Friedhof-Besuch 2016

Dezember 20, 2016 um 18:03 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Mein sorgenvoller Bericht zum vorjährigen Friedhof-Besuch wird Lesern vielleicht noch in Erinnerung sein. Was zu befürchten war, ist inzwischen leider eingetreten. Der schöne, alte Stein –  von mir abgebildet – ist nicht mehr, die Grabstelle des „1. Bezirksarztes“ ist aufgelassen. Weil es sich dabei um eine einst recht angesehene Familie handelte, versippt mit den ersten Adressen St. Veits, sei hier eine kleine Reminiszenz versucht, die immerhin etwas von den Höhen und Tiefen der letzten zweihundert Jahre erkennen lassen sollte.

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 „Chirurg“ Franz Krall etwa 1800-1850 Von ihm und dass er aus Pettau/Ptuj, aus der ehemaligen Südsteiermark zugezogen ist, dann als „Chirurg“ (Wundarzt) 1832 in die Bader Familie mit Namen Träher, in der alten Mühlbacher Straße, einheiratete, war schon die Rede. Witwe Träher übergab das Haus alsbald dem Gatten ihrer Tochter Eleonore.

Dr. Franz Krall 1831-1885. Franz hieß auch er Sohn, dieser erblickte allerdings schon ein Jahr vor der Eheschließung das Licht der Welt! Mit 22 Jahren hatte er das Studium in Graz abgeschlossen. Der tüchtige junge Mann, Mediziner und Geburtshelfer nahm sich Maria Susanne Wahrheit, Tochter des bürgerlichen Fleischhauers Johann Wahrheit (1816-1888) zur Frau. Finanziell gesichert eröffnete Krall in St. Veit seine Praxis, wo übrigens auch der Mediziner Josef Lemisch  (1826-1886), Vater von Dr. Arthur Lemisch,  zeitgleich tätig war.  Als Vater Krall 1885 all zu früh starb und Sohn Franz das Vaterhaus übernahm, war er im 34. Lebensjahr. Mit der um 23 Jahre jüngeren Ehefrau Maria Susanne hatte er neun Kinder, wovon nur Sohn

Robert 1874-1948 und Tochter Pauline 1884-1968, verehelichte Jost, über das Kindesalter hinaus kamen. Robert und Paula scheinen in der Besitznachfolge dann nicht mehr auf, auch nicht deren Mutter! Schon 1886 wird das Haus, heute Spitalgasse 8, an Anton Sornig verkauft. Hat  Maria Susanne, mit 32 Jahren Witwe geworden, noch einmal geheiratet? Die zwei unmündigen Kinder machten reiches Erbe, zunächst von Vaters und später bestimmt auch von  Mutters Seite. Ob sie mit einem Stiefvater oder bei einer Großmutter aufwuchsen, ist nicht bekannt? Was auffällt, ist die Tatsache, dass Ehefrau Maria Susanne, am Grabstein des Dr. Franz Krall nicht vorgekommen ist. Die „Wahrheiten“ zählten damals zu den Reichsten in der Stadt. Sie waren seit Generationen nicht allein als Fleischhauer, auch und insbesondere als Geldverleiher und Grundstücksspekulanten äußerst erfolgreich. Wahrheit-Töchter (-Witwen?) waren dementsprechend höchst begehrt. Von Roberts Nachkommen, zwei Söhne und eine Tochter, lernte ich

Ekkehard 1916-2001 persönlich kennen als er sich schon sehr schwer tat, sein Wochen-End-Haus in Eggen am Kraigerberg wie gewohnt selbst zu pflegen. 2001 musste er dann im Krankenhaus Weiern/Feldkirchen Aufenthalt nehmen, da gab er mir am 13. April ein letztes Interview.

Es interessierte mich vor allem, wie geschehen konnte, dass ein Jüngling, noch während der Lehrzeit beim Büchsenmacher Schwarz zum radikalen und überaktiven Nationalsozialisten wurde. Immerhin war mir bekannt, dass er in frühen Jahren an vielen einschlägigen und staatsfeindlichen Aktionen der Nazis, bis hin zum Hochverrat beteiligt war. Die Fragen kreisten darum erst einmal um Vater Robert und seinen möglichen Einfluss. Über eine fixe Beschäftigung des Vaters vermochte Ekkehard nur wenig zu sagen, so viel aber mit Gewissheit: Die Hinterlassenschaft des Großvaters betrug im Jahre 1885 sage und schreibe 180.000 Goldkronen. Man hätte sich dafür fünf Bauernhuben kaufen können. Wegen Minderjährigkeit der Erben (damals war man erst mit 24 eigenberechtigt!) wurde „mündelsicher“ in Wertpapieren angelegt, von Dr. Spöck und von einem zweiten Rechtsanwalt, nicht ohne separate Kosten gerichtlich verwaltet. Vater Robert und Tante Pauline, die spätere Handarbeits-Lehrerin, lebten ganz gut von den Erträgnissen der Papiere,  dies aber nicht sehr lange. Sie stritten viel und gerne miteinander und konnten sich nie auf eine sinnvolle Änderung in der Geldanlage einigen. Als es zum Weltkrieg kam und Vater Robert einrücken musste, war es dafür bereits zu spät. Nach Heimkehr nahm Robert Krall am Kärntner Abwehrkampf teil. Die familiäre Einstellung zu Deutsch- und Slawentum dürfte von Pettau her bestimmt gewesen sein. Eine Beschäftigung als Angestellter bei den Chemischen Werken in Treibach endete für Robert 1928 im Zuge der Weltwirtschaftskrise. Robert dürfte also auch über eine entsprechende Schulausbildung verfügt haben. Er hätte angeblich auch bei der Eisenbahn Aussichten gehabt. Mutter war sehr dafür, Vater zögerte zu lange „wegen der Wahrheit Verwandtschaft“.

Das wirft jetzt ein bezeichnendes Licht auf den Spalt, in der St. Veiter Gesellschaft jener Zeit. Auf der einen Seite die stolzen, arbeitsamen, meist hart arbeitenden aber wenig verdienenden Bürger, auf der anderen Seite die selbstbewussten, scheinbar über zu viel Freizeit verfügenden, regelmäßige Einkünfte beziehenden, früh pensionierten Eisenbahner. In St. Veit waren höhere Eisenbahn Beamte gerade noch akzeptiert. Ansonsten blieb man lieber unter sich. Jede Gruppe hatte ihre eigene politische Ausrichtung ihre eigenen Vergnügungen, Lokale und Vereine, bis hin zum Eisenbahner Leichenbestattungsverein. Zur Beliebtheit dieser meist Neuzugezogenen in bürgerlichen Kreisen, so weit es nicht der geschäftliche Nutzen gebot, lese man nach bei Sebastian Weberitsch! Dass vor und nach der Jahrhundertwende Gasthäuser und Kegelbahnen immer zahlreicher wurden, hat eindeutig mit dem Spielbedürfnis (Kegeln, Kartenspiel, Eisschießen) der Eisenbahner zu tun.

Noch einmal zurück zu unserem „getreuen“ Ekkehard. Um ihm oder seinem älteren Bruder Fritz 1913-1933, Lehrplätze zu sichern – das Lehrgeld  allein bei Schwarz belief sich auf 600 Schilling – wurde der letzte Familienschmuck in Klagenfurt versetzt. Auch der Schwester Paulines Lehrer-Ausbildung war nur so zu finanzieren. 1934 hatte Ekkehard ausgelernt und war als Geselle, wie so oft in solchen Fällen, dem Meister einfach zu teuer. Er konnte nicht weiterbeschäftigt werden. Deshalb bemühte er sich nach eigenen Worten, eine Stelle als Büchsenmacher in Deutschland zu finden! Ein Reisepass dorthin war aber nicht zu bekommen. Ob er deshalb bald danach, oder wie er meinte erst 1937 über die Grüne Grenze nach Deutschland ging oder ob ihn doch schon die Ereignisse von 1934 zum Untertauchen gezwungen haben? Ein alter Freund des Ekkehard erzählte mir, ihn 1938 als SS-Mann lungenkrank in einem Wiener Krankenhaus persönlich besucht zu haben. Das muss stimmen. In Ekkehards eigener Erinnerung sei er aber erst 1937 mit der Bahn nach Salzburg gefahren, wo ihn zusammen mit einigen zwanzig anderen der illegale Grenzübergang nach Bayern durch Mittelsmänner ermöglicht wurde. Es ging für ihn bei tief winterlichen Bedingungen über die Saalach, bei welcher Gelegenheit er sich eine Lungen TBC geholt haben könnte. Auf der anderen Seite wurde man schon erwartet, behelfsmäßig versorgt, auf Strohlager gebettet und dann ehestens auf Lkw nach München gebracht. Bald schon sei es zur Vereidigung und Aufnahme in die SS-Division „Der Führer“ gekommen. Die Zeitspanne für Erkrankung, Einkleidung, Ausbildung, Vereidigung usw. und alles zwischen 1937 und Frühjahr 1938 scheint viel zu kurz. Ekkehard müsste also wohl schon früher über die Grenze gegangen sein. Nach dem Anschluss 1942 wieder in der Heimat kam es zur Verehelichung mit Leopoldine Smoditsch und zur Familiengründung. Das Talent zum Untertauchen ist ihm scheinbar geblieben. Auch 1945 blieb er nämlich für die Besatzer unauffindbar. Genau so, wie 1934 für die österreichische Justiz. Während andere SS-Leute mit Kriegsende in Internierungslager wanderten, entzog er sich erfolgreich jeder Verfolgung. So weilte er Monate und Jahre mit falscher Identität unbehelligt in einem der hintersten Gräben um Hüttenberg. Seine geheimen Besuche bei der jungen Ehefrau blieben natürlich nicht ohne Folgen. Diese zwangen seine Frau zu einer Notlüge. Als die Ordnungshüter von damals die junge Wöchnerin bedrängten, den Aufenthaltsort des Mannes nun endlich bekannt zu geben,  wo doch ihre Niederkunft alles offenbare, war ihre Antwort „Es gibt ja auch andere Männer“!

Wenn jetzt klar zu Tage tritt, dass nichts anderes als Kriegszeiten, Wertverluste, mangelnde Einkünfte und Lebenschancen, in diesem Falle wohl auch eine gewisse  Familientradition zur Anfälligkeit für Hass-Parolen und schließlich zu Radikalismen geführt haben, dann fragt man sich doch, hat denn die Welt seither nichts dazu gelernt?

Friedhof-Besuch 2015

November 20, 2015 um 17:43 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Es gibt Leute, die gehen gerne und regelmäßig auf Friedhöfe, andere nur wenn es sich nicht vermeiden lässt, etwa zu Allerheiligen oder nicht einmal dann.

Das ist oft auch eine Frage des Lebensalters? Wenn man am Friedhof schon mehr bekannte Namen findet, als man sich an solche von Lebenden auf die Schnelle erinnert, dann hat man das gewisse Alter. Dann geht man auch gedankenvoller durch die Reihen. Man findet unter den Verstorbenen vielleicht Lehrer da,  Mitschüler dort und es sind meist schöne Erinnerungen, die einem dabei in den Sinn kommen. Erschwerend kann beim Suchen sein, dass Inschriften heute kaum noch Berufsangaben aufweisen. Was einmal der Stolz eines „Lokomotivführers“ oder einer „Finanzdirektors-Witwe“ war, spielt schon nicht mehr die geringste Rolle. Und doch, das waren einst wahre Größen der Stadt, ein Gastwirt, eine Cafe-Haus-Besitzerin, ein Baumeister usw., alle schnell zu erkennen. Stellvertretend für all diese ehemaligen Persönlichkeiten sei hier ein besonderer und schöner, ein historischer Stein unter all jenen von  Berufslosen und bald Vergessenen vorgeführt. Er steht im Ersten Friedhof, links des Hauptganges und wurde einem ganz besonderen Mann gesetzt. Jetzt ist seine Inschrift gerade noch lesbar, die Grabanlage insgesamt aber laut Auskunft eines geschichtlich interessierten Mitarbeiters der Friedhofverwaltung(!) von Auflassung bedroht. Ein beklagenswerter Zustand ist es schon, dass immer mehr Grabanlagen von an sich bekannten Familien vor der Zeit aufgelassen werden. Allein materiell wertvolle Steine landen zerschlagen an gewisser Stelle! Das wundert aber auch nicht, wenn  die modernen Wanderbewegungen immer noch zunehmen. Man baut oder erbt ein Haus weiß Gott wo und zieht weit weg, von der Stadt aufs Land oder umgekehrt. Manchmal kann auch eine Rolle spielen, dass Grabgebühren allgemein regelmäßig teurer werden, Grabpflege von auswärts, selbst nicht machbar, d.h. wieder mit Kosten verbunden wäre.

Doch nun nach dieser allgemeinen Betrachtung zurück zum besagten Familiengrab. Es zeigt  Franz Krall  „1. Bezirksarzt“ geb. am 26. Dezember 1831 gest. am 9. August 1885 mit  Angehörigen. Von seinem Vater, ebenfalls Franz Krall genannt ist bekannt, dass er in Pettau/Ptuj in Südsteiermark/heute Slowenien geboren und von dort  nach St. Veit gekommen ist. In diesem Hause war nämlich eine Barbierer Gerechtsame vorhanden, was so viel heißt, dass hier seit mindestens 1750 ein Bader, danach  ein „Chyrurg“, Franz Träher mit Namen – so nannte man damals einen Wundarzt –  gewirkt haben. Als der gute Träher in jungen Jahren mit Tod abging, war seine Witwe in großen Nöten. Drei noch nicht volljährige Kinder und auch etwas Schulden waren da. Kurzum, Franz Krall stellte sich als „Provisor“, als einer mit  dem nötigen Befähigungsnachweis – vielleicht wohl auch schon mit Blick auf das junge Töchterlein –  zur Weiterführung des  Chirurgen-Geschäftes zur Verfügung. Das bot den Gläubigern eine gewisse Sicherheit. Im Dezember 1831 wurde er Vater eines dritten Franz und erst am 13. 8. 1832 heiratete er die knapp 20 Jahre alte, junge Mutter, laut Taufeintrag  „Chyrurgentochter Eleonore Träher“. 1832 überschrieb man auch das Haus auf seinen Namen.

Das gemeinsame Bübchen wuchs prächtig heran, war ein ausgezeichneter Schüler und als der als der junge Mann mit  22 Jahren  die Universität Graz verließ, hat man ihm dort am 1.4.1853 ein Diplom ausgestellt in dem es auszugsweise wörtlich heißt „ bey den mit Ihm am 31.Jänner und 1.April 1853 vorgenommenen strengen Prüfungen gab er solche Beweise von erworbener Geschicklichkeit und Kenntnissen, daß alle Prüfer ihre vollkommene Zufriedenheit darüber ausgesprochen haben. Wir erklären und bestätigen Ihn also Kraft der Uns Allerhöchst ertheilten Macht als einen tauglichen und wohlerfahrenen Wundarzt und Geburtshelfer.  Übrigens wird demselben in Folge hoher Hofkanzley Verordnung vom 27. October 1813 auch zur Pflicht gemacht, die Seelsorger als Führer der Geburtsbücher, von dem, was Ihm von den Namen der Kindsmütter und von ihrer Verehelichung oder Nichtverehelichung bekannt ist zu unterrichten, widrigenfalls Er bey der ersten hierin entdeckten Unwahrheit außer der übrigen gesetzlichen Strafe noch mit dem Verluste des Rechtes seine Kunst ausüben zu dürfen, bestraft werden würde“.

Von 1865 bis zu seinem Tode war er im Besitz des Hauses Innere Stadt 41 (heute Spitalgasse 2) sodass man auch seine Wirkungsstätte hier anzusetzen hat. Als Bezirksarzt war er in besonderer Weise für die gesundheitlichen Zustände im ganzen Bezirk verantwortlich, in diesem Sinne zugleich über alle kleinen Landärzte gestellt.

Das am Grabstein applizierte Kärntner Kreuz bezieht sich auf Sohn Robert (1874-1948) dessen Gattin Elisabeth geb. von Eckhardt (1887-1960) gleichfalls genannt erscheint. Ein besonderer Exkurs über Nationales Verhalten von mehr als vier Generationen bzw. über eine Zeitspanne von 150 Jahren, reichend von Pettau über Graz bis St. Veit würde sich anbieten.

Zum Schlusse eine Anregung! Immer öfter hört man, dass Mittelschüler zur rechten Zeit eine vorwissenschaftliche Arbeit zu liefern haben. Auch sind die heutigen Studenten allesamt fix im EDV- und Foto- Handy-Wesen. Eine interessante Arbeit könnte es sein, alte Grabsteine mit Bild und vollem Text digital aufzunehmen um es dann ins Internet stellen zu können. Der Verfall wertvoller Grabdenkmäler ist nicht aufzuhalten. So aber könnten diese digital erhalten bleiben.   (Foto des erwähnten Grabsteines folgt)

 

Zum Haus am Unteren Platz 16

Mai 28, 2012 um 10:51 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Die Geschichte eines Stadthauses ist immer wieder eng verknüpft mit Familien und Familienschicksalen. Gräbt man zeitlich oft nur ein wenig in die Tiefe, offenbaren sich wundersame Ereignisse, menschliche, nicht selten gar zu menschliche Ereignisse. Man kann dabei aber auch zu unerwarteten, zu neuen Erkenntnissen in Bezug auf die allgemeine Stadtgeschichte gelangen. Dazu mehr im Verlauf dieser Abhandlung.

 Einleitend zur örtlichen Bestimmung nur so viel, dass es sich bei obiger Adresse um jenes Haus handelt, in welchem noch bis vor kurzem die BAWAG PSK Filiale untergebracht war. Die beiden Nachbarn sind Reformhaus Leikam links und ganz neu Hartlauer rechts. Die Besitzaufzeichnungen reichen bis in das Jahr 1780. Da hat nämlich ein gewisser Johann Pippenbacher, aus Straßburg in Kärnten gebürtig, Fleichhauermeister und seit 1774 St. Veiter Bürger, sein Haus in der Klagenfurter Vorstadt dem Berufskollegen Haterer abgegeben um sich am Unteren Platz anzukaufen. Die Fleischerei selbst befand sich nicht im gekauften Haus, sondern in der „Schulhausgasse“ bei den sogenannten „Fleischbänken“ an der Nordgrenze des Friedhofes, der damals noch um die Stadtpfarrkirche herum bestand. Ein zum Haus gehöriger Acker lag in der Friesacher Vorstadt im Ried „Siechenhaus“ zwischen Mailänder, Wahrheit und dem Fahrweg nach Weyer.

 Nach Pippenbachs Ableben ging aller Besitz mangels männlicher Erben auf die Witwe Anna über. Es dauerte nicht lange, da kam es zum neuerlichen Besitzwechsel, von Anna auf Tochter Katharina, verehelichte Debellak. Gemeinsam mit ihrem Gatten Thomas richtet sie bereits 1830 eine Eingabe an den Magistrat, ihre eigene Mutter betreffend. Was sich im Landesarchiv unter Stadt St. Veit Faszikel 50 an wörtlicher Aussage findet ist einerseits recht bezeichnend für beim Erben immer wieder vorkommende Eifersüchteleien, andererseits aber ein echter Neufund, der geeignet ist, der „Chronik des St. Veiter Bürger-Goldhauben Frauen-Vereines“ (erschienen 2002 auf Anregung von Frau Christa Ebner) eine frühe, bislang nicht bekannte Haubenträgerin hinzu zu fügen. Der verkürzte Originaltext lautet, „der hohe Magistrat möge das täglich gefährlicher werdende Betragen unserer Mutter, welches auf einen ziemlichen Grad von Tollheit schließen lässt, untersagen. Anna Pippenbach habe allerlei Wertgegenstände zum Schwiegersohn Traunsteiner verschleppt, u. a. und jetzt kommt es,  1 Goldspitz(en)haube, 1 Schwarzsamtenen Kittel mit Goldspitz(en) und 1 grünen zizenen Kittel.  Der weitere Verlauf der Familienfehde ist zwar nicht bekannt, dass es sich aber bei der Fleischhauermeistersgattin Anna Pippenbach, Lebenszeit ca. 1755-1830, um eine St. Veiter Goldhauben-Frau gehandelt hat, darf hier ohne jeden Zweifel nachgetragen werden.

 Thomas Debelack erscheint 1831 beim Taufeintrag seines Kindes als bürgerlicher Fleischer aus Krain gebürtig in der Matrikel auf, obwohl er de facto erst 1844 Bürgerrecht erhielt. Seit 1833 ist er auch als Besitzer angeschrieben.                                                         

Walter Wohlfahrt in „St. Veiter Stadtblattl“ Fritz Knapp – Mai 2012

Völkermarkter Vorstadt

Februar 20, 2011 um 13:58 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Völkermarkter Vorstadt

Kataster 1828 - Völkermarkter Vorstadt incl. Änderungen bis ca. 1875

Von den fünf Vorstädten – wir sind laut Plan noch immer im Jahre 1871 – ist die Völkermarkter Vorstadt wohl die kleinste. Die wenigen Häuser, dreizehn an der Zahl, liegen weit verstreut. Drei Hausnummern hat allein Graf Gustav Egger auf Schloß Weyer. Weit ab von der Stadt – und dies nicht ohne Grund – hat auch der Abdecker Johann Bergmoser seine Behausung. Es verdient Beachtung, daß die nämliche Familie dort auch heute noch die Stellung hält. Aus Schinder und Wasenmeister sind inzwischen erfolgreiche Gastwirte geworden. Galten Abdecker einmal als Unberührbare, ja gar als Inhaber eines ehrlosen Gewerbes, nur weil sie es mit Aas, streunendem und kranken Getier zu tun hatten, so gelangten doch nicht wenige davon zu Besitz, Wohlhabenheit und Ansehen. Sie hatten außer dem Lohn für die Schinderknechte ja kaum viel Aufwand. Was zu entsorgen war, mußte ihnen gratis und franko überlassen werden. Mit Geschick und Umsicht ließ sich aber doch manches daraus gewinnbringend verwerten. Es ist noch nicht lange her, da durften Schinderleute, Gerichtsdiener und Kerkermeister nur unter ihresgleichen eine Ehe eingehen.

Ein Stück weiter betreibt der berühmte Bürger Andreas Elsässer die Raßnig Mühle an der Wimitz. Raßnig kommt von slowenisch Rasa, Land beim (raschfließenden?) Bach oder Fluß, frei nach E. Kranzmayers Ortsnamenbuch. Gut, auch Tschirnig liegt nicht fern und heißt zu deutsch Schwarzendorf so wie das heute nicht mehr gebräuchliche Glewitsch-Moos in Richtung Glandorf, welches mit Tiefental übersetzt wird. Das sind noch lange nicht alle der slowenischen Riednamen im Weichbild unserer Stadt!

Durch die Völkermarkter Vorstadt geht es auch zur Stadtsäge hinaus. Es gibt sie heute nicht mehr. Sie lag unfern der Stelle wo Wimitz und Glan sich vereinigen. Bis vor nicht allzu langer Zeit – genau genommen bis zum Tausch des Stadtforstes am Gauerstall und dem Wald am Muraunberg mit Knaus bzw Steiner in Unterbergen gegen Bauland am Weyerfeld und  Baugrund um das neue Fußball-Stadion bei Hörzendorf – nannte die Stadt großen Waldbesitz ihr Eigen. Nach jedem, sich mit Regelmäßigkeit ereignenden Stadtbrand, war eine Brandreserve aus eigenem Wald Goldes wert und so die Brettersäge gewiß sehr praktisch..

Wer den Plan genauer ansieht, wird rasch merken, daß es den Hauptbahnhof, folglich auch die Bahntrasse im Bereich der Völkermarkter Ausfahrt noch nicht gibt. Deshalb verläuft die Straße auch noch links des Hauses Parzelle 253 und ohne Durchlaß nach Osten, vorbei an der „Kreuzkeusche“ des Matthias Brugger, heute Gärtnerei Sattler. Die Kreuzkeusche war alt und schäbig und wurde demoliert, doch der Grund an der Straße war wertvoll. Es ist eine eigene, eine traurige Geschichte mit diesem Grundstück und jenem Busunfall der Trabantengarde am Katschberg. Weil die Deckungssummen der Versicherung nicht ausreichten, mußte sich der Busunternehmer, ein späterer Brugger, von diesem Anwesen nolens volens trennen.

Wenn es auch nur wenige Häuser und Gärten gibt, um so mehr kennzeichnen noch ausgedehnte Äcker, Wiesen und Weiden das Bild dieser Vorstadt. Das Weyerfeld links und das  „Untermoos“ rechts der Straße stellen begehrte Terraingründe der Bürgerlichen Privatgült oder Pachtflächen der Stadtpfarre dar, sind doch die St.Veiter jener Tage größtenteils Acker-Bürger und als solche Selbstversorger mit Pferd und Kuh, Feder- und Borstenvieh. Gut erkennbar ist auch noch der aufgelassene Friedhof wo heute die Evangelischen Kirche steht.                                              VI/2005

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