Vom edlen Waidwerk in und um St. Veit/Glan

Dezember 19, 2014 um 16:10 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Es gab Zeiten, da war die Jagd ein Vorrecht von Herrscherhaus und Adel. Eine Ausnahme bildeten allerdings die autonomen Städte. Patrizier und gehobene Bürger durften sehr wohl Schießwaffen tragen und ein städtischer Burgfried hatte durchaus jagdbare Gebiete, wie Flussauen, Felder und Wälder beinhalten. So auch in St. Veit. Der Burgfried der Stadt, also das erweiterte Stadtgebiet verlief mit seiner Grenze beispielsweise in Tschirnig beginnend über die untere Glan in Richtung Kollerhof, knapp davor steil den Muraunberg hinan zur Schwarzen Muttergottes, von dort weiter am Grad bis zum sogenannten Sattele. Dabei gehört die Nordwestflanke des Berges zur Stadt, die andere schon zur Herrschaft Karlsberg. Vom Sattele verläuft die Grenze steil ab, quert die obere Glan und erreicht beim sogenannten Schwarzfurter Kreuz (später auch Mansfelder Kreuz genannt) die nach Feldkirchen führende Landstraße, folgt dieser bis zum Reidenwirt, wo ein kleines Bächlein von Treffelsdorf kommend der Glan zu eilt. Diesen Graben aufwärts erreicht man den genannten Ort um dann im rechten Winkel gegen den Pöllingerhof abzubiegen. In fast gerader Linie geht es über den Obermühlbach zum Doppelsbichler, weiter durch Zensweg, unter der heutigen Funder Villa vorbei (eine wunderschöne Parkanlage durchschreitend) und gelangt so in den Graben, welcher nach Hunnenbrunn weist. In Tratschweg geht es über die Wimitz durch ein Waldstück hinauf auf die Wiesen und Äcker des ehemaligen Rainhofes. Dieser musste dem Bahnbau von 1911/12 Platz machen. Damit wären wir fast an unserem Ausgangspunkt angekommen. Als angrenzende alte Grundherrschaften nach Karlsberg sind der Reihe nach noch zu nennen: Nussberg, Kraig, Hochosterwitz mit Enklave Taggenbrunn. Es ist für jedermann leicht erkennbar, dass innerhalb dieser Grenze viel Federvieh, Fuchs und Hasen unterwegs waren und sich die städtischen Weidmänner folglich schon früh voll der Jagdlust hingeben konnten.
Dass sich die St. Veiter schon recht gut und früh darauf vorzubereiten wussten, davon künden die vielen Schützenscheiben im Museum der Stadt. Als es dann ab Mitte des 19. Jhts. endlich auch dem biederen Landmann gegönnt war, an Eigen- oder Gemeindejagden zu denken, waren die St. Veiter ihrer Zeit weit voraus, dementsprechend gern gesehene Jagdgäste bei Freunden der Umgebung. Eine Treibjagd konnte gar nie genug Schützen haben, eher zu wenig Treiber, welche die Aufgabe hatten Hasen und Füchse aus ihren Verstecken zu verscheuchen, Fasane, Rebhühner und Wildenten in die Luft zu bringen. Amazone gab es damals so gut wie keine. Die Jagd funktionierte noch ganz ohne Gleichberechtigung, unvorstellbar!
Dir. Karl Anetter (Jg 1920) hat mir freundlicherweise einige historische Fotoaufnahmen aus der aktiven Zeit seines Vaters – also aus der Zwischenkriegszeit – zukommen lassen, wo nachweislich St. Veiter Schützen bei Treibjagden in Tigring, Zweikirchen und um Hardegg herum teilgenommen haben. Auch ein Foto vom Festwagen der Jägerschaft anlässlich Wiesenmarkt Eröffnung Mitte der dreißiger Jahre ist darunter.Eines zeigen die Bilder ganz deutlich, die Streckenlegung war nie mehr so reichlich wie damals. Hasen, Fasanen und der gleichen scheinen sich schon von selbst in die ewigen Jagdgründe zurück gezogen zu haben. Schuld daran sind die Monokulturen und selbst die moderne Verbauung hat vor moorigen und nassen Böden nicht mehr die geringste Scheu.

Ein Abgesang auf den Zeneggenhof

August 31, 2012 um 16:52 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Das Geschlecht derer von Zenegg florierte in der Stadt St.Veit und um den Hüttenberger Erzberg so lange, bis eine unbarmherzige Zeit ihre berühmtesten Vertreter zu „Glaubensstreitern“ machte. Ein gleichnamiger Roman aus dem Jahre 1964 stammt von Emilie Zenneck.  Zwei Örtlichkeiten tragen bzw. trugen bis unlängst diesen Familiennamen, vlg. Zenegg in Kitschdorf und der Zeneggenhof in St.Veit/Glan. Des Letzteren unmittelbare Nähe zu Kloster und Klosterkirche, läßt unweigerlich an das recht umstrittene Auftreten eines Zenegg, Hans mit Namen, zusammen mit drei weiteren lutherischen Ratsmitgliedern, bei der Fronleichnamsprozession von 1596 denken. Doch nicht die alte, die neuere Zeit, jene der letzten hundert Jahre soll hier behandelt werden.

Erst jüngst brachte die Stadt St.Veit den Hof samt restlichen landwirtschaftlichen Flächen, diese etwas entfernt und größtenteils im Westen gelegen, durch Kauf in ihren Besitz. Davor kam es zu einer gesonderten Grundabgabe an die Gärtnerei Sattler. Beidemal war der Kaufschilling zur Gänze an die Banken abzuliefern!  Im Herbst 2003 folgte schließlich der komplette Abbruch des umfangreichen, historisch gewachsenen Gebäudekomplexes. Abgesehen von einem im Torbereich eingemauert gewesenen Römerstein, sowie einem gotischen Maßwerkstück aus der Stallmauer konnte nur wenig  gerettet werden, leider auch nicht die prächtigen Kellergewölbe. Die zwei Steine befinden sich jetzt in dem jüngst auf den Hauptplatz übersiedelten Stadtmuseum. Die Zeugnisse alter Handwerkskunst hingegen, die tiefen, steingewölbten Keller – einer versunkenen Kirche vergleichbar und mit Sicherheit die ältesten Bauteile – gibt es nicht mehr. Es ist kaum zu fassen, was moderne Abbruchmaschinen und heutige Stadtpolitik in kürzester Zeit zustande bringen. Ein persönlicher Versuch, wenigstens den Hauptkeller für eine allfällige spätere Nutzung bestehen zu lassen, wurde wie folgt abgetan: „Was glauben Sie, wieviel Geld uns der Ankauf gekostet hat – In der Spitalgasse (Neubau C&A!) war ein noch schönerer Keller, den haben wir auch nicht erhalten“. Dabei weiß man noch gar nicht, was an Stelle des Hofes einmal kommen soll! Geld ausgeben und Beschäftigung schaffen, alles recht und schön, daß man dabei aber so brutal zur Sache geht, ist für jeden an ehrwürdiger Bausubstanz Interessierten sehr schwer einzusehen. Aber das ist ja wohl keine St.Veiter Eigenheit, ähnliches passiert zum größten Bedauern landauf landab immer öfter! Apropos Geld ausgeben! Es ist ein Treppenwitz der Geschichte, daß eine sozialistische Stadtverwaltung Dinge zu Geld machen kann, die vor rund 100 Jahren bürgerliche Stadtväter grundgelegt haben: Stadtsparkasse und Städtisches E-Werk, sprich Kelag-Anteile, wurden bekanntlich gut verkauft!

Lange bevor der wirtschaftliche und finanzielle Ruin über den Zeneggenhof hereinbrach, waren dort zwei tüchtige Familien am Werk. Sie verdienen es, daß man ihrer noch einmal gedenkt. Wenn auch das meiste Schriftgut in großen Papiercontainern entsorgt worden und daher nicht mehr verfügbar ist, so sind doch einige Beweise einstigen Fleißes und alten Unternehmergeistes erhalten. Sie lesen sich als eine einzige Erfolgsgeschichte der Familien Kanatschnig-Höfferer und sind nicht zuletzt ein Lehrbeispiel dafür, wie mit dem Eisenbahnbau etwa ein Funder, ein Kleinszig und manch andere durch kluge und umsichtige Gebarung, wenn auch nicht ohne Ausnützung billiger und williger Arbeitskräfte, aus bescheidensten Anfängen heraus zu Ansehen und Vermögen kommen konnten.

 Ein letzter Augenschein

Frau Grete Novak, Jahrgang 1920, war mit ihren Eltern bis 1945 im Herrenhaus in Miete. Sie hatte die Freundlichkeit, noch einmal die Hofstelle beschreibend und erzählend abzugehen. Ihr Bericht lautet in etwa wie folgt: Der gemauerte Torbogen am Hofeingang ist jüngeren Datums. Zuvor gab es dort nur einen hölzernen Torabschluß. Gleich links davon war eine Selchkammer mit eingebautem Backofen, anschließend die Mosterei mit Betontrog zum Waschen des Obstes, mit Aufzug auf die dritte Ebene zur Quetsch. Der darunter liegende Preß-Stand mit Portioniergefäßen links und rechts, zwei fahrbaren Preßgut-Wägen. Ein Dieselmotor und Transmissionen dienten zum Antrieb von Aufzug und Presse. Firmenschild: „Valentin Stossier, Pörtschach am Wörthersee/Österreich“. Es folgt der Eingang zum Rinder- und Schweinestall für zehn bis zwölf Kühe samt Kälber- und Schweineboxen. Separat ein Schlachtraum mit Arbeitstisch und Hängevorrichtung. Über dem Stall eine kleinere Tenne samt hoher Einfahrt von der Bürgergasse her – unter dem Stall ein großer Kartoffel- und Rübenkeller. Dieser diente zur Kriegszeit als Luftschutzraum für die Bewohner der Umgebung, während die Hausleute sich bei Bombengefahr lieber in den tiefen Keller des Herrenhauses zurückzogen. Es wurde auch immer wieder erzählt, es hätte vom Kartoffelkeller ausgehend einen Geheimgang zum Kloster hin gegeben! Am Ort, wo zuletzt die Garagen des Verbindungstraktes zwischen Stall und Herrenhaus zum Abbruch kamen, war einmal genug Platz für den Stallmist, genauer gesagt, für den Misthaufen.

Zurück am Eingangstor, wenden wir uns jetzt der rechten Seite zu. Da stoßen wir auf den Pferdestall für meist drei Pferde mit darüber liegender kleiner Tenne. Im nächsten Gebäudekomplex finden sich Hausmühle mit Holzdecke und gleichfalls Tenne darüber. Marstube, wo die Dienstleute ihr Essen einnahmen, Saukuchl mit Herd und Futterdämpfer sowie die Elektrozentrale trugen oben drüber eine Wohnung für den Platzmeister des Sägewerkes. Was nämlich den Ankauf in St.Veit so interessant erscheinen ließ, war die Nähe zum Obermühlbach. So hört man erstmals 1913 vom Bau einer Turbinenanlage. Fabrikatsnummer 509 der Maschinenfabrik Andritz AG. Eine Sperre im Bachbett nahe dem Brückenwirt erlaubte die unterirdische Wasserzufuhr zum Rechen vor der Turbine. Bachsperre und Rechen waren von den Knechten regelmäßig zu warten. Der Abfluß verließ die Turbine schließlich durch ein ebenfalls verdecktes Gerinne in Richtung Obstgarten und Marktwiese. Außer der Versorgung mit eigenem Lichtstrom dürfte damals nicht viel mehr herausgeschaut haben, denn der 1. Weltkrieg stand knapp bevor. Erst 1920 kommt es zu Planungen und zwischen 1921 und 1924 zum Bau des Sägewerkes mit Holz- und Bretterplatz. 1929 wurde Turbine Nr. 2224 der Leobersdorfer Maschinenfabrik AG und ein Generator der Österreichischen ASEA Elektro GesmbH Wien aufgestellt, was einer erhöhten Kraftzufuhr für das Sägewerk gleichkam . Der alte Sägestandort galt bis in die 50er Jahre, da wurde unterhalb der Marktwiese neu und modern gebaut. Der gestiegene Energiebedarf war mit dem vorhandenen Wasserrecht nicht mehr zu decken. Strom von der Kelag zu beziehen, war inzwischen zur Notwendigkeit geworden. An Stelle der alten Säge wurde ein modernes Büro- und Wohnhaus aufgeführt und dieses 2003 ebenfalls gänzlich demoliert. Auch eine eigene Hausschmiede war vorhanden. Das Herrenhaus wurde 1949 entstellend mit neuer Fassade und neuen Fensteröffnungen versehen. Von dieser Maßnahme stammen vermutlich die über gebliebenen Steinteile im Jugendstil. Im ersten Stock gab es einen schönen Saal mit Stuckdecke, von dem gesagt wurde, es sei die Hauskapelle gewesen. Noch innerhalb des Hofgeländes befand sich eine eigene Wagnerei.

Vater Novak war Eisenbahnbeamter und in seiner Freizeit für allerlei am Hofe verwendbar, ob zur Zeit des Mostmachens oder zum Schärfen der Sägeblätter. Kurzum, es gab ein sehr gutes Einvernehmen im Hause. Sogar zur Jagd ließ sich der Hausherr von ihm begleiten. Franz Höfferer war nicht bloß Waidmann, sondern auch Meisterschütze im Verein. Eines Tages brachte man einen ausgewachsenen Geier vom Pirschgang heim. Jemand kam auf die Idee, den Geierkopf zu spalten und hoch oben an der Tenne so festzunageln, daß es aussah, als hätte man ein Wundertier mit zwei Köpfen erbeutet. Dies soll sich tatsächlich rasch in der Stadt herumgesprochen und ganze Schulklassen angezogen haben..

Über die am Hof  tätigen Personen wußte Frau Grete Novak zu sagen, daß es neben den Familienmitgliedern eine Köchin, eine Stütze, je eine Kuh- und Saudirn, einen Hausknecht und zwei Unterknechte, einen Schmied und einen „Sagl“ gab. Letzterer hörte auf den Namen Christian Kulterer. Schlafplätze für Knechte und Mägde waren größtenteils in den Ställen oder in irgend welchen Kammern zu suchen, sofern nicht überhaupt Leute Beschäftigung fanden, die in der Nähe eigene Wohnung hatten. Bis 1938 standen allein im Pferdestall drei Strohbetten! Das sogenannte „Obere Haus“ oder „Stachel-Haus“  heute Glaserei Wildhaber, Villacherstraße 18 gehörte einst ebenfalls zum Zeneggenhof, und war mit Mietern besetzt.

Zu den Familien

Michael Kanatschnig (1850-1918) verehelicht mit Anna Wölbitsch (1847-1918), vorerst noch Besitzer beim Marbauer in Rasting, Post Feistritz-Pulst, betrieb schon von dort aus ein bemerkenswertes Holzgeschäft. Nahezu in allen Talschaften des Bezirkes wurde Holz gekauft, geschlägert, behauen oder gespalten. Heere von Holzknechte warteten auf  Anweisungen und Bauern der Gegend auf Fuhraufträge. Hauptsächlich ging es dabei um die Gewinnung von Eisenbahnschwellen. Fixe Kontrakte mit den k.u.k. Staatsbahnen hatten große Mengen davon zum Gegenstand. Darüber hinaus wurde alles an Holzprodukten  geboten, was in Triest – dieses war ja schließlich noch innerhalb der alten Monarchie gelegen – gefragt oder dort anzubringen war. Es verging kaum ein Tag, an dem nicht an irgend einer Bahnstation verladen worden wäre.  Daneben führte man beim Marbauer auch ein Gasthaus. Guten Wein bezog man faßweise direkt aus Riva, Bozen und Görz für eigenen Bedarf und zum Weiterverhandeln. Eine Großleistung, wenn man liest, daß überall in den Wäldern Leute mit Vorschüssen und mit Lebensmittel versorgt sein wollten. Kontakte und Abrechnungen mit den, die Versorgung gewährleistenden örtlichen Kaufleuten und ein intensiver Zahlungsverkehr, dieser noch in Form von Geldbriefen standen auf der Tagesordnung. Dies alles in telefonloser Zeit! Drei Töchter hatte der Kanatschnig, doch keinen Sohn. Eine heiratete in St.Veit (Weiß), die andere nach Feldkirchen (Germann) und auch der dritten werden wir noch als Ehefrau begegnen. – Nur eines fehlte ihm, ein eigenes Sägewerk, dieses würde das Geschäft erst vollkommen machen…

Das war auch der Grund, daß Kanatschnig von Rasting weg und nach St.Veit strebte, wo man gerade den Zeneggenhof feilbot. Von Vitus Wisiak, offensichtlich  einem Spekulanten kaufte ihn Kanatschnig am 1. 7. 1903. Es verwundert, daß zeitgleich von einem Josef Kanatschnig am 10. 6. 1903 die Hube vlg Purkart  in Schaumboden (Grundbuchseinlagezahl 42) um 3.200 Kronen an Dr. Arthur Lemisch verkauft wurde. Da am Grabstein in Dreifaltigkeit Michael seines Vaters Josef gedenkt, dieser sich vlg. Raunegger nannte und nur kurz, nämlich von 1822 bis 1859 lebte, könnte es sich beim vlg. Purkart um einen Bruder des Michael gehandelt haben. War vielleicht noch ein Erbteil auszuzahlen? Noch in der ersten Jahreshälfte 1904 wird Michael Kanatschnig der Aus- und Umbau des Zeneggenhofes, Bürgergasse 5, Parzelle 133, Grundbuchseinlagezahl 178 (alte Hausbezeichnung Villacher Vorstadt 11) von Seiten der Gemeinde bewilligt, um damit sieben Zimmer und drei Küchen neu zu schaffen. Drei Küchen wohl deshalb, weil je eine für die alte und junge Familie, die dritte jedoch fürs Gesinde gedacht war. Es könnte sich dabei um den Westflügel gehandelt haben.

Schon um etwa 1898 kam es zur Eheschließung zwischen Anna Kanatschnig (1875-1942), Tochter des Michael, und Franz Höfferer sen. (1872-1943), Bauer und Sägewerker aus dem Görtschitztal, mit Sägestandort in Hüttenberg. Deren, das Erwachsenenalter erreichenden fünf Kinder kamen zwischen cirka 1899 und 1906 beim Prailinger in der Gemeinde Klein St.Paul zur Welt.  1907 wurde Prailinghof verkauft und vlg. Scheerer in Kitschdorf angekauft. Weil aber die Liegenschaftsgrößen sehr unterschiedlich waren, darf man davon ausgehen, daß das alte Bauernhaus zum Abbruch kam, an dessen Stelle hingegen das heute noch anzutreffende Gebäude, eine Art Herrenhaus, neu errichtet wurde. Erst als Michael Knappitsch 1918 mit 68 Jahren das Zeitliche segnete, zog Franz mit seiner Familie auf den Zeneggenhof in St.Veit.  Von drei Söhnen des Franz heiratete der älteste in einen Bauernhof am Krappfeld ein, während die zwei jüngeren am Zeneggenhof verblieben und dort bald die Geschäftsführung übernahmen.

Am 20. August 1930 ging ein arges Wetter über Schaumboden nieder und der Obermühlbach führte große Wassermengen sowie allerhand Treibgut heran. Durch ein Versehen hat man die Wasserwehr am Obermühlbach nicht rechtzeitig gezogen, was eine gewaltige Verklausung, des weiteren die Überflutung der Straße mit Schäden auf eigenen und fremden Grundstücken  zur Folge hatte. Zum eigenen Schaden kamen fremde Ersatzforderungen, und um solche wenigstens teilweise abzuwehren, mußte man Dr. Kittinger, Rechtsanwalt in Klagenfurt mehrere Jahre gegen hohes Honorar bemühen.

Franz Höfferer jun. (1905-1994) hatte seine Ausbildung an der Handelsschule in Klagenfurt 1921abgeschlossen. In den zunächst wirtschaftlich schwierigen zwanziger Jahren, noch mehr in den politisch zerrissenen Dreißigern konnte er schon mit Fleiß und Geschick zur Hebung des Betriebes beitragen. Der Realbesitz erfuhr nicht nur um St.Veit eine Ausweitung, auch in Zistl/Möderbrugg/Stmk. besaß man einen Säge- und Forstbetrieb. Seit 1938 war Franz Höfferer jun. mit Anna Nußhold (1908-1994) ehelich verbunden.

Leider wurde das Testament von 1943 wenig überdacht und äußerst betriebsfeindlich gestaltet. Franz Höfferer jun., zu diesem Zeitpunkt wohl verheiratet jedoch ohne leibliche Erben, mußte eine fideikommissarische Substitution zu Gunsten ehelicher Nachkommen seines älteren Bruders hinnehmen, obwohl er längst gemeinsam mit dem ehe- und kinderlos gebliebenen Bruder Leo für die Betriebe voll verantwortlich war. Galt Franz als konservativ und Heimatschützler, so war Leo national gesinnt und in die Ereignisse von 1934 verstrickt. Um sich nicht einsperren zu lassen, ging er vorsichtshalber sofort nach Mailand und gab dort einen sehr guten Verkaufsleiter ab. Das anfänglich freundliche Verhältnis zwischen den Regierungen Mussolini und Dollfuß ließ das Italien-Geschäft kurzzeitig boomen. Zwischen Juli und November 1934 stieg die Zahl der Beschäftigten in St.Veit von zehn auf vierzehn. Dann trat Adolf Hitler auf den Plan, nicht nur mit seiner Tausend-Mark-Sperre, auch auf Mussolini muß Hitler gegen Österreich gerichteten Einfluß genommen haben, denn plötzlich benötigte man für die Holzausfuhren nach dem Süden Lizenzen, die von den Italienern immer zögerlicher erteilt wurden………..

Mit der Angliederung Österreichs an Deutschland profitierten kriegswirtschaftlich wichtige Betriebe, darunter auch Sägewerke. Sie wurden rasch mechanisch verbessert und leistungsfähiger gemacht. Am 15.2.1943 meldete man der Organisation Todt, daß die Rundholzzuteilung des Forstjahres 1940/41 für St.Veit mit 16 Beschäftigten 7.800 Festmeter (ein Plus von 170% gegenüber dem Vorjahr!) – für Zistl mit 9 Beschäftigten 5.000 Festmeter Nadelholz betragen hat. Die gleichzeitig prognostizierten Einschnittmöglichkeiten für 1942 wurden vorsichtig mit 4.000 Festmeter (St.Veit) bzw. mit 3.000 Festmeter (Zistel) angegeben. Auch wurde nicht vergessen, darauf hinzuweisen, daß die Rundholzanlieferung mit drei Pferden nur zum Teil sichergestellt erscheint und die Bereitstellung eines Traktors angezeigt wäre… Franz Höfferer mußte nur gegen Schluß hin kurzzeitig zu den Soldaten, denn Betrieb und Landwirtschaft waren in den Augen der damals Verantwortlichen sehr wichtig. Man mußte nur immer frühzeitig um eine sogenannte UK-Bestätigung einkommen. UK steht für „unabkömmlich“. War es vor 1938 Franz, der die nötigen Verbindungen spielen ließ, so konnte während der NS-Zeit Bruder Leo um so besser agieren. 1945 wendete sich das Blatt neuerlich! Franz ist nämlich nie der NS-Partei beigetreten. Es gelang Franz beispielsweise der Erwerb jener Gründe bei Schloß Weyer, die Dr. Arthur Lemisch der St.Veiter Sportjugend für einen Spielplatz zum Geschenk machte und die 1945 im Eigentum des Sportreferates des Landes Kärnten standen. An einen Sportplatzbau war so bald nicht zu denken. Das Land wußte nicht, was es mit den Gründen anfangen sollte und Franz Höfferer griff zu….

Dieser Umstand hat Lemisch-Erben noch nach Jahr und Tag gewurmt. Sie empfahlen Spendensammlern des Turnvereines danach immer wieder, zum Höfferer sammeln zu gehen und nannten diesen einen Kriegsgewinnler.

Der Verlaß nach Franz sen. war vor Kriegsende nicht mehr abzuwickeln, wohl aber bald danach. Es kam zur Gründung einer Handelsgesellschaft unter den zwei Brüdern einerseits und einem Neffen anderseits. Dies ging so lange gut, bis die Auflösung des Gesellschaftsvertrages angestrebt und – nicht ganz unmotiviert – eine vermögensrechtliche Teilung verlangt wurde. Jetzt zeigte sich deutlich, daß das Testament von 1943 eine schwere Hypothek darstellte. Die Vermögensteilung entpuppte sich als ein langer, ein schmerzlicher und kostspieliger Vorgang. Wieder wurden Rechtsanwälte bemüht und wieder waren diese fürstlich zu entlohnen. Mit der Abtretung des Besitzes Zistl bei Möderbrugg – der im übrigen heute noch gut floriert – mit diesem Aderlaß allein war es keineswegs getan, es kostete noch einiges dazu. Bis einschließlich 1982 bilanzierte die OHG noch inklusive Zistl und ab 1983 bereits  o h n e  diesen Besitz. Dabei war die Zusammenarbeit der neu erbauten Säge St.Veit  mit Zistl lange Zeit sehr vorteilhaft gewesen. Anstatt das eigene und das Geld der Banken in notwendige Betriebsverbesserungen investieren zu können, wurde solcherart die St.Veiter Firma empfindlich geschwächt. Überall gab es bereits Schließungen und das Sterben kleiner Sägen einerseits, Konzentration, Rationalisierung bis hin zur Automatisierung inklusive digitaler Meßverfahren anderseits. Was macht man, wenn dann die eigene Kasse schwach oder gar leer ist?  Man wendet sich an die Banken. Wie das mit dem Geld der Banken aber schon so ist, weiß man meist erst hinterer. Schwer ist es oft, die anfallenden hohen Zinsen zu verdienen, noch schwerer fällt das Tilgen der eigentlichen Schulden. So lange das vorhandene Vermögen reichlich Deckung bietet, ist alles eitel Wonne, aber dann…….

Fortune und Tragik, Aufstieg und Fall gehörten immer schon zum Schicksal großer Familien. Heute ist in der Wirtschaft nahezu alles anonym. Wo sind die Ehrenmänner, die für ihr Tun und Lassen noch mit allen Konsequenzen eingestanden sind?  Hier darf daher kein Urteil gesprochen, sondern nur eine Erklärung dafür versucht werden, warum es den Zeneggenhof, so wie er einmal war und wie er dank seiner alten Eigentümer weitum Geltung besaß, nicht mehr gibt. Gewiß ließen sich noch andere Betrachtungen anstellen, doch für Fragen des familiären Glückes ist hier nicht der rechte Platz. Bei aller Wehmut kann man positiv sehen, daß die Geschichte des Zeneggenhofes in Wort, Schrift und Bild fortlebt. Dazu haben nicht wenige ihren Beitrag geleistet. Fürs erste hat der aufmerksame Nachbar, Direktor Karl Anetter, ein fotografisches Tagebuch über die traurigen Wochen des Abbruches angelegt. Zweitens, konnte über verständnisvolle Vermittlung von Herrn Stadtamtsleiter Mag Karl Heinz Müller und unter Mithilfe von Herrn Steinmetzmeister Kropiunik geschichtlich bedeutsames Steinmaterial im Bauhof sicher gelagert werden. Schließlich ist Herrn Harald Petersmann vom EDV-Bauamt der Stadtgemeinde für digitale Fotoaufnahmen sowie deren Archivierung verbindlich zu danken.

Walter Wohlfahrt      in Kärntner Landsmannschaft Heft 6/7 2005

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