Friedhof-Besuch 2015

November 20, 2015 um 17:43 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Es gibt Leute, die gehen gerne und regelmäßig auf Friedhöfe, andere nur wenn es sich nicht vermeiden lässt, etwa zu Allerheiligen oder nicht einmal dann.

Das ist oft auch eine Frage des Lebensalters? Wenn man am Friedhof schon mehr bekannte Namen findet, als man sich an solche von Lebenden auf die Schnelle erinnert, dann hat man das gewisse Alter. Dann geht man auch gedankenvoller durch die Reihen. Man findet unter den Verstorbenen vielleicht Lehrer da,  Mitschüler dort und es sind meist schöne Erinnerungen, die einem dabei in den Sinn kommen. Erschwerend kann beim Suchen sein, dass Inschriften heute kaum noch Berufsangaben aufweisen. Was einmal der Stolz eines „Lokomotivführers“ oder einer „Finanzdirektors-Witwe“ war, spielt schon nicht mehr die geringste Rolle. Und doch, das waren einst wahre Größen der Stadt, ein Gastwirt, eine Cafe-Haus-Besitzerin, ein Baumeister usw., alle schnell zu erkennen. Stellvertretend für all diese ehemaligen Persönlichkeiten sei hier ein besonderer und schöner, ein historischer Stein unter all jenen von  Berufslosen und bald Vergessenen vorgeführt. Er steht im Ersten Friedhof, links des Hauptganges und wurde einem ganz besonderen Mann gesetzt. Jetzt ist seine Inschrift gerade noch lesbar, die Grabanlage insgesamt aber laut Auskunft eines geschichtlich interessierten Mitarbeiters der Friedhofverwaltung(!) von Auflassung bedroht. Ein beklagenswerter Zustand ist es schon, dass immer mehr Grabanlagen von an sich bekannten Familien vor der Zeit aufgelassen werden. Allein materiell wertvolle Steine landen zerschlagen an gewisser Stelle! Das wundert aber auch nicht, wenn  die modernen Wanderbewegungen immer noch zunehmen. Man baut oder erbt ein Haus weiß Gott wo und zieht weit weg, von der Stadt aufs Land oder umgekehrt. Manchmal kann auch eine Rolle spielen, dass Grabgebühren allgemein regelmäßig teurer werden, Grabpflege von auswärts, selbst nicht machbar, d.h. wieder mit Kosten verbunden wäre.

Doch nun nach dieser allgemeinen Betrachtung zurück zum besagten Familiengrab. Es zeigt  Franz Krall  „1. Bezirksarzt“ geb. am 26. Dezember 1831 gest. am 9. August 1885 mit  Angehörigen. Von seinem Vater, ebenfalls Franz Krall genannt ist bekannt, dass er in Pettau/Ptuj in Südsteiermark/heute Slowenien geboren und von dort  nach St. Veit gekommen ist. In diesem Hause war nämlich eine Barbierer Gerechtsame vorhanden, was so viel heißt, dass hier seit mindestens 1750 ein Bader, danach  ein „Chyrurg“, Franz Träher mit Namen – so nannte man damals einen Wundarzt –  gewirkt haben. Als der gute Träher in jungen Jahren mit Tod abging, war seine Witwe in großen Nöten. Drei noch nicht volljährige Kinder und auch etwas Schulden waren da. Kurzum, Franz Krall stellte sich als „Provisor“, als einer mit  dem nötigen Befähigungsnachweis – vielleicht wohl auch schon mit Blick auf das junge Töchterlein –  zur Weiterführung des  Chirurgen-Geschäftes zur Verfügung. Das bot den Gläubigern eine gewisse Sicherheit. Im Dezember 1831 wurde er Vater eines dritten Franz und erst am 13. 8. 1832 heiratete er die knapp 20 Jahre alte, junge Mutter, laut Taufeintrag  „Chyrurgentochter Eleonore Träher“. 1832 überschrieb man auch das Haus auf seinen Namen.

Das gemeinsame Bübchen wuchs prächtig heran, war ein ausgezeichneter Schüler und als der als der junge Mann mit  22 Jahren  die Universität Graz verließ, hat man ihm dort am 1.4.1853 ein Diplom ausgestellt in dem es auszugsweise wörtlich heißt „ bey den mit Ihm am 31.Jänner und 1.April 1853 vorgenommenen strengen Prüfungen gab er solche Beweise von erworbener Geschicklichkeit und Kenntnissen, daß alle Prüfer ihre vollkommene Zufriedenheit darüber ausgesprochen haben. Wir erklären und bestätigen Ihn also Kraft der Uns Allerhöchst ertheilten Macht als einen tauglichen und wohlerfahrenen Wundarzt und Geburtshelfer.  Übrigens wird demselben in Folge hoher Hofkanzley Verordnung vom 27. October 1813 auch zur Pflicht gemacht, die Seelsorger als Führer der Geburtsbücher, von dem, was Ihm von den Namen der Kindsmütter und von ihrer Verehelichung oder Nichtverehelichung bekannt ist zu unterrichten, widrigenfalls Er bey der ersten hierin entdeckten Unwahrheit außer der übrigen gesetzlichen Strafe noch mit dem Verluste des Rechtes seine Kunst ausüben zu dürfen, bestraft werden würde“.

Von 1865 bis zu seinem Tode war er im Besitz des Hauses Innere Stadt 41 (heute Spitalgasse 2) sodass man auch seine Wirkungsstätte hier anzusetzen hat. Als Bezirksarzt war er in besonderer Weise für die gesundheitlichen Zustände im ganzen Bezirk verantwortlich, in diesem Sinne zugleich über alle kleinen Landärzte gestellt.

Das am Grabstein applizierte Kärntner Kreuz bezieht sich auf Sohn Robert (1874-1948) dessen Gattin Elisabeth geb. von Eckhardt (1887-1960) gleichfalls genannt erscheint. Ein besonderer Exkurs über Nationales Verhalten von mehr als vier Generationen bzw. über eine Zeitspanne von 150 Jahren, reichend von Pettau über Graz bis St. Veit würde sich anbieten.

Zum Schlusse eine Anregung! Immer öfter hört man, dass Mittelschüler zur rechten Zeit eine vorwissenschaftliche Arbeit zu liefern haben. Auch sind die heutigen Studenten allesamt fix im EDV- und Foto- Handy-Wesen. Eine interessante Arbeit könnte es sein, alte Grabsteine mit Bild und vollem Text digital aufzunehmen um es dann ins Internet stellen zu können. Der Verfall wertvoller Grabdenkmäler ist nicht aufzuhalten. So aber könnten diese digital erhalten bleiben.   (Foto des erwähnten Grabsteines folgt)

 

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