Zur Geschichte des Hauses St. Veit/Glan, Unterer Platz 18

Juni 5, 2018 um 18:04 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Diese Hausgeschichte  ist hinsichtlich der Bausubstanz am besten gleich neu zu schreiben. Die Baufläche 67 hat zwar keine nennenswerte Breite zum Platz hin, geht aber so sehr in die Tiefe, dass sie bis zum Hause Botengasse Nr. 9 reicht (heute Prof. Ludwig Schöffmann). Nach den Baumaßnahmen von Frau Rosemarie Welz (1929-1984) in den Jahren 1971-72 ist vom alten Bestand so gut wie nichts mehr übrig. Von der Passage abgesehen wurde alles unterkellert, darüber je ein Erd-  und zwei  Obergeschoße  plus ein Dachgeschoß neu gestaltet. Auch ein Lift wurde eingebaut. Die Höhe des Hauses war schon gegeben, die deutliche Ausdehnung nach hinten hin ist aber neu. Das brachte neue Verkaufsflächen im Erdgeschoß sowie viel Wohnraum darüber, teils für den Eigengebrauch, teils zur Vermietung. Die Planung stammte von Architekt Werner Kopeinig, Friesach. Eine Vorbesitzerin war Maria Dolischka.  Ihr wurde noch 1966 der Abbruch des Altbestandes genehmigt.

Zur älteren Hausgeschichte kann gesagt werden, dass  es seit 1857  eine halbwegs gesicherte, geschlossene Besitzerreihe gibt,  wobei vor allem die vielen Hutmacher auffallen. Man nannte es damals  auch das Huterer–Haus. Zuvor war es die Schuhmacher Dynastie Bergmann, die dort saß.  Prominentester Vertreter dieser Zunft, von 1795 bis 1822 sogar Zechmeister der Schuster- und Lederer-Bruderschaft, seit 1785 auch im  Bürgerbuch genannt, war Michael Bergmann. Er starb 1833 und als ihm seine Tochter Vinzenzia im Besitz nachfolgte beschrieb eine Urkunde, wie damals noch üblich und notwendig, die genaue Lage des Anwesens, mit  Nennung aller  Nachbarn gegen Morgen, Mittag, Abend und Mitternacht (Osten, Süden, Westen und Norden). Katasterpläne gab es ja noch nicht! Kurios! Gegen Mitternacht, eigentlich nord-westwärts wird nicht ein Platz, nein, eine Wiener Straße genannt! Es hat dort also zumindest zeitweise einen solchen Straßennamen gegeben. Wussten Sie das? Tatsächlich verengt sich die Situation an dieser Stelle deutlich und von einem Platz ist „in Richtung Wien“ wirklich nichts mehr zu bemerken. Die drei Nachbarn hießen damals Kajetan Winkler links, Franz Kollers Erben rechts und Peter Kunz, Johann Preinig und nochmals Kajetan Winkler nach hinten hin.

Maria Dolischka, die 1926 das doch schon recht desolate Anwesen  nach Josef Bodenseerbte, hielt es bis 1959 und verstarb am 22.12.1969.  Mit der Nachbarsfamilie Hahn gab es zeitlebens große Schwierigkeiten vorhandener Baumängel wegen.  1966 erteilte die Gemeinde eine Abbruch  Erlaubnis. Wann und durch wen es schließlich zur Demolierung  kam ist nicht geklärt, denn 1959 kauften die Eheleute Verdino und Schnürch zu je einem Viertel. Nach Ableben des Dr. Karl Schnürch 1970 ging sein Viertel zu drei gleichen Teilen auf  Gattin Ehrentraud, die Söhne Peter und Hermann  über.  Im gleichen Jahr, also 1970 tritt Frau Rosemarie Welz als Käuferin auf. Hat sie eine Baulücke erstanden? Dann wäre der Abriss schon vorher geschehen. Oder hat sie auch die Kosten der Demolierung zu tragen gehabt.?  Als 1971 unter Architekt  Werner Kopeinig, Friesach begonnen wurde, alles von Grund auf neu zu bauen, entstand straßenseitig  eine ansprechende Fassade, Kellerräume und reichlich moderne Wohnungen für Eigengebrauch und für Vermietung. Die in nur drei Jahren angefallenen Bankverbindlichkeiten von rund 6 Millionen Schilling teils bei der Volksbank Friesach, teils bei Wüstenrot dürften für den Bauaufwand nicht gereicht haben, denn schon zwischen 1978-79 kommt es zur Umschuldung durch die Hypo Klagenfurt, jetzt bereits mit 12 Millionen. Gatte Hubert Welz mehr Techniker als Kaufmann, war stolz auf seine innovative Erfindung, aus Rundholz Kanthölzer zu machen. Dabei dürften ihm einige Fehler passiert sein. Entweder war nicht gut kalkuliert oder hat er die Bonität seiner Geschäftspartner schlecht eingeschätzt. Es muss sehr große Ausfälle gegeben haben. Wie viel von den 12 Millionen letztlich auf den Neubau und wie viel auf die unglücklichen Holzgeschäfte gefallen sind, ist schwer auszumachen.   Die Geschicke dieser hoch religiösen Familie sind insgesamt sehr tragisch zu  nennen. Von drei Söhnen sind zwei schon  im jugendlichen Alter gestorben und selbst den Eltern war mit je 55 Jahren kein langes Leben beschieden. 

Am 21.10.1980 erfolgte jedenfalls die Konkurseröffnung und 1981 der Zuschlag des Hauses an die Hypothekenanstalt. Klagenfurt, die drei Jahre später an Hans und Maria Schöffmann, Textilhändler in St.Veit im Nebenhaus verkaufte. Im Jahr 2008 wurde dem Sohn Johann Peter übergeben.

Zu erwähnen wären vielleicht noch Mieter dieses Hauses: ein gewisser J. Regenfelder der hier einst Obst und Lebensmittel feil bot. 1953 war er sicher an dieser Stelle, denn er bat die Gemeinde um Erlaubnis, einen Automaten aufstellen zu dürfen. Wo man heute noch bei Mieter Bipa auf Kunden wartet, hat  davor und für relativ kurze Zeit die Handelskette Hofer erstmals ihren Fuß auf  St. Veiter Boden gesetzt.

Friedhof St. Veit/Glan

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