Verträge Schneeberger

Juni 21, 2013 um 14:51 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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G e s u c h 1895 betreffend Haus in Villacher Vorstadt)

rechte Hälfte:
An das K.k. Bez. Gericht St.Veit
Franz Sawitzer, Garten-Pächter in Zwischenwässern Bezirk Gurk
gegen
Herrn Ferdinand Schneeberger, Hausbesitzer in St.Veit

G e s u c h

um Einverleibung des Eigenthumsrechts auf das Haus No 30 in der Villacher Vorstadt zu St.Veit für Franz Sawitzer und Einverleibung des Pfandrechtes für Ferd.Schneeberger per 1000fl /:A
Herr Ferdinand Schneeberger sen.,hier am 11.8.1895

linke Hälfte:
B
Hierüber wird auf Grund des Kaufvertrages vom 7. August 1890 die Einverleibung des
Eigentumsrechtes auf das im Grunduche der CG St.Veit EZ 206 vorkommende Haus No30 in der Villacher Vorstadt zu St.Veit für Franz Sawitzer und die Einverleibung des Pfandrechtes auf diese Realität für den Verkäufer Ferdinand Schneeberger zur Sicherheit des Kaufschilling-restes per 1000 fl mit 5% Zinsen bewilliget und der Vollzug dem Grundbuchsamte hier über abschriftlich belegtes Gesuch aufgetragen.
Hiervon werden verständigt: Ferdinand Schneeberger, Hausbesitzer in St.Veit auf mit A belegte – Franz Sawitzer auf unbelegte Rubrik, das löbl kk Steueramt hier unter Anschluß einer beglaubigten Abschrift des Kaufvertrages zur Gebührenbemessung endlich der kk Evidenz-haltungs Geometer hier mit dem, daß zum verkauften Hause keine Zugehörungen in anderen Katastralgemeinden bestehen.
Kk Bezirksgericht St.Veit am 12. August 1890

K a u f v e r t r a g

geschlossen zwischen Herrn Ferdinand Schneeberger, Hausbesitzer in St.Veit als Verkäufer und Herrn Franz Sawitzer, Gartenpächter in Zwischenwässern als Käufer.
1. Verkauf Herr Ferdinand Schneeberger dem Herrn Franz Sawitzer das im Grundbuche der Kat.Gem. St.Veit EZ 206 vorkommende Hus No30 in der Villacher Vorstadt zu St.Veit samt Zugehör und Rechten, wie Herr Verkäufer diese Realität besessen und benützt oder zu besitzen und zu benützen berechtigt war, dann mit Allem, was erd- mauer- niet- und nagelfest ist und mit Einschluß der allfälligen Winter-Fenster und Jalousien, endlich mit Einschluß von zwölf Mistbettfenstern und zwölf Mistbettbalken, jedoch mit Vorbehalt der sämtlichen heurigen Gartenfrüchte und des Platzes zum Trocknen des Hopfens u.z.
diesen Platz bis Ende d. J. – um den Kaufschilling von 2300 fl in sein Eigentum.

2. Übernimmt Herr Käufer gegen Abrechnung vom Kaufschillinge die intabulierten Forderungen des Kuranden Franz Bacher u.z. aus dem Schuldscheine v. 30. Juli 1860, Zession v.15.Nov. 1864 per 100 fl und aus dem Schuldscheine 15. Nov.1862 u. Zahlungsauftrage v. 8.Oktober 1864 per 200 fl mit der Verzinsung vom ersten Januar 1891 ab in sein Zahlungs-versprechen.

3. Bestätigt Herr Verkäufer vom Käufer a konto des Kaufschillings heute den Betrag von 1000fl baar erhalten zu haben und Herr Käufer verbindet sich den Rest per 1000fl über einvierteljährige Kündigung, welche jedoch vor dem ersten Jänner des nächsten Jahres nicht erfolgen darf, an den Herrn Verkäufer zu bezahlen u. vom ersten Jänner des nächsten Jahres an jährlich mit fünf Prozent zu verzinsen.

4. Die fisische Übergabe u. Übernahme des Kaufsobjektes erfolgt mit ersten Oktober d.J. u.z. unter Beschränkung des Absatzes eins, die Steuern und Gaben aller Art treffen den Herrn Käufer vom ersten Oktober d.J. ab. – ein allfälliges Brandunglück an den Gebäuden hat aber der Käufer schon von heute an zu tragen, dafür hat er aber die Assekuranz-Entschädigung
(=Versicherungsleistung) zu beziehen.

5. Erteilt Verkäufer H. Ferdinand Schneeberger die Bewilligung zur Einverleibung des Eigentumsrechtes auf das verkaufte Haus No30 in der Villacher Vorstadt zu St.Veit EZ.206 der KG St.Veit – zu Gunsten des Käufers Franz Sawitzer gegen dem, daß gleichzeitig die Pfandrecht zur Sicherstellung des Kaufschillingrestes per 1000fl mit 5% Zinsen zu Gunsten
des Verkäufers Ferdinand Schneeberger darauf einverleibt werde, wozu Käufer Franz Sawitzer unter Verpfändung dieser Realität hiermit ihr (besser: seine) Bewilligung erteilt.

6. Die Vertragskosten u. Übertragungsgebühren treffen den Herrn Käufer allein.

7. Verzichten beide Kontrahenten auf das Recht, diesen Vertrag wegen Verletzung über die Hälfte anzufechten.

St.Veit am 7. August 1890 Ferd Schneeberger Franz Sawitzer

es folgen Beglaubigungsvermerke und amtliche Durchführungsanmerkung!

F. Schneeberger – Buchbinder, Sänger und Hopfenbauer

Juli 1, 2012 um 14:34 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Das Haus Hauptplatz 14 mit seiner alten Lederer-Gerechtsame hatte zuvor schon einen Hof- und Gerichtsadvokaten, einen geschickten Arzt und eine kleine Greislerin beherbergt gehabt, als schließlich Ferdinand Schneeberger dort seine Buchbinderei einrichtete.

1814 in Graz geboren, kam der junge Mann,  ob direkt oder auf Umwegen weiß man nicht, nach St.Veit und heiratete hier – wie es uns das Trauungsbuch der Stadtpfarre auf Folio 61 zeigt – am 31.5.1841 Anna Mayer, Tochter des Caspar Mayer, vermutlich wohl ein Kind der Stadt. Als Trauzeugen fungierten nämlich der bürgerliche Glasermeister Georg Grundner nebst dem bürgerlichen Schuhmachermeister Jakob Premitzer. Die Wohnadresse lautete „Stadt 43“. Ob es wirklich das später diese Nummer tragende Carinthia-Haus oder vielleicht doch ein Haus in der Spitalgasse war, wo Mayer eher vorkommen, ist nicht mit Gewißheit zu sagen. Schon drei Jahre später wird Ferdinand Schneeberger Bürgerrecht verliehen, mit Bürgereid, 12 Gulden Bürgertax und allem Drum und Dran.

Trotz des in der Familie reichlich vorhandenen Urkundenbestandes ist auch nicht auszumachen, wo in der Stadt der neue Buchbinder erstmals seinen Leim anrührte. Fest steht aber soviel, daß spätestens mit der Heirat – und von da an zählt auch das 160 Jahr Jubiläum – eine entsprechende Tätigkeit in der Stadt entfaltet wurde. Buchbinder, lateinisch Bibliopegus, selbst solche mit Bürgerrecht hat es wohl schon davor immer wieder einen oder zwei in der Stadt gegeben, doch jetzt sind die Zeiten dafür so günstig wie nie zuvor. Die Verwaltung von Stadt und Land erfordert zunehmend Schriftlichkeit und in immer mehr Amtsstuben, Geschäftskontoren und Fabrikskanzleien werden Folianten, Tagebücher etc.etc. benötigt. Ein Buchbinder aus Graz hat bestimmt sein Gewerbe gut gelernt und man darf annehmen, daß er mit seinen Kenntnissen auf dem neuesten Stande der Technik war. Das Geschäft geht tatsächlich sehr gut. Die ersten Erfolge treten deutlich zutage:

 Schon 1861 und zwar mit Kaufvertrag vom 2.6. erwirbt Schneeberger von Frau Karoline Spiehs, einer ehemaligen Krämerin, um dreitausend Gulden das heutige Stammhaus. Es bestand zunächst auf Seiten der Verkäuferin die Absicht, den offen gebliebenen Kaufpreisrest pfandrechtlich sicherzustellen, als sie aber davon Kenntnis bekommt, daß die Kirchenvorstehung von St.Peter bei Taggenbrunn – das waren damals neben anderen die Geldverleiher – dem Käufer 1200 Gulden vorstrecken wird, verzichtet sie auf Sicherstellung.

 Mit großem Elan möchte der neue Hausherr, die räumliche Situation für seinen Bedarf verändern, dort einen Durchbruch machen, da eine Tür vermauern, doch gemach, gemach! Da gibt es ja noch einen Mieter namens Alois Archer im Hause. Sein Mietvertrag läuft  bis 1865 und er fühlt sich durch die geplanten Maßnahmen in seinen Rechten beeinträchtigt. Er geht zu Gericht. Sachverständige, man nannte sie damals Kunstbefugte, treten auf den Plan. Archer wird Recht gegeben. Mit dem Geschäftsumbau geht vorerst nichts.

 Im Hause des Ernst Feistl, heute befindet sich dort der Tabakhauptverlag oder das, was man einmal so genannt hat, ist glücklicherweise Platz frei geworden. Unser junger Meister mietet sich dort laut Vertrag vom 16.6. mit Wirksamkeit ab 1.10.1861 ein. Für ein Gassengewölb rechts vom Haupteingang, für zwei im zweiten Stock gelegene Zimmer, für die Mitbenützung des Unterdaches, der Vorsäle, Vorlaube und des Kellers werden für die nächsten vier Jahre insgesamt 368 Gulden gezahlt werden.

Vergessen wir getrost einmal den Buchbinder und wenden wir uns Ferdinand Schneeberger, dem Sänger zu. Neben beruflichen Fähigkeiten hat er nämlich von Graz auch noch andere Gaben, so zum Beispiel eine prächtige Tenorstimme nach St.Veit mitgebracht. Also ein Gesangsverein fehlt da noch und man wird Schneeberger recht bald unter den Gründern des MGV 1863 finden. In der 50-Jahr-Festschrift dieses Vereines, also 1913 scheinen nicht weniger als vier Schneeberger in der Liste der einstigen bzw. damals noch ausübenden Mitglieder auf und zwar Ferdinand Schneeberger I  „Hausbesitzer 2.Tenor 1863-1897“, sein Sohn gleichen Namens „Buchbinder (der Vater lebte ja nicht mehr) 2.Baß 1864-1905“ das war der legendäre und Langzeit-Chormeister, ein Ferdinand III  „Kaufmann 2.Tenor 1900“ und schließlich Franz Schneeberger „Kaufmann 2.Baß 1898-1900 und 1903“. Damit erscheint Ferdinand Schneeberger I schon früh in Gesellschaft und Wirtschaft St.Veits voll integriert. Die kulturellen Großtaten von MGV St.Veit, von dessen Mitgliedern und Funktionären sind zwar mittlerweile Geschichte aber unvergessen und wären eine eigene Betrachtung wert. Kritisch müßte dabei allerdings die politische Ausrichtung des Sängerwesens im allgemeinen und die auffälligen Aktivitäten der St.Veiter Sänger im besonderen gesehen werden. Der MGV war die Wiege wachsender alldeutsch-liberaler Geisteshaltung in Stadt und Umland.

Schon im Jahre 1867 gelang Ferd.Schneeberger I ein weiterer Zukauf. Simon Aßl, Besitzer des Hauses 147 samt Garten in der Villacher Vorstadt – heute befinden sich an dieser Stelle die Häuser Sonnwendgasse 5 und 7 und die Gärten der Firma Sattler – verhandelte dieses sein Besitztum „samt Fenster und Balken,  H o p f e n s t a n g e n, Dünger und Mistbetter“ um 1473 Gulden dem Herrn Ferdinand Schneeberger gemäß Kaufvertrag vom 19. Oktober des genannten Jahres. Auch die zur Kaufliegenschaft gehörigen Ansprüche auf sogenanntes Bürger-Terrain wurden miterworben. Darunter hat man die im Weichbild der Stadt gelegenen landwirtschaftlichen Flächen zu verstehen, welche durch die sogenannte Bürger-Gilt, eine Art Selbstverwaltungsinstitution der St.Veiter Hausbesitzer von Zeit zu Zeit neu vergeben werden konnten. Alle Bürger-Terraine wurden übrigens um die Jahrhundertwende fix ins Eigentum der jeweils Berechtigten übertragen und die Bürger-Gilt aufgelöst. Der Vorbesitzer Simon Aßl dürfte offensichtlich in finanzielle Schwierigkeiten geraten sein, denn vom Käufer mußte wenig Bargeld aufgewendet, dafür aber so manche Hypothek übernommen werden.

Dreiundzwanzig Jahre lang erfreute sich der Buchbinder und Sänger nebenher eines erfüllten Lebens als Kleinbauer, Gärtner und Hopfenpflanzer ehe er sich mit Kaufvertrag vom 7.8.1890 von diesem Anwesen in der Villacher Vorstadt wieder trennte. Käufer war ein gewisser Franz Sawitzer, Gartenpächter in Zischenwässern. Im Vertrag heißt es ausdrücklich, daß sich der Verkäufer die Gartenfrüchte sowie den Platz zum Trocknen des Hopfens bis Ende des Jahres vorbehält. Ein schöner Hopfengarten muß dort also 1890 noch bestanden haben. Der Erlös von 2.300 Gulden ist um 800 Gulden höher als die seinerzeitige Kaufsumme. Schneeberger wird an der Liegenschaft also einiges verbessert haben.  Wir begegnen weiteren Flächen, wenn sie im Verlaßverfahren nach dem am 15.2.1897 das Zeitliche segnenden Stammvater als „Wiese und Acker am Glabitsch“ aufscheinen. Diese zwei Grundparzellen wurden von Schneeberger im Jahre 1879 im Zuge einer Zwangsversteigerung erworben und lagen östlich des heutigen Verwaltungsgebäudes der Firma Funder an der unteren Glan. Die slawische Bezeichnung Glabitsch (Tiefental), heute weder gebräuchlich noch bekannt, ist aber durchaus passend und vielsagend. – Die Buchbinderei ist allerdings schon zuvor und zwar im Jahre 1875 dem gleichnamigen Sohne übergeben worden.

 Gesunder Geschäftssinn, gepaart mit einer ausgeprägten musischen und kulturellen Begabung waren kennzeichnend für viele Generationen bis auf den heutigen Tag. Ein Jubiläum, unter solchen Prämissen gefeiert, berechtigt zu großen Hoffnungen für die weitere Zukunft. Glückauf also dem altehrwürdigen Hause der einstigen Buchbinder und heutigen Buchhändler!

Walter Wohlfahrt in „Sankt Veit Kommunal“ 2001

 

 

 

 

 

 

 

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