K.k. Postmeister in St. Veit

März 31, 2012 um 13:25 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Trara Trara, die Post ist da!  „Von weitem hört man schon den Ton, trara da kommt der Postilion“. Zuletzt war zufällig von der St. Veiter Postkutschenzeit und vom k.k. Postmeister die Rede. Ja nun, was wissen wir den von den St. Veiter Postmeistern? Geschrieben wurde bislang darüber nirgends!

Wie allgemein bekannt, wurde die erste europäische Postlinie zwischen Innsbruck in Tirol und Mecheln in den Niederlanden (1490) unter Kaiser Maximilian ins Leben gerufen. Was hinsichtlich des Kaiserreiches über Jahrhunderte die Thurn und Taxis in Händen hatten, besorgten in den österreichischen Erblanden ab 1573 die Herren, später Grafen von Paar als sogenannte Erblandpostmeister. Diese bedienten sich wohlbestallter, ehrenwerter, Privatpersonen in größeren Orten längs der geplanten Poststrecke. 1722 wurde das Postlehen den Grafen Paar durch Karl VI, Vater von Maria Theresia, abgelöst und der Postdienst damit verstaatlicht. Paar blieb jedoch mit seinen privaten Partnern, diese jetzt als k.k. Postmeister,  weiterhin aktiv, wenn auch unter neuen Bedingungen. 1750 erfolgte in Österreich die Einführung sogenannter Diligencen (Postkutschen) mit Personen- , Post- und Paketverkehr auf ganz bestimmten Routen mit fixen Fahrzeiten und Entgelten. Die Postmeister stellten ihre Dienste und Einrichtungen gegen ein gewisses Entgelt zur Verfügung.

Der erste, namentlich fassbare Postmeister in St. Veit war Christian Ponter. Er besaß das Haus am Hauptplatz Nr. 4, war von 1751 bis 1755 Stadtrichter, von 1761 bis 1767 Bürgermeister und starb im Jahre 1775. Er hatte zwar Erben, doch ob diese die Postmeisterei fortführten, ist ungewiss.  Interessant in diesem  Zusammenhang ist, dass sich 1767 erstmals ein Klagenfurter, namens Mathias Tauschinsky 1) um die Postmeisterstelle in St.Veit bewarb. Zwanzig Jahr danach beklagt sich die verwitwete k.k. Postmeisterin Maria Anna Peterin aus  St. Veit beim zuständigen Magistrat, der Tauschinsky versuche immer noch sie mit falschen Behauptungen um den Postmeisterposten zu bringen, ihr und ihren zehn unmündigen Kindern solcherart die Existenz streitig zu machen. Sie erwarte vom Magistrat, nicht zuletzt in seiner Eigenschaft als Vormundschaftsbehörde, gegen die Anwürfe des Klagenfurters geschützt zu werden.

 Das kann bedeuten, dass  Ponter acht Jahre vor seinem Ableben, die Postmeisterei in die Hände eines gewissen Peter gelegt hat, der allerdings nicht im Hause Nr. 4 als Besitzer aufscheint, dort möglicherweise als Pächter fungierte, denn der nächste k.k. Postmeister in St.Veit heißt Franz Xaver Seiser und ist zugleich Eigentümer des Hauses am Hauptplatz 4. Das Anwesen reicht in der Tiefe bis zur Bräuhausgasse, bis ca. 1810 Judengasse genannt und bot reichlich Platz, sowohl für eine bescheidene Postkanzlei und für Stallungen nach hinten hin. Gleich daneben gab es noch in jüngerer Zeit den  „Gasthof zur Post“ Hauptplatz 6.

 Am 11. November 1795 ergeht, von den besten Empfehlungen des örtlichen Magistrats begleitet, ein Ansuchen des Johann Mayerhofer, bürgerlicher Gastgeb in St. Veit an das Kreisamt in Klagenfurt, man möge seinem gleichnamigen Sohn die St. Veiter Postmeisterstelle verschaffen. 2) Der Vater ist zu jeder Bürgschaft bereit, lobt den Sohn und streicht dessen anständiges, sittsames Benehmen ebenso hervor wie seinen besten Ruf und die guten Anlagen, die ihn zu einem geschickten Beamten befähigen würden. Von besonderer Bedeutung sind auch verschiedentlich angebrachte Aktenvermerke wie „Bewerbung zwei Monate zurückliegend, wird möglicherweise von anderen Kompetenten hintertrieben – obwohl mit dem derzeitigen Postmeister Seiser schon Kontrakt (Postverkauf) besteht“ oder „Eigene Bürgersöhne sollten  v o r  Fremden Berücksichtigung finden. Am 4. März 1796 lässt das Kreisamt von sich hören und durchblicken:  „Der Mitbewerber Oswald Lackner (abermals ein Klagenfurter) hätte den Grafen von Paar, Erbland Postmeister auf seiner Seite“. Im September darauf möchte das Kreisamt wissen, warum Seiser noch immer nicht an Lackner übergeben hat. Die Antwort des Magistrates ist bezeichnend: „Lackner habe hier kein Vermögen und die Realität des Bürgen Joseph Landfraß (Wirt beim noch recht bescheidenen Sternwirt in der Friesacher Vorstadt) reiche dem Wert nach nicht einmal für den Postkaufschilling“ Landfraß wurde 1794 zum Bürger aufgenommen, hatte dafür 12 Gulden zu zahlen und stammte aus der Kreuzen im Landgericht Paternion.

Da 1798 Johann Mayerhofer (1771-1831) als Postmeister genannt wird, dürfte ihm die direkte Nachfolge auf Seiser doch noch geglückt sein. Die Erwähnung des Grafen von Paar zeigt aber, dass dieser unbeschadet der Verstaatlichung von 1722 immer noch im Geschäft war, das dann erst durch die napoleonischen Wirren zum Erliegen kommen musste. In der Tat deutet alles darauf hin, dass Mayerhofer zwar in die Post und sogar in die Papierfabrik  investiert, damit aber wenig Glück gehabt hat. Dies erhellt aus einem Schuldschein vom 2.12.1831 in welchem (zeitverzögert?) Mathias Mayer, k.k. Postmeister daselbst, bekennt, der Johann Jakob Mayerhofschen Konkursmasse in Villach (!) zweitausend Gulden schuldig zu sein und zugleich alle seine Liegenschaften zum Pfand gibt, nämlich a) Das Posthaus in der Klagenfurter Vorstadt Nr. 2, b) das dahinter stehende Gebäude mit Stallung und Gewölben, c) den beim Haus befindlichen Wurz- und Baumgarten samt Glas- und Sommerhaus, d) die große an die Nordseite des hiesigen Friedhofes angrenzende Stallung, e) auf vormals Kriegelscher Keusche neuerbauten Schüttboden samt Eisgrube, f) den großen Stadel an der Straße (unten bei der Glan!) und g) den dazu gehörigen Grund3). Vater Johann (ca 1740-1816) war Weinwirt und Gastgeb, seit 1763 auch als Bürger aufgenommen. Das Haus am Platz  Nr. 4 ging über Franz Pichler an Mathias Mayer, welcher licitando, d.h. im Versteigerungswege am 22.3.1819 das Haus in der Klagenfurter Vorstadt, heute Haus Nr. 22 (Schwarz) mit allem Zubehör  (doch wohl nach Johann Mayerhofer?) erworben hat. Das Haus Nr. 4 verkaufte Mayer 1820 an Franz Tus. womit Post und Stallungen, die Stallungen schon etwas früher,  endgültig in die Klagenfurter Vorstadt übersiedelt waren. Als Mayer, „gewesener k.k. Postmeister“  starb, folgte im seine Witwe Amalia im Besitz und wohl auch als Postmeisterin. Sohn Ludwig als Übernehmer im Jahre 1847 hatte mit der Post nichts mehr zu tun, ebenso wenig die weiteren Besitznachfolger August Freiherr von Aichelburg (1855), Egid Kaiser (1860), Mathilde Tambor (1871), Josef Tambor (1881), Anton Sornig (1889), Anna Sornig (1922) und Rudi Leiler (1934) Namensänderung auf Rudi Schragel (1938) , Elisabeth-Dr.Harald-mj. Mario CHRISTOF zu je einem Drittel, Bauverein Salzburg, Dietmar Warmuth (1965), Konsum Österreich (1983) und Thomas Schwarz (1987)

Mit dem Eisenbahnbau endete die Postkutschenzeit,  für St. Veit zwar noch nicht ganz! Doch das ist  eine andere Geschichte…..                                                                VI, VII/2009

 

 

 

 

1)  Landesarchiv, Stadt St.Veit, Faszikel 197

2)  detto,  Schachtel Faszikel 29

3) Landesarchiv, HS 214 Pfarrhof Pulst Intabulationsbuch, Folio 95

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