Das Bürgerbuch der Stadt St.Veit 1564-1884

Dezember 21, 2013 um 12:43 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Quelle: Landesarchiv Klagenfurt, Bestand St.Veit Sign.2 und 2a

Diese bisher nicht edierte, reiche Quelle zur Stadt- , Familien- ,  Wirtschafts- und soziologischen Forschung steht nunmehr allen Interessierten in digitaler Form zur Verfügung. Dazu einige grundsätzliche Bemerkungen:

Das Bürgerbuch ist eine Schöpfung des nahezu 100% lutherisch gewordenen Stadtlebens von St. Veit. Glücklicherweise hat es die Gegenreformation überstanden und wurde ohne Unterbrechung weitergeführt.

Bei aller erwünschten  Erleichterung des künftigen Zuganges muss vorausgeschickt werden, dass kleinere Fehler beim Lesen oder Wiedergeben der Namen trotz größter Sorgfalt nicht ausgeschlossen werden können und letztlich die Einschau in das Originaldokument nicht zu vermeiden sein wird.

Die anfänglich und dem Schlusse zu eher sparsamen dazwischen aber doch mitunter reicheren Angaben der wechselnden Matrikenführer erforderten eine tabellarische Darstellung einerseits und eine Beschränkung auf insgesamt 6 Spalten anderseits. Die Bürgeraufnahmen innerhalb eines Jahres müssen auch nicht immer der tatsächlichen Reihenfolge entsprechen. Auf Jahre mit mehreren Aufnahmeterminen folgen oft Jahre ohne solche.

Die sich auf insgesamt 410 Original Seiten verteilenden Eintragungen, können hier in mancherlei Hinsicht gezielt durchsucht werden, etwa nach Jahr, Name, Beruf und Geburtsort.

Die Aufzählung der Bürgermeister mit Jahreszahlen geschah deshalb, weil diese als zeitgleiche Amtsträger stets einleitend erwähnt wurden. Da bis etwa 1600 vielleicht doch noch da und dort, vom geführten Familiennamen auf  tatsächlich ausgeübte Beruf des Trägers oder dessen unmittelbare Vorfahren geschlossen werden darf, wurde ein solcher auch in die Spalte Beruf, allerdings mit Fragezeichen versehen, aufgenommen. Berufsangaben fehlen über weite Strecken zur Gänze. Es wurde deshalb der Versuch gemacht, über die Pfarr-Matriken mehr herauszufinden. Solche Ergänzungen sind durch Schreibung in GROSSBUCHSTABEN erkennbar. Auch Verweise auf Grabsteine z.T. mit Wappen, welche außen an der St.Veiter Stadtpfarrkirche erhalten sind, werden mit 1) bis x) ersichtlich gemacht. Bis etwa 1700 könnte ein etwaiges Anklingen mancher Familiennamen an fremde Orte an eine Herkunft von dort verweisen. Auch hier wurden Fragezeichen gesetzt.

Die Bemerkung „interpoliert“ oder „andere Tinte“ zeigt in Einzelfällen an, dass man vor nachträglichen Änderungen und Zusätzen damals keinerlei Scheu hatte.

Namensschreibungen bzw. Unterschriften waren schon dem Verfasser des Index-Verzeich-nises Sign. 2a nicht selten unleserlich erschienen. Wo die Ähnlichkeit mit nachfolgenden, wenn auch entstellten Familiennamen ins Auge sprang, wurde eine Schreibung versucht, diese aber stets mit ? oder o.ä (d.h. oder ähnlich) erkennbar gemacht. Die alte Schreibung von Berufsbezeichnungen mußte bewußt unterdrückt werden, um eine einwandfreie Sortierung zuzulassen. Manchmal steht das alte Wort unter Gänsefüßchen in der Spalte Anmerkungen.

Was die Taxen-Spalte anlangt, so ist diese bis 1690 leer, da es anfänglich nur kurz hieß „hat seine Gabe gereicht“. Danach erlauben die unterschiedlich hohen Taxen immerhin Rück-schlüsse auf Bedeutung der Person oder auf den Umfang des Gewerbes. Seit 1764 gibt es das sogenannte „Empergeld“ später „für Feuerrequisiten“ und von 1773 bis1814 die „Armen-Pichs“ bzw ab 1794 „für Armeninstitut“.  Das Kurzwort „plus“ in dieser Spalte steht für diese Zusatz-Gaben. Die Eidesformel von 1833 wird hier stellvertretend für alle vorangegangenen bzw. folgenden wiedergegeben.

Ihr werdet also zu Gott dem Allmächtigen, Allwissenden und Allgerechten einen feyerlichen Eid schwören, dem Allerdurchlauchtigsten, Großmächtigsten Fürsten und Herrn Herrn Franz den I sten von Gottes Gnaden erblichen Kaiser von Österreich, König in Germanien, zu Hungarn, Böheim, Dalmatien, Kroatien, Slavonien, Galizien, Lodomerien und Jerusalem, Erzherzog zu Österreich, Herzog zu Lothringen, Großfürst zu Siebenbürgen, Herzog zu Steuer, Kärnten, Ober- und Niederschlesien, gefürsteten Grafen zu Habsburg unsers Allergnädigsten Kaisers, Königs, Erblandes-Fürsten und Herrn Majestät, Allerhöchst Deroselben Erben und rechtmäßigen Nachfolgern getreu und gehorsam zu sein, Euch nach den Gesetzen, Befehlen und Anordnungen genau zu halten, dessen Nutzen und Frommen zu befördern, Schaden abzuwenden und Niemand anderen für Euren rechtmäßigen Landesfürsten und Herrn zu erkennen.

Ihr werdet auch geloben und schwören den von Ihrer Majestät angeordneten und Euch vorgesetzten hohen und niedern Obrigkeiten getreu, gehorsam und gewärtig zu sein, auch nach den Anordnungen, Rechten und Gewohnheiten des Landes und dieser Kammerstadt zu benehmen, die bürgerlichen Lasten willig zu tragen, das Wohl und die Ehre des Landes und dieser Stadt zu befördern, allen Schaden nach bester Möglichkeit zu verhüten, und sofern Ihr etwas erfahret, wodurch Seiner Majestät, dem Lande, eurer Schutzobrigkeit oder der gemeinen Statt sic Schaden entstehen möchte, solches gehörigen Ortes sogleich anzuzeigen.

Wenn Ihr mit Jemandem in Streit kommen solltet, so sollt und müßt Ihr Recht und Fried suchen, nehmen und geben auf solche Art und Weise, wie es die Gesetze vorschreiben, des Landes und dieser Stadt Gewohnheit, Sitt und Recht ist und wie Ihr durch sie jederzeit werdet beschieden werden.

Ihr werdet auch sonsten in Allen Thun und Lassen, was ein getreuer ehrbarer Bürgersmann gegen seine Obrigkeit von Recht und Gewohnheit wegen schuldig ist, ihm wohl anstehet und gebühret, auch Handel und Wandel, und die Gewerbe nicht anders treiben, als wie es mit den Gesetzen und der guten Ordnung des Landes und dieser Stadt übereinstimmt. Ergebete es sich aber, daß ihr über kurz oder lang aus dem Bürgerrechte austreten und von dieser Stadt abziehen sollet, so müßt ihr wieder vor offenen Rath erscheinen, dem aufhabenden Bürgerrechte entsagen und von dem Stadtmagistrate die Loßsprechung von den bürgerlichen Pflichten gewärtigen.

Wie uns jetzt fürgehalten wurde, und wir zu tun beschieden worden sind, dem sollen und wollen wir also getreu nachkommen, so wahr uns Gott helfe.

 Das eigenhändige Unterschreiben der Kandidaten wird ab 1823 gepflogen, wobei es sich zeigt, daß gar nicht so wenige Bürger außerstande waren, ihren eigenen Namen zu schreiben. Von 1837 an galten dann 27 Gulden als Einheitstaxe.

Eine Eigentümlichkeit der Jahre 1744 bis 1753 sind auch Vermerke wie „hat den Schuß gemacht“ oder „für den Schuß…..“

Die Größe des Dokumentes beläuft sich auf rund 6 Mega bite, =  200  Seiten =  2500 Namen.

Fortsetzung und Sortierungen daher in mehreren Tranchen beabsichtigt!                                                                                                                           Walter Wohlfahrt

Obermühlbacher Kirchtag Anno 1823

Juli 31, 2011 um 16:15 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Blick über das alte St. Veit/Glan mit Kirche Obermühlbach im Hintergrund

So willkommen die hier in Garnison liegenden kaiserlichen Truppen etwa beim Stadtbrande von 1829 als tatkräftige Helfer waren und dafür auch hochoffiziellen Dank ausgesprochen bekamen, so sehr sie auch geschätzt waren, wenn sie durch korporative Teilnahme die Fronleichnams-Prozession verschönerten, so daß die Leute von überall her der Stadt zuströmten, auch hatten die zahlreichen Wirte nichts dagegen, wenn ein Großteil des Soldatensoldes in ihre Kassen floß, von besonderen Interessen der „Heereslieferanten“ erst gar nicht zu sprechen, das enge Nebeneinander von Militär- und Zivilvolk konnte mitunter schon auch manchmal zu merklichen Belastungen führen. Davon wird hier erzählt.

Nie hätte man ein Sterbenswörtchen davon vernommen, wären nicht die unliebsamen Vorkommnisse angezeigt, vor dem Gericht der Stadt abgehandelt und protokolliert worden.

Ein Raufhandel zwischen Militärpersonen und Bauernburschen auf dem Leutgeb Kirchtag in Obermühlbach führte dazu, daß im Juni 1823 ein größerer Gerichtsakt anzuwachsen begann.

 Einvernommen wurde Primus Ottowitz, 56 Jahre alt, seit vier Jahren verehelicht mit seiner allerliebsten Agata, zum Ortsgericht Rosegg zuständig, sechs Jahre schon bürgerlicher Kleidermacher und Besitzer des Hauses Nr. 79 in der Kasern-Gasse. Er gab an, zwei Soldaten hätten ihn ohne jeden Grund mit Gewehrkolben traktiert, und das kam so:  Auf einem friedlichen Familienausflug gegen Obermühlbach unterwegs, wurde er von einem Trupp Soldaten überholt. Nur aus Neugier folgte er demselben bis in die Nähe des genannten Gasthauses, weil aus demselben Musik ein viel wildes Geschrei zu hören war. Wie er aussagte, wurde er nur aus Neugier und ganz gegen seinen Willen in eine böse Sache hineingezogen, bald in Verhaft genommen und schließlich nach St.Veit abgeführt. Auf dem Weg dort hin wurde ihm von Soldaten noch weiter arg mitgespielt. Erst in der Zelle bemerkte er, daß durch die erlittenen Hiebe beide Ohren stark bluteten. Seine Aussage hatte er schließlich mit folgender Eidesformel zu beschwören: Ich Primus Ottowitz schwöre zu Gott dem Allmächtigen, Allwissenden und Allgerechten einen feierlichen Eid, daß meine vorstehende Aussage die reinste Wahrheit enthalte, so wahr mir Gott helfe, Amen.

 Nur mit Rücksicht auf seine Bürgereigenschaft kam er am nächsten Morgen gegen Gelöbnis, sich jederzeit stellen zu wollen, frei. Was war geschehen? Als übermütige Bauernburschen aus dem Gauertal (Schaumboden) und den umliegenden Bergen aus nichtigem Anlaß Streit suchten, dürfte es den Uniformierten, im übrigen aber Unbewaffneten bald klar geworden sein, daß sie in Bedrängnis kommen und Verstärkung nötig haben könnten. Vielleicht war so  manchem Naturbursche der Zauber der Montur und dessen Auswirkung auf die holde Weiblichkeit unerträglich? Oder war es das schwüle Wetter, was für dicke Luft auf und um den Tanzboden herum sorgte? Irgendwie scheint es gelungen zu sein, noch ganz heimlich einen Mann in Richtung Stadt und zum dortigen Hauptquartier in Marsch zu setzen, was zur Folge hatte, daß ein voll adjustierter Trupp im Eilmarsch dem Kampfplatze zustrebte und die Unbesiegbarkeit der kaiserlichen Armee letztendlich und einmal mehr unter Beweis stellen konnte. Ottowitz wußte, was er seinem Vornamen Primus schuldig war, und wollte eben der  e r s t e  unter den Zuschauern sein, wenn es beim Leutgeb in Obermühlbach wieder einmal so richtig rund ging.

 Über den weiteren Verlauf dieser Angelegenheit ist nichts mehr bekannt, auch nicht darüber, wie viele Knechte und Bauernbursche danach aus dem Verkehr gezogen wurden. Sicher ist aber, dass sie etwas längere Zeit gesiebte Luft zu atmen hatten als der ehrenhafte Bürger von St. Veit Primus Ottowitz. Eines aber zeigt diese Geschichte und jene der letzten Nummer deutlich: Was zur Zeit der Monarchie im militärischen Bereich funktionierte, war im privaten nicht immer problemlos, nämlich das zivile Verhältnis der Menschen verschiedener Kronländer untereinander.                  

Walter Wohlfahrt in „Zentrum Kärnten“     I/2008

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