25 Jahre Restaurant Vitus-Quelle

Mai 28, 2012 um 10:34 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Die Eröffnung eines modernen Restaurationsbetriebes durch Frau Trudelinde Kircher am 5. April 1974 bedeutete einerseits einen weiteren Bruch in der vorausgegangenen Nutzungsart des altehrwürdigen Hauses im Erlgraben, man steht jedoch als beliebte St. Veiter Gastwirtschaft in einer guten, jahrzehntelangen Tradition. Man sollte sich daran erinnern, dass hier durch zwei Jahrhunderte so manche gesellige Runde sich ihres Lebens, der eine oder andere der Stärkung oder Wiedergewinnung seiner Gesundheit erfreuen durfte.

Viel wurde über die Vitus-Quelle und das gleichnamige „Mineralbad“ schon  geschrieben, aber längst noch nicht alles gesagt! Da wäre einmal der gelehrte Chemiker Josef Mitterdorfer mit seinem Aufsatz „Die Mineralquelle im Mühlbachgraben bei St.Veit“ in Carinthia 10.7.1824 zu nennen. Er liefert darin nicht nur die chemische Analyse des Vitus-Wassers, empfiehlt nicht allein Trinkkuren bei Verdauungsbeschwerden, Blasenleiden, Katarrhen und Blutarmut, sondern vergleicht dessen Eignung für Vollbäder sogar mit den Heilquellen von Liebenwerda in Böhmen und Ruhla bei Eisenach. Man würde zu weit gehen, wollte man darin lediglich ein Gefälligkeitsgutachten erblicken. Die Erwähnung des Badehauses und die handfeste Empfehlung, endlich Quellwasser anstelle des gewöhnlichen Bachwassers ins Haus und in die Badewannen zu leiten, spricht aber vielleicht doch für eine teilweise Anlaßarbeit. Es heißt nämlich wörtlich „für das schon seit mehreren Jahren mit vielen Bequemlichkeiten eingerichtete, öffentliche Badehaus ….. wird bis jetzt nur das Wasser des vorbeiströmenden Mühlbaches verwendet, welches auf Verlangen gewärmt und durch künstliche Zusätze als Stahl-, Schwefel- oder Kräuterbad benützt und ziemlich stark besucht wird.“

In einer Reihe „Kärntner Bäder“ im Südmarkkalender 1932 Seite 145 befaßt sich Norbert Rainer gleichfalls mit dem Thema. Neben Mitterdorfer zitiert er ein Gutachten des landschaftlichen Apothekers Johann Hollemschnig aus Klagenfurt, wonach das Wasser der Vitus-Quelle obendrein bei Blähhals gute Ergebnisse bringe. Auch soll nach Hollemschnig 1877 bei der Wahl des Standortes des Barmherzigen Spitals die Nähe zur Vitusquelle mit eine Rolle gespielt haben. Rainer erwähnt Verdienste der St. Veiter Schützengesellschaft um die Quelle und um die Schaffung eines bequemen Zuganges dorthin sowie die Leistungen des St. Veiter Verschönerungsvereines für den Vituspark ganz allgemein. Im Zuge einer kleinen Besitzgeschichte wird sich noch zeigen, dass der Anregung Mitterdorfers auf Zuleitung des Quellwassers zum Bad bald nachgekommen wurde.

Eine weitere, nicht unwichtige Geschichtsquelle ist eine Art Gästebuch oder Chronik des Hauses. Wenn auch der Zustand des Buches nicht der beste ist und eine Neubindung nicht schaden könnte, sind daraus doch etliche Einblicke, sogar Daten zu gewinnen. Abgesehen vom Ersteintrag 30.10.1832 beginnen regelmäßige Gästnotizen doch erst im Jahr 1841 um später von Einzelnotizen 1863, 1870, 1878 gefolgt zu werden, ehe sich ab 1880 wieder öfter und bis 1887 durchgehend Anwesenheitsbeweise, lustige und ernste, finden. Etwa: „Habe gebadet – glaubte geheilt – leide noch immer – an Heimweh nach St. Veit“ oder „Bade hier seit zwölf Jahren – nie krank, Anderluh 1.5.1882“ Unter den Badegästen bilden St. Veiter und Klagenfurter naturgemäß die Mehrheit, es finden sich aber auch Prager, Wiener und Budapester! In der Chronik finden sich das Wappen der Freiherrn von Koller, eines der Grafen Egger und eine gezeichnete Ansicht des Bades mit Gärtnerei von Frd. Jeluschnig 1840.

An Hand weiterer in die Tiefe führender Unterlagen des Stadtmuseums sowie ergänzender Nachschau im Kärntner Landesarchiv ist es möglich, eine geschlossene Besitzerreihe, um Details ergänzt, darzubieten:  Erbauer und erster Eigentümer des öffentlichen Badhauses von 1820 war Johann Mathäus Frh. von Koller, ein Sohn des 1805 verstorbenen Eisenhandelsherrn gleichen Namens. Dass die erste Absicht, die man mit diesem Bau verfolgte, nicht dem Kurbaden, auch nicht dem persönlichen Gebrauch galt, sondern der armen Stadtbevölkerung zu regelmässiger Körperpflege dienen sollte, geht wohl daraus hervor, dass anfänglich eben nur Bachwasser zur Anwendung kam. Nach frühem Ableben des Gründers erbte 1828 dessen Schwester Katharina, verehelichte Gräfin Egger neben dem Palais am Oberen Platz (heute Bezirkshauptmannschaft), den anderen Stadthäusern, Rasnig-Mühle und Bleiweißfabrik etc. etc. eben auch die „Badeanstalt in der Mühlbacher Vorstadt“. Gräfin Egger griff Mitterdorfers Anregung gleich auf und leitete Quellwasser direkt in die Wannenbäder. Eine neue Qualität des Haus war die Folge. War vielleicht bisher mit einer Badedienerin das Auslang gefunden worden, so ergab sich bald die Notwendigkeit der Unterbringung und Verköstigung von Gästen. Frühestens ab 1830 darf also mit erstem Gastbetrieb an dieser Stelle gerechnet werden, wenn auch ein solcher noch nicht ausdrücklich Erwähnung findet.

Auf Katharina Gräfin Egger folgte 1837 ihr Sohn Graf Gustav. In seine Zeit fallen schon viele Eintragungen im erwähnten Gästebuch. Ob allerdings und wie sehr sich die gräftlichen Herrschaften mit dem Kurbad identifizierten, ist schwer zu sagen. Haben sie das Personal selbst geführt, oder das ganze Haus einfach einem Pächter überlassen? Auch diese Frage muss offen bleiben.

1859 tritt jedenfalls ein neuer Eigentümer auf den Plan, Franz Puntschart. Dieser hat dem Grafen Egger nicht nur das Badhaus, nein noch einiges mehr, vorallem aber die Bleiweißfabrik abgekauft. Puntschart und Bleiweißfabrik bilden übrigens ein eigenes Kapitel im Lebensroman von Dr. Sebastian Weberitsch, Seite 99 ff. Dort ist nachzulesen, wie leicht der herzensgute und freigibige Mann von Zeitgenossen ausgenützt werden konnte. Es müsste nicht wundernehmen, wenn sich auch beim Badhaus die übereifrigen Handwerker gegenseitig ein Geschäft zugeschanzt hätten, so wie sie es bei der Fabrik getan haben. Schon drei Jahre später verkaufte P. an August Rauscher. Auch mit der Fabrik hatte P. wenig Glück. Er starb als ein weitum geachteter, aber armer Mann und war doch einst steinreich gewesen!

August Rauscher war für 15 Jahre Eigentümer und gab das Anwesen 1877 an Jakob Meßner, Fabriksbesitzer in Rottenmann ab, der jedoch noch im gleichen Jahr an Sebastian Weberitsch, Handelsmann in St.Veit „das Badhaus im Erlgraben, Haus Nr. 178alt/20neu um 2.677 Gulden“ weiterverkaufte. Die Erwähnung doppelter Hausnummern zeigt an, dass wir uns gerade in jener Zeit befinden, als man die einfache Durchzählung aller Häuser aufgelassen und mit separater Zählung pro Vorstadt begonnen hat. Vom Gesamtpreis entfielen 177 Gulden auf Fahrnisse, was bedeutet, dass die Einrichtung von Bad und Gasthaus nicht all zu kostbar gewesen sein kann. Im § 7 war vorgesehen, dass die Rücklegung des „Personalen Wirtsgewerbes“ zu Gunsten des Käufers erfolgen musste. Da sich Weberitsch nachweislich zu keiner Zeit als Wirt, sondern ausschließlich als Bäcker und Handelsmann betätigt hat, war vermutlich ein vorhandener Bad- und Gasthauspächter mit zu übernehmen. Weberitsch war es vielleicht nur um Geldanlage und um den sicheren Absatz seiner Backwaren zu tun. Er dürfte jedoch auch einige Verbesserungen, insbesondere am Gebäude haben vornehmen lassen, denn beim Weiterverkauf an Karl Honerlein am 26.1.1885, also nach nur viereinhalb Jahren betrug der Kaufpreis 5.700 Gulden und der des Inventars nur noch 100 Gulden. Davon waren 2.000 in bar zu begleichen, der offene Rest zur späteren Ordnung pfandrechtlich sichergestellt. Zwei Vertragsklauseln sind von besonderem Interesse.  Punkt 5, Wasserleitung und Wasserleitungsrecht aus der Vitusquelle gehen als Zubehör der Realität auf den Käufer über. Punkt 6, der Verkäufer verzichtet zu Gunsten des Käufers auf die Wirtskonzession oder er überläßt ihm diese pachtweise. Die auffällig Wertsteigerung mag vielleicht auf die rechtliche Regelung des Wasserbezuges zurück gehen. Für Hörnerlein, einen Privaten aus Klagenfurt, ist  es ein rein spekulatives Geschäft, denn er findet schon im Jahr darauf in Fräulein Maria Strauß eine Käuferin, die ihm 6.000 Gulden zahlt. Ein leichter Gewinn von 200 Gulden. Auf der Liegenschaft haftet noch immer der offene Kaufpreis per 3.800 zu Gunsten des Weberitsch. Die neue Käuferin übernimmt die Hypothek in ihr persönliches Zahlungsversprechen und ist mutig genug, ein neues Darlehen von 2.500 Gulden bei Frau Franziska Lemisch, geborene Rainer, Mutter des Dr. Arthur Lemisch, aufzunehmen. Oder sollte man nicht lieber die Großzügigkeit der Geldgeberin loben? Es kam nämlich, wie es kommen musste, wenn sich jemand ohne Bares und vielleicht auch ohne ausreichende Geschäftskenntnisse auf geschäftliche Abenteuer einläßt. Übrigens, auch in diesem Falle wiederholten sich die Bestimmungen in puncto Quellwasser und Konzession. Fräulein Strauß dürfte ein paar flotte Jährchen als Wirtin hinter sich gebracht haben, die Zahlungstermine der Silberegger Brauerei blieben von ihr jedenfalls unbeachtet. Kurzum, im August 1890 schritt man zur Zwangsversteigerung des Badhauses. Weberitsch war zur Rettung seiner Forderung gezwungen, mitzusteigern und bekam auch tatsächlich den Zuschlag für 4.400 Gulden. Das reichte gerade für die offenen 3.800 plus Zinsen. Frau Franziska Lemisch ging leer aus. Ein Glück nur, dass sie den reichen Familien Buzzi, Milesi, Rauscher angehörte….

Weberitsch war nun nolens volens wieder im Besitze des Badhauses und hat dabei immerhin 2.00o Gulden verdient! Beim Weiterverkauf an Johann Mörtenhuber und dessen Braut Maria Fink im Mai des Jahres 1892 wird Weberitsch 6.150 Gulden erlösen. Weberitsch hat in knapp zwei Jahren zwischen August 1890 und Mai 1892 noch wesentliche Verbesserungen vorgenommen. So wurde die untauglich gewordene Quellzuleitung neu „und direkter als vorher“ verlegt. Dass das Haus nicht unterkellert war, wirkte sich auf den Gastbetrieb wenig vorteilhaft aus. Also wurde ein Brücke über den Mühlbach geschlagen und am jenseitigen Hang ein Kellerstollen gegraben, dessen Mundloch eine betonierte Terrasse bekam. Darauf konnten von da an Konzertmusiker oder Tanzkapellen gemütlich Platz nehmen und von der Höhe her das pt. Publikum im von Kastanien beschatteten Gastgarten unterhalten. Chronist Dr. Weberitsch weiß von allerlei Abendunterhaltungen mit Tanz, von Kegelbahnen (Eisbahn im Winter) zu berichten.

Der Besitz des Badhauses durch Koller-Egger währte 40 Jahre und blieb für lange Jahre unerreicht. Die Familie Mörtenhuber wirkte hier jedoch von 1892 bis 1950, unglaubliche 58 Jahre lang und wurde, man kann dies mit Fug und Recht sagen, zum Inbegriff von St. Veiter Gastlichkeit, für Kuraufenthalte, Sommer- und Wintersport, für Vereinsaktivitäten und Gesellschaftsabende aller Art. Am 17. Mai 1892 ist von den Brautleuten Mörtenhuber-Fink gemeinsam und je zur Hälfte gekauft und noch am 31. desselben Monats geheiratet worden. Dass Johann Mörtenhuber nicht nur eine wohl ausgestattete, sondern obendrein eine geschäftstüchtige  Braut heimführte, beweist die sofort einsetzende Aufbauarbeit. Das Haus wird um ein Stockwerk angehoben und bald danach wirbt das BAD VITUSQUELLE MIT GUT EINGERICHTETEN FREMDENZIMMERN WANNEN- DUSCH- UND SCHWIMMBÄDERN (GROSSES SCHWIMMBASSIN). Als 1912 die Stadt mit dem neuen Hauptbahnhof endlich direkten Schnellzuganschluss erhält, hofft man nicht zu Unrecht, dass nun bald auch St.Veit vom Fremdenverkehr profitieren würde. Der örtliche Verschönerungsverein erhöht merklich seine Aktivität. Er kommt mit der Schaffung des neuen Vitus-Parks direkt auf Mörtenhubers Betrieb zu. Der wöchentliche Pensionspreis wird mit 42 Kronen, das Einzelbad mit 70 Heller offeriert. Erstmals wird eine Badeordnung erlassen, gedruckt und ausgehängt, der zufolge die Bäder von 6 Uhr früh an geöffnet sind und jedermann ersucht wird, die gewünschten Wärmegrade anzugeben. Auch darf ärztlicher Anordnung zufolge nicht länger als eine halbe Stunde im Bad verweilt werden. Barzahlung hat an die Badedienerin zu erfolgen. Zu dieser Zeit verfügt Mörtenhuber über 15 Zimmer, gleich wie Gasthof Sommeregger am Unteren Platz. Nur Gasthof „Zum Roß“ von Matthias Apolloner in der Klagenfurter Vorstadt hat 25 Zimmer, alle anderen, selbst Hotel Stern nur höchstens 8 oder weniger. Der Kriegsbeginn Herbst 1914 zerstört alle Hoffnungen, er ist sogar ein schwerer Schlag für jeden Gewerbetreibenden, der zuvor hoch investiert hat. Anlagen bleiben ungenutzt, werden schlecht bis unbrauchbar. Es gibt keine entsprechenden Umsätze. Noch lange nach Kriegsende waren die Zeiten miserabel, Inflation und wirtschaftlicher Stillstand gehörten zum Alltag. Erst 1925 nach Einführung der Schilling-Währung kommt es zu zaghaften Neubeginn, der aber durch politisches Rängespiel nach dem Motto jeder gegen jeden, nie richtig in Schwung kommt.

Johann Mörtenhubers Lebens- und Schaffenskraft neigt sich ihrem Ende zu. Am 21.12.1930 stirbt er mit 65 Jahren. Noch ist der Gasthof für Stadt und Umgebung ein gastronomischer Fixstern. Mörtenhuber hinterlässt neben der Witwe eine Tochter namens Maria und den geistesschwachen Sohn Johann. Die Hälfte des Vaters erbst Tochter Maria. In Anbetracht der Behinderung eines allfälligen Miterben mußte das Anwesen gerichtlich geschätzt werden. Dies erlaubt Einblick in Anordnung und Verwendung der Räume, auf Art der Einrichtung des weitläufigen Gebäudes.

Die Mittelachse des Hauses bestand aus einem vorderen, einem mittleren und einem hinteren Vorhaus (2 Ölbilder, 2 Tische, 4 Sessel). Links davon lagen die Badezimmer 1 bis 3 (mit je 1 gußeisernen Badewanne, Waschtisch, 2 Sessel, Eisenofen, Wandspiegel, Kleiderrechen). Weiters befanden sich auf dieser Seite Klosette, Stiegenhaus, 2 Rumpelkammern, Waschküche, Heizraum. Rechts des Haupteinganges befanden sich ein Gastzimmer (4 Tische, 19 Sessel, 1 Lutz-Ofen, Wandspiegel, Diwan, 6 Kleiderrechen, Pendeluhr, Orchestrion, Wandschmuck) Extrazimmer (6 Tische, 24 Sessel, Servietten-Presse, Bücherkasten, Aufsatzkasten, 4 Kleiderrechen, Spieltisch, Wandschmuck, 30 Bierkrüge, 10 Weingläser, 20 Viertel- und Seitelgläser, 1 Schaumwein-Kübel !, 50 Teller, 36 Alpaka-Bestecke, ein Sagspänofen. Allein darin ist schon zu ersehen, dass das Haus eine grundsolide, einge gediegene Ausstattung aufzuweisen hatte, was sich im Obergeschoß mit allen Fremdenzimmern fortsetzt.

Zum Schwimmbad mit seinen 14 hölzernen Kabinen wird vermerkt, dass dieses erst 1930 wieder instangesetzt worden sei, nachdem es in der Nachkriegszeit verfallen ist und durch acht Jahre nicht im Betrieb gestanden hat. Wäre man früher das einzige Bad der Stadt gewesen, so sei inzwischen ein weiteres hinzu gekommen (Anm.d.Verf.: Poganzer). Weiters sei (1930!) durch den Autoomnibus-Verkehr der Längsee der Stadt näher gerückt. Mit der alten Frequenz des Bades sei deshalb nicht mehr zu rechnen. Eintritt ins Freibad für Erwachsene 40 Groschen, für Kinder 30 Groschen. Elektrisches Licht und Wasser der Stadt sei aber eingeleitet. Wasser für das Freibad komme von der im Besitz der Stadt befindlichen Vitus-Quelle. Das Wasserbezugsrecht beim Marienhof sei durch Verkauf erloschen. Hochwasser des Mühlbaches, zuletzt jenes von 1930, würden stets Gefahr bringen. Mangels Unterkellerung seien die Holzböden durchwegs schlecht. Der Wert der Liegenschaftshälfte wird folglich  vom gerichtlichen Schätzmann, Stadtbaumeister Hans Wank  mit 33.000 Schilling bestimmt.

Als schließlich auch Maria Mörtenhuber ihre Haushälfte der Tochter gleichen Namens übergibt, schreibt man schon das Jahr 1943. Wieder befindet man sich inmitten einer harten Zeit voll Nachteilen und Erschwernissen einer Kriegswirtschaft. Der Getränkekeller auf der anderen Bachseite ist mittlerweile zum Luftschutzkeller für die verschreckten St. Veiter umfunktioniert und ausgebaut worden. Schon wieder geht das Geschäft schlecht und selbst die unmittelbare Friedenszeit ist noch lange nicht geeignet, eine Erholung einzuleiten. Alle Fremdenzimmer sind längst schon amtlich besetzt und zu Mieterschutzwohnungen erklärt worden. Sie sollten es noch lange bleiben.

1950 kommt es zum Verkauf an Josef Müller, schon nach 19 Monaten gefolgt von Ludmilla Laurer, geb. Fian. 1955 folgen die Brüder Philipp und Ernst Nagele. Da wird erwähnt, Nagele hätte 60.000 Schilling in das Bad investiert. Trotzdem hat die Gemeinde dem Nagele die Erneuerung der Wasserzuleitung von der Vitus-Quelle versagt. 1967 hatte er angeblich eine Verzichtserklärung abzugeben um einem Prozeß mit der Stadtgemeinde aus dem Wege zu gehen. Wannenbäder und Freibad wurden daraufhin wegen Unrentabilität aufgelassen. Erst nach und nach sind die Mieterschutzwohnungen frei verfügbar geworden. Aus dem Badhaus hat Philipp Nagele schließlich ein Cafe mit Nachtbar gemacht und mit einer Diskothek geendet.

Seit 1973 zeichnet Trudelinde Kircher als Besitzerin. Sie verschönerte das Haus innen und außen. Das Wappen ihrer Ahnen, Ritter von Holle ziert die Hauptfront. Auch Wappenschilder der Freiherren von Koller und der Grafen Egger sind zu bestaunen. Der Restaurantbetrieb wurde von ihr erfolgreich  wieder aufgenommen, letztendlich aber wurde verpachtet und ein Griechen-Lokal daraus gemacht.

Walter Wohlfahrt in St.Veit Kommunal Herbst 1999, verbessert 2012

Von alten Fabriken in und um St.Veit

April 28, 2012 um 14:45 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Unter Fabriken der damaligen Zeiten darf man sich nicht Industriebetriebe vorstellen wie wir sie heute kennen. Immerhin, man war in der Lage Produkte für überregionale Nachfrage anzubieten. Beschäftigtenzahlen, bauliche und maschinelle Ausstattung erreichten natürlich in keinem Falle heutiges Ausmaß.

                       Situation an der Glan laut altem Kataster

An erster Stelle ist hier natürlich die St. Veiter Papierfabrik (Papiermühle) unten an der alten Glan zu erwähnen. Allein ihres Alters und ihrer Bedeutung wegen. Die Kunst der Papiererzeugung kam von China über Bagdad nach Kairo (900), von hier durch die Araber nach Spanien (1150) Italien (1276) Frankreich (1350) Nürnberg (1390) schließlich über Nürnberger Kaufleute (Gleismüllner Kaltenhauser) nach St.Veit in Kärnten. Der Lageplan macht klar, wie die einzelnen Gebäude zwischen Glan und Glan-Kanal angeordnet waren. Seit dem 15. Jahrhundert wurde dort handgeschöpftes Papier erzeugt. Guter Absatz fand sich in den Kanzleien der Rats- und Gerichtsstuben, in den Pfarrämtern und Klöstern Kärntens und weit darüber hinaus. So stößt man in Archiven der vorgenannten Einrichtungen nicht selten auf loses oder  gebundenes Schreibpapier mit dem gemarterten Vitus, sprich slawisch Veit, als Wasserzeichen. Diese Signaturen sind oft mit Buchstaben kombiniert, welche die jeweiligen Inhaber der Fabrik erkennen lassen. Eine geschlossene Arbeit darüber steht aus, wäre aber eine sehr interessante und lohnende Aufgabe. Es stellt sich dabei die Frage, ob von Anfang an  Wasserzeichen Verwendung fanden oder ob erst ab den Zeiten des Merkantilismus von Kaiserin Maria Theresia damit zu rechnen ist.

Der Standort an der Glan war dadurch begünstigt, dass die Glan dort – noch  nicht verbaut und eingetieft – um Meter höher ankam und einen Wasserfall bildete. Für Wasserkraft war damit ausreichend  gesorgt. Letzte Inhaber, wenn auch nicht mehr unbedingt Fabrikanten waren seit Anfang des 19. Jahrhunderts der Reihe nach Peter Sommerhuber, ab 1836 Antonie Kronawitter, 1867 die St. Veiter Bürgergilt, ab 1869 gelangten Teile des Anwesens über die Companie Rauscher an die Hüttenberger Union, wobei man sich das heute noch zu bewundernde Herrenhaus Baufläche 293 heute Glangasse Nr. 71 zurückbehielt. Es folgten dann 1880 Maria Kobl, 1882 Aloisia Puntschart, eine geborene Lemisch. Weil immer wieder das Bessere der Feind des Guten ist, endete das Papier-Schöpfen mit dem Siegeszug der Massenproduktion. 1864 schon hat es in der Fabrik, Baufläche 292, einen Brandschaden gegeben und um 1890 machte Franz Puntschart,  letzter Inhaber der Glandorfer Bleiweißfabrik, aus den Resten der Papiermühle eine Essigfabrik. Irgendwann hat er dann wohl auch das prächtige Wohnhaus an sich gebracht, denn nur so ist das Ableben des Herrn Puntschart (1915) und jenes seiner Frau (1930) in diesem Hause zu erklären. Fritz Knaus erwarb 1903 die Essigfabrik und in der Folge einen exzellenten Ruf mit seinem weitum bekannten Wein-Essig, hat aber nie dort gewohnt.

Zur Bleiweißfabrik (heute Funder Direktion) wäre zu sagen, dass ihr Entstehen auf die reichen Gewerken und Eisenhändler Koller zurückzuführen ist. Anfänglich waren diese vielleicht nur Finanziers, weil auch ein gewisser Josef Petz kurz aufscheint. Bald aber sind die Koller und späteren Freiherren, durch Generationen Alleinbesitzer. Über Mathias Freiherr von Koller und Katharina Koller, verehelichte Gräfin Egger gedieh die Fabrik an deren Sohn Gustav Graf Egger. Im Jahre 1849 werden laut Industrieausweis von sieben Arbeitern aus 450 Zentner Blei und 300 Zentner Schwerspat genau 753 Zentner Bleiweiß erzeugt. Auch Essig spielte beim Bleiweißmachen eine gewisse Rolle, um strahlend weiße, gut deckende Farbe zu gewinnen. Die Verwendung von Schwerspat, lässt darauf schließen, dass das hier erzeugte Bleiweiß gestreckt werden musste und somit von minderer Qualität war. Tatsächlich hat sich die weitere Produktion von Bleiweiß auf Klagenfurt und Wolfsberg konzentriert, wo verbesserte Verfahren Anwendung finden  konnten. Bleivergiftungen waren bei Arbeitern bis dahin immer wieder Auslöser von Berufskrankheiten. Das Taufbuch der Stadtpfarre zeigt unter 23.8.1844 einen Geburtseintrag an der Adresse Bleiweißfabrik Haus Nr. 233. Der Kindsvater hieß Simon Polzer und war „gräflich Egger´scher Bleiweißverwalter“.

Von besonderer Relevanz wäre noch ein Eintrag im Trauungsbuch der Pfarre Obermühlbach, die auch heute noch für Treffelsdorf zuständig ist. Demnach haben am 8.5.1870 Franz Puntschart, ehelicher Sohn des gleichnamigen Fabriks- und Realitätenbesitzers in Klagenfurt „sich in Bleiweißfabrik aufhaltend“ und Aloisia Lemisch, Tochter des Josef Lemisch, von Bachelhof die Ehe geschlossen. Als Trauzeugen fungierten Herr von Knappitsch, Gutsbesitzer Silberegg und  Josef Meyer, Sohn des gleich genannten Josef Meyer, Pulverfabrikant in Hörzendorf. Im Friedhof von Treffelsdorf finden sich die Gräber von Aloisia Puntschart 21.6.1845 (Althofen!) – 7.3.1930 (St.Veit, Glangasse 35)  und  Franz Puntschart 28.5.1844 (Klagenfurt) – 17.3.1915 (St.Veit, Klagenfurter Vorstadt 24). Ungeachtet der sich zwischenzeitig geänderten Adresse,  handelt es sich um ein und dasselbe, noch heute bestehende Haus mit schmuckreicher Fassade, heute Glangasse 71.

Wo man von der Spitalgasse kommend rechts in die Zensweger Straße einbiegt, erblickt man linker Hand das stattliche, erst in jüngster Zeit innen und außen verschönerte Haus Zensweger Straße 1. Ursprünglich ein schlichter, rechteckiger Bau mit der Stirnseite gegen die Straße  gerichtet, entwickelte sich daraus vor etwa 140 Jahre durch mehrmalige Erweiterungen die einstige Zündhölzlfabrik. Das bescheidene, alte Wohnhaus diente nach einander den Besitzerinnen Anna Köch, Juliane Bichler (ab 1831) und deren Tochter Maria, Pfarrersköchin in St. Peter (ab 1857). Noch im gleichen Jahr verkaufte Maria an Michael KONRAD, 1851 Bürger geworden und seines Zeichens ein Kaffeesieder im späteren Carinthia-Haus (heute Kärntner Sparkasse) am Hauptplatz. KONRAD war schon 18 Jahre lang am Besitz  angeschrieben als er sich gegen Ende hin entschloss, dort die Zündhölzchenfabrikation aufzunehmen. Leider, als „Fabrikant“ war er nicht sehr erfolgreich. Es hat den Anschein als hätten ihn die baulichen Maßnahmen und  Produktionseinrichtungen mehr Geld gekostet als ihm zur Verfügung stand. Als er 1875 in „Johann Gotscheber, Handelsmann in Graz“ einen Käufer fand, gingen vom Kaufpreis per 5.000 Gulden allein 4.200 Gulden auf Schulden auf. Selbst sein Kaufpreis von 1857 war noch nicht einmal zur Gänze geordnet. Auch musste er im Kaufvertrag die Verpflichtung übernehmen „die ihm verliehene Befugnis der Zündwarenfabrikation auf Verlangen des Käufers nach dem 1. August 1875 entweder zurückzulegen oder abzutreten“. Es wird sich noch zeigen, dass dies  noch keineswegs das Ende der Erzeugung von Zündhölzchen in der Stadt bedeutete. Gotscheber war jedenfalls bis mindestens 1878, wenn nicht noch länger in diesem Hause am Werken. Im Buch „Kärntens Gewerbliche Wirtschaft von der Vorzeit bis zur Gegenwart“, um 1950 von der Wirtschaftskammer für Kärnten im Verlag Joh. Leon sen. Klagenfurt herausgegeben, ist nämlich auf Seite 377 zu lesen, dass es in St. Veit 1874 eine Zündwarenfabrik gab, welche ebenfalls maschinell Holzdraht erzeugte, ihn aber gleich zu Zündhölzern verarbeitete, deren sie 1878 sage und schreibe 29.708 Kistchen aus 210 Millionen Holzdrähten mit 26 Arbeitskräften erzeugte und dabei entsprechende Mengen Schwefel, Phosphor, Minium, Kunstgummi, salpetrige Säure  und Schwefelsäure sowie andere Chemikalien verwendete. Schwefel- und Phosphordämpfe waren der Gesundheit der Arbeiter aber wenig zuträglich, sodass ein großer Kamin für halbwegs guten Abzug zu sorgen hatte. Dieser Kamin war lange Zeit eine Art Hauszeichen. Die Fabrikation erstreckte sich auf Schwefel- und Phosphorhölzchen sowie in geringem Maße auf schwedische Salonhölzchen, doch ging diese Fabrik wie auch kleinere Unternehmungen in Mauthen,  Gmünd und Pölland wieder ein, so dass im frühen 20. Jahrhundert dieser Betriebszweig in Kärnten gänzlich erlosch.

Nicht ganz vergessen werden sollten die weniger alten, nicht mehr bestehenden Fabriken, wie Alpenländische Kleiderwarenfabrik AG in Glandorf, die OMA Kindernährmittelfabrik (Friesacher Straße) oder die Pyrotechnische Fabrik Liebenwein in der Schießstattallee etc. etc.                                                                                                            

Walter Wohlfahrt   –   Aus St.Veiter Stadt-Blatt´l von Fritz Knapp

 

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Von alten Fabriken in und um St. Veit/Glan

Unter Fabriken der damaligen Zeiten darf man sich nicht Industriebetriebe vorstellen wie wir sie heute kennen. Immerhin, man war in der Lage Produkte für überregionale Nachfrage anzubieten. Beschäftigtenzahlen, bauliche und maschinelle Ausstattung erreichten natürlich in keinem Falle heutiges Ausmaß.

An erster Stelle ist hier natürlich die St. Veiter Papierfabrik (Papiermühle) unten an der alten Glan zu erwähnen. Allein ihres Alters und ihrer Bedeutung wegen. Die Kunst der Papiererzeugung kam von China über Bagdad nach Kairo (900), von hier durch die Araber nach Spanien (1150) Italien (1276) Frankreich (1350) Nürnberg (1390) schließlich über Nürnberger Kaufleute (Gleismüllner Kaltenhauser) nach St.Veit in Kärnten. Der Lageplan macht klar, wie die einzelnen Gebäude zwischen Glan und Glan-Kanal angeordnet waren. Seit dem 15. Jahrhundert wurde dort handgeschöpftes Papier erzeugt. Guter Absatz fand sich in den Kanzleien der Rats- und Gerichtsstuben, in den Pfarrämtern und Klöstern Kärntens und weit darüber hinaus. So stößt man in Archiven der vorgenannten Einrichtungen nicht selten auf loses oder  gebundenes Schreibpapier mit dem gemarterten Vitus, sprich slawisch Veit, als Wasserzeichen. Diese Signaturen sind oft mit Buchstaben kombiniert, welche die jeweiligen Inhaber der Fabrik erkennen lassen. Eine geschlossene Arbeit darüber steht aus, wäre aber eine sehr interessante und lohnende Aufgabe. Es stellt sich dabei die Frage, ob von Anfang an  Wasserzeichen Verwendung fanden oder ob erst ab den Zeiten des Merkantilismus von Kaiserin Maria Theresia damit zu rechnen ist.

Der Standort an der Glan war dadurch begünstigt, dass die Glan dort – noch  nicht verbaut und eingetieft – um Meter höher ankam und einen Wasserfall bildete. Für Wasserkraft war damit ausreichend  gesorgt. Letzte Inhaber, wenn auch nicht mehr unbedingt Fabrikanten waren seit Anfang des 19. Jahrhunderts der Reihe nach Peter Sommerhuber, ab 1836 Antonie Kronawitter, 1867 die St. Veiter Bürgergilt, ab 1869 gelangten Teile des Anwesens über die Companie Rauscher an die Hüttenberger Union, wobei man sich das heute noch zu bewundernde Herrenhaus Baufläche 293 heute Glangasse Nr. 71 zurückbehielt. Es folgten dann 1880 Maria Kobl, 1882 Aloisia Puntschart, eine geborene Lemisch. Weil immer wieder das Bessere der Feind des Guten ist, endete das Papier-Schöpfen mit dem Siegeszug der Massenproduktion. 1864 schon hat es in der Fabrik, Baufläche 292, einen Brandschaden gegeben und um 1890 machte Franz Puntschart,  letzter Inhaber der Glandorfer Bleiweißfabrik, aus den Resten der Papiermühle eine Essigfabrik. Irgendwann hat er dann wohl auch das prächtige Wohnhaus an sich gebracht, denn nur so ist das Ableben des Herrn Puntschart (1915) und jenes seiner Frau (1930) in diesem Hause zu erklären. Fritz Knaus erwarb 1903 die Essigfabrik und in der Folge einen exzellenten Ruf mit seinem weitum bekannten Wein-Essig, hat aber nie dort gewohnt.

Zur Bleiweißfabrik (heute Funder Direktion) wäre zu sagen, dass ihr Entstehen auf die reichen Gewerken und Eisenhändler Koller zurückzuführen ist. Anfänglich waren diese vielleicht nur Finanziers, weil auch ein gewisser Josef Petz kurz aufscheint. Bald aber sind die Koller und späteren Freiherren, durch Generationen Alleinbesitzer. Über Mathias Freiherr von Koller und Katharina Koller, verehelichte Gräfin Egger gedieh die Fabrik an deren Sohn Gustav Graf Egger. Im Jahre 1849 werden laut Industrieausweis von sieben Arbeitern aus 450 Zentner Blei und 300 Zentner Schwerspat genau 753 Zentner Bleiweiß erzeugt. Auch Essig spielte beim Bleiweißmachen eine gewisse Rolle, um strahlend weiße, gut deckende Farbe zu gewinnen. Die Verwendung von Schwerspat, lässt darauf schließen, dass das hier erzeugte Bleiweiß gestreckt werden musste und somit von minderer Qualität war. Tatsächlich hat sich die weitere Produktion von Bleiweiß auf Klagenfurt und Wolfsberg konzentriert, wo verbesserte Verfahren Anwendung finden  konnten. Bleivergiftungen waren bei Arbeitern bis dahin immer wieder Auslöser von Berufskrankheiten. Das Taufbuch der Stadtpfarre zeigt unter 23.8.1844 einen Geburtseintrag an der Adresse Bleiweißfabrik Haus Nr. 233. Der Kindsvater hieß Simon Polzer und war „gräflich Egger´scher Bleiweißverwalter“.

Von besonderer Relevanz wäre noch ein Eintrag im Trauungsbuch der Pfarre Obermühlbach, die auch heute noch für Treffelsdorf zuständig ist. Demnach haben am 8.5.1870 Franz Puntschart, ehelicher Sohn des gleichnamigen Fabriks- und Realitätenbesitzers in Klagenfurt „sich in Bleiweißfabrik aufhaltend“ und Aloisia Lemisch, Tochter des Josef Lemisch, von Bachelhof die Ehe geschlossen. Als Trauzeugen fungierten Herr von Knappitsch, Gutsbesitzer Silberegg und  Josef Meyer, Sohn des gleich genannten Josef Meyer, Pulverfabrikant in Hörzendorf. Im Friedhof von Treffelsdorf finden sich die Gräber von Aloisia Puntschart 21.6.1845 (Althofen!) – 7.3.1930 (St.Veit, Glangasse 35)  und  Franz Puntschart 28.5.1844 (Klagenfurt) – 17.3.1915 (St.Veit, Klagenfurter Vorstadt 24). Ungeachtet der sich zwischenzeitig geänderten Adresse,  handelt es sich um ein und dasselbe, noch heute bestehende Haus mit schmuckreicher Fassade, heute Glangasse 71.

Wo man von der Spitalgasse kommend rechts in die Zensweger Straße einbiegt, erblickt man linker Hand das stattliche, erst in jüngster Zeit innen und außen verschönerte Haus Zensweger Straße 1. Ursprünglich ein schlichter, rechteckiger Bau mit der Stirnseite gegen die Straße  gerichtet, entwickelte sich daraus vor etwa 140 Jahre durch mehrmalige Erweiterungen die einstige Zündhölzlfabrik. Das bescheidene, alte Wohnhaus diente nach einander den Besitzerinnen Anna Köch, Juliane Bichler (ab 1831) und deren Tochter Maria, Pfarrersköchin in St. Peter (ab 1857). Noch im gleichen Jahr verkaufte Maria an Michael KONRAD, 1851 Bürger geworden und seines Zeichens ein Kaffeesieder im späteren Carinthia-Haus (heute Kärntner Sparkasse) am Hauptplatz. KONRAD war schon 18 Jahre lang am Besitz  angeschrieben als er sich gegen Ende hin entschloss, dort die Zündhölzchenfabrikation aufzunehmen. Leider, als „Fabrikant“ war er nicht sehr erfolgreich. Es hat den Anschein als hätten ihn die baulichen Maßnahmen und  Produktionseinrichtungen mehr Geld gekostet als ihm zur Verfügung stand. Als er 1875 in „Johann Gotscheber, Handelsmann in Graz“ einen Käufer fand, gingen vom Kaufpreis per 5.000 Gulden allein 4.200 Gulden auf Schulden auf. Selbst sein Kaufpreis von 1857 war noch nicht einmal zur Gänze geordnet. Auch musste er im Kaufvertrag die Verpflichtung übernehmen „die ihm verliehene Befugnis der Zündwarenfabrikation auf Verlangen des Käufers nach dem 1. August 1875 entweder zurückzulegen oder abzutreten“. Es wird sich noch zeigen, dass dies  noch keineswegs das Ende der Erzeugung von Zündhölzchen in der Stadt bedeutete. Gotscheber war jedenfalls bis mindestens 1878, wenn nicht noch länger in diesem Hause am Werken. Im Buch „Kärntens Gewerbliche Wirtschaft von der Vorzeit bis zur Gegenwart“, um 1950 von der Wirtschaftskammer für Kärnten im Verlag Joh. Leon sen. Klagenfurt herausgegeben, ist nämlich auf Seite 377 zu lesen, dass es in St. Veit 1874 eine Zündwarenfabrik gab, welche ebenfalls maschinell Holzdraht erzeugte, ihn aber gleich zu Zündhölzern verarbeitete, deren sie 1878 sage und schreibe 29.708 Kistchen aus 210 Millionen Holzdrähten mit 26 Arbeitskräften erzeugte und dabei entsprechende Mengen Schwefel, Phosphor, Minium, Kunstgummi, salpetrige Säure  und Schwefelsäure sowie andere Chemikalien verwendete. Schwefel- und Phosphordämpfe waren der Gesundheit der Arbeiter aber wenig zuträglich, sodass ein großer Kamin für halbwegs guten Abzug zu sorgen hatte. Dieser Kamin war lange Zeit eine Art Hauszeichen. Die Fabrikation erstreckte sich auf Schwefel- und Phosphorhölzchen sowie in geringem Maße auf schwedische Salonhölzchen, doch ging diese Fabrik wie auch kleinere Unternehmungen in Mauthen,  Gmünd und Pölland wieder ein, so dass im frühen 20. Jahrhundert dieser Betriebszweig in Kärnten gänzlich erlosch.

Nicht ganz vergessen werden sollten die weniger alten, nicht mehr bestehenden Fabriken, wie Alpenländische Kleiderwarenfabrik AG in Glandorf, die OMA Kindernährmittelfabrik (Friesacher Straße) oder die Pyrotechnische Fabrik Liebenwein in der Schießstattallee etc. etc.                                                                                                             Walter Wohlfahrt  

 

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Von alten Fabriken in und um St. Veit/Glan

Unter Fabriken der damaligen Zeiten darf man sich nicht Industriebetriebe vorstellen wie wir sie heute kennen. Immerhin, man war in der Lage Produkte für überregionale Nachfrage anzubieten. Beschäftigtenzahlen, bauliche und maschinelle Ausstattung erreichten natürlich in keinem Falle heutiges Ausmaß.

An erster Stelle ist hier natürlich die St. Veiter Papierfabrik (Papiermühle) unten an der alten Glan zu erwähnen. Allein ihres Alters und ihrer Bedeutung wegen. Die Kunst der Papiererzeugung kam von China über Bagdad nach Kairo (900), von hier durch die Araber nach Spanien (1150) Italien (1276) Frankreich (1350) Nürnberg (1390) schließlich über Nürnberger Kaufleute (Gleismüllner Kaltenhauser) nach St.Veit in Kärnten. Der Lageplan macht klar, wie die einzelnen Gebäude zwischen Glan und Glan-Kanal angeordnet waren. Seit dem 15. Jahrhundert wurde dort handgeschöpftes Papier erzeugt. Guter Absatz fand sich in den Kanzleien der Rats- und Gerichtsstuben, in den Pfarrämtern und Klöstern Kärntens und weit darüber hinaus. So stößt man in Archiven der vorgenannten Einrichtungen nicht selten auf loses oder  gebundenes Schreibpapier mit dem gemarterten Vitus, sprich slawisch Veit, als Wasserzeichen. Diese Signaturen sind oft mit Buchstaben kombiniert, welche die jeweiligen Inhaber der Fabrik erkennen lassen. Eine geschlossene Arbeit darüber steht aus, wäre aber eine sehr interessante und lohnende Aufgabe. Es stellt sich dabei die Frage, ob von Anfang an  Wasserzeichen Verwendung fanden oder ob erst ab den Zeiten des Merkantilismus von Kaiserin Maria Theresia damit zu rechnen ist.

Der Standort an der Glan war dadurch begünstigt, dass die Glan dort – noch  nicht verbaut und eingetieft – um Meter höher ankam und einen Wasserfall bildete. Für Wasserkraft war damit ausreichend  gesorgt. Letzte Inhaber, wenn auch nicht mehr unbedingt Fabrikanten waren seit Anfang des 19. Jahrhunderts der Reihe nach Peter Sommerhuber, ab 1836 Antonie Kronawitter, 1867 die St. Veiter Bürgergilt, ab 1869 gelangten Teile des Anwesens über die Companie Rauscher an die Hüttenberger Union, wobei man sich das heute noch zu bewundernde Herrenhaus Baufläche 293 heute Glangasse Nr. 71 zurückbehielt. Es folgten dann 1880 Maria Kobl, 1882 Aloisia Puntschart, eine geborene Lemisch. Weil immer wieder das Bessere der Feind des Guten ist, endete das Papier-Schöpfen mit dem Siegeszug der Massenproduktion. 1864 schon hat es in der Fabrik, Baufläche 292, einen Brandschaden gegeben und um 1890 machte Franz Puntschart,  letzter Inhaber der Glandorfer Bleiweißfabrik, aus den Resten der Papiermühle eine Essigfabrik. Irgendwann hat er dann wohl auch das prächtige Wohnhaus an sich gebracht, denn nur so ist das Ableben des Herrn Puntschart (1915) und jenes seiner Frau (1930) in diesem Hause zu erklären. Fritz Knaus erwarb 1903 die Essigfabrik und in der Folge einen exzellenten Ruf mit seinem weitum bekannten Wein-Essig, hat aber nie dort gewohnt.

Zur Bleiweißfabrik (heute Funder Direktion) wäre zu sagen, dass ihr Entstehen auf die reichen Gewerken und Eisenhändler Koller zurückzuführen ist. Anfänglich waren diese vielleicht nur Finanziers, weil auch ein gewisser Josef Petz kurz aufscheint. Bald aber sind die Koller und späteren Freiherren, durch Generationen Alleinbesitzer. Über Mathias Freiherr von Koller und Katharina Koller, verehelichte Gräfin Egger gedieh die Fabrik an deren Sohn Gustav Graf Egger. Im Jahre 1849 werden laut Industrieausweis von sieben Arbeitern aus 450 Zentner Blei und 300 Zentner Schwerspat genau 753 Zentner Bleiweiß erzeugt. Auch Essig spielte beim Bleiweißmachen eine gewisse Rolle, um strahlend weiße, gut deckende Farbe zu gewinnen. Die Verwendung von Schwerspat, lässt darauf schließen, dass das hier erzeugte Bleiweiß gestreckt werden musste und somit von minderer Qualität war. Tatsächlich hat sich die weitere Produktion von Bleiweiß auf Klagenfurt und Wolfsberg konzentriert, wo verbesserte Verfahren Anwendung finden  konnten. Bleivergiftungen waren bei Arbeitern bis dahin immer wieder Auslöser von Berufskrankheiten. Das Taufbuch der Stadtpfarre zeigt unter 23.8.1844 einen Geburtseintrag an der Adresse Bleiweißfabrik Haus Nr. 233. Der Kindsvater hieß Simon Polzer und war „gräflich Egger´scher Bleiweißverwalter“.

Von besonderer Relevanz wäre noch ein Eintrag im Trauungsbuch der Pfarre Obermühlbach, die auch heute noch für Treffelsdorf zuständig ist. Demnach haben am 8.5.1870 Franz Puntschart, ehelicher Sohn des gleichnamigen Fabriks- und Realitätenbesitzers in Klagenfurt „sich in Bleiweißfabrik aufhaltend“ und Aloisia Lemisch, Tochter des Josef Lemisch, von Bachelhof die Ehe geschlossen. Als Trauzeugen fungierten Herr von Knappitsch, Gutsbesitzer Silberegg und  Josef Meyer, Sohn des gleich genannten Josef Meyer, Pulverfabrikant in Hörzendorf. Im Friedhof von Treffelsdorf finden sich die Gräber von Aloisia Puntschart 21.6.1845 (Althofen!) – 7.3.1930 (St.Veit, Glangasse 35)  und  Franz Puntschart 28.5.1844 (Klagenfurt) – 17.3.1915 (St.Veit, Klagenfurter Vorstadt 24). Ungeachtet der sich zwischenzeitig geänderten Adresse,  handelt es sich um ein und dasselbe, noch heute bestehende Haus mit schmuckreicher Fassade, heute Glangasse 71.

Wo man von der Spitalgasse kommend rechts in die Zensweger Straße einbiegt, erblickt man linker Hand das stattliche, erst in jüngster Zeit innen und außen verschönerte Haus Zensweger Straße 1. Ursprünglich ein schlichter, rechteckiger Bau mit der Stirnseite gegen die Straße  gerichtet, entwickelte sich daraus vor etwa 140 Jahre durch mehrmalige Erweiterungen die einstige Zündhölzlfabrik. Das bescheidene, alte Wohnhaus diente nach einander den Besitzerinnen Anna Köch, Juliane Bichler (ab 1831) und deren Tochter Maria, Pfarrersköchin in St. Peter (ab 1857). Noch im gleichen Jahr verkaufte Maria an Michael KONRAD, 1851 Bürger geworden und seines Zeichens ein Kaffeesieder im späteren Carinthia-Haus (heute Kärntner Sparkasse) am Hauptplatz. KONRAD war schon 18 Jahre lang am Besitz  angeschrieben als er sich gegen Ende hin entschloss, dort die Zündhölzchenfabrikation aufzunehmen. Leider, als „Fabrikant“ war er nicht sehr erfolgreich. Es hat den Anschein als hätten ihn die baulichen Maßnahmen und  Produktionseinrichtungen mehr Geld gekostet als ihm zur Verfügung stand. Als er 1875 in „Johann Gotscheber, Handelsmann in Graz“ einen Käufer fand, gingen vom Kaufpreis per 5.000 Gulden allein 4.200 Gulden auf Schulden auf. Selbst sein Kaufpreis von 1857 war noch nicht einmal zur Gänze geordnet. Auch musste er im Kaufvertrag die Verpflichtung übernehmen „die ihm verliehene Befugnis der Zündwarenfabrikation auf Verlangen des Käufers nach dem 1. August 1875 entweder zurückzulegen oder abzutreten“. Es wird sich noch zeigen, dass dies  noch keineswegs das Ende der Erzeugung von Zündhölzchen in der Stadt bedeutete. Gotscheber war jedenfalls bis mindestens 1878, wenn nicht noch länger in diesem Hause am Werken. Im Buch „Kärntens Gewerbliche Wirtschaft von der Vorzeit bis zur Gegenwart“, um 1950 von der Wirtschaftskammer für Kärnten im Verlag Joh. Leon sen. Klagenfurt herausgegeben, ist nämlich auf Seite 377 zu lesen, dass es in St. Veit 1874 eine Zündwarenfabrik gab, welche ebenfalls maschinell Holzdraht erzeugte, ihn aber gleich zu Zündhölzern verarbeitete, deren sie 1878 sage und schreibe 29.708 Kistchen aus 210 Millionen Holzdrähten mit 26 Arbeitskräften erzeugte und dabei entsprechende Mengen Schwefel, Phosphor, Minium, Kunstgummi, salpetrige Säure  und Schwefelsäure sowie andere Chemikalien verwendete. Schwefel- und Phosphordämpfe waren der Gesundheit der Arbeiter aber wenig zuträglich, sodass ein großer Kamin für halbwegs guten Abzug zu sorgen hatte. Dieser Kamin war lange Zeit eine Art Hauszeichen. Die Fabrikation erstreckte sich auf Schwefel- und Phosphorhölzchen sowie in geringem Maße auf schwedische Salonhölzchen, doch ging diese Fabrik wie auch kleinere Unternehmungen in Mauthen,  Gmünd und Pölland wieder ein, so dass im frühen 20. Jahrhundert dieser Betriebszweig in Kärnten gänzlich erlosch.

Nicht ganz vergessen werden sollten die weniger alten, nicht mehr bestehenden Fabriken, wie Alpenländische Kleiderwarenfabrik AG in Glandorf, die OMA Kindernährmittelfabrik (Friesacher Straße) oder die Pyrotechnische Fabrik Liebenwein in der Schießstattallee etc. etc.                                                                                                             Walter Wohlfahrt  

 

Von alten Fabriken in und um St. Veit/Glan

Unter Fabriken der damaligen Zeiten darf man sich nicht Industriebetriebe vorstellen wie wir sie heute kennen. Immerhin, man war in der Lage Produkte für überregionale Nachfrage anzubieten. Beschäftigtenzahlen, bauliche und maschinelle Ausstattung erreichten natürlich in keinem Falle heutiges Ausmaß.

An erster Stelle ist hier natürlich die St. Veiter Papierfabrik (Papiermühle) unten an der alten Glan zu erwähnen. Allein ihres Alters und ihrer Bedeutung wegen. Die Kunst der Papiererzeugung kam von China über Bagdad nach Kairo (900), von hier durch die Araber nach Spanien (1150) Italien (1276) Frankreich (1350) Nürnberg (1390) schließlich über Nürnberger Kaufleute (Gleismüllner Kaltenhauser) nach St.Veit in Kärnten. Der Lageplan macht klar, wie die einzelnen Gebäude zwischen Glan und Glan-Kanal angeordnet waren. Seit dem 15. Jahrhundert wurde dort handgeschöpftes Papier erzeugt. Guter Absatz fand sich in den Kanzleien der Rats- und Gerichtsstuben, in den Pfarrämtern und Klöstern Kärntens und weit darüber hinaus. So stößt man in Archiven der vorgenannten Einrichtungen nicht selten auf loses oder  gebundenes Schreibpapier mit dem gemarterten Vitus, sprich slawisch Veit, als Wasserzeichen. Diese Signaturen sind oft mit Buchstaben kombiniert, welche die jeweiligen Inhaber der Fabrik erkennen lassen. Eine geschlossene Arbeit darüber steht aus, wäre aber eine sehr interessante und lohnende Aufgabe. Es stellt sich dabei die Frage, ob von Anfang an  Wasserzeichen Verwendung fanden oder ob erst ab den Zeiten des Merkantilismus von Kaiserin Maria Theresia damit zu rechnen ist.

Der Standort an der Glan war dadurch begünstigt, dass die Glan dort – noch  nicht verbaut und eingetieft – um Meter höher ankam und einen Wasserfall bildete. Für Wasserkraft war damit ausreichend  gesorgt. Letzte Inhaber, wenn auch nicht mehr unbedingt Fabrikanten waren seit Anfang des 19. Jahrhunderts der Reihe nach Peter Sommerhuber, ab 1836 Antonie Kronawitter, 1867 die St. Veiter Bürgergilt, ab 1869 gelangten Teile des Anwesens über die Companie Rauscher an die Hüttenberger Union, wobei man sich das heute noch zu bewundernde Herrenhaus Baufläche 293 heute Glangasse Nr. 71 zurückbehielt. Es folgten dann 1880 Maria Kobl, 1882 Aloisia Puntschart, eine geborene Lemisch. Weil immer wieder das Bessere der Feind des Guten ist, endete das Papier-Schöpfen mit dem Siegeszug der Massenproduktion. 1864 schon hat es in der Fabrik, Baufläche 292, einen Brandschaden gegeben und um 1890 machte Franz Puntschart,  letzter Inhaber der Glandorfer Bleiweißfabrik, aus den Resten der Papiermühle eine Essigfabrik. Irgendwann hat er dann wohl auch das prächtige Wohnhaus an sich gebracht, denn nur so ist das Ableben des Herrn Puntschart (1915) und jenes seiner Frau (1930) in diesem Hause zu erklären. Fritz Knaus erwarb 1903 die Essigfabrik und in der Folge einen exzellenten Ruf mit seinem weitum bekannten Wein-Essig, hat aber nie dort gewohnt.

Zur Bleiweißfabrik (heute Funder Direktion) wäre zu sagen, dass ihr Entstehen auf die reichen Gewerken und Eisenhändler Koller zurückzuführen ist. Anfänglich waren diese vielleicht nur Finanziers, weil auch ein gewisser Josef Petz kurz aufscheint. Bald aber sind die Koller und späteren Freiherren, durch Generationen Alleinbesitzer. Über Mathias Freiherr von Koller und Katharina Koller, verehelichte Gräfin Egger gedieh die Fabrik an deren Sohn Gustav Graf Egger. Im Jahre 1849 werden laut Industrieausweis von sieben Arbeitern aus 450 Zentner Blei und 300 Zentner Schwerspat genau 753 Zentner Bleiweiß erzeugt. Auch Essig spielte beim Bleiweißmachen eine gewisse Rolle, um strahlend weiße, gut deckende Farbe zu gewinnen. Die Verwendung von Schwerspat, lässt darauf schließen, dass das hier erzeugte Bleiweiß gestreckt werden musste und somit von minderer Qualität war. Tatsächlich hat sich die weitere Produktion von Bleiweiß auf Klagenfurt und Wolfsberg konzentriert, wo verbesserte Verfahren Anwendung finden  konnten. Bleivergiftungen waren bei Arbeitern bis dahin immer wieder Auslöser von Berufskrankheiten. Das Taufbuch der Stadtpfarre zeigt unter 23.8.1844 einen Geburtseintrag an der Adresse Bleiweißfabrik Haus Nr. 233. Der Kindsvater hieß Simon Polzer und war „gräflich Egger´scher Bleiweißverwalter“.

Von besonderer Relevanz wäre noch ein Eintrag im Trauungsbuch der Pfarre Obermühlbach, die auch heute noch für Treffelsdorf zuständig ist. Demnach haben am 8.5.1870 Franz Puntschart, ehelicher Sohn des gleichnamigen Fabriks- und Realitätenbesitzers in Klagenfurt „sich in Bleiweißfabrik aufhaltend“ und Aloisia Lemisch, Tochter des Josef Lemisch, von Bachelhof die Ehe geschlossen. Als Trauzeugen fungierten Herr von Knappitsch, Gutsbesitzer Silberegg und  Josef Meyer, Sohn des gleich genannten Josef Meyer, Pulverfabrikant in Hörzendorf. Im Friedhof von Treffelsdorf finden sich die Gräber von Aloisia Puntschart 21.6.1845 (Althofen!) – 7.3.1930 (St.Veit, Glangasse 35)  und  Franz Puntschart 28.5.1844 (Klagenfurt) – 17.3.1915 (St.Veit, Klagenfurter Vorstadt 24). Ungeachtet der sich zwischenzeitig geänderten Adresse,  handelt es sich um ein und dasselbe, noch heute bestehende Haus mit schmuckreicher Fassade, heute Glangasse 71.

Wo man von der Spitalgasse kommend rechts in die Zensweger Straße einbiegt, erblickt man linker Hand das stattliche, erst in jüngster Zeit innen und außen verschönerte Haus Zensweger Straße 1. Ursprünglich ein schlichter, rechteckiger Bau mit der Stirnseite gegen die Straße  gerichtet, entwickelte sich daraus vor etwa 140 Jahre durch mehrmalige Erweiterungen die einstige Zündhölzlfabrik. Das bescheidene, alte Wohnhaus diente nach einander den Besitzerinnen Anna Köch, Juliane Bichler (ab 1831) und deren Tochter Maria, Pfarrersköchin in St. Peter (ab 1857). Noch im gleichen Jahr verkaufte Maria an Michael KONRAD, 1851 Bürger geworden und seines Zeichens ein Kaffeesieder im späteren Carinthia-Haus (heute Kärntner Sparkasse) am Hauptplatz. KONRAD war schon 18 Jahre lang am Besitz  angeschrieben als er sich gegen Ende hin entschloss, dort die Zündhölzchenfabrikation aufzunehmen. Leider, als „Fabrikant“ war er nicht sehr erfolgreich. Es hat den Anschein als hätten ihn die baulichen Maßnahmen und  Produktionseinrichtungen mehr Geld gekostet als ihm zur Verfügung stand. Als er 1875 in „Johann Gotscheber, Handelsmann in Graz“ einen Käufer fand, gingen vom Kaufpreis per 5.000 Gulden allein 4.200 Gulden auf Schulden auf. Selbst sein Kaufpreis von 1857 war noch nicht einmal zur Gänze geordnet. Auch musste er im Kaufvertrag die Verpflichtung übernehmen „die ihm verliehene Befugnis der Zündwarenfabrikation auf Verlangen des Käufers nach dem 1. August 1875 entweder zurückzulegen oder abzutreten“. Es wird sich noch zeigen, dass dies  noch keineswegs das Ende der Erzeugung von Zündhölzchen in der Stadt bedeutete. Gotscheber war jedenfalls bis mindestens 1878, wenn nicht noch länger in diesem Hause am Werken. Im Buch „Kärntens Gewerbliche Wirtschaft von der Vorzeit bis zur Gegenwart“, um 1950 von der Wirtschaftskammer für Kärnten im Verlag Joh. Leon sen. Klagenfurt herausgegeben, ist nämlich auf Seite 377 zu lesen, dass es in St. Veit 1874 eine Zündwarenfabrik gab, welche ebenfalls maschinell Holzdraht erzeugte, ihn aber gleich zu Zündhölzern verarbeitete, deren sie 1878 sage und schreibe 29.708 Kistchen aus 210 Millionen Holzdrähten mit 26 Arbeitskräften erzeugte und dabei entsprechende Mengen Schwefel, Phosphor, Minium, Kunstgummi, salpetrige Säure  und Schwefelsäure sowie andere Chemikalien verwendete. Schwefel- und Phosphordämpfe waren der Gesundheit der Arbeiter aber wenig zuträglich, sodass ein großer Kamin für halbwegs guten Abzug zu sorgen hatte. Dieser Kamin war lange Zeit eine Art Hauszeichen. Die Fabrikation erstreckte sich auf Schwefel- und Phosphorhölzchen sowie in geringem Maße auf schwedische Salonhölzchen, doch ging diese Fabrik wie auch kleinere Unternehmungen in Mauthen,  Gmünd und Pölland wieder ein, so dass im frühen 20. Jahrhundert dieser Betriebszweig in Kärnten gänzlich erlosch.

Nicht ganz vergessen werden sollten die weniger alten, nicht mehr bestehenden Fabriken, wie Alpenländische Kleiderwarenfabrik AG in Glandorf, die OMA Kindernährmittelfabrik (Friesacher Straße) oder die Pyrotechnische Fabrik Liebenwein in der Schießstattallee etc. etc.                                                                                                             Walter Wohlfahrt  

 

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Ziegelstadel von 1827 und Gratzer Reiden

Juli 31, 2011 um 16:10 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Ein Konflikt zwischen Militärpersonen und rechtschaffenen Stadtbewohnern war es, der im April des Jahres 1827 zwei Einvernahmen vor den St.Veiter Stadtrichter nötig machte. Zwar hatte der Richter keinerlei Gewalt, gegen Militärs Strafen auszusprechen, oder solche gar zu vollstrecken, doch der Schutz von Bürgern lag ihm deutlich am Herzen.

 Josef Dorfmann aus der Villacher Vorstadt, Hausherr und biederer Lohnkutscher im Nebenberuf, brachte zur Anzeige, was ihm von zwei kaiserlichen Fähnrichen jüngst widerfahren ist. Des Dorfmann Gehilfe, Bartlmä Brandner, 25 Jahre alt, ledig., wohnhaft beim Vater Primus Brandner im Lazarett-Gebäude wurde als Zeuge geladen. Seine unter Eid gemachte Aussage lautete:

Mein Dienstherr wurde öfter mit seinen Pferden vom hiesigen Posthalter Mayer herangezogen, wenn sich unvorhergesehen Sonderfahrten ergaben. Auch diesmal übernahm er es, zwei Fähnriche samt Bagage vom Gasthof Stern in St.Veit zum Gasthof Ochsen in Klagenfurt zu bringen. Dazu benötigte man zwei Gespanne. Während Dorfmann vorne weg das Gebäck übernahm, kutschierte ich die Galesche mit den beiden Fahrgästen ihm hinterher. Bald forderten die Offiziere, ich solle doch dem Straßenstaub des Dorfmann ausweichen und diesem vorfahren. Das war bei der Koller’schen Bleiweißfabrik. Beim Ziegelstadel vorbei war es dann so weit und in die Gratzer Reiden wollte ich das trabende Pferd auf Schrittempo zurücknehmen, weil dort die Straße gegen St.Donat hin ansteigt. Dies gefiel jedoch dem links von mir sitzenden Offizier gar nicht und er forderte die rasche Gangart beizubehalten. Weil ich wußte, daß mein Herr keinesfalls wünschte, das Ross zu überanstrengen, wollte ich solches Ansinnen vorerst überhören. Da griff der Offizier selbst ein, nahm mir die Peitsche aus der Hand und trieb damit kräftig an. Dorfmann folgte bald, hielt an und verlangte die Peitsche zurück, was man ihm aber verweigerte. Es entspann sich ein hitziger Wortwechsel in dessen Verlauf die Uniformierten reklamierten, für den Transport doch gezahlt zu haben und daß in Klagenfurt der Anschluß zu erreichen sei. Dorfmann wiederum konnte darauf hinweisen, die Pferde seien sein Eigen und von ihm bezahlt. Er könne nicht dulden, daß diese zuschanden gefahren werden. Im übrigen hätten sie eben schon in St.Veit an eine frühere Abfahrt denken sollen. Dem Dorfmann gelang es nicht, die Peitsche an sich zu nehmen. Im Gegenteil, der erste  Offizier zog den Säbel blank und schlug dem Dorfmann, unbekannt wo, eine Wunde. Auch der zweite Offizier trat hinzu und versetzte dem Dorfmann einige Hiebe, den Säbel allerdings in der Scheide belassend. Dorfmann mußte nachgeben und die Fahrt fortsetzen, behielt sich jedoch vor, den Vorfall an geeigneter Stelle anzuzeigen.

Wie die Sache letztendlich ausgegangen ist, verrät ein späteres, gleichfalls erhalten gebliebenen Schreiben eines auswärtigen Militärkommandos. Dort heißt es, die Sache sei halb so schlimm und die angeheuerten Fuhrleute ziemlich renitent gewesen. Des Dorfmanns Wunde, so überhaupt vorhanden, könne nur passiert sein, weil er vielleicht mit eigener Hand in die Klinge griff. Den Brandner unter Eid aussagen zu lassen, sei sowieso eine voreilige und unnötige Sache des St.Veiter Magistrates. Im übrigen habe man den einen Fähnrich – sie hießen Medtrovic und Zavtaonikowitsch – zu vier Wochen, den anderen zu zwei Wochen Militär-Haft verurteilt. (Landesarchiv, Stadt St.Veit, Faszikel 48)

 Was läßt sich dadurch in historischer Geographie an neuer Erkenntnis gewinnen? Die Lage der ehemaligen Bleiweißfabrik beim heutigen Bürohaus der Firma Funder ist bekannt. Ein Ziegelstadel um 1827 sowie die „Gratzer Reiden“ sollen aber noch gefunden werden! Wohlgemerkt, Eisenbahn, Glanregulierung  und moderner Straßenverlauf, all das ist noch wegzudenken! Beim Nachfragen vor Ort fand sich zum Glück eine interessierte und gut  informierte Dame. Frau Ilse Eichwalder, in Untermühlbach führte nicht nur zu einem alten Vulgarnamen  (siehe Bild!). Sie machte auch auf die im dazugehörigen Rinderstall außen eingemauerten Römersteine, sowie auf ein Stück Römerstraße in nächster Nähe aufmerksam.  In Bezug auf den Ziegelstadel konnte sie sogar mit einem Mappenblatt der Katastralgemeinde St. Donat aufwarten. Darauf erkennt man eine über Ried „Pula“ führende Feldbahn, die nur zur Ziegelei gehört haben kann. Die Chronik der Gemeinde St. Georgen (Seite 341) erwähnt unter Jahreszahl 1830 eine „Ziegelei im Pulawald“, mit 8 bis 10 Arbeitern und einer Jahresproduktion von 380.000 Stück Mauer- und Dachziegel. Die Ziegelei muß aber einmal nahe der Straße gelegen sein, sonst hätte sie wohl kaum Erwähnung gefunden. Die genannte Feldbahn kommt im Kataster von 1828 noch nicht vor, wohl aber eine kolorierte Fläche östlich der alten Glan, die man als Ziegelteich deuten könnte. Das wäre dann das erste Rohstofflager gewesen. Erst nach dessen Erschöpfung hätte man die Feldbahn für ein entfernter, weiter im Osten gelegenes Lehmvorkommen, gebraucht. Der verstorbene Amtsrat Ing. Erich Egger erinnerte sich einmal, als junger Glandorfer auf dem Gelände der ehemaligen Ziegelei (heute Finkenweg) oft Fußball gespielt zu haben. Möglicherweise hat diese dem Bahnbau in Glandorf teilweise Platz machen müssen und ist dadurch von der Hauptstraße weiter ab zu liegen gekommen. In der Gegend kannte man auch noch gewölbte, inzwischen eingeebnete Baureste, vermutlich vom letzten Brennofen herrührend.                                               

Walter Wohlfahrt in „Zentrum Kärnten“    XI/2007

Zur Schwarzen Muttergottes…..

Juli 28, 2011 um 16:31 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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…oder von dort weiter auf einen der beiden Muraunberge führen interessante, in letzter Zeit zum Teil aufwendig gesicherte Spazierwege. Von der Kapelle weiter gibt es mindestens drei Varianten. Links gelangt man am Zaun des Pulvermagazins des Bundesheeres vorbei über die Höhe zum Murauner, geradeaus nach Zwischenbergen – wie treffend ist dieser Ortsname – und rechts hoch geht es auf die Weberitsch Höhe mit schönen Ausblicken auf die Stadt.

 Nun hört man, auch St.Veit soll einen Link zum Hemma-Weg bekommen und der könnte, nicht unpassend von Süden her – einer alten Verbindung folgend – an der Gnadenstelle und an dem „Brünnlein“ vorüber führen. Was weiß man eigentlich von diesem kleinen Bau der Andacht, außer daß jährlich mindestens einmal eine Prozession der Stadtpfarre dort hin unterwegs ist? Manchmal spielt der Zufall mit und im Konkreten ist es gar ein Straffall, der uns zumindest teilweise zu einer Antwort verhilft.

 Im Jahre 1892 saß nämlich ein gewisser Albert Kohlweg als Angeklagter vor dem Richter. Ihm wurde vorgeworfen, die Kapelle zur Schwarzen Muttergottes aufgebrochen und beraubt zu haben. Die Sache wäre an sich relativ einfach gewesen, doch bei Gericht und vor dem Gesetz ist es meist etwas kompliziert. Dem Richter war nämlich nicht klar, welcher Paragraph gegen den armen Sünder anzuwenden wäre, weil es einen Unterschied macht, ob die entwendeten Sachen kirchliches oder privates Eigentum darstellten. In ersterem Falle hätte die Strafe schwerer ausfallen müssen. Um richtig entscheiden zu können, gab es also von Seite des Gerichtes eine offizielle Anfrage beim Stadtpfarramt. Antwort und Strafakt sind längst den Weg allen Irdischen gegangen, wie ja immer noch für Bedürfnisse eines jeden Geschichtsfreundes viel zu viel Wertvolles einfach weggeworfen wird. Doch der Herr Stadtpfarrer, es war dies kein geringerer als Dechant Gabriel Lex, Ehrendomherr, bischöflich geistlicher Rat, hat auf der Rückseite der Anfrage penibel mit Bleistift vermerkt, was er zu antworten gedachte und so vernehmen wir:

 Besagte Kapelle liegt im Bereich der Pfarre Hörzendorf, wurde 1864 erbaut und am 17.7. des nämlichen Jahres von Franz Franziski, nebenbei Kärntens berühmten Volkskundler und damals Inhaber des Gleismüllerschen Benefiziums, ex oblationibus fidelium (als fromme Stiftung?) eingeweiht. Dieses Datum scheint auch am Sockel der Statue auf. Erbauer waren die Eheleute Vinzenz und Barbara Trixner, geborene Florian.

 So weit die Notiz des geistlichen Herrn. Dazu vielleicht einige Anmerkungen. Die alte Stadtgrenze verläuft zwar in Richtung Kollerhof, St.Andrä und schließt den Muraunberg ein, pfarrlich aber war Hörzendorf für dieses Gebiet zuständig. Franziski hat nicht nur so manches über die Stadt, sondern sogar über die Passionsspiele der Gegend aufgezeichnet. Das Benefiziatenhaus und somit seine damalige Wohnung lag in der Bräuhausgasse (heute Fam. Bodner). Die Erbauerfamilie Trixner stammte aus St.Veit und bewohnte das Haus Klagenfurter Vorstadt 23 genannt Mollei-Keusche. Heute stehen dort die Häuser Klagenfurter Straße 69 und 71 auf alter Baufläche 327. Man wird auch nicht weit fehlen, wenn man annimmt, daß dort am Muraunberg zuvor schon, am Gehweg nach Süden, ein einfaches Bild und ein Brünnlein vorhanden waren. Ein südlich davon gelegener Staudamm ist zwar nicht mehr sichtbar, muß jedoch gebraucht worden sein, denn tiefer unten am Bach lag die sogenannte Schwerspat-Mühle, zur Bleiweißfabrik gehörend. Für diese hätte die normale Wasserschüttung gewiß nicht ausgereicht. Vielleicht hat sich dadurch im Oberlauf des kleinen Gerinnes, im linken Berghang ein Wassergang ergeben, der dann bei der Kapelle nur knapp höher als das Bächlein selbst austreten konnte. Das Brünnlein wurde laut Auskunft des Städtischen Wasserwerkes zuletzt zweimal bakteriologisch untersucht und es gab keine Beanstandung. Woher die Zuleitung kommt und ob es dazu eine eigene Quellfassung gibt, ist nicht bekannt aber eher unwahrscheinlich.

Daß irgend eine fromme Seele ein Schwarze-Muttergottes-Bild von einer Wallfahrt mit- und an einem Baum dort oben angebracht hat, würde durchaus altgewohnter Manier entsprechen. Die berühmtesten Schwarzen Madonnen gibt es bekanntlich in Altötting/Baiern, in Tschenstochau/Polen, ja sogar mehrmals in Spanien. Die dunkle Färbung der Bilder und Statuen führt man darauf zurück, daß Wachslichter während der langen Verehrungszeiten zu Verrußung und Schwärzung beigetragen haben, was hier natürlich nicht zutreffen kann, weil die kleine Statue von Haus aus in der Art geschaffen wurde.

 Noch ein Wort zur Quelle und zur Ansage des ORF Studio Klagenfurt zu „Orte der Kraft“. Ein Ort der Kraft kann ein jeglicher Platz sein, wo vertrauensvolle Gebete und Andachten gehalten werden, was dort auch jüngere Gedächtnisse der Familien Strutzmann und Herzele am Wege  beweisen.    X/2006

Klagenfurter Vorstadt

Februar 20, 2011 um 13:55 | Veröffentlicht in St.Veit | Kommentare deaktiviert für Klagenfurter Vorstadt
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Aus Katasterplan von 1828Ausschnitt Kataster 1828 - Klagenfurter Vorstadt incl. Änderungen bis ca. 1875

Nun schließt sich der Kreis unserer Spaziergänge durch die alten Vorstädte und die letzte Runde beginnt zwischen den Häusern Herzog Bernhard Platz 10 und 11, wo sich bis 1851 stolz das Klagenfurter Tor erhob. Man nannte die Gegend auch „das St. Johanner Ort“ in Anspielung auf die ehemalige Kirche St. Johann im Erlach, oder auch einfach die „Untere Vorstadt“. Schon 1828, bei Vergabe der Parzellennummern, zeigte sich entlang der heutigen Klagenfurter Straße eine fast geschlossene Verbauung, zumindest bis hinunter, wo laut Karte die damals neu geschaffene Verbindungsstraße zum Güterbahnhof abzweigt.

Wir folgen der Klagenfurterstraße rechtsseitig, müssen aber zuvor noch berücksichtigen, daß es auch abseits davon Häuser gab, die unter Klagenfurter Vorstadt liefen. So etwa hinten am ehemaligen „Gütersteig“ – heute Prinzhoferstraße – der Meiereihof des Egydius Kaiser. Heute ist dort der Parkplatz des Spar-Kaufhauses. Der von Dr. Weberitsch (Seite 84f) hochgerühmte Wagnermeister und Fahrrad-Erfinder Erhart Kremser hatte im Hause 36 gegen den Gütersteig hin seine Wirkungsstätte. Alle übrigen Häuser stimmen mit der heutigen Situation voll überein. Es sind dies die geraden Hausnummern von 20 bis 38. Der Vorgängerbau des Prinzhofer-Hauses gehörte einem gewissen Gustav Ruprecht, ein alter St.Veiter Name.  Die Häuser Dörer, Marschnig und Schorn waren in einer Hand und zwar in der von Thomas Leschanz. Das Haus knapp unterhalb des Bahnkörpers (Wabnegger) ist ebenfalls alt. Eine weitere Keusche, der Bürgergilt gehörig, ist nicht mehr auffindig. Mit dem Besitz des bekannten St.Veiter Industriellen, Franz Puntschart, erreichen wir nicht nur die alte Stadtgrenze, sondern auch unseren Wendepunkt. Puntschart besaß beiderseits der Straße vier Hausnummern, nämlich Mühle, Bleiweißfabrik, Wohnhaus und Schwerspatmühle am Bächlein, welches vom Muraunberg herunter kommt. Er war ein herzensguter Mensch, borgte jedem, der ihn darum bat und endete als armer Mann. Etwas abseits wiederum, wohl irgendwo an der Glan, gab es die Brettersäge der Antonia Kronawitter, die Schleifmühle des Anton Bischof und vor allem die alte, schon stillgelegte Papiermühle mit bereits teilweise abgetragenen Anlagen. Das in seiner Gründung auf die Familie Gleismüller zurückzuführende Werk an der Glan befand sich damals vorübergehend im Besitz der Hüttenberger Eisenwerks AG (1869 bis 1881).

Sehr interessant wird es laut Plan von 1871 auf Höhe der späteren Lastenstraße. Zuvor nichts als freie Felder und das isoliert stehende Haus des Simon Polzer, später Mardaunig. Nichts zu sehen noch vom Steinmetz Della Schiava (heute Bulfon)! Ungefähr an Stelle des ausgebombten Arbeiterheimes (heute ein Wohnblock) lag der uralte „Turtltaub Meierhof“. Als tragischerweise das Besitzerehepaar in jungen Jahren verstarb und mehrere unmündige Kinder zurückließ, die man auf entfernte Verwandte aufteilte, war der Hof mit ausgedehnten Feldern und Wiesen nicht länger zu halten. Die Bürgerschaft ersteigerte den Besitz und machte daraus den „Gülten Meierhof“. Die Fortsetzung der Häuser mit ungeraden Nummern, diesmal verkehrt herum von 33 bis 21 und der Stadt zu, zeigt gegenüber heute ebenfalls nicht viel Veränderungen, nur der Gasthof  Voraberger, Vorstadt Nr. 38,  besteht leider nicht mehr. Die Bedeutung der Klagenfurter Vorstadt war einmal groß. Bierbrauer, Gasthäuser und Handwerker schätzten die günstige Lage, schon lange bevor es die Eisenbahn mit Schnellzugsbahnhof in Glandorf gab und danach erst recht. Die Straße nach Klagenfurt einerseits und die diversen Betriebsamkeiten an der Glan anderseits, sorgten schon früh für wirtschaftliche Belebung. Die Bahnanbindung und der nahe Güterbahnhof brachten dann auch noch so manchen Glantaler von Süden her in die Stadt. Die Motorisierung war für so lange ein Segen, bis man die Umfahrungsstraße baute. Den heutigen Verkehr auf der alten Straße zu haben, wäre inzwischen allerdings weder vorstellbar noch wirklich wünschenswert.  VII/2005

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