Das ist unser Bier!

August 17, 2015 um 18:17 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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In diesem schönen Sommer soll es passenderweise einmal um den edlen Gerstensaft gehen und das ist unser Bier….. Vom Bieradies zum Bierolymp oder umgekehrt ist es in St.Veit nur ein Katzensprung. Diese Adressen sind noch jung, die Geschichte des Bieres in unserer Stadt aber um so älter.

War St.Veit immer schon voll von durstigen Seelen? Es hat ganz den Anschein! Die größte Gruppe unter den mit Bürgerrecht ausgestatteten Herzogstädtern waren nicht die Kaufleute, auch nicht einzelne Handwerke, es waren die Wirte, die Steinbier- und Kesselbierbräuer. Sie gelangten teilweise zu beträchtlichem Vermögen und genossen dementsprechend großes Ansehen. Weil Berufsangaben im Bürgerbuch der Stadt (Landesarchiv Handschriften 2-2a) erst relativ spät üblich werden, können wir das Geschehen erst ab Beginn des 18. Jhdts. einigermaßen betrachten. Die Wirte wollen wir nur insofern, als sie sich auch mit eigener Biererzeugung beschäftigten, heranziehen. Man darf auch getrost davon ausgehen, daß nicht jeder Wirt und auch nicht jeder Bierbrauer sich um Bürgerrecht beworben hat und daß es folglich nicht die einzigen ihres Berufsstandes sein können, die tieferstehend genannt werden: Die in Klammern gesetzte Jahrzahl steht immer für die feierliche Bürgeraufnahme, verbunden mit der Ablegung des Bürgereides und mit der Entrichtung einer variablen Bürgertaxe.

Kesselbierprojer (Originalschreibweise) Gottlieb Kuchler (1704) zahlt 12 Gulden. Gelernter Bierbrauer Johann Zopf (1720) aus Radstadt zahlt 10 Gulden. Kesselbierbrauer Hans Georg Hauser (1724) im Salzburger Land geboren, 10 Gulden. Kesselbierbrauer Hans Suehsbauer (1725) ebenfalls vom Salzburger Land, 20 Gulden. Suehsbauer ist der erste Biersieder, den wir im Alten Bräuhaus in der Bräuhausgasse, damals noch Judengasse genannt, festmachen können. Von den Vorgängern wissen wir es nicht genau. Von einem Vertreter dieser Familie gesponsert und signiert findet sich eine Schützenscheibe im Stadtmuseum, den sagenhaften Schutzherrn aller Bierbräuer Gambrinus, König von Brabant darstellend. Kesselbierbrauer Andre Suehsbauer (1837), hier geboren, er zahlt 12 Gulden Taxe (1761) Bräumeister Anton Kernmayer, 1789 hier geboren und auch er bereits im Bräuhaus aktiv Zwischen diesen beiden Familien war eine Zeit lang der Stadtmagistrat selbst Inhaber der Bräuhütte. Man stellte es sich damals so vor, daß die umliegenden Wirte, welche bislang und stets unter höchster Feuergefahr für die Stadt, ihr Steinbier selbst machten, von nun an in einem gewissen Turnus, die städtische Bräuhütte an der Stadtmauer benützen würden. Die dort gewährleistete, bessere Aufsicht sollte Stadtbrände vermeiden helfen. Das ging aber nicht lange gut. Der Eigensinn und das zunehmende Ausweichen der Bierbrauer in die Vorstädte, ja sogar über die Stadtgrenzen hinaus, ließ die städtische Initiative bald versanden. Schließlich war der Stadtmagistrat froh, in Kernmayer einen Käufer gefunden zu haben, der sich damals sogar noch das sogenannte „Lazarett“ am Eingang des Vitus-Parkes miterhandeln konnte. Beim Lazarett dürfte es sich um das Krankenrevier der in der Stadt in Garnison liegenden kaiserlichen Soldaten gehandelt haben.

Steinbierbrauer Dominikus Trinker, (1800), 1762 hier geboren Steinbierbrauer. Anton Haß, (1808), am Pauffler’schen Haus in der Klagenfurter Vorstadt, 1767 in Goggerwenig geboren.

Steinbierbrauer Gregor Obenar (1841), (Spitalgasse 13) von Bleiburg und dort 1808 geboren

Wir haben nun über einen Zeitraum von 150 Jahren nur einmal die Brauhäuser betrachtet und dabei gesehen, daß neben den Steinbiererzeugern längst schon Kesselbierbrauer vorkommen. Was ist der Unterschied zwischen diesen beiden? Wer schon einmal über die Nockalm-Straße gefahren ist und dort im Karlbad gesehen hat, wie man die Bachsteine im Feuer erhitzt um damit das Wasser in den Badtrögen zu erwärmen, der hat schon die richtige Vorstellung vom Steinbiermachen. Um sich die Anschaffung eines teuren, damals nahezu unerschwinglichen, eisernen Gefäßes, also eines Kessels zu ersparen, den man allerdings zum bequemen Unterheizen und Sieden der Bierwürze hätte verwenden können, machte man den Sud im Holzschaff mittels erhitzter Steine. Aber nicht nur das, auch das Ausgangsmaterial war beim Steinbier meist minderwertiger, sprich Hafer statt Gerste und so eben auch die Qualität des Bieres eine sehr verschiedene. Dies führte schließlich auch dazu, daß Steinbier eines Tages immer weniger angeboten wurde.

Wenden wir uns nun jenen Wirtshäusern zu, die alle noch ihr eigenes Bier und zwar ausschließlich Steinbier hatten, und ebenfalls zu Bürgerehren aufgestiegen sind.

Mäz Zacharias (1758) mit dem Kemetter`ischen Steinbier-Wirtshaus, er kam aus Weitensfeld. Josef Schmidt (1758)  „so das Pauffler´sche Steinbier-Wirtshaus, Klagenfurter Vorstadt erkauft“ Josef Wernhamer (1759) kam durch Heirat der Martl Tochter zu Haus und Steinbierbräu. Lorenz Surtmann, (1763) Wirt am Gatter´ischen Haus und Steinbierbräuer aus Gurk gebürtig.  Simon Hochhalter(1770), hier geborener Wirt und Bierbrauer, Sohn eines Steinbierbrauers.  Anton Mayländer, (1770) Wirt und Brauer in der Friesacher Vorstadt, von Sand zugezogen.  Jakob Seidl (1771), Wirt und Steinbierbrauer am Kemetter-Haus, in Gurk geboren. Jakob Tolhamer (1791), Wirt und Steinbierbräuer, aus Kötschach gebürtig.

Josef Steiner (1824), Haus mit realer Steinbierbrau-Gerechtsame Villacher Vorstadt 156 aus Obermühlbach zugezogen und dort 1791 geboren. Josef Lebmacher (1834), Braumeister, 1810 hier (d.h. in der Stadt) geboren.

Im Jahre 1826 geht Johann Winkler, aus der Klagenfurter Vorstadt mit einer Beschwerde bis vor das Hohe Gubernium in Graz. Der diesbezügliche Vorgang liegt im Besitzveränderungs-Protokoll 1825-1835, im Landesarchiv Klagenfurt unter Signatur 189b verwahrt:

„Gemäß beiliegender magistratlicher Aufsandung vom 3. Hornung 1809, welche am 11.1.1811 grundbücherlich einverleibt worden, ist das Haus Nr6alt/222neu samt realer Steinbier-Gerechtsame auf mich gediehen. Weil ich aber nun ein gelernter Kesselbierbrauer war und ohnehin nur eine einzige Kesselbierbrauerei hier in St.Veit ausgeübt worden, so habe ich beim hohen Gubernium in Graz angesucht, daß meine erkaufte Steinbiergerechtsame in eine reale Kesselbiergerechtsame umgewandelt werden wolle. Meinem Ansuchen wurde in Folge des beiliegenden Dekretes vom 11. Juli 1812 stattgegeben, worüber aber der hiesige bürgerliche Braumeister Georg Kernmayer  r e c u r i e r t e , am 16. Feber 1813 jedoch (damit) abgewiesen wurde. Demnach bitte ich den löblichen Magistrat, wohlselber geruhe, die Einverleibung dieser Urkunde im magistratlichen Besitzumschreibungsprotokoll zu bewilligen.“ Daraus, daß Georg Kernmayer als einziger Kesselbierbräuer bezeichnet wird und daß auch kein anderer Brauer Einspruch erhoben hat, müßte man schließen, daß alle vorgenannten Kesselbierbräuer einzig und allein im Alten Bräuhaus in der Judengasse gearbeitet haben.

Die ältesten Gasthäuser sofern mit Steinbierbräu-Gerechtsame ausgestattet, waren danach Gasthaus Gautsch in der Villacher Straße, das heutige Haubenlokal Pukelsheim, Erlgasse 11 und der Gasthof Nagele in der Spitalgasse 13.

 

Hickhlisches Wirtshaus, Hotel Stern und Fuchs-Palast

September 10, 2012 um 16:18 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Über Jahrhunderte war man in St. Veit froh über die hohen Stadtmauern und mit Stolz blickten die Bürger auf die starken Stadttore, denn nicht selten drohte von irgendwo her Gefahr. Auch war der „Fremdenverkehr“ jener Zeiten kaum einmal ein Segen.

Doch die Verhältnisse änderten sich, damit auch das Sicherheits-Bedürfnis. Nach und nach wuchsen die Vorstädte, benannt nach den nächstgelegenen Orten Klagenfurt, Villach, Friesach und Weitensfeld. Mauern und Türme empfand man nur noch als Hindernisse, sei es bei Neubauwünschen oder im Straßenverkehr und so rückte man ihnen ziemlich ungeniert zu Leibe. Nach und nach fiel dort und da ein Stück der steinernen Stadteinfassung und von Toren ist heute überhaupt nichts mehr zu bemerken.

Es hat den Anschein, als wären Wirte die mutigsten Neusiedler außerhalb der Stadt gewesen, denn überall an den Einfahrtsstraßen entstanden mitunter recht stolze Einkehrgasthöfe, die ihren älteren Zunftgenossen in der Stadtmitte immer mehr Kunden und Geschäft wegschnappten. Im ältesten erhaltenen Stadtplan des F. Thomas Sartor von 1749 ist etwa der Sternwirt vor dem Friesacher Tor schon eingezeichnet und im Grundbuch der Kammerstadt St. Veit (1743ff) erscheinen innerhalb des alten Vorwerkes (Barbakane) ein Anton Türk, Maurermeister, Mathias Dirnkas, Sebastian Neuberger und der Hufschmied Franz Egger. Gleich danach, in Richtung Friesach, folgt schon F.X. Mayer, Gastgeb beim „Stern“ mit drei Hausnummern: 5 Sattlerkeusche, 6 „Lusthaus“, 7 Stern Wirtshaus. Je eine Wiesen- und Ackerparzelle, wo heute Parkhaus und Parkplatz liegen, gehörten gleichfalls zur Stern Realität. Im weiteren Verlauf, andere Straßenseite, folgten nur noch die Häuser 8 Drucker Keusche und 9 Anton Meiländer´s Wirt zum Schwarzen Adler.

Die wechselvolle Geschichte

des Stern-Wirtshauses während der letzten 250 Jahre lässt sich vielleicht am besten mit der Folge der Besitzer darstellen. Ist es doch neben Glück und Ungunst der Zeiten immer wieder und vor allem der Mensch, der mit Wagnis, Geschick und Fleiß oder mit dem Fehlen solcher Tugenden Erfolg und Niedergang einer Hauswirtschaft bestimmt. Ob in gewerblicher, gesellschaftlicher oder baulicher, heute müßte man ergänzend auch sagen, in politischer Hinsicht, der „Stern“ spielte im Leben der Stadt immer eine gewichtige Rolle.

Eine Auswertung des Bürgerbuches der Stadt St.Veit 1564-1884, Landesarchiv Katalog Stadt St. Veit, (Signatur 2) lässt präzise Schlüsse über Pächter und Besitzer, auch beim späteren Stern zu. Dreimal, nämlich 1675, 1690 und 1710 kamen Bürgeraufnahmen der Familie Hickhl vor. Zwei davon waren Fleischhauer von Beruf, was ja auch recht gut zu Gasthaus passte.

Im Steuerbuch (1753) kommt die höchste Steuerleistung aller Häuser der Friesacher Vorstadt von einer Frau Maria von Greifenstein, also vom Stern, ohne dass dieser ausdrücklich genannt wird. Bei Maria handelt es sich nämlich um eine geborene Hickhl, Tochter des Wirtes Mathias Hickhl (Bürger seit 1675) und Ehefrau des nobilitierten St. Veiter Bürgers und Gewerken Friedrich Kräschnig, auch Kraschnig (Bürger seit 1695). Sie kann nicht mehr selbst Wirtin, wohl aber immer noch Eigentümerin der Realität gewesen sein. Des Kräschnig Hauszeichen prangt noch über dem Eingangstor des Hauses Hauptplatz 9.

Im nahezu zeitgleichen Stadtplan des Sartor von 1750, ist die Sternrealität viel detailreicher dargestellt Planskizze I. Dem zufolge liegen direkt an der Ausfahrt nach Friesach gleich zwei größere Baukomplexe mit Innenhöfen. Allem Anschein nach ein Herrenhaus, ein Wirtschaftshof und erst danach nördlich angebaut jener älteste Gebäudeteil mit Gasthaus und  tiefen Kellern. Auch das später als „Lusthaus“ bezeichnete Objekt, westlich von den Hauptgebäuden ist bereits erkennbar. Dasselbe steht am Beginn eines Baumgartens, der wiederum durch eine Gartenmauer vom dahinter liegenden Park getrennt ist.

1746 wird Johann Leitgeb, „Gastgeb am Hicklischen Wirtshaus“ als Bürger aufgenommen. 1758 legen Franz Turtltauben, und 1761 Johann Kumer, beide als Wirte auf dem „Hicklischen Wirtshaus“, Friesacher Vorstadt bezeichnet,  ihren Bürgereid ab.

1780 folgt Josef Herzele, von dem gesagt wird, dass er die Kumer´sche Witwe geehelicht und alle ihre Schulden übernommen habe. Bei gleichbleibender Adresse, nämlich Friesacher Vorstadt 6, ist erstmals bei Kumer anzunehmen, dass er Eigentümer und nicht nur Pächter  war.

1791 erfolgt die Bürgeraufnahme des Franz Xaver Mayr „Sternwirt“ in der Friesacher Vorstadt 6  und 7. Er kam aus der Stadt Salzburg und er war es auch, der den neuen Wirtshausnamen prägte. Damit verbunden war sicher auch eine Vergrößerung, was aus den inzwischen zwei Hausnummern zählenden Besitz hervorgeht.

 1794 begegnet uns Joseph Landfraß als Bürger und „Sternwirt“ Dieser stammte aus der Kreuzen, im Landgericht Paternion.

Der Katasterplan von 1828 zeigt leicht reduzierte Bauflächen, dafür an Stelle von Garten und Park nur mehr Wiese Planskizze II. Die Skizze lässt auch gut das bauliche Gedränge, sowie den winkeligen, teils überbauten Zugang zur Stadt vor dem Friesacher Tor erkennen.

Den nächsten Stern-Wirt kennen wir besser, weil im Jahre 1816 mit den in napoleonischen Wirren eingerissenen gewerberechtlichen Missständen aufgeräumt werden musste. Fast jeder zweite Hausbesitzer hatte sich die Jahre davor das Wirts-Recht angemaßt. Es musste wieder amtlich festgestellt werden, wer denn wirklich von alters her eine Berechtigung habe.  Unter andern wurde dabei einem Johann Pickl „Zum Stern“ das Recht zum Ausschank von Wein und Branntwein bestätigt. Mit hohen Strafen war bedroht, wer es fürderhin wagen sollte, verbotenerweise auszuschenken. Nebenbei sei vermerkt, dass auch der Wirt „Zum schwarzen Adler“ nur ein paar Häuser weiter, alte Rechte hatte, obendrein jedoch noch Steinbier feilbieten durfte. Auf Johann Pickl  folgten 1817 sein gleichnamiger Sohn und 1842 schließlich ein Michael Pickl. Bei Besitzüberschreibung hat der Stern die Hausnummer 212 und vom vorher allein gestandenen Sattlerhaus mit Nr. 213 wird gesagt, es sei bereits zusammengebaut mit Nr. 212 und mit dieser vereinigt. Das „Lusthaus“ von 1743 ist nicht erwähnt und jedenfalls ohne Hausnummer geblieben. Das ist ein Hinweis dafür, dass es sich damals bestenfalls um einen Pavillon und nicht um ein Wohnobjekt gehandelt hat.

Mit Einführung von Hausnummern 1743 wurde in Innenstadt und Vorstädten gesondert, jeweils von 1-x gezählt, in unserem Falle vom Tor stadtauswärts. 1828 kam die Nummerierung der Bau- und Grundflächen dazu. Während jetzt jedoch mit den Hausnummern nicht mehr zwischen Innenstadt und Vorstädten unterschieden, sondern gemeinsam von 1-x nummeriert wurde, liefen die Hausnummern der Friesacher Vorstadt verkehrt herum, also von außen nach innen. Immer wieder wurde neu durchgezählt, man hatte ja erst Hauslisten, keine realen fixen Nummernschilder und so kommt es bei heutigem Gebrauch notgedrungen zu Verwirrung und Unsicherheiten. Ein Abbruch da, ein Neubau dort oder eine beliebige Richtungsänderung des Zählenden führte unweigerlich dazu, dass ein und dasselbe Haus oft binnen weniger Jahre unter verschiedensten Nummern erscheint.

Interessant ist ein Umbauplan vom 27.1.1853 des Mathias Kerschbaumer, weil der Mann erst 1861 zusammen mit Johann Mayerhofer im Grundbuch aufscheint. Das erklärt sich vielleicht so, dass er die Umbaumaßnahmen in Angriff genommen hat als er noch nicht Eigentümer war und erst später einen zahlungskräftigen Partner gefunden hat. Das Bauprogramm war schon recht umfangreich. Nicht nur die Fassade wurde neu gestaltet, die Eingangstüre um zwei Achsen Richtung Stadt verschoben und die Fenster vergrößert. Vor allem im Innenausbau wurde viel geändert. Im Erdgeschoß links und rechts des neuen Mittelganges entstanden durch Mauerdurchbrüche größere Gasträume. Küche und Stiegenhaus kamen neu hinzu. Im Obergeschoß, welches offenbar seit dem Zusammenschluss der zwei Häuser schon vorhanden, aber nur zum Teil ausgebaut war, entstanden der erste Saal und eine Wohnung für die Wirtsleute, hofseitig zu ebener Erde und darüber je zwei Klosetts.

Der erhoffte, bessere Geschäftsgang dürfte nicht eingetreten sein. Die Zeiten waren schlecht. Um 1848 kurz gehegte Freiheitshoffnungen erfüllten sich nur für wenig und auch dort nur teilweis. Das Bürgertum wurde jedenfalls enttäuscht, denn die Gemeindeautonomie hatte man in St. Veit immer schon. Die neue Bevormundung durch Staatsbehörden (Metternich) hingegen war neu und drückend. Hinzu kamen die krisenhaften Erscheinungen in Italien, die belastenden Einquartierungen und Durchmärsche. Kurz und gut, 1877 brachte einen jungen Wirt, indem Kerschbaumer an seinen unehelichen Sohn Markus Knappitsch übergab. Dieser hatte nicht geringe Schulden und einige Auszuglasten zu übernehmen. Es dauerte nur zwei Jahre und schon gingen „Gasthof samt Garten, Sälen (Mehrzahl!?) und Stallung“ um 12.000 Gulden auf Firma Gebrüder Ledl, Handlung in Klagenfurt über. Der Geldgeber musste offensichtlich zur Rettung seiner Forderungen kaufen, als Wirt kam er nicht in Frage. Was sich von 1879 bis 1882 beim Stern getan hat ist unklar. Immerhin übernahm jetzt die Stadt selbst den Stern. Die Motive der Stadt waren zuerst unklar. Ein altes Konzept-Buch aus der Bürgermeisterzeit von Dr. Spöck, überliefert von Frau Paula Zechner, Tochter des Josef Pucher (1895-1974) Oberlehrer, Rilke-Forscher und großer Förderer der Anthroposophischen Gesellschaft in Kärnten bzw. Enkelin des Franz Pucher (1861-1909) Städtischer Wachtmeister in St.Veit,  vermag darüber einiges auszusagen.

Aus alten Gemeinde-Protokollen

Besagtes Konzept-Buch ist zwar – wie bei schnellen Mitschriften nicht anders zu erwarten – sehr flüchtig geschrieben und äußerst schwierig zu lesen, gibt aber nichts desto weniger wertvolle Aufschlüsse zum Gegenstande. So ist zu vernehmen, dass im Jahre 1881 der Stadt die Pflicht auferlegt wurde, außer der ständigen Garnison einer Cavallerie Escadron , zusätzlich noch eine zweite Escadron einzuquartieren. Eine österreichische Reiterescadron zählte damals mindestens 100 Pferde und die dazugehörige Mannschaft. Um eine so große Unterbringung zu ermöglichen, wurde damals die Stern-Realität in der Friesacher Vorstadt Nr. 5 und 6 zuerst angemietet und gleich darauf im Exekutionswege um Gesamtkosten von 13.000 Gulden erworben. Um diesen großen Kauf zu bewältigen, musste mit Genehmigung des Landesausschusses, heute würden wir Landesregierung dazu sagen, ein Kapital von rund 14.000 Gulden zu 4% Zinsen bei der örtlichen Stadtsparkasse aufgenommen werden.

Im Jahr 1903 wird protokolliert: „Die Stern-Realität, welche  n i c h t  dem Stammgute der Gemeinde einbezogen werden konnte, wurde später um jährlich 650 Gulden verpachtet. Heute (d.h.1903) wirft dieselbe samt Mietzins ein Bruttoerträgnis von 2.230 Kronen ab. Dieser Betrag reiche aber kaum für Kapitalzinsen, Steuern und Umlagen bzw. für bei solch alten Gebäuden immer höher sich belaufende Reparaturen. Der Ertrag mache gerade noch 2% jährlich aus. Es wurde daher schon seit Jahren auf eine günstige Gelegenheit zur Abstoßung des Anwesens gewartet und mit einstimmigen Beschluss vom 7. Juni 1903 entschieden, dass die Realität um 40.000 Kronen zu haben sei und die Gemeinde noch einen schönen Gewinn erzielt“.

Ein dagegen eingebrachter Rekurs zwang die Gemeinde zur Rechtfertigung vor der übergeordneten Stelle. Dort steht: „Seit Freiwerden des Besitzes von der Escadron war trotz wiederholter Ausschreibungen lange Zeit kein passender, kapitalkräftiger Käufer zu erlangen. Im Jahre 1892 bot Herr Mayerzedt nur15.000 Gulden. 1896 wurde der „Stern“  der Brauerei Reininghaus um 25.000 Gulden angetragen, das Angebot aber als zu teuer abgelehnt. Mit Rücksicht auf die von Jahr zu Jahr sich mehrenden Reparaturen und das minimale Erträgnis wurde bei jeder Gelegenheit, bei der die Sache zur Sprache kam, in- und außerhalb des Gemeindeausschusses der Verkauf verlangt und war es gerade der jetzt Rekursführende, welcher für die Abstoßung immer eingetreten ist!“

„Zum Verkaufe an Herrn Mayerzedt war der Umstand ganz besonders bestimmend, dass der Genannte als langjähriger Pächter gut eingeführt, seine Frau eine vorzügliche Köchin und so die Gewähr geboten ist, dass der Stadt ein guter Wirt mit guter Küche erhalten bleibt. Herr Mayerzedt wird auch sofort nach Rechtskraft des Kaufvertrages bedeutende Umbauten vornehmen, die ihn ein schweres Geld kosten werden, wodurch aber das alte Gasthaus in  ein modernes Hotel  umgestaltet wird. Dass diese Umwandlung im Interesse der Stadt und ganz besonders geeignet ist, den  Fremdenverkehr  (St. Veit war noch ohne direkten Bahnanschluss!) und den Zuzug der Fremden und Sommerfrischler nach St. Veit zu heben, kann auch nicht unerwähnt bleiben. Dass die gegen den Verkauf an Herrn Mayerzedt künstlich hervorgerufene Erregung wohl nur einem sehr kleinen Kreis und aus persönlichen Motiven entspringt ist ganz zweifellos und auch kein Geheimnis“.

„Jedes einsichtsvolle Gemeindemitglied ist mit diesem Kaufabschlusse einverstanden. Dass die Realität samt dem Sitzgarten zum Hotelbetrieb erhalten und gewidmet bleibt, ist Vertragsbedingung und wird grundbücherlich sichergestellt.“

„Anfechtungen und Rekurse sind gänzlich hinfällig, weil der Platz für ein Krankenhaus (!) (Sieht nach einer vorgeschützten, angeblich besseren, aber ziemlich krausen Verwendungsabsicht aus, Anmerkung des Verfassers) nicht geeignet sei. Beim heutigen Geschäftsgange und dem Zustand der Gebäude kein Mensch  mehr zu zahlen imstande ist. Ein Kaufschilling von 60.000 Kronen wäre ja wohl ideal schön, aber niemals erreichbar – namentlich bei Beschränkung des Käufers in der Verwendung des Platzes.“

Josef Mayerzedt war ein Oberösterreicher, am 4.10.1857 in Eferding geboren. Er dürfte weit in der Welt herumgekommen sein. Seine Ehefrau Barbara geborene Burger stammte aus Ochsenfurt in Bayern. Sie war nur um ein Jahr jünger als ihr Mann. Von den insgesamt acht ehelichen Kindern, alles Mädchen, kamen die ersten fünf zwischen 1886 und 1892 in St.Georgen am Längsee, die restlichen drei 1893, 1897 und 1898 in St.Veit/Glan zur Welt.

Das Pachtverhältnis des Mayerzedt beim „Stern“ hat somit zu Anfang des Jahres 1893 begonnen.  Von da an gab es im Stern ein bis dahin ungeahntes und später nie wieder erreichtes kulturelles und gesellschaftliches Geschehen. Federführend war dabei  der Männergesangsverein St. Veit, mit seinen Kränzchen, Liedertafeln, Konzerten und Theateraufführungen. Anspruchsvolle Darbietungen verraten die erhalten gebliebenen Programme. Die schöne und hoch talentierte Otti Knaus brillierte in jeder Hinsicht und feierte große Erfolge. Auch der Eisenbahner Gesangsverein ist in diesem Zusammenhang unbedingt zu nennen.

Baumaßnahmen um die Jahrhundertwende

Die räumliche Situation zu jener Zeit geht aus Planskizze III hervor. Hofgebäude erscheinen neu. Anstelle des quer gestellten Holzbaues finden wir jetzt einen größeren, längsgerichteten Massivbau mit gewölbtem Erdgeschoß, dazu zwei kleinere Gebäude, das eine aus Holz und alleinstehend, das andere massiv und in der Flucht der Grundstücksgrenze. Planskizze IV hingegen zeigt bereits den Saalbau von 1905. Zum schon bekannten Hofgebäude kommt erstmalig eine gedeckte Kegelbahn. Man kann sich beim Stern also mittlerweile auch für eine Kegelpartie verabreden. Die Parzelle Nr. 68 ist bereits geteilt.

Schon die Ahnung eines kommenden großen Krieges wirkte dämpfend auf Gemüt und Lebensfreude. Beim Stern litt das Geschäft und Mayerzedt geriet in größte finanzielle Schwierigkeiten. Ein Konkurs zwang die Sparkasse der Stadt als Hauptgläubigerin, die Sternwirt Realität, welche damals noch eine Einheit bildete, 1914 zu ersteigern. Niemand sonst wollte sich das zu  dieser Zeit antun. 

Mit Kaufvertrag vom 5.2.1918 erwirbt Karl von Schreibern aus Köstenberg ob Velden das Hotel mit allem drum herum.  Am 9.3.1926 schließt Schreibern nach langer Durststrecke mit Viktor Leitgeb, vlg. Stefale in der Leiten einen Kaufvertrag. Leitgeb war möglicherweise nicht gern Bauer im Wimitzgraben, aber ganz und gar kein städtischer Wirt. Ende 1930 ist er schon gezwungen, alles den Eheleuten Rochus und Luisa Fössl zu verkaufen, welche bis 1939 als Wirte auf dem Besitz bleiben.

1939 tritt Hans Carl Schimitzek als Käufer auf. Kriegs- und Nachkriegsjahre gaben ihm wenig Gelegenheit, als Hotelier besonders erfolgreich zu sein. Auch an Bau- und Verbesserungsmaßnahmen  war in jener Zeit nicht zu denken. Die Partei hatte jetzt in allem das Sagen. Abgesehen von fallweisen, dem Ende zu immer selteneren Veranstaltungen der NSDAP – auch Musterungen wurden dort abgehalten – war im „Stern“ zur Kriegszeit geschäftlich wenig los. Dafür sollen dann anschließend bald die Engländer als Besatzungsmacht und mit ehemaligen deutschen Landsern als Musikern um so schwungvollere Tanzfeste im Sternsaal abgehalten haben.

Englische Besatzer in St. Veit

H.C. Schimetzek ließ nach dem Krieg im Hof einen großen Garagentrakt entstehen, was immerhin ein gewisses Ansteigen von motorisierten Gästen voraussetzt. Weil aber Schimetzek den Tischler für die Garagentore nicht zahlen wollte oder konnte, erhielt 1949 der Tischlermeister G. Thomaschitz dafür  die ehemalige Beschäl-Station, die von 1928-1942 Mechanische Werkstätte des Karl Zygartowski und danach noch bis 1945 Autoreparaturwerkstätte der Deutschen Wehrmacht, schließlich aber auch noch eine Zeitlang Arbeitsstätte der Molkerei war (heute Familie Kriegl, Friesacher Straße 5).

Vom 9.12.1949 datiert ein Bauplan des Architekt Troyer, wonach erstmals straßenseitige Geschäftslokale ausgebaut werden sollen und zwar beginnend an der Südecke das Textilgeschäft Stefflbauer-Krauzer (Amazone), vom Haupteingang anschließend die Wohnung des Lohndieners Alex und 6 weitere kleine Geschäftslokale. Ohne Anspruch auf Vollzähligkeit und richtige Reihenfolge waren dies: Drogerie Maier, Haslinger Hüte, Sorgner Optik, Neuberger Lebensmittel, Zürich-Kosmos Versicherung, und Gautsch Papierwaren. Der Innenausbau mit Extrazimmer, Gastzimmer, Küche, Sanitär, Stiegenhaus, sowie die Maßnahmen im Obergeschoß mit großem und kleinem Saal, Rosenzimmer und einigen Fremdenzimmern sind vermutlich nur noch zum Teil  von Schimetzek.

Von Februar 1951 bis 1954 lag Besitzgemeinschaft zwischen Martin und Maria Auer vor. Sonst war über diese drei Jahre nichts zu erfahren. Die baulichen Verhältnisse dieser Zeit sind aus Planskizze V zu ersehen. Die Kegelbahn ist längst wieder abgetragen, der den Hof auf zwei Seiten umschließende Garagentrakt hingegen wird fast 50 Jahre bestehen bleiben. Außerdem gibt es jetzt eine Vierteilung der einstigen Stammparzelle 68. Die einstige Baufläche 224/1 geht endgültig in 224/2 auf.

Die Arbeiterkammer zieht ein

Mit Kaufvertrag 15.3.1954 tritt ein potenter neuer Eigentümer auf den Plan und wird die Geschicke des „Stern“  für die nächsten 40 Jahre maßgeblich bestimmen. Kein Inhaber zuvor hat hier  je so große Baumaßnahmen gesetzt. Weil die sozialistische Arbeitervertretung von St. Veit ihr einstiges Arbeiterheim der Zwischenkriegszeit an der Klagenfurter Straße Ecke Lastenstraße zunächst durch den Ständestaat, dann endgültig durch Fliegerbomben verloren hatte, die provisorische Unterbringung im Panger Haus in der Friesacher Straße schon längst aus allen Nähten platzte, erblickte man im Ankauf der Stern Realität, eine günstige Gelegenheit, sich in günstiger Lage den nötigen Platz zu schaffen.

Sogleich wurde ein großer Teil zwischen Stern-Saal und dem ältesten, dem nördlichen Trakt gänzlich abgetragen und der Haupteingang in nördlicher Richtung verschoben. Die Gesamtfront wurde auf drei Geschoßhöhen gebracht. Innenumbauten fielen dementsprechend umfangreich aus. Im zweiten Obergeschoß zogen Arbeiterkammer und ÖGB ein, während im dritten OG die Kärntner Gebietskrankenkasse und das Arbeitsamt untergebracht werden konnten. Im Erdgeschoß entstand durch Geschäftsauflassung ein Cafe, welches 1958 noch eine Erweiterung erfuhr.  Hotel, Restaurant und Cafe wurden bis 1971 von der Arbeiterkammer mit einem Geschäftsführer in Eigenregie betrieben, danach verpachtet. Die neue Adresse für Veranstaltungen jeglicher Art lautete nun „Volksheim St. Veit“. Bald, insbesondere  zur Faschingszeit, sind die Stern Säle sehr gefragt und hoch frequentiert. Es kommt nicht selten zu Terminkollisionen, denn Veranstalter,  wie Turnverein, der Atus, Parteien, Bauern usw., brauchen Räumlichkeiten. Das geht viele Jahre gut, bis die Kosten für Tanzmusik eines Tages den Vereinen nicht mehr erschwinglich erscheinen und wohl auch der große private Einsatz von Seiten der Vereine allmählich und  schließlich gänzlich nachlässt. Auch der Geschmack der nachkommenden Generationen ändert sich. Disko Besuche sind für die Jugend auf einmal viel interessanter als „steife“ Bälle.

Ein Denkmal für Elisabeth Zemrosser

Doch immer noch gibt es beim Stern eine gute Küche, und, was  wohl das Wichtigste war, eine findige, tüchtige, leutselige und arbeitsfreudige Wirtin, die selbst nie nach der Uhrzeit fragte. Elisabeth Zemrosser nannte man sie. Mit Stammgästen verstand sie eben so gut umzugehen, wie mit Omnibuslenkern oder Stadtpolitikern. Obzwar sich die Gegebenheiten stark veränderten und vor allem die modernen Reisebusse mit größeren Radius und moderner Ausstattung es nicht mehr nötig hatten, in St. Veit Zwischenstopps einzulegen, trotz alle dem fragt man sich, ob es nicht gescheiter gewesen wäre, die leidenschaftliche Wirtin an dieser Adresse weiterwirken zu lassen. Mit dem halben Investitionsaufwand von später hätte man vielleicht doppelt so viel für St. Veit bewirken können. Der weitere Fortgang war bislang kein berühmter. Man hätte den ganzen Stern ihr schenken müssen und sich dabei viel Geld und Ungemach erspart. Sie hat immerhin schon bewiesen gehabt, wie man so eine Wirtschaft führen muss.

Ein Presse-Spiegel

Man schreibt das Jahr 1971.  Noch einmal kauft die Gemeinde den Stern. Frau Zemrosser blieb zwar noch einige Zeit Pächterin, doch 1996 gab man ihr keinen neuen Vertrag mehr.

Stattdessen träumte man von einem Congress- & Seminarhotel.  Aus Träumen machte der Baulöwe Robert Rogner um viel Geld handfeste Tatsachen, materiell ja, doch das ideelle Ziel und der wirtschaftliche Erfolg werden nicht erreichtt. Es kam zur Gründung einer Hotel- & Immobilien Beteiligungsgesellschaft & CoKG, eine schwierige Konstruktion, der jedoch kein langes Leben beschieden war.

Adolf Winkler, Wirtschaftredakteur der Kleinen Zeitung sprach im Oktober 1997 mit Rogner. Frage, darf man Herrn Rogner zur Finanzierung des St. Veiter Fuchsbaus gratulieren? Antwort, gratulieren müssen Sie Bürgermeister Mock, dass es ihm gelungen ist, Prof. Ernst Fuchs für ein Projekt in St. Veit zu gewinnen. …. Das Geld wird die Stadt aus dem Cash-flow zur Gänze zurück bekommen. Das 60-Zimmer-Hotel zahle ich ja selber. 60 Millionen dafür muss ich zurückzahlen. (Originalton!)

Für 1998 wurden im Rogner-Hotel „Zodiac“ 16.000 Nächtigungen erwartet, Eröffnung im Mai mit dem Musical Sisi! (Stankt Veit Kommunal  7/97). Schon im Mai tritt eine Überschreitung der (ursprünglich  mit 130 Millionen öS geplanten) Baukosten um 5 Millionen öS zu Tage. Die Berliner Hypothekenbank fordert zur Sicherstellung der insgesamt 35 Millionen eine Eintragung im bisher unbelasteten Grundbuch (KlZ 17.4.).  Noch einmal Winkler und Rogner: „wie finanziert wird: 30 Mille Rogner Eigenkapital (gemeint Eigenleistung?), 30 Mille (endgültig 35 Mille) Rogner Kredit in Berlin,   70 Mille Rogner zinsenloses Darlehen der  Stadtgemeinde, beide von Rogner rückzuzahlen. Schlagzeile KEIN KWF GELD? D.h. keine Zuwendung seitens des Landes Kärnten! Rogner: „Eine Förderung mindert (eigentlich: würde mindern) den Kapitaleinsatz der Stadt St. Veit. Ich selbst kriege sowieso null“ Heißt das, Rogner würde alle Kredite und Darlehen tilgen, egal ob mit oder ohne Landesförderung? Das wohl nicht! Hat Rogner jemals etwas zurück gezahlt, in irgendeine Richtung? Denn inzwischen gibt es eine neue Konstruktion, man hört von der Rogner-Dorint-Gruppe. Was steht in den neuen Verträgen?  Ein Kontrollausschuss wird gefordert und von der Mehrheit für nicht notwendig erachtet (KlZ 6.6.).

Kein Trampelpfad zu Sisi. Aufmacher der Kulturseite Kleine Zeitung 2.9.1998

Uwe Sommersguter, von Kärntner Woche spricht mit Mock, Ausgabe 11-17.Nov.1998 über die Finanzierung für „Zodiac“. Lesenswert,  jedoch nicht leicht durchschaubar!

Kleine Zeitung 18.8.1999 „Neues Konzept für „Zodiac“ die Auslastung beträgt nur 50%.

Detto 19.8.1999 „Zodiac“-Wirtschaftslage ist selbst für mitfinanzierende Gemeinde undurchsichtig.

Krone 14.11.2002 Neustart für den Fuchspalast, Küche ist kalt, Kaffee-Bar geschlossen.

Krone 28.11.2006 St. Veit will „Fuchspalast“ Bürgermeister Gerhard Mock ist heilfroh….“

Kleine Zeitung 28.11.2006 E. Tschernitz  „Alarmglockern.  „Robert Rogner ist ein alter Fuchs…..“ und „Rogner zahlt das Darlehen erst zurück, wenn sich der wirtschaftliche Erfolg einstellt. Pech (für die öffentliche Hand) wenn er es nicht tut.“

Detto Seite 15 Darlehen im Andromeda-Nebel. Auch für den Fuchspalast in St. Veit bekam Rogner ein Millionen-Darlehen. Bisher floss kein Cent an die Stadt zurück. Jetzt überlegt sie eine Übernahme.

Krone 8.6.2007 Zwei Millionen Euro Kosten, Die Gemeinde St. Veit kauft von Rogner das Hotel „Fuchspalast“  – „Vienna International“ übernimmt die Geschäftsführung. Darlehensrückzahlung aus Einnahmen.

Kleine Zeitung 20.10.2010 Holding kündigt 17 Hotel-Mitarbeiter. Hotelbetrieb eingestellt. Cafe bleibt.

Detto 23.10.2011 St. Veit   „Der glücklose Palast“

Detto 7.9.2012 St. Veit   „Automatisch“ besser entspannt“  St. Veit ist mit der Auslastung des  Automatenhotels „Fuchspalast“ in den ersten drei Monaten zufrieden.

Mit solch hoffnungsfrohen Aussichten sei der Report von einem bislang über 300 Jahre währenden unternehmerischen Geschehen beim Sternwirt vorläufig abgeschlossen.

Walter Wohlfahrt   in Landsmannschaft Doppel-Heft Okt. 1998 und 2002 aktualisiert im September 2012 mit Pressespiegel ergänzt.

Vom Bader zum Ärztehaus

Juli 1, 2012 um 15:56 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Es ist keine zweihundert Jahre her, da lag die medizinische Versorgung unserer Stadt noch weitgehendst in den Händen von Badern und Wundärzten. Wissenschaftlich ausgebildete Ärzte waren noch äußerst selten. Wundärzte, sie wurden auch „Chirurgen“ genannt, waren zugleich Inhaber eines entsprechenden Gewerbes. Solche Gewerbe konnten entweder fix mit einem Hausbesitz verbunden sein, oder auch schon ein sogenanntes Personalgewerbe darstellen, welches sich nur auf die Person bezog. Noch 1849 erging vom k.k. Kreisamt Klagenfurt eine Currende (=Rundschreiben Nr. 4715) „an sämtliche Bezirks-Obrigkeiten (Bezirksämter) und k.k. Distrikts-Physikate des Klagenfurter Kreises, betreffend die Aufhebung der Wundärzte und wundärztlichen Gewerbe“. „Die Geschichte der Medizin in Kärnten“ von Karl R.H.Frick, Klagenfurt 1987 enthält auch reichlich St.Veiter Belange. Dort erfährt man z.B. von den ersten St.Veiter Kreisphysikern (=Kreisärzten), welche eine Amtsfunktion ausübten, etwa in dieser Reihenfolge: Dr. von Widmayrsfeld, Dr. Zunzer (ab 1797), Dr. Vinzenz Buzzi (ab 1801) und Dr. Ludwig Kollin (richtig Koller! ab 1804). Daß es jedoch neben den Amtsärzten auch schon frei praktizierende, unbeamtete Ärzte in St.Veit gegeben haben muß, beweist das Testament von Frau Elisabeth von Kellerstein, geborene Sulzer vom 19. Februar 1774, in dem sich einer der Testamentszeugen Anton Ferdinand Hudelist, Physicer loci nennt.                                                                                        

In der Präambel der eingangs erwähnten Currende wird ausgeführt:

„Es ist anerkannt worden, daß die bisherige Bildung von Sanitäts-Individuen verschiedener Kathegorien (= aller bisher im Gesundheitswesen Tätigen) mit verschiedenen Rechten und Pflichten den Forderungen der Wissenschaft, sowie der Humanität der Regierung nicht entspreche, und zur Störung der Verhältnisse unter den Sanitäts-Individuen selbst vielfachen bedauerlichen Anlaß gebe.“ Die Fortsetzung dieser Currende kommt einer Umfrage gleich, wie weit man „in die vorherrschende Praxis eingreifen kann und soll, ohne die verkäuflichen und radizierten chirurgischen Gewerbe zu schnell in ihrem gegenwärtigen Besitze in große und unverdiente Nachteile zu versetzen.“ Klar erkennbar ist jedenfalls der Wille nach mehr Ordnung und mehr Ausbildung im Gesundheitswesen.. Dabei gab man abschließend zu bedenken „daß sich die Medicinae und Chirurgiae Doctoren nicht immer so leicht anschicken dürften, an Orten, wo früher ein Wundarzt lebte, sich niederzulassen, also auf dem flachen Lande, und vorzugsweise in ärmeren Gegenden…..“

Dem oben letztgenannten Dr. Ludwig Koller darf hier besondere Aufmerksamkeit zuteil werden. In Verbindung mit der Geschichte des Hauses Unterer Platz 19 (heute Konditorei Hahn) läßt sich die sanitäre Entwicklung sehr gut illustrieren. Das Haus hat zwar eine relativ schmale Schauseite, die Gebäudetiefe und Architektur ist aber durchaus bemerkenswert. Schon im Steuerbuch der Stadt vom Jahre 1753 findet sich ein gewisser Katzler, Bader von Beruf. Er bewohnt und nützt das Haus alleine, d.h. ohne Mieter, weil die Zinsbewertung mit 51 Gulden sich ausdrücklich und zur Gänze für Eigennutzung versteht. Ihm folgt gemäß Häuserverzeichnis von 1775 Johann Katzler. Da laut St.Veiter Bürgerbuch schon 1664 ein gewisser Andre Käzler, Bader, neuer Bürger wurde, waren es mindestens drei Generationen, die an besagtem Orte zum Wohle der Kranken „ordinierten“. 1798 erwähnt das Bürgerbuch mit gleicher Adresse, einen F.X. Koller, Chyrurg, 37 Jahre alt, im eigenen Haus (Nr.58 alt), aus Ötting gebürtig. Dieses Ötting muß man wohl nach Bayern verlegen, denn wäre es das kleine Kärntner Ötting, hätte man den Gerichtsbezirk auch genannt. Besagter Koller hat nach Ableben des letzten Baders dessen Tochter Theresia geheiratet und mit dieser eine neue Mediziner Familie begründet. Ein zum Hause gehöriger Graben-Garten trägt  noch länger die Bezeichnung „Frau Bader Kollerin Garten“ und dies, obwohl am Hause längst eine „Chyrurgen-Gerechtsame“ also ein radiziertes Gewerbe ruht. Zusätzlich besaß man das Haus Villacher Vorstadt Nr. 48 (Erlgasse 31).

 Sohn Ludwig, inzwischen bereits studiert und Doktor, folgt als Mediziner nach, und dürfte zusammen mit seiner Gattin Josefine, vielleicht eine geborene Spieß im Verlaß seiner Eltern 1861 bedacht worden sein, denn beide zedieren diese Ansprüche den Erben des Peter Spieß. Ludwig ist es, von dem ein kleiner persönlicher Nachlaß im Gemeinde-Archiv aufscheint. Daraus geht hervor, daß er sich nicht nur mit medizinischen Studien, sondern auch mit Geschichte und schön geistigen Sachen befaßt hat. Darüber hinaus befindet sich im Hause Wernitznig eine handschriftliche Sammlung von „Geschichten der Stadt St.Veit in Kärnten, 1882 Collectant L.K.“ Das Interessante daran ist u.a. ein Bericht über die Entstehung des letzten Stadtbrandes von 1829. Neben einigen Gedichten, eigenen oder abgeschriebenen, führt der Chronist auch sein Geburtsdatum an und zwar den 4. Oktober 1811.

Ein weiterer Mediziner aus dieser Familie ist Dr. Josef Koller 1801 bis 1870, also wohl ein älterer Bruder des Ludwig. Er scheint auch der Besitznachfolger seiner Eltern geworden zu sein. Als er 1866 in St.Veit alles verkauft, trägt der Vertrag bereits die Datierung „Hüttenberg, 23. Februar“ Man kann sich vorstellen, aus welchen Gründen er St.Veit den Rücken kehrte und den Posten eines Werksarztes in Hüttenberg anstrebte. Man darf  ja nicht vergessen, daß breiteste Bevölkerungsschichten damals in Krankheitsfällen ohne Versicherung waren und auch nur wenige das Geld hatten, einen Arzt oder Apotheker – den es übrigens in der Stadt am Unteren Platz schon seit 1565 gibt – aufzusuchen. In Hüttenberg dagegen gab es dafür eine starke Knappschaft und bei den Eisengewerken auch noch wohldotierte, sogenannten Bruderladen, als frühe Vorläufer der späteren allgemeinen Sozialversicherung. Wer heutigen Tages von Hüttenberg in die Heft fährt, erblickt knapp hinter der Abzweigung Knappenberg ein kleines Gehöft, dieses nennt sich heute noch „Kollerhof“ und war der Wohnsitz des Werksarztes Dr. Josef Koller aus St.Veit.

Kommen wir noch kurz zurück zu Karl Frick und seiner Geschichte der Medizin. Es ist dort sehr anschaulich dargelegt, wie anfänglich nur weltliche und geistliche Fürsten, später dann die Landstände d.h. der Adel sich ausgebildete Ärzte halten konnten. Als Herzogsstadt ist St.Veit zumindest zeitweise Standort eines Arztes gewesen. Sogar der berühmte Arzt Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus hat um 1538 herum kurzzeitig in St.Veit praktiziert. Die weitere Entwicklung muß man sehr differenziert sehen. Während man die Vermögenden scheinbar medizinisch gut versorgt wußte – verglichen mit heutigen Standards müßte man sie in der Rückschau wohl eher bedauern – waren die ärmeren Schichten, wenn überhaupt, nur von den sogenannten „niederen“ Heilberufen, wie Bader, Barbierer, Chirurgen und Wundärzten versorgt. Wohl setzt schon im frühen 13. Jahrhundert da und dort die Gründung von Hospitälern ein, doch waren das lange noch keine Spitäler im heutigen Sinne. Auch das Bürgerspital in St.Veit war im Grunde nur eine Verwahranstalt für Alte und Kranke. Daß es in der Friesacher Vorstadt auch ein Siechenhaus gegeben haben muß, erhellt daraus, daß die Grundstücke östlich davon schon um 1585 in Urkunden von Schloß Weyer als „unter dem Siechenhaus“ bezeichnet werden. Was das sogenannte „Lazarett“ am Eingang zum Vitusgraben, neben dem „Borghi-Stöckl“ anlangt, darf man vielleicht davon ausgehen, daß es für das in der Stadt in Garnison gelegene Militär gedient hat. Ja und der Werdegang unseres Krankenhauses der Barmherzigen Brüder ist erst recht ein langer und vielschichtiger. Von seinen einfachsten Anfängen hin zu heutiger Geltung und seinem hohen Stand des medizinischen Angebotes, ist es ein einzigartiger Erfolgsweg.

Gewiß hat eine Erörterung der modernen St.Veiter Arzt-Praxen und der zunehmenden Zahl von Fachärzten bis hin zum neuen Ärztehaus, dem momentanen Höhepunkt einer ambulanten, ärztlichen Versorgung, ausgespart zu bleiben. Dies wäre wieder eine andere Geschichte!

 Walter Wohlfahrt in „Sankt Veit Kommunal“

Die große Kasern – heute Feuerwehr

April 7, 2012 um 15:38 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Blick durch das Feuerwehr-Tor in der Stadtmauer auf „Große Kasern“

Die leidvollen Erfahrungen Maria Theresias in den Kriegen mit Preußen, wo es um Schlesien ging, haben dazu geführt, daß auch das österreichische Kaiserreich daran dachte, ein stehendes Heer zu unterhalten. Dies bedeutete allerdings, überall in der großen Doppelmonarchie Kasernen zu haben. Auch die Kammerstadt St.Veit errichtete selbstverständlich eine solche Mannschaftsunterkunft und bekam so den Charakter einer Garnisonsstadt. Während aber das Steuerbuch von 1753 (K.L.Arch.) –  es zählt alle Häuser auf, die Miete abwarfen – im sogenannten Botenviertel, das sind die Häuser Unterer Platz Ostseite bis zur unteren Stadtmauer, einer Kaserne keinerlei Erwähnung tut, hört man 1775 vom Haus Nr. 72, ausdrücklich „Stadtgebäu“ und „Große Kasern“ genannt. In welchem Jahr der stattliche Bau, in dem sich heute die Floriani-Jünger heimisch fühlen, wirklich entstand, ist vorläufig nicht genau zu sagen, vielleicht um 1760 herum? Von da an häufen sich die Erwähnungen bei Vertragsabschlüssen, wie „grenzt an die Städtische Kasern“ Im weiteren Verlauf kommt es sogar dazu, daß die Schulhaus-Gasse zur Kasern-Gasse (heute Herzog Bernhard Platz) mutiert.

1835 werden noch beide Staßen-Bezeichnung neben einander verwendet! Seit 1775 wurden von der Stadtpfarre sogar eigene Matriken, d.h. Tauf- , Trauungs- und Sterbebücher nur für Militärs geführt.

 Nun muß man erwähnen, daß es schon seit 1748 ein sogenanntes Militär-Reglement gegeben hat, dessen § 14 beispielsweise vorsah, was ein privater  den k.k. Militärs zu leisten verpflichtet war: eine Liegerstatt mit Strohsack und gleichem Polster, eine Kotze als Decke und im Winter noch eine weitere als Unterlag, Ober- und Unterleintuch monatlich zu wechseln, dazu kam noch gemeinschaftliches Holz und Licht (Kerzen!), sowie die Mitbenützung des Kochherdes. Wenn auch dafür als Schlafgeld der sogenannte Schlafkreuzer pro Mann und Nacht gebührte, so war das doch eine schwere Last für alle Hausherren in der Stadt und ihr Wunsch sehr verständlich, statt dessen baldigst eine eigene Kaserne zu haben.

 Weil aber auch fix stationierte Truppen von Zeit zu Zeit in neue Quartiere zu verlegen waren – sie sollten ja keinesfalls das tage- und stundenlange Marschieren verlernen – so benötigte man neben den Kasernen immer noch sogenannte Marsch-Stationen. Daher war etwa im November 1831, also schon zu Freidenszeit, ein Batallion je sechs Kompanien bzw. 1200 Mann von Bruck bis Klagenfurt über die Marsch-Stationen Leoben, Knittelfeld, Judenburg, Unzmarkt, Neumarkt, Friesach, St.Veit inclusive dreier Rasttage sage und schreibe elf Tage unterwegs. Truppenverlegungen waren an der Tagesordnung und Durchmärsche wenig beliebt. Am 28. Mai 1832 richtet der Magistrat ein ergebenstes Ansuchen an das hohe Präsidium in Laibach, man möge die schon seit 8. September in der Stadt liegende 1. Escadron vom k.k. Erzherzog Joseph Husaren Regiment Nr. 2, bestehend aus ungefähr 160 Mann vom Wachtmeister abwärts „bei dem selbst jetzt noch immer fortwährenden Wechsel der Zeitverhältnisse bald dislocieren (weiterschaffen), weil St.Veit hinsichtlich seiner Lage als eine Hauptmarschstation nach hierortigen unvorgreiflichen Ermessen (sehr devot!)…….nicht lange (mehr) mit einer Garnison belegt bleiben könne.“ Wenn auch zwischen durchziehenden, wenige Tage rastenden und in Garnison liegenden Truppen, welche oft Monate in der Stadt weilten, unterschieden werden muß, so blieb die Beschwernis der Bürger doch meist die gleiche. Erfreulich hingegen wurde es empfunden, als anläßlich des Stadtbrandes von 1829 die Husaren der Garnison tatkräftigst der bedrängten Stadtbevölkerung zu Hilfe eilten und dafür höchste Anerkennungen und Ehren ausgesprochen bekamen. 44 Jahre vor Gründung unserer Freiwilligen Feuerwehr kamen die Helfer, wenn auch im Soldatenrock, also schon aus diesem Gebäude.                      III/2006

 

 

 

 

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