Unterer Platz 12 das Wank-Haus

Dezember 2, 2018 um 14:24 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Eigentlich steht dieses denkmalgeschützte Haus schon außerhalb der Stadtmauer und sollte  unter „Schiller-Platz“  nicht unter Unterer Platz geführt werden, ebenso wie ja auch das zum Wank-Haus  gehörende Nebengebäude im Hofe eine Nummer des Schiller Platzes trägt. Dieser Hof-Trakt diente den Bauarbeitern aus Friaul und ihren mitarbeitenden Ehefrauen als Unterkunft während der Bauzeit der  gegenüber liegenden  Schulen.

Die Geschichte dieses Hauses ist gleichzeitig die Geschichte vom Aufstieg und Untergang der großen St. Veiter  Baufirma Wank. Sie erzählt von Maurern, Maurermeistern, Baumeistern, Stadtbaumeistern  bis hin zum akademisch gebildeten Bau-Ingenieur. Weil darüber in drei Folgen schon ausführlich in der Kärntner Landsmannschaft1) berichtet worden ist, folgen hier nur einige Auszüge daraus.

Die Herkunft

Die Wank kommen aus dem zweisprachigen Kärnten, genauer gesagt aus der Pfarre Ottmanach. Von dort aus verzweigten sich die Nachkommen von Johann Wank, Schuhmachermeister (geb.1753) und von dessen Sohn  Andreas Wank, Maurer(1796-1862) u.a. in das Pfarrgebiet  von St. Sebastian bei Hochosterwitz. Für Maurer gab es dort viel Arbeit, sei es beim Grund- und Schlossherrn Khevenhüller oder auch bei den aus der Abhängigkeit entlassenen größeren Höfen und Huben. So können von den Wanks auf Grund  ihrer  gewerblicher Tätigkeit schon bald da und dort bäuerliche Besitzungen erworben werden. Des Andreas Sohn,  Alex Wank (1832 Maigern – 1929 (Hochostewitz) kaufte 1873 von  Johann Wahrheit in St. Veit den Lebmacher Garten (vor dem Friesacher Tor). Er nannte sich noch Maurermeister. Das kleine, dort vorhandene Fleischhauer Haus wurde abgetragen und an seiner  Stelle errichtete Alex das repräsentative Geschäfts-Wohnhaus mit Hofgebäude, wie man es heute noch kennt.   Dabei dachte Alex wohl schon an seine Kinder, an deren künftige Ausbildung wie an neue geschäftliche Möglichkeiten in jener Stadt, wo sich mit dem Eisenbahnbau interessante Perspektiven eröffneten. Wohnungen sollten neu entstehen, Gasthäuser vergrößert werden und bald auch die eine oder andere Amtsstube neu dazu kommen. Michael Wank (1861-1912) Tatsächlich stürzte sich der junge Michael mit Elan in seine Ausbildung und bald danach ins Baugeschäft. Als er 1891 Maria Schebath, Bauerntochter aus dem Krappfeld ehelichte, wurde  er  bereits Baumeister und Hausbesitzer in St. Veit genannt. Sein Hauptwerk neben vielen anderen Gebäuden in Stadt und Umgebung  ist der große Schulhausbau bestehend aus Knaben-Volksschule (eröffnet 1892),  Mädchen-Volksschule (eröffnet  1899) beide am Schiller Platz und Bürger- bzw. Hauptschule (eröffnet  1907) in der Bahnhofstraße. Aus unerfindlichen Gründen schied Michael mit nur 51 Jahren freiwillig aus dem Leben  und bescherte damit seinen unmündigen Nachkommen eine wenig vorteilhafte Vormundschaft. Michaels Vater Alex Wank, seit 1895 Witwer, verbrachte den Lebensabend auf seinem ehemaligen Besitz vlg. Tatzer in Hochosterwirtz in der Familie  seiner Tochter. Er überlebte  Sohn Michael um 17 Jahre und verstarb 1929  mit 97 Jahren.

Ing. Hans Wank ist 1891 in St. Veit geboren. Noch mitten in der Ausbildung, gerade  21 Jahre alt, verlor er den Vater. Ein Reifezeugnis mit Vorzug von der Realschule Klagenfurt und die erste Staatsprüfung an der Technischen Hochschule Graz waren gerade geschafft. Doch wo bleibt der Abschluss, wo ist noch die für eine Baumeister-Befähigung vorgeschriebene Praxis? Es kommt der Krieg von 1914 und der Freiwillige Hans wird in Laibach die Grundausbildung, in Judenburg den Reserve-Offiziers-Kurs  machen. Mit dem 17. Infanterie Regiment geht es im März 1915 in die Karpaten, mit Arm-Durchschuss, mit Kopf-Steckschuss jedoch bald in das Lazarett. Unbeachtet gegebener Dienstuntauglichkeit folgen freiwillige Einsätze am Isonzo, in Südtirol und in Wolhynien. Erst im Mai 1918 gibt es Studienurlaub zur Ablegung der Zweiten Staatsprüfung. Nach Teilnahme am Kärntner Abwehrkampf kann Hans  ab 1922 seine Baupraxis bei Stadtbaumeister Wadsack in Villach machen und 1923 endlich zur Baumeisterprüfung antreten, die er mühelos schafft.  Seit 15.4.1923 steht Hans mit seinem Betrieb auf eigenen Füßen und zwar  „in 4. Generation“ wie es in einem handgeschriebenen Lebenslauf von ihm heißt. Die Geschäftsmöglichkeiten der Zwischenkriegszeit sind nicht gerade rosig. Nach Vereinigung mit dem 3. Reich und mit dem Bau der sogenannten Kanaltaler Siedlung in St. Veit gibt es erstmals einen Großauftrag. Viele solche hat es kriegsbedingt nicht mehr geben, dafür aber Arbeitskräftemangel und behelfsmäßige Reparaturen von Bombenschäden an Gebäuden,  Straßen und Bahnanlagen der Stadt. Die offizielle Bestellung als Gewerbe-Führer  durch die NS Partei reichte für den damals 50 Jährigen schon einmal um ihm dies 1945 von der englischen Besatzungsmacht vorgehalten zu werden. Es folgte seine Internierung und weil er auch als Illegaler aufschien – was er in Abrede zu stellen versuchte – wurde ihm das Berechtigung  zu  weiterer  Betriebsführung aberkannt.  Seine Firma, in öffentliche Verwaltung genommen,  war sogar vom gänzlichen Vermögensverfall bedroht.

Das Allertraurigste dieser Zeit und was ein geplagtes Vaterherz wohl überfordern musste: in den letzten Kriegstagen ist Sohn  Hermann Wank (1.5.1927-5.1.1945) als blutjunger Kriegsfreiwilliger im Osten und nicht mehr ferne der Heimat, nur weil er die Parole nicht wusste, von einem übereifrigen „Kameraden“ erschossen worden.

Walter Wohlfahrt

1)  Kärntner Landsmannschaft Doppel-Nummern 7/8 2015, 11/12 2015, 1/2  2016 so fern beschaffbar,  und ein vielsagendes  Bild daraus. Es zeigt Alex mit Urenkel  Hermann am Schoß, Enkel Hans rechts hinten  stehend  (1) und dessen  Ehefrau vorne sitzend, zweite von links – getrennt von einander!?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wank Alex und seine Bauten

Schulhaus St. Sebastian

Bauernhaus St. Sebastian

Bauernhaus St. Martin

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Familie Knaus – Zweiter und letzter Nachtrag

Juli 19, 2013 um 15:49 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Kindersegen und Großfamilien, wo seid ihr geblieben? Nicht nur am Lande, auch in der Stadt war gesunder, starker Nachwuchs durch Jahrhunderte in der Regel durchaus willkommen. Man freute sich nicht nur auf künftige Mitarbeiter, vor allem tüchtige, möglichst männliche Erben waren gefragt. Es eignete sich ja nicht jeder neue Erdenbürger dafür, und nicht selten wurde schon im Kindes- oder Jugendalter gestorben. Aber auch dort wo es wenig zu erben gab, waren Kinder zahlreich, oft zu zahlreich!
Auch in der Knaus Dynastie hatte Kinderreichtum Tradition. Im Gottschee sowieso und später in St. Veit war man in dieser Hinsicht auch nie „knauserisch“. Johann Knaus, der Primus in St. Veit, hatte mit zwei Frauen elf Sprösslinge, neun Knaben und zwei Mädchen, doch einige davon starben früh. Der Älteste in der Geschwisterreihe war Karl. Er heiratete bald und hatte acht Kinder, darunter ein einziges Mädchen. Die an sich logische Nachfolge kam für ihn nicht in Frage, denn zu jener Zeit litt der Vater bereits an geistiger Umnachtung. 1871 segnete er das Zeitliche. Mutter Magdalena hatte angesichts der noch unmündigen Kinder keine Wahl, als im eigenen Namen mit dem Geschäft weiter zu machen. Konnte und durfte sie Karl oder Jakob, den zwei älteren die Sorge um die kleinen Geschwister sowie um ihren persönlichen Unterhalt anvertrauen? Sind die beiden schon tüchtig genug? Wer bietet sichere Gewähr für einen guten Ausgang?
So machten sich Karl in der Klagenfurter Vorstadt und Jakob am Hauptplatz mit eigenen Geschäften selbständig. Das Stammhaus lenkte Magdalena Knaus, geborene Urbas (1818-1908) mit Geschick, gutem Hausverstand und vor allem mit unsäglichem Fleiß so lange, bis Friedrich, ihr Jüngster, obzwar erst 20 Jahre alt das Geschäft 1874 übernehmen konnte. Jakob war erfolgreich, Karl hingegen nicht. Es war die Mutter, welche die Fähigkeiten ihrer Söhne richtig einschätzte und damit größeres Unglück vom Hause fern hielt. Friedrich lohnte das in ihn gesetzte Vertrauen reichlich. Er wurde zum Großkaufmann, Essigfabrikanten und zu einer angesehenen Persönlichkeit. Unter seinen neun Kindern, geboren zwischen 1886 und 1902, finden sich die späteren Berühmtheiten, wie Offiziere, Maler, Gynäkologen und Fabrikanten.
Um vieles schwerer hatten es die acht Kinder Karls, die auf einmal zu den sogenannten armen Verwandten gehörten. Die Familien haben zwar
zusammen gehalten und nach Möglichkeit geholfen, doch trotzdem mussten Karls Kinder wesentlich bescheidener ins Leben treten. Ein Brüderpaar sei beispielhaft hier genannt: Rudolf (1873-1966) und Siegmund (1879-1971). Konnte Siegmund mit Großmutters Unterstützung Schulen besuchen und eine Offiziersausbildung machen und zum bekannten Infanterie-General werden, so hatte es Rudolf dagegen ungleich schwerer. Siegmund Knaus, dessen langes Leben sehr gut dokumentiert erscheint, ist den Kärntnern vor allem durch seine Beteiligung am Abwehrkampf in bester Erinnerung. Rudolf hingegen musste schon früh von zuhause fort. Kein Wunder, dass er in St. Veit so gut wie unbekannt blieb. Man stelle sich vor, dass Rudolf nur die Volksschule besuchen durfte, diese aber – von Singen und Turnen abgesehen – mit lauter Bestnoten abschloss. Drei Jahre an der k. u .k. Gewerbeschule in Klagenfurt waren sein ganzes Rüstzeug fürs Leben.

 

Entlassungszeugnis

Was für ein schönes Zeugnis!

Seine trotz allem glänzende Berufskariere spricht wieder einmal deutlich für Knaus´sche Zähigkeit und Fähigkeit. Auf sehr vielen Posten ging es zielstrebig voran, immer war er bereit , dazu zu lernen um schließlich noch im hohen Alter von 71 Jahren, und selbst dies nur kriegsbedingt, mit einer hohen – heute würde man sagen – Managerposition abzuschließen. Seine wichtigsten Berufsstationen waren der Reihe nach Laibach (1891-93) als Dreher und Schlosser, St. Veit/Glan (1893-1900) Maschinist in einer Imprägnieranstalt, Groß-Opatowitz in Mähren (1900-04) als Maschinenmeister in einer Chamottefabrik, in Hannover (1904-05) als Maschinenmeister einer Dampfkessel- und Dampfmaschinenproduktion, erster Auftritt in Maastricht (1905-1913) bei Societe Ceramicque als Leiter der Feuerfest-Abteilung und als Konstrukteur. Zum ersten Mal griff ein Krieg in sein Leben ein. Es sollte nicht der einzige sein. 1913 hat er Holland verlassen, um für ein Jahr lang Betriebsleiter in Köflach (Fabrik für feuerfeste Steine) zu werden. Von März 1914 bis Juni 1915 gelang eine kurze Rückkehr nach Maastricht, doch am 12.6.1915 wurde er zu den Soldaten gerufen. Nach zwei Monaten Infanterie-Ausbildung kam er zur Ballon-Stammabteilung, Mitte 1916 schließlich zur k. u. k. österr.-ungar. Bauüberwachungs- & Übernahmekommission für Flugzeuge bei den Hanse-Brandenburgischen Flugzeugwerken in Briest, ab November 1916 Berlin: Vertretung des k. u. k. Luftfahrarsenals beim Kaiserlich Deutschen Kriegsministerium. Als Krönung seines Kriegsdienstes war er von Juli 1917 bis 7. November 1918 als kommandierter Soldat Leiter der Phönix-Flugzeugwerke Wien-Stadlau. Ist das nicht ein beispielloser Aufstieg für einen Mann mit 8 Klassen St. Veiter Volksschule? Auch darf man sich bei dieser Gelegenheit fragen, wo wäre wohl heute der Schwerpunkt der Flugtechnik, hätten uns nicht die Siegermächte diese aus der Hand genommen?

Sofort nach Ende des Ersten Weltkrieges war der Weg nach Maastricht wieder offen und Rudolf Knaus in der alten Firma sehr willkommen. Er war inzwischen 45 Jahre alt, seit 1900 verheiratet und Vater zweier Töchter. Es folgten beruflich und privat höchst erfolgreiche Jahre. Doch das Jahr 1944 brachte ein Ende mit Schrecken. Alle Deutschen (Österreicher) mussten unter Zurücklassung von Hab und Gut, dazu gehörte immerhin ein voll eingerichtetes Eigenheim, vor dem anrückenden Feind Hals über Kopf flüchten.
walter.wohlfahrt@gmail.com

Familie Knaus St. Veit – Erster Nachtrag

Mai 11, 2013 um 15:33 | Veröffentlicht in St.Veit | 2 Kommentare
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Meine seinerzeitige Forschung zur Großfamilie Knaus, erschien 2001 im Periodikum des Geschichtsvereins für Kärnten, Carinthia I. Sie erhob keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Fehlerlosigkeit. Es war von vornherein klar, dass gewisse Lücken bleiben und kleinere Ungenauigkeiten nicht zu vermeiden sein würden. Umso dankbarer konnten darauf folgende, durchaus wohlmeinende Nachträge und Ergänzungen entgegengenommen werden. Von solchen soll hier und demnächst die Rede sein.
Der Ahnherr der St. Veiter Knäuse, Johann Knaus (1808 Gottschee – 1871 St. Veit) hatte einen Bruder namens Georg, geboren 1822, auch in Merleinsraut, Gemeinde Suchen. Dort blieb der Bruder als Bauer mit seinen Eltern, Gattin Helene Jeselnik und mit den Kindern Johannes (1853), Franz (1855) und Maria (1859)bis er um 1860 nach Straßburg im Gurktal mit Frau und Kindern auswanderte, um dort eine „Handlung“ zu pachten. Das vierte Kind mit Namen Georg-Anton kam 1864 schon in Straßburg zur Welt und von diesem soll hier hauptsächlich die Rede sein. Seine Schwester Maria heiratete den „Hirschenwirt Huber“. Daraus wurde später „Gasthof Gautsch“ in der Villacher Straße Nr. 8. Maria war die Mutter von Dr. Hubert Huber, Rechtsanwalt in St. Veit sowie von Ottilie Huber, spätere Gattin von Leo Knaus. Ottilie Knaus ist es auch, die im Mittelpunkt von Friederun Pleterskis neuestem Werk „Heimwärts reisen“ steht. Sie war Friederuns Großmutter, klar! Wer der dazu gehörige Großvater wirklich war, wurde erst im genannten Buch endgültig ausgesprochen! Das auf Seite 184, dritter Absatz vorkommende „Nichtserl“ wäre zu relativieren. Besser und vielleicht nur falsch gemerkt, wäre „Znichterl“ , was sich dann keinesfalls auf körperliche, wohl eher– nach damaligen Verständnis – auf moralische Defizite bezogen haben müsste. Ich bleibe dabei, dass Ottilie nicht nur eine musisch hoch begabte, gebildete, auch mit allen Reizen der Weiblichkeit ausgestattete Dame war. Als mir damals der bekannte Klagenfurter Rechtsanwalt Dr. Otfried Fresacher zum 2001 erschienenen Aufsatz gratulierte, konnte er sich zwei Sätze nicht verkneifen, sie lauteten: „Dr. Arthur Lemisch ist wohl nicht zufällig abgebildet, ist er doch der natürliche Vater so vieler Knäuse. Aber das haben Sie sich doch nicht zu sagen getraut“. Eines ist jetzt auch offenbar, die Knaus-Großväter der Eheleute Leo und Ottilie waren Brüder!
Weil man von ungefähr wusste, dass es in der Familie einen Bruder Knaus unter den Barmherzigen gegeben hat, bedurfte es einiger Nachforschungen. Frater Auremund, hier in unserem Krankenhaus tätig, zeigte dankenswerterweise sehr viel Verständnis und bot wertvolle Unterstützung. So trat zu Tage, bei Frater Petrus Knaus handelte es sich tatsächlich um den in Straßburg geborenen Georg- Anton Knaus. Anno 1881, also mit 17 Jahren, wird er schon „Ordensaspirant des Konventes der Barmherzigen Brüder in Graz“ genannt. Dort legte er am 17. Dezember 1882 sein „Gelübde völligen Gehorsams, freiwilliger Armut, reiner Keuschheit und stets währender Hospitalität“ ab.

Georg Anton Knaus  alias Frater Petrus 1881-1937

Georg Anton Knaus alias Frater Petrus 1881-1937

Barmherzige Brüder müssen sich überall einsetzen lassen, wo immer sie gebraucht werden. So verbrachte Bruder Petrus einige Zeit sogar im Heiligen Land. Dazu stellte ihm der K. und K. Österreichisch-Ungarische Consular Agent in Haiffa einen Matrikel-Schein aus. Zur Erlangung eines solchen bedurfte es aber des Heimatscheines, der ebenfalls in Fotokopie zur Verfügung steht.

Domski-List-neuer
Der „Heimatschein – Domovinski List“ vom 11. Feber 1903 ist ein hoch interessantes Dokument. Es ist im Formular durchgehend zweisprachig gehalten. Das gilt für Gemeinde-Rundstampiglie ebenso wie für die zweisprachige Ortsangabe. Dass es zwei Unterschriften an der Stelle „Zupan“ bzw. „Bürgermeister“ gibt und dass der eine sich Franc Vesel, der andere Paul Turk schreibt, ist gleichfalls von besonderer Bedeutung. Es war schon immer wieder einmal aufgefallen, dass die Gottscheer Männer nicht ungern ihre Bräute aus dem benachbarten Krain heim führten. Im Kernland von Gottschee galt aber als ungeschriebenes Gesetz, in den Familien darf nur deutsch gesprochen werden. Nicht so anscheinend im Suchener Hochtal, welches hart an der Sprachgrenze lag, nach Nordwesten hin offen, gegen die Bezirksstadt Gottschee aber von hohen Waldzügen getrennt war. Schon um ins benachbarte Göttenitz zu gelangen, musste man schlechte unbefahrbare Pfade, mühsame An- und Abstiege oder weite Umwege in Kauf nehmen, wo war dann erst einmal die Hauptstadt der Gottscheer? Umgekehrt erfreuten sich aber die Bewohner dieses Landstrichs kürzerer und besserer Verbindungen sowohl Richtung Meer als auch Richtung Laibach, was den Handel mit Obst und Südfrüchten nach Kärnten und darüber hinaus äußerst begünstigte. Das Hochtal war mehr nach außen orientiert als nach der Landes-Mitte. Jetzt kann es nicht länger wundernehmen, dass die große Sippe der Knaus ihr „u“ mit slawisch „v“ zu schreiben pflegten und dass im Friedhof von Suchen-Draga neben anderen, sogar neueren Knavs Gräbern ein besonders repräsentatives Grabmal für Johann KNAVS 1839-1907, den Bürgermeister findet. Die Überschrift lautet TIHI DOM KNAVSOVIH – Ruhestätte der Knaus. Zweisprachigkeit wird dort wohl die Regel gewesen sein.
Damit haben wir nicht nur von einem braven Ordensmann gehört, der 1932 noch feierlich seine Goldene Profess ablegte, ehe er am 5.11.1937 in Graz verstorben ist, sondern auch über die Herkunft seiner Ahnen, gleichzeitig auch Ahnen aller Knaus von St. Veit.
Walter Wohlfahrt in „Stadt-Blattl“ April 2013

Einstige Arreste im Alten Rathaus

April 7, 2012 um 15:20 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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SSogenanntes Altes (gemeint ist wohl erstes) Rathaus von Judengasse, späterer Bräuhausgasse her gesehen. Foto Walter Wohlfahrt, 2006

Als Kärnten, nach Napoleonischer Zeit vorübergehend von Laibach aus regiert wurde, mußten die Bezirksämter Villach und Klagenfurt mit den ihnen unterstellten Bezirksobrigkeiten, sprich Grundherrschaften und Magistraten von dort ihre Weisungen entgegennehmen und dorthin regelmäßig berichten, einerlei ob in Pfarr- , Schul- , Markt- , Militär-, Justizsachen etc. Weil dies zugleich auch die Zeit Metternichs und seines Polizeiapparates war, wurde nicht nur dem Schubwesen, sondern auch dem Zustande der diversen Arreste größte Aufmerksam zu teil. (Kärntner Landesarchiv, Gubernium Laibach, Schachtel 234, 1835-1836). Eine Durchsicht der Bestände bringt manch Interessantes zu Tage, wie etwa die

Entweichung der Criminal-Inquisiten Franz Ebernig und Anton Schigsch aus dem Arreste des St.Veiter Magistrates. Wie sich später herausstellte, sollten sie des Diebstahls wegen abgeurteilt werden. Im Amtsvortrag des Gubernialratsoffizials Saurau heißt es: „Aus den vorliegenden Erhebungen geht hervor, daß gedachte zwei Inquisiten (Häftlinge) mittels Durchbrechung des mit keinem Korb versehenen  Ofens und Öffnung der zwei Anhängeschlösser an dem vor der Heizstelle zu diesem Ofen angebrachten eisernen Schutzgitter nach Durchbrechung eines nur schlecht verwachten Hoftores in das sogenannte Alte Rathaus gelangten und daselbst in einer Kammer zu ebener Erde ein altes Fenstergitter weggebogen haben, von wo sie schließlich auf die Gasse (Judengasse!) und ins Freie kamen.“ Der Weg in die Freiheit war also durchaus nicht einfach zu bewerkstelligen. Eine Schwachstelle war der Ofen „ohne Korb“. Wie ist das zu verstehen? Es gab einen in die Zelle reichenden, und von außen zu beschickenden Ofen. Weil dieser zellenseitig keine Vergitterung, also keinen Korb hatte, war es möglich, die Ofenwand zu durchbrechen und beim Heizloch durchzukriechen. Da aber ganz offensichtlich noch mehr nicht in Ordnung war, hatte sich der Magistrat schriftlich zu rechtfertigen, und machte dies wie folgt: „Ebernig war nicht im Criminal-Arrest, sondern im (weniger strengen?) Polizei-Arrest, daher die nächtliche Anschließung (mit Ketten) an die Wand nicht mit gehöriger Aufmerksamkeit gehandhabt. Man räumt ein, daß der Arrest in jener Nacht nicht visitiert worden ist, weil dem Wärter Priwatschnig an diesem Tage bekanntermaßen äußerst unwohl war. Außerdem hatte Ebernig bei den üblichen Spaziergängen Gelegenheit, öfter in die Küche des Wärters zu kommen und im Zuge von Verwandtenbesuchen, die Lebensmittel brachten, sich Schlüssel für die zwei Anhängeschlösser zu besorgen.“

Zum Schluß wurde der Wärter mit drei Tagen, sein Gehilfe Luckensteiner mit 12 Stunden Arrest bestraft und dem Magistrat ein Pönale von 50 Gulden aufgebrummt, über dessen Zahlung, Reduzierung oder gänzlichen Nachlaß noch lange zwischen St.Veit, Klagenfurt und Laibach korrespondiert wurde, ohne daß man weiß, wie es ausgegangen ist. Von den zwei Ausbrechern, war der Schigsch bald wieder eingefangen, der Ebernig aber über alle Berge…….

Weil im gleichen Bestand auch ein umfangreicher und ausführlicher Bericht über die Beschaffenheit der Arreste nahezu aller Bezirksobrigkeiten des Klagenfurter Kreises, datiert mit Laibach, 3.4.1835 (Akt 20.865) einliegt, kann nicht nur Allgemeines, sondern auch für St.Veit ganz Spezielles ausgesagt werden. Es erstaunt wenig, daß auf die Sicherheit größter Wert gelegt wurde, aber doch, daß auch auf die Gesundheit der Inhaftierten geachtet werden mußte. So wurde abgefragt, ob der Boden aus Holz oder Stein sei und daher nicht selten ein Holzboden nachreklamiert, des weiteren, ob die Häftlinge im Falle von Krankheit und Not bei ihrem Rufen wohl gehört werden, im Winter eine Beheizung funktioniert oder, ob Belüftung und Trockenheit der Zellen gewährleistet erscheinen. Damit wieder zurück zur konkreten Situation im St.Veiter Rathaus.

„Der Magistrat von St.Veit besitzt laut vorgelegten Berichten vom 13.4.1833 bzw. 30.10.1834 und anruhendem Plan (leider nicht mehr vorhanden!) nur einen Bezirks-Arrest und zwar zu ebener Erde in dem dortigen Stadthause (=Rathaus) welcher gemauert, gewölbt, mit zwei Fenster versehen und mit einem Kachelofen beheizbar ist. Zu dem Arreste gelangt man nur durch die Wohnung des Gerichtsdieners, daher können die Verhafteten von da aus die allenfalls nötige Hilfe erhalten. Der Bezirks-Arrest ist übrigens, wie es sowohl aus der Beschreibung als aus dem Plane hervorgeht, vorschriftsmäßig erbaut und es wäre nur die Arresttüre mit einem Luftschuber zu versehen.

Ferner besitzt der Magistrat im 1. Stock des Rathauses noch zwei Criminal-Arreste zu denen man über eine im Hof angebrachte hölzerne (!) Stiege gelangt. Diese zwei Arreste sind durch eine Vorlaube abgeteilt in welcher die Einheizen (Öfen) dergestalt angebracht sind, daß jeder Arrest mit einem abgesonderten Ofen beheizt werden kann. Die Arreste sind übrigens sehr klein und höchstens für ein oder zwei Verhaftete tauglich, zweckentsprechend erbaut, sie kommunizieren nicht unter sich, auch können die Verhafteten allenfalls benötigte Hilfe durch Rufen vom Gerichtsdienergehilfen erhalten.“

Das Hintere Rathaus, das noch lange Zeit nur von der Judengasse her zugänglich gewesen ist, hat also nicht nur die Familien des Gerichtsdieners und seines Gehilfen, sondern zeitweise noch mehr oder weniger unfreiwillige Mitbewohner beherbergt.                      II/2006

 

 

 

Wo war des Scharfrichters Haus wirklich?

Juli 30, 2011 um 19:48 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Es ist bekannt, daß der kaiserliche Scharfrichter unbeschadet der Tatsache, daß Klagenfurt St.Veit den Rang als Kärntens Hauptstadt schon seit langem abgenommen gehabt hatte, noch immer von der einstigen Herzogsstadt aus, seinen Dienst versah. Im Jahre 1809, gerade während die Franzosen durchmarschierten, verstarb in seiner Behausung in St.Veit der Scharfrichter Martin JAKOB. Sein Sohn Josef, um 1797 in St.Veit geboren, hielt sich 1823 in Laibach, vermutlich bei einem Onkel namens Anton JAKOB, Scharfrichter ebendort, auf und wurde der Kurpfuscherei bezichtigt. In einem Protokoll von 1829 gab er neben dem Nationale auch an, seine Mutter würde noch in St.Veit leben, wo genau, wird nicht gesagt.

Der Magistrat St.Veit antwortet jedenfalls auf eine diesbezügliche Anfrage aus Laibach, wo jetzt schon die für Kärnten zuständige, von Napoleons Gnaden eingesetzte, von den siegreichen Habsburgern aber beibehaltene Landesverwaltung bis 1848 ihren Sitz hatte –

„Ja, über den Josef JAKOB gab es nie Beschwerden, er war hier sogar sehr geschätzt und ist nie wegen Kurpfuscherei aufgefallen……. St.Veit, am 6.3.1823.“

Wenn man die wenigen Notizen richtig interpretiert, war schon 1814 die Rede von einer „Übersetzung“ d.h. Verlegung des Scharfrichter Amtes nach Laibach. Es waren jedenfalls dorthin die Bedingungen des Dienstverhältnisses, von 1809 bis etwa 1813 auf den noch sehr jungen Sohn Josef bezogen, wie folgt zu melden: „Freie Wohnung im Scharfrichterhaus des Ärar (= im Staatsbesitz), 400 Gulden fixe Besoldung nebst Teuerungszuschuß“. Vielleicht hat der vaterlos gewordene Josef schon gespürt, daß er voraussichtlich nur noch in Laibach mit weiterer Ausübung seines Berufes rechnen und bis dahin bei seinem Onkel, ebenfalls Scharfrichter, mitwirken kann. Die Anschwärzung wegen Kurpfuscherei zielte vielleicht auf seine möglichen Chancen in Laibach ab?

Ebenfalls 1814 kommt es zur Klärung zwischen Stadt und Ärar hinsichtlich der Eigentumsrechte. Nicht die Stadt, der Staat besitzt das Haus und damit dies ein für allemal klar sei, wird eine Aufsandungsurkunde verfaßt und das Anwesen in die ärarische Landtafel eingetragen. Die dabei obligate Grenzbeschreibung sagt aus, daß an einer Seite des Simon Grabuschnig Haus, an anderer das Haus des Hans Leitgeb und nach hinten das Haus des Johann Pippenbacher liegt.

1820 ist von einer Vermietung für sechs Monate die Rede. Daß ein staatliches Interesse an diesem Hause aber nicht mehr gegeben ist, geht daraus hervor, daß am 8.4.1820 die Schätzleute Valentin Radweger, Maurermeister und Johann Baumgärtl, Zimmermeister eine Schätzung und Liegenschaftsbeschreibung zwecks öffentlicher Feilbietung vornehmen. Das Gutachten hat folgenden Wortlaut:

Das in der Stadt hier, hinter der Kasern im 12 Boten Gassl sub No 60 befindliche ärarial Scharfrichterhaus ist gemauert, mit Schindel eingedeckt, besteht aus einem Stockwerk und enthält im Erdgeschoß einen gewölbten Keller, eine gewölbte Vorlaube, ein gewölbtes Zimmer ohne Ofen, zwei Holzgewölbe, einen kleinen Hof und in demselben eine gewölbte Stallung auf zwei Kühe oder Pferde, im Stockwerk einen gewölbten Vorsaal, zwei mittelmäßige Zimmer, eines mit Stukkatur das andere mit Sturzboden, zwei Kammern, zwei gewölbte Küchen und ein Speisgewölb (Vorratsspeis) welches Stockwerk mit Estrich überschlagen ist. Das Mauerwerk befindet sich meistenteils in gutem, das Dach im mittelmäßigen Zustande. Weil das Haus nicht von neuerer Bauart, auch klein und an einem abgelegenen Posten ist wird der Wert mit 280 Gulden angesetzt.

Noch im November desselben Jahres wird die gedruckte Kurrende vom 26.10. kundgemacht.

Soweit alles aus Landesarchiv für Kärnten, Bestand Stadt St.Veit, Faszikel 27 bis 29.

               III/2007

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