Der Jesuiten-Wald

April 15, 2015 um 17:04 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Gibt es oder gab es ihn im St. Veiter Gemeindegebiet überhaupt? Wenn ja, wo ist der Jesuitenwald zu suchen? Sie wissen es nicht! Kein Wunder, denn um diese gewiss recht anspruchsvollen Fragen zu beantworten, bedarf es aller drei bisher bekannt gewordenen, archivalischen Quellen und einer Zusammenschau.
Die jüngste Erwähnung stammt aus dem Jahre 1855. Da haben Josef Lebmacher als Verkäufer und Franziska Rainer, geb. Buzzi einen Vertrag geschlossen. Es ging dabei um den Jesuitenwald im Muraunberg, Grundbuch Herrschaft Leonstein, im Ausmaß von 13 Joch 189 Klafter (= rund 7,5 ha) – Kaufpreis 2.000 Gulden. Jesuitenwald und Muraunberg werden zugleich genannt, doch der Muraunberg, sofern 1956 im Besitz der Stadt, ist 80 ha groß! Irgendwann danach ist auch dieses Teilstück in städtischen Besitz übergegangen. Man sollte aber schon herausfinden, welcher Teil davon gemeint sein könnte! Da hilft zusätzliches Material allein weiter. Vielleicht ist gar der Bericht über die Burgfriedbereitung von 1673 hilfreich? Tatsächlich heißt es dort bezüglich der südlichen Grenze gegen Herrschaft Karlsberg vom Kabeser, recte vom Rabeserhof (heute Kollerhof) in St. Andrä ganz wörtlich „von dannen auf die andere Seite des Berges zum Sattelknopf gegen Steiner in Unterbergen „so (dass) der Jesubiterische (sprich jesuitische) Amtmann noch in unserem Burgfried liegt“ So weit nach R. Dürnwirth, Carinthia 1901, Seite 129 ff. Das ist eindeutig der Amtmann des Jesuitenordens. Der Orden, damals im Besitze nicht nur des ehemaligen Clarissen-Klosters mit allen seinen Einkünften, Wiesen und Äckern (u.a. z.B. der sogenannten „Seminari-Gründe“, diese erstreckten sich vom alten Kino Jäger bis zum Reidenwirt, alles oberhalb der Straße nach Feldkirchen) sondern auch des besagten Waldstückes im Muraunberg. Die Nennung des Steiner in Unterbergen ist einigermaßen irreführend, denn die Hofstelle befindet sich mindestens dreihundert Meter südlich der roten Linie. Da ist wohl am besten ein Blick auf die Kagis-Karte, die den genauen Grenzverlauf von der Höhe des Muraunberges (1) über das Glantal-Moos (2) ein Stück die alte Glan aufwärts (3) direkt hin zum Schwarzfurter Kreuz (4) an der Straße nach Feldkirchen zeigt, weil die rote Linie der Katastralgemeinden-Grenze mit der Stadtgrenze ident ist. Um endgültig Klarheit zu schaffen, muss man noch weiter zurückgreifen, nämlich in die Zeit wo das Frauenkloster im Zuge der Reformationsereignisse mangels Eintrittswilliger gänzlich aufgelöst werden musste, sich die in der Gegenreformation nur widerwillig katholisch gewordene Gemeindevertretung um eine, ihrer Meinung nach vernünftige Weiterverwendung der öd liegenden Gebäude Gedanken machte. Dem Vorschlag, darin ein sogenanntes Hofspital zu etablieren wurde nur recht zögerlich nahe getreten. Ganz so wie in der heutigen Politik, wurde erst einmal ein „Unterausschuss“ bestehend aus Herrn Hansen von Baseyo zu Praunsberg und einem Spitalmeister namens Hans Vischer gegründet, der das Für und Wider gründlich zu prüfen hatte. Im Bericht vom 16.11.1582 ist nebenbei sehr viel Interessantem über die Vermögensverhältnisse des ehemaligen Klosters zu lesen, aber auch über den Waldbesitz. Wörtlich heißt es „Wohlgedachtes Hofspitals Instruction vermag fünfzehn arme Personen gebührlich zu unterhalten. Des Hofspitals jährliches Einkommen tuat sumariter in Geld einhundertsechzig Gulden, in Getraid Weizen 47 Vierling, Roggenkorn 110 Vierling, Gersten 14 Vierling, Haber 266 Vierling. Das Getreid, sonderlich was Zehent ist wird zum Teil nach altem Herkommen mit Geld bezahlt.
Hofspitals Mayerschaft hat ungefähr Baufeld in 15 Stucken soviel man mit einem Zug bauen mag zwanzig Tag, jährlich auf den Wiesen fünfzig Fuder Heu zu führen, die Gemeinhalt ist gar schlecht, das Holz ist dermaßen weit gelegen, dass man einen Tag nicht mehr als eine Fuhre tun kann, Winters zeit sollen 6 Stätten Feuer gehalten werden“.
Dies alles zusammen eröffnete, beabsichtigt oder nicht, schon eher negative oder zumindest unsichere Projekt-Aussichten, erst recht, wenn man dann noch den Personalbedarf und alles Drum Herum wie folgt veranschlagt: „Zu solcher Meyerschaft muss man zum wenigsten haben einen Ross-Zug und 2 Ochsen-Zug, 10 Kühe und allerlei Vieh die Notdurft Mayervolk (außer der Roboter und Tagwerker, deren auch viele sein müssen) vier Knecht, vier Hälterlan, (Halterbuben) vier Dirnen und sonst für die Pfründ und das gemeine Haushalten fünf Dienstboten, also dass allenthalben über 20 ordinary Dienstboten sein sollen und im übrigen, sei man schon vom Vorgänger her stark verschuldet!!!“
Als es schließlich 1584 zur kommissarischen Prüfung der Spitalsverwaltung mit unbekanntem Ergebnis kommt, scheint die Idee eines Hofspitales endgültig gestorben zu sein. Das darauf noch folgende Geschehen rund um Kloster und Klosterkirche ist in der Literatur einigermaßen behandelt worden und könnte einmal für einen interessierten Leserkreis nacherzählt werden.
walter.wohlfahrt@gmail.com (blog: https://altstveit.wordpress.com

Ein Abgesang auf den Zeneggenhof

August 31, 2012 um 16:52 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Das Geschlecht derer von Zenegg florierte in der Stadt St.Veit und um den Hüttenberger Erzberg so lange, bis eine unbarmherzige Zeit ihre berühmtesten Vertreter zu „Glaubensstreitern“ machte. Ein gleichnamiger Roman aus dem Jahre 1964 stammt von Emilie Zenneck.  Zwei Örtlichkeiten tragen bzw. trugen bis unlängst diesen Familiennamen, vlg. Zenegg in Kitschdorf und der Zeneggenhof in St.Veit/Glan. Des Letzteren unmittelbare Nähe zu Kloster und Klosterkirche, läßt unweigerlich an das recht umstrittene Auftreten eines Zenegg, Hans mit Namen, zusammen mit drei weiteren lutherischen Ratsmitgliedern, bei der Fronleichnamsprozession von 1596 denken. Doch nicht die alte, die neuere Zeit, jene der letzten hundert Jahre soll hier behandelt werden.

Erst jüngst brachte die Stadt St.Veit den Hof samt restlichen landwirtschaftlichen Flächen, diese etwas entfernt und größtenteils im Westen gelegen, durch Kauf in ihren Besitz. Davor kam es zu einer gesonderten Grundabgabe an die Gärtnerei Sattler. Beidemal war der Kaufschilling zur Gänze an die Banken abzuliefern!  Im Herbst 2003 folgte schließlich der komplette Abbruch des umfangreichen, historisch gewachsenen Gebäudekomplexes. Abgesehen von einem im Torbereich eingemauert gewesenen Römerstein, sowie einem gotischen Maßwerkstück aus der Stallmauer konnte nur wenig  gerettet werden, leider auch nicht die prächtigen Kellergewölbe. Die zwei Steine befinden sich jetzt in dem jüngst auf den Hauptplatz übersiedelten Stadtmuseum. Die Zeugnisse alter Handwerkskunst hingegen, die tiefen, steingewölbten Keller – einer versunkenen Kirche vergleichbar und mit Sicherheit die ältesten Bauteile – gibt es nicht mehr. Es ist kaum zu fassen, was moderne Abbruchmaschinen und heutige Stadtpolitik in kürzester Zeit zustande bringen. Ein persönlicher Versuch, wenigstens den Hauptkeller für eine allfällige spätere Nutzung bestehen zu lassen, wurde wie folgt abgetan: „Was glauben Sie, wieviel Geld uns der Ankauf gekostet hat – In der Spitalgasse (Neubau C&A!) war ein noch schönerer Keller, den haben wir auch nicht erhalten“. Dabei weiß man noch gar nicht, was an Stelle des Hofes einmal kommen soll! Geld ausgeben und Beschäftigung schaffen, alles recht und schön, daß man dabei aber so brutal zur Sache geht, ist für jeden an ehrwürdiger Bausubstanz Interessierten sehr schwer einzusehen. Aber das ist ja wohl keine St.Veiter Eigenheit, ähnliches passiert zum größten Bedauern landauf landab immer öfter! Apropos Geld ausgeben! Es ist ein Treppenwitz der Geschichte, daß eine sozialistische Stadtverwaltung Dinge zu Geld machen kann, die vor rund 100 Jahren bürgerliche Stadtväter grundgelegt haben: Stadtsparkasse und Städtisches E-Werk, sprich Kelag-Anteile, wurden bekanntlich gut verkauft!

Lange bevor der wirtschaftliche und finanzielle Ruin über den Zeneggenhof hereinbrach, waren dort zwei tüchtige Familien am Werk. Sie verdienen es, daß man ihrer noch einmal gedenkt. Wenn auch das meiste Schriftgut in großen Papiercontainern entsorgt worden und daher nicht mehr verfügbar ist, so sind doch einige Beweise einstigen Fleißes und alten Unternehmergeistes erhalten. Sie lesen sich als eine einzige Erfolgsgeschichte der Familien Kanatschnig-Höfferer und sind nicht zuletzt ein Lehrbeispiel dafür, wie mit dem Eisenbahnbau etwa ein Funder, ein Kleinszig und manch andere durch kluge und umsichtige Gebarung, wenn auch nicht ohne Ausnützung billiger und williger Arbeitskräfte, aus bescheidensten Anfängen heraus zu Ansehen und Vermögen kommen konnten.

 Ein letzter Augenschein

Frau Grete Novak, Jahrgang 1920, war mit ihren Eltern bis 1945 im Herrenhaus in Miete. Sie hatte die Freundlichkeit, noch einmal die Hofstelle beschreibend und erzählend abzugehen. Ihr Bericht lautet in etwa wie folgt: Der gemauerte Torbogen am Hofeingang ist jüngeren Datums. Zuvor gab es dort nur einen hölzernen Torabschluß. Gleich links davon war eine Selchkammer mit eingebautem Backofen, anschließend die Mosterei mit Betontrog zum Waschen des Obstes, mit Aufzug auf die dritte Ebene zur Quetsch. Der darunter liegende Preß-Stand mit Portioniergefäßen links und rechts, zwei fahrbaren Preßgut-Wägen. Ein Dieselmotor und Transmissionen dienten zum Antrieb von Aufzug und Presse. Firmenschild: „Valentin Stossier, Pörtschach am Wörthersee/Österreich“. Es folgt der Eingang zum Rinder- und Schweinestall für zehn bis zwölf Kühe samt Kälber- und Schweineboxen. Separat ein Schlachtraum mit Arbeitstisch und Hängevorrichtung. Über dem Stall eine kleinere Tenne samt hoher Einfahrt von der Bürgergasse her – unter dem Stall ein großer Kartoffel- und Rübenkeller. Dieser diente zur Kriegszeit als Luftschutzraum für die Bewohner der Umgebung, während die Hausleute sich bei Bombengefahr lieber in den tiefen Keller des Herrenhauses zurückzogen. Es wurde auch immer wieder erzählt, es hätte vom Kartoffelkeller ausgehend einen Geheimgang zum Kloster hin gegeben! Am Ort, wo zuletzt die Garagen des Verbindungstraktes zwischen Stall und Herrenhaus zum Abbruch kamen, war einmal genug Platz für den Stallmist, genauer gesagt, für den Misthaufen.

Zurück am Eingangstor, wenden wir uns jetzt der rechten Seite zu. Da stoßen wir auf den Pferdestall für meist drei Pferde mit darüber liegender kleiner Tenne. Im nächsten Gebäudekomplex finden sich Hausmühle mit Holzdecke und gleichfalls Tenne darüber. Marstube, wo die Dienstleute ihr Essen einnahmen, Saukuchl mit Herd und Futterdämpfer sowie die Elektrozentrale trugen oben drüber eine Wohnung für den Platzmeister des Sägewerkes. Was nämlich den Ankauf in St.Veit so interessant erscheinen ließ, war die Nähe zum Obermühlbach. So hört man erstmals 1913 vom Bau einer Turbinenanlage. Fabrikatsnummer 509 der Maschinenfabrik Andritz AG. Eine Sperre im Bachbett nahe dem Brückenwirt erlaubte die unterirdische Wasserzufuhr zum Rechen vor der Turbine. Bachsperre und Rechen waren von den Knechten regelmäßig zu warten. Der Abfluß verließ die Turbine schließlich durch ein ebenfalls verdecktes Gerinne in Richtung Obstgarten und Marktwiese. Außer der Versorgung mit eigenem Lichtstrom dürfte damals nicht viel mehr herausgeschaut haben, denn der 1. Weltkrieg stand knapp bevor. Erst 1920 kommt es zu Planungen und zwischen 1921 und 1924 zum Bau des Sägewerkes mit Holz- und Bretterplatz. 1929 wurde Turbine Nr. 2224 der Leobersdorfer Maschinenfabrik AG und ein Generator der Österreichischen ASEA Elektro GesmbH Wien aufgestellt, was einer erhöhten Kraftzufuhr für das Sägewerk gleichkam . Der alte Sägestandort galt bis in die 50er Jahre, da wurde unterhalb der Marktwiese neu und modern gebaut. Der gestiegene Energiebedarf war mit dem vorhandenen Wasserrecht nicht mehr zu decken. Strom von der Kelag zu beziehen, war inzwischen zur Notwendigkeit geworden. An Stelle der alten Säge wurde ein modernes Büro- und Wohnhaus aufgeführt und dieses 2003 ebenfalls gänzlich demoliert. Auch eine eigene Hausschmiede war vorhanden. Das Herrenhaus wurde 1949 entstellend mit neuer Fassade und neuen Fensteröffnungen versehen. Von dieser Maßnahme stammen vermutlich die über gebliebenen Steinteile im Jugendstil. Im ersten Stock gab es einen schönen Saal mit Stuckdecke, von dem gesagt wurde, es sei die Hauskapelle gewesen. Noch innerhalb des Hofgeländes befand sich eine eigene Wagnerei.

Vater Novak war Eisenbahnbeamter und in seiner Freizeit für allerlei am Hofe verwendbar, ob zur Zeit des Mostmachens oder zum Schärfen der Sägeblätter. Kurzum, es gab ein sehr gutes Einvernehmen im Hause. Sogar zur Jagd ließ sich der Hausherr von ihm begleiten. Franz Höfferer war nicht bloß Waidmann, sondern auch Meisterschütze im Verein. Eines Tages brachte man einen ausgewachsenen Geier vom Pirschgang heim. Jemand kam auf die Idee, den Geierkopf zu spalten und hoch oben an der Tenne so festzunageln, daß es aussah, als hätte man ein Wundertier mit zwei Köpfen erbeutet. Dies soll sich tatsächlich rasch in der Stadt herumgesprochen und ganze Schulklassen angezogen haben..

Über die am Hof  tätigen Personen wußte Frau Grete Novak zu sagen, daß es neben den Familienmitgliedern eine Köchin, eine Stütze, je eine Kuh- und Saudirn, einen Hausknecht und zwei Unterknechte, einen Schmied und einen „Sagl“ gab. Letzterer hörte auf den Namen Christian Kulterer. Schlafplätze für Knechte und Mägde waren größtenteils in den Ställen oder in irgend welchen Kammern zu suchen, sofern nicht überhaupt Leute Beschäftigung fanden, die in der Nähe eigene Wohnung hatten. Bis 1938 standen allein im Pferdestall drei Strohbetten! Das sogenannte „Obere Haus“ oder „Stachel-Haus“  heute Glaserei Wildhaber, Villacherstraße 18 gehörte einst ebenfalls zum Zeneggenhof, und war mit Mietern besetzt.

Zu den Familien

Michael Kanatschnig (1850-1918) verehelicht mit Anna Wölbitsch (1847-1918), vorerst noch Besitzer beim Marbauer in Rasting, Post Feistritz-Pulst, betrieb schon von dort aus ein bemerkenswertes Holzgeschäft. Nahezu in allen Talschaften des Bezirkes wurde Holz gekauft, geschlägert, behauen oder gespalten. Heere von Holzknechte warteten auf  Anweisungen und Bauern der Gegend auf Fuhraufträge. Hauptsächlich ging es dabei um die Gewinnung von Eisenbahnschwellen. Fixe Kontrakte mit den k.u.k. Staatsbahnen hatten große Mengen davon zum Gegenstand. Darüber hinaus wurde alles an Holzprodukten  geboten, was in Triest – dieses war ja schließlich noch innerhalb der alten Monarchie gelegen – gefragt oder dort anzubringen war. Es verging kaum ein Tag, an dem nicht an irgend einer Bahnstation verladen worden wäre.  Daneben führte man beim Marbauer auch ein Gasthaus. Guten Wein bezog man faßweise direkt aus Riva, Bozen und Görz für eigenen Bedarf und zum Weiterverhandeln. Eine Großleistung, wenn man liest, daß überall in den Wäldern Leute mit Vorschüssen und mit Lebensmittel versorgt sein wollten. Kontakte und Abrechnungen mit den, die Versorgung gewährleistenden örtlichen Kaufleuten und ein intensiver Zahlungsverkehr, dieser noch in Form von Geldbriefen standen auf der Tagesordnung. Dies alles in telefonloser Zeit! Drei Töchter hatte der Kanatschnig, doch keinen Sohn. Eine heiratete in St.Veit (Weiß), die andere nach Feldkirchen (Germann) und auch der dritten werden wir noch als Ehefrau begegnen. – Nur eines fehlte ihm, ein eigenes Sägewerk, dieses würde das Geschäft erst vollkommen machen…

Das war auch der Grund, daß Kanatschnig von Rasting weg und nach St.Veit strebte, wo man gerade den Zeneggenhof feilbot. Von Vitus Wisiak, offensichtlich  einem Spekulanten kaufte ihn Kanatschnig am 1. 7. 1903. Es verwundert, daß zeitgleich von einem Josef Kanatschnig am 10. 6. 1903 die Hube vlg Purkart  in Schaumboden (Grundbuchseinlagezahl 42) um 3.200 Kronen an Dr. Arthur Lemisch verkauft wurde. Da am Grabstein in Dreifaltigkeit Michael seines Vaters Josef gedenkt, dieser sich vlg. Raunegger nannte und nur kurz, nämlich von 1822 bis 1859 lebte, könnte es sich beim vlg. Purkart um einen Bruder des Michael gehandelt haben. War vielleicht noch ein Erbteil auszuzahlen? Noch in der ersten Jahreshälfte 1904 wird Michael Kanatschnig der Aus- und Umbau des Zeneggenhofes, Bürgergasse 5, Parzelle 133, Grundbuchseinlagezahl 178 (alte Hausbezeichnung Villacher Vorstadt 11) von Seiten der Gemeinde bewilligt, um damit sieben Zimmer und drei Küchen neu zu schaffen. Drei Küchen wohl deshalb, weil je eine für die alte und junge Familie, die dritte jedoch fürs Gesinde gedacht war. Es könnte sich dabei um den Westflügel gehandelt haben.

Schon um etwa 1898 kam es zur Eheschließung zwischen Anna Kanatschnig (1875-1942), Tochter des Michael, und Franz Höfferer sen. (1872-1943), Bauer und Sägewerker aus dem Görtschitztal, mit Sägestandort in Hüttenberg. Deren, das Erwachsenenalter erreichenden fünf Kinder kamen zwischen cirka 1899 und 1906 beim Prailinger in der Gemeinde Klein St.Paul zur Welt.  1907 wurde Prailinghof verkauft und vlg. Scheerer in Kitschdorf angekauft. Weil aber die Liegenschaftsgrößen sehr unterschiedlich waren, darf man davon ausgehen, daß das alte Bauernhaus zum Abbruch kam, an dessen Stelle hingegen das heute noch anzutreffende Gebäude, eine Art Herrenhaus, neu errichtet wurde. Erst als Michael Knappitsch 1918 mit 68 Jahren das Zeitliche segnete, zog Franz mit seiner Familie auf den Zeneggenhof in St.Veit.  Von drei Söhnen des Franz heiratete der älteste in einen Bauernhof am Krappfeld ein, während die zwei jüngeren am Zeneggenhof verblieben und dort bald die Geschäftsführung übernahmen.

Am 20. August 1930 ging ein arges Wetter über Schaumboden nieder und der Obermühlbach führte große Wassermengen sowie allerhand Treibgut heran. Durch ein Versehen hat man die Wasserwehr am Obermühlbach nicht rechtzeitig gezogen, was eine gewaltige Verklausung, des weiteren die Überflutung der Straße mit Schäden auf eigenen und fremden Grundstücken  zur Folge hatte. Zum eigenen Schaden kamen fremde Ersatzforderungen, und um solche wenigstens teilweise abzuwehren, mußte man Dr. Kittinger, Rechtsanwalt in Klagenfurt mehrere Jahre gegen hohes Honorar bemühen.

Franz Höfferer jun. (1905-1994) hatte seine Ausbildung an der Handelsschule in Klagenfurt 1921abgeschlossen. In den zunächst wirtschaftlich schwierigen zwanziger Jahren, noch mehr in den politisch zerrissenen Dreißigern konnte er schon mit Fleiß und Geschick zur Hebung des Betriebes beitragen. Der Realbesitz erfuhr nicht nur um St.Veit eine Ausweitung, auch in Zistl/Möderbrugg/Stmk. besaß man einen Säge- und Forstbetrieb. Seit 1938 war Franz Höfferer jun. mit Anna Nußhold (1908-1994) ehelich verbunden.

Leider wurde das Testament von 1943 wenig überdacht und äußerst betriebsfeindlich gestaltet. Franz Höfferer jun., zu diesem Zeitpunkt wohl verheiratet jedoch ohne leibliche Erben, mußte eine fideikommissarische Substitution zu Gunsten ehelicher Nachkommen seines älteren Bruders hinnehmen, obwohl er längst gemeinsam mit dem ehe- und kinderlos gebliebenen Bruder Leo für die Betriebe voll verantwortlich war. Galt Franz als konservativ und Heimatschützler, so war Leo national gesinnt und in die Ereignisse von 1934 verstrickt. Um sich nicht einsperren zu lassen, ging er vorsichtshalber sofort nach Mailand und gab dort einen sehr guten Verkaufsleiter ab. Das anfänglich freundliche Verhältnis zwischen den Regierungen Mussolini und Dollfuß ließ das Italien-Geschäft kurzzeitig boomen. Zwischen Juli und November 1934 stieg die Zahl der Beschäftigten in St.Veit von zehn auf vierzehn. Dann trat Adolf Hitler auf den Plan, nicht nur mit seiner Tausend-Mark-Sperre, auch auf Mussolini muß Hitler gegen Österreich gerichteten Einfluß genommen haben, denn plötzlich benötigte man für die Holzausfuhren nach dem Süden Lizenzen, die von den Italienern immer zögerlicher erteilt wurden………..

Mit der Angliederung Österreichs an Deutschland profitierten kriegswirtschaftlich wichtige Betriebe, darunter auch Sägewerke. Sie wurden rasch mechanisch verbessert und leistungsfähiger gemacht. Am 15.2.1943 meldete man der Organisation Todt, daß die Rundholzzuteilung des Forstjahres 1940/41 für St.Veit mit 16 Beschäftigten 7.800 Festmeter (ein Plus von 170% gegenüber dem Vorjahr!) – für Zistl mit 9 Beschäftigten 5.000 Festmeter Nadelholz betragen hat. Die gleichzeitig prognostizierten Einschnittmöglichkeiten für 1942 wurden vorsichtig mit 4.000 Festmeter (St.Veit) bzw. mit 3.000 Festmeter (Zistel) angegeben. Auch wurde nicht vergessen, darauf hinzuweisen, daß die Rundholzanlieferung mit drei Pferden nur zum Teil sichergestellt erscheint und die Bereitstellung eines Traktors angezeigt wäre… Franz Höfferer mußte nur gegen Schluß hin kurzzeitig zu den Soldaten, denn Betrieb und Landwirtschaft waren in den Augen der damals Verantwortlichen sehr wichtig. Man mußte nur immer frühzeitig um eine sogenannte UK-Bestätigung einkommen. UK steht für „unabkömmlich“. War es vor 1938 Franz, der die nötigen Verbindungen spielen ließ, so konnte während der NS-Zeit Bruder Leo um so besser agieren. 1945 wendete sich das Blatt neuerlich! Franz ist nämlich nie der NS-Partei beigetreten. Es gelang Franz beispielsweise der Erwerb jener Gründe bei Schloß Weyer, die Dr. Arthur Lemisch der St.Veiter Sportjugend für einen Spielplatz zum Geschenk machte und die 1945 im Eigentum des Sportreferates des Landes Kärnten standen. An einen Sportplatzbau war so bald nicht zu denken. Das Land wußte nicht, was es mit den Gründen anfangen sollte und Franz Höfferer griff zu….

Dieser Umstand hat Lemisch-Erben noch nach Jahr und Tag gewurmt. Sie empfahlen Spendensammlern des Turnvereines danach immer wieder, zum Höfferer sammeln zu gehen und nannten diesen einen Kriegsgewinnler.

Der Verlaß nach Franz sen. war vor Kriegsende nicht mehr abzuwickeln, wohl aber bald danach. Es kam zur Gründung einer Handelsgesellschaft unter den zwei Brüdern einerseits und einem Neffen anderseits. Dies ging so lange gut, bis die Auflösung des Gesellschaftsvertrages angestrebt und – nicht ganz unmotiviert – eine vermögensrechtliche Teilung verlangt wurde. Jetzt zeigte sich deutlich, daß das Testament von 1943 eine schwere Hypothek darstellte. Die Vermögensteilung entpuppte sich als ein langer, ein schmerzlicher und kostspieliger Vorgang. Wieder wurden Rechtsanwälte bemüht und wieder waren diese fürstlich zu entlohnen. Mit der Abtretung des Besitzes Zistl bei Möderbrugg – der im übrigen heute noch gut floriert – mit diesem Aderlaß allein war es keineswegs getan, es kostete noch einiges dazu. Bis einschließlich 1982 bilanzierte die OHG noch inklusive Zistl und ab 1983 bereits  o h n e  diesen Besitz. Dabei war die Zusammenarbeit der neu erbauten Säge St.Veit  mit Zistl lange Zeit sehr vorteilhaft gewesen. Anstatt das eigene und das Geld der Banken in notwendige Betriebsverbesserungen investieren zu können, wurde solcherart die St.Veiter Firma empfindlich geschwächt. Überall gab es bereits Schließungen und das Sterben kleiner Sägen einerseits, Konzentration, Rationalisierung bis hin zur Automatisierung inklusive digitaler Meßverfahren anderseits. Was macht man, wenn dann die eigene Kasse schwach oder gar leer ist?  Man wendet sich an die Banken. Wie das mit dem Geld der Banken aber schon so ist, weiß man meist erst hinterer. Schwer ist es oft, die anfallenden hohen Zinsen zu verdienen, noch schwerer fällt das Tilgen der eigentlichen Schulden. So lange das vorhandene Vermögen reichlich Deckung bietet, ist alles eitel Wonne, aber dann…….

Fortune und Tragik, Aufstieg und Fall gehörten immer schon zum Schicksal großer Familien. Heute ist in der Wirtschaft nahezu alles anonym. Wo sind die Ehrenmänner, die für ihr Tun und Lassen noch mit allen Konsequenzen eingestanden sind?  Hier darf daher kein Urteil gesprochen, sondern nur eine Erklärung dafür versucht werden, warum es den Zeneggenhof, so wie er einmal war und wie er dank seiner alten Eigentümer weitum Geltung besaß, nicht mehr gibt. Gewiß ließen sich noch andere Betrachtungen anstellen, doch für Fragen des familiären Glückes ist hier nicht der rechte Platz. Bei aller Wehmut kann man positiv sehen, daß die Geschichte des Zeneggenhofes in Wort, Schrift und Bild fortlebt. Dazu haben nicht wenige ihren Beitrag geleistet. Fürs erste hat der aufmerksame Nachbar, Direktor Karl Anetter, ein fotografisches Tagebuch über die traurigen Wochen des Abbruches angelegt. Zweitens, konnte über verständnisvolle Vermittlung von Herrn Stadtamtsleiter Mag Karl Heinz Müller und unter Mithilfe von Herrn Steinmetzmeister Kropiunik geschichtlich bedeutsames Steinmaterial im Bauhof sicher gelagert werden. Schließlich ist Herrn Harald Petersmann vom EDV-Bauamt der Stadtgemeinde für digitale Fotoaufnahmen sowie deren Archivierung verbindlich zu danken.

Walter Wohlfahrt      in Kärntner Landsmannschaft Heft 6/7 2005

Villacher Vorstadt

August 21, 2011 um 17:49 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Aus Kataster von 1829

„Vom Eise befreit sind Glan und Bäche……“ Wir schreiben das Jahr 1871 und wir unternehmen an Hand der abgebildeten, zeitgleichen Karte einen Osterspaziergang. Das Villacher Tor steht zwar nicht mehr, wohl aber die enge und überbaute Barbakane davor, mit dem „Sporer-Gewölbe“. Schlosser, Kupferschmied sowie ein Lederer sind hier eng beisammen Hausherren Domenig-Gasse. Das Woschitzhaus (Mitte Oktoberplatz – demoliert) mit einer Spenglerei versperrt uns Aussicht und geraden Weg. Wir müssen uns entscheiden, gehen wir rechts der Waage und der ehemaligen Eisentratte zu, oder wenden wir uns nach Süd-Westen. Wir wollen letzteres und müssen zwischen zwei Möglichkeiten wählen, entweder rechts oder links am Bürgerspital vorbei. Rechts hätten wir die obere und neuere, links die untere, die ältere Ausfahrt. Wir bleiben am älteren Weg und stoßen auf das Weberitsch Haus. Der junge Sebastian soll uns führen! Vielleicht begegnen wir mit ihm dem einen oder anderen seiner guten Freunde, den Hantierern? Vater Weberitsch, Vizebürgermeister, Spitalmeister, Kommandant der Trabantengarde usw. betreibt eine gut gehende Backstube. Es duftet dementsprechend aus dem Hause. Hinten im Klostergarten des Mathias Grawein hat sich Freiherr von Wucherer eingemietet, ein berühmter Büchsenmeister, der sich allerdings für feineres Zubehör des Zeugschmiedes Tindl bedient.

Gerade als wir an der Klosterkirche vorbeikommen und links unten den Zeneggenhof erblicken, schlagen im Turm die Osterglocken an. Ihr Klang vereint sich bald mit dem schönen Geläute das von der Stadtpfarrkirche herüber tönt. In diesem Augenblick melden sich die ersten Böller vom Kalvarienberg. Johann Mlinek, Trattentischler (Waag Str.2), Pionier des St.Veiter Hopfenanbaus und Feuerwerker sendet seine unüberhörbaren Grüße. Selbst Wachmann Fenz, der uns ein kurzes Stück das Geleit gibt, wird von festlicher Stimmung erfaßt. Er verabschiedet sich, um die gefahrvolle Schießerei zu inspizieren. Bald sind die letzten Häuser hinter uns. Vorbei am Schwarzfurter Kreuz erreichen wir schließlich den Wendepunkt beim Reidenwirt, dem alten Räubernest des Krapfenbäck Simale. Dort zweigt  die Straße nach Hörzendorf ab und dort werkt auch ein fleißiger Körbler. Die von ihm gepflanzten und genutzten Kopfweiden werden noch über hundert Jahre lang zu sehen sein. Am Rückweg erblicken wir hoch über uns auf grünen Hängen den Pueller-Hof und bald auch schon den zweiten Pulverturm. Genau zwischen demselben und dem Pueller stand der Pulverturm 1, bis er in die Luft flog. Beim Pulverturm 2 gibt es noch ein paar dazugehörige Nebengebäude, sonst aber kein einziges Haus. Es wäre viel zu gefährlich, dort zu wohnen. Dieser gefährliche Patron wird die Ausdehnung der Vorstadt noch lange hemmen.

Die Robitsch-Keusche (demoliert – heute Spar) sowie der Wirt Georg Weitzer ( Gasthaus und Kino Jäger) liegen dem Pulverturm am nächsten und ihre Bewohner sind die Mutigsten.

Ehe wir ab Brückenwirt eine einigermaßen geschlossene Verbauung vorfinden, enbietet uns und seinem jungen Freund Sebastian Meister Johann Tindl (heute Schlecker) im Vorübergehen seinen Gruß. Das Bürgerspital rechts, kommen wir zur Häuserzeile mit dem Gasthaus Zum Mondschein des Jakob Kobalter (Vill.Str.16),  gerade erst von Josef Preschern  abgekauft. Dieses Gasthaus hieß einmal „Zum Bothenwirt“, weil hier die aus Villach und Feldkirchen, aber auch aus Klagenfurt über Pörtschach am Berg gekommen Boten erwartet und gelabt worden sind. Auf engstem Raum folgen jetzt zwei weitere Wirtshäuser, das des Josef Huber (Vill.Str.8) und das Gasthaus „Zum grünen Baum“ von Karl und Therese Egger.

Von den insgesamt 58 Hausnummern der Villacher Vorstadt haben wir nicht einmal halb so viele gesehen. Die größere Zahl liegt in und um die Erlgasse. Doch das ist eine andere Geschichte.                                IV/2005

Eine Bildbeschreibung

Juli 30, 2011 um 20:07 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Gut bekannt und oft wiedergegeben ist eine Ansicht unserer Stadt von Osten her. Diese stammt von Johann Weichard Valvasor und datiert mit 1688. Eher seltener und weniger bekannt ist jene von Joseph Wagner (um 1845) in Farbe gestaltet. Leicht verändert wurde von Wagner lediglich der Bildvordergrund. Anstatt Valvasors Einzelgestalten ist hier ein auf das Klagenfurter Tor zustrebender Reiter, links im Bild ein geschwungener Weg samt einsamen Wanderer zu sehen. Während hier zusätzlich ein Teil des Muraunberges, es ist der Standplatz des Zeichners, den unteren Bildrand füllt, ist am oberen Bildrand vom Kaiserwappen, über „Statt S. Veit“ und Tartsche mit Vitus, dem Stadt-Heiligen alles weggelassen worden.

                                   nach Joseph Wagner, um das Jahr 1845

In künstlerischer Freiheit scheint hier wie dort das Franziskaner Kloster samt Kirche im Bild unterhalb, Kalvarienberg im Bild oberhalb, der Stadt näher gerückt als es der Natur entsprechen würde. Die genannten Komplexe sollten keinesfalls fehlen. Daß dabei der Turm der Klosterkirche wuchtiger erscheint als er es je war, sei nur nebenbei bemerkt. Das kleine massive Bauwerk links vom Kloster soll wohl der Vorgänger des jüngst abgerissenen  Zeneggenhofes sein? Was wird an dieser Stelle demnächst entstehen?

 Sehr schön sind Stadt- und Zwingermauern, soweit solche überhaupt vorhanden waren, auszumachen. Gleiches gilt für die Basteitürme, ein großer oben, wo heute das Hauben-Restaurant „la torre“ Platz findet sowie ein kleiner unten, der nicht mehr besteht. Der Graben ist noch voll Wasser, gespeist vom Obermühlbach und mit Bogenbrücken überspannt. Rechts vom Klagenfurter Tor ist die Zwingermauer kurz mit Zinnen, ansonsten lediglich mit Ziegelbedeckung und mit Schießscharten versehen. Zwei weitere Schalentürme im Verlaufe der Zwingermauer garantierten einst zusätzliche Verteidigungswirkung. Die Stadtmauer dahinter weist keine einheitliche Höhe auf. Rechts vom Osttor liegt der Wehrgang mit seinen Schlitzen für die Bogenschützen höher als links. Nur die jeweiligen Ecken haben mehr Höhe. Soll das hohe Dach mit den zwei Fenstern an der rechten Ecke vielleicht gar die Kirche zu den Zwölf Boten sein? Zwölf Boten steht für zwölf Apostel. Wie wäre es, wenn diese Gasse „Apostelgasse“ hieße. Sie würde uns dann daran erinnern, daß jeder Christ ein Apostel sein soll. Ist der linke Zwingergarten bestenfalls von niederen, unsichtbaren Bewuchs bedeckt, so stehen im rechten bereits ansehnliche Laub- oder Obstbäume.

 Wenn wir durch das Westtor kommend die innere Stadt betreten, stoßen wir direkt an die Kirche der Vierzehn Nothelfer. Diese Kirche wurde 1777 aufgelassen und abgetragen. Bald danach entstand an dieser Stelle das Palais des reichen Eisenhändlers Baron von Koller, die heutige Bezirkshauptmannschaft. Gleich anschließend leuchtet die Westfront der Häuser am Oberen Platz in heller Sonne. Die Fassaden sind zinnenbewährt. Damit jedoch das Regenwasser herausfindet, waren blecherne Wasserspeier vonnöten, wie Sie heute nur noch das Rathaus zeigt. Die dunklen Zinnen, förmlich an die Stadtpfarrkirche anstoßend, verraten, daß auch die Häuser der unteren Platzseite einst Zinnen trugen. Die Stadtpfarrkirche beherrscht eindeutig die  Bildmitte. Das Turmdach entspringt wohl mehr der Phantasie. Gleich daneben ragt der Kegelturm der Burg in den Himmel auf. Vom Friesacher Tor ist gerade noch die Zinnenkrone sichtbar. Im übrigen hatte der Zeichner mit der Perspektive im allgemeinen und mit den Häuserreihen im besonderen so seine liebe Not. Stimmig ist dort gar nichts. Auch das grüne Hinterland ist sehr unwirklich angeordnet. Der stark nach rechts verschobene Kalvarienberg stoßt direkt an den Vitusgraben, gerade so, als wäre keine Welt dazwischen. Am ehesten kann man noch den steil nach Zensweg, am Schweighof (heute Marienhof) vorbeiführenden Weg gelten lassen. Die Höhen dahinter sind willkürlich angeordnet. Das mit zwei Stockwerken die Stadt überragende Gebäude am Eingang des Vitusgrabens ist schwer zu bestimmen.

Noch ein Wort  zur Kalvarienbergkirche. Der kleine Sakralbau stammt aus 1658 und war, bei Entstehung des Kupferstiches gerade dreißig Jahre alt. Trotzdem erscheint der Dachreiter auf der falschen, der entgegengesetzten Seite. Von einem Kreuzweg ist um diese Zeit gleichfalls noch nichts zu bemerken. Der Kreuzweg wird vielleicht einmal eine neue Geschichte.    

Walter Wohlfahrt in „Zentrum Kärnten“   IV/2007

Der Heilige Johann von Nepomuk

Juni 8, 2011 um 18:02 | Veröffentlicht in St.Veit | 1 Kommentar
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 Statue des Hl. Johannes von Nepomuk am Schillerplatz (Foto W.Wohlfahrt)

                              detto auf Glanbrücke in Glandorf (Foto W.Wohlfahrt)

               detto in der Klosterkirche (Foto Walter Wohlfahrt)

Drei Tage war der Vater krank. Jetzt trinkt er wieder – Gott sei Dank! Dieser Gassenhauer paßt irgendwie zu einem stadtbekannten Heiligen, dem lieben Nepomuk am Schillerplatz.

Nur war er nicht krank, eher pflegebedürftig, und immerhin für drei Tage verschollen! Große Aufregung auf Seiten der zugehörigen Hausfrau, Anzeige wegen gewaltsamer Entführung, Gendarmerie-Einsatz (einer der letzten dieser altehrwürdigen Institution, ehe sie zur „Polizei“ mutierte) mit Nachsuche, folgender Aufklärung, Entschuldigungen und vertraglicher Absprache unter allen Beteiligten.

Nach Monaten ist der Lieblingsheilige der Habsburger wieder an Ort und Stelle, schöner denn je, eine wahre Augenweide! Daher noch einmal, Gott, dem Restaurator, Frau Dr. Edelsbrunner  und der Stadtregierung sei Lob und Dank. Zugleich mit Nepomuk am Schillerplatz erstrahlt auch der Namensvetter an der alten Glanbrücke in Glandorf in neuer Pracht und Herrlichkeit. Da nun aber diese beiden Nepomuk Statuen aus der 1. Hälfte des 18. Jh. hier nicht die einzigen sind – so kommt z.B. noch eine in der Klosterkirche und eine vierte in der kleinen Filiale St.Andrä am Kollerhof dazu – mag es angebracht sein, einige Anmerkungen zum Thema zu machen und die Frage zu stellen, warum gerade in und um St.Veit der Heilige Johannes von Nepomuk so auffällig oft vorkommt? Hängt das nicht damit zusammen, daß während der Reformationszeit die Lutheraner in der Stadt und auch innerhalb des städtischen Rates stark vertreten waren? Oder kommt es daher, daß die harte Hand von Bischof Martin Brenner aus Seckau mit seinen 300 Bewaffneten im Jahre 1600 in St.Veit  wohl äußerlich Erfolg zeigte, die Herzen der Menschen aber wenig zu bestimmen vermochte. Erinnern wir uns, daß die neue Lehre die sogenannte Ohrenbeichte strikt ablehnte und es die katholische Amtskirche trotz sanften Druckes und Einführung des Beichtzettels  sehr schwer hatte, die alte Ordnung, wozu auch die Osterbeichte gehörte, wieder herzustellen. Da entsann man sich des Martyriums jenes Generalvikars von Prag, namens Johannes, der in Pomuk bei Pilsen geboren, im Jahre 1393, also 300 Jahre früher, von der Karlsbrücke in die Moldau gestoßen worden ist, nur weil er sich mit König Wenzel überworfen und das Beichtgeheimnis der Königin nicht preisgegeben hatte. Es kam also 1719 zur Graböffnung und siehe da, die Zunge des Generalvikars war gänzlich unverwest! Bald darauf wurde der Heiligsprechungsprozeß eingeleitet und dieser vornehmlich von Jesuiten getragen, welche 1723 auch in St.Veit eine große Stadt-Mission hielten. Ein diesbezügliches Gemälde kann man in der Stadtpfarrkirche beim Aufgang zur Orgel bewundern. Schon 1729 kam es zur Heiligsprechung und seither gibt es den Brückenheiligen. Nepomuk steht auf der Bruck, lautet der volkstümliche Merkspruch. Der junge Heilige wurde bei allgemeiner Wassernot gerne angerufen und gilt als Patron der Beichtväter, weil er für Ehrlichkeit und Verschwiegenheit steht.

Genau datiert ist lediglich die Statue der Klosterkirche: „1754 von P. Zacharias Stroitmann gestiftet“. Die Plastik am Schillerplatz wird J.G. Hittinger zugeschrieben und vom gelehrten Karl Ginhart nur allgemein in die 1. Hälfte des 18. Jh. gestellt. Auf Grund der auffälligen Ähnlichkeiten in Größe, Erscheinung und Ausdruck wird das eben Gesagte wohl auch auf den Heiligen Nepomuk in Glandorf zutreffen. (Siehe Fotos!)

Sind die ersten drei Heiligenstatuen immer auf ihrem angestammten Platz geblieben, so darf man von jener am Schillerplatz durchaus sagen, daß es sich dabei um einen Wanderheiligen handelt. Dies nicht nur wegen seiner jüngsten Reise zur Restaurierung ins Gailtal. Das würde ja für den „Glandorfer“ auch gelten. Nein, über die Wanderschaft des Hl. Nepomuk innerhalb der Stadt und die näheren Umstände gäbe es noch viel mehr zu erzählen, doch das ist eine längere Geschichte………                                        

Walter Wohlfahrt in „Zentrum Kärnten“   VIII/2005

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