Immer wieder Wiesenmarkt

März 31, 2012 um 18:40 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Es geht schon eine besondere Faszination von diesem Herbstfest aus, dass es Jung und Alt von Fern und Nah regelmäßig jedes Jahr mit großer Macht anzieht. Auch wenn das Drum Herum im Laufe der Zeit einem steten Wandel unterworfen war, von seiner, die ganze Stadt erfassenden  Stimmung, hat der Wiesenmarkt Generationen hindurch nichts eingebüßt. Natürlich können die persönlichen Bezüge und Erinnerungen ganz unterschiedlich sein, doch ein gewisses Prickeln ist ihnen allen gemeinsam. Sind es nun die wunderschönen Berichte eines Dr. Sebastian Weberitsch oder die Reminiszenzen einer treuen Leserin von „Zentrum Kärnten“,  Frau Grete Novak, Jahrgang 1920, woraus wir heute wörtlich zitieren:

„Wiesenmarkt, welch herrliche Zeit für uns Kinder! Die Schausteller kamen schon Wochen früher nach St.Veit, um ihre Ringelspiele, Schaukeln und Schießbuden zu reparieren oder mit frischer Farbe zu versehen. Die Buben waren ganz selig, wenn sie mithelfen durften und wir Dirndln schauten halt zu. Damals waren an Stelle des heutigen Fußballplatzes Schrebergärten zwischen der Rennbahn. Ein kleines Bächlein, eine Abzweigung des Mühlbaches, floss durch. Die Buben liefen mit den Eimern, um von dort das benötigte Wasser für die Reinigungsarbeiten zu holen. Manchmal kam es sogar zu einem Wettrennen. Dann stand es da, das kleine Ringelspiel mit den frischlackierten Pferdchen. Es konnte nur mittels Muskelkraft betrieben werden und die Buben rissen sich darum, denn es war auch eine Ehre!

Einmal kam ich zum Mittagessen nicht nach Hause. Meine Mutter war sehr in Sorge und der Vater wurde beauftragt, mich am Wiesenmarkt zu suchen. Und wo fand er sein Dirndl? Im Gebälk des Pferchen-Ringelspiels mit den Buben im Kreise herum laufend.

Wie bekannt, wurde in St.Veit einst viel Hopfen angebaut. Meine Mutter erzählte, dass sie als Kind auch bei der Hopfenernte dabei war, um sich ein paar Kreuzer für den Wiesenmarkt zu verdienen. Die Hände schmeckten noch lange ganz bitter.“

So weit die lebhafte Rückschau von Frau Novak, aus deren Feder noch allerlei des Berichtens wert wäre über das alte St. Veit. Wir schließen ab mit einer kurzen Bildbeschreibung des hier gezeigten, bald hundert Jahre alten Fotos: Die Gegend an der Glan zwischen Hörzendorfer Brücke und Klagenfurterstraße hieß einst „Das Obermoos“ und ein Teil davon war die sogenannte Jahrmarktwiese. Diese war unterhalb von der Bahn (seit 1869), oberhalb vom Zeneggenhof und dem Klosterareal, seitlich vom Bachbett des Mühlbaches bzw. von einer Verbindungsstraße Richtung Bahn begrenzt. Ganz deutlich zeigt die Aufnahme auch das vorerwähnte Gerinne, welches vom Hauptbach abzweigte und einmal sowohl die längst abgerissene Spitalmühle (Villacher Vorstadt!) wie auch eine Turbine am Zeneggenhof antrieb. Auch die Bewässerung der Wiesenflächen konnte so bewirkt werden. Der einzige Zugang von der Stadt her führte damals noch durch eine Engstelle südlich des Weberitschhauses, von wo auch sichtbar ein Wirtschaftsweg quer herab führt. Nichts zu sehen ist noch von der zur Zeit des I. Weltkriegs entstandenen Rennbahn, dafür sehr wohl und recht deutlich  fünf Kreuzwegstationen am Fuße des voll bewaldeten Kalvarienberges. Wie bescheiden nimmt sich noch die Stadt in ihrer Erstreckung aus und doch bot sie zu Zeiten des Wiesenmarktes immer gute Herberge für viel Volk aus allen Landesteilen.           X/2008

                      Stadt mit Wiesenmarkt und Umgebung Anno 1915

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