Familie Knaus – Zweiter und letzter Nachtrag

Juli 19, 2013 um 15:49 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Kindersegen und Großfamilien, wo seid ihr geblieben? Nicht nur am Lande, auch in der Stadt war gesunder, starker Nachwuchs durch Jahrhunderte in der Regel durchaus willkommen. Man freute sich nicht nur auf künftige Mitarbeiter, vor allem tüchtige, möglichst männliche Erben waren gefragt. Es eignete sich ja nicht jeder neue Erdenbürger dafür, und nicht selten wurde schon im Kindes- oder Jugendalter gestorben. Aber auch dort wo es wenig zu erben gab, waren Kinder zahlreich, oft zu zahlreich!
Auch in der Knaus Dynastie hatte Kinderreichtum Tradition. Im Gottschee sowieso und später in St. Veit war man in dieser Hinsicht auch nie „knauserisch“. Johann Knaus, der Primus in St. Veit, hatte mit zwei Frauen elf Sprösslinge, neun Knaben und zwei Mädchen, doch einige davon starben früh. Der Älteste in der Geschwisterreihe war Karl. Er heiratete bald und hatte acht Kinder, darunter ein einziges Mädchen. Die an sich logische Nachfolge kam für ihn nicht in Frage, denn zu jener Zeit litt der Vater bereits an geistiger Umnachtung. 1871 segnete er das Zeitliche. Mutter Magdalena hatte angesichts der noch unmündigen Kinder keine Wahl, als im eigenen Namen mit dem Geschäft weiter zu machen. Konnte und durfte sie Karl oder Jakob, den zwei älteren die Sorge um die kleinen Geschwister sowie um ihren persönlichen Unterhalt anvertrauen? Sind die beiden schon tüchtig genug? Wer bietet sichere Gewähr für einen guten Ausgang?
So machten sich Karl in der Klagenfurter Vorstadt und Jakob am Hauptplatz mit eigenen Geschäften selbständig. Das Stammhaus lenkte Magdalena Knaus, geborene Urbas (1818-1908) mit Geschick, gutem Hausverstand und vor allem mit unsäglichem Fleiß so lange, bis Friedrich, ihr Jüngster, obzwar erst 20 Jahre alt das Geschäft 1874 übernehmen konnte. Jakob war erfolgreich, Karl hingegen nicht. Es war die Mutter, welche die Fähigkeiten ihrer Söhne richtig einschätzte und damit größeres Unglück vom Hause fern hielt. Friedrich lohnte das in ihn gesetzte Vertrauen reichlich. Er wurde zum Großkaufmann, Essigfabrikanten und zu einer angesehenen Persönlichkeit. Unter seinen neun Kindern, geboren zwischen 1886 und 1902, finden sich die späteren Berühmtheiten, wie Offiziere, Maler, Gynäkologen und Fabrikanten.
Um vieles schwerer hatten es die acht Kinder Karls, die auf einmal zu den sogenannten armen Verwandten gehörten. Die Familien haben zwar
zusammen gehalten und nach Möglichkeit geholfen, doch trotzdem mussten Karls Kinder wesentlich bescheidener ins Leben treten. Ein Brüderpaar sei beispielhaft hier genannt: Rudolf (1873-1966) und Siegmund (1879-1971). Konnte Siegmund mit Großmutters Unterstützung Schulen besuchen und eine Offiziersausbildung machen und zum bekannten Infanterie-General werden, so hatte es Rudolf dagegen ungleich schwerer. Siegmund Knaus, dessen langes Leben sehr gut dokumentiert erscheint, ist den Kärntnern vor allem durch seine Beteiligung am Abwehrkampf in bester Erinnerung. Rudolf hingegen musste schon früh von zuhause fort. Kein Wunder, dass er in St. Veit so gut wie unbekannt blieb. Man stelle sich vor, dass Rudolf nur die Volksschule besuchen durfte, diese aber – von Singen und Turnen abgesehen – mit lauter Bestnoten abschloss. Drei Jahre an der k. u .k. Gewerbeschule in Klagenfurt waren sein ganzes Rüstzeug fürs Leben.

 

Entlassungszeugnis

Was für ein schönes Zeugnis!

Seine trotz allem glänzende Berufskariere spricht wieder einmal deutlich für Knaus´sche Zähigkeit und Fähigkeit. Auf sehr vielen Posten ging es zielstrebig voran, immer war er bereit , dazu zu lernen um schließlich noch im hohen Alter von 71 Jahren, und selbst dies nur kriegsbedingt, mit einer hohen – heute würde man sagen – Managerposition abzuschließen. Seine wichtigsten Berufsstationen waren der Reihe nach Laibach (1891-93) als Dreher und Schlosser, St. Veit/Glan (1893-1900) Maschinist in einer Imprägnieranstalt, Groß-Opatowitz in Mähren (1900-04) als Maschinenmeister in einer Chamottefabrik, in Hannover (1904-05) als Maschinenmeister einer Dampfkessel- und Dampfmaschinenproduktion, erster Auftritt in Maastricht (1905-1913) bei Societe Ceramicque als Leiter der Feuerfest-Abteilung und als Konstrukteur. Zum ersten Mal griff ein Krieg in sein Leben ein. Es sollte nicht der einzige sein. 1913 hat er Holland verlassen, um für ein Jahr lang Betriebsleiter in Köflach (Fabrik für feuerfeste Steine) zu werden. Von März 1914 bis Juni 1915 gelang eine kurze Rückkehr nach Maastricht, doch am 12.6.1915 wurde er zu den Soldaten gerufen. Nach zwei Monaten Infanterie-Ausbildung kam er zur Ballon-Stammabteilung, Mitte 1916 schließlich zur k. u. k. österr.-ungar. Bauüberwachungs- & Übernahmekommission für Flugzeuge bei den Hanse-Brandenburgischen Flugzeugwerken in Briest, ab November 1916 Berlin: Vertretung des k. u. k. Luftfahrarsenals beim Kaiserlich Deutschen Kriegsministerium. Als Krönung seines Kriegsdienstes war er von Juli 1917 bis 7. November 1918 als kommandierter Soldat Leiter der Phönix-Flugzeugwerke Wien-Stadlau. Ist das nicht ein beispielloser Aufstieg für einen Mann mit 8 Klassen St. Veiter Volksschule? Auch darf man sich bei dieser Gelegenheit fragen, wo wäre wohl heute der Schwerpunkt der Flugtechnik, hätten uns nicht die Siegermächte diese aus der Hand genommen?

Sofort nach Ende des Ersten Weltkrieges war der Weg nach Maastricht wieder offen und Rudolf Knaus in der alten Firma sehr willkommen. Er war inzwischen 45 Jahre alt, seit 1900 verheiratet und Vater zweier Töchter. Es folgten beruflich und privat höchst erfolgreiche Jahre. Doch das Jahr 1944 brachte ein Ende mit Schrecken. Alle Deutschen (Österreicher) mussten unter Zurücklassung von Hab und Gut, dazu gehörte immerhin ein voll eingerichtetes Eigenheim, vor dem anrückenden Feind Hals über Kopf flüchten.
walter.wohlfahrt@gmail.com

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