Taggenbrunn

Januar 19, 2013 um 14:49 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Taggenbrunn Ansicht

Kein(e) St. VeiterIn, und sei es der/die Älteste, wird sich erinnern, dass die Ruine von Taggenbrunn aus allen Himmelsrichtungen einmal so frei und her zu sehen war. Eine glänzende Idee des neuen Burgherrn, die Mauern frei zu schlägern, hat dies ermöglicht. Aber nicht nur das, auch sonst gab es rund um den Burghügel in jüngster Zeit markante Veränderungen. Alte, bemooste Obstbäume wurden radikal beseitigt, der altehrwürdige Kasten, ein Relikt aus Zeiten, wo die untertänigen Bauern noch Korn zu zinsen hatten, ist samt seinem tiefen Kellergewölbe Denkmal schützend renoviert worden. Dem Vernehmen nach soll damit Platz für künftige Weingärten und vielleicht ein Weinkeller geschaffen werden?

So lange dies alles noch seiner Verwirklichung harrt, muss wohl auch der Zugang zur Burg gesperrt bleiben. Wie schön waren doch einmal die Aufstiege dorthin? Ob von Westen her, den romantischen Steig ab Parkplatz entlang, in einer Kehre hinauf, am Hirschen-Zaun vorbei, wo einst das sogenannte „Friedhöfl“ lag. Es wurde nie untersucht, ob hier tatsächlich Bestattungen erfolgten, möglich wäre es. In der „Verbotszeit“ von 1934 ff tollten sich hier die sogenannten Wehrturner, Filiale des Turnvereines. Alle waren sie verkappte Nationalsozialisten, die sich für den Tag X fit halten wollten. Wie lächerlich und doch wieder wie bitter ernst! Bald führte der Steig steil bergan. Da gewahrte man verschiedenes Jagdgetier, allerdings in Hartplastik. Auf diese zielten kurze Zeit lang die Bogenschützen. Diese hatten ebenso den Platz räumen, wie Pferd und Reiter des Reitstalles. So ändern sich die Zeiten. Momentan ist auch der Aufgang von Seite des Gehöftes nutzlos, weil man in allen Fällen schließlich vor einem versperrten Burgtor endet. Gleiches gilt für die Auto-Auffahrt. Etwas Interessantes soll jedoch für die Zukunft geplant sein?

 Nun ein paar Worte zum eigentlichen Thema Taggenbrunn. Der alte Burgherr höchst persönlich hat im Jahre 1979 im Verlag Carinthia Klagenfurt ein kleines Büchlein über Geschichtliches, Erlebtes und Sagenhaftes herausgegeben. Dazu nur so viel: Für die Geologie sowie für die Geschichte der Anlage hat man sich fachmännischen Rat bei Prof. Dr. Kahler bzw. im Landesarchiv wohl zu verschaffen gewusst. Auch der Kampf gegen den Verfall der Jahre 1974-78 ist gut dokumentiert. Selbst bei der Qualität der Abbildungen u.a. Luftaufnahmen, meist von H. G. Trenkwalder, hat man keineswegs gespart. Weniger oder überhaupt nicht ernst zu nehmen sind die „Erlebnisse rund um Taggenbrunn“. Aussagen über die Zeit vor 1938 sind inzwischen längst überholt und hinsichtlich eines gewissen Vorfalles (Fememord) als äußerst tendenziös entlarvt, weil allen Ernstes versucht wurde, das Opfer zum Täter zu machen.

Dr. Kahler hat nachgewiesen, dass es sich beim Burg-Berg um Auswurfmaterial der nahe gelegenen, einst sehr aktiv gewesenen Vulkane handelt. Das benötigte Baumaterial war also in nächster Nähe und in bester Qualität vorhanden. Auch die Sache mit dem Namengeber (?)Tagenus aus dem Pongau ist von Eberhard Kranzmayer unreflektiert übernommen worden. Kranzmayer hätte gewiss gut daran getan, weniger auf Possessiv-Namen, d.h. auf mögliche Besitzer zu setzen, dafür aber manchmal die Beschreibungen der alten Gerichtsgrenzen heranzuziehen. Dann wäre ihm aufgefallen, dass Tachenbrunn und auch Tadtenbrunn geschrieben wurde, und zwar von ortskundigen Leuten. Im ersten Falle ginge es bei Tachen um ein Lehmvorkommen, wo auch tatsächlich Wasser austritt und wo einst die Ziegelei Voraberger arbeitete. Im zweiten Fall ging es möglicherweise um einen toten Brunnen, weil er wenig ergiebig und nicht selten leer war.  Eine Anhöhe kann man nur schwer mit Brunnen assoziieren. Die Zisterne im Burghof war vermutlich schwer dicht zu halten, also oft tot und leer. Übrigens, seit der Brunnen nicht mehr gebraucht wurde, hat man ihn sträflicher weise zum Abfallkübel umfunktioniert. Vielleicht geschieht auch diesbezüglich demnacächst etwas Positives?                Walter Wohlfahrt in St. Veiter Stadtblattl Jän 2013

Die Felfer

August 9, 2011 um 17:26 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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 Das moderne Märchen von der Felfer beginnt damit, dass sich im uralten Taggenbrunn neue  junge Leute einstellten, darunter ein tüchtigen Koch. Dieser sorgt ab sofort dafür, dass rund um die Uhr und ohne Ruhetag auch warme Speisen in sehr guter und preiswerter Qualität verabreicht werden. Während der Burgherr schon den schönen Namen „Herr Ritter von Liebenfels“ trägt, ist der Koch nach einem passenden Prädikat noch auf der Suche. Auf die Frage, wie er denn heiße, folgte die Antwort, sein bürgerlicher Name wäre Felfernig, doch mit der Ahnenforschung sei er noch nicht weit genug. Die nächste Frage, ob man denn wisse, woher der Name Felfernig stamme, wurde glatt verneint. Wohl gebe es in der Nähe und im Görtschitztal solche Namensträger, doch woher der Name wirklich käme, wisse man nicht.

Stamm der Korbweide (Felfer)

An der Felfer

Wer unter den Lesern weiß zu helfen und zu sagen, was eine Felfer ist oder war? Der gute Duden schweigt sich darüber ebenso aus, wie Internet und Wikipedia! Sollte es sich dabei vielleicht  um einen alten Kärntner Namen handeln? Dann könnte man etwa bei Georg Graber und seinen „Sagen aus Kärnten“ nachsehen. Siehe da, im Band II von 1979 heißt es auf Seite 47 u.a. „Der krumpe Felfer“ und die Rede ist dabei von einer Korbweide! Ist Felfer nun weiblichen oder männlichen Geschlechts, das sei dahin gestellt. Immerhin heißt es d i e  Fichte,  d i e   Tanne,  d i e  Eiche, Buche usw. Dass es sich dabei um die sogenannte Korbweide (Salix viminalis) handelt, steht außer Zweifel. Nun haben einst überall und immer wieder auffällige Baumbestände für alte Hausnamen hergehalten, die später dann zu Familiennamen werden  konnten, wie z.B. Pirke für Pirker, Buche für Bucher, F(e)ichte für Feichter usw. So auch die Felfer für den halb deutschen, halb slowenischen Felfernig. Da Kärnten schon einmal deutlicher als heute ein zweisprachiges Land war, gilt es nach Eberhard Kranzmayer zu beachten, dass das was im Deutschen die Endung „-er“ zu bewirken hatte, im Slowenischen die Endung „-nik“ , später verschönt zu „-nig“ oder „-nigg“, aussagte. Slowenisch ist unser „Pirker“ ein „Wriesnik“ und unser „Linder“ ein „Lipnik“ so wie der „Ahorner“ zum „Javornik“ und der „Eschenauer“ zum „Jesenik“ wurde. Im Unterschied zu den letzten vier Beispielen, wo auch das Stammwort slowenisch ist, klingt unser Felfernig nach einer echt Kärntner-Slowenischen Mischung. Würde man nämlich die Korbweide, slowenisch Vrba heranziehen, dann hätte daraus etwa auch der Urbanik werden können. Vielleicht gibt es ihn auch irgendwo? Dann hätte man sowohl ein gemischtes wie ein einsprachiges Namenspaar. Dass schließlich mit dem Abkommen, der heute wieder mehr gepflegten Korbflechterei der Alt-Kärntner Baumnamen Felfer fast gänzlich in Vergessenheit geraten konnte, ist nicht weiter zu verwundern. Das hier gezeigte Foto entstand nahe Hanslwirt an der Zensweger Straße. Es zeigt deutlich die starke Lebenskraft dieses Gewächses, obzwar sehr alt, innen schon morsch, hohl und faul, ist die Rinde immer noch voll Kraft, und die Felfer treibt nach jeder „Ernte“ immer wieder neu aus. Wohl klar, dass der hohle, krumme Baum oft Anlass für allerlei Märchen und Sagen war.                                                                        XI/2010

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