St. Veit und seine Eisenbahner

Oktober 29, 2017 um 17:04 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Die alte Rudolfsbahn führte von St. Valentin an der Donau über Steyr-Selztal-St.Michael/Mur-St.Veit/Glan-Villach/Drau, während die Südbahn Wien-Triest von Marburg her Klagenfurt und Villach erreichte. Staatsbahn und Privatbahn hatten anfänglich „Berührungsängste“ was Klagenfurt und Villach je einen „Rudolfsbahnhof“ bescherte.
Diese Ereignisse im letzten Drittel des 19. Jhdts. waren wirtschaftlich, und erst recht bevölkerungspolitisch von ganz besonderer Bedeutung. Menschen aus allen Bereichen der alten Doppelmonarchie gerieten in Bewegung und folgten schon beim Bau und erst recht zu Betriebszwecken den neuen Schienensträngen. Davon profitierten hier bei uns Glandorf mit Schnellzugstation am meisten, St. Veit mit Haltestelle am späteren Güterbahnhof wohl weniger aber immer noch genug als neue Wohngemeinde der Männer unter dem Flügelrad. Der neue Hauptbahnhof ging erst 1912 in Betrieb und machte St. Veit endgültig zur Eisenbahner Stadt. Man höre und staune: 350 Bedienstete waren es schon einmal auf allen drei Bahnhöfen zusammen gerechnet. Was für eine Macht inklusive aller Familienangehörigen, dies zunächst noch nicht politisch, gesellschaftlich und wirtschaftlich sehr wohl. Das Koalitions-Gesetz von 1870 erlaubt immerhin auch schon den Arbeitern, sich zu Vereinigungen zum Schutz ihrer Interessen zu bilden. Das allgemeine Wahlrecht ist aber noch fern! Es musste erst der Weltkrieg kommen, mit diesem verbunden die Erweiterung des Güterbahnhofes. Selbstbewusstsein der Bahnbeamten lässt nichts zu wünschen übrig. Sie legen sich mit dem Stadtpfarrer an. Sie verlangen Sondertarife für Eisenbahner Begräbnisse. Man muss wohl wissen, dass es damals Begräbnisse der Klasse I bis V und entsprechende Taxen gab. Anstelle der sogenannten „Pietät“, heute sagt man
„PAX“ dazu, schufen sich die Eisenbahner einen eigenen Leichenbestattungsverein. Dieser trat mit der Pfarre in Verhandlungen. Selbstredend waren Eisenbahner die ersten in der Stadt, welche Beiträge an die „Flamme“ zahlten, d.h. die sich für eine Feuerbestattung entschieden. Das war damals noch eine ganz klare anti-kirchliche Entscheidung wenn nicht gar offene Kampfansage. Die junge Republik brachte zwar neue Freiheiten und politische Mitsprache, wenn schon nicht überall, so doch auf Gemeinde Ebene . Der erste, frei gewählte Bürgermeister war Sozialist und Eisenbahner, Leopold Polanz mit Namen, ein edler Mann. Der Austrofaschismus war danach eine deutliche Zäsur. Sport-, Musik- und andere Eisenbahner Vereine mussten sich vorübergehend auflösen oder irgendwie tarnen. Ganz schlimm sollte für die Eisenbahner die Zeit des II Weltkrieges werden, als der italienische Kriegsschauplatz immer näher rückte. Die Nervosität der Nazis nahm deutlich zu, denn die Bahnstrecke diesseits und jenseits von Tarvis für Militärtransporte war plötzlich vor Sabotage Akten nicht mehr sicher genug. Italien, inzwischen zum Feind geworden, hatte gar nicht wenige kommunistisch gesinnte Eisenbahner, von denen Ansteckungsgefahr ausgehen könnte. Man musste also alles streng im Auge behalten. Egal ob Hysterie oder begründeter Verdacht, die zur Abschreckung gesetzten Maßnahmen mit Einkerkerungen und Hinrichtungen waren maßlos überzogen. Das Mahnmal am Friedhof spricht Bände. Der Blutzoll war groß, als man am 30. 6. 1942 sieben Schandurteile in Wien vollstreckte. Es sollten noch fast zwei Jahre für die geschundene Stadt ins Land ziehen, ehe mit dem totalen Zusammenbruch endlich ein wackeliger Friede wurde. Besatzung, Notzeit und mühsamer Wiederaufbau, dieser jedoch mit wieder erstandener demokratischer Republik, folgten. Jetzt war es kein Fluch mehr, Eisenbahner zu sein. Ganz im Gegenteil! Aus diesen Reihen wuchsen wieder Bürgermeister hervor, ja sogar Bundes- und Nationalräte in nicht geringer Zahl. Nach und nach war bei Aufnahmen neben beruflicher Qualifikation immer öfter nach Parteibuch gefragt. Dazu passend der Bericht einer Stellenbewerbung um 1970. Ein junger St. Veiter hörte, dass man sich bei der Bahn bewerben könne und zögerte nicht lange. Da gab es Fragebogen, Bewerbungsgespräch, Eignungsprüfung und Aufsatz schreiben. Eine einzelne Frage hieß, „Vater Eisenbahner“? Diese musste wahrheitsgemäß verneint werden. Ob „Mutter (vielleicht) Raumpflegerin bei der Bahn“ sei, war nicht gefragt. Das hätte man zur Not bejahen können. Die Begründung der Ablehnung war kurz „Aufsatzthema verfehlt“ und mehr als fragwürdig. Immerhin hatte der junge Mann ein sehr gutes Schulzeugnis und das Thema „Der Hund ein Freund des Menschen“ war für ihn ein Allerwelt-Thema. Jetzt war guter Rat gefragt. Konnte vielleicht der Partei-Kassier raten oder helfen? Raten ja, doch helfen könne nur Personalvertreter Alois Alberer, damals vielleicht schon auf dem Sprung zu höheren Weihen. Alberer war Idealist, er hat vielen und gerne geholfen, nicht nur unserem Jüngling, der dann auch prompt aufgenommen wurde und eine herzeigbare Kariere als Eisenbahner hinlegte. Er war einer der wenigen, die mit Computer und Automatisierung keine Schwierigkeiten hatten. Automatisierung und Rationalisierungen waren sicher harte Maßnahmen, welche viel Personal freisetzten. Der Erfolg gibt den neuen Managern recht. Bahnfahren ist wieder in. Der dichte Fahrplan ist attraktiv wie nie zuvor. Gleiches gilt für die Ausstattung der Züge, für Zuverlässigkeit und Service. Gewöhnungsbedürftig ist vielleicht und insbesondere für ältere Fahrgäste dass man sich die Fahrscheine über Automaten selbst besorgen muss. Eine moderne, eine richtige Entscheidung, wenn es auch schmerzt, auf Bahnhöfen kaum noch Eisenbahner anzutreffen…….

25 Jahre Restaurant Vitus-Quelle

Mai 28, 2012 um 10:34 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Die Eröffnung eines modernen Restaurationsbetriebes durch Frau Trudelinde Kircher am 5. April 1974 bedeutete einerseits einen weiteren Bruch in der vorausgegangenen Nutzungsart des altehrwürdigen Hauses im Erlgraben, man steht jedoch als beliebte St. Veiter Gastwirtschaft in einer guten, jahrzehntelangen Tradition. Man sollte sich daran erinnern, dass hier durch zwei Jahrhunderte so manche gesellige Runde sich ihres Lebens, der eine oder andere der Stärkung oder Wiedergewinnung seiner Gesundheit erfreuen durfte.

Viel wurde über die Vitus-Quelle und das gleichnamige „Mineralbad“ schon  geschrieben, aber längst noch nicht alles gesagt! Da wäre einmal der gelehrte Chemiker Josef Mitterdorfer mit seinem Aufsatz „Die Mineralquelle im Mühlbachgraben bei St.Veit“ in Carinthia 10.7.1824 zu nennen. Er liefert darin nicht nur die chemische Analyse des Vitus-Wassers, empfiehlt nicht allein Trinkkuren bei Verdauungsbeschwerden, Blasenleiden, Katarrhen und Blutarmut, sondern vergleicht dessen Eignung für Vollbäder sogar mit den Heilquellen von Liebenwerda in Böhmen und Ruhla bei Eisenach. Man würde zu weit gehen, wollte man darin lediglich ein Gefälligkeitsgutachten erblicken. Die Erwähnung des Badehauses und die handfeste Empfehlung, endlich Quellwasser anstelle des gewöhnlichen Bachwassers ins Haus und in die Badewannen zu leiten, spricht aber vielleicht doch für eine teilweise Anlaßarbeit. Es heißt nämlich wörtlich „für das schon seit mehreren Jahren mit vielen Bequemlichkeiten eingerichtete, öffentliche Badehaus ….. wird bis jetzt nur das Wasser des vorbeiströmenden Mühlbaches verwendet, welches auf Verlangen gewärmt und durch künstliche Zusätze als Stahl-, Schwefel- oder Kräuterbad benützt und ziemlich stark besucht wird.“

In einer Reihe „Kärntner Bäder“ im Südmarkkalender 1932 Seite 145 befaßt sich Norbert Rainer gleichfalls mit dem Thema. Neben Mitterdorfer zitiert er ein Gutachten des landschaftlichen Apothekers Johann Hollemschnig aus Klagenfurt, wonach das Wasser der Vitus-Quelle obendrein bei Blähhals gute Ergebnisse bringe. Auch soll nach Hollemschnig 1877 bei der Wahl des Standortes des Barmherzigen Spitals die Nähe zur Vitusquelle mit eine Rolle gespielt haben. Rainer erwähnt Verdienste der St. Veiter Schützengesellschaft um die Quelle und um die Schaffung eines bequemen Zuganges dorthin sowie die Leistungen des St. Veiter Verschönerungsvereines für den Vituspark ganz allgemein. Im Zuge einer kleinen Besitzgeschichte wird sich noch zeigen, dass der Anregung Mitterdorfers auf Zuleitung des Quellwassers zum Bad bald nachgekommen wurde.

Eine weitere, nicht unwichtige Geschichtsquelle ist eine Art Gästebuch oder Chronik des Hauses. Wenn auch der Zustand des Buches nicht der beste ist und eine Neubindung nicht schaden könnte, sind daraus doch etliche Einblicke, sogar Daten zu gewinnen. Abgesehen vom Ersteintrag 30.10.1832 beginnen regelmäßige Gästnotizen doch erst im Jahr 1841 um später von Einzelnotizen 1863, 1870, 1878 gefolgt zu werden, ehe sich ab 1880 wieder öfter und bis 1887 durchgehend Anwesenheitsbeweise, lustige und ernste, finden. Etwa: „Habe gebadet – glaubte geheilt – leide noch immer – an Heimweh nach St. Veit“ oder „Bade hier seit zwölf Jahren – nie krank, Anderluh 1.5.1882“ Unter den Badegästen bilden St. Veiter und Klagenfurter naturgemäß die Mehrheit, es finden sich aber auch Prager, Wiener und Budapester! In der Chronik finden sich das Wappen der Freiherrn von Koller, eines der Grafen Egger und eine gezeichnete Ansicht des Bades mit Gärtnerei von Frd. Jeluschnig 1840.

An Hand weiterer in die Tiefe führender Unterlagen des Stadtmuseums sowie ergänzender Nachschau im Kärntner Landesarchiv ist es möglich, eine geschlossene Besitzerreihe, um Details ergänzt, darzubieten:  Erbauer und erster Eigentümer des öffentlichen Badhauses von 1820 war Johann Mathäus Frh. von Koller, ein Sohn des 1805 verstorbenen Eisenhandelsherrn gleichen Namens. Dass die erste Absicht, die man mit diesem Bau verfolgte, nicht dem Kurbaden, auch nicht dem persönlichen Gebrauch galt, sondern der armen Stadtbevölkerung zu regelmässiger Körperpflege dienen sollte, geht wohl daraus hervor, dass anfänglich eben nur Bachwasser zur Anwendung kam. Nach frühem Ableben des Gründers erbte 1828 dessen Schwester Katharina, verehelichte Gräfin Egger neben dem Palais am Oberen Platz (heute Bezirkshauptmannschaft), den anderen Stadthäusern, Rasnig-Mühle und Bleiweißfabrik etc. etc. eben auch die „Badeanstalt in der Mühlbacher Vorstadt“. Gräfin Egger griff Mitterdorfers Anregung gleich auf und leitete Quellwasser direkt in die Wannenbäder. Eine neue Qualität des Haus war die Folge. War vielleicht bisher mit einer Badedienerin das Auslang gefunden worden, so ergab sich bald die Notwendigkeit der Unterbringung und Verköstigung von Gästen. Frühestens ab 1830 darf also mit erstem Gastbetrieb an dieser Stelle gerechnet werden, wenn auch ein solcher noch nicht ausdrücklich Erwähnung findet.

Auf Katharina Gräfin Egger folgte 1837 ihr Sohn Graf Gustav. In seine Zeit fallen schon viele Eintragungen im erwähnten Gästebuch. Ob allerdings und wie sehr sich die gräftlichen Herrschaften mit dem Kurbad identifizierten, ist schwer zu sagen. Haben sie das Personal selbst geführt, oder das ganze Haus einfach einem Pächter überlassen? Auch diese Frage muss offen bleiben.

1859 tritt jedenfalls ein neuer Eigentümer auf den Plan, Franz Puntschart. Dieser hat dem Grafen Egger nicht nur das Badhaus, nein noch einiges mehr, vorallem aber die Bleiweißfabrik abgekauft. Puntschart und Bleiweißfabrik bilden übrigens ein eigenes Kapitel im Lebensroman von Dr. Sebastian Weberitsch, Seite 99 ff. Dort ist nachzulesen, wie leicht der herzensgute und freigibige Mann von Zeitgenossen ausgenützt werden konnte. Es müsste nicht wundernehmen, wenn sich auch beim Badhaus die übereifrigen Handwerker gegenseitig ein Geschäft zugeschanzt hätten, so wie sie es bei der Fabrik getan haben. Schon drei Jahre später verkaufte P. an August Rauscher. Auch mit der Fabrik hatte P. wenig Glück. Er starb als ein weitum geachteter, aber armer Mann und war doch einst steinreich gewesen!

August Rauscher war für 15 Jahre Eigentümer und gab das Anwesen 1877 an Jakob Meßner, Fabriksbesitzer in Rottenmann ab, der jedoch noch im gleichen Jahr an Sebastian Weberitsch, Handelsmann in St.Veit „das Badhaus im Erlgraben, Haus Nr. 178alt/20neu um 2.677 Gulden“ weiterverkaufte. Die Erwähnung doppelter Hausnummern zeigt an, dass wir uns gerade in jener Zeit befinden, als man die einfache Durchzählung aller Häuser aufgelassen und mit separater Zählung pro Vorstadt begonnen hat. Vom Gesamtpreis entfielen 177 Gulden auf Fahrnisse, was bedeutet, dass die Einrichtung von Bad und Gasthaus nicht all zu kostbar gewesen sein kann. Im § 7 war vorgesehen, dass die Rücklegung des „Personalen Wirtsgewerbes“ zu Gunsten des Käufers erfolgen musste. Da sich Weberitsch nachweislich zu keiner Zeit als Wirt, sondern ausschließlich als Bäcker und Handelsmann betätigt hat, war vermutlich ein vorhandener Bad- und Gasthauspächter mit zu übernehmen. Weberitsch war es vielleicht nur um Geldanlage und um den sicheren Absatz seiner Backwaren zu tun. Er dürfte jedoch auch einige Verbesserungen, insbesondere am Gebäude haben vornehmen lassen, denn beim Weiterverkauf an Karl Honerlein am 26.1.1885, also nach nur viereinhalb Jahren betrug der Kaufpreis 5.700 Gulden und der des Inventars nur noch 100 Gulden. Davon waren 2.000 in bar zu begleichen, der offene Rest zur späteren Ordnung pfandrechtlich sichergestellt. Zwei Vertragsklauseln sind von besonderem Interesse.  Punkt 5, Wasserleitung und Wasserleitungsrecht aus der Vitusquelle gehen als Zubehör der Realität auf den Käufer über. Punkt 6, der Verkäufer verzichtet zu Gunsten des Käufers auf die Wirtskonzession oder er überläßt ihm diese pachtweise. Die auffällig Wertsteigerung mag vielleicht auf die rechtliche Regelung des Wasserbezuges zurück gehen. Für Hörnerlein, einen Privaten aus Klagenfurt, ist  es ein rein spekulatives Geschäft, denn er findet schon im Jahr darauf in Fräulein Maria Strauß eine Käuferin, die ihm 6.000 Gulden zahlt. Ein leichter Gewinn von 200 Gulden. Auf der Liegenschaft haftet noch immer der offene Kaufpreis per 3.800 zu Gunsten des Weberitsch. Die neue Käuferin übernimmt die Hypothek in ihr persönliches Zahlungsversprechen und ist mutig genug, ein neues Darlehen von 2.500 Gulden bei Frau Franziska Lemisch, geborene Rainer, Mutter des Dr. Arthur Lemisch, aufzunehmen. Oder sollte man nicht lieber die Großzügigkeit der Geldgeberin loben? Es kam nämlich, wie es kommen musste, wenn sich jemand ohne Bares und vielleicht auch ohne ausreichende Geschäftskenntnisse auf geschäftliche Abenteuer einläßt. Übrigens, auch in diesem Falle wiederholten sich die Bestimmungen in puncto Quellwasser und Konzession. Fräulein Strauß dürfte ein paar flotte Jährchen als Wirtin hinter sich gebracht haben, die Zahlungstermine der Silberegger Brauerei blieben von ihr jedenfalls unbeachtet. Kurzum, im August 1890 schritt man zur Zwangsversteigerung des Badhauses. Weberitsch war zur Rettung seiner Forderung gezwungen, mitzusteigern und bekam auch tatsächlich den Zuschlag für 4.400 Gulden. Das reichte gerade für die offenen 3.800 plus Zinsen. Frau Franziska Lemisch ging leer aus. Ein Glück nur, dass sie den reichen Familien Buzzi, Milesi, Rauscher angehörte….

Weberitsch war nun nolens volens wieder im Besitze des Badhauses und hat dabei immerhin 2.00o Gulden verdient! Beim Weiterverkauf an Johann Mörtenhuber und dessen Braut Maria Fink im Mai des Jahres 1892 wird Weberitsch 6.150 Gulden erlösen. Weberitsch hat in knapp zwei Jahren zwischen August 1890 und Mai 1892 noch wesentliche Verbesserungen vorgenommen. So wurde die untauglich gewordene Quellzuleitung neu „und direkter als vorher“ verlegt. Dass das Haus nicht unterkellert war, wirkte sich auf den Gastbetrieb wenig vorteilhaft aus. Also wurde ein Brücke über den Mühlbach geschlagen und am jenseitigen Hang ein Kellerstollen gegraben, dessen Mundloch eine betonierte Terrasse bekam. Darauf konnten von da an Konzertmusiker oder Tanzkapellen gemütlich Platz nehmen und von der Höhe her das pt. Publikum im von Kastanien beschatteten Gastgarten unterhalten. Chronist Dr. Weberitsch weiß von allerlei Abendunterhaltungen mit Tanz, von Kegelbahnen (Eisbahn im Winter) zu berichten.

Der Besitz des Badhauses durch Koller-Egger währte 40 Jahre und blieb für lange Jahre unerreicht. Die Familie Mörtenhuber wirkte hier jedoch von 1892 bis 1950, unglaubliche 58 Jahre lang und wurde, man kann dies mit Fug und Recht sagen, zum Inbegriff von St. Veiter Gastlichkeit, für Kuraufenthalte, Sommer- und Wintersport, für Vereinsaktivitäten und Gesellschaftsabende aller Art. Am 17. Mai 1892 ist von den Brautleuten Mörtenhuber-Fink gemeinsam und je zur Hälfte gekauft und noch am 31. desselben Monats geheiratet worden. Dass Johann Mörtenhuber nicht nur eine wohl ausgestattete, sondern obendrein eine geschäftstüchtige  Braut heimführte, beweist die sofort einsetzende Aufbauarbeit. Das Haus wird um ein Stockwerk angehoben und bald danach wirbt das BAD VITUSQUELLE MIT GUT EINGERICHTETEN FREMDENZIMMERN WANNEN- DUSCH- UND SCHWIMMBÄDERN (GROSSES SCHWIMMBASSIN). Als 1912 die Stadt mit dem neuen Hauptbahnhof endlich direkten Schnellzuganschluss erhält, hofft man nicht zu Unrecht, dass nun bald auch St.Veit vom Fremdenverkehr profitieren würde. Der örtliche Verschönerungsverein erhöht merklich seine Aktivität. Er kommt mit der Schaffung des neuen Vitus-Parks direkt auf Mörtenhubers Betrieb zu. Der wöchentliche Pensionspreis wird mit 42 Kronen, das Einzelbad mit 70 Heller offeriert. Erstmals wird eine Badeordnung erlassen, gedruckt und ausgehängt, der zufolge die Bäder von 6 Uhr früh an geöffnet sind und jedermann ersucht wird, die gewünschten Wärmegrade anzugeben. Auch darf ärztlicher Anordnung zufolge nicht länger als eine halbe Stunde im Bad verweilt werden. Barzahlung hat an die Badedienerin zu erfolgen. Zu dieser Zeit verfügt Mörtenhuber über 15 Zimmer, gleich wie Gasthof Sommeregger am Unteren Platz. Nur Gasthof „Zum Roß“ von Matthias Apolloner in der Klagenfurter Vorstadt hat 25 Zimmer, alle anderen, selbst Hotel Stern nur höchstens 8 oder weniger. Der Kriegsbeginn Herbst 1914 zerstört alle Hoffnungen, er ist sogar ein schwerer Schlag für jeden Gewerbetreibenden, der zuvor hoch investiert hat. Anlagen bleiben ungenutzt, werden schlecht bis unbrauchbar. Es gibt keine entsprechenden Umsätze. Noch lange nach Kriegsende waren die Zeiten miserabel, Inflation und wirtschaftlicher Stillstand gehörten zum Alltag. Erst 1925 nach Einführung der Schilling-Währung kommt es zu zaghaften Neubeginn, der aber durch politisches Rängespiel nach dem Motto jeder gegen jeden, nie richtig in Schwung kommt.

Johann Mörtenhubers Lebens- und Schaffenskraft neigt sich ihrem Ende zu. Am 21.12.1930 stirbt er mit 65 Jahren. Noch ist der Gasthof für Stadt und Umgebung ein gastronomischer Fixstern. Mörtenhuber hinterlässt neben der Witwe eine Tochter namens Maria und den geistesschwachen Sohn Johann. Die Hälfte des Vaters erbst Tochter Maria. In Anbetracht der Behinderung eines allfälligen Miterben mußte das Anwesen gerichtlich geschätzt werden. Dies erlaubt Einblick in Anordnung und Verwendung der Räume, auf Art der Einrichtung des weitläufigen Gebäudes.

Die Mittelachse des Hauses bestand aus einem vorderen, einem mittleren und einem hinteren Vorhaus (2 Ölbilder, 2 Tische, 4 Sessel). Links davon lagen die Badezimmer 1 bis 3 (mit je 1 gußeisernen Badewanne, Waschtisch, 2 Sessel, Eisenofen, Wandspiegel, Kleiderrechen). Weiters befanden sich auf dieser Seite Klosette, Stiegenhaus, 2 Rumpelkammern, Waschküche, Heizraum. Rechts des Haupteinganges befanden sich ein Gastzimmer (4 Tische, 19 Sessel, 1 Lutz-Ofen, Wandspiegel, Diwan, 6 Kleiderrechen, Pendeluhr, Orchestrion, Wandschmuck) Extrazimmer (6 Tische, 24 Sessel, Servietten-Presse, Bücherkasten, Aufsatzkasten, 4 Kleiderrechen, Spieltisch, Wandschmuck, 30 Bierkrüge, 10 Weingläser, 20 Viertel- und Seitelgläser, 1 Schaumwein-Kübel !, 50 Teller, 36 Alpaka-Bestecke, ein Sagspänofen. Allein darin ist schon zu ersehen, dass das Haus eine grundsolide, einge gediegene Ausstattung aufzuweisen hatte, was sich im Obergeschoß mit allen Fremdenzimmern fortsetzt.

Zum Schwimmbad mit seinen 14 hölzernen Kabinen wird vermerkt, dass dieses erst 1930 wieder instangesetzt worden sei, nachdem es in der Nachkriegszeit verfallen ist und durch acht Jahre nicht im Betrieb gestanden hat. Wäre man früher das einzige Bad der Stadt gewesen, so sei inzwischen ein weiteres hinzu gekommen (Anm.d.Verf.: Poganzer). Weiters sei (1930!) durch den Autoomnibus-Verkehr der Längsee der Stadt näher gerückt. Mit der alten Frequenz des Bades sei deshalb nicht mehr zu rechnen. Eintritt ins Freibad für Erwachsene 40 Groschen, für Kinder 30 Groschen. Elektrisches Licht und Wasser der Stadt sei aber eingeleitet. Wasser für das Freibad komme von der im Besitz der Stadt befindlichen Vitus-Quelle. Das Wasserbezugsrecht beim Marienhof sei durch Verkauf erloschen. Hochwasser des Mühlbaches, zuletzt jenes von 1930, würden stets Gefahr bringen. Mangels Unterkellerung seien die Holzböden durchwegs schlecht. Der Wert der Liegenschaftshälfte wird folglich  vom gerichtlichen Schätzmann, Stadtbaumeister Hans Wank  mit 33.000 Schilling bestimmt.

Als schließlich auch Maria Mörtenhuber ihre Haushälfte der Tochter gleichen Namens übergibt, schreibt man schon das Jahr 1943. Wieder befindet man sich inmitten einer harten Zeit voll Nachteilen und Erschwernissen einer Kriegswirtschaft. Der Getränkekeller auf der anderen Bachseite ist mittlerweile zum Luftschutzkeller für die verschreckten St. Veiter umfunktioniert und ausgebaut worden. Schon wieder geht das Geschäft schlecht und selbst die unmittelbare Friedenszeit ist noch lange nicht geeignet, eine Erholung einzuleiten. Alle Fremdenzimmer sind längst schon amtlich besetzt und zu Mieterschutzwohnungen erklärt worden. Sie sollten es noch lange bleiben.

1950 kommt es zum Verkauf an Josef Müller, schon nach 19 Monaten gefolgt von Ludmilla Laurer, geb. Fian. 1955 folgen die Brüder Philipp und Ernst Nagele. Da wird erwähnt, Nagele hätte 60.000 Schilling in das Bad investiert. Trotzdem hat die Gemeinde dem Nagele die Erneuerung der Wasserzuleitung von der Vitus-Quelle versagt. 1967 hatte er angeblich eine Verzichtserklärung abzugeben um einem Prozeß mit der Stadtgemeinde aus dem Wege zu gehen. Wannenbäder und Freibad wurden daraufhin wegen Unrentabilität aufgelassen. Erst nach und nach sind die Mieterschutzwohnungen frei verfügbar geworden. Aus dem Badhaus hat Philipp Nagele schließlich ein Cafe mit Nachtbar gemacht und mit einer Diskothek geendet.

Seit 1973 zeichnet Trudelinde Kircher als Besitzerin. Sie verschönerte das Haus innen und außen. Das Wappen ihrer Ahnen, Ritter von Holle ziert die Hauptfront. Auch Wappenschilder der Freiherren von Koller und der Grafen Egger sind zu bestaunen. Der Restaurantbetrieb wurde von ihr erfolgreich  wieder aufgenommen, letztendlich aber wurde verpachtet und ein Griechen-Lokal daraus gemacht.

Walter Wohlfahrt in St.Veit Kommunal Herbst 1999, verbessert 2012

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