Stadt St. Veit vor 70 Jahren

Juli 11, 2015 um 16:14 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Weltweit erinnert man sich in diesen Tagen – doch was geschah hier bei uns?

Man schrieb das Jahr 1945, ein warmer Frühling kündigte sich an, die Natur zeigte sich im schönsten Kleid, ganz ungeachtet der menschlichen Drangsal rund um. Auf Häuser, Wälder, Wiesen und Auen strahlte die Sonne, als wäre der Welt überhaupt nichts Arges geschehen. Und doch, ein mörderischer Weltkrieg neigte sich – zumindest in unseren Breiten – langsam aber bestimmt seinem Ende zu.

Die Landstraßen waren von Pferdefuhrwerken verstopft. Darauf saßen geängstigte Leute mit  ihren zusammengerafften Habseligkeiten. Sie sprachen ein schwer verständliches Deutsch und kamen von weit her. Die Gegend, von ihnen zuvor hunderte Jahre bewohnt, war auf einmal von einem furchtbaren, einem rachsüchtigen Feind bedroht. Es gab kein Halten mehr, nur die Flucht nach Westen. Wehrhafte Männer waren kaum  darunter, die waren irgendwo an der Front, vielleicht schon tot. Nur alte Männer, Frauen und Kinder bildeten den endlosen und traurigen Zug.

Es dauerte keine Wochen, da kamen ganz  fremde Besucher ins Land. Überall wo sie mit Waffen drohend auftauchten, nannte man sie die Tito Partisanen. Nur wenige Tage währten ihre gefürchteten Streifzüge. Auch in der Stadt waren plötzlich rote Sterne auf manche Hauswände gepinselt und einige St. Veiter taten gut daran getan, lieber nicht zu Hause zu sein. So forsch wie in Klagenfurt, wo immerhin Verschleppungen auf Nimmerwiedersehen vorgekommen sind, war man  in St. Veit Gott Lob nicht. Es ist den Eindringlingen nämlich die Zeit knapp geworden.

Von Italien her näherten sich mit Windeseile die nächsten, die zweiten Besucher. (Sie sollten zehn Jahre lang bleiben!) Diesmal waren es Engländer oder Tommys, wie man sie auch nannte, und sie waren sogar heiß ersehnt und hoch willkommen. Schwerstes Kriegsgerät versetzte sie in die Lage, jeden Wiederstand zu brechen und auch den Tito-Truppen zu zeigen, dass sie hier nichts und schon gar nichts zu suchen haben. Am St. Veiter Hauptplatz wurden all sogleich große Geschütze aufgeprotzt (wie auch in Klagenfurt), deren Läufe nicht von ungefähr in Richtung Südgrenze gerichtet waren.

Tommies

Bildtext: Diese Gruppe logierte beim alten Kino Jäger in der Villacher Straße. Man beachte die volle Adjustierung und das tägliche Antreten samt Waffe und Munition.

Man muss wirklich lobend hervorheben, dass die englische Regierung für Kärnten einen Plan hatte und willens war, von den Grenzen des Jahres 1918 kein Jota abzuweichen. Überall auf freiem Felde wurde von ihnen demonstrativ Munition gestapelt und mit Wellblech provisorisch eingehaust. Es sah aus, als würde man vorsorgen, falls irgendwer nicht an den vereinbarten Linien stehen bleiben sollte. Englische Mannschaften lagerten zunächst in Zelten,  es könnte ja jeden Moment wieder weiter gehen. Die unerbittliche Haltung eines Premierministers  Churchill zeigte Wirkung. Später nachdem sich die weltpolitischen Spannungen gelöst hatten, wurde die kämpfende englische Truppe von neuen, von jungen Besatzungssoldaten abgelöst. Nach Jahr und Tag erfuhr man von englischen Munitionsdepots, die klammheimlich in Wäldern und abgelegenen Gegenden Kärntens für den Fall des Falles eingerichtet wurden. Zum Plan der westlichen Siegermächte gehörte neben der Grenzsicherung noch die Schaffung einer Militärregierung als Übergang zur künftigen Zivilverwaltung. Was für Hartgesottene totale Niederlage, war für den Rest ein Hoffnungsschimmer von Frieden und Freiheit, wenn auch noch eine Zeit lang voll Mangel und Not. Gelegenheiten zur Vernaderung, für Anzeigen und zur Begleichung sogenannter Alte Rechnungen wurden selten ausgelassen. Ein wenig ließen die Tommys uns St. Veiter schon spüren, dass wir den Krieg verloren hatten. Für den nahen Winter wurden neben Heizmittel, auch festere Unterkünfte gebraucht. Man nahm, wo man es fand, schlagbares Holz und Wohnraum. Fürs erste waren Mannschaften und Stäbe unter Dach zu bringen. Bereitwillig verzeichnete die provisorische Zivilverwaltung, in Listen alle Nationalsozialisten – deren es in der Stadt nicht wenige gab  –  mit genauen Adressen und Wohnverhältnissen. Die Folge davon waren die zunächst wenig beliebten Einquartierungen von Engländern, später auch von Flüchtlingen.  Wer nicht schon zuvor Ausweichquartiere gefunden hatte. musste jetzt zusammenrücken und Platz machen.  An die 53 Haushalte hat man geprüft und 14 waren als erste betroffen, davon 3 mit ihrer kompletten Wohnung. Dr. Arthur Lemisch war wohl nicht auf der besagten Liste, aber er bewohnte immerhin ein Schloss, das den Engländern ins Auge stach. Den Umzug in das nahe Stallgebäude zog Dr. Lemisch allerdings dem Zusammenleben mit den Besatzern unter gemeinsamem Dache vor. Er war einfach zu stolz. Hätte er aber geahnt, in  welch verwahrlosten Zustande er sein Schloss wiedersehen würde, hätte er vielleicht doch anders entschieden. Stolz und feindliche Gefühle legten die St. Veiter ab, als sie merkten, dass sich bei halbwegs gutem Einvernehmen mit den neuen Untermietern sich manchmal durchaus Vorteile ergeben und knappe Lebensmittelrationen leicht aufgebessert werden könnten. Besatzungssoldaten, später auch Eingeborene, sofern sie dort in Dienste traten, hatten oft unbeschränkten Zugang zu Lebensmittel, Alkohol und vor allem zu Zigaretten für den Schleichhandel!

NS-Prominenz, soweit nicht vorübergehend untergetaucht, traf sich alsbald in den Gefangenenhäusern der einzelnen Bezirksgerichte. Erst als der Platz dort knapp wurde, entstanden Internierungslager in Ebenthal, Wolfsberg und Weißenstein, wo im Laufe des Jahres auch sogenannte Mitläufer Aufnahme fanden. Man unterschied bekanntlich zwischen Illegalen, Belasteten und Minderbelasteten. So fielen auch die Konsequenzen sehr unterschiedlich aus. Am schlimmsten traf es die höheren Grade und sogenannte Alte Kämpfer, ihnen drohten Zusatzhaft, Volksgerichtsurteile und manchmal sogar Vermögensverfall. Diese Zeiten sind lange vorbei und das ist gut so.

walter.wohlfahrt@gmail.com    (blog: https://altstveit.wordpress.com

Die Stadt St.Veit und ihre Fußballer

Mai 28, 2012 um 19:27 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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 Teil I (1920-1938)

 In Tagen, da sich der Fußballsport unserer Stadt gerade wieder anschickt, an alte, glorreiche Zeiten anzuschließen und in denen sich St.Veiter Kicker auf nationaler wie internaler Ebene stark hervortun (Nationalkeeper, Deutscher Pokalsieger mit Vfb Suttgart) oder sich ein zweiter  in der Österreichischen Olympia-Auswahlmannschaft U 21 bewährt hat, ist es vielleicht garnicht uninteressant, einmal die Frage nach den historischen Anfängen des örtlichen Fußballsportes zu stellen. Wie und wann hat denn dies alles begonnen?

 So gut der Wiederbeginn nach 1945 in den diversen, längst schon wieder vergriffenen Festschriften auch behandelt ist, über die Zeit davor ist darin leider nur ganz wenig zu erfahren. Es liegt in der Natur der Sache, daß sich selbst bei den besten Erzählern und verläßlichsten Gewährsleuten mit den Jahren kleinere und größere Gedächtnislücken einstellen. Ein kritischer Vergleich solcher Berichte mit den verfügbaren historischen Quellen erscheint daher angezeigt.

Als Vertreter des Stadtmuseums tut mat gut daran, mit den eigenen Beständen zu beginnen, wie z.B. mit den Auftragsbüchern der einstigen Druckerei Schlick in St.Veit. Ein Gutteil des Druckerei-Umsatzes dieses altehrwürdigen Betriebes bestand nach dem ersten großen Krieg darin, Plakate für die verschiedensten Anlässe zu drucken und in der Stadt zu affichieren. So wurden auch dem „Turnverein“ 25 Stück Ankündigungs-Plakate für ein Fußballspiel am 22.5.1920, bzw. 30 Stück für ein weiteres Heimspiel am 6.6.1920 zum Preise von je 95 Kronen geliefert. Für das Ankleben von jeweils 20 Stück davon wurden separat 12 Kronen berechnet.

 Wenn man jetzt nicht wüßte, daß es zu jener Zeit auch schon einen „Arbeiter Turnverein St.Veit“ gegeben hat, zwar noch nicht vereinsbehördlich angemeldet, aber immerhin in der Realität, dann könnte man leicht in die Irre gehen und meinen, beim Auftraggeber hätte es sich um den St.Veiter „Turnverein von 1883“ gehandelt. Das wäre weit gefehlt, denn bei den Turnern war und blieb das Fußballspielen verpönt. Der „Arbeiter Turnverein“ hingegen konnte sich damit gesellschaftlich, sportlich und politisch ganz bewußt vom renommierten Turnverein abheben. Fußball wurde sogar mit Absicht da und dort als Proletensport verächtlich gemacht.

 Zu einer gewissen Alleinstellung, wie man heute im modernen Marketing sagen würde, eignete sich also der Fußballsport damals ganz vorzüglich. Wenn wir uns nur kurz entsinnen, so kam dieses Spiel auf zwei Wegen in die alte Monarchie. Einmal nach Wien über englische Firmenniederlassungen bzw. deren Angestellte in Form des Wiener Cricket- und Fußballclubs und bald darauf auch noch durch englische Gärnter des Barons Rothschild. Diese letzteren waren die Gründer des „First Vienna Football Club“ von 1892. Blieb der erstgenannte Club eher ein vornehmer in sich geschlossener Kreis, so öffneten sich die Gärtner-Fußballer sehr bald auch österreichischen Sympathisanten und Mitspielern. Dadurch lebte Sport und Verein in Wien noch fort, als es dort eines schönen Tages Rothschild und dessen englische Gärtner garnicht mehr gab.

 Der zweite Weg über den der Fußball ins alte Österreich kam,  führte von der deutschen Universität Prag über steirische Studenten nahezu zeitgleich nach Graz. Weil aber der Prager Fußball aus Deutschland dorthin kam, hatten dessen Jünger von Haus aus eine gewisse deutschnationale Vorliebe, was dann die Rivalität zwischen den Wiener und Grazer Vereinen noch zusätzlich fördern sollte. Seit 1901 gab es bei uns erste Länderspiele (Österr.-Schweiz 4:0) und 1911 starteten erstmals österreichische Meisterschaftsbewerbe. Nach Klagenfurt brachte den Fußball ein namentlich unbekannter Turnlehrer des Gymnasiums, der 1909 den Ersten Kärntner Fußballverein gründete, aus dem später der KAC hervorging. Weitere Vereinsgründungen in Kärnten folgten 1919. Zum KAC gesellten sich die Amateure Klagenfurt, Klagenfurter (Arbeiter?)Turnverein, Villacher Sportverein, Kaufmännischer Sportclub Klagenfurt und „Vorwärts“Klagenfurt.  Der Kärntner Fußballverband besteht seit 1920 und die erste Kärntner Fußballmeisterschaft startete 1922.

 Kein Wunder also, daß sich auch in St.Veit früh Fußball-Liebhaber, sei es aktiv oder als Anhänger fanden. Einen brauchbaren Überblick für diese Zeit bietet die Festschrift des SV St.Veit von 1965 (15 Jahr Jubiläum) auf Seite 16. Der Spielplatz lag allerdings nicht, wie dort behauptet in  A l t g l a n d o r f  sondern auf dem ehemaligen Reitplatz in  G l a n d o r f. Dieser Reitplatz gehörte zur ehemaligen Kavalleriekaserne und soll an den Weg zum Kollerhof gegrenzt haben. Bei der oben geschilderten frühen Begegnung mit dem Kaufmännischen Sportverein Klagenfurt ist es offensichtlich um das Spiel vom 22. Mai 1920 gegangen, denn beim Spiel vom 6.6.1920 hieß der Gegner anders. Das Kärntner Tagblatt – Organ der Kärntner Christlich Sozialen Partei – berichtet nämlich am 9.6.1920, daß die Jungmannschaft des KAC durch den Spieler Richter verstärkt am 6.6. gegen den St.Veiter Turnverein ein Wettspiel austrug und mit 6:0 (1:0) gewonnen hat. Gleichzeitig wird das Rückspiel in Klagenfurt für Sonntag, 13.6.1920 um 15 Uhr angekündigt.

 Am 20.6.1920 bringt die genannte Tageszeitung die Ankündigung eines Fußball-Progaganda-Spieles der Senioren-Mannschaft des KAC in St.Veit für den gleichen Tag:

                 „Auf den Gründen der alten Reitschule (Kollerhof) bei Glandorf

                  kommt es zu einem Wettspiel mit dem St.Veiter Turnverein. Leider

                läßt das Interesse des St.Veiter Publikums am Fußballsport noch

                sehr zu wünschen übrig. Bei den bisherigen Veranstaltungen des

                Turnvereines waren jedesmal kaum 100 Menschen anwesend.

                Deshalb ist es dem Turnverein auch nicht möglich, sich Mannschaften

                von auswärts kommen zu lassen“

Das Tagblatt vom 22.6. bringt das Resultat von 3:7 (2:3) und hebt unter den St.Veitern den Mittelstürmer Vaschauner sowie den Tormann Erich Arztmann besonders hervor.

Ein weiterer Spielbericht zum vorgenannten 3:7 erscheint im gleichen Blatt vom 25.6.1920..

 Nun, so gering dürfte das Interesse am Fußball in St.Veit vielleicht doch nicht gewesen sein. Bedenkt man, daß unserem Heimatland in diesem Jahr noch eine schicksalsschwere Entscheidung, nämlich die  Abstimmung vom 10. Oktober bevorstand und der Sportbetrieb doch unbeschadet aller Widerwärtigkeiten fortlebte, so kann es an Begeisterung und Opferbereitschaft seitens der Spieler und Funktionäre nicht gemangelt haben. Auch sind offenbar diese Zeitumstände die Ursache für die verspätete offizielle Gründung des Sportvereines in St.Veit (genauer gesagt des Arbeiter Turn- und Sporvereines = ATUS) mit Bescheid des Amtes der Kärntner Landesregierung vom 16.8.1923. Bis dahin segelte man zwar streng juristisch vereinslos, nach außen hin aber praktisch als FC St.Veit, und auch als Sportverein St.Veit.

Leider waren die politischen Lagerkämpfe im damaligen Österreich wenig dazu angetan, einen geregeleten Spielbetrieb zu fördern, ganz im Gegenteil! Wie in der schon oben zitierten Festschrift des SV von 1965, Seite 17 richtig dargetan, kommt es 1934 zum Verbot des St.Veiter Arbeitersportvereines. Die Gründung des Eisenbahnersportvereins 1931 liegt jedoch v o r diesem Verbot, nicht wie behauptet, danach. Im Akt der Präsidiale der Landesregierung Nr. 3956 erliegt ein interessantes Gesuch vom 24.4.1934 an die BH um Bewilligung zur Gründung eines Sportvereines in St.Veit, unterfertigt von den Proponenten August Voraberger, Getreidehändler; Josef Holzmann, Konditor, Milch- und Zuckerwaren, Anton Medwed, Friedrich Bugelsheim, Gastwirt.

 Die Sicherheitsdirektion für Kärnten argwöhnt, es könnten sich hier Anhänger der verbotenen sozialdemokratischen Partei wiederbetätigen und verlangt von der ständestaatlichen Gemeindevertretung eine Stellungnahme nicht nur hinsichtlich der Zuverlässigkeit der antragstellenden Personen sondern auch in Bezug darauf, ob sich nicht vielleicht ehemalige Vereinsmitglieder des verbotenen Turnvereins darunter befinden. Nachdem Gendarmen zwecks Erhebung ausgeschickt worden waren, dürfte sich der eine oder andere Unterzeichner wohl überlegt haben, ob er die Sache noch weiter unterstützen soll. Die Antwort der Gemeinde an die BH lautet dahingehend, daß allein Anton Medwed als guter Fußballer bekannt sei, die übrigen Personen aber wohl nur aus Geschäftsrücksichten und keinesfalls aus sportlichen Motiven zur Unterstützung bereit waren. Im übrigen seien von den rund 30 Anhängern des geplanten Vereines ca die Hälfte ehemalige Arbeiter-Turnvereinler und der Rest verteile sich auf sonstige Arbeiter und Angestellte.

 Da in der Sache selbst monatelang nichts voranging, langte bei der Behörde der mit 5.12.1934 datierte neue Vorschlag auf Gründung eines  V a t e r l ä n d i s c h e n (!) Sportvereines St.Veit ein. Eine dabei verwendete Stampiglie zeigt einen Fußballer mit Rundschrift „Sportverein St.Veit“. Um nur ja weiter Vereinsfußball betreiben zu können, war man offensichtlich zu jeder Konzession bereit. Aber schon elf Tage danach, am 16.12.1934 wird der BH mitgeteilt, die unterfertigten Spieler hätten einstimmig beschlossen, bei der Sektionsleitung des Vaterländischen Sportvereins der Bediensteten der Österr. Bundesbahnen um Aufnahme zu ersuchen. Das vorhandene Vermögen, bestehend aus zwei Lederbällen und zwei Garnituren Dressen bringe man kostenlos in den genannten Verein ein. Die hier Unterfertigten sind weitgehend ident mit den auf einem Foto von 1934 oder 1935 abgebildeten Fußballern. Die Unterschriften stammen von Bussetti, Trampitsch, Tripold, Grüner, Medwed, Freidl, Jaritz, Norbert Piuk, Weißenberger, Hoy, Blatnik, (1mal unleserlich). Die vollen Namen enthält die zitierte Festschrift von 1965.

 Am 4.1.1935 wird das seinerzeitige Ansuchen vom 24.4.1934 formell zurückgezogen. Die damalige Staatsmacht hat die Eisenbahner, ob ihrer wichtigen Funktion im Lande, in sportlichen Belangen ganz offensichtlich großzügiger behandelt und das Unterschlupfen der Fußballer in diesem Verein toleriert, obwohl es keinen Zweifel darüber geben konnte, daß sich hier Gleich und Gleich zusammen gesellte. Der Fußballbetrieb in St.Veit war dadurch für einige Jährchen jedenfalls gesichert und das war den Sportbegeisterten zu jener Zeit die Hauptsache.

Fotos von 1934 und 1935 zeigen die Mannschaft fast unverändert und jedesmal in den gleichen Dressen. Am Bild von 1935 erkennt man auch die Eisenbahner-Funktionäre, die laut Festschrift von 1965 Kaiser und Stephan geheißen haben sollen. Was aber sonst über den „Vaterländischen Sportverein“ in der Festschrift, Seite 19 geschrieben steht, erscheint durch die oben getroffenen Klarstellungen überholt. Nach AR.Ing.Erich Eggers Beitrag im Heimatbuch des Bezirkes St.Veit 1956, Seite 48ff ist der Eisenbahner Sportverein von 1931 erst 1938 aufgelöst worden. Aus einem unveröffentlichten Aufsatz des Herrn Stadtamtsdirektors (Jg 1915) geht ferner hervor, daß parallel zu den fußballerischen Initiativen der St.Veiter, auchdie vielen Glandorfer Jugendlichen vornehmlich aus den Eisenbahner Wohnhäusern, wenn auch wild und vereinslos, so doch nicht weniger begeistert diesem Sport frönten. Ihr Spielplatz lag am Gelände der einstigen Ziegelei (heute Finkenweg).  Von Interesse ist auch dessen Mitteilung, daß Soldaten der Volkswehr (1920 !) in ihrer Freizeit in Glandorf Spiele austrugen. Die Volkswehr war bekanntlich der erste Wehrkörper der 1. Republik und hatte keinen all zu langen Bestand. Das Volkswehrbat.8 St.Veit war in der ehemaligen Kavalleriekaserne Glandorf (heute ca. Funder Verwaltungsgebäude) untergebracht.

 Aus persönlichen Aufzeichnungen Erich Eggers geht weiters hervor, daß er 1928 in der Schülermannschaft, ab 1932 in der Jugend- und Kampfmannschaft des Sportvereins St.Veit gespielt hätte, was beweisen würde, daß damals schon gezielte Jugendarbeit geleistet worden ist. Mit der Übersiedlung seiner Eltern nach Glandorf (1.4.1933) spätestens gelangte er zum Eisenbahner-Sportverein, wo er angeblich bis 1934 die Sektionsleitung inne hatte.

 Ing.Norbert Piuk (Jg 1915) erzählt: Trainer und Betreuer war zu meiner Zeit Bertl Blattnik (Angestellter des Konsum St.Veit und einstiges Mitglied des ebenfalls 1934 verbotenen Central-Verbandes Kaufmännischer Angestellter in Klagenfurt). Es gab nur einfaches Lauf- und Balltraining. Die Dressen gehörten dem Verein. Für Fußballschuhe mußte man selbst sorgen, soferne nicht ein Anhänger – in meinem Falle der Konditor Holzmann – als Sponsor auftrat. Es gab einen Schaukasten in der Stadt, wo man z.B. lesen konnte „Nächstes Spiel am Sonntag um 9 Uhr in Annabichl, oder in Feldkirchen usw.“ Obwohl die Last der Anreise jedem selbst überlassen blieb, war man schon glücklich, sich nur aufgestellt zu finden. Egal ob mit einem motorisierten Fan oder zu zweit auf einem Fahrrad, man war jederzeit und verläßlich zur Stelle. Die ersten Auswärtssiege, etwa das 4:0 gegen Annabichl oder das 9:0 in Feldkirchen endeten mit regelrechter Flucht vor dem jeweiligen Heimpublikum. In Annabichl flogen gar Steine durch die Luft. Fanatischer Siegeswille und rein sportlicher Ehrgeiz waren noch schwer auseinanderzuhalten. Als man schon auf dem Rennbahngelände spielte, befanden sich die Umkleideräumlichkeiten entweder am Dachboden der Tiroler Weinstube Bugelsheim oder im nahen Pferdestall des Herrn Schubernig auf der Rennbahn. Anhänger und Gönner, die es sich leisten konnten, zahlten zur Siegesfeier daheim wohl auch einmal ein Viertel Wein (20Groschen) oder ums gleiche Geld ein Spezialbrot. Für die Platzvorbereitung erhielt ich 50 Groschen und wenn der wohlgesinnte Sägewerksbesitzer (Höfferer Säge) auf die 50 Groschen für die Sägespähne verzichtete, hatte ich einen ganzen Schilling in der Tasche. Gespielt wurde auch gegen Seebach bei Villach, gegen Friesach und St.Peter-Klagenfurt. Im Jahre 1936 gab es in St.Veit ein Fußballturnier. Soweit die Schilderung von Herrn Ing. Norbert Piuk.

Teil II (1945-ca.1970)

Bezeichnend für die Fußballbegeisterung der Zeit nach 1945 ist folgende kleine Episode, die mir eine bekannte Sportgröße, Allrounder und Multifunktionär, Träger der Großen Verdienstmedaille der Republik, Freund Herbert Werzer (Jg 1922) erzählt hat. Der Friede war erst wenige Tage alt, da traf sich die St.Veiter Jugend schon auf der Sommegger Wiese (heute Kelag-Schulhaus) um hinter dem runden Leder her zu jagen. Von Schloß Kölnhof herunter, dort als ehemaliger Wehrmachtsangehöriger gerade ordnungsgemäß von englischer Besatzungsmacht entlassen, näherte sich als jung gebackener Heimkehrer Josef Jäger, der spätere Sparkassenleiter. Der Einladung, gleich mitzukicken, kam er freudig nach. Erst nach Stunden entsann er sich, dass daheim vielleicht Angehörige auf ihn warten könnten…..

Es sieht ganz so aus als hätten die englischen Besatzer von 1945 eine zweite Mission in SachenFußball hier zu erfüllen gehabt. Wohl gab es unter den unzähligen deutschen Soldaten, die im Lager bei der Schießstatt-Allee noch Monate auf Heimfahrt zu warten hatten, ebenfalls sehr gute Fußballer. Diese formierten sich alsbald zur sportlich gefürchteten Lagermannschaft „Rote Teufel“. Ohne den sprichwörtlichen brittischen Sportgeist und deren Vorliebe für den Fußball, wären die Roten Teufel wohl kaum zu Vergleichskämpfen mit englischen Militär-Teams in ganz Kärnten und zu unbestrittenen Ruhm gelangt. Denn in jedem kleinen englischen Camp gab es allsogleich eigene Teams die ihre Kräfte messen wollten. Als für Zivilisten noch das strenge Fraternitierungsverbot galt, Kontakte zwischen Militär und Zivilbevölkerung den englischen boys also noch strikte untersagt war, begegneten sich englische und deutsche Soldaten auf dem grünen Rasen. Auch bunt zusammengewürfelte österreichische Mannschaften wurden akzeptiert und eingeladen. Dabei zeigten sich die über Getränke und Lebensmittel scheinbar unbeschränkt verfügenden Gastgeber anfänglich äußerst spendabel. Als aber die „Sieger“ auch immer öfter Niederlagen hinzunehmen hatten, war es mit den Siegesfeiern leider bald vorbei. Gewinnen lassen, nur um etwas zu essen zu kriegen, das wäre eine Verletzung des fair play gewesen.

Auf englischer Seite gabe es einen berühmten Spieler, namens Steel. Dieser wurde als Verstärkung allseits sehr willkommen und wurde mehrmals von Spital an der Drau, wo er seinen Standort hatte, herbei geholt wo immer nötig.

Wir sind zwar noch in der Besatzungszeit, doch es musste auch das Bodenständige wieder einmal hoch gebracht, ein wenig politisch vorgesorgt werden. So hat Bürgermeist Martin Rom, der spätere Nationalratsabgeordnete alle Jünger des runden Leders in die Küchenbaracke beim Heizhaus am Güterbahnhof geladen, um irgend eine Art organisiertes Vereinsleben zu gründen. Alfred Riedl, ein früher Spieler und Trainer, erinnert sich, dass sich Rom mit den einfachen Worten an die Versammelten wandte „Arbeiter san ma alle, also wer ma den neuen Verein Arbeiter-Turn-und Sportverein nennen. Mit Einstimmigkeit hat man kurzerhand den ATUS ST.VEIT als legitimen Nachfolger des Vorkriegs-Fußballs aus der Taufe gehoben. Auch der Kärntner Fußballverband entstand schon 1945. Es gab 8 Vereine in der 1. Klasse, 12 in der 2. Klasse – darunter auch Atus St.Veit – und schließlich 8 Vereine in der dritten Klasse.

1949 verfügt der Atus bereits über ine starke Mannschaft mit der man den Aufstieg in die 1. Klasse glatt schaffte. Ein besonderer Leistungsträger im Atus-Dress war der englische Besatzungssoldat Andrew Murphy aus Liverpool. Er füllte sich hier so wohl, dass er seine Braut und spätere Ehefrau aus St. Veit mit sich nahm, als es auch für ihn heimwärts ging.

Für den Atus, mit seinen verschiedenen Sektionen, kam allerdings bald die Zeit, wo die Fußballer auf die international erfolgreichen Handballer ein wenig eifersüchtig wurden. Es wurde gemunkelt, die Handballer fahren in der Welt herum, während die Vereinsleitung für die Fußballer kein Geld hätte. Tatsächlich formierte sich rund um die Handball-Legende Rudi Flick eine Handball-Herrenmannschaft von hohen Graden, die nicht nur national mithalten konte, sondern sogar deutsche Gastvereine nach St. Veit holte und Gegenbesuche mit beachtlichen sportlichen Resultaten absovierte. Auch eine Damen-Handballmannschaft wurde aufgebaut, die sich einige Jahre gehalten hat.

Tatsächlich führten die geschilderten Eifersüchteleien zur Gründung des offiziell, aber nicht wirklich unpolitischen Vereines SV St. Veit am 3. März 1950 im Gasthaus Grabenwirt. Der Atus erfuhr dadurch einen empfindlichen Aderlaß und gewisse „Rückhol-Aktionen“ fruchteten nur zum Teil. Während sich die Erfolge der Atus Spieler eher in Grenzen hielten, eilte der SV von Sieg zu Sieg. Schon im ersten Jahr ist man Meister der 2. Klasse und steigt auf. Selbst in der neuen Spielklasse wird 1952 der 2. Tabellenplatz erreicht. Über Landesliga gelangt man in die neu geschaffene Tauernliga, wo sich Kärntner und Salzburger zu messen hatten. Man stelle sich vor, diese Erfolge wurden noch ganz ohne Verträge, Prämien und Handgelder erzielt. Alles was Spieler damals erwarten durften, war vielleicht da und dort ein besseres berufliches Unterkommen! Ab der Tauernliga  m u s s t e n   nach den Bestimmungen des Österr.Fußballverbandes die Spieler erstmals Verträge unterschreiben, die dem Kontrollausschuß des Kärntner Verbandes zur Genehmigung vorzulegen waren. Die neuen Prämien betrugen S 30 für einen Sieg, S 20 für das Remis und S 10 pro Niederlage. Ab dem dritten Spiel – Sieg über die Austria Klagenfurt – steigerten sich die Prämien auf 100/50/20.

Die Übersiedlung des SV 1956 von großen Spielfeld der Rennbahn in die Prinzhoferstraße brachte zwar endlich die ersehnte Freiheit in der Ansetzung von Spielterminen, weil nicht länger auf den Zweitverein Rücksicht zu nehmen war, doch die Mannschaft konnte die gewohnte Überlegenheit auf dem kleineren Platz nie mehr richtig ausspielen, was schließlich auch einer der Gründe für den Abstieg aus der Tauernliga war. Langjähriger, verdienstvoller Vereinsobmann war übrigens Herr Karl Tirof.

Beide Klubs erlebten wechselhafte Zeiten, ehe 1970 Prof. Hermann Kövari bei den Amateuren bzw. 1971 Prof. Walter Ludescher beim Sportverein die Geschicke in ihre Hände nahmen. 1973 wurde der SV Kärntner Meister und stieg in die Regionalliga Mitte auf. Jetzt wurde mit Hilfe des Hauptsponsors Herrn KR DI Karl Funder eine Interessengemeinschaft zwischen beiden Vereinen geschlossen. Die Vereinsnamen lauteten SV/SCA Funder St. Veit bzw. SCA/SV Funder St. Veit.

SV/SCA Funder spielte in der Regionalliga und erreichte den 4. Tabellenrang. Durch Auflösung der Regionalligen 1974 hatte man in die Landesliga zurückzukehren, wo man jedoch 1975 sofort wieder Meister geworden ist. Nach sehr harten Qualifikationsspielen gegen Vorwärts Steyr und WSV Liezen wurde der Aufstieg in Österreichs zweithöchste Spielklasse, in die sogenannte 2. Division geschafft.

Der SCA/SV Funder spielte zur  gleichen Zeit in der Kärntner Liga, wo er als Meister aufstieg. Das Spieljahr 1976/1977 sah beide St. Veiter Vereine in der 2. Division!

Walter Wohlfahrt in „St. Veit Kommunal“  März u. April 1999 auszugsweise.

 

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