Zur Wirtschaftsgeschichte von St.Veit/Gl

Juni 12, 2017 um 18:05 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Pogatschnig, des Ledermachers Besitztümer

 Andreas Pogatschnig (Pogacnik  1830-1907) war Wirtssohn und Lederer,  stammte aus Dobrova in Krain und kam in jungen Jahren nach St. Veit.  Aktenkundig wurde er hier, als er 1860 mit Johanna,  Witwe nach Eduard Kronegger, dieser einst ebenfalls Lederermeister Hauptplatz 4, seine erste Ehe einging. Dabei nannte er sich ganz stolz „angehender Besitzer des Hauses Weitensfelder Vorstadt 4“, richtig laut Kaufvertrag  Haus Nr. 13,  später unter Adresse Haus Friesacher Vorstadt 10 geführt. Es handelte sich dabei um seine erste Betriebsstätte mit Gerbgruben  an der Grabenstraße, ungefähr zwischen heutigem Finanzamt in Sponheimer Straße und der Spital Gasse gelegen.  Das mit Werkstätte, Kalkmagazin,   2 Lohemagazinen hatte laufendes Wasser und ein Ausmaß von rund 1 Hektar.  

 Schon sechs Jahre später erwarb Pogatschnig von Franz Kraschnig  die Liegenschaft EZ 24 KG St.Veit,  laut  späterer Schätzung  von 1907 bestehend aus „Gebäude ganz gemauert, ein Stock hoch, unterhalb ist eine gewölbte Schmiede, jetzt Kammer, dann eine gewölbte Rauchküche mit offenem Herd darin  eingemauerter Rübenkessel, ein Erdäpfel-Keller, 3 gleiche Lokale für Holz, dann ein großer Gemüsekeller mit drei Fenster. Über eine gemauerte Stiege kam man von der Gassenseite in den ersten Stock, rechts ist ein Getreidemagazin, gewölbte Zimmer und Küche und Speis etc.etc.“

Dazu gehören die umliegenden landwirtschaftlichen Flächen im Ausmaß von mehr als 3 ha.,

1871 kommt es gleich daneben zum Bau eines Stadels, „ganz gemauert und mit Ziegel gedeckt, von der Straße aus gelangt man über eine gewölbte Stadel-Brücke in denselben, unter der Stadel-Brücke eine Schweine-Stallung mit 4 Abteilungen, der große Stall ist gewölbt mit Durchfahrt, steinernen Säulen, fließendem Wasser und bietet Raum für 30 Stück Rindvieh, Tenne mit Futterwurf, Eingang  (in die Tenne) nur von der Straßenseite, Futterbarren und Gebatter“

 

Pogatschnig Stadel von Bäumen verdeckt,  in jüngerer Zeit zu Wohnhaus Gerichtsstraße 1 umgebaut    

u. rechts dahinter das Gurker Stöckl, Gerichtsstraße 3, umgebaut 2015-16  

1887 wurde der Besitz um den angrenzenden „Lichtensteiner Acker“ mit rund 2 Hektar erweitert.

Im Erlgraben, später Vituspark, wurde Bachwasser am nördlichen Hang entlang geleitet. So entstand auf Höhe des ehemaligen Lazarettes ein brauchbares Gefälle. Dort stehen heute noch zwei Gebäude, man nannte diese einmal die Obere- und die Untere Tappermühle. Eine davon wurde von Pogatschnig zu einer Lohstämpfe umgebaut. Aus Baumrinden wurde Gerberlohe gemacht, dies nicht nur für den Eigenverbrauch, auch zum Verkauf. Daneben nennt 1905 der Amtskalender auch die protokollierte Firma Stephan Kleinszig, Inhaberin Maria Kleinszig als Erzeugering von Lohe. Diesmal wohl in Verbindung mit einem Sägewerk.

Das Wohnhaus der Familie befand sich am Hauptplatz Nr. 4 – heute Holzmann. Dieses reicht heute noch vom Platz bis in die Bräuhausgasse. Die gassenseitige Front ist länger als die Platzseite. Es  steht dort heute ein eigenes Wohngebäude. Über den kleinen Hof führte einst eine Holztreppe hinauf in den Arkadengang, welcher das Vorderhaus mit dem Hinterhaus heute noch verbindet. Platzseitig zu ebener Erde befand sich ein Lederwaren-Geschäft, dahinter Magazine und Arbeitsräume.  Stall und Tenne lagen an der Gasse. Im Obergeschoss von vorne nach hinten zu befanden sich Wohn- und Schlafräume der Familie, nach hinten zu Dienstbotenzimmer.

 Im Jahre 1905 gab es in der Stadt laut Kärntner Amts- und Adress-Kalender noch 22 Schuhmacher. Daneben  einen Sattler und Riemer. Taschner wurden nicht mehr genannt. Ebenso, wenn auch weniger zahlreich waren die Schuster in den Nachbarorten. Alles was in diesen Sparten an Rohmaterial gebraucht wurde, konnte von Pogatschnig, aber auch bereits von Johann Trixner, Leder- und Schuhmacher-Zubehör-Händler bezogen werden. Die aufkommenden Lederfabriken, wie Neuner in Klagenfurt wurden aber mehr und mehr zu empfindlichen Konkurrenten. Die Tage eines lokalen Ledermachers waren also  gezählt.

Die Zeit der Schuhfabriken, der Konfektionsware und der örtlichen Schuhhändler rückt immer näher. Das bringt große Veränderungen bei Beschaffung erhöhter Mengen von Lohe ebenso wie von Roh-Häuten. Das wird dazu führen, dass einerseits entlang der Eisenbahnlinien, nahe entsprechender Wälder die sogenannten Rinden-Hütten aus dem Boden wachsen, mit deren Hilfe die Fabriken das Aufkommen des Gerbmittels in eigenen Hände nahmen, anderseits eine neue Sparte von Zwischenhändlern entsteht. Letztere sammelten das regionale Aufkommen bei den Fleischern, lagerten nur kurz und lieferten den Fabriken zu. Im Hofe der Firma Trixner hat es einen entsprechenden Umschlagplatz geben.

 

Über Ziegelbrenner um unserere Stadt

Ganz abgesehen davon, dass schon die alten Römer den gebrannten Lehmziegel kannten, die vielen Backstein Häuser in Europa, ja sogar Kirchenbauten in diesem Material schon lange Zeit bestehen, nannte auch St. Veit als Stadt  einst einen „Ziegelstadel“ ihr Eigen. Um das Jahr 1747 herum war er temporär aktiv. Darüber wurde schon berichtet. Zahllos waren wohl auch  einmal  die Ziegelöfen über ganz Kärnten verteilt. dazu gehört auch jener des Viktor Wigisser in Mailsberg, westlich der Stadt mit seiner berühmten VW Bezeichnung. Heute geht es um die ehemalige Ziegelei Keutschachhof. Es liegt diese zwar schon knapp im Gemeindegebiet von St. Georgen am Längsee, die letzten Betreiber waren allerdings St. Veiter.

Basis für die dort feststellbare Betriebsamkeit im Ziegelmachen, war ein für damalige Zeiten relativ ergiebiges Lehm-Vorkommen. Dieses erstreckte sich von der Brückler-Straße in nördlicher Richtung fast bis zum Burgberg von Taggenbrunn. Der Geländeeinschnitt  wird dort seit 1912 von einer großen Eisenbahnbrücke überspannt. Burgberg und Brunnen, wie passt das zusammen? Was der heutige Besitzer im Burghof von allem angesammelten Unrat  säubern ließ,  war wohl kein Brunnen im herkömmlichen Sinn, sondern  eine Zisterne. Eine solche sollte das Niederschlagswasser sammeln. Damit es sich auf steinigem Untergrund nicht zu bald verliert, hat man den klüftigen Boden möglicherweise mit Lehm ausgekleidet. Bedenkt man, dass in Kärnten „tachenes“ schriftsprachlich „tönernes“ Geschirr  aus Lehm hergestellt, oder auch Kachelöfen damit verschmiert wurden, ergibt sich eine neue, wenn  nicht gar plausiblere Erklärung des Burgnamens, als bei E. Kranzmayer. Auch eine Quelle frischen Wassers gibt es, also einen Lehm- oder Tachenbrunnen.   Von demselben eilt ein kleines Bächlein an der Ziegelei vorbei,  der Glan zu. Der Namen der Ziegelei stammt vom darüber gelegenen Landtafel-Gut namens  Keutschachhof. Dieser Hof bildet zusammen mit dem Areal der ehemaligen Ziegelei heute  noch eine Besitzeinheit. 

Die Chronik von St. Georgen/LS, 2007,  Seite 341 weiß von zwei benachbarten Ziegeleien, die schon 1830 bestanden. Eine im sogenannten Pulawald, die andere im  „Ziegelgraben“, letztere ab 1884 Keutschacher Ziegelofen genannt. 1897 lässt Karl Premig aus Goggerwenig (auf fremden Grund!?) die Ringofenziegelei Keutschachhof errichten.  Der Pulawald hingegen liegt südlich davon und hatte einmal einen eigenen Glan-Übergang, die sogenannte Häferl-Brücke, verschrieben in Käferlbrücke. Eigentlich wiederum ein Hinweis auf die tachenen Häferl! Auf Franz Freiherr von Rayer, von 1859 bis 1885 Eigentümer von Taggenbrunn und Keutschachhof  folgte 1890 Stefan Kleinszig (Jahrzahl mit S.K. am großen Stadel) im Besitze der Burg. Eine Faktura von 7.9.1920, ausgestellt von „Ringofenziegelei und Landtafel Gut Keutschachhof der Marie Jergitsch, Klagenfurt“ belegt eine neue Gewerbsinhaberin. Frau Jergitsch hat wohl mit Jergitsch Ferdinand (1836-1900) zu tun? Unter ihm  hat Klagenfurt bekanntlich die erste Freiwillige Feuerwehr im alten Kaiserreich erhalten. 

1934 beginnt hier die große Zeit des August Voraberger, einem Getreidehändler und Gastwirt von St. Veit. Noch sind die Zeiten wenig rosig, aber 1938 erfolgt plötzlich der geschäftliche Durchbruch. Ein Foto in oben genannter Gemeindechronik zeigt auf eindrucksvolle Weise, dass es über zwanzig Beschäftigte gab, darunter sieben Frauen. Aber bald gab es Krieg, Einrückungen und Produktionsdrosselung. Dass es nach Kriegsende, angesichts der vielen Bauschäden bald wieder aufwärts ging, belegen die folgenden Fotos.

 

Gottlieb Koch im Abbau-Gebiet:
        Modernes Gerät im Abbau

Vorgetrocknete, noch ungebrannte  Ziegel werden zum Ringofen gebracht:

src=“https://altstveit.files.wordpress.com/2017/06/hans-valent-u-kollegen1.jpg?w=202″ alt=““ width=“202″ height=“300″ />Schweres Gerät:

Besuch bei Familie Strasser, dahinter der Ringofen:

August Voraberger, geboren 1891, war schon früh vaterlos, er wird auf eigenen Wunsch  am 7. Feber 1912 vorzeitig gerichtlich für großjährig erklärt. Wie Schwester Rosina, bekommt auch er den väterlichen Pflichtteil von 1.145 Kronen zugesprochen. Eigentümerin wird zunächst Mutter Maria mit der Verpflichtung, ihren Sohn nachfolgen zu lassen. Letzteres geschieht im Jahre 1924. Als junger Getreidehändler und Gastwirt ist die Höhe seines Real-Vermögens noch durchaus überschaubar. Neben Gasthaus und Stallungen gibt es noch ein zweites Wohnhaus an der Reichsstraße, eine hochmoderne Kegelbahn im ehemaligen Stadtgraben und Gemüsegärten. Der Getreidehandel dürfte sich nach Ende der Inflationszeit gut angelassen haben. Sprichwörtlich gehört Voraberger bald zu den einzigen drei St. Veitern, die Geld haben. Ja er wird auch rasch zum Geldgeber bzw. zum Geldverleiher. Sehr vorsichtig werden Darlehen nur gegen grundbücherliche Sicherstellung gewährt. 1934 ist innenpolitisch ein spannendes Jahr, nicht so für August, er kauft sich ein Landtafelgut am Stadtrand und die dort befindliche Ziegelei, nebst Landwirtschaft gleich mit. Die Nachfrage nach Mauerziegel wird sich wohl noch in Grenzen gehalten haben, doch es kommt ja bald 1938! Absatz und Beschäftigtenzahlen werden dann rapide steigen. Noch ist es nicht so weit, Gasthaus und Landwirtschaft ergänzen sich gut. Es gibt weder Mangel an flüssigen Mitteln noch Probleme bei Vermarktung von Korn und Vieh wie überall sonst! 1938 wird im Zuge des neuen Erbhofgesetzes amtlich abgefragt. Vorabergers Besitz ist inzwischen durch Zukäufe auf 210 Hektar angewachsen.
Kriegs- und Nachkriegszeit wird schadlos überstanden. Der bald einsetzende Neuaufbau kommt der Ziegelproduktion sehr entgegen. Doch gemach! Auch andere Ziegeleien, vielfach mit günstigeren Lehmlagern und besserer Verkehrslage treten auf den Plan. Investieren ja, aber nicht zu viel? Wird es sich rechnen oder ist das Rohmaterialvorkommen bald zu klein?
Diese Fragen werden zu bald die Nachkommen beschäftigen und von diesen hoffentlich richtig eingeschätzt werden. August Voraberger wird nicht alt. Er stirbt 1955 mit 64 Jahren. Was er hinterlässt ist äußerst zwiespältig. Ein großes Vermögen ist wohl da, doch die Erbfolge durch familiäre Defizite sehr schwierig. Der Geschäftssinn war viel stärker als der Familiensinn. So musste es kommen, dass binnen weniger Jahre alles komplett zerfiel.

Auch das gehört zu St. Veiter Wirtschaftsgeschichte

Man stell sich vor, unsere Stadt hatte noch keinen einzigen Großmarkt! Viele kleine Läden sorgten dafür, dass jeder Käufer finden konnte, was er suchte. Sogar Markenartikel konnte man kaufen. Weil die Firmen noch keinen großen Aufwand für Werbung trieben, waren gerade einmal die Rechenzettel mit mehr oder weniger ansprechenden Bildern gratis zu haben und sie taten ihre Wirkung, wie man hier sehen kann.
Einen Zeithorizont 1933-37 habe ich in einem durchschnittlichen Haushalt gesammelt und mein Freund Rudi Wadl hat das Gesammelte dankenswerterweise digitalisiert. Viel Vergnügen in unser beider Namen:

Freund Rudi – Erinnerungen

Juni 6, 2014 um 16:30 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Acht Jahre sind schon wieder ins Land gezogen, seit mein väterlicher Freund und alter St. Veiter im 88sten zur letzten Ruhe bestattet wurde. Er war ein liebenswürdiger, humorvoller, ein geselliger und angenehmer Mensch – ein Glück für jedermann, der ihm begegnete oder der ihn so wie ich noch in hohen Jahren in voller geistiger Frische kennenlernen durfte um seinen Geschichten zu lauschen. Regelmäßig machte er seine Runden durch das Städtchen. Irgendwo, am sichersten beim Bäckerladen Schöffmann am Weyerfeld konnte man ihn im Kreise von Bekannten bei einem Glas Rotwein treffen.  Rudi war das personifizierte Zeitgeschehen, eine Stadt-Chronik auf zwei Beinen so zu sagen. Ein gutes Gedächtnis machte ihn zum talentierten Erzähler familiärer Schicksale oder zum Schilderer weit zurück liegender Begebenheiten. Sein Soldatenleben brachte in weit in die Welt hinaus. Dank seiner Profession kannte er die Stadt und Bezirk, wie kein anderer. Er war nämlich ein höchst begehrter und tüchtiger Fahrlehrer, der auch noch in scheinbar hoffnungslosen Fällen zur Fahrtauglichkeit verhalf. Mehr sei hier nicht verraten, wohl aber einige seiner „Lieblings-Stückel“.

Sternwirt um 1925 Autowerkstätte

Oben das alte Hotel Stern (heute Fuchspalast) im Hof hinten wirkte der alte Zygartowski, ehe er seine Werksätte nach vorne an die Straße verlegte (heute Notariat Sauper in der Friesacher Straße)

Etwa jenes von einem ehemaligen Bezirksrichter, namens Reinhold P. Von diesem wurde erzählt, er sei fast täglich, egal ob gerade amtshandelnd oder nicht, des guten Weines voll. Er pflegte deshalb, seine Sachen zu vereinfachen und die ihm lästigen Verhandlungen durch überraschende Freisprüche abzukürzen. Das blieb den Anwälten von St. Veit bis Klagenfurt nicht lang verborgen und führte eines schönen Tages dazu, dass man den Herrn Rat nach Gurk versetzte, wo es von Haus aus weniger zu tun gab.

Über die St. Veiter Schlaraffen, eine Verbindung akademischer alter Herren, sagte man, dort dazu gehörten u.a. Apotheker Berger, Dr. Gabron und Werner Knaus – doch mit Hitler war alles aus! Ihre „Burg“, den Ort ihrer Zusammenkünfte, hatten die Schlaraffen im Weißen Lamm. Nur Willi Anwandter, einstiger Oberkellner im Hotel Stern besaß ihr Vertrauen und durfte ihnen servieren. Keinesfalls war weibliches Personal zugelassen.

Leo Knaus und Major F.X. Kohla (1890-1977) waren dicke Freunde. Beide hatten es mit der Feuerwehr, der eine als Stadt- und Bezirks-, der andere als Landeskommandant. Das gute Einvernehmen kam nicht davon, dass beider Ehefrauen Ottilie hießen und so zu Namengebern für den frühgeschichtlichen Ausgrabungshügel der dreißiger Jahre zwischen Pulst und Glantschach (Ottilien-Kogel) geworden sind. Eher kam es wohl davon, dass Kohla seinen Freund zum Haus- und Hoflieferanten der Feuerwehr ernannte. Wo überall das Landeskommando einen Feuerwehrmann neu einkleidete, gab es den Stoff dazu gratis. Zu beziehen war das Material allerdings bei Leo Knaus in St. Veit. Kohla war übrigens auch Ausgräber auf Alt-Dornhof, ein wenig bekannter, versteckter Burgplatz direkt unter dem Lorenziberg, wo ihm wiederum  Männer der FF aus St. Veit sehr hilflichreich waren.

1945 erschienen vier Partisanen bei Kohla in Klagenfurt. Er wäre nicht der einzige gewesen, den man damals kurzerhand auf nimmer Wiedersehen mitgenommen hat. Dabei soll sich folgende Wechselrede entsponnen haben. Partisan: „Sind Sie Major Kohla“ – Antwort „Ja, und wer bist Du? und von wo bist Du?“  Nach kurzer Auskunft wieder  Kohla: „Dann warst Du dort der Feuerwehrkommandant.“ Partisan: „Ja , das war ich“ Kohla: „Dann musst mich ja eh kennen“  Daraufhin salutierte der Partisan, zog mit seinen Begleitern ab und kam nie wieder.

Leo Knaus war hoch betagt, da wollte ihm die Kameradschaft der Wehr gratulieren. Tochter Paula fand dies schon etwas zu beschwerlich und musste den Besuch abweisen. Die flotten Floriani-Jünger wussten sich zu helfen. Sie fuhren mit der neuen Drehleiter auf den Kirchplatz, klopften von  der Hinterseite des Hauses an ein bewusstes Fenster und überreichten so ihren Blumenstrauß.

Es war die Zwischenkriegszeit  und  ein Auto zu fahren, einfach faszinierend.  Nur reichten dazu die Mittel weder  bei  Herrn Gorton von Rothenstein noch bei Pepo Kleinszig auf Taggenbrunn und schon gar nicht beim Rechtsanwalt Franz Kleinszig. Man einigte sich daher auf den gemeinschaftlichen Ankauf und Gebrauch eines neuen Automobils. Leider war das keine glückliche Idee. Alsbald gab es Ärger über anfallende Kosten, Fahrzeiten und gerechte Aufteilung. Das Experiment war von kurzer Dauer. Und übrigens, nach Rudis Worten gab es damals nur zwei Persönlichkeiten in St. Veit, die über Bares verfügten: Dr.  Lemisch und August Voraberger, Gutsherr der eine und Landprodukte-Händler-Gastwirt der andere.

Noch einmal zurück zu Pepo Kleinszig.  Der Herr auf Taggenbrunn pflegte mit Karl Funder beim Schubernig in St.Veit regelmäßig Karten zu spielen. Eines Tages kam es dabei zu einer leichten Meinungsverschiedenheit was damit endete, dass Funder dem Partner eine Ohrfeige gab. Um eventuellen Weiterungen aus dem Weg zu gehen, griff Funder schlussendlich großzügig in seine Brieftasche. Alles war damit wieder in Ordnung und Kleinszig, inzwischen heimgekehrt, erzählte davon seiner Eheliebsten. Ihre Antwort soll  gewesen sein: „Nach langer Zeit bringst wieder einmal selber verdientes Geld nach Hause.“

1945 wurden mehrere prominente St.Veiter in Wolfsberg von Engländern festgehalten. Ihre  Ehefrauen fassten den Entschluss, den Männern, von denen man wusste, an welchen Tagen sie auf Außenarbeit sein würden, nicht nur einen Besuch zu machen, sondern auch etwas Nahrhaftes  mitzubringen. Auto und Benzin waren vorhanden, doch wer fährt? Rudi wurde dazu ausersehen und eines schönen Wintertages ging es los. Am Griffner-Berg steckte eine Kolonne englischer Militärfahrzeuge fest. Sie konnten die schneeglatte Bergstraße nicht bezwingen. Auch Rudi kam mit seinem Gefährt ins Rutschen und zum Stillstand. Kurz entschlossen, ließ er die Damen aussteigen, empfahl ihnen, das Stück bis zur Passhöhe zu Fuß zurückzulegen. Zwei Holzknechte, welche gerade des Weges kamen und in die gleiche Richtung wollten, hieß er links und rechts auf den vorderen Kotflügeln Platz nehmen, denn der Wagen hatte Frontantrieb. Zum Staunen der hilflosen Briten, kurvte unser Mann an ihnen vorbei und mühelos den Berg hinauf, erreichte die Höhe, wechselte seine Passagiere, kam gut nach Wolfsberg und auch wieder gut nachhause.

Noch viel mehr wäre zu berichten, wenn nur der Platz nicht immer knapp wär. Rudi war immerhin ein Kriegsjahrgang und hat als Soldat viel erlebt und sich manchmal gerne an relativ ruhige Zeiten hoch oben in Norwegen erinnert. Davon vielleicht ein andermal.

In St.Veiter Stadt-Blattl Fritz Knapp erschienen April 2014

 

 

 

 

 

 

Die große Kasern – heute Feuerwehr

April 7, 2012 um 15:38 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Blick durch das Feuerwehr-Tor in der Stadtmauer auf „Große Kasern“

Die leidvollen Erfahrungen Maria Theresias in den Kriegen mit Preußen, wo es um Schlesien ging, haben dazu geführt, daß auch das österreichische Kaiserreich daran dachte, ein stehendes Heer zu unterhalten. Dies bedeutete allerdings, überall in der großen Doppelmonarchie Kasernen zu haben. Auch die Kammerstadt St.Veit errichtete selbstverständlich eine solche Mannschaftsunterkunft und bekam so den Charakter einer Garnisonsstadt. Während aber das Steuerbuch von 1753 (K.L.Arch.) –  es zählt alle Häuser auf, die Miete abwarfen – im sogenannten Botenviertel, das sind die Häuser Unterer Platz Ostseite bis zur unteren Stadtmauer, einer Kaserne keinerlei Erwähnung tut, hört man 1775 vom Haus Nr. 72, ausdrücklich „Stadtgebäu“ und „Große Kasern“ genannt. In welchem Jahr der stattliche Bau, in dem sich heute die Floriani-Jünger heimisch fühlen, wirklich entstand, ist vorläufig nicht genau zu sagen, vielleicht um 1760 herum? Von da an häufen sich die Erwähnungen bei Vertragsabschlüssen, wie „grenzt an die Städtische Kasern“ Im weiteren Verlauf kommt es sogar dazu, daß die Schulhaus-Gasse zur Kasern-Gasse (heute Herzog Bernhard Platz) mutiert.

1835 werden noch beide Staßen-Bezeichnung neben einander verwendet! Seit 1775 wurden von der Stadtpfarre sogar eigene Matriken, d.h. Tauf- , Trauungs- und Sterbebücher nur für Militärs geführt.

 Nun muß man erwähnen, daß es schon seit 1748 ein sogenanntes Militär-Reglement gegeben hat, dessen § 14 beispielsweise vorsah, was ein privater  den k.k. Militärs zu leisten verpflichtet war: eine Liegerstatt mit Strohsack und gleichem Polster, eine Kotze als Decke und im Winter noch eine weitere als Unterlag, Ober- und Unterleintuch monatlich zu wechseln, dazu kam noch gemeinschaftliches Holz und Licht (Kerzen!), sowie die Mitbenützung des Kochherdes. Wenn auch dafür als Schlafgeld der sogenannte Schlafkreuzer pro Mann und Nacht gebührte, so war das doch eine schwere Last für alle Hausherren in der Stadt und ihr Wunsch sehr verständlich, statt dessen baldigst eine eigene Kaserne zu haben.

 Weil aber auch fix stationierte Truppen von Zeit zu Zeit in neue Quartiere zu verlegen waren – sie sollten ja keinesfalls das tage- und stundenlange Marschieren verlernen – so benötigte man neben den Kasernen immer noch sogenannte Marsch-Stationen. Daher war etwa im November 1831, also schon zu Freidenszeit, ein Batallion je sechs Kompanien bzw. 1200 Mann von Bruck bis Klagenfurt über die Marsch-Stationen Leoben, Knittelfeld, Judenburg, Unzmarkt, Neumarkt, Friesach, St.Veit inclusive dreier Rasttage sage und schreibe elf Tage unterwegs. Truppenverlegungen waren an der Tagesordnung und Durchmärsche wenig beliebt. Am 28. Mai 1832 richtet der Magistrat ein ergebenstes Ansuchen an das hohe Präsidium in Laibach, man möge die schon seit 8. September in der Stadt liegende 1. Escadron vom k.k. Erzherzog Joseph Husaren Regiment Nr. 2, bestehend aus ungefähr 160 Mann vom Wachtmeister abwärts „bei dem selbst jetzt noch immer fortwährenden Wechsel der Zeitverhältnisse bald dislocieren (weiterschaffen), weil St.Veit hinsichtlich seiner Lage als eine Hauptmarschstation nach hierortigen unvorgreiflichen Ermessen (sehr devot!)…….nicht lange (mehr) mit einer Garnison belegt bleiben könne.“ Wenn auch zwischen durchziehenden, wenige Tage rastenden und in Garnison liegenden Truppen, welche oft Monate in der Stadt weilten, unterschieden werden muß, so blieb die Beschwernis der Bürger doch meist die gleiche. Erfreulich hingegen wurde es empfunden, als anläßlich des Stadtbrandes von 1829 die Husaren der Garnison tatkräftigst der bedrängten Stadtbevölkerung zu Hilfe eilten und dafür höchste Anerkennungen und Ehren ausgesprochen bekamen. 44 Jahre vor Gründung unserer Freiwilligen Feuerwehr kamen die Helfer, wenn auch im Soldatenrock, also schon aus diesem Gebäude.                      III/2006

 

 

 

 

Das Rauscher-Haus am Hauptplatz

Juli 28, 2011 um 13:52 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Das Haus Hauptplatz Nr. 24 ist ein stattliches Gewerkenhaus mit einer schmucken Fassade. Es liegt genau gegenüber dem einstigen Kino Jäger. Den Brunnen dazwischen zierte lange Zeit der Hl. Florian, mächtiger Schutzpatron gegen Feuersgefahr. Wie undankbar sind doch die St.Veiter! Bald nachdem die alten Schindeldächer durch Hartdachung ersetzt waren und die örtliche Feuerwache ihre Schlagkraft immer mehr gesteigert hatte, wurde der Hl. Florian vom Brunnen genommen und in den Innenhof der Bezirkshauptmannschaft verbannt. Die heutige Brunnenfigur stellt keinen Heiligen, sondern den Minnesänger Walter von der Vogelweide dar. Gut, daß wir noch den Floriani-Altar in der Stadtpfarrkirche haben. Man kann ja doch nie wissen….. Übrigens, das große Altarbild mit dem Heiligen und Patron der Feuerwehr, zeigt ein beeindruckendes Detail, die Stadt in Flammen, was zu unserem Thema gut paßt. Das Haus am Platze beherbergt zur Zeit u.a. das „Bieradies“, war jedoch  Jahrhunderte hindurch Wohnsitz vieler Gewerkengeschlechter. Von den Pfeilheim kam es an die Dickmann von Secherau und von den Rauscher von Steinberg an Anna Obersteiner,  geborene Rauscher. Ab 1848 im Besitz von Franziska Rainer, ging das weit nach hinten reichende Anwesen 1891 direkt auf deren Enkel, Dr. Arthur Lemisch über. Eine Tafel erinnert daran, daß es sich sogar um das Geburtshaus des einstigen Landesverwesers von Kärnten handelt.

Diese Adresse hat auch in anderem Zusammenhang Geschichte gemacht und zwar als im  Jahre 1829 St.Veit den letzten Stadtbrand sah. Ein Bericht darüber findet sich auf dem hinteren Einbanddeckel einer Pfarrmatrikel des Pfarramtes St.Johann am Hohen Pressen. Der Pfarrherr bemühte sich, das tragische Ereignis, welches sich am 10. Juni des genannten Jahres auf dem Hauptplatz zutrug, in nicht gerade bestem Latein, wie folgt zu schildern:

Am besagten Tage, ungefähr zur dritten Stunde am Nachmittag, brach in St.Veit ein furchtbares Feuer aus, welches die ganze Stadt mit Kirche und Vorstädten zerstörte. Zur nämlichen Tageszeit befand sich Herr Ernst Rauscher, Gewerke von Mosinz und Heft im St.Veiter Stadthaus des verwandten Mitgewerken Johann Rauscher von Plaggowitz. Plaggowitz liegt im Mosinzer Graben hinter Hüttenberg. Als bereits vom Feuersturm getriebene, brennende Schindel beim Fenster herein zu fliegen drohten, bemühte sich der Gast und eine Magd, Fenster und Holzjalousien noch rasch zu schließen. In diesem Moment stürzte die Feuermauer des Nachbarhause auf das Rauscher-Haus und durchschlug dessen Dach und  Zimmer-Decke. Die zwei an den Fenstern, vom Luftdruck erfaßt, fielen vom zweiten Stock auf den Platz hinunter. Die Folgen waren schrecklich. Brüche an Händen und Beinen, gewiß auch innere Verletzungen waren beim damaligen Stande der Heilkunde leider zu viel und führen bald zum Tode. So schließt der Bericht des Herrn Pfarrers mit Erwähnung eines großen Leichenzuges für den mit 61 Jahren aus dem Leben abberufenen Ernst Rauscher. Eine unüberschaubare Menschenmenge nahm nebst namentlich genannten Pfarrherren aus Guttaring, Wieting, Lölling usw. daran teil. Noch heute kündet eine gußeiserne Grabplatte (siehe Foto!) vom Brande in der Stadt St.Veit und dem prominenten Opfer. Die Magd wird wohl ein eher einfaches Begräbnis irgendwo in oder um St.Veit gehabt haben. Ihr wird nicht weiter Erwähnung getan.                                                       

Walter Wohlfahrt in „Zentrum Kärnten“  X/2005

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