Ökumene

März 12, 2015 um 09:56 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Wenn sich Menschen der großen christlichen Gemeinschaften in diesen Tagen wieder zur Welt-Gebets-Woche für die Wiedervereinigung- auch hier in St. Veit/Glan – versammelt haben, dann sind dies mit Sicherheit gottgefällige Werke. Nicht so sicher darf man sich allerdings darüber sein, dass auch die Ereignisse, welche zur Spaltung geführt haben, ich meine den Starrsinn, die Unduldsamkeit, Streit- und Gewinnsucht von seinerzeit, Gott gefallen haben.
Nach dieser kritischen Einleitung folgen Eindrücke über ökumenische Alltagspraxis im St. Veit vor zweihundert Jahren an einem ganz konkreten Beispiel. Als Ernst Gustav Feistl, 1797 in Frankfurt an der Oder geboren, sich so um 1820 in St. Veit niederließ, muss er ziemlich bald zu eigenem Hausbesitz gelangt sein, denn ab 1829 scheint er bereits als Gürtler im Bürgerbuch auf. Dass er evangelischen Glaubens war, spielte dabei keine Rolle. 1832 kaufte er gemeinsam mit seiner Gattin Anna, geborene Hipsch, Tochter des Schleifermeisters Johann Hipsch bereits ein Haus am Hauptplatz Nr.13, wo heute die Tabaktrafik untergebracht ist. 1830 dürfte den Eheleuten Sohn Hugo geschenkt worden sein, der ihnen im Besitz dieses Hauses 1865 folgte und bei dieser Gelegenheit „Goldarbeiter“ genannt worden ist. 1886 folgte dem Hugo seine Witwe Gabriele, geborene Mörbinder.
Daneben hatte Anna Hipsch scheinbar von ihrem Vater ihr eigenes Haus, heute Herzog Bernhard Platz 14. Jetzt befindet sich dort der Juwelier Dieter Zechner. Als diese Realität 1861 von Josef Greil gekauft wird, gibt es den Hausnamen „Feistlwirt“ was bedeuten könnte, dass Anna Hipfsch-Feistl dort schon als Wirtin gewirkt hat. Es spricht auch noch dafür, dass anschließend ein Gasthaus Hauner an gleicher Stelle bestand und gegen Schluss hin von Herrn Fankhauser sen. in Pacht genommen wurde.
Hugo Feistl, bis 1886 Hausherr am Hauptplatz und Goldarbeiter von Beruf, verlor innerhalb des Jahres 1872 den Vater (15.2.) mit 75 und die Mutter (3.11.) mit 79 Lebensjahren. Interessant in diesem Zusammenhang, der Totenschein des Vaters wurde vom evangelischen Pastor in Klagenfurt ausgestellt, der wohl auch das Begräbnis gehalten haben muss, weil St. Veit damals noch keine eigene evangelische Gemeinde besaß. Maria hingegen war katholisch und da amtierte natürlich die Stadtpfarre. Das Sterbehaus ist zwar nur bei der Mutter ausdrücklich genannt, dürfte aber ebenso auf den Vater zutreffen, es ist die Wohnung des Sohnes Hugo, Hauptplatz 13. Während als Beruf des Vaters im Dokument mit „Juwelier“ angegeben wurde, hieß die Standesbezeichnung der Mutter „Goldarbeiterswitwe“. Der Vater hat demnach einen Berufswechsel vollzogen. Hugo Feistl war ein angesehener Goldschmied. Als der reiche Lebzelter Johann Haller 1877 die auch nicht gerade unvermögende, aber doch noch unmündige Braut und spätere Goldhauben-Dame Aloisia zum Altar führte, durfte Hugo Feistl für sie den Vormund stellen.
Wie man sehen kann, war der Glaubensunterschied der Eheleute, abgesehen von gewissen Erschwernissen eines Lebens in der Diaspora, kein wirkliches Problem. Mit gemeinsamer Arbeit, entsprechendem Fleiß und mit persönlicher Tüchtigkeit brachte man es ohne weiteres zu Hausbesitz und entsprechendem Ansehen.

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