, dort wo die zweite, die der Stadt wesentlich näher gelegene neue Sprungschanze entstand, wurde von den Besatzern 1945/46 zwecks Heizmittelbeschaffung großflächig kahlgeschlägert. Dabei hat man den St.Veitern fürs Holzmachen folgendes Angebot gemacht: zehn Festmeter für die Engländer, zwei Festmeter für den eigenen Ofen!

 Wie und warum endete Mitte der fünfziger Jahre die stolze Zeit des Schisportes in St.Veit? Man sagt, die neue Schanze hätte die Springer nicht mehr so gefreut wie ihre Vorgängerin. Doch abgesehen von kleinlichen politischen Querelen, die es leider auch gegeben hat, war es wohl in erster Linie die immer bessere Erreichbarkeit der neu aufstrebenden, entfernteren Schizentren mit modernen Aufstiegshilfen. Die Zeit der Idealisten, die alles ihrem Sport zu opfern bereit waren, ging zu Ende. Dabei hätten die Burschen damals Startgelder und Siegesprämien bei Gott nötiger gehabt als ihre heutigen Zunftkollegen.

Walter Wohlfahrt in „St. Veit Kommunal“ November 2000

Villacher Straße 12 und 14 – Fundbericht

April 13, 2012 um 13:18 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Immer öfter erfährt der  „Stadtführer“ positive Rückmeldungen. Der Bericht über die St.Veiter Friedhöfe im November z.B. löste einen Anruf, besser gesagt, eine handfeste Überraschung aus! Und das kam so: Ein Besitzwechsel, wie er immer wieder vorkommt, diesmal in der Villacher Vorstadt brachte mit sich, dass eine, seit undenklichen Zeiten vorhandene, zwei Anwesen scheidende Mauer mit einer sichtbaren Gesamtlänge von sechs Meter, 70cm hoch und 60cm breit etwa zur Hälfte abgetragen wurde. Auch so etwas kann immer wieder vorkommen. Was dabei jedoch zu denken gibt ist die Tatsache, dass sich im Mauerverbund mächtige Blöcke aus Marmor in Zweitverwendung befanden, die obendrein Steinmetzarbeit erkennen lassen. Einmal war eine scharfe  Kante störend empfunden und abgenommen worden, an anderer Stelle hatte man mit dem Meisel ein Zierband angebracht.

 Ing. Hans Bulfon, als Fachmann und Steinmetzmeister hinzugezogen, identifizierte das Material auf Grund seiner typischen Bänderung eindeutig als Kraiger Marmor. Während zum Glück schwere Brocken liegen bleiben mussten, ging viel vom leichteren Abbruchmaterial, also auch Marmor, sogleich auf die Deponie. Ein weiterer Marmor ragt  noch aus dem stehen gebliebenen Mauerrest, und zeigt gleichfalls Bearbeitungsspuren. Der hier abgebildete größte Block, der hat die Form eines gebrochenen Würfels und Maße von ca 50 x50 x50 cm.  Das geschätzte Gewicht wird wohl an die 100 Kilo betragen und bei seiner Wiederverwendung daher wohl kaum von weit her geschafft worden sein. Die Fundmeldung ist Frau Mag. Jutta Verdino, Villacher Straße 12 zu danken. Besichtigung und endgültige Beurteilung durch die bereits vorinformierte, kompetente Stelle, stehen noch aus. Ebenso wäre abzuwarten, was die stehen gebliebene Mauer noch freigeben wird. Was überdies im überbauten Teil besagter Trennmauer vielleicht noch enthalten ist, muss offen bleiben so lange darüber befindliche Gebäudeteile ungestört bleiben müssen. Eine Gesamtlänge der Mauer vom Gehsteig bis zum hinten vorbeifließenden Obermühlbach reichend, ist denkbar.

 Ohne dem allein maßgeblichen Fachurteil vorzugreifen, wird man doch irgendwie an die tragischen Ereignisse des Jahres 1600 erinnert, als überlieferten Texten zufolge, ein nur kurze Zeit in der Villacher Vorstadt bestandener Evangelischer Friedhof  „mit Mauerböcken“ dem Erdboden gleich gemacht worden ist. Eine genaue Lokalisierung dieses Gräberfeldes steht immer noch aus. Das bekannte und einzige Bruchstück eines Marmors mit Inschrift „Jesus spe nos“ und mit fragwürdiger Datierung, jetzt links des Portals der Evangelischen Kirche in die Wand eingelassen, ist erst in jüngerer Zeit vom Hause 10. Oktoberplatz Nr 1 (Raika) dort hin gekommen. Die exakte  Fundstelle dieser  Inschriftplatte in der Villacher Vorstadt ist ebenfalls  nicht überliefert.

 Ein Bauzeitalter-Plan existiert wohl für die Häuser der Innenstadt, nicht aber für die Vorstädte. Die Besitzer der geschlossenen Häuserreihe Villacher-Straße 8, 10, 12, 14 bis 16 sind ab der zweiten Hälfte des 18. Jhdts  dank der reichen Schätze des Kärntner Landesarchivs lückenlos nachweisbar. Ältere Aufzeichnungen oder gar Grundbücher fehlen und damit ergibt sich ein dunkles Loch von ca. hundert Jahren. Man wird nicht weit fehlen, wenn man die erste Verbauung um die neue Fundstelle in die Mitte des 17. Jhdt. legt. Haus Nr. 8 Pabits war ein Gasthof mit Steinbierbräu, daran anschließend das Haus Kerschbaumer einst mit reichlich landwirtschaftlichen Grundstücken im Weichbild der Stadt ausgestattet, also deutlich agrarisch orientiert. Die Häuser 12 Anetter und 14 Petz, jetzt Bauernladen,  waren dadurch gekennzeichnet, dass beide  radizierte, das heißt fix mit dem Haus verbundene Gewerbeberechtigungen aufzuweisen hatten, das erste die eines Wagners, das zweite  eines Hufschmiedes. An sich eine ideale Ergänzung, die später durch eine Sattlerei (Wernitznig, Haus Nr. 16) noch gesteigert werden konnte. Eine vergleichbare Kombination von Wagner, Schmied und Sattler, heute würde man dies ein Cluster nennen, gibt es übrigens auch in der Klagenfurter Vorstadt mit dem Hause Kulterer und seinen Nachbarn. Doch zurück in die Villacher Vorstadt! Was bedeutet es, dass die Häuser 8 bis 14 zur Straße hin  e i n e  Front bilden, während Haus Nr. 16 merklich vorsteht, und dies schon auf dem Stadtplan 1749?

Gut, die Grundstückstiefen verringern sich, je näher man der Brücke kommt und die historische Stadtausfahrt in Richtung Glantal verlief  ja nicht hier, sondern durch die Bürgergasse zwischen Bürgerspital und Klosterkirche, das mögen Gründe dafür sein. Aber wäre es nicht auch vorstellbar, dass die genannten Häuser der Straße zu auf alten (Friedhof-) Mauern ruhen?                                                                                      III/2009

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