Altes Kegel-Spiel in Kärnten und seine Ausdrücke

Dezember 24, 2012 um 18:49 | Veröffentlicht in St.Veit | 1 Kommentar
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Beim Kegelspiel verhält es sich ähnlich wie bei Fußball oder Eishockey. Das bloße Zuschauen ist schon unterhaltsam genug. Die Feinheiten offenbaren sich aber doch nur dem, der die Spielregeln kennt. Diese Regeln und einige, mitunter sehr alte, nur den wahren Könnern und Kennern vertraute Ausdrücke, die teils mittlerweile sogar in die Alltagssprache übergegangen sind, sollten vor dem Vergessen bewahrt werden.

Kegeln ist ein uralter und weit verbreitet gewesener Volksbrauch. Mit dem Sterben der Landgasthäuser ist leider auch auf diesem Gebiet ein Niedergang zu verzeichnen. Die inzwischen fast schon wieder aus der Mode gekommenen „Vollautomtischen“ haben eigene Regeln und gehören nicht hier her. Wir reden von den alten Bahnen und von den alten Scheibern, mit niedrigsten bis zu höchsten Weihegraden. Der einfachste darunter war der

Sonntags-Scheiber. Sein Charakteristikum bestand darin, daß er die karge Freizeit in netter und geselliger Runde zuzubringen trachtete. Der Sonntags-Scheiber war mäßig talentiert, spielte mit kleinstem Einsatz und aus purem Vergnügen. Die Konkurrenten waren in etwa seinesgleichen und fast nur aus dem örtlichen Bekanntenkreis. Das Bestreben des Wirtes war dahin gerichtet, die zechende Gesellschaft zu halten. Die Ansprüche auf die Qualität der jeweiligen Kegelbude waren gering. Oft genügte eine einfache Erd- Sand- oder Rasenbahn. Im Mittelpunkt des Geschehens stand eindeutig die Unterhaltung. Die nächste Steigerung stellte der Kirchtags-Scheiber dar. Dieser mußte schon damit rechnen, daß zum Kirchtag auch Gäste und Scheiber aus den Nachbarorten erschienen. Wer von diesen zur Kugel griff, verstand schon etwas mehr „vom Geschäft“. Er hatte sich bereits mit anderen gemessen und scheute kaum ein größeres Risiko, auch war er es gewohnt, das „Seitenspiel“ zu pflegen, das heiißt gegen mehrere Partner gleichzeitig zu „setzen“. Für solche Könner war eine lehmgestampfte Bahn normal, auf der man seine besonderen Fähigkeiten ausspielen konnte. Spielten die Sonntags-Scheiber um Groschen und Kreuzer, galten bei diesen nur noch Schilling und Doppler. Das Vergnügen trat zurück. Spannung, Gefahr und Chancen wurden angestrebt. Oft prahlte man mit gefüllter Brieftasche und betrieb damit „Psychologische Kriegsführung“. Einem armen Habenichts flatterten dann alsbald die Nerven, auch wenn er ansonsten im kleinen Kreise eine sichere Hand sein Eigen wußte. Die Krönung ist jedoch der                      Markt-Scheiber. Er gehörte zum unbedingten Adel unter den Keglern. Man konnte sich darauf verlassen, daß nur die Allerbesten aus den verschiedenen Talschaften am Wiesenmarkt in die „Fußung“ traten, denn da gab es weder Vergnügen noch Erbarmen. Geldscheine bedeckten den Boden. Es gab regelrechte Spezialisten für Sand- oder Lehmbahn. Diese wenigen Erlauchten kannten einander gut, suchten sich oder gingen sich bewußt aus dem Weg, je nachdem, ob sie oder ihr Gegenüber sich in guter Form fühlten oder nicht. Beim teuren und gewagten Spiel, egal ob mit Karten oder Kugel, waren gute Nerven, Einfühlungsvermögen, heller Geist und sicherer Blick das um und auf.

Nach dieser Einleitung jetzt zu den wichtigsten Spiel-Regeln. Grundsätzlich kennt man zwei Spielarten, die eine ist auf gut kärntnerisch das Schantzln (Das Wort kommt wohl aus dem Französischen, die Chance, was ein Hinweis dafür sein kann, daß auch einmal noblere Leute diesem Spiele frönten) auch Putz-Weck genannt. Die andere nennt man die Kafrische. Während beim Schantzln jeder Spieler zu Beginn setzt, also den Einsatz hinlegt, nur einen Schub hat und am Ende des Durchganges der beste die Schantz abzieht, gibt es bei der Kafrischen die Möglichkeit so lange nachzusetzen (nachzukaufen) bis man meint, mit seinem guten Schub „stehen bleiben“ zu können und keinen weiteren Nachkauf zuzulassen. Das kann gut gehen oder auch nicht. Wird der Scheiber, der stehen blieb nicht übertroffen, dann zieht er alles angesammelte Geld ab, sonst eben ein anderer.

Der Ausdruck Kafrisch kann aber auch bedeuten, daß bei der einen oder der anderen Spielart mindestens zwei Teilnehmer die gleich hohe Wertung erreicht haben und die schlechteren Kegler nachkaufen müssen. Das kann sich sogar mehrmals wiederholen und zu ganz erklecklichen Schantzen führen, bis es einem allein gelingt, diese fette Kafrische zu knacken.

Ein Spiel beginnen oder neu beginnen heißt anstechen. Auch wenn man sich eine zeitlang auf eines der obigen Spiele geeinigt gehabt hatte, steht dem jeweiligen Anstecher das Recht zu, die Spielart zu wechseln oder den Einsatz zu verändern. Die Mitbewerber haben dann nur zwei Möglichkeiten, entweder akzeptieren oder aufhören. Sollten alle anderen oder die Mehrheit aufhören, dann wird man weitersehen oder ganz aufhören müssen. Vorgesagtes gilt auch bei der grundsätzlichen Entscheidung, spielt man Wöller nachner oder Wöller mehr? Das heißt zu deutsch, wer kommt näher dem Eck oder wer trifft einfach mehr Kegel, egal welche. Während das Wer-näher-Spiel fast nur mit Einzelspielern läuft, ist beim

Wer-mehr-Spiel auch das Partie-Scheiben, also der Kampf einer Gruppe gegen eine andere möglich. Dabei geht es dann seltener um Geld, eher um ein Getränk und/oder Gulasch.

Das Partie-Scheiben setzt jedoch eine etwas gehobenere Ausstattung voraus, wie sie eigentlich nur städtische Bahnen aufwiesen, wie etwa die schönste, längste, gepflegteste und berühmteste Kegelbahn, die vom Grabenwirt in St.Veit. Sie stand dort, wo heute die Autos im Stadtgraben geparkt werden und  jenseits der Straße – heute Gendarmerie-Posten – sich das Grabenwirt Gasthaus befand. Die Kellnerin mußte zig mal am Tage mit den Bierkrügen die Straße übersetzen. Beim heutigen Verkehr bräuchte sie dazu den Mut eines Kamikaze-Fliegers, oder doch nicht, denn es gibt ja einen Zebrastreifen dort. Ja beim Grabenwirt verkehrten und kegelten mit Vorliebe die Eisenbahner. Ob aktiv oder im frühen Ruhestand, das Bedürfnis nach Bier und Zerstreuung war groß. Der reiche Vorarberger als Wirt, so sagt man, war keineswegs zu stolz, selbst dem geringsten seiner Gäste, das Rindsgulasch – Preis

e i n   Schilling – höchst persönlich zu servieren.

Die landläufige Ausstattung einer Kegelbahn war denkbar einfach: eine Sitzbank für die Spieler, der berühmte Laden, also das Holzbrett in der Bahnmitte, links und rechts der Bahn die sogenannte Planken als hölzerne Seitenbegrenzung. Diese durften von der Kugel nicht berührt werden. Ein mehr oder weniger durchlässiger, mehr oder weniger gepolsterter Kugelfang und ein mehr oder weniger gesicherter Platz für den Aufsetzer. Wenn es hoch kam, dann gab es da noch eine schiefe Ebene in Form einer Rinne, die den Kugelrücklauf automatisierte. Das Wichtigste aber waren doch Kegel und Kugeln. Es gab gewöhnliche Holzkugeln, große, mittlere und kleine, denn die Scheiber hatten höchst verschieden große Pratzen. Kennzeichen eines gewissen Luxus war allemal das Vorhandensein einer sogenannten Sanktus-Kugel. Diese war sehr wertvoll und nur über ausdrückliches Verlangen und schon gar nicht von jedermann zu haben. Lignum sanctum (Heiliges Holz) gewinnt man vom Pock-Holz-Baum, auch Franzosen-Holz-Baum genannt. Dieses soll schon 1508 von den Spaniern aus Santo Domingo nach Europa gebracht worden sein. Jedenfalls handelt es sich dabei um ein splintarmes, hartes und sehr schweres Holz, daß u.a. einst sogar für Achsenlager und Radbüchsen Verwendung fand. Zwei Werkzeuge gehören noch genannt, die hölzerne Kruken für das Ebnen der Sandbahn und die große Klatschn, welche man zur Glättung einer Lehmbahn benötigte. Sandbahnen waren flach, Lehmbahnen hingegen gespannt, das heißt, gegen die Bahnmitte zu leicht gewölbt.

Das Kegelkreuz oder das Kramanz besteht bekanntlich aus neun Kegel gleichmäßig in ein Quadrat gestellt, wobei die Ecke des Quadrates zum Kegler gekehrt ist. So erscheinen aus der Sicht des Keglers in der Mitte des Kegelkreuzes  d r e i   links und rechts davon je  z w e i   und ganz außen je   e i n   Kegel, gibt zusammen neun. Beim „wer näher“ hat jeder Kegel seine besondere Wertigkeit. Der höchste ist der Eck, dernächste der König und schließlich der Bismark, alle hinter einander in der Mittelreihe. Der Wert des Eck ist zu steigern durch jeden dazufallenden Kegel, man sagt dann „Eck zwei“, „Eck drei“ usw. Die Wertigkeit nach unten fortsetzend folgt jetzt die hintere Dam(e) von innen, dann die vordere Dam(e) aus den beiden Zweier-Reihen links und rechts der Mitte. Gelingt jemandem der Durchschub zwischen Mittelreihe und einer Damenreihe, so ist der Schub zwar weniger wert als jeder Mittelkegel aber mehr wert als jede Dame. Das nennt man dann ein Loch. Die zwei äußersten Einzel-Kegel nennt man die Bauern. Diese sind bei „wer näher“ uninteressant und werden gar nicht aufgestellt. Worauf die Kegel zu stehen kommen, ist in der Regel ein in den Boden eingelegter Holzrahmen. Es gab früher aber auch schöne, behaute Steinplatten und billigere Betonplatten. Wer weder Loch noch Kegel traf, der hat Plattn-g´fallt. Dieser Ausdruck, abseits der Kegelstatt gebraucht wollte sagen, man ist mit seiner Meinung total daneben, also „Thema verfehlt“.

Alle bisher beschriebenen Spiele kann man wiederum auf zwei Arten betreiben, je nachdem wo die Kugel zu allererst den Boden berühren muß/darf. Man spricht vom Laden-Scheiben, wenn die Kugel unbedingt auf dem in der Bahnmitte eingelegten Laden (Brett) ihren Lauf zu beginnen hat. Gelingt dies nicht und fällt die Kugel außerhalb des Brettes, zählt der Schub nicht und der Einsatz ist verloren, ganz egal was sie trifft. Man spricht dann verächtlich von einem Wach-Schub oder vom Wach-Scheiber (wach = weich). Dieser Ausdruck ist längst in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen und bezeichnet einen schwachen, unzuverlässigen Charakter. Beim Ladenscheiben kommt es darauf an, mit einem scharfen, geraden Schub nicht von der Mitte abzuweichen und so die besten Ergebnisse zu erzielen.

Die gegensätzliche Spielart ist das Wach-Scheiben von Haus aus. Hier steht der Kegler rechts der Mitte, ein Linkshänder natürlich links der Mitte und legt die Kugel regulär ins Weiche. Der Spieler trachtet hier, der Kugel so einen Drall zu geben, daß sie von der Seite kommend letztendlich möglichst die Mittelkegel erreicht. Der Eck-Kegel ist in jedem Fall der wichtigste, weil von dort aus die beste Schlagkraft wirksam wird. Es kommt dabei entweder zum Durchstich d.h. es fallen alle Mittelkegel oder zu einem Zweier- , Dreier- (=Kreuzschläger) oder Mehrfachschläger. Der Weich-Schub kann auf zweierlei Weise ausgeführt werden. Erstens, hoch-breit-und gestürzt, will sagen, die Kugel wird weit geworfen, ziemlich breit gelegt und mit großem Drall versehen, um auf die Mitte zuzulaufen. Zweitens, als sogenannter Schleifer. Beim Schleifer, auch Halter genannt, wird die Kugel gefühlvoll und ohne Wurf zu Boden gebracht, gerade mit so viel Kraft und Drall, daß sie auf solche Weise möglichst den Eckkegel trifft. Die Entscheidung ob so oder so, trifft jeder Scheiber für sich. Es kann auch nach Herzenslust variiert werden. Das Wie ist ganz egal, Hauptsache es wird was getroffen.

Will jemand neu in ein laufendes Spiel eintreten, muß er nicht lange fragen. Sonst bekommt er zu hören, „Lei eina, mehr Küah, mehr Milch“ oder, „mehr Ochsen, mehr Mist“ . Am besten, er sagt einfach „Neuscheiber“ , wartet das Ende der laufenden Schanz ab, setzt seinen Obolus und stellt sich hinten an. Das oberste Gebot lautet dann und immer wieder „Vorscheiber merken!“

Zum Schluß ein kurzer Nachtrag: Wie für Schützen die Bestschießen, so gab und so gibt es heute noch Best-Kegelscheiben für Kegler, wie  ein handgeschriebenes  aber undatierte Einladungsschreiben des Wirtes Kernmayer aus Rabensdorf von etwa 1900 beweist. Auch Vereine oder die Feuerwehr können als Veranstalter auftreten. Mitunter geschieht dies auf betonierten Bahnen, die zur Winterszeit dem Eisstockschießen dienen. In diesen seltenen Fällen sind allerdings Gummikugeln in Gebrauch.

Walter Wohlfahrt    in Kärntner Landsmannschaft, Oktober  2004

Zur Geschichte des Steyrerhofes

August 10, 2012 um 10:10 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Klagenfurter Straße Nr. 38 ist eine ziemlich alte Adresse. Sie strahlt jetzt im neuen Licht, dank eines Mannes, dessen Passion es eigentlich ist, Menschen und nicht unbedingt alte Häuser schöner zu machen. Wer schon in diesen Tagen seinen Fuß über die gastliche Schwelle gesetzt hat, wird das gelungene Werk loben, die Gaben aus Meister Holzers Küche obendrein.

Parkplatz, Zufahrt von Prinzhofer Straße

Man muss schon sehr tief graben, um den Anfängen und Besonderheiten dieses Ortes auf die Spur zu kommen. Eine Möglichkeit unter vielen, ist der Blick ins Bürgerbuch der Stadt von 1564-1884, welches im Landesarchiv  Klagenfurt aufliegt. Dort begegnet 1702 erstmals ein Bader mit sonderbarem Namen: Balthasar Paufler. Ob er schon an besagter Stelle „ordinierte“ und daneben dem Wirtsgewerbe frönte, wissen wir nicht genau. Einer seiner Nachkommen muss es aber jedenfalls mit dem Gerstensaft probiert haben, denn bei der Bürgeraufnahme eines gewissen Georg Schmidt, lesen wir 1758, er sei ein ehemaliger Bräuknecht und hätte das Pauflerische Steinbier Wirtshaus in der Klagenfurter Vorstadt erkauft. Dass ein radiziertes Recht, Steinbier zu brauen, seit Maria Theresias Zeiten auf dem Hause ruht, wissen wir aus dem alten und neuen Grundbuch. Das Vorkommen eines Hausnamens in Verbindung mit Familiennamen könnte wohl auf zwei drei Generationen Paufler als Besitzer  hinweisen. Als dann 1763 dem Johann Schlaniz Bürgerrecht verliehen und ausgesagt wird, dass er aus Bleiburg stammt, Schmidischer Wirt sei (von Vorbesitzer Schmidt abgeleitet) und bei der sogenannten „Pauflischen Stein Bier Bräu und Haus eingeheiratet hat, ist es an diesem Ort bereits der vierte Wirt mit Bürgerrecht und es sollten noch drei weitere echte „Bürger“ folgen, was dem Wirtshaus durchaus eine besondere Note und eine gewisses Bedeutung verleiht. Natürlich sind die Jahre der Verleihungsakte nicht ident mit den genauen Jahren des Liegenschaftserwerbs. Zum Zeitpunkt der Bürgerrechts-Verleihung saßen die Geehrten besitzmäßig schon fest im Sattel. So auch 1808 der aus Goggerwenig gebürtige, 41jährige Steinbierbräuer Anton Haß, auch Hass geschrieben (jetzt nochmals: „am Paufler-Haus“!) und schließlich 1841 ein Josef Wutte, Brauer und Hausbesitzer aus Meiselding. Mit Franz Regenfelder, Eigentümer durch Kauf seit 1862, wird der letzte Wirt Bürger (1883), weil kurz danach ausdrückliche Bürgeraufnahmen im alten Sinne nicht mehr zulässig sind. Von nun an gibt es einige, sehr kurzfristige Besitzwechsel, ehe mit der Familie Schober von 1873 bis 1915 wieder etwas Stetigkeit einzieht. Ob die Schober noch  Bier gemacht haben, ist fraglich, aber im Gastgewerbe wurde zur Zeit des Minderjährigen Josef Schober, geb. 6.11.1858, sogleich nach Erreichung der Volljährigkeit sogar investiert. 1884 nahm er von Frau Franziska Lemisch, geborene Rainer Darlehen in Höhe von 815 und nochmals 7000 Gulden auf. Dazu passt eine Notiz des städtischen Bauamtes. Demnach begehrte der Besitzer im Herbst 1891 die Genehmigung zum Umbau seines Wohnhauses sowie für Errichtung einer Holzhütte. 1911 folgte auf den jungen Schober eine Marzella Schober. Sie ist nicht in der Lage, die eingegangenen Verpflichtungen zu erfüllen und verfällt in Zwangsversteigerung. Drei lange Kriegs-Jahre bleibt die Sparkasse der Stadt St.Veit, die zur Rettung ihrer Forderungen bieten musste, im Grundbuch angeschrieben.

Der fürchterliche Krieg war zwar offiziell zu Ende, Kärnten aber noch lange nicht im Frieden angekommen, da liest man, Anna Tamegger dürfe am 21.12.1918 ihr“ Gasthaus Zur Wartburg“ offen halten. Tanz sei allerdings verboten und vom Reinertrag hat sie 10 Kronen zu Gunsten der Krieger-Witwen und –Waisen bei der Bezirkshauptmannschaft abzuführen. Es ist nicht anzunehmen, dass dieser Gasthausname tatsächlich erst 1918 geboren worden wäre, steht er doch für die in Österreich seit 1871 sehr verbreitete Sehnsucht nach Vereinigung mit dem Deutschen Reich eines Kaiser Wilhelms und Bismarks. Das Wartburgfest bei Eisenach in Thüringen hatte für all-deutsche Studenten und ebensolche  Sänger, die es auch in St. Veit gegeben hat (z.B. MGV von 1863 – Turnverein) eine unbändige Anziehungskraft und Bedeutung. Dass man diesen Leuten nicht nur in Klagenfurt, sondern auch in St. Veit schon früh eine gastliche Stätte, also eine Möglichkeit des Zusammenkommens bieten wollte, liegt auf der Hand. Dieser Name ist älteren Mitbürgern noch durchaus geläufig, war aber spätestens ab 1945 nicht mehr so zugkräftig wie einst.

Anna Tamegger war zwar die Wirtin, am Hause gab es aber eine Mitbesitzerin namens Juliane Polomsky. Letztere war ab 1921 Alleinbesitzerin. Sie trug ab 1950 infolge Verehelichung den Namen Liebetegger. Jetzt gab es neben dem Gastgewerbe auch eine Mietwagen- sprich eine Taxi- Konzession. Ab 1954 kam es mit Maria Tschudnig zu einem kurzen Zwischenspiel. Diese Wirtin, mit Jahrgang 1893 nicht mehr die Allerjüngste,  verschuldete sich sogleich bei der Sparkasse mit 114.000 Schilling, höchstwahrscheinlich um den Kaufpreis aufzubringen, und verkaufte 1956 an Emmerich Rohrer. Rohrers Gattin Theresia, Jahrgang 1926, war von nun an die Seele des Hauses, eine Wirtin aus echtem Schrot und Korn, eine Wirtin wie sie sein soll, tüchtig, leutselig und vor allem unendlich fleißig. Der Mann war wohl auch da, befasste sich aber mit Holzhandel. Alle Mühen des Gastgewerbes nahm die Frau auf ihre Schultern. Ihr ist auch der neue Name „Steyrerhof“ zu verdanken. Aus guten Gründen und nach reiflicher Überlegung wählte man diesen Gasthausnamen! Es war die Zeit, wo erstens, alle Steirer die nach Kärnten wollten oder wieder heimwärts strebten, hier vorbeikommen mussten – es gab noch keine Umfahrung –  und zweitens, wo um den Wiesenmarkt mit seinem enormen Viehauftrieb herum viele Steirer tagelang in St. Veit zu tun hatten und gerne bei Frau Rohrer Quartier bezogen. Weil noch dazu das abendliche Wiesengeschäft sich noch in der Stadt und nicht auf der Rennbahn abspielte, war im Steyrerhof immer viel los und das Geschäft ging blendend.

Letzteres sei abschließend auch den neuen Wirtsleuten und ihrem Wimitzer Bier gewünscht.

 Walter Wohlfahrt  in StadtBlattl von Fritz Knapp, August 2012

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