Alois Alberer (1922-2011)

September 2, 2014 um 21:36 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
Schlagwörter: , , , , , , , , , ,

Wikipedia und das Internet weiß über den einstigen, in seinem wahrsten Sinne  Volksvertreter (Kärntner Landtag 1965-70 – Bundesrat 1970-72 – Nationalrat 1972-79) einiges auszusagen, nichts aber über die Anfänge, die ihn mehr als alles spätere prägten:

Die Edenbäurin in Hart bei St. Martin suchte einen Halter für ihre zwei Kühe, da meinte die Nachbarin, sie wisse wohl wen, das Loisale vom Alberer in Schwambach. „Na“, entgegnete die Bäuerin, „a Diandle nimm i nit.“

Der Irrtum war leicht geklärt und bald danach ging das Loisale, das in Wirklichkeit ein junger strammer Alois war, mit ziemlichem Widerwillen an der Hand seiner Mutter in Richtung Hart (Gemeinde St. Martin). Dort winkte eine „leitende Stellung“ vom Sommer bis in den Spätherbst. Irgendwie musste der Zehnjährige mitbekommen haben, dies alles sei nur Mutters Idee, obwohl ihn auch der Vater schon mitunter ganz gut gebrauchen konnte. Loisl´s Mutter hingegen dachte anders und etwas weiter. Der neue Platz wird für den Buben ein guter sein, das wusste sie im voraus und dass etwas fremde Luft um die  Nase ihm nicht schaden kann, das wusste sie auch. Doch Alois spürte im Laufe des langen Weges  das verachtete Ziel unerbittlich näher kommen und als all seine vorgebrachten Bedenken absolut ohne Gehör blieben, legte er sich einfach am Wegrand ins Gras und rührte sich nicht mehr. Da kannte die Mutter keinen Spaß, sie holte vom nächsten Birken-Strauch ein paar Gerten um damit ihrem Alois wieder auf die Beine zu helfen.

In Hart war der Handel rasch geschlossen, doch ehe sich die Mutter zurückziehen konnte, prophezeite Alois,  jetzt keinesfalls mehr heim zu kommen, egal was der Vater sagen würde. Der erste Tag verging mit guten Einweisungen und noch besseren Mahlzeiten. Im neuen Bett liegend und kurz vor dem Einschlafen, klopfte es ans Fenster. Es war noch einmal die Mutter. Sie sollte den gegen Vaters Willen verdingten Buben stante  pedes wieder heimholen. Doch Alois blieb hart, zweifach hart, einmal gegen sich selbst und einmal gegen Vater und Mutter. Die erste Saison wurde dann desto leichter durchgestanden, als die Bäuerin eine äußerst gütige Frau und ihre Küche über alle Maßen lobenswert war.  Da wurden Sachen geboten, die es daheim kaum gegeben hat. Im November – das neue Schuljahr begann damals nicht früher – beim Abschied von der mütterlichen Edenbäuerin, hatte Alois seine Vertragsverlängerung für weitere drei  Jahre quasi in der Tasche, dieses Mal mit seinem vollen Einverständnis. Er hatte sich als gelehriger Helfer erwiesen, der das ihm anvertraute Vieh sorgsam hütete. Wie oft war zu hören, dass ein Rind verloren ging, weil es sich anblähte. Ein kurzer gieriger „Fress-Besuch“ in einer nahen Klee-Brache genügte und die kleinste Unachtsamkeit hatte schwerste Folgen, nicht so beim Loisl!

Die drei letzten Volksschuljahre blieb Alois sogar für fix in Hart, besuchte von dort aus regelmäßig die Schule in St. Martin und seine Ersatzmutter sorgte dafür, dass noch vor allen Berufspflichten, regelmäßig die Hausaufgaben erledigt waren. Ja, sie drang sogar darauf – die Talente des jungen Menschen erkennend – dass er nur Einser heim brachte. Dafür gab es immer reichlich Schuljause, dass er davon sogar regelmäßig seinen Geschwistern abgeben konnte, die er in der Schule traf. Ein besonderer Dienst bestand für Alois darin, den wöchentlichen, an Samstagen gepflegten Rosenkranz gut und laut für alle Hausbewohner vorzubeten, wobei kleine Bosheiten nicht ausgeschlossen waren. Ergab es sich nämlich, dass der ältere Sohn des Hauses, sein Spezi,  für den gleichen Abend noch etwas vor hatte und sich dazu unbemerkt davon machen wollte, dann war es hilfreich, das letzte „Amen“ durch allerlei Hinzufügungen möglichst lange hinaus zu zögen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

 

Im Oktober jährt sich der Todestag zum dritten Male. Darum sei ihm dieses kleine Gedenken gewidmet. Er war stets ein angenehmer und verständnisvoller Gesellschafter, ein wunderbarer Erzähler und kritischer Beobachter des Zeitgeschehens, ob lokal oder international. Seine Erscheinung prägte für Jahrzehnte das Stadtbild. Gewisse Lokale besuchte er nahezu täglich. Mir war das Glück gegeben, gelegentlich zu seinen Stammtischen zugelassen zu werden. Deshalb kann ich sagen, was ihn besonders ausgezeichnet hat. Hilfsbereitschaft gegenüber jedermann, Familiensinn weit hinein in die große Verwandtschaft, das waren seine Markenzeichen. Bis zuletzt und gar nicht selten durfte ich Zeuge so mancher Anhänglichkeits- und Dankesbezeugung ihm gegenüber sein. Einmal vor ihm die Tischzeche zu übernehmen, war ohne Tricks nicht möglich. Lerneifer, Verständnis für Mitmenschen, Bereitschaft zu helfen, in Summe, seine politische Begabung leuchten durch alle seine Erzählungen, ob über die Feldkirchner Zeit als Bäckergehilfe, ob über das Zahnziehen im Barmherzigen Spital, ob als Hilfsarbeiter oder Marine Soldat. Ein kleines Büchlein wäre damit leicht zu füllen. Der passende Titel könnte lauten: „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut“

Weitensfelder Vorstadt

September 12, 2011 um 17:27 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , ,

Kataster 1828 Ausschnitt

 

Dieses Viertel mit seinen 23 Häusern war um 1878 gegen die Nachbarvorstädte hin sehr willkürlich abgegrenzt. Haus Grabenstraße Nr.22 (Rainer) z.B. lief unter Friesacher Vorstadt und zur Villacher Vorstadt zählten Erlgasse und Lindengasse. Weitensfelder Vorstadt Nr.1 galt für das Haus in der Spitalgasse  v o r  Nagele. Es hieß Dr. Prettner Haus, nach dem St.Veiter Bürgermeister und Eigentümer von Schloss Rosenbichl bei Pulst, Franz Prettner. Gleich anschließend kommen die Gasthöfe Nagele und Rothman-Schauer, wo Generationen von Schaumbodner, Dreifaltigkeiter und Steinbichler einkehrten. Jetzt zweigt die Straße nach Zensweg ab. Zu rechter Hand liegt das uralte Gurker Stöckl samt Wirtschaftsgebäude. Als noch in St.Veit der Kärntner Landtag zusammentrat, benötigte nämlich der Gurker Domprobst als Mitglied der „Landschaft“ für die Dauer der Sessionen eine eigene Unterkunft. Dem Gurker Stöckl gegenüber hauste 1875 Johann Gotscheber. Sein Name sagt nichts anderes, als dass er oder einer seiner Ahnen aus der deutschen Sprachinsel Gottschee, im heutigen Slowenien, zugezogen war. Als Hausname diente lange „Zündhölzlfabrik“. Es wurden dort tatsächlich Streichhölzer erzeugt, bis sie die überlegenen „Schweden-Hölzer“, also Sicherheitszünder vom Markt verdrängten. An der Einmündung der Lindengasse steht heute die Schubernig Villa. Sie gehörte vor 125 Jahren der Handelsgesellschaft Brüder Ledl, welche ihre Verkaufsgewölbe unten in der Stadt (Wurmitzer-Schöffmann) hatte.

 Der große Komplex des „Kronprinz Rudolf Spitals“ ist am Plan im ursprünglichen Umfange gut erkennbar. Darunter am Bach ebenso die Mühle Tschernig  (Kartnig). Das Anwesen war einst den Jesuiten in Klagenfurt, zuletzt nach Leonstein untertan. Der Obermühlbach, schon immer für den Antrieb von Lederstampfen, Hammerwerken und dergleichen höchst bedeutsam, trieb damals mindestens noch zwei weitere Mühlen an, nämlich die Obere –  und die Untere Tappermühle (Matzenberger).

 Geheimnisvolles rankt sich um die Baufläche 188 „Borghi-Stöckl“ und „Lazarett“ genannt. Es wird berichtet, der erste Borghi sei als einfacher Maurergeselle nach St.Veit gekommen und hätte den Auftrag gehabt, in dem steinalten Gemäuer (Findenig-Haus) einen Kachelofen abzutragen. Bei dieser Arbeit fiel ihm ein im Ofen versteckter Münzschatz in die Hände. Es gelang ihm, diesen Fund unbemerkt an sich zu nehmen und bald danach wieder ins Venezianische heim zu reisen. Bei gutem Wind kam er wieder und kaufte sich das ganze Haus. Der schmucklose Zubau, Lazarett genannt, beherbergte im 18. Jhdt.  neben österreichischen Soldaten, auch preußische Kriegsgefangene. St.Veit war bekanntlich Garnisonsstadt. Das Sterbebuch der Stadtpfarre belegt, dass gar mancher brave Grenadier nicht mehr genesen konnte und im Lazarett, fern seiner schlesischen Heimat zu Tode kam.

 Vor dem Anstieg zur Vitusquelle sollte man den vom Verschönerungsverein unter Obmann Friedrich Knaus vor mehr als hundert Jahren geschaffenen, vom Stadtgartenamt stets liebevoll betreuten Vituspark auf sich wirken lassen. Am Rückweg empfiehlt sich ein Blick ins alte Badhaus, heute Taverne Santorini . Da konnten, dank einer wohltätigen Stiftung des Freiherrn Koller, die St.Veiter in der alten Zeit günstig zu einer Körperwäsche kommen. Zur Zeit locken Weine und Spezialitäten aus dem schönen Griechenland ins Haus.                                             V/2005

 

Erstelle kostenlos eine Website oder ein Blog auf WordPress.com.
Entries und Kommentare feeds.