Der Jesuiten-Wald

April 15, 2015 um 17:04 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Gibt es oder gab es ihn im St. Veiter Gemeindegebiet überhaupt? Wenn ja, wo ist der Jesuitenwald zu suchen? Sie wissen es nicht! Kein Wunder, denn um diese gewiss recht anspruchsvollen Fragen zu beantworten, bedarf es aller drei bisher bekannt gewordenen, archivalischen Quellen und einer Zusammenschau.
Die jüngste Erwähnung stammt aus dem Jahre 1855. Da haben Josef Lebmacher als Verkäufer und Franziska Rainer, geb. Buzzi einen Vertrag geschlossen. Es ging dabei um den Jesuitenwald im Muraunberg, Grundbuch Herrschaft Leonstein, im Ausmaß von 13 Joch 189 Klafter (= rund 7,5 ha) – Kaufpreis 2.000 Gulden. Jesuitenwald und Muraunberg werden zugleich genannt, doch der Muraunberg, sofern 1956 im Besitz der Stadt, ist 80 ha groß! Irgendwann danach ist auch dieses Teilstück in städtischen Besitz übergegangen. Man sollte aber schon herausfinden, welcher Teil davon gemeint sein könnte! Da hilft zusätzliches Material allein weiter. Vielleicht ist gar der Bericht über die Burgfriedbereitung von 1673 hilfreich? Tatsächlich heißt es dort bezüglich der südlichen Grenze gegen Herrschaft Karlsberg vom Kabeser, recte vom Rabeserhof (heute Kollerhof) in St. Andrä ganz wörtlich „von dannen auf die andere Seite des Berges zum Sattelknopf gegen Steiner in Unterbergen „so (dass) der Jesubiterische (sprich jesuitische) Amtmann noch in unserem Burgfried liegt“ So weit nach R. Dürnwirth, Carinthia 1901, Seite 129 ff. Das ist eindeutig der Amtmann des Jesuitenordens. Der Orden, damals im Besitze nicht nur des ehemaligen Clarissen-Klosters mit allen seinen Einkünften, Wiesen und Äckern (u.a. z.B. der sogenannten „Seminari-Gründe“, diese erstreckten sich vom alten Kino Jäger bis zum Reidenwirt, alles oberhalb der Straße nach Feldkirchen) sondern auch des besagten Waldstückes im Muraunberg. Die Nennung des Steiner in Unterbergen ist einigermaßen irreführend, denn die Hofstelle befindet sich mindestens dreihundert Meter südlich der roten Linie. Da ist wohl am besten ein Blick auf die Kagis-Karte, die den genauen Grenzverlauf von der Höhe des Muraunberges (1) über das Glantal-Moos (2) ein Stück die alte Glan aufwärts (3) direkt hin zum Schwarzfurter Kreuz (4) an der Straße nach Feldkirchen zeigt, weil die rote Linie der Katastralgemeinden-Grenze mit der Stadtgrenze ident ist. Um endgültig Klarheit zu schaffen, muss man noch weiter zurückgreifen, nämlich in die Zeit wo das Frauenkloster im Zuge der Reformationsereignisse mangels Eintrittswilliger gänzlich aufgelöst werden musste, sich die in der Gegenreformation nur widerwillig katholisch gewordene Gemeindevertretung um eine, ihrer Meinung nach vernünftige Weiterverwendung der öd liegenden Gebäude Gedanken machte. Dem Vorschlag, darin ein sogenanntes Hofspital zu etablieren wurde nur recht zögerlich nahe getreten. Ganz so wie in der heutigen Politik, wurde erst einmal ein „Unterausschuss“ bestehend aus Herrn Hansen von Baseyo zu Praunsberg und einem Spitalmeister namens Hans Vischer gegründet, der das Für und Wider gründlich zu prüfen hatte. Im Bericht vom 16.11.1582 ist nebenbei sehr viel Interessantem über die Vermögensverhältnisse des ehemaligen Klosters zu lesen, aber auch über den Waldbesitz. Wörtlich heißt es „Wohlgedachtes Hofspitals Instruction vermag fünfzehn arme Personen gebührlich zu unterhalten. Des Hofspitals jährliches Einkommen tuat sumariter in Geld einhundertsechzig Gulden, in Getraid Weizen 47 Vierling, Roggenkorn 110 Vierling, Gersten 14 Vierling, Haber 266 Vierling. Das Getreid, sonderlich was Zehent ist wird zum Teil nach altem Herkommen mit Geld bezahlt.
Hofspitals Mayerschaft hat ungefähr Baufeld in 15 Stucken soviel man mit einem Zug bauen mag zwanzig Tag, jährlich auf den Wiesen fünfzig Fuder Heu zu führen, die Gemeinhalt ist gar schlecht, das Holz ist dermaßen weit gelegen, dass man einen Tag nicht mehr als eine Fuhre tun kann, Winters zeit sollen 6 Stätten Feuer gehalten werden“.
Dies alles zusammen eröffnete, beabsichtigt oder nicht, schon eher negative oder zumindest unsichere Projekt-Aussichten, erst recht, wenn man dann noch den Personalbedarf und alles Drum Herum wie folgt veranschlagt: „Zu solcher Meyerschaft muss man zum wenigsten haben einen Ross-Zug und 2 Ochsen-Zug, 10 Kühe und allerlei Vieh die Notdurft Mayervolk (außer der Roboter und Tagwerker, deren auch viele sein müssen) vier Knecht, vier Hälterlan, (Halterbuben) vier Dirnen und sonst für die Pfründ und das gemeine Haushalten fünf Dienstboten, also dass allenthalben über 20 ordinary Dienstboten sein sollen und im übrigen, sei man schon vom Vorgänger her stark verschuldet!!!“
Als es schließlich 1584 zur kommissarischen Prüfung der Spitalsverwaltung mit unbekanntem Ergebnis kommt, scheint die Idee eines Hofspitales endgültig gestorben zu sein. Das darauf noch folgende Geschehen rund um Kloster und Klosterkirche ist in der Literatur einigermaßen behandelt worden und könnte einmal für einen interessierten Leserkreis nacherzählt werden.
walter.wohlfahrt@gmail.com (blog: https://altstveit.wordpress.com

Soldaten in der Stadt

Februar 11, 2011 um 16:52 | Veröffentlicht in St.Veit | Kommentare deaktiviert für Soldaten in der Stadt
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Schloß Weyer nach Gemälde von Margit Hennings

Man schrieb das Jahr 1834, da begann sich der Magistrat – wohl nach höherer Weisung – Gedanken darüber zu machen, wie und wo die immer öfter durchmarschierenden Soldaten des Kaisers für Tage oder Wochen unterzubringen wären. Also ging man einmal Haus für Haus, ob in oder außerhalb der Stadt, im Geiste durch und verfaßte eine Einquartierungsliste. Dieses Dokument befindet sich im Landesarchiv (Sign.191) und daraus ist mancherlei zu ersehen:

Insgesamt war für 15 Offiziere und 467 „Gemeine“  vorzusorgen. Das entsprach etwa einem Bataillon oder fünf Kompanien. Keine leichte Aufgabe, so man bedenkt, in welch bedrängten Verhältnissen man nach dem Stadtbrande von 1829 ohnedies zu leben hatte. Gewiß, große Ansprüche hatten Soldaten nicht zu stellen, etwas eher die Chargierten. Ein Dach über dem Kopf und ein bißchen Stroh genügten in aller Regel. Der Belag schwankte zwischen ein und sechs Mann in den Häusern, deren man damals insgesamt 273 zählte. Wo ein Nebengebäude fehlte, reichte die Aufnahme eines einzigen Mannes. Hatte jemand mehrere Häuser, dann durfte er schon auf 3 bis 4 Soldaten verpflichtet werden. Je  f ü n f  Einquartierte konnten auf die ehemaligen Gewerkensitze Hauptpl. 2 und 3, auf Anna Haller, Hauptpl. 6 auf die Familie Felfernig, Bräuhausgasse 3, Maria Polster, U. Platz 4, auf Apotheker Weißenhof, U.Platz 22 oder auf Bäckermeister Franz Wahrheit, heute Herzog Bernhard Platz 4 sowie auf einige weitere Häuser kommen. S e c h s  Mann mußten nur wenige aufnehmen: der Fleischhauer Johann Wahrheit, U.Platz 10, Gewerke Rauscher und Kaufmann Milesi, beide am Hauptplatz, aber auch Bauern wie Pueller und Poganzer. Ganz schlecht kam Graf Egger als Eigentümer von Schloß Weier, samt Mühle, Rainhof und Rasnig Mühl weg. Er hatte alleine 20 Mann zu beherbergen. Während nämlich Schloß Weier rustikal, d.h. als (verpachtetes) Bauerngut geführt wurde, so galt Herrn Mayers Ranftlhof als dominikal, also als selbst geführtes Herrengut und blieb damit von Einquartierung frei.

Wer die Ehre hatte, einen Offizier bei sich aufzunehmen, von dem ist zu erwarten, daß er einen überdurchschnittlich feinen Haushalt führte, etwa Familie Buchstabler, Ratsmitglied und Klampferer, Spitalgasse 1 – ein Herr Ofner, Spitalgasse 5 – der Arzt Franz Krall, Spitalgasse 2 – Kaufmannsfamilie Kraschnig U.Platz 5 und einige mehr. Ein Oberoffizier samt Begleitung und Pferden logierte beim Lebmacher in der Friesacher Vorstadt, heute Mayländerhof Dr. Kotzmann. Der erste Herr Stabsoffizier samt Equipage und Pferden kam beim Sternwirt namens Pickl standesgemäß unter und ein Gleichrangiger beim k.k. Postmeister Mayer in der Klagenfurter Vorstadt.

Ohne Privilegien ist es aber auch damals nicht abgegangen. Es waren nämlich die vier Viertelmeister, eine Art Vorsteher ebenso befreit wie die Herren Magistratsräte Größnig, Kirchgasse 8 und Mühlfellner am Hauptplatz. Letztendlich war auch der Abdecker (Schinder) Pergmoser, an der Straße nach Völkermarkt gelegen, von Quartierlasten verschont geblieben. Offensichtlich wollte man niemandem den üblen Geruch zumuten, welcher in besagter Gegend notgedrungen vorherrschte. I/2005

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