Alte Zeichnungen des mittleren 19. Jahrhunderts

Oktober 8, 2016 um 16:58 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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stadt-gg-ulberg

Diese alte Zeichnung zeigt die Stadt von Norden her gegen den in Bildmitte hinten sichtbaren Ulrichsberg. Der Vordergrund links lässt eine Häuserreihe an der gegen Friesach ziehenden Straße erkennen, auch noch den Mailänderhof links und dessen Wirtschaftsgebäude rechts der Straße (stets vom Beschauer aus zu verstehen) aber nicht mehr den Gasthof Stern erkennen, obwohl er schon vorhanden war. Er ist nur von Bäumen verdeckt. Die von Wegen geteilten Flächen haben noch landwirtschaftlichen Charakter, nur rechts liegt schon der umschlossene Park vom Kölnhof.  Folgen wir nun der gedachten Linie ungefähr in Bildmitte von links nach rechts dann sind es wohl schon die großen Häuser der Klagenfurter Vorstadt, das Friesacher Tor an der Stadtmauer, die Burg und im freien Feld die bürgerliche Schießstätte (heute ein Mini-Schlösschen!) Nächste Linie von links nach rechts das Klagenfurter Tor, Turm der Stadtpfarr-Kirche, Villacher Tor. Im anschließenden Glantalboden erkennt man an Stelle der heutigen Schießstatt-Allee schon eine baumbestandene Verbindung hinunter zur Glan und wohl auch zum Muraunberg. Die Straße nach Westen deutet ein kleines Wäldchen an, das sogenannte Zigeuner Bergl, weil dort tradtionsgemäss die durchziehenden Roma und Sinti zu lagern pflegten.

Die Datierung der Zeichnung ergibt sich nur annähernd und zwar zwischen dem letzten Stadtbrand 1829  – der bekanntlich auch das Turmdach vernichtet und dessen provisorische Eindeckung mit hier sichtbarer Haube erforderlich gemacht hat – und der Neuerrichtung des Turmdaches mit den sogenannten Wimpergen 1881.

Diese, vermutlich zeitgleiche Stadtansicht, hat im Vordergrund noch die einstige Papierfabrik an der Glan. Die Straße nach Klagenfurt macht vor der alten Brücke noch einen kleinen Schwenk nach links. Am Fluss auch eine Wehr, welche man je nach Wasserbedarf schließen oder öffnen kann. Das Hinterland gegen Schaumboden zu lässt links Schloss Dornhof und rechts die Kirche von Obermühlbach erkennen. Die Stadt selbst ist mit obigem Bild hinsichtlich Türmen von Kirchen und Stadtmauern ident.

Diese, vermutlich zeitgleiche Stadtansicht, hat im Vordergrund noch die einstige Papierfabrik an der Glan. Die Straße nach Klagenfurt macht vor der alten Brücke noch einen kleinen Schwenk nach links. Am Fluss auch eine Wehr, welche man je nach Wasserbedarf schließen oder öffnen konnte. Das Hinterland gegen Schaumboden zu lässt links Schloss Dornhof und rechts die Kirche von Obermühlbach erkennen. Die Stadt selbst ist mit obigem Bild hinsichtlich Türmen von Kirchen und Stadtmauern ident.

 

 

Drei Türme im Laufe der Zeit

Mai 29, 2016 um 18:46 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Wer Vieles, sprich Verschiedenes bringt, wird manchem etwas bringen, in diesem Sinne auch wieder einmal was Kirchliches.

Wie ist das gemeint mit der Überschrift, die Stadtpfarrkirche hat doch nur einen Turm? Das stimmt natürlich, aber im Laufe der Zeit haben sich verschiedene Erscheinungsformen heraus gebildet, mindestens drei! Beginnen wir mit dem großen Stadtbrand von 1829 und werfen wir einen Blick auf die interessante Darstellung am rechten Seiten-Altar der Stadtpfarrkirche, das ist der sogenannte Floriani-Altar.  Im  Altarbild erkennt man ganz unten nicht nur die Stadt im Vollbrand, auch der damalige Kirchturm ist zu sehen. Gewaltig lodernde Flammen trieben brennende Dachschindel hoch in die Lüfte. Es gab ja damals noch so gut wie keine Ziegeldächer in der Stadt! Im Nu sammelten sich die durch Schallöffnungen eingedrungenen Brandfackeln in der Glockenstube. Das Bild zeigt  ein ziemlich hohes Spitzdach im Stürzen mit insgesamt drei sich nach oben hin verjüngenden Zwiebelknäufen. Da stellt sich wohl die Frage, wie weit können wir alten Künstlern trauen, dass sie nicht zu sehr von der sogenannten Künstlerischen Freiheit Gebrauch gemacht haben? Könnte ja sein, dass ihm, dem Maler, vielleicht der Stich von Valvasor (1688) als Vorlage gedient hat? Der Turm sieht dort sehr ähnlich aus, was aber nicht heißen muss, dass dieser tatsächlich einmal so war und so  bis 1829 unverändert geblieben wäre. Ein weiterer Stich (Runk-Ziegler, um 1811,  zeigt nämlich den Turm auch schon mit Haube und ohne Laterne. Lassen wir also die Frage offen, wie der Turm vor und bis 1829 wirklich ausgesehen hat. Dank einer sehr frühen, stark vergilbten, aber immer noch erhaltenen fotografischen Aufnahme in Verbindung mit einem historischen Bericht über den „1884 vollbrachten Turm- und Kirchenbau“ – wir sprechen jetzt von dem allen alten St. Veitern bestens vertrauten Turm mit seinen 8 Wimpergen – wissen wir exakt, wie der Turm von 1829 bis 1884 ausgesehen hat. Er ragt mächtig über die Hausdächer der Umgebung  hinaus, hat aber aus Sparsamkeitsgründen nur eine Pickelhaube mit Laterne  zum Abschluss. Hier im alten Foto ist alles gut zu sehen. Auch die wunderschöne Vedute von Markus Pernhardt (vor 1870) über die ganze Stadt und ihr Umland bestätigt die alte Turm-Form eindeutig. Nach etlichen 80 Jahren war die Eindeckung aus einfachem Weißblech vom Rost zerfressen. Regen- und Schneewasser drangen ein und griffen die Unterkonstruktionen mit dem Glockenstuhl stark an.

Es bot sich längst wieder das ehemals traurige und gefährliche Bild, als Dr. Simon Fössl in St. Veit einzog. Man schrieb das Jahr 1961 da war man wieder genötigt, von Grund auf zu sanieren. Schweren Herzens trennte man sich von den lieb gewordenen Wimpergen. Letztere waren wohl nett anzusehen und eine sehr beliebte Aufgabe im Zeichenunterricht des Hauptschullehrers Franz Treffer;  gegen Wetterunbilden wie Regen, Schnee, Eis und Tauwetter aber war der architektonische Schmuck zu sehr verwundbar. Das Holz darunter war wieder einmal morsch und schadhaft. Es blieb nichts übrig, als den Turm. Wenn auch  unvorteilhaft zu „entkleiden“,  wollte man nicht zuwarten, bis das Material darunter vollends seine Tragfähigkeit einbüßen würde.

Wer heute ein Panoramabild von St. Veit vor sich hat, sei es aus der Luft oder von einer beliebigen Anhöhe aus gemacht worden, sollte also zumindest eines genau bestimmen können, ist es vor oder nach 1961 entstanden! So lässt sich auch das Wachstum der Stadt viel besser beurteilen.  Übrigens, die Evangelische Kirche ist ein eben solcher Zeitindikator zur Unterscheidung, ob die jeweilige Aufnahme aus einer Zeit  vor oder nach 1912 stammt.

 

Älteste Totale mit Turm vor 1884

Älteste Totale mit Turm vor 1884  mit Blick gegen  Obermühlbach

Totale vom Muraunberg 1918-2

Totale vom Muraunberg 1918  Turm bereits mit Wimpergen

Totale 1957
        Totale  1957  von Südwesten gegen Nord-Osten

 

Totale über Sternwirt westwärts - Stadtpfarrturm schon abgeschlankt!

Totale über Sternwirt westwärts – Stadtpfarrturm schon abgeschlankt!

Bomben vor 70 Jahren auf St. Veit/Glan

November 22, 2014 um 02:02 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Vor 70 Jahren kam es zum ersten schweren Bombenabwurf auf die alte Herzogstadt, genau am 16. Oktober des Jahres 1944. Der nahe und totale Zusammenbruch zeichnete sich zwar schon deutlich ab, doch sollten noch verlustreiche sieben Monate bis zum „Endsieg“ vergehen, an den total Fanatisierte bis zum Schluss glaubten. Wer von der Niederlage überzeugt und unvorsichtig genug war, dies offen auszusprechen, konnte angezeigt werden und sein Leben verwirken. Es sind mehrere Aschenurnen mit bezeichnenden Absendern in St. Veit eingetroffen und im Totenbuch vermerkt!
Die schrecklichen Ereignisse am Fuße des Muraunberges betrafen einheimische und fremdländische Arbeiter nicht nur der Raketenfabrik Liebenwein, sondern – wie neueste Quellen ergeben – auch solche der „Kärntner Bau Gesellschaft“ (eine ARGE der Firmen Hans Wank und Wilhelm Tauche?) Diese neue Quelle weist insgesamt 36 Todesopfer aus, egal ob sofort oder erst nach Tagen zu Tode gekommen, egal ob Inländer oder Fremde. Die Namen der ausländischen Opfer finden sich übrigens nicht vollzählig am St. Veiter Soldatenfriedhof, genau dort, wo dieser Tage Grablichter, gespendet von Herrn Hans Liebenwein, das Gedächtnis wach halten. Wie weit es sich dabei um freiwillige Gastarbeiter (es gibt konkrete Hinweise auch in diese Richtung) oder zumindest teilweise um Zwangsarbeiter handelte, wird wohl kaum noch zu klären sein, weil Meldeunterlagen während des Zusammenbruches verschwunden sind. Eine Meldung an das Hochwürdigste Ordinariat, St.Veit am 20. X. 44 . von Dechant Felix Fiebinger unterfertigt, sagt dazu „Am 16. Oktober wurde St.Veit vormittag von einem amerikanischen Bomberverband angegriffen. Die Bomben fielen zwar längs des Bahnkörpers, aber weit weg davon. Todesfälle waren 33 zu beklagen, einer „gottgläubig“ alle anderen katholisch. 28 waren sofort tot, 5 starben im Krankenhaus nachdem sie versehen waren. Gleich nach dem Angriff wurde allen Schwerverwundeten die Lossprechung gegeben und die Hl. Ölung, am nächsten Tag die Hl. Kommunion. Schwerverwundete waren 26, leicht verletzte 23. Die von den Bomben Getöteten und Verletzten waren alle in einen Wald geflüchtet anstatt in einen Luftschutzraum. Es fehlte an solch geeigneten Räumen. Die meisten Verletzten sind Arbeiterinnen der Raketenfabrik und Ausländer wie Italiener, Slowenen, Franzosen, Kroaten und Polen. Die Beerdigung fand statt am 18. X. um 3 Uhr nachm. für die Ausländer ein Staatsakt, darauf die kirchliche Einsegnung welche ein Anführer der Faschisten verlangte um 5 Uhr Staatsakt für Reichsangehörige darauf die kirchliche Einsegnung und am nächsten Tag wegen eingetretener Dunkelheit (!) für die Ausländer. Später tot Gefundene und Gestorbene wurden am Samstag beerdigt. Trauergottesdienst am Sonntag. Es fielen gesamt 81 Mienen (besser: Splitterbomben), die 8 ½ Kilo schwer die größten Verluste erzeugten, dann 12 Bomben 1000 Kilo schwer, 8 Bomben mit 250 Kilo, 41 leichte mit 50 Kilo. Beschädigt wurden zwei Häuser (besser: Holzbaracken) schwer, sieben mittel, 40 leicht. Dies nach Bericht der Luftschutz Polizei, welcher mir die Daten gab für das liber memorabilium. Volltreffer in einem Hause war keiner.“
Es existiert auch noch ein amtlicher, undatierter, doch schon vom neuen Bürgermeister Polanz gefertigter Gesamtbericht. Dieser spricht von insgesamt 4 großen und 5 kleinen Fliegerangriffen auf St.Veit, sowie von in Summe 66 Toten, 20 Schwer- 35 Leicht-Verletzten. Die Personenschäden waren also für alle folgenden Abwürfe insgesamt nicht mehr so hoch wie beim ersten Angriff. Wohl heißt es jetzt von Gebäudeschäden: „Fabriken 4, Wohngebäude mit Totalschaden 62, schwer beschädigt 74, mittelschwer 103 und leicht 307“. Die Zahl der Obdachlosen wird mit 390 angegeben.
Die oben erwähnte neue Zusammenstellung ist undatiert und ebenfalls von Pfarrer Fiebinger gezeichnet. Sie erfordert Richtigstellungen gegenüber der Oktober-Nummer des „Monatsblattes“ und eine Neufassung inklusive hinsichtlich Schreibung von Personennamen gegenüber der dort beigegebenen Tabelle:
Opferliste, Herkunft, Geburtsdaten, Wohnung
Josefine Schnaider, Fiume, 15.3.1928, Lager Liebenwein
Anna Suban, Triest, 3.6.1926, Lager Liebenwein
Dominik Marisic, Opatie Selo, 27.9.1924, Feldgasse 19 *)
Anton Laginja, Klana am Karst, 25.9.1922, Feldgasse 19 *)
Mario Samsa, Triest, 21.4.1914, Feldgasse 19 *)
Enrico Piesenti, Italien, 13.8.1920, Feldgasse 19 *)
Jakob Seatelj, Triest, Villacherstraße 32
Viktor Prosdocimo, Pasiano, 20.10.1919, Ad.Hitler Platz 17
Johann Jeric, Laibach, 26.5.1925, Feldgasse 19 *)
Stanko Zoretic, Jelenice bei Laibach, 6.6.1912, Feldgasse 19 *)
Bartl Stirn, Vodice Oberkrain, 11.4.1927, Weindorf bei Althofen +)
Alois Stare, Vodice, Oberkrain, 21.6.1913, Feldgasse 19 +) *)
Katharina Eimedi, Krim, 21.6.1913, Lager Liebenwein
Tamara Borowitsch, Alusta, Rußland, 12.11.1917, Lager Liebenwein
Maria Kołodziejczyk, Tersten (nahe Krakau), 19.5.1919, Lager Liebenwein ++)
Nelli Kołodziejczyk, Tersten, 12.12.1916, Lager Liebenwein ++)
Semion Semkia, Liskowc Rußland , 11.7.1907, Russenlager Launsdorf
Luzia Flajder, Triest, 14.12.1927, Lager Liebenwein
Marcel Launay, kriegsgef. Franzose, 29.3.1909, Franzosenlager St.Veit +)
Lilli Pirone, Triest, 7.7.1924, Lager Liebenwein, im Krankenhaus gestorben wurde mit drei
Rochus Perchtold, Grenadier 1. Stamm Kp, aus Strojna bei Prävali, 19 Jahre, Res.Laz.Klgft +)

*) mit Sicherheit Arbeiter der Kärntner Bau Gesellschaft
+) diese 4 Opfer fehlen am Soldaten-Friedhof
++) Besonders tragisch, ist der Tod zweier
Schwestern aus dem heutigen Polen

Der Vollständigkeit halber und um die Quelle, welche in jeder Hinsicht glaubhafter wirkt, weil sie zu ruhigerer Zeit und nicht gleich nach den aufregenden Tagen abgefasst worden ist , folgen hier noch die zivilen („deutschen“) Opfer, wobei ein Beschäftigungsverhältnis bei Liebenwein nicht in allen Fällen zu erwarten ist:

Lorenz Scheinig, Kappel am Krapfeld, 3.8.1902, St. Veit Oktoberplatz 3
Maria Knichtl, 10.7.1905, Althofen 5
Auguste Niedermesser, 16.5.1925, Althofen 67
Maria Popitsch, Kreut bei Villach, 30.1.1906, St.Veit, Einsiedlerstraße
Eleonore Sima, Strelz Kärnten, 19.9.1922, St. Sebastian 8
Kathi Schmiedt, 7.9.1920, Goggerwenig 23
Mathilde Troicher, Deutsch Griffen, 10.3.1892, St.Veit, Neubaugasse 5
Im Krankenhaus verstorben:
Josefine Petscher, St. Veit, A.H. Platz
Maria Todem, Dreifaltigkeit 10.8.1916, wohnhaft gewesen in Sand, „gg“
Gertraud Fischer, Goggerwenig 3
Maria Salcher, Sandhof Reipersdorf
Anna Kampl, Lieding Straßburg, 16.2.1923, wohnh. gew. In Völkermarkterstr. 24
Gertrude Fuchs, geb. Robinig, 10.8.1914, St.Veit, Mühlgasse 7
Karoline Mischkulnig, 26.5.1925, St. Sebastian
Julie Archer, St.Veit 15.5.1909, Völkermarkterstr. 27

Pfarrkaffee 004

Pfarrkaffee 005

Pfarrkaffee 007

Pfarrkaffee 009

Pfarrkaffee 010

Pfarrkaffee 001

Bildtexte von oben nach unten:
Schießstatt-Allee mit Blick auf Leuchtraketenfabrik u Muraunberg
Fabriksanlage von Süden
Arbeiterinnen mit Hund in ihrer Freizeit vor Wohnbaracke
Bombentrichter vor Wohnbaracke
Grablegung der fremden Opfer am St.Veiter Friedhof vor Umbettung
Soldatenfriedhof St.Veit/Glan, Teilansicht

St. Veiter Burgfried Marksteine (Merksteine)

Juni 21, 2013 um 16:27 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Über dieses Thema wurde schon mehrfach von mir berichtet, auch in diesem blog. Zuletzt mit Signatur I/2007 ging es darum, dass die Gerichtsgrenzen der Stadt im Laufe der Jahrhunderte auch einmal wandern konnten. Meistens zum Vorteil der Stadt. Es gab aber auch Widerspruch, Proteste und Prozesskosten-Zahlungen.
Weil unter Signatur IV/2010 von der Auffindung zweier Burgfriedsteine – einer in Treffelsdorf, der andere dislocirt am Hause des Geometers Kastenhofer in St.Veit – die Rede war, steht nun an, alle bekannten Marksteine hinsichtlich ihrer Beschaffenheit unter Nennung ihres heutigen Standplatzes und so weit möglich im Lichtbild vorzuführen.

A) Steine im Stadtmuseum
ad 1) Hoher, dreikantiger Marmor – erste Seite mit quer gestellter Jahrzahl 1572, zweite Seite B S V für Burgfried St. Veit, dritte Seite LG für Landgericht Hohen Osterwitz. Die vierhundert Jahre alten Schriftzeichen sind nur noch bei besten Lichtverhältnissen lesbar. Der überlieferte genaue alte Standort (1673: „bis zu dem hohen Marchstein“) lag beim Kollerhofer Kreuz an der Straße nach Klagenfurt.

Museum ad 1)

Museum ad 1)

ad 2) Marmor gerundet – einseitig beschriftet: Burgfried S Veit 1674

Museum ad 2)

Museum ad 2)

ad 3) Marmor gerundet – einseitig L H mit eingelegtem O steht für Landgericht Hochosterwitz – Jahrzahl 1674

Museum 1674 ad 4) Grober Grauer Granit – erste Seite Statt S Veit Burgfried 1750 – Gegenseite alle Worte unter einander, d.h. in 5 Zeilen zu lesen: LAND GERICHT HOHEN OSTER WIZ

Museum 1750

B) In Heinz Kleinszig, Hundert Jahre Taggenbrunn im Familienbesitz, Dareb Druck 1983, Seite 17
ad 5) Hoher grauer Granit, oben gerundet nur einseitig lesbar:
1552 (?) darunter „INRI“ !! und Bearbeitungsspuren – Hohen Osterwitz Landgericht. Rückseite „Burkhfrid der Feste Taggenprun“

Villa Kleinszig ad 5) Ostseite

Villa Kleinszig ad 5) Ostseite

Villa Kleinszig  ad 5) Westseite

Villa Kleinszig ad 5) Westseite

C) Am Muraunberg in loco – zweihundert Schritte von der Schwarzen Mutter Gottes auf südöstlich leicht ansteigendem Hohlweg
ad 6) Grober schwarzer Schiefer an Vorderseite B S V (=Burgfried StVeit) mit Jahrzahl 1753, auf Rückseite L C (=Landgericht Carlsberg) 1753

Muraunberg ad 6) Westseite

Muraunberg ad 6) Westseite

Muraunberg ad 6) Ostseite

Muraunberg ad 6) Ostseite

D) Beim Neubau des Feuerwehr Rüsthauses beschädigt, doch wenigstens erkannt und auf der Straßenseite gegenüber neu versetzt.
ad 7) Marmor Torso in Treffelsdorf nur noch teilweise lesbar: Sant Veit 1638

Stein Treffelsdorf

Treffelsdorf ad 7)

E) Vor dem Hause ehem. Vermessungsbüro Kastenhofer an der Stiegengasse ad 8) Marmor gerundet BURGK FRIT SAND VEIT 1638 Rückseite nicht einsehbar! Ursprünglicher Auffindort nicht überliefert.

Kastenhofer Haus Stiegengasse   ad 8

Kastenhofer Haus
Stiegengasse ad 8

F) In Tschirnig sind zwei Relikte vorfündig, ein modern nachempfundenes, gleich beim Kreuz vor vlg Hane (Fam. Slamanig) ein historisches, bestehend aus gewaltigem rohen Block, Spitze allein mit T und eingelegtem B (für Burgfried Taggenbrunn) bezeichnet. Dieser Block stammt von der Weggabelung kommend von St. Veit über die Schnellstraße links Scheifling, rechts Taggenbrunn wo ebenfalls ein Holzkreuz steht. Er wurde dort von Herrn Slamanig geborgen und liegt jetzt hinter seinem Nebengebäude in Tschirnig

Tschirnig / modern ad 9)

Tschirnig / modern ad 9)

"Tschirnig" ad 10)

„Tschirnig“ ad 10)

Damit wären immerhin von den zuletzt (1673) genannten z e h n Marken beachtliche a c h t noch auf uns gekommen. Mit denen im Münzkatalog Probst L 3/1 Nr 14 insgesamt angeführten „Aufwurf-Münzen“ hingegen, nämlich der Jahre 1629, 1649, 1673, 1690, 1699, 1706, 1709 und 1720 ist kein einziger Markstein deckungsgleich. Wie kommt das? Aus dem 16. Jahrhundert wird zunächst einmal wahrlich nichts geblieben sein. Im 17. Jahrhundert waren zumindest zwei Prägungen zeitlich nur knapp vor dem Rundgang gelegen. Für 1753 war die Vorrats-Prägung deutlich früher geschehen. Ob die Pfennige des frühen 18. Jahrhunderts noch zu den Aufwurf-Münzen zählen, sei dahingestellt.

Walter Wohlfahrt, Juli 2013

Die Pulvertürme von St. Veit an der Glan

Juli 6, 2012 um 09:32 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Seit urdenklichen Zeiten gehörte zur Stadt ein ärarischer, sprich staatseigener Pulverturm, in welchem nicht Schießpulver allein, sondern auch Sprengpulver sicher verwahrt werden konnte. Das eine für Kriegs- und Jagdereignisse, das andere im Bergbau verwendbar. Ja, es würde nicht wundern, wäre diese Notwendigkeit für unseren Raum nicht erst mit Erbauung des Zeughauses (Burg) im Jahre 1524 – spätestens – gegeben gewesen. Auch einen kk. Pulverinspektor in der Person des Anton Kikinger, Kapitänleutnant i.R., beherbergte die Stadt. Sein Haus hatte er am Hauptplatz Nr. 21, das ist heute das Sternat-Haus. Aber wo lagen die Pulvertürme selbst?

Unsere Stadtregierung hat nicht ganz ohne Grund die Verbindung von der Villacher Straße aufwärts Salpeter-Straße benannt. Also fragen wir dort einmal nach und siehe da, niemand kann dort noch nähere Auskünfte geben. Es existierten zwar alte Situationspläne, die einen Pulverturm, ein Gradierhäusl, ein Salpeter- und Schwefelmagazin, ja sogar ein Wachthaus nennen. Was steht davon eventuell noch und wo? Vage Hinweise helfen da wenig, eher eine Nachschau im alten Grundbuch mit den dort vorkommenden Bauflächen-Nummern.

1) Der Pulverturm stand auf Baufläche 316, genauer gesagt in der Felsnische, in welche heute eine Garage hinein reicht. Er übersiedelte 1902 auf seinen derzeitigen Standort am Muraunberg. Weil die Stadtgemeinde damals für einen neuen Bauplatz sorgen musste, tauschte sie die alten Pulverturm-Realitäten dafür ein. So kam es 1924 zwischen Gemeinde und Josef Zemroser, Wagenaufseher der Bundesbahn, zu einem Kaufvertrag. Zemroser zahlte drei Inflations-Millionen, hatte sich aber schon in § 1 ausdrücklich zu verpflichten, dort ein Wohnhaus zu bauen. Nach einem jahrzehntelangen Kampf der Gemeinde, die ständige Explosionsgefahr für die Stadt und das Hindernis für jegliche bauliche Ausdehnung in diese Richtung los zu werden – nachzulesen in den Lebenserinnerungen der hochverdienten Bürgermeisters Dr. Johann Spöck – wollte man verständlicherweise ganz und gar sicher sein, dass es dort mit Pulverlagerungen ein für allemal vorbei sei. Als Zemroser schon ein Jahr später an Maria Zaloker, verehelichte Weber, weiterverkaufte, wohnte er dort wohl schon, der Neubau aber erst zum Teil fertig. Der Kaufpreis betrug zweitausend neue Schilling. Von 1937 bis 1949 war das Anwesen auf Mathias Thaler, gestorben 1940, und auf die minderjährige Ottilie Thaler angeschrieben. Heute besitzt das Haus Salpeter-Straße 8 und besagte Garage Frau Emilie Gratzer.

2) Das Salpeter- und Schwefelmagazin, Baufläche 321 wurde zum Gemeinde-Wohnhaus Salpeter-Straße 2 mit dem schönen Vitus-Wappen an der Front.

3) Das Wachthaus, Baufläche 322 hat man zunächst auch für Wohnzwecke umgebaut, in den 60ern jedoch zur Gänze demoliert.

Altes Wachhaus

4) Das Abwaaghaus erschein unter Baufläche 315/1

5) Das sogenannte Gradierhäusl hatte die Baufläche 315/2. Die zwei letzteren Gebäude hatten bei der Pulvermanipulation sehr wichtige Funktionen. Einerseits wurden die ein- und ausgehenden Quantitäten gewogen, anderseits im Gradierhäusl die schwach- und hochgradigen Pulversorten festgelegt. Das kleine Gradierhäusl steht noch in alter Größe und Form links an der bald im Grünen auslaufenden Salpeter-Straße. Die Gebäude 3 und 4 bilden heute eine Besitzeinheit unter der Adresse Salpeterstraße 13 des Johann Krassnitzer.

Damit wäre die Örtlichkeit eines lange währenden, im wahrsten Sinne des Wortes hochprisanten Tuns am Rande der Stadt abgesteckt. Für den Pulverturm, genauer gesagt für den Turm III wird 1778 als Baujahr angegeben. Ein Pulverturm II ging nämlich ums Jahr 1760 mit Getöse in die Luft. Er stand weiter von der Stadt entfernt, am Wege zum vlg Pueller Hof. Obwohl angeblich nur ein bescheidener Vorrat gegeben gewesen sein soll, hat diese Detunation größte Schäden verursacht. Man munkelte damals, der Pulverinspektor hätte zwecks Verschleierung von Mengen- und Kassendifferenzen den Turm höchst persönlich hoch gehen lassen.

Von den Bauten 2 und 3 weiß man das Baujahr ebenfalls, es war 1818. Es steht vermutlich im Zusammenhang mit dem Bau der Salniter-Plantage in Glandorf. (Salniter ist das alte Wort für Salpeter). Hat man in der langen Zeit davor, das für die Pulverherstellung nötige Salpeter noch durch Salpeter-Graber, die sogenannten Saliterer in Viehställen und Latrinen alter Häuser mühsam zusammen gekratzt, so geschah nach den Napoleonischen Kriegen die Salpetergewinnung auf industrielle Weise. Das ist allerdings eine andere Geschichte.

Lange Zeit galten u.a. die Pulvermühlen von Hörzendorf als Zulieferer.

In der Chronik von Ludwig Koller – er lebte ca. von 1810 bis 1890 – ist festgehalten, es  „zersprang“ 1616 im Mühlbachgraben aus unbekannter Ursache das dortige Pulvermagazin und ruinierte sehr viele Häuser. Wir setzen dieses Magazin gleich Pulverturm I.

Walter Wohlfahrt in Sankt Veit Kommunal VI/2001 teilweise  neu 2012

Wintersport in und um St. Veit/Glan

Juni 5, 2012 um 17:01 | Veröffentlicht in St.Veit | 1 Kommentar
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Sie haben richtig gelesen. St.Veit war in der Tat ein frühes Zentrum des Wintersportes. Wir müssen nur zeitlich ein Stück zurückgehen und wir erkennen die erste Phase in der Zwischenkriegszeit mit Ausklängen bis zu Kriegsbeginn und die zweite Phase sofort nach 1945. Eine tragende Säule zu Beginn bildete dabei neben einzelnen Idealisten, der Turnverein St.Veit. So gab es am Sonntag, den 29.1.1928 den Ersten Schi-Abfahrtslauf vom Schneebauer am Sörgerberg bis hinab nach St.Veit! Erste Versuche im Sprunglauf fallen in die 30-er Jahre und von dieser Disziplin soll hier ausschließlich die Rede sein.

Der Lokal-Pionier im Bau von Sprungschanzen war Hannes Schipfer (1908-1985), Kunstschlosser, später Busfahrer von Beruf. Seine ersten jugendlichen Sprungversuche machte er im Kreise gleichgesinnter Vorstadtfreunde am sogenannten Schwarzkogel. Diese Örtlichkeit liegt zwischen dem Weg zum Pualler-Hof und der Stelle wo sehr viel später Dir. Josef Jäger seine Villa gebaut hat. All zu oft dürfte die Schneelage wohl nicht geeignet gewesen sein, aber es gab mitunter auch lange und kalte Winter.

 Noch im Winter 1945/46 wagte man sozusagen den Sprung über die Glan und errichtete am Nordhang des Muraunberges, also schattseitig, nahe Unterbergen die erste 40-Meter-Schanze. Wiederum war Hannes Schipfer Konstrukteur und Springer in einer Person. Hier formierte sich – wir wollen sie zur Unterscheidung so nennen – die Erste Springergarde. Trotz zahlreich geführter Interviews ist die Abgrenzung zur späteren und jüngeren, der Zweiten Springergarde nicht ganz leicht. Da Bild- und andere Dokumente jener Zeit leider sehr, sehr rar sind, wären Ergänzungen, Richtigstellungen und Fotos im Stadtmuseum sehr willkommen. Erstens, waren die Aktiven zwar sportliche Alleskönner, aber durch die Bank mittellose Burschen und zweitens besaß kaum jemand Fotoapparat und Filme. Viele hatten in jenen Tagen ganz andere Sorgen. Auch waren die Springer typische Einzelkämpfer. Vereinsorganisation und Funktionäre gab es anfänglich ebenfalls nicht. Es wäre ein Wunder, würde noch irgendwo und irgendwann ein Gruppen- oder Siegerfoto auftauchen! So muß man sich eben an die Erinnerungen noch lebender Teilnehmer und an die wenigen Berichte der Tageszeitungen (VZ=Volkszeitung, NZ=Neue Zeit, KLZ=Kleine Zeitung) halten, auch wenn man einst selbst als faszinierter Zuschauer unterem Schanzentisch oder im Auslauf gestanden hat.

Der WSV St.Veit lud alle Schiläufer zur Gründungsversammlung im Gasthof Trippolt, Oktoberplatz 3 am Freitag 25.1. um 19 Uhr 30 – Es wird ein Dreier-Vorstand bestehend aus Karl Tirof, Sepp Jost und Otto Schober gewählt. Hannes Schipfer ist Sektionsleiter und Josef Kampl Präsident.                       (VZ 25.1.1946)

 Ankündigung eines Kärntner Meisterschaftsspringens in Möltschach bei Villach für Sonntag 3. Feber. Es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß auch St.Veiter Springer dort an den Start gegangen sind. Eine Ergebnisliste fehlt leider.(VZ 31.1.1946)

 WSV St.Veit kündigt an, Samstag 9.2. mit Start um 14 Uhr Abfahrtslauf vom Schneebauer und Sonntag 10.2. ebenfalls Beginn um 14 Uhr Schauspringen auf der VITUS-SCHANZE am Muraunberg – Anmeldungen bei Josef Kampl. (VZ 5.2.1946)

 WSV Faakersee lädt zu Grenzland-Sprunglauf am 20.2. (VZ 9.2.1946)

 Ergebnislisten 1) Abfahrtslauf vom Schneebauer  –  Jugend  1. Platz Siegi Wulz WSV

Frauen  1. Platz Lisbeth Richter WSV –  Allgem.Klasse 1. Platz Herbert Werzer Atus

2) Sprunglauf – 1. Werner Koch  2. Max Freidl WSV  3. Siegfried Zwattendorfer WSV mit Schanzenrekord 31,5m (VZ 13.2.1946)

Ankündigung Länder-Schispringen in Eisenerz (mit St.Veiter Teilnehmer) (VZ 14.2.1946)        

Ankündigung Springen des WSV auf der Flattnitz für 16./17.3. (VZ 20.2.1946)

 Ergebnisse vom Springen auf der Flattnitz-Schanze (VZ 26.2.1946):  1. Hans Nogler, 3. Otto Doujak, Velden, Helmut Bildstein und Otto Doujak, beide Velden springen in Seefeld/Tirol in die österreichische Spitze!

Ankündigung Bezirksmeisterschaft auf der Flattnitz für 23./24.3. Zitat: „Abfahrt der Rennläufer mit Auto ab Hauptplatz. Für Unterkunft ist gesorgt. Lebensmittelkarten, Eßbesteck sowie eine Decke pro Mann sind mitzubringen.“ (VZ 15.3.1946)

Ankündigungen des Landes Schiverbandes (VZ 23.10.47) und zwar: 26.12.47 Stephani-Springen in Faak-Rattnitz        

1.1.1948 und 29.2. 1948 in Möltschach                                                                                                                                                                                                            8.2.1948 Internationales Springen auf der Sattnitzschanze 

Schneemangel in St.Veit dürfte eine Terminansetzung nicht zugelassen haben  St.Veiter Athleten treten aber auswärts an.

 Auch in Faak drohte eine Absage. (VZ 28.12.47) Die Konkurrenz fand trotz ungünstiger Witterung statt und brachte laut …..

NZ 28.12.47   folgende Ergebnisse: Allgem. Klasse II 1. Springer ESV St.Veit  37 und 35,5 Meter, Note 197,5 – 2. Pirker Faak  34 und 34,5 Meter, Note 186,9 – 3. Trixl VSV           

 Allgemeine Klasse I – 1. Martitsch     Note 220,0 – 2. Mayer VSV Note 212,5 – 3. Doujak      

Überschrift „Springer Elite in Villach am Start“ Ankündigung des Ersten verbandsoffenen Springens des Jahres Möltschach 1.2. 14 Uhr (VZ 22.1.1948)

 Schweiz verweigert Bubi Bradl Einreise und Teilnahme an der Olympiade von St.Moritz. Norwegen und Holland bringen vor, Bradl sei Obersturmführer der SA gewesen. Bradl entgegnet, er wäre ohne sein Zutun und allein angesichts seiner sportlichen Erfolge der SA eingegliedert worden. (VZ 23.1.1948)

 Norwegen und Schweden ziehen ihre Proteste zurück. (VZ 27.1.1948)    Otto Doujak aus Velden ist Olympiateilnehmer in St.Moritz.                             Ein Norweger wird Olympiasieger – Bradl war nicht am Start! (VZ 8.2.1948)

 Zum vereinsoffenen Länderspringen in Möltschach sagen sich neben den Kärntner Größen:  Kostner, Elsigan, Gustl Mayr, Bildstein, Doujak und Hardwiger auch die besten Tiroler und Salzburger an. (VZ 26.2.1948)

Turn- und Sportunion St.Veit lädt für 7.3. zum Spezialsprunglauf auf VITUS-Schanze – Nennungen an Herrn Kampl. (VZ 2.3.1948)

 Bubi Bradl siegt mit 93 und 97 Meter auf der italienischen Riesenschanze in Ponte di Legno – beste Kärntner in dieser internationalen Konkurrenz sind Karl Maritsch als siebenter und Otto Doujak als achter .(Olympia-Revanche!) (VZ 3.3.1948)

 Stephani-Springen in Faak – Allgemeine Klasse II: 1. Hubert Pirker Faak   36,0 und 34,5 Meter  2. Walter Springer, St.Veit  33,5 und 32,5 Meter

Allgemeine Klasse I: 1. Karl Martitsch, Faak   37.0 und 36,5 Meter 2. Siegi Kostner, Askö Villach  3. Otto Doujak, Velden  4. Helmut Bildstein, Atus Velden (VZ Dez.1948)

 „Mit Holzschiern vom Muraunberg geflogen“ von Philipp Novak (KLZ 4.2.2000)

 Zu den bereits genannten Kempen der ersten, der älteren Springer-Garde wie Walter Springer, Siegfried Zwattendorfer, Max Freidl, Hannes Schipfer und Ing. Gerhard Zemrosser zählen mit Einschränkung noch Hans Mrak, Franz Moser und Hermann Macher. Der aktivste, erfolgreichste und am öftesten auswärts angetretene St.Veiter dürfte wohl Walter Springer sein. Hans Mrack, Teilnehmer des legendären Glockner-Rennens, hatte seinen Schwerpunkt eher im Alpinen Schilauf und Hermann Macher startete unter einem Klagenfurter Verein. Sportliche Multitalente waren sie aber allesamt.

 Wenn wir nun noch zur zweiten, der jüngeren Springer-Garde kommen wollen, dann ist das in jedem Falle mit dem Bau der neuen, etwas größeren VITUS-Schanze am Muraunberg in Verbindung zu bringen. Für die Planung dieser Anlage war Ing. Norbert Piuk verantwortlich. Die Bauzeit wird wohl mit 1949/50 anzusetzen sein. Da der Schanzenname ganz offensichtlich mitwanderte, bürgerte es sich ein, von der alten Schanze nahe vlg. Steiner in Unterbergen gelegen, einmal als Siegfried-Zwattendorfer-Schanze, ein andermal wieder als Hannes-Schipfer-Schanze zu sprechen. Daß sie aber ursprünglich VITUS-Schanze hieß, beweisen die zitierten frühen Zeitungsmeldungen.

 Zur jungen Garde zählt möglicherweise auch noch Ing. Gerhard Zemrosser, sicher aber Walter Moser, Herbert Mulle, Reine Hafner, Othmar Petz, Andy Wohlfahrt und Siegi Wulz, der noch eine interessante Erinnerung preisgab: Der Muraunberghang, dort wo die zweite, die der Stadt wesentlich näher gelegene neue Sprungschanze entstand, wurde von den Besatzern 1945/46 zwecks Heizmittelbeschaffung großflächig kahlgeschlägert. Dabei hat man den St.Veitern fürs Holzmachen folgendes Angebot gemacht: zehn Festmeter für die Engländer, zwei Festmeter für den eigenen Ofen!

 Wie und warum endete Mitte der fünfziger Jahre die stolze Zeit des Schisportes in St.Veit? Man sagt, die neue Schanze hätte die Springer nicht mehr so gefreut wie ihre Vorgängerin. Doch abgesehen von kleinlichen politischen Querelen, die es leider auch gegeben hat, war es wohl in erster Linie die immer bessere Erreichbarkeit der neu aufstrebenden, entfernteren Schizentren mit modernen Aufstiegshilfen. Die Zeit der Idealisten, die alles ihrem Sport zu opfern bereit waren, ging zu Ende. Dabei hätten die Burschen damals Startgelder und Siegesprämien bei Gott nötiger gehabt als ihre heutigen Zunftkollegen.

Walter Wohlfahrt in „St. Veit Kommunal“ November 2000

Zur Schwarzen Muttergottes…..

Juli 28, 2011 um 16:31 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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…oder von dort weiter auf einen der beiden Muraunberge führen interessante, in letzter Zeit zum Teil aufwendig gesicherte Spazierwege. Von der Kapelle weiter gibt es mindestens drei Varianten. Links gelangt man am Zaun des Pulvermagazins des Bundesheeres vorbei über die Höhe zum Murauner, geradeaus nach Zwischenbergen – wie treffend ist dieser Ortsname – und rechts hoch geht es auf die Weberitsch Höhe mit schönen Ausblicken auf die Stadt.

 Nun hört man, auch St.Veit soll einen Link zum Hemma-Weg bekommen und der könnte, nicht unpassend von Süden her – einer alten Verbindung folgend – an der Gnadenstelle und an dem „Brünnlein“ vorüber führen. Was weiß man eigentlich von diesem kleinen Bau der Andacht, außer daß jährlich mindestens einmal eine Prozession der Stadtpfarre dort hin unterwegs ist? Manchmal spielt der Zufall mit und im Konkreten ist es gar ein Straffall, der uns zumindest teilweise zu einer Antwort verhilft.

 Im Jahre 1892 saß nämlich ein gewisser Albert Kohlweg als Angeklagter vor dem Richter. Ihm wurde vorgeworfen, die Kapelle zur Schwarzen Muttergottes aufgebrochen und beraubt zu haben. Die Sache wäre an sich relativ einfach gewesen, doch bei Gericht und vor dem Gesetz ist es meist etwas kompliziert. Dem Richter war nämlich nicht klar, welcher Paragraph gegen den armen Sünder anzuwenden wäre, weil es einen Unterschied macht, ob die entwendeten Sachen kirchliches oder privates Eigentum darstellten. In ersterem Falle hätte die Strafe schwerer ausfallen müssen. Um richtig entscheiden zu können, gab es also von Seite des Gerichtes eine offizielle Anfrage beim Stadtpfarramt. Antwort und Strafakt sind längst den Weg allen Irdischen gegangen, wie ja immer noch für Bedürfnisse eines jeden Geschichtsfreundes viel zu viel Wertvolles einfach weggeworfen wird. Doch der Herr Stadtpfarrer, es war dies kein geringerer als Dechant Gabriel Lex, Ehrendomherr, bischöflich geistlicher Rat, hat auf der Rückseite der Anfrage penibel mit Bleistift vermerkt, was er zu antworten gedachte und so vernehmen wir:

 Besagte Kapelle liegt im Bereich der Pfarre Hörzendorf, wurde 1864 erbaut und am 17.7. des nämlichen Jahres von Franz Franziski, nebenbei Kärntens berühmten Volkskundler und damals Inhaber des Gleismüllerschen Benefiziums, ex oblationibus fidelium (als fromme Stiftung?) eingeweiht. Dieses Datum scheint auch am Sockel der Statue auf. Erbauer waren die Eheleute Vinzenz und Barbara Trixner, geborene Florian.

 So weit die Notiz des geistlichen Herrn. Dazu vielleicht einige Anmerkungen. Die alte Stadtgrenze verläuft zwar in Richtung Kollerhof, St.Andrä und schließt den Muraunberg ein, pfarrlich aber war Hörzendorf für dieses Gebiet zuständig. Franziski hat nicht nur so manches über die Stadt, sondern sogar über die Passionsspiele der Gegend aufgezeichnet. Das Benefiziatenhaus und somit seine damalige Wohnung lag in der Bräuhausgasse (heute Fam. Bodner). Die Erbauerfamilie Trixner stammte aus St.Veit und bewohnte das Haus Klagenfurter Vorstadt 23 genannt Mollei-Keusche. Heute stehen dort die Häuser Klagenfurter Straße 69 und 71 auf alter Baufläche 327. Man wird auch nicht weit fehlen, wenn man annimmt, daß dort am Muraunberg zuvor schon, am Gehweg nach Süden, ein einfaches Bild und ein Brünnlein vorhanden waren. Ein südlich davon gelegener Staudamm ist zwar nicht mehr sichtbar, muß jedoch gebraucht worden sein, denn tiefer unten am Bach lag die sogenannte Schwerspat-Mühle, zur Bleiweißfabrik gehörend. Für diese hätte die normale Wasserschüttung gewiß nicht ausgereicht. Vielleicht hat sich dadurch im Oberlauf des kleinen Gerinnes, im linken Berghang ein Wassergang ergeben, der dann bei der Kapelle nur knapp höher als das Bächlein selbst austreten konnte. Das Brünnlein wurde laut Auskunft des Städtischen Wasserwerkes zuletzt zweimal bakteriologisch untersucht und es gab keine Beanstandung. Woher die Zuleitung kommt und ob es dazu eine eigene Quellfassung gibt, ist nicht bekannt aber eher unwahrscheinlich.

Daß irgend eine fromme Seele ein Schwarze-Muttergottes-Bild von einer Wallfahrt mit- und an einem Baum dort oben angebracht hat, würde durchaus altgewohnter Manier entsprechen. Die berühmtesten Schwarzen Madonnen gibt es bekanntlich in Altötting/Baiern, in Tschenstochau/Polen, ja sogar mehrmals in Spanien. Die dunkle Färbung der Bilder und Statuen führt man darauf zurück, daß Wachslichter während der langen Verehrungszeiten zu Verrußung und Schwärzung beigetragen haben, was hier natürlich nicht zutreffen kann, weil die kleine Statue von Haus aus in der Art geschaffen wurde.

 Noch ein Wort zur Quelle und zur Ansage des ORF Studio Klagenfurt zu „Orte der Kraft“. Ein Ort der Kraft kann ein jeglicher Platz sein, wo vertrauensvolle Gebete und Andachten gehalten werden, was dort auch jüngere Gedächtnisse der Familien Strutzmann und Herzele am Wege  beweisen.    X/2006

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