Reformation und Gegenreformation im Glantal

August 15, 2017 um 18:15 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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„500 Jahre Reformation“
Und ein 100 Jahre langer Glaubenskrieg

Kann dieser Doppeltitel ein Grund dafür sein, einmal über die Stadtgrenzen hinaus zu grasen? Wenn man dies tut, dann wohl eher mit Blick auf die interessanten, einstigen Wechselbeziehungen die zwischen der Stadt St. Veit und ihren Nachbar-Pfarren, hier insbesondere mit Maria-Pulst bestanden haben. Diese Zeit wurde von einem geistlichen Herrn, der noch dazu seinen Lebensabend auf Schloss Rosenbichl zubrachte, einem Südtiroler, sein Name ist Dr. Dr. Jakob Obersteiner, ausführlich behandelt, um genau zu sein, in der Jubiläumsausgabe der Carinthia Jg. 1960.
So kann man dort beispielsweise lesen, dass im Mai 1524, der Pfarrer, Kommendator und Kreuzritter von Pulst, Georg Schober, gerade einmal in Kroatien weilte, um dem Türken zu wehren, da verfügte der Gurker Bischof eine Visitation seines Vertreters in Pulst, weil sich dort bereits die neue Lehre, etwa mit Schulhaus, Lesen der Luther Bibel, Laienkelch, oder gar mit Priesterehe auszubreiten begann? Bürgerliche Handelsleute, Studenten von Adel, Prädikanten und anderes Fahrendes Volk hatten neue Kunde aus Deutschland gebracht. Gegen das Vorgehen besagten Bischofs protestierten die Johanniter zunächst noch heftig beim Papst in Rom. Sie waren anscheinend selbst den berühmten Thesen Luthers nicht ganz abgeneigt. Dem Protest wurde vorerst stattgegeben, bald darauf aber entschieden, dem Orden käme mit seiner Pulster Kirche die behauptete Exemptheit unter gar keinen Umständen zu. In diesem Streit wird behauptet in Pulst sei unpriesterliches Leben eingezogen, was dem Volke ein großes Ärgernis sei, alles nach dem Motto „wehret den Anfängen“. Die ersten, die danach zu den lutherischen Predigern in St. Veit auswichen, waren die Lebmacher Bauern, gefolgt von ihren Standesgenossen aus Kraindorf und Mailsberg. Größtenteils waren sie Untertanen des Frauenklosters von Göss/Steiermark. Am Schlusse erklärte Papst Sixtus V. sogar alle Privilegien des Johanniterordens für aufgehoben. Noch 1568 hat man die Kommunion in Pulst in zweierlei Gestalt, also mit Laien-Kelch, gefordert und bekommen. 1588 heißt es hingegen, in Pulst wären es nur mehr 130 Kommunikanten unter einer Gestalt gewesen, alle übrigen wären nach Liemberg oder Kraig ausgelaufen. Es zeigt sich, dass auch in Pulst mit der Zeit die katholischen Gegenmaßnahmen zumindest teilweise zu greifen begannen.

Heute ist es ein Glück, mit Digitalisierung der Pfarrmatrikeln einmalige Dokumente verfügbar zu haben. Darunter befindet sich ein Seelenstands-Register von 1610, quasi eine Momentaufnahme des Pulster Pfarrvolkes. Man liest von Ortsnamen – im Fettdruck, von Häusern und Bewohnern, Bauern mit Familie und Gesinde, Grundherrschaft eingeschlossen Kursiv und in Klammern gesetzt. Es gibt wertvolle Einblicke in die adelige, ländliche und gewerbliche Gesellschaft jenes Jahres, auch wenn sich dies hier nur teilweise auswerten lässt. Markante Nachrichten und Hinweise werden zwischen Gänßefüßchen voll zitiert.

Der gewissenhafte Verfasser fängt mit eigenem Namen und dem Pfarrhof an, geht über auf die Noblen der Zeit, zu allen Ortschaften, von Hütte zu Hütte. All dies im Auftrage seines Bischofs und im Bemühen, auch noch den letzten Lutheranern nach zu spüren. Auf ersten Blick erkennbar, der Adel ist noch resistent. Besitzgrößen bzw. Familiengrößen erschließen sich meist aus der in Klammer gesetzten, jeweiligen (Seelenzahl) pro Hof/Haus.
Veit Scheiber Commedator und Marta seine Mutter (?) mit insgesamt 20 Bediensteten im
Pfarrhof (20)
Die Edlmann Sitze und Schlösser „die gleich vor und neben der Commenda liegen, sind für einen Reiter zwei Musketenschüsse weit entfernt“ und zwar:
1. Liebenfels das Schloß und Gerichtshaus des Eger Jörgen von Wildenstein ein Luteran.
Dörfling so zum Schloss gehörig. Daselbst wohnen arme Gästleut. (29)
2. Rosenbichl das Schloß darauf wohnt Christoph Khulmer, Witwer, Luteran (21)
3. Balthasar Khulmer auf Hohenstein „der eltest Luteran pessimo ein grausamer bösherziger Feind und Verfolger der katholischen Priester, ein Räuber der geistlichen Güter“
Margarete sein Gemahl eine geborene Mosheimb – Christof Andre Khulmer der jüngste Sohn, Luteran und drei Fräulein
Zuepott Meyerhof zu Hohenstein (22)
4. Minzenpach Edelmannsitz oben beschriebenen Balthasar Khulmer gehörig (17)
5. Pühl-, oder Seidlhof Edelmannsitz dem Balthasar Khulmer gehörig. Darauf Meyer und Gesinde (15)
„Von diesen oben beschriebenen Mayereien und Huben hat der Khulmer ehemaliger Pfarre Pulst Rechte an sich gezogen – dem Gotteshaus zu Schaden“.
6. Dorf Pulst Mert Schober „des Commendherr Amtmann und Untertan“ (10) – Mathes Lerchinger, Leitgeb in Pulst „Balthasar Khulmer auf Hohenstein gehörig“ (16) – Veit Strohschneider „der Commende Unterthan“ (16) – Jörg Plasegger „dem Gottshaus Pulst gehörig“ (7) – Meister Jörg Prewalder ein Schneider und Zitherschläger „dem Gottshaus gehörig (8) – Lamprecht Pühler Mesner „Keusche gehört der Commende (9) – Jörg Gälle in der Schulkeusche, „Commende gehörig“ (9) – Gregor Preiner, Soldat und Feldpfeifer in Tischler Keusche ob Pulst in der Lading „dem Commendherrn gehörig“ (15) – Nicl Khapaniger an der Sperkh ob Pulst, Bierwirt „auf Liebenfels gehörig“ (11) – Meister Matthes Achatz, Schneider zu Pulst an der Lading „Commenda gehörig“ (8) – Thomas Schober zu Zemig „Commenda gehörig“ (18)
Es folgen nun ein paar weiter ab liegende Adressen, die nur pfarrlich hier her gehören:
Rappe in Liemberg „nach (Schloß) Pach gehörig“ (12) – Jörg Köstnig an der Matschnig Hube „der Commenda gehörig“ – Ruepp am Stein „ein Keuschen B. Khulmers Zuelehen ob Pflausach (8) – Georg Radnauer (Reidenauer?) „auf Kraig gehörig“ (13) – Margret Khobaltin Wittib „Commenda gehörig“ (8) – Eschling (Eslegger?) „Khulmer auf Rosenbichl gehörig“ (11) – Strassnig „Kaplanei auf Kraig gehörig“ (18) – Puechberg „Gotteshaus Pulst gehörig“ (12) – Puepetschach (Puppitsch?) Andre Salach „der Commenda gehörig“ (17) – Christan Marggi zu Peyssendorf Bierwirt mit Tafern „Zulehen der Commenda ansonst Gösserisch und ein Zulehen der Pfarre von St.Veit (23) – Clement Gälling (9) – Blasy Felfernig, Mayr zu Mailsberg „Hohenstein und Commenda gehörig“ (8) – Daniel Wrießnig „Bürgerspital St.Veit gehörig“ (11) – Lucia Alberin Wittib „Göss und Herrn Pfarrer von St.Veit gehörig“ (28) –
Rädlsdorf Lucas Trattnig „zur Kaplanei auf Karlsberg“ (11) – Jacob Guttenig zu Radelsdorf „der Commenda gehörig“ (11)
7. Dorf Feistritz Mert Krapfelder auf Khobolthube, zur Zeit Zechprobst „Commenda gehörig“ (13) – Sebastian Magges an Starkhube „auf Hohenstein gehörig“ (10) – Maister Mathes Mautz, Hufschmied „auf Hohenstein gehörig der alte Schmied Lutheran, sein Weib katholisch“ (13) – Christian Kropf daselbst, „Frauenstein gehörig incl. Gesellen (13) –
Meister Jörg Rab, Weber an der Feistritz „Gotthaus Pulst gehörig, zwei Weberknechte“ (9) – Meister Stacheß Öttl, Schneider „mit Familie und zwei Schneiderknechten“ (10) – Im Frauensteiner Meyerhof an der Feistritz „sind Gästleut (=Einwohner) und Tagwerker“ (7) –
Peter Begel oder Wolfauer „Welzerischer Wasserleiter an der Feistritz“ (5) – Bartl Schintler, Khulmer zu Zemtroßdorf Wasserleiter „mit Frau und drei Kinder, diese waren lutherisch, weswegen ich einen fürstlichen Befehl geworben, sie sollen sich binnen 6 Wochen mit Beicht und Kommunion einfinden, widrigens sie des Landes verwiesen….. haben sich am Hl. Pfingsttag eingestellt“ (5) – Mathes Glawitschnig, Gastgeb an der Feistritz „Zechprobst des Gotteshauses hier, auf Carlsberg gehörig“ (15) – Meister Blasi Raditschnig, Zimmerer, Gastgeb und Weinwirt, den man sonst Stattmeister nennt „auf Hohenstein gehörig, ein Müllner und Dienstboten“ (11) – Meister Andre Winkler, Müller an der Döber zu Feistritz
„der Frau Äbtissin zu St. Georgen gehörig“ (8) – Mayster Walthasar Selacher, Hackenschmied an der Döber zu Feistritz „der Frau Äbtissin zu St. Georgen gehörig mit Familie, Schmiedknecht und Schmiedjungen“ (8) – Meister Rueprecht Gradischnig, Sagmeister an der Döber zu Feistritz „dem Gottshaus Pulst gehörig, mit Weib, Kindern und einem Sagknecht zusammen“ (10)
„Hierauf folgen die Hammerleut an der Döber, so Frau Judith Parhtein geborene Schrittin Pflegerin zu Althofen die Hämmer von dem Gottshaus zu Pulst zu freier Stift inne hat darin sein Nagelschmiedn, Strecker, Zainer, Zerrinner und Drahtzieher in verloren Haufen und schlimm Gesindel die heut da sein morgen bald anderswo. Habs aber gleichwohl beschreiben wollen. Deren Bestandinhaber ist Paull Talletto ein Wellischer, Hans Pusggiasis sein Hammerschreiber, Maria sein Weib, Adam Zurle Zäner Paschka sein Weib haben zwei kleine Kinder Thomas sein Knecht. Gregor Wuschti Nagelschmied Lucia sein Weib Blasele sein Kind is järig Christina die Lockerin“
Auf etlichen 2 Seiten nur „Hammerleut mit Weib und Kindern“ Seelen in Summe (67) im einzelnen Sensen- , Pfannen- Huf- und Wagenschmiede, Zeug- und Hackenschmiede 
Am Wertsch Peter Wertschnig „dem Pfarrer auf St Gandolf gehörig Familie und Dienstleut“ (12) – Masa Hans Neßldorfer an der Masa (Masanig!) „Commend gehörig“ (18) – Moß Peter Pinter zu Moß in der Öden „auf Rosenbichl gehörig“ (5) – In der Strudeniz Keuschen „auf Hohenstein gehörig (5)
8.  L e b m a c h e r  Zuekirchen oder Filiale auf Pulst, „ist Gösserisch“ – Erhard Egger, Gösserischer Unteramtmann zu Lebmach, reichlich Familie, Dienstboten, Inwohner u.a. Tischler und Weber (28) – Adam Leitgeb zu Lebmach „Wirt und Zechmann zur Gösser Filialkirche daselbst“ (19) – Lucas Mättgo, „Zechner an der Burghuben zu Lebmach gösserisch mit Jacob Spitz Müllner und dessen Weib (24) – Caspar Wunder „an der Sörch Hube daselbst, gösserisch“ (10) – Lazarus Pfluegerer „gösserisch“ (14) – Ule Pierpämer „dem Herrn Domprobst auf Gurk gehörig“ (13) – Hans Mesner „der Kirche daselbst gehörig mit Gästleut“ (10) – Meister Mattheß Sträsgietl „der Kirche daselbst gehörig (8) – Meister Wastl Serz, Schuster „der Kirche daselbst gehörig, hat zwei windische Schusterknecht (8) – Ruep Huebmann „die Keusche gehört dem Adam Leitgeb, ist Junggesell, Jörgl sein Bruder, Urbandl ein Halter ist 12 Jahr einfältig, Mariedl ein kleines Dirnl, Eva hat ein Kind mit dem Ruepen, Name Tomerl“ (6) Vinzenz Burger „bei der Strassn, Gösserisch“ (7) – Mälßberg Urban Rapoldi „gösserisch“ (17) – Maister Blasi, Maurer „gösserisch“ (16) – Khreindorf Peter Finster daselbst Zechprobst gösserisch (16) – Hans Pach „gösserisch“ (16)

L a u s D e o Summa aller Pfarrkinder wie da verzeichnet 1004 Seelen

Aus alten Ratsprotokollen

April 7, 2012 um 15:01 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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(1. Teil)

 Die alten St.Veiter Ratsprotokolle im Kärntner Landesarchiv, (Handschriften Signatur A4) machen es möglich, daraus einer geneigten Leserschaft etliche Kieselsteinchen, besser gesagt Mosaiksteinchen zur Stadtgeschichte darzubieten. Wir versetzen uns in die Zeit von 1644 bis 1648, da in Europa gerade der schreckliche Krieg, den man den dreißigjährigen nennen wird, zu Ende geht. Erstaunlich, was damals schon den hohen Magistrat der k.k. Kammerstadt im Rathaus so alles beschäftigt hat. Dazu nur einige, nicht ganz wahllos herausgegriffene Beispiele zu denen man sich vergegenwärtigen sollte, daß Bürgermeister, Stadtrichter und Mitglieder des Inneren und Äußeren Rates zusammen-kamen um Berichte zu erstatten, Anträge entgegenzunehmen  und Beschlüsse zu fassen.

*  David Prinner, Ratsmitglied, begehrt für den Hauptmann Service (für seine Tätigkeit als Trabantenhauptmann?) bis 4. Januar 20 Silbergulden und 44 Kreuzer –  bewilligt!

* Gabriel Schönberger, Organist „ruft“ an und bittet, ihm das Gottsleichnamsbruderschaft- Häusl zu überlassen und dem Lexen und Simon Sohn aufzukündigen –  Soll sich gedulden!

* Der Stadtpfarrer bittet um Einantwortung (=Übergabe) des Gleismüllerschen Benefiziates, (mit Haus- und Grundbesitz) nachdem er von Salzburg bereits confirmiert (offiziell ernannt) worden sei.           Beschluß: Herrn Görizer (Stadtpfarrer?) auf nächsten Mittwoch herauf (in den Magistrat) bitten!

* Ruepp Felsensteiner, Stadtrichter war zugleich Spitalmeister (Verwalter des Bürgerspitals) von 1636-1644, ihm folgt Georg Purkstaller.

*  Joachim Khäzler bittet, weil ihm das Hübl von Tschirnig von einer löblichen Gottsleichnamsbruderschaft verlassen (überlassen) worden, dies auch auf Namen der Frau und Leibserben zu extendieren (auszuweiten) – Bescheid, weil eine löbliche Bruderschaft ehest soll zusammenkommen, möge sich Khäzler noch gedulden!

*  Versammlung der löbl. Gottsleichnahmbruderschaft am 16.3.1644, beiwesend Herr Stadtpfarrer, Zechprobst Carl Holer und folgende Brüder: Oberaufschlagseinnehmer Johann Gräßl, Andre Tallmann Bürgermeister, Ruepp Felsensteiner Stadtrichter, Mayer, Purgstaller, Prinner, Benedict Tallmann, Mirnig, Grasser, Bernardin, Waldner, Nuhsbaumer, Hohensasser, Khübler, Teutschmann, Knoller, Knieberger und Faßhuber – fast alle Ratsmitglieder und elf weitere Namen. – Beschluß: Wahl von zwei neuen Zechpröbsten, Besserung in Beachtung der alten Ordnung, wöchentliche Prozession (in der Kirche), Armenspeisung, Zusammenkünfte usw. 

*  Die (neuen) Zechpröbste Mayer und Felsensteiner wollen 90 Gulden an Zinsen der Bruderschaft und bei 300 Gulden von der Rosenkranzbruderschaft. Zur Erklärung sei gesagt, daß die Einkünfte dieser beiden geistlichen Bruderschaften von der Stadt wohl widerrechtlich entfremdet und bislang verwaltet worden sind und die neuen Zechpröbste nichts anderes taten, als bisher von der Stadt kassierte Erträgnisse nun in ihre Hand zu nehmen. Man hat wohl selbst den Stadtvätern von St.Veit inzwischen klar gemacht, daß die Sache der Lutheraner zumindest in den österreichischen Landen verloren ist.

*  Valtan Finster und Lienhart Wasserleiter, ein Schulknecht, werden zu Bürgern an- und aufgenommen, haben den Eid geleistet, Gabe und 3 Gulden für die Musketten erlegt.

*  Der Gerichtsdiener bittet um ein neues Kleid zum angehenden Jahrmarkt, wie es alter Brauch – Es wird ihm ein halbes Kleid bewilligt, sprich: der halbe Aufwand ersetzt.

*  Benedict Tallmanns Raitung (=Bürgermeisteramtsrechnung) für die Jahre 1643 bis 1645 enthält Posten wie: 2.100 Gulden wegen Ablösung des Hammers in Siebenaich (an der Wimitz), 150 Gulden für Erbauung (Reparaturen?) des Plähofens (Hochofen in Urtl), mehrmals Beträge für Flossen (Roheisen), mit denen gehandelt wurde.

*  Immer öfter ist von Pestfällen in der näheren und ferneren Umgebung zu hören. Ein Student, aus Graz zurückgekehrt, stirbt nach wenigen Tagen. Einreisebestimmungen aus gefährdeten Gegenden, wie beispielsweise Gurk und Straßburg, werden verschärft. Johann Pfaler, Apotegger (Apotheker) bittet, er wollt gern in jetzig gefährlichen Zeiten etliche Pservativa (Schutzmittel) präparieren, um ein Darlehen zur Erkaufung von Materialien um 12 Silberkronen. – Beschluß: Es ist ihm zuvor (d.h. schon einmal) ein schönes Darlehen beschehen, wenn dieses bezahlt sei, könnte die Stadt wieder helfen.

*  Blasi Hacker, Zirkelschmied ist offenbar auch für die Eisenwaage oder deren Wartung  zuständig, denn er begehrt und erhält dafür als Besoldung 1 1/2 Zentner Eisen.

*  Georg Kindermacher, Schweinhüter, bittet um die Kost aus dem Spital und um ein Kleidl (=Gewand) – Dies soll dem Herrn Spitalmeister überlassen sein! 

*  Die Herren Franziskaner bitten um Fastenspeis – 6 Kronen bewilligt wie im Vorjahr! 

*  Zacharias Gebhart, Gerichtsdiener, bittet um Holzgeld. – 3 Guld. wie zuvor bewilligt!

*  Für „Weißbott“ Ein Calender (fürs) Neue Jahr als wie ferten (Vorjahr) 1 Krone bewilligt.

*  Antrag, daß man an den drei eingegatterten Kapellen das Gemäuer und Gatterwerk abbrechen und um der Zierlichkeit wegen, die Altäre und Stühle übersetzen soll.                                                                                          Bewilligt, Herr Tallmann als Kirchenprobst soll das ehest ins Werk richten!

Herr Stiftsschaffer im Saal (Maria-Saal) bittet, weilen zu dem Altlärl im Saal so Herr Münzmeister (er)richt(et) ein Eisen abgängig, ihm mit etlich Centnern zu Hilf zu kommen. Beschluß: Zwei Centner bewilligt.  Nächstes mal mehr davon.                                    XII/2005 

Weihnachtsbaum 2005 und Rathaus am Hauptplatz                           

(2.Teil)

Blättern wir in den Ratsprotokollen weiter (KLArchiv, HS Signatur A4 St.Veit) so begegnen uns nicht nur zahlreiche Einzelschicksale sondern auch so manches Ereignis, welches die Stadt in Atem hielt.

Der Anrescher zu Meiselding

Im November 1646 besagt ein Eintrag „Dem alten Anrescher Ambros seien hiervor (d.h. bis jetzt) 5 Silberkronen verwilligt, er bittet, ihn besser zu bedenken. – Beschluß: Soll hinfür seinen Fleiß nicht sparen und fleißig Aufsicht haben, so will ihm ein Ehrsamer Magistrat von diesen drei Jahren reichen lassen neun Silberkronen“. oder „Veit Ponegger, Anrescher zu Meiselding ruft an und bittet, ihm ein Kleidl zu vergünstigen. – Beschluß: kommt für (d.h. es wird bekannt) daß er in der Raitung (Abrechnung) dem Herrn Pfarrer eine Rösch zu 58 Krippen verraith (verrechnet) hat, der doch erst des Mittwochs, als man von der Raitung graist (abgereist), laut des alten Anreschers Ansag (Aussage) 28 Krippen gestürzt, (er) ist aufs Rathaus bis auf weiteren Bescheid verboten. Daraus erhellt, daß die Stadt für ihre Eisenwerke u.a. auch in Meiselding einen Kohlbarren, also einen Holzkohlenlagerplatz unterhielt. Beim Wechsel des dort Verantwortlichen, also vom alten auf den neuen Anrescher, gab es anscheinend schwerwiegende Differenzen, so daß man den unter Verdacht geratenen neuen Mann vor einer entsprechenden Untersuchung sogar den Zutritt zum Rathaus verboten hat.

Das Bräuhaus 

1647 wird geklagt, dass das Bräuhaus – es muss also von der Stadt betrieben worden sein – bald ganz zusammenfallen würde 1647  –  und daß baldigst Abhilfe zu schaffen sei.

Bäcker und Müller

Ein andermal wird über die Bäcker und ihr schlechtes Brot Klage geführt. Sie wehren sich und fragen, wie sie gutes Brot machen sollen, wenn die Müllherrn und Müllner (interessante Unterscheidung zwischen Besitzer und Bediensteten!) unsauberes Mehl liefern, die Mehlkästen nicht konsequent vorher von Kleie und Verunreinigungen säubern, was wiederum die Müller allein auf schlechtes Trad (Getreide) zurückführen und übrigens, wenn die Bäcker schon so genau Bescheid wissen, dann sollen sie doch gleich selber das Mehl mahlen……Als sich diese dazu bereit finden, werden ihnen nächtliche Betriebszeiten angeboten, wohl wissend, daß Bäcker früh des morgens aufstehen und deshalb auch gerne bald zu Bett gehen!

Fleischhauer

Die Fleischhauer begehren, das Rindfleisch nicht länger um11 Pfennig sondern um einen Groschen (1 Groschen = 12 Pfennig) verkaufen zu dürfen – das wird abgelehnt!

Schmiedmeister

Michel Würth und Hans Crainer, beide Schmiedmeister, beklagen, daß immer mehr Schmidten in der Umgebung der Stadt („im Gäu“) von angrenzenden Gutsherrschaften zum Schaden der zünftigen Schmieden zugelassen werden. Da ist selbst der Magistrat ratlos.

Drei Altäre

Am 7.6.1647 befaßt sich der Rat mit dem „Tischler in der Burg“ der vorbringt, er habe einen Altar gemacht (wohl auftrags der Stadt) nichts eingenommen als allein (nur) empfangen darum 60 Gulden, das könne er nicht nehmen, bittet ihm zu reichen, was er vom vorigen gehabt. – Beschluß: Es seien ihm noch 5 Kronen hinzugeruckt (draufgegeben).

Mit 18.3.1848 hingegen erscheint Sebastian Khuen (laut Buchindex  „Tischler in der Burg“ genannt, und so wohl mit dem erstgenannten ident) und bittet, ihm noch 10 Gulden zu seinem Verdienst hinzuzutragen. Hab zu den 60 Gulden nur 15 von Herrn Bürgermeister empfangen, sei gar zu wenig (um) auch seine Gesellen mit einem Trinkgeld väterlich zu bedenken. – Beschluß: Soll sich gedulden, bis das andere Werk fertig ist.

Am 29.1.1848 referiert der Bürgermeister: Weil der Tischler am Altar stark arbeiten tuet (will sagen, große Fortschritte macht) also habe der Pfarrer einen Bildhauer hingeschickt, will vom Schuach (Schuh, Maß) 2 Gulden haben, begehrt geschwind Geld darauf – „Das hat Anstand“.

Über die Armen: Georg Pierproier (Name kommt vom Bierbrauen, siehe Ortsnamen von Projern!) sonst Kleidermacher genannt, ruft an um Gottes Willen ihn in das Spital (d.h. Bürgerspital) zu nehmen. I/2006                                                                                                                                                 

 

                         

Bildtext: Justizia, die Göttin der Gerechtigkeit, am Rathaus

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