Face-Lifting am Personenbahnhof St. Veit/Glan

Februar 26, 2014 um 18:54 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Im Jahre 1912, als die Titanic im Nordatlantik auf einen Eisberg auffuhr und sank, meinte man in unserem Städtchen noch, es würde hier mit dem neuen Hauptbahnhof die Sonne einer gesicherten und viel versprechenden Zukunft aufgehen. Der erst einmal in Gang zu bringende Fremdenverkehr würde jetzt mit Sicherheit Gäste aus der ganzen Monarchie nach St. Veit bringen. Eine wirtschaftliche Belebung wäre die logische Folge. Endlich sollte St. Veit direkt am Schienenstrang Wien-Triest Anschluss finden. Die Zeit, wo die Schnellzüge von Launsdorf die Strecke über Podeblach nach Glandorf und weiter nach Klagenfurt nahmen, wäre dann endlich vorbei. Die Kronprinz Rudolfsbahn käme von Launsdorf, Reipersdorf und über die hohe Brücke bei Keutschachhof direkt nach St.Veit. Im sogenannten Gleisdreieck ging es dann links nach Glandorf, rechts in das Glantal und über die bereits bestehenden Strecken weiter nach Klagenfurt bzw. Feldkirchen-Villach.  Dort gab es 1869 vorerst noch keine Anbindung an die private Südbahn, die 1863 von Marburg her kam, weil sich die Südbahn noch eine zeitlang zierte. Die Konkurrenzbahn hatte daher in beiden Städten zunächst noch eigene Kopfbahnhöfe, also je einen Rudolfsbahnhof zu bauen.

Ein Bonmot von damals: Was haben die Beamten der Südbahn denen der Rudolfsbahn voraus? Ganz einfach, die Rudolfsbahner haben die Krone auf der Mütze, die Südbahner hingegen in ihrer Tasche. Die einen waren nämlich Staatsbahner, trugen als Emblem die kaiserliche Krone, die anderen hatten eine Aktiengesellschaft zum Arbeitgeber, verdienten bedeutend besser und hatten das damalige Geldstück, eben die Krone, im Sack!

Nach zweijähriger Bauzeit erfolgte am 30. September 1912 die feierliche Eröffnung. St. Veit hatte ein schönes Schmuckstück mehr. Nicht der Anschluss an das Eisenbahnnetz an sich war es, was es zu feiern galt. Es ging um die scheinbar glänzenden, wirtschaftlichen Aussichten. Leider gab es schon zwei Jahre danach Krieg, nach weiteren vier Jahren den totalen Zusammenbruch des Staates. Alle Hoffnungen waren dahin.

Bleiben wir jedoch vorerst noch im Jahre 1912! Was hier entstand, war ein einmaliges Kunstwerk, höchst modern, ein Bahnhof komplett im Jugendstil. Wo gibt es Dergleichen in der Eisenbahngeschichte? In kleinen Details schimmert heute noch da und dort etwas vom einstigen Glanz in unsere Tage her: da wären einmal die schmiedeeisernen Gitter und Blumenkörbe auf den Bahnsteigen (Körbe nur am Bahnsteig 1) sowie die Verfliesung der Unterführung. Beides wird heute, beim kurz vor dem Abschluss stehenden Bahnhofsumbau, sehr wohl erkannt und nach Möglichkeit bewahrt. Viel anderes Wertvolles ist leider für alle Zeiten verloren. So z.B. der kleine aber stilvolle Warteraum der zum behindertengerechten WC wurde! Aber wo fährt jetzt ein  Zug nach Hüttenberg? Wo findet man die Gebäcksaufbewahrung, wo die Bahnhofsrestauration mit Speiseräumen erster und zweiter Klasse? Wo sind die schönen Innenräume mit ihrer Original-Ausstattung geblieben? Hier werkten einst Fahrdienstleiter mit roter Mütze. Da wohnten einmal Bahnvorstände im Hofratsrang! Immerhin wurden in den besten Zeiten an die 450 Bedienstete der drei Bahnhöfe (Personen- Verschiebe- und Güterbahnhof) von hier aus dirigiert: Stellwerker, Verschub-Personal, Weichensteller, Bahnwächter, Heizhaus-Arbeiter etc. , dann vom fahrenden Personal: Lokführer, Heizer, Zugführer, Schaffner, Kontrolleure etc. etc. Ja ein Hofrat, sein Name ist nicht mehr bekannt, muss es wohl gewesen sein, sonst hätte unser städtischer Kultur-Pabst, Dr. Karl Ginhart,  nicht – ein wenig sarkastisch zwar –  vom Bahnhofgebäude als Hofrats-Stöckl schreiben können. Ginhart war wohl der Meinung, das Bahnhofgebäude hätte sich der alten Stadt, deren Erscheinungsbild und Bausubstanz besser anpassen sollen.

Nostalgie Kopie

Dass man den Tunnel in Richtung Weyerfeld geöffnet hat und dass man jetzt mit Aufzügen Barrieren beseitigt, die Bahnsteige und Stiegen neu gestaltet, muss als Gewinn vermerkt werden.  Wie überhaupt gesagt werden darf, mit der neuen Taktung des Fahrplanes ist Bahnfahren nicht nur für Schüler und Pensionäre, sondern vor allem für Pendler wieder in.

Kleiner D´rüber-Streuer: Als es seinerzeit endlich dazu kam, die Ankunft des ersten Schnellzuges und die hohen Festgäste aus Wien zu erwarten um gemeinsam zur offiziellen Eröffnung zu schreiten, war die St. Veiter Prominenz total aus dem Häusl! Leo Knaus veranlasste namens des örtlichen Männergesangsvereines und nach vorher eingeholter ortspolizeilicher Erlaubnis, einen mitternächtlichen Marsch vom Stern-Hotel über den Unteren Platz, Kasern-Gasse (Herzog Bernhard Platz), Bahnhofstraße (richtig Klagenfurter Straße) zur Haltestelle (heute Westbahnhof) unter Vorantritt der Stadtmusikkapelle. Von dort fuhr man das neue, kurze Teilstück im Sonderzug zum Hauptbahnhof, wo man schließlich der Eröffnungsfeier in den prunkvollen Speisesälen entgegen sah.         Walter Wohlfahrt

Erschienen in Stadt Blattl Jän. 2014

St. Veiter Wiesenmarkt 1900-1950

August 29, 2012 um 18:35 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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 Ein Glück und ein Segen für jede Gemeinde, für jede Stadt, wenn ihr erster Bürger neben Eifer für Gegenwart und Zukunft auch noch tätiges Verständnis der Geschichte gegenüber an den Tag legt. So hat Bürgermeister Gerhard Mock veranlaßt, daß der reiche historische Schatz des Gemeinde-Archives digital verfügbar gemacht worden ist. Frau Mag. Bettina Steiner-Köferle  hat sich in bewundernswerter Akribie dieser monatelangen, wertvollen Aufgabe unterzogen. So ist es erstmals möglich, themenspezifisch relevante Sachverhalte aus einem großen Datenbestand mit wenig Mühe auszufiltern und diese, wie beispielsweise hier den Wiesenmarkt betreffend, darzubieten.

 Vieles ist über den historischen St.Veiter Micheli-Markt bisher schon von berufenen und weniger berufenen Leuten geschrieben, manches davon auch gedruckt worden, Stichhaltiges und Legendäres. Als Standardwerk gilt wohl die von Bürgermeister Hubert Zankl zum 600 Jahr Jubiläum in Auftrag gegebene, von Dr. Karl Dinklage verfaßte und 1962 gedruckte „Geschichte des St. Veiter Wiesenmarktes“.  Auch einmal einen nicht so fernen Zeitraum, an den sich der eine oder andere vielleicht noch selbst oder vom Hörensagen erinnern wird, auf Grundlage handfester Daten im Zeitraffer vorüber ziehen zu lassen, ist nicht ohne Reiz, zumal die hier benutzten Quellen dem obgenannten Buchautor sicher nicht zur Verfügung standen.

 Was dabei als erstes ins Auge springt, ist der Umstand, daß die jährliche Zählung der Märkte, wie diese immer wieder in den Zeitungsberichten vorkommt, streng genommen unkorrekt ist. Inzwischen ist diese Übung im offiziellen Ankündigungsplakat ganz zu Recht einer Nennung der Zeitspanne gewichen. Allein in der kurzen Betrachtungszeit von fünfzig Jahren wurde mit der Abhaltung des Ereignisses mehrmals ausgesetzt. Sei es 1910, wo sich die Maul- und Klauenseuche derart ausbreitete, daß ein Marktverbot ausgesprochen werden mußte – und man vielleicht deshalb auch noch bis ins 12er Jahr etwa von Ausschankbewilligungen nichts vernimmt – sei es die Ruhrepidemie des Jahres 1917, die es geboten erscheinen ließ, keinen Wiesenmarkt anzusetzen; oder man werfe den Blick auf einige Kriegsjahre sowohl 1914-1918 als auch 1939-1945. Zunächst sollte 1944 noch J. Hopfgartner die Marktaufsicht übernehmen, doch kam dann am 12.9. das endgültige Verbot. Der Reichsstatthalter für Kärnten begründete diese Verfügung mit dem Schutz der Bevölkerung vor der bestehenden Luftgefahr. Die älteren Leser werden sich erinnern, wie damals die englischen Jagdflugzeuge, ob Spitfire oder Lightnings, bereits unangefochten den Kärntner Himmel beherrschten. Auch gab es in jener Zeit schon lange keinen rechten Anlaß mehr für jegliche Volksbelustigung. Die einen waren an der Front, die anderen sorgten sich um sie. Bestenfalls kam es noch zu Absatzveranstaltung für Pferde und Rinder. Im Herbst des Jahres 1945 war der Krieg gottlob vorüber und der Wiesenmarkt konnte ohne weitere Unterbrechung langsam wieder in Schwung kommen!

Die Ausschankbewilligungen spielten immer eine besondere Rolle. Sie versprachen gutes Geschäft und waren dementsprechend begehrt. 1905 ersuchten die Schankwirte gar darum, vorzeitig, also  v o r  der offiziellen Eröffnung, mit dem Ausschank beginnen zu dürfen. Dagegen werden aber wohl die ortsfest gebliebenen Wirte Einspruch erhoben haben.

1913 wurde ein gewisser Johann Plöb genannt. Er gehörte der Gemeindewache an – damals eine Art gemeindeeigene Polizei – und er hatte als ernannter Marktrichter auf Einhaltung der Marktordnung zu schauen. Ebenso oblag ihm das Einnehmen der Standgelder.

1920 mußte der Wiesenmarkt mit Rücksicht auf die Kärntner Volksabstimmung verschoben werden und als man 1922 daran dachte, die im Kriege abgenommen Kirchenglocken nachzuschaffen, kam es zu einem recht krausen Gedanken. Der Festausschuß des Glockenkomitees unter Obmann Tichatschek trat allen Ernstes an die Stadtgemeinde heran, den ganzen Wiesenmarkt dem Komitee zu verpachten. So wären, nach Meinung der Bittsteller, die Standgelder einem guten Zweck zugeführt. Aus „prinzipiellen Gründen“ ist man diesem Ansinnen nicht nahegetreten.

1924 hört man von einem Gemeinderatsbeschluß, wonach anläßlich des Wiesenmarktes die Bäcker der Stadt an zwei Sonntagen schon um zwei Uhr früh beginnen dürfen, ein deutlicher Hinweis darauf, daß man ansonsten den großen Bedarf nicht hätte decken können.

1926 kam es erstmals expressis verbis zur Vergabe von „Lizenzen für die Ausübung des Gast- und Schankgewerbes“ auf Marktdauer und zwar genau vom 19. September bis zum

18. Oktober, eine recht lange Zeitspanne. Verbunden damit war eine Neufestsetzung der Standgelder und der Belustigungssteuer.

1928 wurde über Ansuchen des Landesverbandes der Kriegsbeschädigten, Witwen und Waisen, demselben das Aufstellen einer Rasenkegelbahn zur Zeit des Wiesenfestes gestattet. Diese Einrichtung hat sich nicht nur bis vor wenigen Jahren erhalten, nein, sie wurde sogar wesentlich erweitert und ausgebaut. Der Bestandsinhaber  hieß von 1938 an „NS-Kriegsopferversorgung“ und ab 1945 „Kärntner Kriegsopferverband“. Keine Frage, daß auch zuvor schon dem Kugel- und Kegelspiel gefrönt worden ist. Was aber bislang meist das Anhängsel einer Schankbude war, wurde damit zum Monopol der Kriegsopferfürsorge. Allerdings, eine Eintragung im Grundbuch des Pfarrhofes St.Veit (Landesarchiv, Stadt St.Veit, Signatur 213, Folio 35) erwähnt 1818 die „Jahrmarkt-Kegelbahn“ und deutet darauf hin, daß schon damals zumindest die Kegelbahnen eine temporäre Einnahme des Pfarrhofes geboten haben.

Der Zustrom von Radfahrern ist 1928 schon so stark, daß Max Weberitsch in der Villacher Vorstadt 7 um das Gewerbe zur Einstellung von Fahrrädern der Marktbesucher auf seinem Grund und Boden ansucht.

Einer Initiative des damaligen Kustos des Stadtmuseums und Obmannes des Verschönerungsvereines, Volksschuldirektor Rudolf Niederl und der Unterstützung durch die Kärntner Landsmannschaft, ist es zu verdanken, daß der längst abgekommen gewesene Brauch von Aufstellung und festlicher Übertragung der Marktfreyung, verbunden mit der sogenannten Marktberufung, das ist die Verlesung der Rechte und Pflichten der Marktteilnehmer, 1932 wiederbelebt wurde. Mit kriegsbedingten Unterbrechungen ist dies seither und bis auf unsere Tage ein fester Bestandteil der Marktkultur. Es spricht viel dafür, daß Dir. Niederl von seinem Berufskollegen Josef Pucher inspiriert worden ist. Pucher war es, der Mitte der zwanziger Jahre über den „Wiesenmarkt in früherer Zeit“ im Periodikum „Für das Kind, Leseheft für Kärntens Schuljugend“ schrieb, selbst aber sein Wissen von keinem geringeren als aus Franz Franziskis „Kulturstudien… in Kärnten“ bezogen hat. Übrigens, die Marktfreyung wurde 1932 vom Bildhauer Pichler in Klagenfurt neu geschaffen und am 17.9. geliefert. 70 Jahre neue Marktfreyung wären demnach zu feiern gewesen…..

Die Zahl der Radfahrer stieg weiter, so daß 1932 auch ein gewisser Anton Sallinger das Einstellen von Fahrzeugen auf dem Kinderfreunde Spielplatz an der Marktstraße bewilligt haben möchte. Das Geschäft auf diesem Platz hat noch in den fünfziger Jahren gut floriert. Eine unabsehbare Menge von Rädern, Rollern und Motorrädern prägte das Bild.

 1934 war ein politisch all zu sehr bewegtes Jahr, um an eine größere Veranstaltung denken zu können, obwohl die Fertigstellung der großen Markthalle in dieses Jahr fiel.

Als Hinweis auf einen Festzug von 1935 ist ein Schreiben erhalten geblieben, welches sich an Baron Auer von Welsbach, Obmann des Kärntner Jagdschutzvereines, mit der Bitte richtete, eine entsprechende Abordnung möge am Festzug teilnehmen. All zu gerne hätte in diesem Jahr die Kärntner Brauerei AG Villach die große Markthalle gemietet, doch war leider die ortsansässige Gösser-Bierniederlage etwas schneller.

1936 wollte der „Musikverein Bundeskapelle“ unter Obmann Josef Mauko eine teilweise Rückerstattung der Marktabgaben. Die Begründung lautete, es handle sich um einen jungen, in Aufbau befindlichen Verein mit knappen Geldmitteln. Weil sich dahinter offensichtlich die umgetaufte Eisenbahner-Musikkapelle verbarg, die politischen Verhältnisse sich aber bereits in Richtung Austro-Faschismus verändert hatten, wurde das Ansuchen abgelehnt.

Musik in jeder Form, ob Leierkasten, Orchestrion, ob zu Unterhaltung oder Tanz, Musik spielte am Wiesenmarkt eine große Rolle! Im Festzug von 1932 begegnen wir noch der Musikkapelle der Eisenbahner und der Arbeiter-Musik-Kapelle. Beide mußten später aus rein politischen Gründen vorübergehend in Bundeskapelle bzw. in Stadtkapelle umgetauft werden.

Eine lustige Episode gehört gerade in die Zeit 1936 oder 1937: Herr Pukelsheim engagierte eine Zigeunerkapelle aus ungarisch Burgenland. Die Instrumente wurden gegen gutes Trinkgeld vom Bahnhof abgeholt und zunächst in die Erlgasse geschafft. Es war ausgemacht, daß vorher noch einige Tage im dortigen Gastgarten und erst danach in der Weinbude am Wiesenmarkt aufgegeigt werde. So geschah es dann wohl auch und die Sinti oder Roma mit ihrem Prim-Geiger namens Ference machten großen Eindruck auf das zahlreiche Publikum. Dies galt ganz besonders für eine angesehene Dame der St.Veiter Gesellschaft. Kurzum, der Wiesenmarkt war zu Ende und für Ference das nächste Engagement in Nizza angesetzt. Besagte Dame ward danach volle vierzehn Tage nicht mehr gesehen, ehe sie sich eines schönen Tages wieder bei ihrem großmütigen Ehemann einfand!

Um zwischendurch auch das Archiv des Stadtmuseums bzw. eine erhalten gebliebene Niederschrift von Rudolf Niederl aus 1947 heranzuziehen, sei kurz daraus zitiert:

 „In den Jahren 1936 und 1937 flaute jedoch das Interesse an der weiteren Ausgestaltung der festlichen Marktberufung merklich ab, so daß 1937 nur noch zwei Stadträte und der Stadtschreiber in der Person des Amtsleiters bei der Übertragung der Freyung auf die Marktwiese, also sang- und klanglos und ohne Festakt, assistierten.

„Einerseits war es die wirtschaftliche Notlage, die ungeheure Zunahme der Arbeitslosigkeit, welche eine Stagnation auf allen Gebieten erkennen ließ, anderseits schlugen die Wellen der einsetzenden politischen Bewegung immer höher und bewirkten ein Abseitsstehen jener Kreise, die sich einst in den Dienst der Wiederbelebung einer feierlichen Markteröffnung gestellt hatten.

Dir.Niederl kommt abschließend zu seinem Vermächtnis:

„Nach mehrjähriger Unterbrechung konnte das Getriebe des Wiesenmarktes erst allmählich wieder in Schwung gebracht werden. Abgesehen von seiner ehemaligen Bedeutung hat der Wiesenmarkt viel von seiner Anziehungskraft verloren (1947! Anm.d.Verf.), als Klagenfurt durch die Veranstaltung eines Herbstfestes, das inzwischen auf August verlegt und mit einer Gewerbe- und Industrieausstellung (spätere Klagenfurter Messe ) verbunden wurde und damit dem traditionellen Wiesenmarkt den Rang abgelaufen hat.

„Ich widme diese Niederschrift mit den gesammelten Zeitungsabschnitten (darunter merkwürdigerweise auch solche von 1950 und daher später beigegeben –  Anm. d. Verf.) sowie mit dem Bildmaterial, das ausschließlich von Amateuren stammt, dem Museum der Stadt St.Veit, das diese Erinnerungen als Zeichen der Bereitschaft, für die Belange der Stadt in uneigennütziger Art zu wirken, bewahren möge.

 Dir. Niederls Sorgen von 1947 haben sich zum Glück nicht bewahrheitet. 1950 titeln die Tageszeitungen bereits in großen Lettern und vorausschauend „600 Jahre St.Veiter Wiesenmarkt“ – „St.Veiter Wiesenmarkt im alten Glanz“ – „Tausende beim St.Veiter Wiesenmarkt“ – „Massenauftrieb beim Viehmarkt“ – „St.Veit im Festeszauber“ usw.

Viele, oft sehr gegensätzliche Kräfte vermochte der Wiesenmarkt im Festausschuß von 1932 zu vereinen. Die Namen der acht Protagonisten muß man kennen: Bürgermeister Leopold Polanz, Norbert Rainer, Fritz Knaus, Rudolf Niederl, Dr. Hubert Huber, Leo Knaus, Fridolin Rainer und Josef Glatzl. Es kam in jenem Jahr nicht nur zum bis dahin größten Festzug, sondern obendrein zur österreichweiten Ausstrahlung einer Wiesenmarkt-Rundfunkreportage, mit wissenschaftlichen Beiträgen von Dr. Martin Wutte in der Programm-Zeitschrift von Radio Wien (RAVAG, gegründet 1.10.1924).

Gar viel hat der altehrwürdige Markt in den beschriebenen fünfzig Jahren zu leiden gehabt, etwa unter der Furie des Krieges oder ganz einfach durch die zeitweilige Unverträglichkeit der Menschen. Man bedenke, die letzten 18 Jahre der Monarchie, turbulente 20 Jahre Zwischenkriegszeit, 7 Jahre Diktatur und 5 Jahre englische Besatzung, das alles hat unser guter alter Wiesenmarkt in dem betrachteten Zeitraum durchlebt! Ganz abgesehen vom markantem Wandel, welchen die Ablöse des Pferdes durch den Traktor oder der Weg vom Fahrrad zur Vollmotorisierung mit sich brachten.

Walter Wohlfahrt    in Kärntner Landsmannschaft, Oktober  2004

 

Die Stadt St.Veit und ihre Fußballer

Mai 28, 2012 um 19:27 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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 Teil I (1920-1938)

 In Tagen, da sich der Fußballsport unserer Stadt gerade wieder anschickt, an alte, glorreiche Zeiten anzuschließen und in denen sich St.Veiter Kicker auf nationaler wie internaler Ebene stark hervortun (Nationalkeeper, Deutscher Pokalsieger mit Vfb Suttgart) oder sich ein zweiter  in der Österreichischen Olympia-Auswahlmannschaft U 21 bewährt hat, ist es vielleicht garnicht uninteressant, einmal die Frage nach den historischen Anfängen des örtlichen Fußballsportes zu stellen. Wie und wann hat denn dies alles begonnen?

 So gut der Wiederbeginn nach 1945 in den diversen, längst schon wieder vergriffenen Festschriften auch behandelt ist, über die Zeit davor ist darin leider nur ganz wenig zu erfahren. Es liegt in der Natur der Sache, daß sich selbst bei den besten Erzählern und verläßlichsten Gewährsleuten mit den Jahren kleinere und größere Gedächtnislücken einstellen. Ein kritischer Vergleich solcher Berichte mit den verfügbaren historischen Quellen erscheint daher angezeigt.

Als Vertreter des Stadtmuseums tut mat gut daran, mit den eigenen Beständen zu beginnen, wie z.B. mit den Auftragsbüchern der einstigen Druckerei Schlick in St.Veit. Ein Gutteil des Druckerei-Umsatzes dieses altehrwürdigen Betriebes bestand nach dem ersten großen Krieg darin, Plakate für die verschiedensten Anlässe zu drucken und in der Stadt zu affichieren. So wurden auch dem „Turnverein“ 25 Stück Ankündigungs-Plakate für ein Fußballspiel am 22.5.1920, bzw. 30 Stück für ein weiteres Heimspiel am 6.6.1920 zum Preise von je 95 Kronen geliefert. Für das Ankleben von jeweils 20 Stück davon wurden separat 12 Kronen berechnet.

 Wenn man jetzt nicht wüßte, daß es zu jener Zeit auch schon einen „Arbeiter Turnverein St.Veit“ gegeben hat, zwar noch nicht vereinsbehördlich angemeldet, aber immerhin in der Realität, dann könnte man leicht in die Irre gehen und meinen, beim Auftraggeber hätte es sich um den St.Veiter „Turnverein von 1883“ gehandelt. Das wäre weit gefehlt, denn bei den Turnern war und blieb das Fußballspielen verpönt. Der „Arbeiter Turnverein“ hingegen konnte sich damit gesellschaftlich, sportlich und politisch ganz bewußt vom renommierten Turnverein abheben. Fußball wurde sogar mit Absicht da und dort als Proletensport verächtlich gemacht.

 Zu einer gewissen Alleinstellung, wie man heute im modernen Marketing sagen würde, eignete sich also der Fußballsport damals ganz vorzüglich. Wenn wir uns nur kurz entsinnen, so kam dieses Spiel auf zwei Wegen in die alte Monarchie. Einmal nach Wien über englische Firmenniederlassungen bzw. deren Angestellte in Form des Wiener Cricket- und Fußballclubs und bald darauf auch noch durch englische Gärnter des Barons Rothschild. Diese letzteren waren die Gründer des „First Vienna Football Club“ von 1892. Blieb der erstgenannte Club eher ein vornehmer in sich geschlossener Kreis, so öffneten sich die Gärtner-Fußballer sehr bald auch österreichischen Sympathisanten und Mitspielern. Dadurch lebte Sport und Verein in Wien noch fort, als es dort eines schönen Tages Rothschild und dessen englische Gärtner garnicht mehr gab.

 Der zweite Weg über den der Fußball ins alte Österreich kam,  führte von der deutschen Universität Prag über steirische Studenten nahezu zeitgleich nach Graz. Weil aber der Prager Fußball aus Deutschland dorthin kam, hatten dessen Jünger von Haus aus eine gewisse deutschnationale Vorliebe, was dann die Rivalität zwischen den Wiener und Grazer Vereinen noch zusätzlich fördern sollte. Seit 1901 gab es bei uns erste Länderspiele (Österr.-Schweiz 4:0) und 1911 starteten erstmals österreichische Meisterschaftsbewerbe. Nach Klagenfurt brachte den Fußball ein namentlich unbekannter Turnlehrer des Gymnasiums, der 1909 den Ersten Kärntner Fußballverein gründete, aus dem später der KAC hervorging. Weitere Vereinsgründungen in Kärnten folgten 1919. Zum KAC gesellten sich die Amateure Klagenfurt, Klagenfurter (Arbeiter?)Turnverein, Villacher Sportverein, Kaufmännischer Sportclub Klagenfurt und „Vorwärts“Klagenfurt.  Der Kärntner Fußballverband besteht seit 1920 und die erste Kärntner Fußballmeisterschaft startete 1922.

 Kein Wunder also, daß sich auch in St.Veit früh Fußball-Liebhaber, sei es aktiv oder als Anhänger fanden. Einen brauchbaren Überblick für diese Zeit bietet die Festschrift des SV St.Veit von 1965 (15 Jahr Jubiläum) auf Seite 16. Der Spielplatz lag allerdings nicht, wie dort behauptet in  A l t g l a n d o r f  sondern auf dem ehemaligen Reitplatz in  G l a n d o r f. Dieser Reitplatz gehörte zur ehemaligen Kavalleriekaserne und soll an den Weg zum Kollerhof gegrenzt haben. Bei der oben geschilderten frühen Begegnung mit dem Kaufmännischen Sportverein Klagenfurt ist es offensichtlich um das Spiel vom 22. Mai 1920 gegangen, denn beim Spiel vom 6.6.1920 hieß der Gegner anders. Das Kärntner Tagblatt – Organ der Kärntner Christlich Sozialen Partei – berichtet nämlich am 9.6.1920, daß die Jungmannschaft des KAC durch den Spieler Richter verstärkt am 6.6. gegen den St.Veiter Turnverein ein Wettspiel austrug und mit 6:0 (1:0) gewonnen hat. Gleichzeitig wird das Rückspiel in Klagenfurt für Sonntag, 13.6.1920 um 15 Uhr angekündigt.

 Am 20.6.1920 bringt die genannte Tageszeitung die Ankündigung eines Fußball-Progaganda-Spieles der Senioren-Mannschaft des KAC in St.Veit für den gleichen Tag:

                 „Auf den Gründen der alten Reitschule (Kollerhof) bei Glandorf

                  kommt es zu einem Wettspiel mit dem St.Veiter Turnverein. Leider

                läßt das Interesse des St.Veiter Publikums am Fußballsport noch

                sehr zu wünschen übrig. Bei den bisherigen Veranstaltungen des

                Turnvereines waren jedesmal kaum 100 Menschen anwesend.

                Deshalb ist es dem Turnverein auch nicht möglich, sich Mannschaften

                von auswärts kommen zu lassen“

Das Tagblatt vom 22.6. bringt das Resultat von 3:7 (2:3) und hebt unter den St.Veitern den Mittelstürmer Vaschauner sowie den Tormann Erich Arztmann besonders hervor.

Ein weiterer Spielbericht zum vorgenannten 3:7 erscheint im gleichen Blatt vom 25.6.1920..

 Nun, so gering dürfte das Interesse am Fußball in St.Veit vielleicht doch nicht gewesen sein. Bedenkt man, daß unserem Heimatland in diesem Jahr noch eine schicksalsschwere Entscheidung, nämlich die  Abstimmung vom 10. Oktober bevorstand und der Sportbetrieb doch unbeschadet aller Widerwärtigkeiten fortlebte, so kann es an Begeisterung und Opferbereitschaft seitens der Spieler und Funktionäre nicht gemangelt haben. Auch sind offenbar diese Zeitumstände die Ursache für die verspätete offizielle Gründung des Sportvereines in St.Veit (genauer gesagt des Arbeiter Turn- und Sporvereines = ATUS) mit Bescheid des Amtes der Kärntner Landesregierung vom 16.8.1923. Bis dahin segelte man zwar streng juristisch vereinslos, nach außen hin aber praktisch als FC St.Veit, und auch als Sportverein St.Veit.

Leider waren die politischen Lagerkämpfe im damaligen Österreich wenig dazu angetan, einen geregeleten Spielbetrieb zu fördern, ganz im Gegenteil! Wie in der schon oben zitierten Festschrift des SV von 1965, Seite 17 richtig dargetan, kommt es 1934 zum Verbot des St.Veiter Arbeitersportvereines. Die Gründung des Eisenbahnersportvereins 1931 liegt jedoch v o r diesem Verbot, nicht wie behauptet, danach. Im Akt der Präsidiale der Landesregierung Nr. 3956 erliegt ein interessantes Gesuch vom 24.4.1934 an die BH um Bewilligung zur Gründung eines Sportvereines in St.Veit, unterfertigt von den Proponenten August Voraberger, Getreidehändler; Josef Holzmann, Konditor, Milch- und Zuckerwaren, Anton Medwed, Friedrich Bugelsheim, Gastwirt.

 Die Sicherheitsdirektion für Kärnten argwöhnt, es könnten sich hier Anhänger der verbotenen sozialdemokratischen Partei wiederbetätigen und verlangt von der ständestaatlichen Gemeindevertretung eine Stellungnahme nicht nur hinsichtlich der Zuverlässigkeit der antragstellenden Personen sondern auch in Bezug darauf, ob sich nicht vielleicht ehemalige Vereinsmitglieder des verbotenen Turnvereins darunter befinden. Nachdem Gendarmen zwecks Erhebung ausgeschickt worden waren, dürfte sich der eine oder andere Unterzeichner wohl überlegt haben, ob er die Sache noch weiter unterstützen soll. Die Antwort der Gemeinde an die BH lautet dahingehend, daß allein Anton Medwed als guter Fußballer bekannt sei, die übrigen Personen aber wohl nur aus Geschäftsrücksichten und keinesfalls aus sportlichen Motiven zur Unterstützung bereit waren. Im übrigen seien von den rund 30 Anhängern des geplanten Vereines ca die Hälfte ehemalige Arbeiter-Turnvereinler und der Rest verteile sich auf sonstige Arbeiter und Angestellte.

 Da in der Sache selbst monatelang nichts voranging, langte bei der Behörde der mit 5.12.1934 datierte neue Vorschlag auf Gründung eines  V a t e r l ä n d i s c h e n (!) Sportvereines St.Veit ein. Eine dabei verwendete Stampiglie zeigt einen Fußballer mit Rundschrift „Sportverein St.Veit“. Um nur ja weiter Vereinsfußball betreiben zu können, war man offensichtlich zu jeder Konzession bereit. Aber schon elf Tage danach, am 16.12.1934 wird der BH mitgeteilt, die unterfertigten Spieler hätten einstimmig beschlossen, bei der Sektionsleitung des Vaterländischen Sportvereins der Bediensteten der Österr. Bundesbahnen um Aufnahme zu ersuchen. Das vorhandene Vermögen, bestehend aus zwei Lederbällen und zwei Garnituren Dressen bringe man kostenlos in den genannten Verein ein. Die hier Unterfertigten sind weitgehend ident mit den auf einem Foto von 1934 oder 1935 abgebildeten Fußballern. Die Unterschriften stammen von Bussetti, Trampitsch, Tripold, Grüner, Medwed, Freidl, Jaritz, Norbert Piuk, Weißenberger, Hoy, Blatnik, (1mal unleserlich). Die vollen Namen enthält die zitierte Festschrift von 1965.

 Am 4.1.1935 wird das seinerzeitige Ansuchen vom 24.4.1934 formell zurückgezogen. Die damalige Staatsmacht hat die Eisenbahner, ob ihrer wichtigen Funktion im Lande, in sportlichen Belangen ganz offensichtlich großzügiger behandelt und das Unterschlupfen der Fußballer in diesem Verein toleriert, obwohl es keinen Zweifel darüber geben konnte, daß sich hier Gleich und Gleich zusammen gesellte. Der Fußballbetrieb in St.Veit war dadurch für einige Jährchen jedenfalls gesichert und das war den Sportbegeisterten zu jener Zeit die Hauptsache.

Fotos von 1934 und 1935 zeigen die Mannschaft fast unverändert und jedesmal in den gleichen Dressen. Am Bild von 1935 erkennt man auch die Eisenbahner-Funktionäre, die laut Festschrift von 1965 Kaiser und Stephan geheißen haben sollen. Was aber sonst über den „Vaterländischen Sportverein“ in der Festschrift, Seite 19 geschrieben steht, erscheint durch die oben getroffenen Klarstellungen überholt. Nach AR.Ing.Erich Eggers Beitrag im Heimatbuch des Bezirkes St.Veit 1956, Seite 48ff ist der Eisenbahner Sportverein von 1931 erst 1938 aufgelöst worden. Aus einem unveröffentlichten Aufsatz des Herrn Stadtamtsdirektors (Jg 1915) geht ferner hervor, daß parallel zu den fußballerischen Initiativen der St.Veiter, auchdie vielen Glandorfer Jugendlichen vornehmlich aus den Eisenbahner Wohnhäusern, wenn auch wild und vereinslos, so doch nicht weniger begeistert diesem Sport frönten. Ihr Spielplatz lag am Gelände der einstigen Ziegelei (heute Finkenweg).  Von Interesse ist auch dessen Mitteilung, daß Soldaten der Volkswehr (1920 !) in ihrer Freizeit in Glandorf Spiele austrugen. Die Volkswehr war bekanntlich der erste Wehrkörper der 1. Republik und hatte keinen all zu langen Bestand. Das Volkswehrbat.8 St.Veit war in der ehemaligen Kavalleriekaserne Glandorf (heute ca. Funder Verwaltungsgebäude) untergebracht.

 Aus persönlichen Aufzeichnungen Erich Eggers geht weiters hervor, daß er 1928 in der Schülermannschaft, ab 1932 in der Jugend- und Kampfmannschaft des Sportvereins St.Veit gespielt hätte, was beweisen würde, daß damals schon gezielte Jugendarbeit geleistet worden ist. Mit der Übersiedlung seiner Eltern nach Glandorf (1.4.1933) spätestens gelangte er zum Eisenbahner-Sportverein, wo er angeblich bis 1934 die Sektionsleitung inne hatte.

 Ing.Norbert Piuk (Jg 1915) erzählt: Trainer und Betreuer war zu meiner Zeit Bertl Blattnik (Angestellter des Konsum St.Veit und einstiges Mitglied des ebenfalls 1934 verbotenen Central-Verbandes Kaufmännischer Angestellter in Klagenfurt). Es gab nur einfaches Lauf- und Balltraining. Die Dressen gehörten dem Verein. Für Fußballschuhe mußte man selbst sorgen, soferne nicht ein Anhänger – in meinem Falle der Konditor Holzmann – als Sponsor auftrat. Es gab einen Schaukasten in der Stadt, wo man z.B. lesen konnte „Nächstes Spiel am Sonntag um 9 Uhr in Annabichl, oder in Feldkirchen usw.“ Obwohl die Last der Anreise jedem selbst überlassen blieb, war man schon glücklich, sich nur aufgestellt zu finden. Egal ob mit einem motorisierten Fan oder zu zweit auf einem Fahrrad, man war jederzeit und verläßlich zur Stelle. Die ersten Auswärtssiege, etwa das 4:0 gegen Annabichl oder das 9:0 in Feldkirchen endeten mit regelrechter Flucht vor dem jeweiligen Heimpublikum. In Annabichl flogen gar Steine durch die Luft. Fanatischer Siegeswille und rein sportlicher Ehrgeiz waren noch schwer auseinanderzuhalten. Als man schon auf dem Rennbahngelände spielte, befanden sich die Umkleideräumlichkeiten entweder am Dachboden der Tiroler Weinstube Bugelsheim oder im nahen Pferdestall des Herrn Schubernig auf der Rennbahn. Anhänger und Gönner, die es sich leisten konnten, zahlten zur Siegesfeier daheim wohl auch einmal ein Viertel Wein (20Groschen) oder ums gleiche Geld ein Spezialbrot. Für die Platzvorbereitung erhielt ich 50 Groschen und wenn der wohlgesinnte Sägewerksbesitzer (Höfferer Säge) auf die 50 Groschen für die Sägespähne verzichtete, hatte ich einen ganzen Schilling in der Tasche. Gespielt wurde auch gegen Seebach bei Villach, gegen Friesach und St.Peter-Klagenfurt. Im Jahre 1936 gab es in St.Veit ein Fußballturnier. Soweit die Schilderung von Herrn Ing. Norbert Piuk.

Teil II (1945-ca.1970)

Bezeichnend für die Fußballbegeisterung der Zeit nach 1945 ist folgende kleine Episode, die mir eine bekannte Sportgröße, Allrounder und Multifunktionär, Träger der Großen Verdienstmedaille der Republik, Freund Herbert Werzer (Jg 1922) erzählt hat. Der Friede war erst wenige Tage alt, da traf sich die St.Veiter Jugend schon auf der Sommegger Wiese (heute Kelag-Schulhaus) um hinter dem runden Leder her zu jagen. Von Schloß Kölnhof herunter, dort als ehemaliger Wehrmachtsangehöriger gerade ordnungsgemäß von englischer Besatzungsmacht entlassen, näherte sich als jung gebackener Heimkehrer Josef Jäger, der spätere Sparkassenleiter. Der Einladung, gleich mitzukicken, kam er freudig nach. Erst nach Stunden entsann er sich, dass daheim vielleicht Angehörige auf ihn warten könnten…..

Es sieht ganz so aus als hätten die englischen Besatzer von 1945 eine zweite Mission in SachenFußball hier zu erfüllen gehabt. Wohl gab es unter den unzähligen deutschen Soldaten, die im Lager bei der Schießstatt-Allee noch Monate auf Heimfahrt zu warten hatten, ebenfalls sehr gute Fußballer. Diese formierten sich alsbald zur sportlich gefürchteten Lagermannschaft „Rote Teufel“. Ohne den sprichwörtlichen brittischen Sportgeist und deren Vorliebe für den Fußball, wären die Roten Teufel wohl kaum zu Vergleichskämpfen mit englischen Militär-Teams in ganz Kärnten und zu unbestrittenen Ruhm gelangt. Denn in jedem kleinen englischen Camp gab es allsogleich eigene Teams die ihre Kräfte messen wollten. Als für Zivilisten noch das strenge Fraternitierungsverbot galt, Kontakte zwischen Militär und Zivilbevölkerung den englischen boys also noch strikte untersagt war, begegneten sich englische und deutsche Soldaten auf dem grünen Rasen. Auch bunt zusammengewürfelte österreichische Mannschaften wurden akzeptiert und eingeladen. Dabei zeigten sich die über Getränke und Lebensmittel scheinbar unbeschränkt verfügenden Gastgeber anfänglich äußerst spendabel. Als aber die „Sieger“ auch immer öfter Niederlagen hinzunehmen hatten, war es mit den Siegesfeiern leider bald vorbei. Gewinnen lassen, nur um etwas zu essen zu kriegen, das wäre eine Verletzung des fair play gewesen.

Auf englischer Seite gabe es einen berühmten Spieler, namens Steel. Dieser wurde als Verstärkung allseits sehr willkommen und wurde mehrmals von Spital an der Drau, wo er seinen Standort hatte, herbei geholt wo immer nötig.

Wir sind zwar noch in der Besatzungszeit, doch es musste auch das Bodenständige wieder einmal hoch gebracht, ein wenig politisch vorgesorgt werden. So hat Bürgermeist Martin Rom, der spätere Nationalratsabgeordnete alle Jünger des runden Leders in die Küchenbaracke beim Heizhaus am Güterbahnhof geladen, um irgend eine Art organisiertes Vereinsleben zu gründen. Alfred Riedl, ein früher Spieler und Trainer, erinnert sich, dass sich Rom mit den einfachen Worten an die Versammelten wandte „Arbeiter san ma alle, also wer ma den neuen Verein Arbeiter-Turn-und Sportverein nennen. Mit Einstimmigkeit hat man kurzerhand den ATUS ST.VEIT als legitimen Nachfolger des Vorkriegs-Fußballs aus der Taufe gehoben. Auch der Kärntner Fußballverband entstand schon 1945. Es gab 8 Vereine in der 1. Klasse, 12 in der 2. Klasse – darunter auch Atus St.Veit – und schließlich 8 Vereine in der dritten Klasse.

1949 verfügt der Atus bereits über ine starke Mannschaft mit der man den Aufstieg in die 1. Klasse glatt schaffte. Ein besonderer Leistungsträger im Atus-Dress war der englische Besatzungssoldat Andrew Murphy aus Liverpool. Er füllte sich hier so wohl, dass er seine Braut und spätere Ehefrau aus St. Veit mit sich nahm, als es auch für ihn heimwärts ging.

Für den Atus, mit seinen verschiedenen Sektionen, kam allerdings bald die Zeit, wo die Fußballer auf die international erfolgreichen Handballer ein wenig eifersüchtig wurden. Es wurde gemunkelt, die Handballer fahren in der Welt herum, während die Vereinsleitung für die Fußballer kein Geld hätte. Tatsächlich formierte sich rund um die Handball-Legende Rudi Flick eine Handball-Herrenmannschaft von hohen Graden, die nicht nur national mithalten konte, sondern sogar deutsche Gastvereine nach St. Veit holte und Gegenbesuche mit beachtlichen sportlichen Resultaten absovierte. Auch eine Damen-Handballmannschaft wurde aufgebaut, die sich einige Jahre gehalten hat.

Tatsächlich führten die geschilderten Eifersüchteleien zur Gründung des offiziell, aber nicht wirklich unpolitischen Vereines SV St. Veit am 3. März 1950 im Gasthaus Grabenwirt. Der Atus erfuhr dadurch einen empfindlichen Aderlaß und gewisse „Rückhol-Aktionen“ fruchteten nur zum Teil. Während sich die Erfolge der Atus Spieler eher in Grenzen hielten, eilte der SV von Sieg zu Sieg. Schon im ersten Jahr ist man Meister der 2. Klasse und steigt auf. Selbst in der neuen Spielklasse wird 1952 der 2. Tabellenplatz erreicht. Über Landesliga gelangt man in die neu geschaffene Tauernliga, wo sich Kärntner und Salzburger zu messen hatten. Man stelle sich vor, diese Erfolge wurden noch ganz ohne Verträge, Prämien und Handgelder erzielt. Alles was Spieler damals erwarten durften, war vielleicht da und dort ein besseres berufliches Unterkommen! Ab der Tauernliga  m u s s t e n   nach den Bestimmungen des Österr.Fußballverbandes die Spieler erstmals Verträge unterschreiben, die dem Kontrollausschuß des Kärntner Verbandes zur Genehmigung vorzulegen waren. Die neuen Prämien betrugen S 30 für einen Sieg, S 20 für das Remis und S 10 pro Niederlage. Ab dem dritten Spiel – Sieg über die Austria Klagenfurt – steigerten sich die Prämien auf 100/50/20.

Die Übersiedlung des SV 1956 von großen Spielfeld der Rennbahn in die Prinzhoferstraße brachte zwar endlich die ersehnte Freiheit in der Ansetzung von Spielterminen, weil nicht länger auf den Zweitverein Rücksicht zu nehmen war, doch die Mannschaft konnte die gewohnte Überlegenheit auf dem kleineren Platz nie mehr richtig ausspielen, was schließlich auch einer der Gründe für den Abstieg aus der Tauernliga war. Langjähriger, verdienstvoller Vereinsobmann war übrigens Herr Karl Tirof.

Beide Klubs erlebten wechselhafte Zeiten, ehe 1970 Prof. Hermann Kövari bei den Amateuren bzw. 1971 Prof. Walter Ludescher beim Sportverein die Geschicke in ihre Hände nahmen. 1973 wurde der SV Kärntner Meister und stieg in die Regionalliga Mitte auf. Jetzt wurde mit Hilfe des Hauptsponsors Herrn KR DI Karl Funder eine Interessengemeinschaft zwischen beiden Vereinen geschlossen. Die Vereinsnamen lauteten SV/SCA Funder St. Veit bzw. SCA/SV Funder St. Veit.

SV/SCA Funder spielte in der Regionalliga und erreichte den 4. Tabellenrang. Durch Auflösung der Regionalligen 1974 hatte man in die Landesliga zurückzukehren, wo man jedoch 1975 sofort wieder Meister geworden ist. Nach sehr harten Qualifikationsspielen gegen Vorwärts Steyr und WSV Liezen wurde der Aufstieg in Österreichs zweithöchste Spielklasse, in die sogenannte 2. Division geschafft.

Der SCA/SV Funder spielte zur  gleichen Zeit in der Kärntner Liga, wo er als Meister aufstieg. Das Spieljahr 1976/1977 sah beide St. Veiter Vereine in der 2. Division!

Walter Wohlfahrt in „St. Veit Kommunal“  März u. April 1999 auszugsweise.

 

Obermühlbacher Kirchtag Anno 1823

Juli 31, 2011 um 16:15 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Blick über das alte St. Veit/Glan mit Kirche Obermühlbach im Hintergrund

So willkommen die hier in Garnison liegenden kaiserlichen Truppen etwa beim Stadtbrande von 1829 als tatkräftige Helfer waren und dafür auch hochoffiziellen Dank ausgesprochen bekamen, so sehr sie auch geschätzt waren, wenn sie durch korporative Teilnahme die Fronleichnams-Prozession verschönerten, so daß die Leute von überall her der Stadt zuströmten, auch hatten die zahlreichen Wirte nichts dagegen, wenn ein Großteil des Soldatensoldes in ihre Kassen floß, von besonderen Interessen der „Heereslieferanten“ erst gar nicht zu sprechen, das enge Nebeneinander von Militär- und Zivilvolk konnte mitunter schon auch manchmal zu merklichen Belastungen führen. Davon wird hier erzählt.

Nie hätte man ein Sterbenswörtchen davon vernommen, wären nicht die unliebsamen Vorkommnisse angezeigt, vor dem Gericht der Stadt abgehandelt und protokolliert worden.

Ein Raufhandel zwischen Militärpersonen und Bauernburschen auf dem Leutgeb Kirchtag in Obermühlbach führte dazu, daß im Juni 1823 ein größerer Gerichtsakt anzuwachsen begann.

 Einvernommen wurde Primus Ottowitz, 56 Jahre alt, seit vier Jahren verehelicht mit seiner allerliebsten Agata, zum Ortsgericht Rosegg zuständig, sechs Jahre schon bürgerlicher Kleidermacher und Besitzer des Hauses Nr. 79 in der Kasern-Gasse. Er gab an, zwei Soldaten hätten ihn ohne jeden Grund mit Gewehrkolben traktiert, und das kam so:  Auf einem friedlichen Familienausflug gegen Obermühlbach unterwegs, wurde er von einem Trupp Soldaten überholt. Nur aus Neugier folgte er demselben bis in die Nähe des genannten Gasthauses, weil aus demselben Musik ein viel wildes Geschrei zu hören war. Wie er aussagte, wurde er nur aus Neugier und ganz gegen seinen Willen in eine böse Sache hineingezogen, bald in Verhaft genommen und schließlich nach St.Veit abgeführt. Auf dem Weg dort hin wurde ihm von Soldaten noch weiter arg mitgespielt. Erst in der Zelle bemerkte er, daß durch die erlittenen Hiebe beide Ohren stark bluteten. Seine Aussage hatte er schließlich mit folgender Eidesformel zu beschwören: Ich Primus Ottowitz schwöre zu Gott dem Allmächtigen, Allwissenden und Allgerechten einen feierlichen Eid, daß meine vorstehende Aussage die reinste Wahrheit enthalte, so wahr mir Gott helfe, Amen.

 Nur mit Rücksicht auf seine Bürgereigenschaft kam er am nächsten Morgen gegen Gelöbnis, sich jederzeit stellen zu wollen, frei. Was war geschehen? Als übermütige Bauernburschen aus dem Gauertal (Schaumboden) und den umliegenden Bergen aus nichtigem Anlaß Streit suchten, dürfte es den Uniformierten, im übrigen aber Unbewaffneten bald klar geworden sein, daß sie in Bedrängnis kommen und Verstärkung nötig haben könnten. Vielleicht war so  manchem Naturbursche der Zauber der Montur und dessen Auswirkung auf die holde Weiblichkeit unerträglich? Oder war es das schwüle Wetter, was für dicke Luft auf und um den Tanzboden herum sorgte? Irgendwie scheint es gelungen zu sein, noch ganz heimlich einen Mann in Richtung Stadt und zum dortigen Hauptquartier in Marsch zu setzen, was zur Folge hatte, daß ein voll adjustierter Trupp im Eilmarsch dem Kampfplatze zustrebte und die Unbesiegbarkeit der kaiserlichen Armee letztendlich und einmal mehr unter Beweis stellen konnte. Ottowitz wußte, was er seinem Vornamen Primus schuldig war, und wollte eben der  e r s t e  unter den Zuschauern sein, wenn es beim Leutgeb in Obermühlbach wieder einmal so richtig rund ging.

 Über den weiteren Verlauf dieser Angelegenheit ist nichts mehr bekannt, auch nicht darüber, wie viele Knechte und Bauernbursche danach aus dem Verkehr gezogen wurden. Sicher ist aber, dass sie etwas längere Zeit gesiebte Luft zu atmen hatten als der ehrenhafte Bürger von St. Veit Primus Ottowitz. Eines aber zeigt diese Geschichte und jene der letzten Nummer deutlich: Was zur Zeit der Monarchie im militärischen Bereich funktionierte, war im privaten nicht immer problemlos, nämlich das zivile Verhältnis der Menschen verschiedener Kronländer untereinander.                  

Walter Wohlfahrt in „Zentrum Kärnten“     I/2008

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