Die große Kasern – heute Feuerwehr

April 7, 2012 um 15:38 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Blick durch das Feuerwehr-Tor in der Stadtmauer auf „Große Kasern“

Die leidvollen Erfahrungen Maria Theresias in den Kriegen mit Preußen, wo es um Schlesien ging, haben dazu geführt, daß auch das österreichische Kaiserreich daran dachte, ein stehendes Heer zu unterhalten. Dies bedeutete allerdings, überall in der großen Doppelmonarchie Kasernen zu haben. Auch die Kammerstadt St.Veit errichtete selbstverständlich eine solche Mannschaftsunterkunft und bekam so den Charakter einer Garnisonsstadt. Während aber das Steuerbuch von 1753 (K.L.Arch.) –  es zählt alle Häuser auf, die Miete abwarfen – im sogenannten Botenviertel, das sind die Häuser Unterer Platz Ostseite bis zur unteren Stadtmauer, einer Kaserne keinerlei Erwähnung tut, hört man 1775 vom Haus Nr. 72, ausdrücklich „Stadtgebäu“ und „Große Kasern“ genannt. In welchem Jahr der stattliche Bau, in dem sich heute die Floriani-Jünger heimisch fühlen, wirklich entstand, ist vorläufig nicht genau zu sagen, vielleicht um 1760 herum? Von da an häufen sich die Erwähnungen bei Vertragsabschlüssen, wie „grenzt an die Städtische Kasern“ Im weiteren Verlauf kommt es sogar dazu, daß die Schulhaus-Gasse zur Kasern-Gasse (heute Herzog Bernhard Platz) mutiert.

1835 werden noch beide Staßen-Bezeichnung neben einander verwendet! Seit 1775 wurden von der Stadtpfarre sogar eigene Matriken, d.h. Tauf- , Trauungs- und Sterbebücher nur für Militärs geführt.

 Nun muß man erwähnen, daß es schon seit 1748 ein sogenanntes Militär-Reglement gegeben hat, dessen § 14 beispielsweise vorsah, was ein privater  den k.k. Militärs zu leisten verpflichtet war: eine Liegerstatt mit Strohsack und gleichem Polster, eine Kotze als Decke und im Winter noch eine weitere als Unterlag, Ober- und Unterleintuch monatlich zu wechseln, dazu kam noch gemeinschaftliches Holz und Licht (Kerzen!), sowie die Mitbenützung des Kochherdes. Wenn auch dafür als Schlafgeld der sogenannte Schlafkreuzer pro Mann und Nacht gebührte, so war das doch eine schwere Last für alle Hausherren in der Stadt und ihr Wunsch sehr verständlich, statt dessen baldigst eine eigene Kaserne zu haben.

 Weil aber auch fix stationierte Truppen von Zeit zu Zeit in neue Quartiere zu verlegen waren – sie sollten ja keinesfalls das tage- und stundenlange Marschieren verlernen – so benötigte man neben den Kasernen immer noch sogenannte Marsch-Stationen. Daher war etwa im November 1831, also schon zu Freidenszeit, ein Batallion je sechs Kompanien bzw. 1200 Mann von Bruck bis Klagenfurt über die Marsch-Stationen Leoben, Knittelfeld, Judenburg, Unzmarkt, Neumarkt, Friesach, St.Veit inclusive dreier Rasttage sage und schreibe elf Tage unterwegs. Truppenverlegungen waren an der Tagesordnung und Durchmärsche wenig beliebt. Am 28. Mai 1832 richtet der Magistrat ein ergebenstes Ansuchen an das hohe Präsidium in Laibach, man möge die schon seit 8. September in der Stadt liegende 1. Escadron vom k.k. Erzherzog Joseph Husaren Regiment Nr. 2, bestehend aus ungefähr 160 Mann vom Wachtmeister abwärts „bei dem selbst jetzt noch immer fortwährenden Wechsel der Zeitverhältnisse bald dislocieren (weiterschaffen), weil St.Veit hinsichtlich seiner Lage als eine Hauptmarschstation nach hierortigen unvorgreiflichen Ermessen (sehr devot!)…….nicht lange (mehr) mit einer Garnison belegt bleiben könne.“ Wenn auch zwischen durchziehenden, wenige Tage rastenden und in Garnison liegenden Truppen, welche oft Monate in der Stadt weilten, unterschieden werden muß, so blieb die Beschwernis der Bürger doch meist die gleiche. Erfreulich hingegen wurde es empfunden, als anläßlich des Stadtbrandes von 1829 die Husaren der Garnison tatkräftigst der bedrängten Stadtbevölkerung zu Hilfe eilten und dafür höchste Anerkennungen und Ehren ausgesprochen bekamen. 44 Jahre vor Gründung unserer Freiwilligen Feuerwehr kamen die Helfer, wenn auch im Soldatenrock, also schon aus diesem Gebäude.                      III/2006

 

 

 

 

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Wo war des Scharfrichters Haus wirklich?

Juli 30, 2011 um 19:48 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Es ist bekannt, daß der kaiserliche Scharfrichter unbeschadet der Tatsache, daß Klagenfurt St.Veit den Rang als Kärntens Hauptstadt schon seit langem abgenommen gehabt hatte, noch immer von der einstigen Herzogsstadt aus, seinen Dienst versah. Im Jahre 1809, gerade während die Franzosen durchmarschierten, verstarb in seiner Behausung in St.Veit der Scharfrichter Martin JAKOB. Sein Sohn Josef, um 1797 in St.Veit geboren, hielt sich 1823 in Laibach, vermutlich bei einem Onkel namens Anton JAKOB, Scharfrichter ebendort, auf und wurde der Kurpfuscherei bezichtigt. In einem Protokoll von 1829 gab er neben dem Nationale auch an, seine Mutter würde noch in St.Veit leben, wo genau, wird nicht gesagt.

Der Magistrat St.Veit antwortet jedenfalls auf eine diesbezügliche Anfrage aus Laibach, wo jetzt schon die für Kärnten zuständige, von Napoleons Gnaden eingesetzte, von den siegreichen Habsburgern aber beibehaltene Landesverwaltung bis 1848 ihren Sitz hatte –

„Ja, über den Josef JAKOB gab es nie Beschwerden, er war hier sogar sehr geschätzt und ist nie wegen Kurpfuscherei aufgefallen……. St.Veit, am 6.3.1823.“

Wenn man die wenigen Notizen richtig interpretiert, war schon 1814 die Rede von einer „Übersetzung“ d.h. Verlegung des Scharfrichter Amtes nach Laibach. Es waren jedenfalls dorthin die Bedingungen des Dienstverhältnisses, von 1809 bis etwa 1813 auf den noch sehr jungen Sohn Josef bezogen, wie folgt zu melden: „Freie Wohnung im Scharfrichterhaus des Ärar (= im Staatsbesitz), 400 Gulden fixe Besoldung nebst Teuerungszuschuß“. Vielleicht hat der vaterlos gewordene Josef schon gespürt, daß er voraussichtlich nur noch in Laibach mit weiterer Ausübung seines Berufes rechnen und bis dahin bei seinem Onkel, ebenfalls Scharfrichter, mitwirken kann. Die Anschwärzung wegen Kurpfuscherei zielte vielleicht auf seine möglichen Chancen in Laibach ab?

Ebenfalls 1814 kommt es zur Klärung zwischen Stadt und Ärar hinsichtlich der Eigentumsrechte. Nicht die Stadt, der Staat besitzt das Haus und damit dies ein für allemal klar sei, wird eine Aufsandungsurkunde verfaßt und das Anwesen in die ärarische Landtafel eingetragen. Die dabei obligate Grenzbeschreibung sagt aus, daß an einer Seite des Simon Grabuschnig Haus, an anderer das Haus des Hans Leitgeb und nach hinten das Haus des Johann Pippenbacher liegt.

1820 ist von einer Vermietung für sechs Monate die Rede. Daß ein staatliches Interesse an diesem Hause aber nicht mehr gegeben ist, geht daraus hervor, daß am 8.4.1820 die Schätzleute Valentin Radweger, Maurermeister und Johann Baumgärtl, Zimmermeister eine Schätzung und Liegenschaftsbeschreibung zwecks öffentlicher Feilbietung vornehmen. Das Gutachten hat folgenden Wortlaut:

Das in der Stadt hier, hinter der Kasern im 12 Boten Gassl sub No 60 befindliche ärarial Scharfrichterhaus ist gemauert, mit Schindel eingedeckt, besteht aus einem Stockwerk und enthält im Erdgeschoß einen gewölbten Keller, eine gewölbte Vorlaube, ein gewölbtes Zimmer ohne Ofen, zwei Holzgewölbe, einen kleinen Hof und in demselben eine gewölbte Stallung auf zwei Kühe oder Pferde, im Stockwerk einen gewölbten Vorsaal, zwei mittelmäßige Zimmer, eines mit Stukkatur das andere mit Sturzboden, zwei Kammern, zwei gewölbte Küchen und ein Speisgewölb (Vorratsspeis) welches Stockwerk mit Estrich überschlagen ist. Das Mauerwerk befindet sich meistenteils in gutem, das Dach im mittelmäßigen Zustande. Weil das Haus nicht von neuerer Bauart, auch klein und an einem abgelegenen Posten ist wird der Wert mit 280 Gulden angesetzt.

Noch im November desselben Jahres wird die gedruckte Kurrende vom 26.10. kundgemacht.

Soweit alles aus Landesarchiv für Kärnten, Bestand Stadt St.Veit, Faszikel 27 bis 29.

               III/2007

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