Eine Bildbeschreibung

Juli 30, 2011 um 20:07 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Gut bekannt und oft wiedergegeben ist eine Ansicht unserer Stadt von Osten her. Diese stammt von Johann Weichard Valvasor und datiert mit 1688. Eher seltener und weniger bekannt ist jene von Joseph Wagner (um 1845) in Farbe gestaltet. Leicht verändert wurde von Wagner lediglich der Bildvordergrund. Anstatt Valvasors Einzelgestalten ist hier ein auf das Klagenfurter Tor zustrebender Reiter, links im Bild ein geschwungener Weg samt einsamen Wanderer zu sehen. Während hier zusätzlich ein Teil des Muraunberges, es ist der Standplatz des Zeichners, den unteren Bildrand füllt, ist am oberen Bildrand vom Kaiserwappen, über „Statt S. Veit“ und Tartsche mit Vitus, dem Stadt-Heiligen alles weggelassen worden.

                                   nach Joseph Wagner, um das Jahr 1845

In künstlerischer Freiheit scheint hier wie dort das Franziskaner Kloster samt Kirche im Bild unterhalb, Kalvarienberg im Bild oberhalb, der Stadt näher gerückt als es der Natur entsprechen würde. Die genannten Komplexe sollten keinesfalls fehlen. Daß dabei der Turm der Klosterkirche wuchtiger erscheint als er es je war, sei nur nebenbei bemerkt. Das kleine massive Bauwerk links vom Kloster soll wohl der Vorgänger des jüngst abgerissenen  Zeneggenhofes sein? Was wird an dieser Stelle demnächst entstehen?

 Sehr schön sind Stadt- und Zwingermauern, soweit solche überhaupt vorhanden waren, auszumachen. Gleiches gilt für die Basteitürme, ein großer oben, wo heute das Hauben-Restaurant „la torre“ Platz findet sowie ein kleiner unten, der nicht mehr besteht. Der Graben ist noch voll Wasser, gespeist vom Obermühlbach und mit Bogenbrücken überspannt. Rechts vom Klagenfurter Tor ist die Zwingermauer kurz mit Zinnen, ansonsten lediglich mit Ziegelbedeckung und mit Schießscharten versehen. Zwei weitere Schalentürme im Verlaufe der Zwingermauer garantierten einst zusätzliche Verteidigungswirkung. Die Stadtmauer dahinter weist keine einheitliche Höhe auf. Rechts vom Osttor liegt der Wehrgang mit seinen Schlitzen für die Bogenschützen höher als links. Nur die jeweiligen Ecken haben mehr Höhe. Soll das hohe Dach mit den zwei Fenstern an der rechten Ecke vielleicht gar die Kirche zu den Zwölf Boten sein? Zwölf Boten steht für zwölf Apostel. Wie wäre es, wenn diese Gasse „Apostelgasse“ hieße. Sie würde uns dann daran erinnern, daß jeder Christ ein Apostel sein soll. Ist der linke Zwingergarten bestenfalls von niederen, unsichtbaren Bewuchs bedeckt, so stehen im rechten bereits ansehnliche Laub- oder Obstbäume.

 Wenn wir durch das Westtor kommend die innere Stadt betreten, stoßen wir direkt an die Kirche der Vierzehn Nothelfer. Diese Kirche wurde 1777 aufgelassen und abgetragen. Bald danach entstand an dieser Stelle das Palais des reichen Eisenhändlers Baron von Koller, die heutige Bezirkshauptmannschaft. Gleich anschließend leuchtet die Westfront der Häuser am Oberen Platz in heller Sonne. Die Fassaden sind zinnenbewährt. Damit jedoch das Regenwasser herausfindet, waren blecherne Wasserspeier vonnöten, wie Sie heute nur noch das Rathaus zeigt. Die dunklen Zinnen, förmlich an die Stadtpfarrkirche anstoßend, verraten, daß auch die Häuser der unteren Platzseite einst Zinnen trugen. Die Stadtpfarrkirche beherrscht eindeutig die  Bildmitte. Das Turmdach entspringt wohl mehr der Phantasie. Gleich daneben ragt der Kegelturm der Burg in den Himmel auf. Vom Friesacher Tor ist gerade noch die Zinnenkrone sichtbar. Im übrigen hatte der Zeichner mit der Perspektive im allgemeinen und mit den Häuserreihen im besonderen so seine liebe Not. Stimmig ist dort gar nichts. Auch das grüne Hinterland ist sehr unwirklich angeordnet. Der stark nach rechts verschobene Kalvarienberg stoßt direkt an den Vitusgraben, gerade so, als wäre keine Welt dazwischen. Am ehesten kann man noch den steil nach Zensweg, am Schweighof (heute Marienhof) vorbeiführenden Weg gelten lassen. Die Höhen dahinter sind willkürlich angeordnet. Das mit zwei Stockwerken die Stadt überragende Gebäude am Eingang des Vitusgrabens ist schwer zu bestimmen.

Noch ein Wort  zur Kalvarienbergkirche. Der kleine Sakralbau stammt aus 1658 und war, bei Entstehung des Kupferstiches gerade dreißig Jahre alt. Trotzdem erscheint der Dachreiter auf der falschen, der entgegengesetzten Seite. Von einem Kreuzweg ist um diese Zeit gleichfalls noch nichts zu bemerken. Der Kreuzweg wird vielleicht einmal eine neue Geschichte.    

Walter Wohlfahrt in „Zentrum Kärnten“   IV/2007

Klagenfurter Vorstadt

Februar 20, 2011 um 13:55 | Veröffentlicht in St.Veit | Kommentare deaktiviert für Klagenfurter Vorstadt
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Aus Katasterplan von 1828Ausschnitt Kataster 1828 - Klagenfurter Vorstadt incl. Änderungen bis ca. 1875

Nun schließt sich der Kreis unserer Spaziergänge durch die alten Vorstädte und die letzte Runde beginnt zwischen den Häusern Herzog Bernhard Platz 10 und 11, wo sich bis 1851 stolz das Klagenfurter Tor erhob. Man nannte die Gegend auch „das St. Johanner Ort“ in Anspielung auf die ehemalige Kirche St. Johann im Erlach, oder auch einfach die „Untere Vorstadt“. Schon 1828, bei Vergabe der Parzellennummern, zeigte sich entlang der heutigen Klagenfurter Straße eine fast geschlossene Verbauung, zumindest bis hinunter, wo laut Karte die damals neu geschaffene Verbindungsstraße zum Güterbahnhof abzweigt.

Wir folgen der Klagenfurterstraße rechtsseitig, müssen aber zuvor noch berücksichtigen, daß es auch abseits davon Häuser gab, die unter Klagenfurter Vorstadt liefen. So etwa hinten am ehemaligen „Gütersteig“ – heute Prinzhoferstraße – der Meiereihof des Egydius Kaiser. Heute ist dort der Parkplatz des Spar-Kaufhauses. Der von Dr. Weberitsch (Seite 84f) hochgerühmte Wagnermeister und Fahrrad-Erfinder Erhart Kremser hatte im Hause 36 gegen den Gütersteig hin seine Wirkungsstätte. Alle übrigen Häuser stimmen mit der heutigen Situation voll überein. Es sind dies die geraden Hausnummern von 20 bis 38. Der Vorgängerbau des Prinzhofer-Hauses gehörte einem gewissen Gustav Ruprecht, ein alter St.Veiter Name.  Die Häuser Dörer, Marschnig und Schorn waren in einer Hand und zwar in der von Thomas Leschanz. Das Haus knapp unterhalb des Bahnkörpers (Wabnegger) ist ebenfalls alt. Eine weitere Keusche, der Bürgergilt gehörig, ist nicht mehr auffindig. Mit dem Besitz des bekannten St.Veiter Industriellen, Franz Puntschart, erreichen wir nicht nur die alte Stadtgrenze, sondern auch unseren Wendepunkt. Puntschart besaß beiderseits der Straße vier Hausnummern, nämlich Mühle, Bleiweißfabrik, Wohnhaus und Schwerspatmühle am Bächlein, welches vom Muraunberg herunter kommt. Er war ein herzensguter Mensch, borgte jedem, der ihn darum bat und endete als armer Mann. Etwas abseits wiederum, wohl irgendwo an der Glan, gab es die Brettersäge der Antonia Kronawitter, die Schleifmühle des Anton Bischof und vor allem die alte, schon stillgelegte Papiermühle mit bereits teilweise abgetragenen Anlagen. Das in seiner Gründung auf die Familie Gleismüller zurückzuführende Werk an der Glan befand sich damals vorübergehend im Besitz der Hüttenberger Eisenwerks AG (1869 bis 1881).

Sehr interessant wird es laut Plan von 1871 auf Höhe der späteren Lastenstraße. Zuvor nichts als freie Felder und das isoliert stehende Haus des Simon Polzer, später Mardaunig. Nichts zu sehen noch vom Steinmetz Della Schiava (heute Bulfon)! Ungefähr an Stelle des ausgebombten Arbeiterheimes (heute ein Wohnblock) lag der uralte „Turtltaub Meierhof“. Als tragischerweise das Besitzerehepaar in jungen Jahren verstarb und mehrere unmündige Kinder zurückließ, die man auf entfernte Verwandte aufteilte, war der Hof mit ausgedehnten Feldern und Wiesen nicht länger zu halten. Die Bürgerschaft ersteigerte den Besitz und machte daraus den „Gülten Meierhof“. Die Fortsetzung der Häuser mit ungeraden Nummern, diesmal verkehrt herum von 33 bis 21 und der Stadt zu, zeigt gegenüber heute ebenfalls nicht viel Veränderungen, nur der Gasthof  Voraberger, Vorstadt Nr. 38,  besteht leider nicht mehr. Die Bedeutung der Klagenfurter Vorstadt war einmal groß. Bierbrauer, Gasthäuser und Handwerker schätzten die günstige Lage, schon lange bevor es die Eisenbahn mit Schnellzugsbahnhof in Glandorf gab und danach erst recht. Die Straße nach Klagenfurt einerseits und die diversen Betriebsamkeiten an der Glan anderseits, sorgten schon früh für wirtschaftliche Belebung. Die Bahnanbindung und der nahe Güterbahnhof brachten dann auch noch so manchen Glantaler von Süden her in die Stadt. Die Motorisierung war für so lange ein Segen, bis man die Umfahrungsstraße baute. Den heutigen Verkehr auf der alten Straße zu haben, wäre inzwischen allerdings weder vorstellbar noch wirklich wünschenswert.  VII/2005

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