Eine interessante Ecke unserer Stadt

Mai 28, 2012 um 17:39 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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Das Wohnhaus Bräuhausgasse 25A der Familie Martin Bodner ist unmittelbar an die Stadtmauer angebaut. Insgesamt fünf Fensteröffnungen durchbrechen die Wehrmauer gegen den Stadtgraben hin. Der Zugang besteht von der Bräuhausgasse her und dieser wurde stets auch von den Nachbarn links und rechts mitbenützt. Das meist geschlossene Tor läßt den Blick von Foto 1 aber selten zu.

 Dieses Gebäude war seit 1768 das Benefiziatenhaus der Gleismüllner´schen Stiftung mit der Adresse Judengasse Nr.25 alt, 26neu. Als Vorbesitzerin gilt Johanna Höcher, eine Malerswitwe. Dieses Haus ist jedoch von dem in der Stiftungsurkunde von 1474 genannten „Kaplanshaus  zu St.Veit in der Stadt zwischen Hans Kaltenhauser  und Peter Maler gelegen“ zu unterscheiden. Das älteste Domizil des Benefiziaten lag nämlich ebenfalls in der Judengasse/spätere Bräuergasse, in nächster Nähe zwar, aber doch an anderer, bislang unbekannter Stelle.

 Dieses erste Gebäude wurde nach Beschädigung durch den Stadtbrand von 1747 verlassen. Für den Benefiziaten gab es bis 1768 ein Zwischenquartier im sogenannten Zigulnig´schen Hause in der Kirchgasse neben der Mesnerei. Als jedoch Jakob Moschee dem Johann Höfferer von Baltersperg 1768 im Benefizium nachfolgte, hielt es dieser in der Kirchgasse nicht lange aus. Er beklagte sich beim Patron, also beim Magistrat, sein Haus sei voller Mäuse, Ottern und Schlangen und obendrein noch feucht und ungesund. Moschee – von ihm stammt zur Erinnerung an seine Eltern die Grabinschrift, welche links vom Südportal in die Außenwand der Stadtpfarrkirche eingemauert ist und wie folgt lautet:

„Franz Moschee, Bürger und Glasermeister ligt allda bey seiner Gattin Maria welcher den 31. July 1768 gestorben, dem Gott samt allen Verstorbenen gnädig seye. Aus kindlicher Liebe gegen seine lieben Aeltern hat Jacob Moschee, gewester Dechand zu Lind in Traathal (Drautal) als Gleismüllner Beneficiatus Curat diesen Grabstein machen lassen“ – war somit der erste Benefiziat, der das Haus Judengasse 25alt, 26neu bewohnt hat. Der Magistrat zeigte sich bei dieser Gelegenheit von seiner besten Seite. Er gewährte zweihundert Gulden für die Adaptierung des desolaten Gebäudes und auch das nötige Bauholz aus eigenem Wald. 1769 richtete Moschee ein neuerliches Ansuchen um weitere Bauhilfe an die Stadtherren. Diese wollten zunächst wohl nichts mehr davon hören, doch nach Intervention des Bischofs von Lavant, griff man halt noch einmal ins Stadtsäckl.

Die vermutlich nächsten Benefiziaten sind Jakob Tonitz (1832 genannt) und Kajetan Klesel (1845). Zu ersterem wäre zu ergänzen, daß lt. Stiftregister um 1823 bis längstens 1826 „Herr Primus Tonitz, Weinhändler allhier, den jährlichen Fruchtgenuß von einer Wiese als kleine Remuneration für die Temporalienverwaltung der Gleismüllner´schen Benefiziat Gült“ inne hatte. Es sieht ganz so aus, als gäbe es ein Verwandschaftsverhältnis zwischen dem Benefiziaten und dem Weinhändler. Von Klesel wird gesagt „er wohne im Hause Nr. 26, einem städtischen Gebäu, zusammen mit einer Magd“. Das Wohnhaus dürfte also damals aus Erdgeschoß und einem Obergeschoß bestanden haben. Das mit dem „städtischen Gebäu“ ist aber sicherlich ein Irrtum, nur daraus entstanden, daß die Stadt immer wieder für alle Gebäudekosten aufkommen sollte und zeitweilig auch tatsächlich dafür aufgekommen ist. Über die Verfügungsrechte der kirchlichen Behörden ist jedoch nur einmal in alter Zeit und nur vorübergehend ein Zweifel aufgekommen, als während der Reformation die lutherisch gesinnte Stadtverwaltung das damals umfangreiche Besitztum der Gleismüllnerischen Stiftung an sich zu ziehen trachtete. Der jeweilige Benefiziat hatte laut  Stifterwillen  zwar  die  Möglichkeit, Grundstücke und Besitztümer zu verkaufen oder zu vertauschen, benötigte dazu aber die ausdrückliche Zustimmung des Erzpriesters von Friesach bzw. des Salzburger Erzbischofs, später die des Bischofs von Gurk.

Auf Klesel folgte möglicherweise schon Franz Franziszi als Benefiziat und Katechet. Er, der berühmte Kärntner Volkstumsforscher, bewohnte unserer Haus für die Dauer seines Wirkens in St.Veit und zwar von 1857 bis 1870 und hinterließ eigenhändig geschriebene Notizen zur Geschichte der Gleismüllner´schen Stiftung. Er bemühte sich darin auch um die Lokalisierung des ursprünglichen Benefiziatenhauses in der Judengasse, ohne aber anscheinend zu befriedigenden Resultaten zu gelangen, denn in seiner Veröffentlichung von 1864 – „Archiv für vaterländische Geschichte, Seite 77ff“ – läßt er alle Überlegungen zum ältesten Benefiziatenhaus bezeichnenderweise gänzlich weg. Oswin Moro widmete diesem vortrefflichen Mann und vorbildlichen Seelenhirten einen würdigen Nachruf in der Carinthia 1951, Seite 6ff.

 Ob und wer nach 1870 dieses Haus als Benefiziat noch bewohnt hat, ist vorerst nicht auszumachen. Bald dürfte man jetzt aber dazu übergegangen sein, die vorhandenen Wohnräume im Haus in der Bräuhausgasse einfach zu vermieten. Die einst ansehnlichen Stiftungserträge – bis 1848 nahezu ungeschmälert vorhanden – sind insbesondere durch die Grundentlastung der bäuerlichen Untertanen stark geschrumpft. Man erhielt nur ein Drittel des Wertes an Ablöse und legte diese Mittel in Wertpapieren an, verlor aber dafür die bisherigen Erträgnisse aus Huben in Straganz, in Niedergöriach am Magdalensberg, am Ranach bei Brückl, in Thalsdorf, St.Sebastian und Glandorf zu hundert Prozent. Im Eigentum verblieben lediglich die nichtbäuerlich, also etwa an Kaufleute und Gewerbetreibende verpachteten Äcker und Wiesen im Weichbild der Stadt, sowie das Benefiziatenhaus in der Bräuhausgasse. Die Erträge daraus belaufen sich knapp nach der Jahrhundertwende lt Kassa-Journal 1902-1929 für Pachtgründe auf 110 Kronen, für Mieteinkünfte beim Benefiziatenhaus auf 240 Kronen und für Zinsen aus einem Wertpapier-Nominale von insgesamt 7.500 Kronen auf etwa 300 Kronen, zusammen also auf rund 650 Kronen jährlich. Das reichte gerade einmal für die Steuern, für durchschnittlich 100 Stiftungsmessen à 1 Krone 20 Kreuzer und für das Verwaltungshonorar von 432 Kronen pro Jahr. Solche Zahlen ließen natürlich den Posten eines Benefiziaten schon zu Franziszis Zeiten völlig unattraktiv erscheinen und es würde garnicht wundernehmen, wenn sich danach niemand mehr für diese Stelle gefunden hätte. Mit dem unglücklichen Ende des 1. Weltkrieges sind obendrein auch noch alle Wertpapiere der Inflation zum Opfer gefallen.

Zur Hausgeschichte bietet das Kassen-Journal noch einige Details. So hört man im Jahre 1902, daß der Lehrer Adam mit seiner Familie einziger Mieter ist und jährlich 240 Kronen zahlt. Die Wiese beim Pulverturm hat Gustav Mlinek um 63 Kronen, Franz Titz einen Acker um 35 Kronen und Andreas Pogatschnig ein drittes Grundstück um 16 Kronen in Pacht. Mit der Zeit wechseln nicht nur die Pächter sondern auch im Hause tut sich einiges. Auf den Lehrer Adam folgt 1906 Franz Lappitsch, Bahnbediensteter als Mieter. Aus diesem Anlaß liefert Tischlermeister Johann Essich einen neuen Küchenboden um 18 Kronen. Eigenes Wasser gibt es beim Hause nicht, daher werden 4 Kronen an den Wirt Josef Migglitsch für die Gestattung des Brunnwasserbezuges geleistet. 1907 macht Zimmermeister Carl Ebner für 23 Kronen eine neue Senkgrubenabdeckung im Rainer Garten. Das heißt, daß der Hauskanal durch die Stadtmauer durchführte. Im Jahre 1920 – wie man weiß, am Höhepunkt der Wohnungsnot in St.Veit – kommt es anscheinend zur Aufstockung des Hauses, denn es werden nicht nur „140 Kronen für Verputzen der Wohnung im 2. Stock“ ausgegeben, es gibt von nun an plötzlich  3 Mieter, namens Vetter, Kraßnig und Herenig. Die Miete beträgt für jeden 10.000 Inflations-Kronen bzw. nach Währungsumstellung 1 Schilling monatlich. Im Jahre 1929 wird mit 290 Schilling mehr ausgegeben, als mit 231 Schilling ein-genommen. In den Ausgaben ist ein Betrag von 116 Schilling für 29 Stiftungsmessen enthalten. Für den Mieter Kraßnig kommt im Jänner 1939 Herr Kanolzer ins Haus und bleibt bis mindestens 1957. Seine Nebenmieter wechseln häufig. Es sind dies u.a. Maria Gaggl, Ernst Schöppl und Herr Bizai. Am 2.8.1941 wird die Wasserleitung montiert (Luftschutz!) und im November darauf eine Wasseruhr eingebaut. 1942 mußte eine Luftschutzspritze ins Haus und weil über den Winter die neue Wasserleitung einfror, war diese im April 1942 aufzutauen. Oh ja, der strenge Winter 1941/42 hat noch viel schlimmeres auf dem Gewissen……

 Walter Wohlfahrt in „St. Veit Kommunal“  August 2000

 

 

 

Zur Schwarzen Muttergottes…..

Juli 28, 2011 um 16:31 | Veröffentlicht in St.Veit | Hinterlasse einen Kommentar
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…oder von dort weiter auf einen der beiden Muraunberge führen interessante, in letzter Zeit zum Teil aufwendig gesicherte Spazierwege. Von der Kapelle weiter gibt es mindestens drei Varianten. Links gelangt man am Zaun des Pulvermagazins des Bundesheeres vorbei über die Höhe zum Murauner, geradeaus nach Zwischenbergen – wie treffend ist dieser Ortsname – und rechts hoch geht es auf die Weberitsch Höhe mit schönen Ausblicken auf die Stadt.

 Nun hört man, auch St.Veit soll einen Link zum Hemma-Weg bekommen und der könnte, nicht unpassend von Süden her – einer alten Verbindung folgend – an der Gnadenstelle und an dem „Brünnlein“ vorüber führen. Was weiß man eigentlich von diesem kleinen Bau der Andacht, außer daß jährlich mindestens einmal eine Prozession der Stadtpfarre dort hin unterwegs ist? Manchmal spielt der Zufall mit und im Konkreten ist es gar ein Straffall, der uns zumindest teilweise zu einer Antwort verhilft.

 Im Jahre 1892 saß nämlich ein gewisser Albert Kohlweg als Angeklagter vor dem Richter. Ihm wurde vorgeworfen, die Kapelle zur Schwarzen Muttergottes aufgebrochen und beraubt zu haben. Die Sache wäre an sich relativ einfach gewesen, doch bei Gericht und vor dem Gesetz ist es meist etwas kompliziert. Dem Richter war nämlich nicht klar, welcher Paragraph gegen den armen Sünder anzuwenden wäre, weil es einen Unterschied macht, ob die entwendeten Sachen kirchliches oder privates Eigentum darstellten. In ersterem Falle hätte die Strafe schwerer ausfallen müssen. Um richtig entscheiden zu können, gab es also von Seite des Gerichtes eine offizielle Anfrage beim Stadtpfarramt. Antwort und Strafakt sind längst den Weg allen Irdischen gegangen, wie ja immer noch für Bedürfnisse eines jeden Geschichtsfreundes viel zu viel Wertvolles einfach weggeworfen wird. Doch der Herr Stadtpfarrer, es war dies kein geringerer als Dechant Gabriel Lex, Ehrendomherr, bischöflich geistlicher Rat, hat auf der Rückseite der Anfrage penibel mit Bleistift vermerkt, was er zu antworten gedachte und so vernehmen wir:

 Besagte Kapelle liegt im Bereich der Pfarre Hörzendorf, wurde 1864 erbaut und am 17.7. des nämlichen Jahres von Franz Franziski, nebenbei Kärntens berühmten Volkskundler und damals Inhaber des Gleismüllerschen Benefiziums, ex oblationibus fidelium (als fromme Stiftung?) eingeweiht. Dieses Datum scheint auch am Sockel der Statue auf. Erbauer waren die Eheleute Vinzenz und Barbara Trixner, geborene Florian.

 So weit die Notiz des geistlichen Herrn. Dazu vielleicht einige Anmerkungen. Die alte Stadtgrenze verläuft zwar in Richtung Kollerhof, St.Andrä und schließt den Muraunberg ein, pfarrlich aber war Hörzendorf für dieses Gebiet zuständig. Franziski hat nicht nur so manches über die Stadt, sondern sogar über die Passionsspiele der Gegend aufgezeichnet. Das Benefiziatenhaus und somit seine damalige Wohnung lag in der Bräuhausgasse (heute Fam. Bodner). Die Erbauerfamilie Trixner stammte aus St.Veit und bewohnte das Haus Klagenfurter Vorstadt 23 genannt Mollei-Keusche. Heute stehen dort die Häuser Klagenfurter Straße 69 und 71 auf alter Baufläche 327. Man wird auch nicht weit fehlen, wenn man annimmt, daß dort am Muraunberg zuvor schon, am Gehweg nach Süden, ein einfaches Bild und ein Brünnlein vorhanden waren. Ein südlich davon gelegener Staudamm ist zwar nicht mehr sichtbar, muß jedoch gebraucht worden sein, denn tiefer unten am Bach lag die sogenannte Schwerspat-Mühle, zur Bleiweißfabrik gehörend. Für diese hätte die normale Wasserschüttung gewiß nicht ausgereicht. Vielleicht hat sich dadurch im Oberlauf des kleinen Gerinnes, im linken Berghang ein Wassergang ergeben, der dann bei der Kapelle nur knapp höher als das Bächlein selbst austreten konnte. Das Brünnlein wurde laut Auskunft des Städtischen Wasserwerkes zuletzt zweimal bakteriologisch untersucht und es gab keine Beanstandung. Woher die Zuleitung kommt und ob es dazu eine eigene Quellfassung gibt, ist nicht bekannt aber eher unwahrscheinlich.

Daß irgend eine fromme Seele ein Schwarze-Muttergottes-Bild von einer Wallfahrt mit- und an einem Baum dort oben angebracht hat, würde durchaus altgewohnter Manier entsprechen. Die berühmtesten Schwarzen Madonnen gibt es bekanntlich in Altötting/Baiern, in Tschenstochau/Polen, ja sogar mehrmals in Spanien. Die dunkle Färbung der Bilder und Statuen führt man darauf zurück, daß Wachslichter während der langen Verehrungszeiten zu Verrußung und Schwärzung beigetragen haben, was hier natürlich nicht zutreffen kann, weil die kleine Statue von Haus aus in der Art geschaffen wurde.

 Noch ein Wort zur Quelle und zur Ansage des ORF Studio Klagenfurt zu „Orte der Kraft“. Ein Ort der Kraft kann ein jeglicher Platz sein, wo vertrauensvolle Gebete und Andachten gehalten werden, was dort auch jüngere Gedächtnisse der Familien Strutzmann und Herzele am Wege  beweisen.    X/2006

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